Regensburg: Bischof eröffnete Wolfgangswoche

Das Priesteramt und die Bedeutung der Frauen

Am Sonntag hat Bischof Rudolf Voderholzer in der Regensburger Basilika St. Emmeram die Wolfgangswoche eröffnet. Dazu wurde der Schrein des Bistumsheiligen aus der Wolfgangskrypta erhoben und von Diakonen in das Kirchenschiff getragen (siehe Foto).

Die gesamte Woche über werden Gottesdienste zu Ehren des Heiligen gefeiert, der zu seiner Zeit „vorausschauend, klug und gegen manche Widerstände“ das Bistum in die Zukunft geführt hat, wie es Bischof Voderholzer formulierte.

Die Wolfgangswoche, die von Bischof Rudolf Graber ins Leben gerufen wurde, mündet in die Feier der Priesterweihe.

Am 29. Juni wird Bischof Voderholzer im Dom St. Peter sechs Männer weihen. Ihnen wünschte der Oberhirte, dass sie ihren Dienst immer tiefer verstehen. Das Priesteramt sei keine „Machtposition“, sondern ein „Dienst an der Freude“.

„Christus hat ausschließlich Männer als Apostel berufen“ – das betonte der Regensburger Bischof in seiner Predigt. Sie vergegenwärtigen Christus in besonderer Weise. Dabei habe dies aber von Anfang an „die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert“.

Bischof Voderholzer erinnerte beispielsweise an die Gottesmutter, der höchste Verehrung zuteil wird, an die Bedeutung der Frauenorden als Orte der Bildung und Erneuerung oder an Frauen wie die Regensburgerin Maria Theresia Gerhardinger, die gemeinsam mit dem späteren Bischof Wittmann Großes leistete.

Mann und Frau: „wunderbarer Zusammenklang“

All diese Beispiele zeigen, wie sich Frauen seit Beginn der Kirche mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten eingebracht haben. Sie tun dies auch heute, wie der Bischof hervorhob, wenn Frauen in Politik, Wissenschaft, caritativen Aufgaben oder im Bildungsbereich für das Evangelium wirken.

Die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, werde vergegenwärtigt in der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit der beiden Geschlechter bilde wie die Männer- und Frauenstimmen in der Musik einen „wunderbaren Zusammenklang, eine Symphonie“, so Bischof Voderholzer: „Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.“

Lesen Sie hier die PREDIGT des Bischofs in voller Länge:

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zur Eröffnung der Wolfgangswoche am Sonntag, 23. Juni 2019:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am kommenden Freitagabend wird der scheidende Domkapellmeister Roland Büchner zum letzten Mal in dieser Funktion in der Domstadt die Domspatzen, unseren Domchor, im Rahmen eines Konzertes dirigieren.

Anlässlich der Feier von 50 Jahre Städtepartnerschaft Regensburg Brixen wird im Audimax der Universität Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gegeben, und die Domspatzen werden zusammen mit dem Domchor Brixen, namhaften Solisten und dem Kammerorchester Regensburg musizieren.

Die Schöpfung von Joseph Haydn gehört zu meinen Lieblingsstücken aus der klassischen Musik und ich freue mich schon sehr auf diesen Abend gegen Ende in einer ereignisreichen Wolfgangs-Woche, am Vorabend der Priesterweihe und dann der Feier von „150 Jahre Vollendung der Domtürme“.

Das Libretto dieses Oratoriums „Die Schöpfung“ orientiert sich ganz am Ersten Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis. Besonders beeindruckend ist, wie die Erschaffung des Lichtes in Töne umgesetzt wird. Unter den vielen bemerkenswerten musikalischen Akzenten ragt dann für mich heraus, wie Haydn die Krone der Schöpfung, den Menschen, geschaffen als Mann und Frau, musikalisch ehrt. Das Duett Adam und Eva und der Lobpreis der Ergänzung, der gegenseitigen Verwiesenheit von Mann und Frau, ihre gegenseitige Attraktivität zur Eröffnung von Geschichte bewegt mich immer wieder tief. Es ist geradezu eine Hymne auf die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau.

Schon vom musikalischen her wird deutlich, dass es schön und gottgewollt ist, dass es nicht nur Männerstimmen, sondern auch Frauenstimmen gibt, und dass Bass und Tenor auf der einen und Alt und Sopran auf der anderen Seite einen wunderbaren Zusammenklang, eine Sym-Phonie ergeben.

Mann und Frau sind aufeinander verwiesen. Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.

Man hat Haydn hin und wieder angekreidet, dass er die Schöpfung – ganz im Geiste der Aufklärung – zu optimistisch darstellt und den Bruch, der durch die Sünde die gute Schöpfung beeinträchtigt und belastet, auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander überschattet, zu wenig berücksichtigt. In der Tat wird nur ganz am Schluss des Oratoriums die Gefahr angedeutet, dass der Mensch seine Freiheit auch missbrauchen kann.

Aber das stellt den Wert und die Größe dieses Werkes nicht infrage. Denn es ist und bleibt unsere Glaubensüberzeugung, dass die Sünde die Gottebenbildlichkeit des Menschen nicht aufgehoben hat. Seiner Erlösungsbedürftigkeit kommt Gott selbst in der Menschwerdung seines Sohnes entgegen.

Das Oratorium ist eine Auslegung, eine Predigt über die Gutheit von Gottes Schöpfung als Grundlage der Geschichte des Heils. Und in dieser Schöpfung spielt die Polarität von Mann und Frau, ihre Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit aufeinander, eine fundamentale Rolle.

In dieses Gegenüber zeichnet sich gerade auch noch einmal der Fortgang der Heilsgeschichte ein. Das Alte Testament durchzieht wie ein roter Faden die Glaubensüberzeugung, dass sich das Miteinander Gottes zu seinem Volk verhält wie die Beziehung von Braut und Bräutigam. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich Dein Gott über Dich“ (Jes 62,5), darf der Prophet Jesaja dem Volk Israel ausrichten.

Dieses Gegenüber wird vertieft in der Beziehung Christi zur Kirche. Christus lässt mehrfach im Evangelium erkennen, dass in ihm der Anspruch Gottes des Vaters erfüllt und er der Bräutigam des neuen Bundesvolkes ist.

Diese realsymbolische Vergegenwärtigung der Beziehung von Christus zu seiner Kirche in der Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau ist bekanntlich auch der Grund, weswegen die Kirche die Ehe als eines der sieben Sakramente betrachtet; also als eines der von Gott geschenkten Zeichen seiner Gegenwart und Nähe. Und weil das kirchliche Dienstamt in der Nachfolge der Apostel zuallererst in der Vergegenwärtigung dieses Voraus Christi seiner Kirche gegenüber besteht, hält sich die katholische Kirche ebensowenig wie die orthodoxe Kirche für berechtigt, von der Praxis Jesu abzuweichen, nur Männer für diese Aufgabe für geeignet zu halten.

Widerspricht dem nun aber nicht die 2. Lesung aus dem Galaterbrief, die wir gerade gehört haben? Ist nicht die darin enthaltene Aussage, es gebe nicht mehr Mann und Frau – „männlich und weiblich“ sagt die neue Übersetzung –, eine klare Weisung hin zur Öffnung der Weiheämter auch für Frauen, wo es doch nicht mehr darauf ankomme, ob jemand Mann oder Frau sei?

Doch hier gilt es, genau hinzuhören. Der Kontext des Galaterbriefes ist die Auseinandersetzung des Apostels mit dem Wunsch der Galater, wieder unter das jüdische Gesetz zurückzukehren. Ihnen gegenüber ruft Paulus das Geschenk, die Gnade der Taufe in Erinnerung. Die Taufe hebt alle soziologischen und nationalen Unterschiede auf.

In der Kirche gibt es keine Fremden und keine Ausländer. Und auch die Herrschaft des Mannes über die Frau ist abgelöst durch eine gegenseitige Unterordnung und eine gemeinsame Unterordnung unter Christus. Zielsatz des Abschnittes ist: Ihr alle seid „einer“, „unus“, nicht „eins“, ihr seid „einer in Christus“. Durch die Taufe werden wir zu einem Leib mit den vielen Gliedern auferbaut, zum Leib Christi, dessen Haupt der Herr selbst ist. Und als Getaufte sind wir zur Freiheit befreit.

Die Worte des Paulus wären missverstanden, wenn man sie so deuten würde, als habe Paulus die Geschlechterpolarität aufgehoben und die Tatsache geleugnet, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Paulus sagt denn auch nicht: Es gebe nicht mehr Braut noch Bräutigam, oder, es gebe nicht mehr Vater und Mutter. Im Gegenteil. In anderen seiner Briefe zieht er die in die Schöpfung hineingelegte Unterschiedenheit von Mann und Frau und ihre Verwiesenheit aufeinander heran, um das Geheimnis der Liebe zwischen Gott und seiner Schöpfung, zwischen Christus und der Kirche zu verdeutlichen.

Die Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation hat von allem Anfang an die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert.

Neben Maria, der Mutter Jesu, der in der Kirche von den Uranfängen her höchste Verehrung zuteilwurde, gab es im Umfeld Jesu etliche Frauen, die ihm folgten, die ihn unterstützten und die vor allem am Karfreitag viel mutiger und treuer zu ihm standen als die Männer. Jesus hat sich über viele gesellschaftliche Schranken hinweggesetzt und einen ganz unbefangenen Umgang mit Frauen gepflegt. Wir wissen, wie ihm das nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht wurde. Umso mehr muss es aber doch zu denken geben, dass er – das bezeugen alle Evangelien, und ich verstehe nicht, wie man das bezweifeln kann – dass er ausschließlich Männer als Apostel berufen hat. Sie sollten ihn in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer auch aufnimmt mich auf und den, der mich gesandt hat.

Dies hat seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. Noch einmal: Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.

Die Kirche ist nicht eine Gewerkschaft, nicht eine Partei und auch nicht ein (gar noch monarchisches) Staatswesen, das im letzten nur eine irdische Wirklichkeit ist, eigene Zwecke und Ziele verfolgt und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten wird.

Die Kirche ist, wie wir es vom Apostel Paulus gehört haben, „einer“, ein Leib, der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz. In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht. Soziologisch gesehen haben Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen.

Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht. Die Frauenorden waren über die ganze Geschichte hinweg Orte der Bildung und der Innovation gerade auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Wer hat denn das Krankenpflegewesen, das Kindergartenwesen, die Mädchenschulen usw. erfunden?

Ich erinnere hier nur an die selige Mutter Maria Theresia Gerhárdinger, eine Stadtamhoferin. Zusammen mit dem späteren Bischof Wittmann hat sie wahrhaft Großes geleistet und gezeigt, wie die verschiedenen Dienste und Ämter in der Kirche zusammenwirken, wenn sie sich nicht in eine ungeistliche und unfruchtbare Konkurrenzsituation hineindrängen lassen, sondern im Hören auf Gottes Wort zum Heil der Menschen arbeiten.

Und so gibt es auch heute in der Politik, in der Wissenschaft, im Bildungsbereich, im sozialcaritativen Bereich, usw. usw. eine Fülle von Aufgaben, in denen wir in der Verschiedenheit und im Reichtum der unterschiedlichen Begabungen und Charismen für das Evangelium wirken können und wo gerade auch Frauen ihre Begabungen einbringen können.

Im Blick auf das geistliche Dienstamt, das ja beileibe nicht allen Männern, sondern den von Christus berufenen, zukommt, schärft uns das heutige Evangelium ein:

Es geht zuallererst um das Zeugnis. Petrus als exemplarischer Jünger bekennt Jesus als den Messias Gottes. Das Einstehen für den Glauben und das Bekennen des Glaubens an den gekreuzigt-auferstandenen Herrn ist erste und wichtigste Aufgabe. Dass dies nicht unbedingt der Selbstverwirklichung dient und einem nicht in erster Linie Beifall und gesellschaftlichen Ruhm einbringt, dafür gibt es tagtäglich Beispiele.

Und der Herr sagt es ausdrücklich: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst und nehme er sein Kreuz auf sich.

Deutlicher kann das Besondere und Spezifische des Christseins und der Kirche nicht zum Ausdruck gebracht werden. Sich ganz in den Dienst Christi stellen, und ihn mit seiner ganzen Existenz bezeugen, das ist der Anspruch an die, die zum apostolischen Dienst gerufen sind. „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“

In dieser Woche bereiten sich sechs Diakone auf die Priesterweihe vor.

Nehmen wir sie ins Gebet, dass sie das Amt, das ihnen übertragen wird, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi immer tiefer verstehen lernen und ausüben, nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Freude, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi, des Bräutigams seiner Kirche, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi als Haupt des „einen“ Leibes, der die Kirche ist in ihren vielen Gliedern, die alle berufen sind, Männer und Frauen, den Armen sein Evangelium zu verkünden, Amen.

Quelle: Bistum Regensburg

 


Kann MARIA als Priesterin verehrt werden?

Von Felizitas Küble

In der Kunstgeschichte gibt es vereinzelt Abbildungen, in denen die Madonna mit priesterlichen oder bischöflichen Insignien bzw. Kennzeichen (Stola, Kasel bzw. Meßgewand oder Pallium) dargestellt wird (wie dies auch unser erstes Foto andeutet). 

Auf Gloria-TV hat eine erscheinungsbewegte Leserin gar eine Kitsch-Darstellung mit Maria als Päpstin (sie trägt eindeutig die frühere dreifache Papstkrone) gepostet: https://gloria.tv/article/RiQr6Rzw1iEd3tfyXu7EQGKG6

Aus einigen mißverständlichen Bemerkungen, die einige marianische Theologen in ihrem Überschwang äußerten, versucht nun eine Initiative, die Forderung nach Einführung eines Frauenpriestertums zu begründen: Die Verehrung Mariens als Priesterin sei angeblich eine „latente Tradition“ in der katholischen Kirche  – und daraus ergäbe sich, daß Frauen zu Priestern geweiht werden könnten: http://www.womenpriests.org/de/mrpriest/m_gen.asp

Diese Verknüpfung eines bestimmten Marienkultes mit dem Frauenpriestertum ist kein neues Phänomen.

Bereits in der früheren Christenheit gab es die Sekte der Marianiten bzw. Philomarianiten (Freunde bzw. Lieblinge Mariens), welche die Madonna geradezu vergöttlicht haben, ihr Brot-Opfer darbrachten und Priesterinnen kannten. Frühchristliche Häresiologen (Kritiker der Irrlehren) haben sich mit dieser Abspaltung befaßt und deren überzogenen  bis blasphemischen Marienkult ebenso zurückgewiesen wie das weibliche Priestertum. 

Nicht identisch, aber damit verwandt sind die Mariaviten in Polen und Frankreich. Diese Abspaltung von der katholischen Kirche betreibt einen ausufernden Madonnenkult (wenngleich vor einer Vergöttlichung Mariens noch Halt gemacht wird) und hat sowohl das Priestertum wie das Bischofsamt für Frauen geöffnet. Die Sekte ist vor allem in Polen sehr aktiv, auch mit eigenen Kirchen und Bildungszentren.

Bei einer Verknüpfung von Maria und Priestertum werden ein paar wichtige Gesichtspunkte übersehen:

  1. Es gibt ohnehin ein allgemeines Priestertum der Gläubigen, wie sowohl die Bibel wie die Kirche seit jeher verkündet. Daran hat die Gottesmutter selbstverständlich den höchsten Anteil von allen Geschöpfen; sie ist insofern aber die „Erste unter Gleichen“. Aus dieser hervorgehobenen Stellung läßt sich kein sakramentales Priestertum ableiten
  2. Maria hat als Fürsprecherin eine gewisse „vermittelnde“ Funktion zwischen den Gläubigen und Christus. Sie ist aber nicht die Mittlerin zu Gott-Vater (dies ist Christus allein), sondern sie führt die Gläubigen zum Gottmenschen Jesus Christus hin; ihre Fürsprache ist weitaus bedeutsamer und wirkungsmächtiger als die Fürbitte der anderen Heiligen. Man kann sie auch als unseren Beistand bzw „Anwältin“(Advocata) bei Jesus ansehen. Marias Mittlerschaft ist freilich völlig abhängig von Christus und ihm wesentlich untergeordnet.
  3. Der eigentliche und einzige Mittler  – nämlich zum Vater – ist unser Erlöser allein. Die Madonna kann aber durch ihre Fürsprache und Gnadenvermittlung als „Mediatrix“ (Mittlerin) bezeichnet werden, wobei es sich hierbei nicht um ein Dogma (unfehlbaren Glaubenssatz) handelt, aber um einen in der Kirche geläufigen Ehrentitel für Maria. Diese Mittlerschaft hat eine gewisse besondere priesterliche „Note“, ist aber gleichwohl nicht identisch mit dem sakramentalen, also dem besonderen, amtlich geweihten Priestertum, das Männern vorbehalten bleibt.
  4. Maria wird oft in der kirchlichen Kunst mit einem Buch oder Schriftrollen in der Hand dargestellt, nicht allein bei der Verkündigungs-Szene, sondern z. B. auch im Wochenbett oder auf dem Esel sitzend auf der Flucht nach Ägpyten. Völlig zu Recht wird die Belesenheit und Bibelfrömmigkeit der Madonna hervorgehoben, denn wie schon ihr Magnificat (Lobgesang) zeigt, lebte sie ganz aus den Psalmen und Hymnen des Alten Testaments und kannte sicher große Teile davon auswendig. Aber aus dieser Weisheit und Gelehrtheit läßt sich kein Schluß in Richtung Amtspriestertum ziehen.

Aus der Tatsache, daß die katholische Kirche jene Darstellungen Mariens mit priesterlichen Insignien bzw. in einem liturgisch-amtlichem „Ornat“ bis zum Jahre 1913 nicht ausdrücklich verboten hat, läßt sich nicht ableiten, daß die Kirche eine Verehrung der Gottesmutter als Priesterin (im sakramentalen Sinne) gewünscht oder auch nur erlaubt habe.

Abgesehen davon, daß auch die Kirche eine gewisse „Freiheit der Kunst“ respektierte, ist Maria tatsächlich Priesterin im Sinne des allgemeinen Priestertums (dies sogar in höchster Vollendung) und im speziellen bzw. erweiterten Sinne hinsichtlich ihrer vermittelnden Fürsprache.

Zugleich ist klar, daß Christus der einzige Hohenpriester des Neuen Bundes ist, wie wir im Hebräerbrief nachlesen können. Der einzigartige Charakter des Priestertums Christi wird ausführlich erläutert. Dieses Hohenpriestertum Christi ist  „unteilbar“, ebenso wie sein Erlösungsopfer ein vollkommenes und unteilbares ist. Daß Maria auf geschöpflicher Ebene als herausragende Mithelferin beim Heilswerk Christi verehrt werden kann, das ist nicht dieselbe Ebene bzw. dies steht auf einem anderen Blatt. 

Als Anfang dieses Jahrhunderts Bestrebungen in Richtung Frauenpriestertum zunahmen (vor allem im Protestantismus), hat die römische Glaubenskongregation (damals als „Hl. Offizium“ bezeichnet) im Jahre 1913 entschieden, daß Maria nicht mehr in spezieller Priesterkleidung dargestellt werden darf. Dieser Beschluß wurde allerdings erst drei Jahre später veröffentlicht. 1926 ist dann zusätzlich jede Verehrung Mariens mit der Anrufung „priesterliche Jungfrau“ untersagt worden.

Ausführlich nimmt Bischof Epiphanius von Salamis (4. Jh.) zum Thema Frau als Priesterin Stellung. In seiner Schrift „Adversus haereses“ schreibt er über die charismatische Sekte der Montanisten: „In einer ungesetzlichen und gotteslästerlichen Zeremonie ordinieren sie Frauen und bringen durch sie im Namen Marias Opfer dar. Das bedeutet, dass die ganze Sache gottlos und frevelhaft ist … “.

Erinnert sei auch an die frühchristlichte Sekte der Kollyridianerinnen, die sich als „Priesterinnen der Maria“ verstanden und an einem für sie bestimmten Festtag in einer feierlichen Prozession ihre gebackene Kuchen herumführten und der so verehrten Maria „opferten“. Das war im Grunde eine heidnische Vergöttlichung Mariens, ein verkappter Göttinnenkult im scheinbar christlichen Gewand. Die damaligen Kirchenlehrer bzw. Häresiologen (Darsteller, Kritiker von Irrlehren) haben sich deutlich von dieser Sondergruppe distanziert.

Damals wie heute gilt: Bleiben wir bei der Marienverehrung auf der biblischen und kirchlichen Spur – und verfallen nicht in Verstiegenheiten, wie dies eine Verehrung Mariens als „Priesterin“ bedeuten würde.


Linkskatholizismus weiter auf Abwegen: Will er das Feuer mit Öl löschen?

Mathias von Gersdorff

Die ersten Reaktionen von Bischöfen auf den Missbrauchsskandal in Deutschland lassen eine eindeutige Tendenz erkennen: Der progressistische Kurs soll fortgesetzt werden, ein Umdenken, eine Reflektion über den eigenen Kurs der letzten Jahrzehnte ist nicht im geringsten erkennbar.

Das sind die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine wahre Umkehr. Denn eine solche setzt voraus, dass man Grundsätzliches in Frage stellt.Doch der deutsche Progressismus will absurderweise den moralischen Verfall mit einer Fortsetzung und sogar Beschleunigung des Kurses beheben, der diesen Verfall überhaupt erst ermöglicht hat.

Die ersten Reaktionen lassen sich ungefähr so zusammenfassen:

1. Die kirchlichen Strukturen sollen demokratisiert werden, um Cliquen und Männerbündnisse zu verhindern.
2. Die Priesterstand soll geschwächt, der Laienstand gestärkt werden.
3. Die Sexualmoral soll überdacht und gelockert werden.

Hier soll kurz erläutert werden, wieso der Progressismus dabei ist, das Feuer mit Öl löschen zu wollen. Denn genau das Gegenteil dieser vorgeschlagenen Maßnahmen braucht die Kirche.

ERSTENS: Der Klerus der katholischen Kirche bildet nicht die Leitung eines Vereins, Unternehmens oder politischen Partei, sondern ist aufgrund der Weihe ein besonderer Stand, der äußerst eng mit Christus selbst verbunden ist. Ein Priester handelt nicht nur im Auftrag Christi, sondern auch oft – bei den Sakramenten – „in persona Christi“, also an der Stelle Christi: Christus selbst spricht die Wandlungsworte in der Eucharistie, Christus selbst gibt die Lossprechung in der Beichte durch den Priester etc.

Damit verbunden ist der Auftrag des Priestertums, die Wahrheit Christi über die Jahrhunderte aufrecht zu erhalten und zu lehren. Dazu gehört auch die Vermittlung von „schwierigen“ Wahrheiten, wie etwa Moral und hier insbesondere die Sexualmoral. Die Einhaltung des 6. Gebotes ist schwierig und die Aufforderung, es zu halten, erfordert deshalb eine sehr hohe moralische Autorität.

Das ist die Aufgabe der „Lehrenden Kirche“, die aus den Vorstehern der Kirche besteht, also aus den Nachfolgern der Apostel, den Bischöfen.

Die Bischöfe sind mit den Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet, um diese schwierige Funktion zu erfüllen. Wenn sie lehren, erhalten sie Gnaden, um besonders glaubwürdig zu sein. Die Laien wiederum erhalten Gnaden, um die (wahre) Lehre, die von den Bischöfen weitergegeben wird, mit offenem Herzen zu empfangen und zu praktizieren.

Eine „Demokratisierung“ dieser Tatsache im Sinne einer Aufweichung der Rangstellung der lehrenden Kirche kann nur zu einer weiteren Aufweichung der Moral in Klerus und im Laientum führen.

Übrigens: Auch kein Unternehmen, kein Verein und keine politische Partei kann auf der Grundlage der Kumpanei bestehen.

Noch weniger die Kirche, denn sie kein weltlicher Verein, sondern essentiell hierarchisch. Wenn diese Hierarchie und ihre Autorität nicht betont werden, kann nicht damit gerechnet werden, dass die moralische Krise in der Kirche und insbesondere im Klerus überwunden werden.

ZWEITENS: Daraus ergibt sich direkt, dass der Priesterstand nicht geschwächt, sondern gestärkt werden muss. Vor allem muss wieder die SAKRALITÄT des Priestertums deutlich sichtbar werden: Durch beispielhafte Lebensführung, durch vertieftes Gebetsleben, durch äußere Zeichen wie Priesterkleidung etc.

Die Menschen müssen instinktiv erkennen, dass sie vor einer geweihten Person stehen, die ein göttliches Amt ausübt. Dann werden die Laien auch eher gewillt sein, die Lehren, Mahnungen und Ratschläge zu befolgen.

Man braucht nur alte Fotos von Priestern oder Mönchen zu sehen, um zu verstehen, was es heißt, wenn jemand sein sakrales Amt ernst nimmt. Weil es viele gute Beispiele gab, erkannten manche Laien auch instinktiv, wenn ein Priester in Sünde oder unwürdig lebte. Das Volk erhält bisweilen Gnaden, um diese Sachverhalte zu erkennen.

Zum Laienstand: Selbstverständlich sind die Laien sehr wichtig in der Kirche. Aber es ist ein Irrweg, zu meinen, sie müssten in Konkurrenz zu den Priestern treten und mehr oder weniger deren Aufgaben übernehmen. Das ist schier unmöglich und führt zur Verweltlichung und Entsakralisierung, die wir heute sehen.

In der Geschichte der Kirche gab es immer auch heilige Laien, die entsprechend ihrem Laienstand gewirkt haben. Sie waren aber nicht vom Ansinnen getrieben, sie müssten Aufgaben übernehmen, die dem Priesterstand zustehen.

DRITTENS: Der absurdeste Vorschlag ist eine Aufweichung der Sexualmoral. Abgesehen davon, dass dies unmöglich ist, denn die Moral ist unveränderbar und immer wahr und gültig, weil sich auch Gottes Wort mit der Zeit nicht ändert, kann dies nur zu einer noch gravierenden moralischen Katastrophe führen: Die katholische Moral zu befolgen ist mühsam und anstrengend. Sie erfordert eine grundsätzliche, eine radikale Lebensentscheidung. Man sagt entweder Ja oder Nein. Und bis zum Tod lebt der Menschen in einem immerwährenden Kampf gegen die eigenen schlechten Neigungen. Dieser Folge der Erbsünde kann sich kein Mensch entziehen.

Es ist völlig absurd, zu meinen, eine „Lockerung“ würde es den Menschen einfacher machen, gemäß der katholischen Moral zu leben. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Es gibt keine liberale Moral, es gibt keinen Laissez Faire. Es gibt nur den Kampf gegen die ungeordneten Neigungen und gegen die Sünde.

Eine Schlussbemerkung: Normalerweise müssten Priester über Themen wie diese schreiben oder sprechen. Doch offenbar trauen sie sich nicht, weshalb diese Aufgabe wohl Laien übernehmen müssen.

Erstveröffentlichung dieses Artikels hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2018/09/missbrauchsskandal-progressismus-will.html

Über Gnade und Auftrag, Würde und Bürde des Priestertums

Gedanken von Pater Lothar Groppe SJ
anläßlich seines 90. Geburtstags    
                                                

Niemand ist groß vor seinem Kammerdiener. Dieses alte Wort will sagen, daß der gewisse Nimbus, der Menschen in bestimmten Stellungen wegen ihres Amtes oder gesellschaftlichen Ranges umgibt, vor dem Auge derer, die Tag für Tag um sie herum sind, oft in ein Nichts zerstiebt. Fehler und Schwächen werden da offenbar, die andere für gewöhnlich nicht sehen, weil sie den Träger des Amtes nur im Rampenlicht, nicht aber hinter den Kulissen erblicken.

Am 16. August 1938 weckte ein Militärkonzert um 7 Uhr morgens meinen Vater zu Ehren seines Geburtstages. Der Standortälteste hatte nicht bedacht, daß zu jener Zeit Urlaub und Ferien waren und wir alle etwas länger schlafen konnten.

Alle stürmten zum Fenster, um die Huldigung entgegenzunehmen. Mein Vater zog hastig seinen Uniformrock an, er mußte ja für das Platzkonzert danken. Meine Mutter und wir Kinder konnten uns das Lachen kaum verbeißen, denn unterhalb des Uniformrocks guckte das Nachthemd hervor. Schließlich ging alles gut, die Soldaten hatten nichts bemerkt und bekamen in der Küche noch jeweils einen Schnaps. Für uns war diese Situation besonders bemerkenswert, denn sonst sahen wir den Vater nur im Glanz der Uniform.

Dieses Erlebnis widerfuhr mir auf andere, aber analoge Weise mit Priestern in allen Garnisonen. Meine Eltern und natürlich auch wir Kinder hatten stets engen Kontakt zu den Priestern. Das wurde vom damaligen Regime mit Argwohn und Mißtrauen betrachtet.

BILD: Buchtitel über den Widerstands-General Theodor Groppe, den Vater des Autors

Ein katholischer General mit der höchsten Kriegsauszeichnung, die nur selten verliehen wurde, besuchte stets in Uniform den Gottesdienst, um die Katholiken in der Treue zu ihrem Glauben und ihrer Kirche zu bestärken. Für das Regime war dieser Offizier der „schwarze General“ oder –  weniger freundlich – der „katholische Hund.“

Für die Gläubigen standen Priester als Leitbilder religiösen Strebens in hohem Ansehen. Die Geistlichen selber erlebten ihre Mitbrüder aber oft anders als Außenstehende, nämlich als Menschen wie andere, mit denselben Fehlern und Schwächen wie ihre Beichtkinder. Das liegt daran, daß der Priester zunächst Mensch ist.

Der hl. Paulus hebt dies ausdrücklich im Hebräerbrief  hervor, wo er sagt, daß selbst der Sohn Gottes, Jesus Christus, in allem als Mensch erfunden wurde, ausgenommen die Sünde.

Als Mensch ist der Priester Bruder all derer, die ihm vom HERRN anvertraut wurden – und er bleibt Mensch, auch wenn er erwählt wurde zu heiligem Dienst.

Es gibt nicht wenige, die am Menschlichen im Priester Anstoß nehmen, wenn er im Auftrag Gottes vor sie hintritt. Der inzwischen seliggesprochene Bischof Graf von Galen war in den Jahren als Pfarrer in  Berlin und Münster ein leidenschaftlicher Raucher. Zu Beginn der Fastenzeit versuchte er, das Rauchen aufzugeben. Aber schon sehr bald baten ihn seine Kapläne, doch wieder zu rauchen, denn ohne Dampf sei er schwerer zu ertragen.

BILD: Dieses Sachbuch hat Pater Groppe in seinem 89. Lebensjahr herausgebracht

Auch der noch unvollkommene Seelsorger verkündet den Glauben, der die Welt überwindet, der zum ewigen Leben führt. Und obwohl selber Sünder, der des göttlichen Erbarmens bedarf, vermittelt er Gnaden, die aus Sündern und Verlorenen  Heilige und Erlöste macht.

Es ist wiederum tröstlich, zu wissen, daß auch Priester oft schwer an den eigenen Fehlern, Unvollkommenheiten und Sünden zu tragen haben. Es gibt Seelen, die unerfüllt hungern und dürsten nach einem Priester, in dem Christus, der HERR, lebt – und sie finden oft nur einen bloßen Menschen. Dann wenden sie sich enttäuscht wieder ab, denn bloße Menschen finden sie anderswo auch.

Starke Menschen, die vor Gesundheit strotzen, verachten leicht die Kränklichen. War Petrus sich nicht allzu sicher vor seiner dreimaligen Verleugnung des HERRN?

Dem Priester ist das göttliche Wort anvertraut. Es ist etwas Erschreckendes um diesen Auftrag, denn er muß das Wort verkünden, ob gelegen oder ungelegen – und die Menschen  haben es bisweilen nicht gern, wenn der Priester im Namen Gottes vor sie hintritt. Vergessen wir nicht, daß etwa viertausend Welt- und Ordenspriester wegen ihres kirchlichen Auftrags von den Schergen des NS-Regimes in Konzentrationslagern  ermordet wurden.

Es ist verständlich, wenn manchem Priester bang werden will, wenn er erfaßt, wozu er bestellt ist. Heißt ihn doch Gott  reden von dem, was er  selber  nur halb begriffen hat. Und in seinen besten Stunden ist er zutiefst darüber beschämt, daß der HERR gesagt hat: „Wer euch hört, der hört mich und wer euch verachtet, der verachtet mich.“

Die Menschen wollen oft etwas ganz anderes von uns hören als die Botschaft, die wir zu verkünden haben. Sie sind leicht ärgerlich und gelangweilt, wenn man immer wieder jene Worte sagt, die in die Ewigkeit Gottes hineinwirken, deren Wert man nicht verhandeln kann auf den Börsenmärkten der Welt.

Doch Priester müssen das Gotteswort verkünden, unbeirrt von Menschengunst und Menschenlaune  – und wehe ihnen, wenn sie es nicht tun. Wehe ihnen, wenn sie  vom Wort Abstriche machen, um bei den Menschen anzukommen, denn sie müssen einmal Rechenschaft ablegen von dem Auftrag, den ihnen der HERR anvertraut hat.

Bischof Karl Lehmann war einst Gast in einer „Wetten daß“-Show  von Thomas Gottschalk. Der damalige Mainzer Oberhirte war davon so angetan, daß er den Sunnyboy des Fernsehens einlud, beim Aschermittwochsgottesdienst der Künstler zu sprechen. Dabei fühlte sich Gottschalk ganz zu Hause.

Es ging um die Frage, ob christliche Verkündigung unterhaltenden Charakter haben könne. Gottschalk hatte die Lösung parat: „Unterhaltung ist, wenn keiner wegläuft.“ –  Ihn habe es als kleinen Jungen schon fasziniert, daß Jesus stundenlang, ja sogar zweimal zu tausenden Menschen gesprochen habe und niemand weggegangen sei.

Allerdings  vergleicht Gottschalk Äpfel mit Birnen. Eine Show ist etwas anderes als die Verkündigung des Wortes Gottes. Eine Show will Spaß bereiten, die Zuschauer amüsieren. Das ist zwar legitim. Aber es ist nur eine Art der Unterhaltung, die den Menschen nicht zum ewigen Heil hinführt.

Johannes der Täufer und auch der gütige Gottessohn Jesus wollten nicht unterhalten, sondern den Ernst der Nachfolge hervorheben. Das  Evangelium ist eine Forderung zum Wesentlichen: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Im Gegensatz zur Show ist Christentum eine Herausforderung, die dem Ungläubigen als blanker Unsinn erscheint (vgl. 1 Kor 1, 18). Das mußte auch Jesus erfahren: Bei der Brotvermehrung, die für die Menschen so etwas wie eine Show war, zeigten sich die Leute begeistert. Von der Nachfolge wollten sie aber nichts wissen.

Das flotte Sprüchlein von der „fröhlichen Botschaft“ klingt zwar recht „locker“, hat aber mit den einschneidenden Anforderungen des Evangeliums wenig zu tun. Man denke etwa an die Seligpreisungen und Weherufe bei Lukas 6, 20 ff.

Nach dem Zweiten Vatikanum wurden in einzelnen Bistümern Synoden gehalten, die überlegen sollten, wie die Liturgie so gestaltet werden könnte, daß sie den modernen Menschen besser zum Verständnis der Gottesdienste hinführen könne. So wurde etwa in der Diözese Aachen ein Arbeitskreis für die Verkündigung gegründet. Ihm gesellte sich ein Theologieprofessor dazu, der Anregungen für die Meßgestaltung erhoffte. Auf seine Frage, was an der Verkündigung verbessert werden müsse, der Inhalt oder die Form, wurde ernüchternd erklärt: Beides.

Dennoch gibt es auch immer wieder Menschen, die aus der Verkündigung das Wort Gottes heraushören, in deren Herz das Wort Frucht bringt, obwohl nur er es sagt, obwohl er das Wort unzulänglich  verkündet.  

Dazu erzählte eine katholische Frau: Unser Pfarrer ist fromm und eifrig, aber seine Gedankengänge sind oft schwer nachzuvollziehen. Aber ich bin noch aus keinem Gottesdienst nach Hause gegangen, aus dem ich nicht einen Gedanken, eine gute Anregung bis zum nächsten Gottesdienst empfangen hätte.

Diese Frau hat sich vom Wort Gottes ansprechen lassen. Sie hat etwas getan, was ich unseren Gottesdienstbesuchern empfehlen möchte. Frauen, die öfter religiöse Vorträge besuchen, sind leicht dazu geneigt, beim sonntäglichen Mittagessen festzustellen, was der Pfarrer hätte besser machen können. Beim nächsten Gottesdienst sah der 15jährige Sohn, was die Mutter ins Körbchen gelegt hatte – und  meinte: „Für 50 Cent, Mama, kannst du beim besten Willen nicht mehr verlangen.“

Schließlich ist dem Priester das sakramentale Opfer anvertraut, die unblutige Feier des Kreuzesopfers Christi. Hier ist der HERR inmitten seiner Gemeinde, die der Priester hinführt vor den Thron der Gnade, damit in der Gemeinschaft mit dem HERRN Gott, dem allmächtigen Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung zuteil werde.

Und wenn der Priester in diesem heiligen Amt am höchsten über alle Menschen erhoben ist,  muß er zutiefst hineinwachsen in dieses Opfer, um sich im Dienst Gottes für die Menschen zu verzehren. Denn nicht dafür, daß er erhoben würde, ward ihm die Vollmacht über den Leib und das Blut Christi anvertraut, nicht einmal zur Mehrung der eigenen Frömmigkeit, sondern damit Heil werde den vom Herrn Erlösten.

Mensch ist der Priester, Künder des göttlichen Wortes, Vollzieher des Opfers Christi. Dies ist sein Los, ganz nahe zu sein bei Gott. Ein seliges und furchtbares Los zugleich. Selig, weil Gott allein selig ist; furchtbar, weil es der Mensch nur schwer aushält im erschreckenden Glanze Gottes.

So ist es nicht verwunderlich, daß aus dem Beruf des Priesters Spannungen entstehen, daß die hohe Berufung auch die Gefahr tiefen Falles in sich birgt. Die Gefahr, daß der Priester sich über die anderen erhebt; der Mitleidslosigkeit mit den Sündern, wo er doch selber des göttlichen Erbarmens bedarf; die Gefahr der Flucht vor Gott, in die uns vertrautere Nähe der Menschen, um bei ihnen Trost zu suchen, während doch der HERR allein ihm Kraft und Heil sein sollte; die Gefahr eines armseligen Kompromisses zwischen Gott und der Welt, des Versuchs, durch billige Mittelmäßigkeit mit der Überforderung des priesterlichen Berufes fertig zu werden.

Wenn man dieses selige und zugleich furchtbare Los des Priesters erwägt, könnte man erschrecken, weil einst in jugendlicher Begeisterung begonnen wurde, was kein Mensch allein vollenden kann. Aber wir dürfen auf die göttliche Gnade vertrauen, die der HERR allen, die er erwählt hat, schenken wird. Denn er, der seine Priester berufen hat, ist getreu und er wird keinen über seine Kräfte versucht werden lassen. Wir aber müssen bei der Feier des heiligen Opfers für und miteinander beten, daß alle Berufenen aushalten im göttlichen Dienst.

Der Bischof von London fragte einmal den berühmten Schauspieler Freddy Quinn: „Wie ist es möglich, daß wir mit den erhabenen Wahrheiten meist nur geringen Eindruck machen, während ihr Schauspieler mit euren Dichtungen auf der Bühne so viele Leute bewegt?“ –  „Das kommt wohl daher”, entgegnete Quinn, “daß wir von erdichteten Dingen wie von wahren sprechen, die Prediger dagegen von den wahren wie von erdichteten.“

Es scheint, daß letztlich – wie auch zur Zeit Jesu –  nur relativ wenige Menschen bereit sind, das Wort Gottes anzunehmen. Der HERR sprach von der kleinen Herde. Billige Mätzchen und Gags, die ohnehin schnell verbraucht sind, dürften auf Dauer niemanden gewinnen. Gewiß ist das Evangelium Frohbotschaft, aber zur Show nicht geeignet. Wichtiger als die Frage ob sie heute noch „ankommt“, ist, ob die Verkünder der Frohen Botschaft bereit sind, gelegen oder ungelegen das zu verkünden, worauf es ankommt. Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, ihre Mitglieder zu beschäftigen oder zu unterhalten, sondern sie zu Gott zu führen.

In einer mittelalterlichen Handschrift aus Salzburg erfahren wir, was die Menschen vom Priester erwarten:

+ Ein PRIESTER muss sein: +
+ ganz groß und ganz klein +
+ vornehmen Sinnes wie aus Königsgeschlecht +
+ einfach und schlicht wie ein Bauernknecht +
+ ein Held, der sich selbst bezwungen +
+ ein Mensch, der mit Gott gerungen +
+ ein Quell von heiligem Leben +
+ ein Sünder, dem Gott vergeben +
+ ein Herr dem eignen Verlangen +
+ ein Diener der Schwachen und Bangen +
+ vor keinem Großen sich beugend +
+ zu dem Geringsten sich neigend +
+ ein Schüler vor seinem Meister +
+ ein Führer im Kampf der Geister +
+ ein Bettler mit flehenden Händen +
+ ein Herold mit goldenen Spenden +
+ ein Mann auf den Kampfesstätten +
+ eine Frau an den Krankenbetten +
+ ein Greis im Schauen +
+ ein Kind im Trauen +
+ nach Höchstem trachtend +
+ das Kleinste achtend +
+ bestimmt zur Freude +
+ vertraut dem Leide +
+ weitab vom Neide +
+ im Denken klar +
+ im Reden wahr +
+ des Friedens Freund +
+ der Trägheit Feind +
+ feststehend in sich +
+ ganz anders als ich . . .
Betet für mich!

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nov./Dez. 2017)

 


Der Priester Hirblinger, das Zölibat und die Verfügbarkeit der Geistlichen „für andere“

Felizitas Küble

Unter der Überschrift „Priester Stefan Hirblinger: Familie statt Kirche“ berichtet die bayerische Online-Regionalzeitung O-Netz am gestrigen 25. Oktober über einen katholischen Geistlichen, der geheiratet und eine Familie gegründet hat, weshalb er seines Amtes enthoben wurde. Für das Bistum Regensburg sei er „ein Gefallener“, heißt es im Obertitel.

Der Vorgang an sich ist nicht sonderlich aufregend, immerhin kommt dergleichen öfter vor.

Verwunderlich ist allerdings der Vorwurf des suspendierten Priesters an seine Kirche: „Ich denke, es ist unredlich, so eine Entscheidung, die so sehr in das Persönliche eingreift, von einem jungen Menschen zu verlangen.“

Die Seminaristen sind bei ihrer Priesterweihe immerhin bereits erwachsene Männer von 23 Jahren an aufwärts. Außerdem heiraten manche Menschen schon deutlich früher, was nichts daran ändert, daß sie an ihr Eheversprechen gebunden bleiben.

Erstaunlich erscheint mir auch folgende Bemerkung des Geistlichen, der sich vom Zölibat (Ehelosigkeit der kath. Priester) gelöst hat:

„Negativ beeinflusst hätten ihn auch Aussagen des ehemaligen Bischofs Gerhard Ludwig Müller: „Priester brauchen keinen freien Tag. Sie sind rund um die Uhr für die anderen da. Da kriegt man einen dicken Hals, wenn man das gelegentlich hört.“

Abgesehen davon, daß Müller zwar ein Bischof „außer Dienst“ ist, aber kein „ehemaliger“ Bischof (die Bischofsweihe kann man bekanntlich nicht „abkratzen“, ebensowenig wie die Priesterweihe), so geht es bei dieser Aussage nicht speziell um den Zölibat, sondern um die allgemeine Verfügbarkeit der Priester bzw. um die Frage, ob sie sich am Montag einen „freien Tag“ genehmigen sollen, wie es vielfach praktiziert wird.

Natürlich ist ein solcher Wunsch menschlich verständlich, aber von einem katholischen Priester kann und darf der Gläubige wohl mehr erwarten als von „Hinz und Kunz“, denn wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel verlangt, wie die Hl. Schrift sagt.

Wer wirklich ein Jünger Christi sein will, der ist tatsächlich „rund um die Uhr für die anderen da“.

Quelle für die Zitate: https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/vermischtes/priester-stefan-hirblinger-familie-statt-kirche-fuer-das-bistum-ein-gefallener-d1789957.html

 


Kerala (Indien): Erscheint „Maria“ in Edavanakkad mit Tiara und Jasminduft?

Von Felizitas Küble

Kerala ist ein Bundesstaat im südlichen Indien mit einem für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich hohen Anteil von Christen. Zugleich ist bekannt, daß viele charismatische „Heilungspatres“, die seit Jahren durch Deutschland touren, aus Kerala stammen.

In dieser Region sorgten protestantische Pfingstprediger bereits in den 70er und 80er Jahren dafür, daß sich schwarmgeistige Strömungen auch in der katholischen Kirche Südindiens breitmachen.

Nun sorgt eine Pfarrgemeinde aus der Kleinstadt Edavanakkad in der Erzdiözese Verapoly für erhebliches Aufsehen, denn dort soll es vor einigen Wochen zu Erscheinungen von Jesus und Maria in der Kirche St. Ambrosius gekommen sein.

Unter den Schülern, die zur Schar der ersten „Seher“ gehören, befand sich allerdings nur ein einziges katholisches Mädchen; die meisten „betroffenen“ Kinder und Jugendlichen sind hinduistischen Glaubens.

Geistausgießung und Himmelsverheißung für Ungetaufte?

Das hinderte die vermeintliche „Madonna“ aber nicht daran, diesen Schülern anzukündigen, daß sie ihnen den Heiligen Geistes senden und sie in den Himmel führen werde.

Dergleichen paßt zwar bestens zu den bereits vorhandenen charismatischen Tendenzen in Kerala, nicht jedoch zur biblischen und katholischen Lehre, wonach der dreieinige Gott durch die TAUFE in die menschliche Seele einzieht und seine Gnadenschätze wirksam werden läßt.

Eine allgemeine Geistausgießung über Ungetauften bzw. Anhängern fremder Religionen ist daher theologischer Unsinn. Der Hinduismus ist zudem nicht einmal monotheistisch (= Ein-Gott-Glaube) orientiert, sondern beinhaltet einen fantasievollen Vielgötterkult.

Ähnliches gilt für die pauschale Verheißung der Erscheinung an die Visionäre, in den Himmel zu gelangen. Die Taufe ist auch in dieser Sicht regulär und objektiv das „Tor zum Leben“.

Soll die Bedeutung dieses Grundsakramentes und des spezifisch christlichen Glaubens geschmälert werden? Wird hier auf listige Weise einem gefährlichen Synkretismus (Religionsvermischung) Vorschub geleistet? Soll der Wahrheitsanspruch des Christentums unterschwellig und mittels „frommer“ Vorzeichen unterschlagen werden?

Theologisch unsinnige Vermischung von Attributen

Sodann heißt es in englischsprachigen kath. Agenturberichten (z.B. CNA, ETWN) weiter, die Marienerscheinung habe neben einem blauen Schal auch eine Tiara (dreifache Krone) auf ihrem Haupt getragen und somit eines der bekannten Symbole des Petrusamtes. (Die frühere Krönung der Päpste bis zu Paul VI. fand mit einer Tiara statt.)

Die Gottesmutter ist zweifellos die Königin der Apostel. Dennoch paßt eine Tiara als ein lange Zeit hindurch geläufiges (wenngleich nicht ursprüngliches) Amtszeichen des Papsttums nicht zu ihr, da sie keine Nachfolgerin des Apostels Petrus bzw. keine „Päpstin“ ist.

Zwischen persönlicher Heiligkeit auf der einen Seite und einer „amtlichen“ Aufgabe bzw. Sendung auf der anderen Seite sollte stets unterschieden werden.

Wie so häufig bei irrgeistigen Geschehnissen, ist auch diese Erscheinung von sinnlich-erfahrbaren Phänomenen begleitet, in diesem Fall dem Duft von Jasminblüten. Als ob der Himmel dergleichen zu seiner „Beglaubigung“ nötig hätte!

Natürlich nehmen die zuständigen kirchlichen Stellen  – wie in solchen Fällen üblich  – zunächst eine „abwartende“ Haltung ein.

Die erste „Seherin“ war ein Hindu-Mädchen

Die Erscheinungen sollen am 28. September begonnen haben, als eine Hindu-Schülerin in die kath. Kirche ging, um für ihr Ohrproblem zu beten und Weihwasser zu nehmen. Später erzählte sie, daß ihr dies sofort geholfen habe. Daraufhin sei das Mädchen mit weiteren Schulkameraden (darunter ein einziges katholisches Kind) in das Gotteshaus gegangen, um zu danken und zu beten, worauf sie eine Vision vom gegeißelten Christus erlebt haben wollen.

Als eine Lehrerin dazukam, schilderten die „Seher/innen“ ihr eine Erscheinung der seligen Jungfrau, die „unter dem Altar“ gestanden habe und für den Duft von Jasminblüten sorgte.

Hier erhebt sich die Frage, warum die angebliche „Madonna“ sich denn unter dem Altar (vermutlich ein Hochaltar) präsentiert. Erst trägt sie eine Tiara als Zeichen des Papsttums, nun erhält der Altar als Sinnbild des Priestertums eine zentrale Bedeutung in diesen theologisch geradezu abenteuerlichen Visionen.

Die Gottesmutter ist die größte aller Heiligen, aber weder eine geweihte bzw. amtliche Priesterin noch Päpstin. (Natürlich nimmt sie innerhalb des Laienpriestertums eine bevorzugte Stellung ein – aber das steht auf einem anderen Blatt.)

Wie der Schüler Aquenas Jomon berichtet, habe Maria ihm gesagt, dass seine Mutter geheilt werde und dass die Schulden seiner Familie verschwinden. Zudem erklärte er: „Als ich sie das erste Mal sah, musste ich weinen.“  –  Und warum weinte der Junge denn?  – Ist es zudem die Aufgabe einer Marienerscheinung, irdische Wohltaten („Schulden verschwinden“) auszuteilen? Sollte es dabei nicht gut biblisch „zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ gehen???

Eine anhängliche Maria fleht die Schulkinder an?

Die anwesenden Erwachsenen konnten von der Erscheinung ohnehin nichts sehen. Als ein Lehrer die Kinder aus der Kirche führte, soll ihnen „Maria“ laut Angaben der Mädchen gefolgt sein und sie „angefleht“ haben, nicht zu gehen. 

Als ob sich die wahre Gottesmutter derart aufdringlich bis lächerlich präsentieren würde!

Am 3. Oktober versammelte sich bereits eine große Menschenmenge in der Kirche. Der Pilgerstrom wuchs täglich an, auch Hindus kamen in großer Schar.

CNA berichtet dazu folgendes:Ein Priester forderte die Kinder auf, den genauen Punkt anzugeben. Die Gemeinde sah ein helles Licht und der Priester sagte, dass er fühlte, wie jemand seinen Kopf tätschelte.“

Zu solchen „Kindereien“ erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Quellen u.a.: http://indianexpress.com/article/india/hundreds-flock-to-kerala-church-after-children-report-seeing-mother-mary-4895237/lite/
https://www.catholicnewsagency.com/news/in-india-schoolkids-say-virgin-mary-appeared-amid-scent-of-jasmine-73012


Der hl. Apostel Petrus über die priesterliche Sendung aller Christgläubigen

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: 1 Petr 2,4-9:

Brüder! Kommt zum HERRN, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.

Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an IHM, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.