Ein Priester gegen Hexenwahn: Friedrich Spee

Der deutsche Jesuit Friedrich Spee verfasste 1631 die erste katholische Schrift, die Einwände gegen Hexenverfolgung und Folter erhob. Zugleich war er Lyriker und ist bis heute mit Liedern im „Gotteslob“ vertreten. Der Kirchenhistoriker Frank Sobiech beschäftigte sich mit der Figur des herausragenden Ordensmannes.

Mehrere zehntausend Menschen in Europa starben in der frühen Neuzeit als vermeintliche Hexen oder Zauberer. Die meisten von ihnen gaben unter Folter jede ihnen zur Last gelegte Anschuldigung zu. Ihren Höhepunkt erreichten die Hexenprozesse im frühen 17. Jahrhundert, und der Jesuit Friedrich Spee (1591 – 1635) war ein Zeitgenosse dieser Welle.

Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich liefen nicht vor Kirchentribunalen, sondern vor weltlichen Gerichten. Jedes Territorium hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Spee beschäftigte sich also mit weltlichem Recht.

Vor allem aber war es seine seelsorgerliche Erfahrung mit Frauen und Männern, die der Hexerei angeklagt waren, die in sein Werk „Cautio Criminalis“ einflossen. In diesem Buch übte der Moraltheologe als erster gewissermaßen innerkirchliche Kritik an der Praxis, den der Hexerei Angeklagten Geständnisse mit Folter abzupressen.

„Er beschäftigte sich insbesondere mit dem Amt des Beichtvaters, und sein Eindruck war, dass die Beichtväter auf die Pönitenten nicht hörten“, erklärt der Paderborner Kirchenhistoriker Frank Sobiech. „Sie ließen sich das, was das Gericht festgestellt hatte – und das war gemeinhin ein Schuldspruch – von den Pönitenten wiederholen, ansonsten erteilten sie keine Absolution.“

BILD: Kirchenhistoriker Dr. habil. Frank Sobiech aus Paderborn

Standen die Beichtväter also grundsätzlich auf der Seite der weltlichen Justiz und versuchten, mit ihren Mitteln die Angeklagten, meistens Frauen, zu einem Geständnis zu bewegen? – Der Historiker: „Man kann schon sagen, dass es einen gewissen Konsens zwischen Politik und Kirche gab in der Frage der Hexenprozesse.“

Sobiech hat als Habilitation ein umfangreiches Buch über Friedrich Spee vorgelegt und tief in den Archiven gegraben. Dass der Jesuit und Theologe tatsächlich in Paderborn in den Kerkern war und der Hexerei Angeklagte seelsorgerlich betreute, war manchmal angezweifelt worden  – der Historiker kann diese Tatsache in seiner Schrift jedoch belegen.

Im Kontakt mit diesen Angeklagten, die Folter und Tod gewärtigten, reiften in Spee Ansichten heran, die sich von denen anderer Gefängnisseelsorger abhoben.

Viele Beichtväter nämlich hatten – in einem allerdings dezidiert voraufklärerischen kulturellen Rahmen – ebensowenig wie die Richter den Anspruch herauszufinden, ob die Frau oder der Mann vor ihnen wirklich „eine Hexe“ oder „ein Zauberer“ war.

Die Priester begnügten sich laut Sobiech überwiegend damit, „dass die Pönitenten bedingungsweise Hexerei gebeichtet haben. Das heißt: Sollte ich Hexerei betrieben haben, dann bereue ich dies und werde mich bessern“. Zwar seien die harten Seelsorger, die in der Beichte direkt das Geständnis wiederholt haben wollten, wohl in der Minderzahl gewesen. „Aber die meisten Beichtväter dürften sich in das System eingefügt haben. Beichtväter wie Spee, die Widerstand leisteten, waren die Ausnahme.“

Spee legte seine Kritik an den Hexenprozessen in seinem Buch „Cautio Criminalis“ vor, das 1631 anonym erscheinen musste. Allerdings äußerte der Moraltheologe seine Einwände gegen die Folter auch in Vorlesungen an der Universität Paderborn.

Wie heikel das innerkirchlich war, zeigt die Tatsache, dass er daraufhin im Orden angeschwärzt wurde, wobei einige Mitbrüder ihn auch unterstützten und sogar der Ordensgeneral Muzio Vitelleschi seine Hand über ihn hielt, betont Sobiech.

Allerdings: Seinen Lehrstuhl verlor Spee, und zu den letzten Gelübden zugelassen wurde er auch nicht – aufgrund seiner Kritik an den seelsorgerlichen Gepflogenheiten gegenüber „Hexen“. Sein Werk aber trug Früchte.

„Man kann sagen, dass die Cautio Criminalis von Spee wesentlich dazu beigetragen hat, die Hexenprozesse zu beenden“, erklärt der Historiker. Mit einer Art innerkirchlichem Widerstand verhalf der Ordensmann Spee seiner Kirche zur Überwindung einer grausamen, unmenschlichen und unchristlichen Praktik.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2021-05/friedrich-spee-jesuit-hexenverfolgung-folter-frank-sobiech.html

WEITERER BERICHT auf dem Portal der Görres-Gesellschaft in Rom: https://www.goerres-gesellschaft-rom.de/news-termine/aus-aller-welt/1710-kampf-gegen-den-mainstream-des-hexenwahns-friedrich-spee.html


Fronleichnam im Freien mit Blumenteppichen und kleinen Prozessionen

Von Felizitas Küble

Leider sind diesmal am Hochfest Fronleichnam die meisten Prozessionen in den katholischen Gemeinden ausgefallen – wie es scheint, hat sich der Trend vom Vorjahr damit noch verstärkt.

Interessanterweise läuft es in den USA genau anders herum: Dort nehmen die Prozessionen an „Corpus Christi“ (der dortige Fest-Name) zu. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2021/06/03/fronleichnams-prozessionen-in-deutschland-ade-aber-in-den-usa-fangt-es-richtig-an/

Vielfach gab es hierzulande nicht einmal eine Festmesse unter freiem Himmel, obwohl das gerade in Coronazeiten weitaus sinnvoller wäre als in einem geschlossenen Kirchengebäude.

Noch verwunderlicher ist die vielfache Verringerung der hl. Messen ausgerechnet an diesem Feiertag.

Freilich haben wir auch von erfreulichen Ausnahmen erfahren.

So wurden z.B. in Hanau in der Pfarrei St. Elisabeth drei Festgottesdienste zelebriert.

Zudem gab es wenigstens eine Mini-Prozession mit Priester und Meßdiener durch einige Straßen der Gemeinde, wie unser Gast-Autor, der kath. Familienvater Hans-Michael Müller berichtet, der auch diese beiden Fotos beisteuerte.

Das erste Bild zeigt den erwähnten Umgang, das zweite die hl. Messe im Freien mit einem schönen Blumenteppich vor dem Altar.

In einer Vorort-Landgemeinde in Münster feierte der Priester das Fronleichnamsfest mit seiner Gemeinde im eigenen großen Pfarrgarten auf dem Rasen (siehe Foto).

Immerhin hatten etwa 60 Leute bei gutem Abstandhalten Platz gefunden. Leider fehlte auf dem Altar ein sichtbares Kreuz.

Unsere langjährige Autorin und Familienmutter Cordula Mohr begab sich am Donnerstag wieder nach Haus Assen in Ostwestfalen.

Das imposante Schloß im Lippetal liegt idyllisch in wunderbarer Landschaft und ist zugleich ein Exerzitienzentrum mit vielseitigen Angeboten, das die Geistlichen der SJM (Servi Jesu und Mariens) betreuen.

Hier wird die hl. Messe sowohl im alten wie auch im neuen Ritus jeweils sehr würdig gefeiert – und häufig wie hier auf dem weitläufigen Schloßplatz.

Wer uns von seinen eigenen Fronleichnams-Erfahrungen und Eindrücken berichten möchte, ist herzlich zu Leserkommentaren eingeladen – oder kann sich gerne direkt an mich wenden, vor allem mit Fronleichnams-Fotos: felizitas.kueble@web.de


Zur aktuellen Debatte: Die Segnung gehört zu den Sakramentalien der Kirche

Von Prof. Dr. Johannes Stöhr

Vor allem in lateinamerikanischen Ländern ist das Apostolat der Segnungen sehr verbreitet. Auch außerhalb der Kirchen und Kapellen suchen dort viele Gläubige mit erstaunlichem Eifer den priesterlichen Segen bei besonderen Familienereignissen und Festtagen, für ihre Wohnungen und Arbeitsgeräte.

Bei uns sind allerdings viele der traditionellen Segnungen und Bräuche vergessen, noch mehr als der Besuch der hl. Messe am Sonntag. Dem Niedergang entgegenzuwirken, ist eine wichtige pastorale Aufgabe.

Verschiedene Pressemeldungen berichteten demgegenüber von absonderlichen Segnungen von Homo-Paaren durch kirchliche Amtsträger. Nuntius Nikola Eterović erklärte in diesem Zusammenhang:  Auch Theologieprofessoren „müssen sich danach richten, was die Kirchenlehre sagt, und die ist zum Beispiel nachzulesen im Katechismus“[1].

So gibt es immer wieder aktuellen Anlass, die Lehre der Kirche zu Segnungen und Sakramentalien Erinnerung zu rufen.

Definition

Segnen, benedicere‚ bedeutet schon vom Wort her, von jemandem Gutes reden, loben, preisen. Sinn und Bedeutung von Segnungen oder Sakramentalien sind ausführlich im kirchlichen Rechtsbuch definiert und im Katechismus behandelt.

Christus selbst segnete die Kinder, die Kranken, ja die Aussätzigen; er segnete Brote und Fische, segnete Wasser und wandelte es in Wein. Mit seinem Segenswort hat er Dämonen ausgetrieben, ja selbst Tote erweckt (Mt 10,8; Mk 6,7). Und so wirkten auch die Jünger (Mk 6,13); der Herr ließ sie über jedes gastliche Haus den Frieden herabrufen (Mt 10,12 f.).

BILD: Bischof Rudolf Voderholzer segnet betagte Jubiläums-Ehepaare im Regensburger Dom

Die Kirche sollte nach dem Willen Christi sein Heilswirken auch in den Segnungen fortsetzen und so segnet sie die Menschen in ihren vielfältigen Lebenssituationen, ihre Werkzeuge und Güter und heiligt Personen zum Gottesdienst.

Segnungen gehören zu den Sakramentalien[2]. Schon das Wort verweist auf den Zusammenhang mit den Sakramenten. Der theologische Begriff findet sich sehr deutlich auch systematisch erklärt bei Petrus Lombardus[3], Wilhelm von Auvergne († 1249) und Thomas von Aquin.

Sie stellen eine breite Fülle sehr verschiedener Lebensäußerungen der  Kirche dar und sind Ausdrucksformen des fürbittenden Gebetes der Kirche. Sie umgeben gewissermaßen die Sakramente und verlängern diese in den Alltag der Christen hinein. Manche haben auch einen direkten Bezug auf einzelne Sakramente (z.B. auf die Taufe).

Ausführlich handelt das kirchliche Rechtsbuch von den Sakramentalien[4] und bringt eigens eine klare Definition: „Sakramentalien sind heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen, besonders geistlicher Art, bezeichnet und kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden“[5]. Damit wird ein Konzilstext wiederholt[6].

Auch der Katechismus der katholischen Kirche kommt mehrmals auf den Begriff zu sprechen[7]: „Als Sakramentalien bezeichnet man die von der Kirche eingesetzten heiligen Zeichen, die dazu bestimmt sind, die Menschen auf den Empfang der Frucht der Sakramente vorzubereiten und die verschiedenen Lebensumstände zu heiligen“[8].

BILD: Kardinal Leo Burke empfängt in Wisconsin den Primiz-Segen eines Neupriesters

Der Katechismus definiert und stützt sich dabei auf das  Konzil[9]: „Außerdem hat die heilige Mutter Kirche Sakramentalien eingesetzt. Diese sind heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen besonders geistlicher Art bezeichnet und kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden.

Durch diese Zeichen werden die Menschen bereitet, die eigentliche Wirkung der Sakramente aufzunehmen; zugleich wird durch solche Zeichen das Leben in seinen verschiedenen Gegebenheiten geheiligt“.

Wirksamkeit von Segnungen

Sakramentalien fördern die Frömmigkeit mit den ihnen eigenen Riten und ihr Vollzug bedeutet ein verdienstliches gutes Werk. Doch wirken sie nicht aus sich heraus. Sie sind religiöse Vollzüge, aber nicht schon kraft des äußeren Zeichens direkt gnadenwirksam wie die Sakramente. Ihre Kraft kommt ihnen fürbittweise zu durch das Weihegebet der Kirche, und den damit verbundenen Glauben und das Vertrauen des einzelnen Spenders und Empfängers.

Auch die subjektiven Bemühungen des Spenders oder Empfängers sind wesentlich mitbestimmend für ihre Wirksamkeit.

Sakramentalien verleihen keine heiligmachende Gnade, können jedoch zur Vermehrung der Gnade disponieren. Sie wirken zwar nicht schon aus einer von Christus selbst eingestifteten übernatürlichen Wirkkraft des heiligen Zeichens, ex opere operato, und auch nicht einfach nur in Abhängigkeit von Vollzieher oder Empfänger; sie wirken jedoch grundsätzlich kraft kirchlicher Vollmacht durch die Fürsprache der Kirche, die ja als Braut Christi stets heilig ist (ex opere operantis ecclesiae).

BILD: Auch bei der kirchlichen Hochzeit wird das Brautpaar gesegnet

Eine Verleihung aktueller Gnaden geschieht durch die Sakramentalien nicht unmittelbar; die Kirche kann nicht einem äußeren Zeichen die Kraft geben, Sünden oder Sündenstrafen nachzulassen. Sie können vielmehr nur indirekt, dispositiv, zur Verleihung aktueller Gnaden beitragen[10].

Die Sakramentalien haben ihre Kraft aus ihrem andächtigen Gebrauch, sie regen die Empfänger zu frommer Disposition auf die Gnade an, haben aber vor allem durch das Gebet der Kirche eine besondere Kraft der Fürbitte vor Gott, die grundlegend ist für die eigene Bemühung der Gläubigen. Bei fehlender Disposition sind die frommen Formulierungen ungültig. Es fehlt die wie bei den Sakramenten erforderliche Intention, kirchliches Tun zu vollziehen.

Die Sakramente und die Sakramentalien sind einander äußerlich ähnlich, aber dennoch wesensverschieden. Sakramente haben ihre Kraft unmittelbar vom Christus, ihr eigentlicher und unmittelbarer Spender ist Christus selbst; die heilbringenden Geheimnisse des Lebens und Sterbens Christi haben in den Sakramenten eine neue geheimnisvolle Wirklichkeit, die in jedem Raum und zu jeder Zeit zugänglich ist.

Im Sakramentale ist die Wirklichkeit Jesu Christi nicht in derselben Weise gegenwärtig, sondern die Kirche als fürbittende und weihende. Sakramentale Segnungen nicht direkt vom Allmachtswort des Erlösergottes, sondern von den Gebeten und der Fürsprache der Kirche getragen und deshalb nicht so wirkungsmächtig wie ein Sakrament, aber weit wirkmächtiger als Privatgebete des einzelnen Christen. Aktuelle Gnaden können von ihnen kommen und Böses verhindert werden.

Sie gehen auch auf viele zeitliche und irdische Güter, insofern diese Mittel sind zur Erreichung der ewigen Güter. Zugleich bereiten Sie den Weg für die Sakramente zu deren fruchtbarer Wirksamkeit.

Einige Weihen werden ein für alle Mal gespendet und nie wiederholt, wenn Personen Christus und dem Dienst der Kirche geweiht werden bzw. Orte und Gegenstände für den liturgischen Gebrauch[11]. Was einmal durch Weihe oder Segnung für den Gottesdienst geweiht oder gesegnet worden ist, darf nicht zweckentfremdet werden[12]; es kann seine Weihe wieder verlieren, z.B. auch durch ein Dekret der zuständigen kirchlichen Autorität.

Verschiedene Arten von Sakramentalien

Es gibt sehr verschiedene Arten von Sakramentalien: Weihen und Segnungen, Exorzismen, Prozessionen und Rituale; sie umfassen sowohl Personen als auch Gegenstände. Heiligung im strengen Sinne betrifft natürlich nur Personen.

Man kann Benediktionen, konstitutive und invokative Sakramentalien unterscheiden. Konstitutive Segnungen sind teilweise dem Bischof reserviert. Die invokativen Segnungen rufen allgemein den göttlichen Segen über Personen oder Dinge herab.

Sie sind von der Kirche „in einer gewissen Nachahmung der Sakramente“ eingesetzt. Es sind entweder Dinge (Weihwasser, Ölweihe, konsekrierter Altar) oder Handlungen. Sie werden aber auch außerhalb der Sakramentenspendung angewandt. Eine Person oder Sache wird durch die konstitutive Segnung, die mit einer Salbung verbunden ist,  dauernd dem profanen Gebrauch entzogen und dem Dienste Gottes geweiht bzw. (objektiv) heilig (Segnung von Glocken, Kirchen, Altarweihe, usw.).

Konstitutive Segnungen sind jene, die eine Person zu einer objektiv geheiligten machen. (Ordensprofess, die sog. niederen Weihen vor der Spendung der Priesterweihe, Abtsweihe, Jungfrauenweihe)[13]. Exorzismen können Sachen oder Personen betreffen.

Kirchliche Vollmachten

Das Maß der Wirksamkeit von Segnungen hängt nicht zuletzt auch von der jeweiligen Vollmacht des Spenders ab, die recht verschiedenartig sein kann. Dem Priester sind im offiziellen Rituale[14] die unterschiedlichsten Gebete und Segensformeln anvertraut; er handelt im Namen und mit direktem Auftrag der Kirche; einige Segnungen sind dem Bischof reserviert. Beim Tischgebet kann der Familienvater das Brot segnen.

Einige Sakramentalien gehen auf Christus selbst zurück (z. B. die Fußwaschung). Der Spender eines Sakramentale muss die jeweils nötigen kirchlichen Vollmachten haben[15]. Im Benediktionale ist im Einzelnen festgelegt, wer als Spender in Frage kommt.

 „Neue Sakramentalien einführen oder anerkannte verbindlich auslegen, einzelne von ihnen abschaffen oder verändern, kann allein der Apostolische Stuhl“[16].  „Bei der Vornahme bzw. der Spendung der Sakramentalien sind die von der kirchlichen Autorität gebilligten Riten und Formeln genau einzuhalten“[17].

Abstufung der Spendervollmachten

„Je mehr eine Segnung das kirchliche und sakramentale Leben betrifft, desto mehr ist ihr Vollzug dem geweihten Amt vorbehalten“[18].

Bei der Bischofsweihe werden die Worte gesprochen: „Was immer Du segnest, möge gesegnet sein, was immer du heiligst, möge geheiligt sein, und die Auflegung dieser geweihten Hand gereiche allen zum Heile“.

Spender von Sakramentalien ist nach kirchlichem Recht in der Regel der dazu bevollmächtigte Kleriker[19]. Näherhin: „Weihen und Weihungen können gültig diejenigen vornehmen, welche die Bischofsweihe empfangen haben, sowie Priester, denen es von Rechts wegen oder durch rechtmäßige Ermächtigung gestattet wird“[20].

Die Ordnungs- und Aufsichtspflicht des Bischofs gilt wie für Sakramente so auch für Sakramentalien[21]. „Segnungen kann, mit Ausnahme der dem Papst oder den Bischöfen vorbehaltenen, jeder Priester vornehmen“[22]. „Der Diakon kann nur jene Segnungen vornehmen, die ihm von Rechts wegen ausdrücklich gestattet werden“[23].

Einige Sakramentalien können gemäß den liturgischen Büchern nach dem Ermessen des Ortsordinarius auch von Laien gespendet werden, welche die entsprechenden Eigenschaften haben[24].

Öffentliche Einrichtungen werden durch einen Amtsträger gesegnet, der die Kirche in diesem Bereich vertritt. Daher sind dem Bischof Segnungen vorbehalten, in denen eine besondere Beziehung zur Diözese sichtbar wird; Priester, Diakone oder beauftragte Laien segnen im Leben der Pfarrgemeinde oder im örtlichen öffentlichen Leben; Eltern können in der Familie Kinder und Mahlzeiten segnen.

Benediktionen kann jeder Priester erteilen, sofern sie nicht Papst oder Bischöfen oder anderen reserviert sind[25]. Eine ohne Bevollmächtigung erteilte Benediktion kann ungültig sein[26].

Eine Minimalvoraussetzung für die Gültigkeit bei der Spendung von Sakramentalien ebenso wie bei Sakramenten ist der Wille, so tätig zu sein, wie es die Kirche will (intentio faciendi quod facit ecclesia).

Empfänger

Empfänger der Sakramentalien sind zuerst die gläubigen Katholiken; Segnungen können aber mit Einschränkungen auch Katechumenen oder Nichtkatholiken erteilt werden[27], damit sie das Licht des Glaubens oder auch damit zusammen die leibliche Gesundheit erhalten.

Das kirchliche Strafrecht weiß um Ausschlussbestimmungen nicht nur von Sakramenten, sondern auch von den Sakramentalien in Bezug auf Spender[28] und Empfänger[29].

Die Lebensverbindung mit Christus und rechte Disposition ist Voraussetzung für die Gültigkeit.

Aber gibt es nicht auch bei Sündern viele gute Eigenschaften und Taten, die man segnen könnte? Sicher, nicht alle Taten von Sündern sind Sünde, wie Luther meinte. Auch mörderische Diktatoren haben Tiere gefüttert, Kinder gestreichelt und Straßen gebaut. Aber ihre nur natürlich guten Werke sind nicht im Geringsten verdienstlich für die Ewigkeit, sondern irdisch-vergänglich[30]. „Was nützt es Dir, wenn du die ganze Welt gewinnst, aber Schaden erleidest an Deiner Seele?“ (Mk 8, 36; vgl. 1 Kor 13, 1-3). Man könnte auch nicht einzelne Werke und Qualitäten losgelöst von der sündigen Person segnen.

Objekte

Gesegnet werden können materielle Objekte oder Orte, die einem guten Zweck geweiht werden sollen (Altarweihe, Konsekration eines Kelches; Kirchenweihe, Kerzenweihe, Palmzweige, Friedhofssegnung).

Es bietet sich eine Fülle von Segenstexten und Bräuchen an[31]. Sakramentalien sind die Segnung der Palmzweige am Palmsonntag, die Spendung des Aschenkreuzes, die Fußwaschung am Gründonnerstag, der Blasiussegen, die Kreuzverehrung am Karfreitag, das Weihwasser, das Taufgedächtnis und die kirchliche Begräbnisfeier. Aber natürlich nichts, was nur zu einem moralisch verwerflichen Zweck gebraucht werden kann, wie etwa Drogen und Tötungsgifte. Widersinnig wäre es natürlich auch, Kindertötungs­kliniken, Streuminen oder Bordelle zu segnen.

Segnung von Tieren, zumal von Nutztieren ist allgemein gesehen keineswegs unerlaubt. Doch wenn jemand auf die Idee kommen sollte, deshalb auch Flöhe, Wanzen, Stechmücken, Mistkäfer, Küchenschaben oder Ähnliches zu segnen, dürfte er sich beim Psychiater vorstellen.

Schwieriger ist es bei Personen: Da kommt es auf die Disposition an. Denn wichtiger noch als die Weihe von Gegenständen ist die Weihe oder Segnung von Personen (Jungfrauenweihe, Ordensprofess, Benediktion eines Abtes oder einer Äbtissin). Bei derartigen Segnungen geht es nicht nur um Urteile des gesunden Menschenverstandes oder etwa Geschmacksfragen, ob jemand sympathisch, eklig oder hässlich erscheint.

Die Segnung von unbußfertigen Homo-Paaren ist schon mit dem Begriff des Segens als einer kirchlichen Handlung unvereinbar und ungültig. Konsequent, aber gar nicht zeitgeistkonform wäre dann auch die Segnung von Ephebophilen oder Pädophilen…

Folgerungen

Sakramentalien sind in den vielfältigsten Lebensbereichen der Kirche, der unverlierbar heiligen Braut Christi, sehr wichtig. Der Versuch einer Spendung von Segnungen an unbußfertige öffentliche Sünder ist nicht nur grob geschmacklos und skandalös, sondern eine unkirchliche und ungültige Handlung, ein Missbrauch priesterlicher Vollmachten.

Bei der Spendung ist auch Rücksicht zu nehmen auf das mögliche scandalum, das schlechte Beispiel, auf den Eindruck, Mangelhaftes, ja Sündhaftes gutheißen zu wollen; und im konkreten Fall scheint es, man zweifele an der Sündhaftigkeit der widernatürlichen homosexuellen Handlungen. Segnung von Homo-Paaren bedeutet dann praktisch auch Verführung zu weiteren Sünden. Auch gerät man heutzutage auch leicht in den Verdacht, selbst zu homosexuellen Seilschaften zu gehören.

Bei den Sakramenten unterscheidet man in Bezug auf die menschlichen Empfänger Sakramente der Lebenden und der Toten; letztere besagen, dass durch Taufe und Buße jemandem die Gnaden Christi zuteilwerden können, dem das Gnadenleben noch fehlt, der aber disponiert ist und bereut. Sakramentalien sind nun aber analog zu den Sakramenten der Lebenden zu verstehen (einmal abgesehen davon, dass unter bestimmten Bedingungen auch ein Exorzismus vorgenommen werden kann).

Fehlende Disposition und verlorenes Gnadenleben lassen demnach keinen Segen zustande kommen; der Gnadenstand – und nicht nur einzelne aktuelle Gnaden – ist die Voraussetzung für die Wirksamkeit.

Wenn heute einige allzu sehr an Publicity Interessierte spektakuläre Segnungen von permanenten Sündern vornehmen, so bedeutet dies nicht nur ein befremdliches Fehlen kirchlicher Grundeinstellung, des sentire cum ecclesia, sondern auch ein Defizit des gesunden Menschenverstandes und guten Geschmacks, ein Unsinn reinster Güteklasse.

Es handelt sich ja bei Segnungen um kirchliche Vollzüge, abhängig von den jeweiligen für das Wirkungsmaß bestimmenden sehr unterschiedlichen Vollmachten der Spender und von der gnadenhaften Christusverbundenheit der Empfänger. Wer nicht versteht, dass es sich dabei um kirchliches Tun handelt, das sündhafte Bedingungen ausschließt, kann folglich auch nicht zu Recht eine missio canonica beanspruchen, d.h. im Namen und Auftrag der Kirche aufzutreten.

Unser Autor Prof. Dr. theol. Johannes Stöhr aus Koln ist katholischer Priester und Schriftleiter der Fachzeitschrift „Theologisches“. – Dieser Beitrag erschien zuerst in „Theologisches“; siehe hier: http://www.theologisches.net/images/2019—Theol—01–02.pdf


[1]    Kath.net 27. 10.2018.
[2]    Vgl. u. a.: Matías Augé, „Sacramentales“, GranEncRialp 20 (1971, 1979)  617-619; F. Diekamp/C. Jüssen, Katholische Dogmatik, III, 12Paderborn 1954, 67-70; A. Michel, Sacramentaux, DThC XIV, 465-482.
[3]    Sent., IV, 6, 7.
[4]    Z.B. im CIC, can. 1166-1172.
[5]    CIC, can. 1166: „Sacramentalia sunt signa sacra, quibus, ad aliquam sacramentorum imitationem, effectus praesertim spirituales significantur et ex Ecclesiae impetratione obtinentur”.

[6]    Vaticanum II, Sacrosanctum Concilium, 60.
[7]    KKK n. 1667-1668, 1670-1672, 1677-1678.
[8]    KKK 1677.
[9]    KKK 1667; SC 60.
[10] Thomas, S.th. III, q. 65 a. 1 ad 6 et ad 8.

[11] Vgl. KKK, Nr. 1672.
[12] CIC, can. 1171.
[13] Vgl. KKK, 1672.

[14] Rituale romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II renovatum, auctoritate Pauli PP. VI editum, Ioannis Pauli PP II cura recognitum, 1972ff.; Parsch, Pius (Hrsg.), Bärsch, Jürgen. Lieger, Paulus (Übers.), Römisches Rituale, deutsch: Festgabe für Rudolf Pacik, Pius Parsch (Hrsg.). Würzburg: Echter, 2012.

[15] Vgl. die verschiedenen Vollmachtsberechtigungen im CIC, can. 1169–1170.
[16] CIC, can. 1167, § 1.
[17] CIC, 1167 § 2.
[18] KKK, 1668.
[19] CIC, can. 1168.
[20] CIC, can. 1169 § 1.
[21] CIC, can 392 § 2.
[22] Ib. § 2.
[23] Ib. § 3.
[24] CIC, can. 1168.

[25] CIC, can. 1147 § 2.
[26] CIC, can. 1169 § 2, 3.
[27] CIC, can. 1170: „Benedictiones, imprimis impertiendae catholicis, dari possunt catechumenis quoque, immo, nisi obstet Ecclesiae prohibitio, etiam non catholicis”. Vgl. CIC/1917, can. 1149.

[28] CIC 1331 § 2; can 1335; can. 1352 § 1; CIC/1917: can. 2262, 2275 Nr. 2.
[29] CIC/1917, can. 2275 Nr. 2; can 2291 Nr. 6, 2375.
[30] Vgl. Johannes Stöhr, Würdigung von Lebenswerten bei Kapitalsündern? Zur Vergessenheit der Gnadenlehre, Theologisches 45 (Sept./Okt. 2015) 439-454
[31] Vgl. Bischöfl. Seelsorgeamt Regensburg (Hrsg.), Segnungen und Weihen, 2Regensburg 1974.

Fotos: Bonifatius-TV, Bistum Regensburg, Dr. E. Breburda, Evita Gründler, Archiv


Viele jüdische Priester glaubten an Christus

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Apg 6,1-7.

In jenen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.

Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
Sie ließen sie vor die Apostel hintreten – und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch zahlreiche Priester nahmen gehorsam den Glauben an.


Kein Homo-Segen: Orthodoxie stimmt zu

Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, hat für die jüngste Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation rund um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare lobende Worte gefunden.

Der Vatikan hatte erklärt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht besitze, Verbindungen von Menschen gleichen Geschlechts zu segnen. In seiner TV-Sendung „Kirche und Welt“ wies der Metropolit zuletzt darauf hin, dass in diesem Punkt die offizielle Lehre der Römisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche übereinstimmten.

Zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der christlichen Ehe bestehe ein Wesensunterschied. Deshalb könne es auch keine kirchliche Trauung oder auch nur einen Segen dafür geben, so der Metropolit. Er sprach im Blick auf gleichgeschlechtliche Paare auch von einer „sündhaften Lebensweise“.

Das schließe zugleich aber nicht die Möglichkeit aus, dass homosexuelle Menschen einzeln einen Segen empfangen, so der Metropolit. In diesem Fall habe ein Priester kein Recht, dieser Bitte nicht zu entsprechen, denn: „Wir segnen dann nicht ihre sündhafte Lebensweise, wir segnen den Menschen.“

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2021-03/segen-homosexuelle-paare-lob-orthodox-moskau.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Bischof Voderholzer segnete das Krankenöl, das Katechumenenöl und Chrisam

Am Montag dieser Karwoche hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom St. Peter die Missa chrismatis gefeiert, in der die Weihe der heiligen Öle vorgenommen wird.

Zudem haben die anwesenden Priester aus der ganzen Diözese die Erneuerung ihres Weiheversprechens abgelegt.

Intensiv wurde das Prinzip der Stellvertretung gelebt: Die anwesenden Regionaldekane und Dekane standen für die vielen Priester im Bistum. Auch Gläubige, darunter vier junge Menschen waren gekommen. Es war bereits die zweite Missa chrismatis während der Pandemie, diesmal waren allerdings wesentlich mehr Personen anwesend als ein Jahr zuvor.

Vor der Pandemie waren zu diesem Termin traditionell die künftigen Firmlinge in den Dom gekommen. „Diesmal müssen wir wieder auf das sprudelnde Leben verzichten, das die jungen Leute sonst mitgebracht haben“, sagte Bischof Voderholzer.

Der Tag wird herbeigesehnt, an dem es wieder möglich sein wird, in der großen Gemeinschaft den Gottesdienst zu feiern: „Aber wir wollen nicht das Virus, sondern die Glaubensfreude verbreiten.“

Die Öle wurden für den Gebrauch im Bistum gesegnet. Sie sind das besondere Zeichen für die Einheit in der Diözese Regensburg. Im Anschluss an die Feier erhielten die Dekane bzw. von ihnen beauftragter Priester aus dem ganzen Bistum, teilweise von Laien unterstützt, die Öle, die sie in Gefäße füllten und in die Dekanate brachten.

Mit den Krankenölen wird bei der Krankensalbung die Hand eingerieben, wobei Sündenvergebung zugesprochen sowie um Heilung, Genesung und das Bestehen einer schwierigen Situationen wie einer Operation gebetet wird.

Das Katechumenenöl wird für Erwachsene eingesetzt, die sich auf den Empfang der Taufe vorbereiten.

Das geht auf den antiken Brauch zurück, Kämpfer für den Ringkampf zu salben. Entsprechend steht das Öl dafür, dass die Katechumenen den Glauben erringen können.

BILD: Erwachsenen-Taufe im Dom von Regensburg

Am häufigsten aber wird das Chrisamöl gebraucht: bei der Taufe als Erweiterung und Vertiefung des Übergießens mit Wasser. Es handelt sich um ein duftendes und stärkendes Oliven- sowie auch Rosenöl. In Israel wurden einst die Propheten, Priester und Könige gesalbt.

Bischof Dr. Voderholzer: „Jesus Christus ist der schlechthin Gesalbte: der Christus.“

Eingesetzt wird der Chrisam ebenfalls bei der Firmung, bei Priester- und Bischofsweihen, zudem ei der Weihe von Kirchen, konkret der Altarweihe sowie bei der Segnung der Apostelleuchter und der Apostelsteine: „Die Kirche ruht auf dem Zeugnis der zwölf Apostel auf, deshalb wird auch bei diesen Gelegenheiten gesalbt.“

Schließlich werden die Kirchenglocken ebenfalls gesalbt.

Quelle (Text/Fotos): Bistum Regensburg


Priester stirbt bei Rettungsaktion auf See

Der katholische Pfarrer Fernando de Lima Silva, 38 Jahre alt, starb am 13. März, als er zwei Menschen in einem See in Bezerros, Diözese Caruaru, Nordbrasilien, vor dem Ertrinken rettete.

Eine Mutter und ihr 4-jähriger Junge hatten einen Bootsunfall und kämpften darum, sich über Wasser zu halten. Berichten zufolge half der Priester, beide in Sicherheit ans Ufer zu bringen, verlor aber plötzlich die Kraft und ertrank. Die Polizei untersucht noch die Umstände.

Quelle: https://gloria.tv/post/qTLY9AbPQ1Ak19vBSWZcPLmUE


Niger: Dschihad-Terror gegen Bauern

Im Gebiet um Bomoanga an der Grenze zwischen Niger und Burkina Faso, wo in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2018 der italienische Missionar Pierluigi Maccalli von radikalislamischer Miliz entführt und der schließlich am 8. Oktober 2020 freigelassen wurde, sehen sich heute Zivilisten mit psychologischer Manipulation konfrontiert.

Wie Pater Mauro Armanino, der Bruder von Pater Maccalli, berichtet, fühlen sich viele Menschen betrogen und belogen:

„Die Dschihadisten sagten zu den Studenten, sie sollten in ihre Heimatdörfer zurückkehren, um ihre Familie zu besuchen und nun ist das Gebiet, das ihre jeweiligen Dörfer verbindet, für Lastwagen, Autos, Motorräder und Fußgänger gesperrt.

Das Geläände wurde vermint, um den Handel, den Markt und die Kontakte zwischen den Menschen zu unterbrechen. Doch vielleicht ist es auch nur eine Provokation, eine Lüge, um die Bauern weiterhin in Angst und Schrecken zu versetzen“, kommentiert der Missionarund fügt hinzu:

„Oder aber es ist die Wahrheit, weil das Sprengstoffmaterial, das auch für die Goldminen der Region verwendet wird, weit verbreitet ist, ebenso wie Waffen und andere Sprengstoffe, die in diesem Teil der Grenze zwischen Niger und Burkina Faso seit langem im Umlauf sind.“

„Es ist“, fährt Pater Mauro fort „ein Schritt weiter in der Krise, denn seit der Entführung von Pater Pierluigi ist die gesamte Region terroristischen Gruppen ausgeliefert, die Tausende von Bauern praktisch als Geiseln halten“. „Schüler und Studenten mussten an einen anderen Ort ziehen, um die Schule fortzusetzen. Dasselbe haben auch Dutzende Familien getan, die verängstigt sind und nicht mehr in der Lage, das Land in Frieden zu bewirtschaften oder Vieh zu züchten.“

Quelle: Fidesdienst


Kardinal Woelki von Vorwürfen entlastet – Wo bleibt die Entschuldigung der Kampagnisten?

Von Felizitas Küble

Seit Monaten erlebten wir in Medien und Öfentlichkeit, aber vor allem innerkirchlich einen geradezu hysterischen Feldzug gegen den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki.

Dem Kardinal wurde Vertuschung in puncto sexueller Missbrauch vorgeworfen und ihm zudem angelastet, er habe das Gutachten einer Münchner Rechtsanwaltskanzlei nicht veröffentlicht.

In Wirklichkeit hatte er rein formal-rechtliche Bedenken geltend gemacht, zumal er selber darin gar nicht belastet wurde, also persönlich kein Motiv für eine „Verschleppung“ vorlag.

Zugleich hatte Woelki hochrangige Juristen mit einem Alternativ-Gutachten beauftragt, das zudem weitaus gründlicher konzipiert war – also genau das Gegenteil von „Vertuschung“ angestrebt und durchgeführt.

Wir haben hier im CHRISTLICHEN FORUM mehrfach das Jagdtreiben gegen Kardinal Woelki deutlich kritisiert und als durchsichtiges Manöver entlarvt, das weniger von der weltlichen Presse ausging, sondern vor allem von progressiven Kreisen und Gremien innerhalb der Kirche, von linkskatholischen Initiativen, Reformer-Gruppen, Zeitgeistlichen usw. (Siehe hier unsere Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Kardinal+Woelki)

So fragt man sich also: Was trieb die aufgeregte Meute dazu an, ohne jede Beweisgrundlage einen derart polemischen Feldzug gegen den Kölner Erzbischof zu führen und dabei ständig seinen Rücktritt zu fordern, ohne wenigstens die Veröffentlichung des von ihm angekündigten Alternativ-Gutachtens abzuwarten?

Der wichtigste Beweggrund für die Kampagne dürfte in der schlichten Tatsache zu finden sein, daß sich der Kardinal kritisch über Vorgänge und Zielsetzungen innerhalb des „Synodalen Prozesses“ geäußert hat, dabei diesen suizidalen „Weg“ als Holzweg entlarvte – und deshalb bei einflußreichen Progressisten innerhalb der Kirche in Ungnade fiel.

Nachdem der Kölner Erzbischof durch das Gutachten nun von allen Vorwürfen entlastet ist, warten wir auf eine Entschuldigung all jener, die ihn nicht nur voreilig, sondern vorurteilsbeladen und höchst unfair attackiert hatten und dies, obwohl sich mit Thomas Fischer ein hochrangiger Bundesrichter mit messerscharfen juristischen Argumenten vor Woelki gestellt hatte.

Der Artikel von Prof. Richter war noch dazu im nicht gerade als konservativ verdächtigen „Spiegel“ erschienen (siehe dazu unser Bericht: https://charismatismus.wordpress.com/2021/02/06/bundesgerichtshof-jurist-fischer-kritisiert-medienkampagne-gegen-kardinal-woelki/).

Aus dem gestern veröffentlichten Gutachten geht hervor, daß sich seit 1975 im Erzbistum Köln 127 „Kleriker“ (Zwei-Drittel der Gesamtzahl) des sexuellen Missbrauchs schuldig machten. Zum Klerus zählen freilich auch die meist verheirateten Diakone.

Dutzende weiterer Fälle beziehen sich auf hauptamtliche Laien-Mitarbeiter innerhalb der Kirche, was in der öffentlichen Debatte freilich kaum thematisiert wird, zumal diese Mediendiskurse vielfach eng mit dem Kampf gegen den Zölibat verknüpft sind.

Somit ergibt sich aus dieser Aufarbeitung, daß zu den Missbrauchstätern im hohen Maße auch Laien-Theologen bzw. verheiratete Personen im kirchlichen Dienst gehören.

Die alte Leier, die immer wieder neu aufgelegt wird, der priesterliche Zölibat sei die wesentliche Ursache für sexuellen Missbrauch, ist damit erneut widerlegt. Ich habe mich in der Zeitschrift „Theologisches“ vom Oktober 2018 bereits ausführlich mit dieser Thematik befaßt.

Dieser faktenstarke Grundsatzartikel wurde auch im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/09/fuehrende-experten-widerlegen-einen-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet berufliche den KOMM-MIT-Verlag und ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Warum der Zölibat dem Gottesreich dient

Von Dr. Josef Bordat

Die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Mariendonk, Dr. Christiana Reemts OSB, schreibt am 10. März 2021 in ihrem Blog:

In den aktuellen Diskussionen ist immer wieder von „Zwangszölibat“ die Rede und es wird gefordert, diese unmenschliche Bedingung für das Priestertum endlich aufzugeben. Bei vielen Beiträgen, die ich lese, fühle ich mich persönlich angegriffen, denn ich lebe selbst in dieser Lebensform und empfinde sie nicht als ein Joch, sondern als ein Geschenk, für das ich Gott danke. Manchmal vermisse ich allerdings, dass unsere Priester sich zu dieser Lebensform bekennen und von ihrer Schönheit sprechen.

Wir müssen in unserer Kirche neu den Mut haben, davon zu sprechen, dass man auch auf ganz vitale Interessen und Begierden verzichten kann. Dazu brauchen wir ein neues Verhältnis zur Sexualität, nicht im Sinn immer weiterer Liberalisierung, sondern im Sinn tieferer Humanisierung.

Kein Mensch hat ein Recht darauf, seine sexuellen Wünsche jederzeit befriedigen zu können, egal auf wen sich sein Begehren richtet. Bei Pädophilen ist uns das klar, aber es gilt für jede Lebensform, dass Liebe immer auch den Verzicht auf das Ausleben eigener Wünsche fordert.

In unserer Kirche gibt es Menschen wie meine Mitschwestern und mich, die, um Gott und die Menschen freier lieben zu können, auf Ehe, Familie und Geschlechtsverkehr verzichten. Wir wollen damit leiblich sichtbar machen, dass wir Christus nichts vorziehen. Dieser Verzicht schenkt uns Zeit für Gebet und Bibelstudium, Zeit für andere Menschen. Wir sind dadurch keine besseren Christen als Eheleute, aber wir sind von Christus wie die Priester zu einer anderen Aufgabe berufen worden. Was ärgert unsere Gesellschaft eigentlich so maßlos daran?

Höchst eindrucksvolle Worte einer Ordensfrau, Worte, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann in der aktuellen Debatte um Sexualmoral, Priesteramt und Zölibat. Worte, die glaubwürdig verdeutlichen: Der Zölibat ist wertvoll.

Der Zölibat ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, in einen Orden einzutreten oder Priester zu werden. Einfach aufgeben sollte man den Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen.

Nachfolgend möchte ich an acht Aspekte erinnern, die für den Erhalt dieser katholischen Einrichtung sprechen – bezogen auf das Priesteramt, doch selbstredend grundsätzlich auch übertragbar auf Ordensleute. Vielleicht hilft auch die Erinnerung an diese Argumente, eine andere Perspektive auf den Zölibat einzunehmen, der dem Lebensgefühl der Äbtissin (und anderer Frauen und Männer in Ordensgemeinschaften und dem priesterlichen Dienst) eher gerecht wird.

1. Bibel

Der Zölibat lässt sich zunächst biblisch begründen. Man findet im NT die Empfehlung des Apostels Paulus, ehelos zu bleiben, wenn man die Nachfolge Christi ernsthaft antreten will (vgl. 1 Kor 7, 32-35).

Allerdings lassen sich auch Ausnahmen vom Zölibat biblisch begründen. Der erste Papst war verheiratet. Zumindest ist von einer Schwiegermutter des Simon Petrus die Rede, die von Jesus geheilt wird (vgl. Mk 1, 29-31; Lk 4, 38-39; Mt 8, 14-15). Auch andere Stellen deuten darauf hin (vgl. 1 Tim 3, 2 und 12; Tit 1, 6).

Unter Umständen waren auch weitere Apostel verheiratet, schließlich schreibt Paulus der Gemeinde von Korinth: „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“ (1 Kor 9, 5).

Dagegen wiederum kann man einwenden, dass die Ehen vor der Berufung zur Nachfolge geschlossen wurden. Auch heute darf ein zum Katholizismus konvertierter Priester einer anderen christlichen Gemeinschaft verheiratet bleiben (Zölibatsdispens nach Kanon 1049, CIC).

Der Zölibat wird von Paulus vorgeschlagen, um „in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen“ zu können (1 Kor 7, 35). Grundsätzlich gilt für die Nachfolge Christi das Prinzip der Bindungslosigkeit gegenüber weltlichen Dingen: Das Loslassen, das Verlassen weltlicher Bezugssysteme (Familie, Arbeit, Heimat) steht am Beginn der Berufung (vgl. Mt 4, 18-22).

Nach kirchlicher Interpretation der Schrift hat Jesus selbst zölibatär gelebt; die Evangelien berichten nichts über eine Ehe Jesu (was sie aufgrund der Bedeutung der Ehe im Judentum mit Sicherheit getan hätten, wäre Jesus verheiratet gewesen).

2. Theologie

Es gibt darüber hinaus gewichtige theologische Argumente in der Debatte um die Bedeutung von Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit der Priester und Ordensleute. Zeichen, Charisma und Nachfolge sind die drei theologischen Hauptgründe für den Zölibat. Zunächst wird der Zölibat als Hinweis auf das Himmelreich angesehen, wo es ebenfalls keine Ehe gibt (vgl. Mk 12, 25).

Sodann wird die Ehelosigkeit als Gnadengabe betrachtet, die den Priester in besonderer Weise auszeichnet. Schließlich stehen Priester in der Nachfolge Jesu und sollen ihre Berufung durch eine möglichst enge Orientierung an Jesu Leben und Lehre zum Ausdruck bringen. Zum Leben Jesu gehört die Ehelosigkeit ebenso wie zu seiner Lehre: Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ ist einer der Evangelischen Räte (vgl. Mt 19, 12).

3. Pastoral

Es gibt darüber hinaus aber auch pastorale Gründe für den Zölibat. Ehelose Priester können sich ganz auf die Arbeit in ihrer Gemeinde konzentrieren und brauchen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit keine Rücksicht auf eine Familie zu nehmen. Sie sind unabhängig, flexibel und – in antiklerikalen Systemen – weniger leicht erpressbar.

Das ist heute in vielen Teilen der Welt höchst relevant. Ganz pragmatisch betrachtet ist es auch materiell einfacher, allein zu leben. Man braucht nur für sich zu sorgen und hat außerdem die Möglichkeit, einem Armutsideal zu folgen, das man einer Familie (insbesondere auch Kindern) nicht zumuten kann.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/03/13/der-zoelibat-kein-joch-sondern-geschenk/

Dr. Bordat verfaßte mehrere Bücher, darunter Ewiges im Provisorium (2019)
Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand (2020)