Neue Kuriositäten aus der Erscheinungsecke

An einem aktuellen Beispiel sei sogleich verdeutlicht, wie es um eine Szene bestellt ist, die mit ihrer Wundersucht auch nicht vor einem „Joghurtdeckel“ Halt macht und diesen Unsinn zur „größeren Ehre Gottes“ und im Auftrag des „Allerhöchsten“ verbreitet.

Jede Möglichkeit, dass diese an Privatoffenbarungen klebenden Personen geschickt von „unten“ inszenierten Trugbildern oder ihren einfältigen Phantasien auf den Leim gegangen sein könnten, scheidet bei ihrer Sicht von vornherein aus.

Zu selbstsicher ist man sich in einer Szene, die zu diesem  Zweck gern Hintertürchen bastelt, durch die man entrinnen kann, sobald es auf skeptische Fragen keine Antworten mehr gibt. 

Den Ursprung seiner „Inspirationen“ verortet dieses Völkchen in höheren Sphären, wobei es sich oft nur um den eigenen Piepmatz handelt, der als „Hl. Geist“ wahrgenommen wird und der seine willigen und wundersüchtigen Anhänger jederzeit zum Diktat ruft, um sie in die Irre zu führen.

Dabei schrecken sie nicht davor zurück, über die Psycho-Leichen derer zu gehen, die ihrem vermeintlichen Auftrag von „oben“ im Wege stehen. Diese Unbelehrbaren halten sich für unantastbar und vollkommen vor der dunklen Seite gefeit, da man doch so überaus fromm, gottesfürchtig, mit Rosenkranz und Beichte lebt.

Das ist eine Seite des geistigen Hochmuts. Diese scheinfrommen Personen sitzen auf einem derart hohen Ross, dass sie sich aufgrund ihrer Leistungen einbilden, einen besonderen Anspruch auf übernatürliche Kontakte zu haben – quasi eine Belohnung für ihre besonders gehorsamen und demütigen Leistungen erwarten, was sie zwar – direkt dazu befragt – „bescheiden“ zurückweisen – jedoch innerlich fortwährend erhoffen, denn ohne honigsüßes Geschwätz (siehe auch Medjugorje) von „oben“ können sie nicht mehr leben und spitzen danach beide Ohren.

Diese unnüchterne Erwartungshaltung wird auch befriedigt – aber von ganz „unten“ und zu jeder Zeit. Irgendwann sind diese Leute derart abgehoben, dass ihnen sogar Reste unter dem Joghurtdeckel zum übernatürlichen Zeichen werden. Damit machen sie sich selbst und indirekt den katholischen Glauben lächerlich.

„Das Wunder unter dem Joghurtdeckel!“
https://herzjesuwegzehrungderrestarmee.jimdofree.com/zeugnis-geben/meine-zeugnisse/#zeugnis8

Werden sie mit der Fähigkeit, Reste unter einem Joghurtdeckel übernatürlich deuten zu können, nicht vorbehaltlos als „begnadete Seelen“ anerkannt, kennen sie keine Rücksichtnahme mehr und zerstören familiäre Bindungen für ihren Wahn, dem sie sich vorbehaltlos ausgeliefert haben.

So schlägt dieser abgehobene Personenkreis gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er schadet dem christlichen Glauben, den er zu verteidigen vorgibt, indem er ihn der Lächerlichkeit preisgibt und belastet das eigene persönliche Umfeld, das mit diesem albernen Unsinn klarkommen muss.

Daraufhin angesprochen, haben diese Wundersüchtigen nur eine Erklärung und die ist wieder unterirdisch: Skeptiker stehen kurzerhand unter dem Einfluss des Bösen.

Im besten Fall sind die Kritiker nicht so erleuchtet wie sie und neidisch auf ihre „himmlischen Kontakte“, wurden noch keiner Eingebung „von oben“ gewürdigt, dürfen sich hinten anstellen und darauf warten, dass ihnen ein (Un-)Geist übernatürliche Eindrücke nach der Öffnung einer Dose Apfelmus vermittelt.

So sieht der Ausweis in einem Verein aus, der sich „Restarmee“ nennt, eine gescheiterte irische „Endzeitprophetin“ verherrlicht und deren dürftige Texte als „Buch der Wahrheit“ unter die Gläubigen zu bringen versucht. Auf diesem flachen Niveau geht der Unfug dann immer weiter – mit all seinen verhängnisvollen Auswirkungen.

Weiteres zur endzeitlichen „Restarmee“der visionär begabten „Andrea“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/16/vom-geringsten-raedchen-im-uhrwerk-gottes-und-dem-kuss-der-madonna/

Dieser Beitrag stammt von einem Katholiken und Familienvater aus dem Bistum Köln mit dem Nicknamen „GsJC“, der bereits seit zehn Jahren etliche Artikel und hunderte Kommentare verfaßt hat und unserer Redaktion persönlich bekannt ist


Warnung an Privatoffenbarungsgläubige

Von Stefan Vucina

Erscheinungsfixiertheit ist sehr gefährlich – also eine Haltung, die Privatoffenbarungen über alles stellt und von ihnen her alles betrachtet und bewertet. Das bedeutet ein Abrücken von der katholischen Kirche, ihrer Lehre und von Christus gestifteten Ordnung.

Nach katholischer Lehre steht nämlich jede Privatoffenbarung – welchen Ursprungs auch immer – unter kirchlicher Aufsicht und Beurteilung.

Das bezeugt schon Gal 2,2, wonach Paulus, der 14 Jahre lang im Alleingang gepredigt hatte, in einer persönlichen Offenbarung von Gott aufgefordert wurde, seine Verkündigung den Aposteln, insbesondere den „Säulen“ der Urgemeinde (Petrus, Jakobus und Johannes) zur Überprüfung vorzulegen.

Daher wird der Himmel niemandem eine Botschaft zukommen lassen, die gegen die kirchliche Lehre, Ordnung oder den Papst gerichtet ist. Dennoch sind Erscheinungsgläubige bereit, solch irrige Lehren anzunehmen, da sie meinen, diese stammen von Gott.

Ein mir persönlich bekannter Katholik, der es nun leider nicht mehr ist, empfängt seit 2009 Privatoffenbarungen, wobei er vollkommen überzeugt ist, dass sie von Gott seien.

Doch diese Botschaften hatten schon in der ersten Zeit einen Haken: Sie bestätigten zwar einzelne katholische Lehren und Dogmen als richtig, ebenso den Ortsbischof als gültig geweiht und erklärten, dass in unserer Kirche Christus in der Hostie real präsent sei.

Aber damit fing es schon an: Als ob wir Katholiken Privatoffenbarungen benötigen, die uns mitteilen, dass unsere Glaubensinhalte richtig, unsere Bischöfe gültig geweiht sind usw.

Diese „Botschaften“ haben meinen Bekannten dann zu der Ansicht geführt, dass Gott nicht durch unsere Kirche lehre, sondern durch ihn und seine Sonderlehren.

Danach kam eins nach dem anderen: Einzelne katholische Dogmen wurden in den Einsprechungen plötzlich als falsch präsentiert, die Priester der Piusbruderschaft seien Verbrecher und ich ein Judenhasser, hieß es, wovon ich jedoch nicht einmal alpträumen würde.

Ähnliches geschah vor Jahrzehnten in aller Öffentlichkeit: Ein Katholik namens Clemente Dominguez y Gomez erhielt angeblich an Händen, Füßen, an der Seite und an der Stirn Stigmata und erhielt Auditionen und Erscheinungen, die sich ihm als Jesus und Maria vorstellten, und von denen er apokalyptische Prophetien mit Aufrufen zu Gebet und Buße empfing.

Gleichzeitig richteten sich seine Botschaften gegen diverse Irrlehren, den Progressismus und andere verderbliche Sitten mancher Katholiken, wodurch die Kirche zerstört worden sei. Nachdem Clemente 1976 zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht worden war, wurde er 1978 von „Jesus“ persönlich zum „Papst“ gekrönt, der von nun an als „Papst Gregor XVII.“ die Palmarianische Kirche als Ersatz zur angeblich zerstörten römisch-katholischen Kirche regieren sollte.

Aufgrund seiner Erscheinungsfixiertheit übernahm er diese „Aufgabe“ und leitete seither die Palmarianische Kirche als Gegenorganisation zur katholischen Kirche. Heute wird die Palmarianische „Kirche“ von einem „Papst Petrus III.“ regiert.
(Weitere Hinweise zur Palmarianischen Sekte siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/17/warum-die-verheissungen-des-bussrosenkranzes-theologisch-irrefuehrend-bis-magisch-sind/)

In unseren Tagen läuft etwas Ähnliches mit dem sog. „Buch der Wahrheit“. Diese Botschaften werden von vielen Privatoffenbarungsgläubigen über die Kirche und ihre von Christus gestiftete Ordnung gestellt. In ihnen wird behauptet, Papst Franziskus sei der Antipapst, der „falsche Prophet“ der Endzeit, der dem Antichristen den Weg bahne. Damit ist auch hier ein Schisma vollzogen!

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie wichtig es ist, auf die Lehre unserer Kirche zu hören, jede Privatoffenbarung unter ihre Ordnung zu stellen und alle Erscheinungen und Visionen abzulehnen, die diese kirchliche Ordnung stören oder ihr sonstwie entgegenwirken.

Mit solchen Privatoffenbarungen wollen Betrüger bzw. der Satan so viele gläubige Katholiken wie möglich gegen die Kirche positionieren und sie damit zu Fall bringen. Selbst ein frommes Glaubensleben mit regelmäßiger Beichte nützt diesen Contra-Katholiken dann letztlich nichts mehr; denn sie befinden sich bereits außerhalb der Ordnung Gottes.

Deshalb müssen wir vorsichtig und wachsam sein!


Vatikan/Niederlande: Kirche bekräftigt ihre Ablehnung der Amsterdam-Erscheinungen

Von Felizitas Küble

Im Vatikan ist in den letzten Jahren verstärkt versucht worden, das kirchliche NEIN zu den Privatoffenbarungen der sogenannten „Frau aller Völker“ wieder in Erinnerung zu rufen.

Diese „Amsterdamer Erscheinungen“, die auf eine holländische Seherin namens Ida Peerdemann zurückgehen, wurden allerdings durch den ehem. Bischof Josef M. Punt „anerkannt“, obwohl dieser eigenwillige Oberhirte von Haarlem-Amsterdam sich damit gegen die ablehnenden Stellungnahmen der Glaubenskongregation stellte.

Es ist bekannt, daß die Mutter des Bischofs eine große Anhängerin dieser umstrittenen Erscheinungen war und ihren Sohn der „Frau aller Völker“ geweiht haben soll.

Kardinal Joseph Ratzinger zog als Glaubenspräfekt sozusagen die Notbremse:

Da er den vorpreschenden Bischof Punt offensichtlich nicht amtsentheben wollte, begnügte er sich damit, das Gebet an die „Frau aller Völker“ (FaV) zu korrigieren:

Die Schlußformel von der FaV, „die einst Maria war„, mußte gestrichen werden und durch die Anrufung „die selige Jungfrau Maria“ ersetzt werden.

Zudem hat der Vatikan seine eigene Position in puncto Amsterdam-Phänomene selbst nie geändert, sondern das Vorgehen von Bischof Punt lediglich hingenommen bzw. darauf verzichtet, ihn kirchenrechtlich zu bestrafen.

(Den genauen Ablauf der Geschehnisse um die kirchliche „Aberkennung“ lesen Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/)

Nun veröffentlichte der neue Bischof Johannes Hendriks am 30. Dezember 2020 eine „Klarstellung bezüglich der Frau aller Völker“, worin er im ausdrücklichen Einvernehmen mit der römischen Glaubenskongegration die eigenmächtige Anerkennung seines Vorgängers gleichsam annulliert (für ungültig erklärt). Schon zuvor hatte es im September 2020 eine kritische Stellungnahme des Apostolischen Nuntius im Libanon zur FaV gegeben.

Der Bischof schreibt an entscheidender Stelle:

„Die Kongregation für die Glaubenslehre betont die Gültigkeit des negativen Urteils über den übernatürlichen Charakter der angeblichen ‚Erscheinungen und Offenbarungen‘ an Frau Ida Peerdeman, ein Urteil, das der hl. Papst Paul VI. am 5.4.1974 genehmigte…Dieses Urteil beinhaltet, daß alle aufgefordert werden, die Verbreitung der angeblichen Erscheinungen und Botschaften der „Frau aller Völker“ einzustellen.“

Bereits im Vorfeld dieser deutlichen Klarstellung zeigten vatikanische Entscheidungen die Richtung an. Bischof Punt wurde nämlich am 1. Juni 2020 von Papst Franziskus vorzeitig in den Ruhestand versetzt, obwohl er das hierfür übliche Alter von 75 Jahren noch nicht erreicht hatte. Zudem wurde ihm schon zu Amtszeiten der jetzige Diözesan-Bischof Hendricks als Bischof-Koadjutor mit Nachfolgerecht zur Seite gestellt und er bereits damals teilweise „entmachtet“.

Nach der schwachen „Notbremse“ unter Glaubenspräfekt Ratzinger ist damit der Vatikan wieder mit aller Klarheit zu seinem NEIN zurückgekehrt, wobei er freilich seine Ablehnung dieser Erscheinungen formal-amtlich nie zurückgenommen hatte. Allerdings entstand natürlich eine gewisse Verwirrung unter den Gläubigen, nachdem Bischof Punt seine „Anerkennung“ aussprach und damit sowohl seinen bischöflichen Vorgängern wie auch der Glaubenskongregation widersprach.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Warum die Verheißungen des Bußrosenkranzes (theo)logisch irreführend bis magisch sind

Von Felizitas Küble

Seit rund fünfzig Jahren gibt es bereits die pseudokatholische Sekte der Palmarianer aus Spanien in El Palmar de Troya mit ihrem Gründer und „Seher“ Clemente Domínguez, der sich selbst zum Papst deklarierte und sich diesbezüglich auf himmlische Erscheinungen berief.

Das ganze kuriose „Werk“, das europaweit verbreitet ist und nach dem Tod Clementes von einem weiteren „Papst“ fortgesetzt wurde, beruht wesentlich auf des Gründers „Privatoffenbarungen“.

Für besonders wichtig  – ja gleichsam heilsnotwendig –  hält man dort den Pater-Pio-Rosenkranz (angeblich von P. Pio durch eine Clemente-Vision empfohlen), der auch „Bußrosenkranz“ genannt wird. Er besteht aus 50 Vaterunsern, 50 Ave Maria, 50 Ehre sei und 50 weiteren Marienanrufungen  – also ein ellenlanges Gebet, das sich weit über eine Stunde hinzieht.

Das wäre soweit nicht weiter bemerkenswert. Doch an diese Frömmigkeitsübung sind besondere „übernatürliche“ Verheißungen, ja geradezu Heilsversprechen geknüpft, die auf angebliche Marienbotschaften an Clemente zurückgehen. 

Solche vermessentlichen Zusagen sind typisch für visionäre „Extra-Rosenkränze“ und sollen wohl bewirken, daß die Gläubigen durch das mystische „Zuckerbrot“ zu diesen Andachten animiert werden.

So heißt es auf der Homepage der Palmarianer, für die „Beter des heiligen Bußrosenkranzes“ habe eine Marienerscheinung dem Gründer Clemente 16 Verheißungen verkündet: https://www.palmarianischekirche.org/der-heilige-bussrosenkranz/

Den andächtigen Betern dieses (kirchlich nicht anerkannten) Sonderrosenkranzes kündigt die angebliche Madonna u.a. folgendes an:

Unter Punkt 4: „Ich werde ihnen die Gnade gewähren, dass alle in ihrem vergangenen Leben begangenen Sünden getilgt werden.

Falschmystisches Kennzeichen: Die Verdrängung

Hier sehen wir einen zweifachen theologischen Irrtum: Erstens kann die Gottesmutter keine einzige Sünde (geschweige gar alle) „tilgen“, weil dies dem dreieinigen GOTT allein vorbehalten ist.

Zweitens wird hier die Beichte verdrängt, denn sie kann offensichtlich durch diesen Bußrosenkranz ersetzt werden. Somit wird etwas Wichtiges (das Buß-SAKRAMENT) durch etwas weniger Wichtiges (eine fromme Andachtsübung) verdrängt – ein typisches Merkmal der Falschmystik.

Weiter heißt es unter Punkt 7: „Diejenigen, die täglich diesen Rosenkranz beten, werden einen guten Tod haben und vor der Verdammnis bewahrt bleiben. Beim Verlassen dieser Welt werden sie sogleich in den Himmel eingehen.“

Der Extra-Rosenkranz macht selig…

Im Grunde bedeutet dies: Der Bußrosenkranz allein macht schon selig – sogar heilig („sogleich in den Himmel eingehen“). Ist somit die Einhaltung der Gebote Gottes und der Empfang der Sakramente entbehrlich?

In der 9. Verheißung erfahren wir: „Denjenigen, die sterben und ins Fegfeuer kommen, verspreche Ich, sie schon am nächsten Tag herauszuholen.“ 

Auch hier gilt: Maria kann nur als Fürsprecherin wirken, sie kann also den Eintritt vom Fegefeuer in den Himmel von Gott erbitten, aber keineswegs selber die Seelen „herausholen“.

Zudem wird hier der Sinn des Fegefeuers als Läuterungszustand nicht erkannt: Es geht der „armen Seele“ darum, für Gottes ewige Herrlichkeit und seine absolute Heiligkeit reif und rein zu werden, was aber nicht im Wegwischverfahren geht.

Unter Punkt 12 heißt es: „Kurz vor dem Sterben werden sie eine Vision von Meinem Göttlichen Sohn und von Mir, eurer Mutter, haben.“ 

Über den Zweck dieser „Vision“ von Jesus und Maria wird nichts gesagt. Zudem werden damit falsche bzw. verstiegene, irreführende Erwartungen geweckt.

Noch phänomenaler klingt die 13. Verheißung: „Ich werde den Familien und den Nationen, wo man täglich diesen an die Erhabene Dreifaltigkeit und an Mich, eure liebe Mutter, gerichteten Rosenkranz betet, den Frieden schenken.“

Ganze Nationen erhalten also den irdischen Frieden, den Maria zu „schenken“ ankündigt – dabei gilt auch hier: Dies ist allein die Sache Gottes, des Allmächtigen – die Madonna ist Fürsprecherin und Hilfe der Christen, tritt jedoch nie an die Stelle des Allerhöchsten.

Die letzte Zusage  – Nr. 16 – ist ebenfalls unsinnig: „Wenn ein Beter dieses Rosenkranzes die Gnade hat, an einem Samstag zu sterben, so ist damit die Rettung eines seiner Angehörigen gesichert.“

Hängt also die Rettung dieses Familienmitglieds davon ab, ob der Rosenkranzbeter am Samstag stirbt? – Das ist eine zahlenmagische Vorstellung und schlicht abergläubisch.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Die „Familie des Vaters“ von Dr. Prenner und das Verdrängen unseres Erlösers

Von Felizitas Küble

Im Christentum und vor allem in der katholischen Kirche gibt es eine große Vielfalt von Frömmigkeitsformen, Vorlieben und Schwerpunkten. 

So betonen die einen stärker Gott-Vater als den Schöpfer, viele andere – etwa bibelgläubige Evangelikale – stellen Christus in das Zentrum ihres Glaubens – und manche Gläubige wenden sich besonders gerne an den Heiligen Geist, was nicht nur für Charismatiker gilt, sondern z.B. auch der orthodox-ostkirchlichen Mentalität recht nahekommt.

So weit – so gut, denn im Hause Gottes gibt es viele Wohnungen – und auch die verschiedensten Ausrichtungen.

Das ist alles in Ordnung, solange die theologischen Gewichte nicht allzu bedenklich verschoben werden.

Dieser „schräge“ Eindruck entsteht aber bei der Initiative „Familie des Vaters“, die der österreiche Techniker Dr. Gottfried Prenner gemeinsam mit Aloisia Grabner 2016 in Pinkafeld gegründet hat. Diese geistliche Gemeinschaft aus dem Burgenland vereint Männern und Frauen,Priester, Familien und Alleinstehende unter ihrem Dach.

Der Laienmissionar Dr. Prenner ist ein Medjugorje-Bekehrter seit Jahrzehnten (er sprach mehrfach auf Medju-Jugendfestivals), studierte Theologie und reist vielfach mit Vorträgen durch die Lande – auch über Europa hinaus, vorwiegend in charismatischen Gruppen. 

Hier wird eine Selbstdarstellung seines Werkes präsentiert: http://www.pfarrepinkafeld.at/pfarre/1123/pfarrlebengruppen/geistlichegemeinschaften/article/2600.html

Das MottoGott ist unser Vater. Wir sind seine Familie“ ist zunächst nicht zu beanstanden. Etwas merkwürdiger klingt dann allerdings die vereinseigene Begründung hierfür: Aus dieser Vision heraus leben die Mitglieder in einer vertrauten Beziehung zum Vater, der uns alle liebt und für uns alle sorgt.“

Warum wird hier allein Gott-Vater erwähnt – und der Sohn „vergessen“ (der Hl. Geist sowieso auch noch)?

Unter dem Motto „Unsere Aufgaben“ heißt es weiter: „Durch Vorträge und Seminare bringen wir die Liebe des Vaters zu den Menschen. In der Anbetung beten wir mit Jesus zum Vater für die Rettung der Welt.“

Christen beten für die „Rettung der Welt“ nicht allein „zum Vater“, sondern auch zu Christus selbst – mindestens aber „durch Christus“ zum Vater.

Hier wird Jesus aber auf unsere geschöpfliche Ebene heruntergeholt, wenn es heißt, daß wir „mit Jesus“ zum Vater beten. Das könnte man so wohl hinsichtlich Maria sagen, denn die selige Jungfrau ist mit uns als Geschöpf in der Anbetung Gottes vereint – wohlgemerkt: angebetet werden alle drei göttlichen Personen der heiligen Dreieinigkeit!

Bei der Werbung für ein „Glaubensseminar“ für Dr. Prenner (siehe hier: https://www.arche-barmherzigkeit.at/die-arche-feiert-geburtstag) lesen wir Folgendes:

„Wenn du dich einlässt, findest du in Gott Vater das Glück und die Freude….Beim Vater findest du Erfüllung, Sicherheit, Freude und Geborgenheit.

Erneut auch hier kein Wort von Christus!

Abschließend heißt es: „Ein Seminar als Angebot, über Gott Vater mehr zu erfahren, über seine Liebe zu mir. Er hat einen Plan mit mir, er weiß, wohin mein Leben geht.“

Auch GOTT-SOHN hat einen Plan (genau denselben!) und weiß, wohin unser Leben geht, ebenso der Heilige Geist.

Im Grunde konzentriert sich in dieser „Familie des Vaters“ – wie schon der Name anzeigt – alles auf den Schöpfergott und das in einem Ausmaß, daß Christus eindeutig zu kurz kommt.

Durch die ständige Medjugorje-Werbung samt Hinweisen auf die Botschaften der angeblichen „Erscheinungen“ steht auch Maria erheblich zu stark im Zentrum dieser Frömmigkeit.

Gott-Vater und die Madonna – und das war es dann eigentlich im wesentlichen?!

In dieser geistlichen Gemeinschaft scheint theologisch einiges aus dem Ruder gelaufen zu sein!

Ja, Medjugorje-Bekehrung schützt vor Torheit nicht – dafür ist Dr. Prenner wahrlich nicht das einzige Beispiel – einmal abgesehen davon, daß unser Glaube sowieso nicht auf Privatoffenbarungen gründet, sondern auf der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition, also auf der göttlichen Offenbarung, wie sie die Kirche uns verkündet.


„Kath.net“ über Corona und Erscheinungen…

Von Felizitas Küble

Das charismatische und erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ würde seinen selbstgesetzten Auftrag verfehlen, wenn es nicht zur derzeitigen Pandemie auch einige „passende“ Botschaften zu bieten hätte, mögen auch die präsentierten Zusammenhänge reichlich an den Haaren herbeigezogen sein.

Kein Geringerer als der katholische Buchautor und Historiker Michael Hesemann, der für seine „mystischen“ Neigungen bekannt ist, nimmt sich am heutigen 31. März dieses Themas an – und zwar unter dem Titel „Marienerscheinungen und die Corona-Krise“: https://www.kath.net/news/71173

Seine Ausführungen über die kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen von Garabandal können wir momentan vernachlässigen, zumal hier keine Corona-Seuche angekündigt wurde. 

Am Schluß befaßt sich der Autor mit den Visionen von TREVIGNANO ROMANO bei Rom:

Das Ehepaar Gisella und Gianni erlebte nach einer Pilgerfahrt nach Medjugorje viele „Zeichen und Wunder“ – wen wunderts?

Es gab angeblich „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. 

Hesemann schreibt: „Ein Sonnenwunder und diverse Zeichen am Himmel, die u.a. auch fotografiert und gefilmt wurden, scheinen ihren übernatürlichen Ursprung zu bestätigen.“

Wundersame Sonnenphänomene soll es in Medjugorje ebenfalls zuhauf gegeben haben, übrigens auch in Heroldsbach und Montichiari (kirchlich ebenfalls nicht anerkannte Erscheinungsstätten).

Der Verfasser verweist auf eine Trevignano-Botschaft vom 18.6.2016: „Pestilenz, Elend und Seuchen werden Rom befallen, was Tod und Verzweiflung geben wird.“

Warum ist hier nur von der italienischen Hauptstadt die Rede, zumal diese durchaus nicht das Zentrum der Corona-Pandemie ist?

Am 10.10.2016 heißt es in den „Offenbarungen“ an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Bekanntlich werden die meisten Corona-Infizierten sehr wohl geheilt – auch die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Am 17.1.2017 verkündete die angebliche Madonnenerscheinung folgendes: „Bald werdet ihr gezwungen sein, wieder in euren Häusern zu beten. Haltet euch am täglichen Gebet des Heiligen Rosenkranzes fest, der der einzige Schild ist, der euch vor dem Bösen schützen wird.

Warum sollte das Rosenkranzgebet   – das gewiß empfehlenswert ist – das „einzige“ Schild sein, das uns „vor dem Bösen schützt“?

Was ist mit dem Vaterunser? Dem Angelus? Den 150 Psalmen? Der Bibellektüre? Der geistlichen Kommunion?

Wenn der Rosenkranz, den es erst seit dem 15. Jahrhundert gibt, das „einzige Schild“ ist, womit haben sich dann die Christen davor 1500 Jahre lang vor dem Bösen „geschützt“?

Am 20.7.2019 lautet die Botschaft von oben, nun sei die „Zeit der Gerechtigkeit“ gekommen: „Ihr werdet Feuerbälle vom Himmel kommen sehen, die Erde wird nicht aufhören zu zittern, alte und begrabene Krankheiten werden zurückkehren und neue Krankheiten werden sich ausbreiten.“

Hesemann schreibt sodann:

„Die deutlichste Ankündigung aber erfolgte, und das ist dokumentiert, am 28.9.2019, als die Erscheinung verkünden ließ: „Bete für China, denn von dort werden neue Krankheiten kommen. Alles ist bereit, die Luft mit unbekannten Bakterien zu verschmutzen.“

Erstens geht es bei Corona nicht um „unbekannte Bakterien“, zweitens kamen aus China auch schon vorher „neue Krankheiten“ (Näheres dazu etwa in dem 2019 erschienenen Buch von Dr. med. Edith Breburda mit dem Titel „Gentopia“).

Langer Rede kurzer Sinn: Die von Heesemann naiv zitierten Botschaften sind entweder allgemein gehalten oder sie treffen nicht ins Schwarze. Er hätte sich seinen Artikel also sparen können.


Meine Beobachtungen in Medjugorje

„Ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie“

Dieser Brief stammt von einer langjährigen Leserin aus Süddeutschland, deren Name und Anschrift mir bekannt ist.

Aus meiner Erfahrung mit „Aussteigern“ – sei es aus der Esoterik, Charismatik oder Falschmystik  –  weiß ich, wie allergisch bis fanatisch ihr bisheriges Umfeld oftmals reagiert, wenn deutlich wird, daß sie auf einen nüchternen Glauben „umgestiegen“ sind, der keiner „Erscheinungen“ und sonstiger „wundersamer“ Ereignisse bedarf. 

Auch die Verfasserin dieses Schreibens kennt diese Problematik. Hier folgt ihr anschaulicher Bericht:

Sie sprechen mir vollkommen aus der Seele mit Ihren kritischen Beiträgen, Ihrer Aufklärung über „Botschaften“, Seher usw. Die Medjugorje-Hysterie ist auch eine Wundersucht.

Mir wurde schon oft gesagt, dass eine Wallfahrt dorthin alles im Leben zum Guten ändern würde, so daß wir Probleme überwinden, die uns zu schaffen machen.

Ich war 2009 im September eine Woche dort und habe vieles mitbekommen: Die hl. Messen, Rosenkranz und eucharistische Anbetungen sind soweit in Ordnung.

Aber ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie – und das hat mich abgestoßen. Jeden Tag werden die Pilgergruppen, die einen Pilgerführer zwangsweise mitnehmen müssen, mindestens zweimal zur „Tränke“ geführt. Das heißt, sie besuchen eine klösterliche Gemeinschaft, ein Kinderdorf, ein Zentrum für Drogensüchtige etc. Überall gibt es zuerst einen Vortrag und dann werden Spenden eingesammelt.

Mich stören die vielen Geschäfte hingegen nicht. Da kann man reingehen oder auch nicht.

Sodann gibt es in Medjugorje Veranstaltungen in einer größeren Halle, wobei die Seher anwesend sind und zu den Leuten sprechen. Alles wird in verschiedene Sprachen übersetzt. Ich mußte außerhalb der Halle im Freien mit meiner Gruppe zuhören. Aber ich war nicht aufmerksam, weil ich diese „Marienbotschaften“ überhaupt nicht als wahr ansehen kann. Diese banalen Aussagen sind sicher nicht  himmlischen Ursprungs. Davor muß man die Madonna in Schutz nehmen. Aber das darf man bei Medjugorje-Gläubigen nie erwähnen. Sie verhalten sich oft sofort aggressiv und feindselig. Darin erkenne ich dann eine Spur der „anderen Firma“…

Besonders empfindlich reagieren Medjugorje-Pilger, wenn man den Lebenswandel der Seher/innen anspricht. Die hl. Katharina Labouré, Bernadette von Lourdes und die Kinder von Fatima lebten zurückgezogen, hatten es teilweise sehr schwer im Leben, wurden keine bejubelten Stars und gingen ins Kloster. 

Besonnene Gläubige unter den Pilgern antworten mir dann immer, dass das spezielle Apostolat der Medjugorje-Seher eben die Familie wäre und sie darum geheiratet hätten. Andere reagieren richtig wütend, weil sie diesen Punkt als Zeichen einer Infragestellung erkennen.

Es soll dort angeblich Heilungen geben, aber warum werden diese nicht wie in Lourdes ärztlich genau untersucht? Diese „Wunder“ werden erzählt, ohne daß eine kirchliche Anerkennung erfolgte. 

An einem Nachmittag unter freiem Himmel konnte man in Medjugorje Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sehen, die sich kreuzten. Diese Kreuze wurden dann wie wild fotografiert und ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht. Dabei gewann ich den Eindruck, dass man wirklich fieberhaft nach Zeichen und „Wundern“ sucht.

Das Publikum ist sonst nicht primitiv, ungebildet oder unkritisch. Aber bei Medjugorje sind sie verblendet. Ich kenne viele fromme Katholiken, denen die verschiedenen „Privatoffenbarungen“ wichtiger sind als das Wort Gottes.

In den vergangenen Tagen habe ich mich gefragt, hätte die „Gospa“ – wie man die Medjugorje-Madonna nennt –  nicht konkret diese Corona-Seuche vorhersagen müssen ? Man hörte nichts über eine weltumfassende Epidemie, die überall große wirtschaftliche Not verursacht. Das ist doch erstaunlich. Keine dieser „Botschaften“ warnte die Menschen. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, vom Himmel her die schon längst fällige Echtheits-Bestätigung zu liefern.

Solche Erscheinungen kommen aber auch ohne Medjugorje-Seher überall vor. Ich kenne allein drei Frauen, die mir berichteten, dass sie unsichtbare Stigmen tragen, also die Wundmale Jesu. Sie erwarteten dann von mir wohl eine ehrfürchtige Reaktion, weil sie mich in ihr „Geheimnis“ eingeweiht haben. Ich habe sie alle enttäuscht.

Viele „träumen“ auch Erscheinungen und fühlen sich dann auch aus der normalen Masse der Sterblichen etwas herausgehoben. Allen diese „Erwählten“ konnte ich einen gewissen Stolz nicht absprechen.

Ich habe vor ein paar Jahren in Schramberg den „preisgekrönten“ Film Mary‘s Land gesehen. Hinter mir waren hysterische  – oder wie Sie zu schreiben pflegen: schwarmgeistige – Damen, die den langweiligen Film immer wieder mit ihren Jubelausbrüchen garnierten, während ich vor Langeweile eingenickt bin. Jetzt wurde wieder so ein Film gedreht, zu dem ich trotz vieler Einladungen nicht gegangen bin. Zu Hause schläft es sich besser.

Das Problem Medjugorje ist groß. Millionen gehen jährlich dorthin. Der Vatikan und die Bischöfe getrauen sich nicht, ein Machtwort zu sprechen. Würde ein solches erfolgen und dem Spuk ein Ende bereiten, so würde eine riesige Geldmaschine trockengelegt werden.

An unserem letzten Tag sprach noch eine Seherin der sogenannten „zweiten Generation“ im Hotel. Sie erhalte, so hieß es, innere Einsprechungen von oben. Es ging dabei eigentlich wieder ums Spenden. Das ist der allgegenwärtige Mechanismus dort.

Mein Beichtvater empfiehlt mir immer, wie Sie richtig schreiben, dem Willen Gottes zu gehorchen. Aber Kreuztragen wollen viele nicht mehr; sie sehen das als Strafe Gottes an.
Ohne Kreuztragen gäbe es keine Heiligen, das sage ich immer. Dadurch geschehen wirkliche Wunder in der Seele.


Die „Marienerscheinungen“ von Heede und „Botschaften“ an die Seherin Grete Ganseforth

Von Felizitas Küble

Vor über zwei Jahren haben wir einen einführenden Artikel über die Marienerscheinungen im emsländischen Heede veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/02/heede-marienerscheinungen-im-emsland/

Dieser Beitrag sei nun um einige Anmerkungen ergänzt, wobei ich auf Informationen aus dem Buch „Flammende Zeichen der Zeit“ des katholischen Schriftstellers Bruno Grabinski zurückgreife.

Die erste Auflage erschien 1950, wobei weitere Auflagen bis 1974 folgten, das Buch also jahrzehntelang auf ein erstaunliches Interesse stieß. Die verschiedenen Ausgaben wurden teilweise überarbeitet und ergänzt – mir liegt die 3. Auflage von 1966 vor.

Will man vermeintlich „übernatürliche“ Phänomene möglichst sachgerecht beurteilen, so tut man gut daran, auf ältere Literatur zurückzugreifen, weil in späteren  Büchern oft so manches „redigiert“ bzw. retuschiert und frisiert wird, um nicht zu sagen: zurechtgebogen.

Zurück zu Heede:

Dort soll 1937 – also mitten in der NS-Zeit   –  die Gottesmutter einigen jungen Mädchen auf dem Friedhof erschienen sein und sich als „Königin des Weltalls und der Armen Seelen“ präsentiert haben. Diese Privatoffenbarungen wurden von der Kirche nicht anerkannt, aber die dortige Gebetsstätte mehr oder weniger geduldet und heute allgemein bischöflich toleriert.

Das erwähnte Grabinski-Buch steht den Heede-Erscheinungen recht positiv gegenüber, ohne dabei fanatisch zu sein. Umso aufschlußreicher sind einige Zitate und Hinweise in diesem alten Buch. Dort geht es um die Seherin Grete Gansefort, die von allen visionären Heede-Frauen die größte Bekanntheit erlangte und vom Autor als „mystisch Begnadete“ bezeichnet wird.

Dabei soll ihr die „Gottesmutter“ in Einsprechungen z.B. über den 2. Weltkrieg gesagt haben: „Der Krieg ist keine Strafe der göttlichen Gerechtigkeit (…), sondern eine Strafe aus Barmherzigkeit zur Rettung vieler Seelen, die sonst verlorengegangen wären.“ (S. 90)

Hier scheint der Versuch wirksam, sich an einige Fatima-Aussagen anzulehnen, diese aber noch zuzuspitzen:

Der Krieg ist weder eine Strafe aus Gerechtigkeit noch aus Barmherzigkeit, sondern eine Folge der gottlosen Politik zweier Dikaturen und Tyrannen (Hitler und Stalin), die bestimmt nicht als Vollstrecker des göttlichen Willens fungierten.

Gott läßt solche  –  gegen seine Gebote gerichteten – Verbrechen zwar zu, aber nicht, weil ER sie billigt oder gar aktiv als „Strafe“ einspannt, sondern weil ER die menschliche Freiheit respektiert – und dies auch im Falle ihres Mißbrauchs durch Bosheit.

Abgesehen davon mag es sein, daß durch die Kriegsereignisse manche Seelen gerettet wurden, weil sie in diesen schlimmen Zeiten zum Nachdenken kamen, aber genauso kann auch das Gegenteil eingetroffen sein, daß Menschen aus Verzweiflung vom Glauben an einen gütigen Gott abgefallen sind. Das Sprichwort „Not lehrt beten“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß leider zugleich die Erfahrung gilt: „Not lehrt fluchen!“

Es gibt keine Vorherbestimmung

Am 17./18. November 1943 soll der „Heiland“ Grete Ganseforth Folgendes mitgeteilt haben: „Von aller Ewigkeit her habe ich schon den Grad der Vollkommenheit, zu welcher Ich eine Seele bei ihrer Erschaffung in der Zeit rufe, festgelegt.“ (S. 90)

Dies beinhaltet eine falsche Prädestinations(irr)lehre, denn es gibt zwar eine Vorsehung und Vorausschau Gottes in seiner Allwissenheit, aber keine Vorherbestimmung im eigentlichen Sinne, sonst würde Gott die von ihm selber geschaffene Freiheit des Menschen nicht ernst nehmen.

Geradezu blödsinnig ist die „Botschaft“ vom 21.12.1943 über den Menschen, der als „Nichts“ bezeichnet wird. Dabei spricht wieder der angebliche Heiland zu Ganseforth, seiner „Braut“, wie er sie nennt: „Das Nichts verdient nichts, deshalb soll das Nichts nicht richten, nichts sagen, nichts verlangen und sich über nichts beklagen.“ (S. 91)

Offenbar merkt der Verfasser, der sonst durchaus theologisch zu differenzieren versucht (und z.B. die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach strikt ablehnt), in seiner Leichtgläubigkeit nicht, wie unvernünftig und verfehlt diese „Botschaften“ sind.

Nicht einmal die Tatsache, daß ein psychiatrisches Gutachten die „Seherin“ negativ beurteilte, scheint ihn zu beeindrucken: „Es ist bekanntgeworden, daß ärztliche Gutachter Grete G. als „hysterisch“ angesprochen haben.“ – Das sei aber „weiter nicht verwunderlich“ und bedeute keineswegs die „Unechtheit“ der Erscheinungen: „Denn schließlich können auch „Hysterische“ sehr wohl begnadet sein.“ (S. 92)

Erstens sind ohnehin alle Christen „begnadet“, was schon mit der Taufe beginnt, zweitens sind damit noch lange keine Visionen oder Privatoffenbarungen verbunden, drittens sind krankhafte Seelenzustände wie Hysterie sehr wohl ein ernster Grund, an der Übernatürlichkeit einer Erscheinung zu zweifeln.

Hierzu heißt es auf dem amtlichen Portal „Katholisch.de“ über die Kriterien für eine Anerkennung:

„Erstens muss das weitere Leben den tadellosen Charakter des Sehers oder der Seherin bezeugen, er oder sie darf zweitens nicht unter einer psychischen Krankheit leiden und die Marienerscheinung muss drittens eine positive Wirkung sowohl auf die Persönlichkeit des Sehers als auch auf deren Umgebung haben – entwickelt sich durch das Ereignis ein Konflikt, dann kann hier nicht Maria am Werke gewesen sein.“ (Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/16538-marien-wunder-gibt-es-immer-wieder-oder)

Und ob sich aus Heede ein „Konflikt“ entwickelt hat: Einige der Visionärinnen (vor allem Ganseforth) haben sich nach dem Krieg in aufsehenerrende Gerichtsprozesse verwickelt und sich gegenseitig Lug und Betrug vorgeworfen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
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Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“

 

 


Erscheint die „Madonna von Zaro“ seit 1994 auf der Insel Ischia bei Neapel?

Von Felizitas Küble

Es sind bereits 25 Jahre vergangen, seitdem die himmlische Mutter angeblich drei vorpubertären Kindern – alle unter zehn Jahre alt  – im Wald von Zaro erschienen sein soll. Diese Stätte befindet sich auf der Insel Zaro im Golf von Neapel.

Die Ereignisse von Medjugorje in der Herzegowina sind noch älter – dort soll sich die Madonna bereits am 24. Juni 1981 einer Gruppe von Jungen und Mädchen gezeigt haben.

In beiden Fällen dauern die Erscheinungen bis heute an, wobei sich „Maria“ stets an einen vorgegebenen Zeitplan hält:

Auf der Insel Ischia kommt sie pünktlich am 8. und 26. Tag eines jeden Monats, wobei der einstige Seherknabe Ciro Vespoli (er ist inzwischen Priester) keine Offenbarungen mehr erhält, jedoch die Visionärinnen Simona und Angela nach wie vor ihre Botschaften empfangen.

Die Verlautbarungen von „oben“ sind denen in Medjugorje im Sprachduktus und dem oft sentimentalem Inhalt zum Verwechseln ähnlich, lediglich das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ wird im Wald von Zaro gründlicher eingehalten, das heißt:

Dort gibt es mehr Katastrophen-Ankündigungen (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Kriege, Massenterror), weshalb die Botschaften insgesamt etwas aufregender wirken als die flachen Allerweltssprüche aus der Herzegowina.

Auch das Erscheinungsbild der „Madonnen“ zeigt in beiden Fällen verwandschaftliche Merkmale: sie trägt einen Schleier, ein weißes oder graues Gewand, einen blauen Mantel und hat nackte  Füße, die Hände breitet sie fast wie ein Priester am Altar aus (Orante-Haltung). Im Falle der Ischia-Erscheinungen gibt es noch ein dornenumranktes Herz auf der Brust und einen goldenen Gürtel um die Hüften.

Nachdem die Zahl der Pilger und neugierigen Touristen ständig angewachsen ist, haben sich auch Medien für die dortigen Vorgänge interessiert. Die angesehene Schweizer „Weltwoche“ schrieb am 5. Juli 2017 sogar einen ausführlichen Bericht unter dem Titel „Wenn Maria spricht“: https://madonna-von-zaro.org/resources/weltwoche_zaro.pdf

BILD: Medjugorje-Madonna mit Schleier, grauem Gewand und blauem Mantel – ähnlich wie in Zaro

Aber auch der zuständige Bischof konnte die Ereignisse auf Dauer nicht ignorieren, so daß er eine Untersuchungskommission einschaltete, die aus mehreren Theologen, Kirchenrechtlern und einem Psychiater besteht. Ein abschließendes Urteil läßt noch auf sich warten, was aber für kirchliche Verhältnisse nicht ungewöhnlich ist. 

Eine Anerkennung der „Offenbarungen“ ist freilich äußerst unwahrscheinlich. Immerhin wurden in Italien seit 1930 über 100 Erscheinungsstätten gemeldet, von denen die Kirche keine einzige approbiert (genehmigt, gebilligt) hat.

Zudem hat der Ortsbischof bereits in kritischer Weise eingegriffen, als er vor einigen Jahren anordnete, daß die vermeintlichen Botschaften Mariens den Pilgern nicht mehr direkt nach ihrer „Erscheinung“ verkündet werden dürfen. Vielmehr müssen sie ihm zuerst vorgelegt werden – und dürfen allenfalls beim nächsten Stelldichein der „Madonna“ vorgelesen werden.

Laut Bericht der „Weltwoche“ sind die zuständigen kirchlichen Stellen vor allem von den Panik-Kundgaben wenig angetan.

Natürlich hat sich die erscheinungsbewegte Internetseite „Kath.net“ sehr wohlwollend über die Vorgänge im Wald von Zaro geäußert: www.kath.net/news/60204

Am 8. Juli 2017 verwies „Kath.net“ abschließend auf das Zeugnis von Pater Gabriele Amorth, dem verstorbenen Exorzisten aus Rom. Dieser habe sich kurz vor seinem Tod positiv über die Geschehnisse auf der Insel Ischia geäußert.

Dies erstaunt allerdings wenig, immerhin war der Geistliche nicht nur ein entschiedener Anhänger von Medjugorje, sondern verlangte sogar von den Gläubigen die Zustimmung zu den dortigen Phänomenen, was ganz dem kirchlichen Standpunkt zu Privatoffenbarungen zuwiderläuft.

Dies haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahre 2011 – zu seinen Lebzeiten also – kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/02/ex-exorzist-verlangt-den-glauben-an-medjugorje/

Wenn die Erscheinungs-„Madonna“ nicht gerade mit Katastrophenmeldungen und Warnungen vor göttlichen „Strafgerichten“ zugange ist, beschränkt sie sich in ihren Mitteilungen auf fromme Banalitäten ähnlich wie in Medjugorje.

So heißt es u.a. in ihrer nagelneuen „Botschaft“ vom 26. Februar 2019 an die Seherin Simona laut der deutschsprachigen Zaro-Werbe-Seite:

„Liebe Kinder, seht, ich komme zu euch, um euch Frieden, Liebe, Gelassenheit  und Gerechtigkeit zu bringen.

Meine geliebten Kinder, ich komme nochmals, um euch um Gebet zu bitten, Gebet für diese Welt, die sich immer mehr im Verfall befindet, immer mehr vereinnahmt vom Bösen, immer mehr erfüllt vom eigenen „Ich“ und immer weiter von Gott entfernt.

Nur in Gott ist Liebe, nur in Ihm ist Frieden, nur in Ihm ist die wahre Freude!

Ich liebe euch, meine Kinder, ich liebe euch. Jetzt gebe ich euch meinen heiligen Segen. Danke, dass ihr zu mir geeilt seid.“

Die Ähnlichkeit mit dem süßlichen Medjugorje-Gesäusele ist unverkennbar – bis hin zum Abschlußsatz: „Danke, dass ihr zu mir geeilt seid.“ – In Medju endet fast jede Botschaft mit der Floskel: „Danke, dass ihr meinen Ruf gefolgt seid.“