Synodaler Weg: Es geht um „alles oder nichts“

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bistumszeitung „Konradsblatt“ Nr. 25 vom 21.6.2020 zitiert unter „Pressestimmen“ die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Dort heißt es:

“Der Synodale Weg‘ …mit seinen Themen Macht, Frauen und Sexualmoral (wird) nun endgültig zur Arena, in der es für die katholische Kirche …um Alles oder Nichts geht“.

Das hat die FAZ richtig beobachtet.

In der Vorbereitung des „Synodalen Prozesses“ wurde bereits deutlich, dass der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert wird, um eine „andere Kirche“ zu schaffen. Die Themen, die in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch stehen, wie mehrfach festgestellt wurde, dienen als Rammböcke, um das katholische Lehrgebäude zum Einsturz zu bringen.

Die Bereitschaft, auch Vorlagen, die im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen, zur Abstimmung zu bringen, beweist diese Intention.

Der Regensburger Bischof Voderholzer hat sich nach der Abstimmung auf der Bischofskonferenz am 25. September 2019  sich klar dazu geäußert. Wer sich darüber näher informieren will, kann das bspw. im Februarheft 2020 der katholischen Monatszeitschrift „Der Fels“ tun.

Voderholzer war in seiner Stellungnahme bereits klar, dass es beim „Synodalen Weg“ für die katholische Kirche um „Alles oder Nichts“ geht.


Kardinal Marx bietet einen Rundumschlag statt geistiger Auseinandersetzung

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Reinhard Marx hat am 25. Mai 2020 sein neues Buch vorgestellt. Der Titel heißt „Freiheit“.

Was Marx darin sagt, stellt Britta Schultejans in der Allgemeinen Augsburger Zeitung (AZ) vom 25. Mai vor. Zusammenfassend heißt es:

„Eine neue Theologie, mehr Menschlichkeit, mehr Freiheit, ein neues Zeitalter des Christentums“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Das hört sich wie die Ankündigung einer neuen politischen Utopie an – recht unkonkret. Schultejans meint an späterer Stelle: „Das klingt zum Teil ungemein progressiv, ganz konkret wird Marx aber nicht“.

Diese Unkonkretheit zieht sich in diesem „Rundumschlag“ (Untertitel) durch den gesamten Text.

„Freiheit“ lässt sich gut instrumentalisieren. Alle Ideologen arbeiten damit, auch, wenn sie diese missbrauchen, nachdem sie die Macht erobert haben.

Wir kennen das vom „kommunistischen Manifest“ des Karl Marx, auf den sich alle Marxisten berufen haben  –  von Lenin, Stalin bis zu Mao Tse-tung und Pol Pot, die ihre Gegner ausgerottet haben.

Die „neue Theologie“ wird in der Besprechung nicht näher ausgeführt. Sie sollte eigentlich zu einem tieferen Verständnis der Botschaft Jesu führen.

Das „neue Zeitalter des Christentums“ wird nicht konkret sichtbar. „Freiheit“ ist schon etwas abgegriffen.

Es könnte trotzdem einen interessanten Aspekt bringen, wenn z.B. dargelegt würde, dass Freiheit für Christen hieße, frei werden von den Fesseln der Sünde, von Furcht und Angst, die Menschen bedrängen.

Marx fordert laut Schultejans-Artikelm, „zur Erneuerung“ gehöre zwingend, moderne Freiheiten als gesellschaftliche Errungenschaften zu betrachten.

Es gehe „nicht an, die Freiheitsgeschichte der modernen Welt als Irrweg zu verdammen oder gar als Bedrohung des Glaubens und der Kirche zu sehen“.

Da auch das nicht konkretisiert wird, wäre zu fragen, ob Marx „gesellschaftliche Errungenschaften“ in assistiertem Suizid, in Abtreibung, in Ehe für Alle, in Genderideologie, in der Selektionsmethode PND, in Leihmutterschaft, in Gleichsetzen aller Formen von Sexualität und im Verbot von Konversionstheorien sieht?

Marx geht, so heißt es in der Buchvorstellung, mit „konservativen Widersachern hart ins Gericht“.  Diese Gegner sieht er wohl bei denen, die z.B. im sogenannten Reformprozess eine andere Meinung als er vertreten.

Denn „er (Marx) galt ohnehin schon als treibende Kraft hinter dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der ‚Synodaler Weg‘ genannt wird und sich mit der Sexualmoral, dem Zölibat und der Stellung der Frau befassen soll“.

Als „konservative“ Gegner werden in der Buchbeschreibung namentlich Kardinal Woelki, Bischof Voderholzer und Kardinal Müller genannt. Nirgends wird „konservativ“ näher definiert. Das ist diese schlüpfrige, effektheischende Diktion, die einer geistigen Auseinandersetzung aus dem Weg geht.

Reinhard Marx äußert: „Wenn Freisein und Katholischsein nicht zusammengehören können, ist der Weg des Glaubens in die Zukunft versperrt“.

Mit der Forderung nach mehr Freiheit zeigt sich Marx als ein erfahrungsresistenter Analyst. Bekanntlich rühmen sich die Protestanten ihrer größeren Freiheiten gegenüber den Katholiken. Bringt das aber mehr Zukunft?

Die Protestanten verlassen in größerer Zahl als die Katholiken ihre Kirche. Kirchenaustritte sprechen nicht für Zukunft. Marx äußert, der Kirche dürfe „nichts Menschliches fremd sein“. Richtig! Als die Katholiken noch regelmäßig zum Beichten gingen, war der Kirche vermutlich nichts fremd. Heute muss sie die Befindlichkeit von Soziologen, Psychologen und aus der Statistik erfahren. Fortschritt?

Schließlich meint Marx: Eine Kirche, „die sich in einer rein negativen Sicht der Moderne verharrt und sich zurückträumt in eine idealisierte Vergangenheit… ist nicht nur überholt, sondern sogar zu verhindern… dass solche Stimmen zum Teil vermehrt zu hören sind, beunruhigt mich“.

Marx ist dafür bekannt, dass er kräftig austeilt, wenn er Gegenwind spürt. Er hütet sich aber auch hier, Ross und Reiter zu nennen. Das gibt allen Spekulationen Raum, vermeidet aber eine geistige Auseinandersetzung.

Andersdenkende werden mit „Fundamentalismus“ und „autoritäre Restauration“ abgekanzelt. Die Artikelüberschrift in der AZ lautet: „Klare Kante gegen Kirchen-Konservative“. Sie liest sich wie ein letzter Rundumschlag eines angezählten Boxers. Ein „deutliches Signal“ ist es nicht.


Ist die deutsche Ratspräsidentschaft wirklich eine „Hoffnung für Europa“?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Im Leitartikel des Konradsblatts „Hoffnung für Europa?“ vom 21.6.2020 meint Brigitte Bottner: Die deutsche Ratspräsidentschaft ab 1. Juli 2020 „weckt Hoffnungen in vielen europäischen Mitgliedsstaaten“, zumal im ersten Amtsjahr der deutschen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

„Hoffnungsvoll sind auch die Kirchen… Europa ist kein loser Staatenverbund, den strategische und wirtschaftliche Interessen zusammenhalten; hier geht es um ein großartiges, einzigartiges Erbe mit christlichem Fundament“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

In einem weiteren Artikel der gleichen Ausgabe mit dem Titel „Solidarisches Europa statt nationaler Alleingänge“ plädieren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Bätzing und der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bedford-Strom, in einer gemeinsamen Erklärung (17.6.2020) zur deutschen Ratspräsidentschaft für ein „solidarisches Europa, das die Schwächsten der Gesellschaft“ im Blick hat und für die „Bewahrung der Schöpfung“.

Sie äußern die Überzeugung, dass unser aller Zukunft nicht allein bei den Nationalstaaten, sondern in Europa liegt.

Die wichtigsten Herausforderungen sehen beide Kirchen in der „Bekämpfung der Wirtschaftskrise“. Gleichzeitig wollen sie auf dem Weg zu einer „klimaneutralen Gesellschaft“ weitergehen. Sie haben „strukturschwache Länder und ärmere Bevölkerungsschichten weltweit“ im Blick. Schließlich fordern sie eine „menschenwürdige, gerechte und solidarische Asylpolitik, die schutzsuchenden Menschen sichere Zugangswege ermöglichen mit „hohen Aufnahme- und Verfahrungsstandards“.

Die „gemeinsame Erklärung“ liest sich wie eine Aufzählung von Wünschen von „Gutmenschen“, die nicht in politischer Verantwortung stehen und zumeist Allgemeinplätze wiederholen.

Eine „öffentliche Stimme“ wird man so nicht.

Von dem „großartigen, einzigartigen Erbe mit christlichem Fundament“, wie es im Leitartikel heißt, ist da nichts zu lesen. Wie sollte das in einer europäischen Union auch sein, die sowohl den Gottesbezug in der Verfassung wie die Nennung der christlichen Wurzeln Europas abgelehnt hat und eine Kultur entwickelt, die Gott aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt.

Dieses Erbe wird in der „gemeinsamen Erklärung“ nicht angesprochen.

Weiter hieß es im Leitartikel, die Kirchen sähen Europa nicht nur als losen Staatenverbund. Die gemeinsame Erklärung hat als „wichtigste Herausforderung“ die Bekämpfung der Wirtschaftskrise, nicht aber die geistige Krise Europas.

Die Zukunft läge nicht bei den Nationalstaaten, sondern in Europa. Das ist ein Allgemeinplatz, der aber nichts darüber aussagt, wie ein gemeinsames Europa zusammengehalten werden kann, in dem die Übergriffe des Europäischen Gerichtshofes und der Kommission das Subsidiaritätsprinzip immer mehr aushöhlen.

Auch das hätten die Verfasser der „gemeinsamen Erklärung“ ansprechen müssen, wenn ihnen der Fortbestand der Europäischen Union am Herzen liegt.


Eine „Entweltlichung“ unserer Kirche begünstigt die Erneuerung des Glaubens

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der seit Jahrzehnten andauernde, beklagenswerte Zustand der deutschen Ortskirche hat nicht seine Ursache in zu wenig Geld, sondern dass sie zu viel davon hatte.

Die „Entweltlichung“, die Benedikt XVI. in Freiburg mit dem Wort angemahnt hatte: Eine „von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden“ fand nicht statt.

Jetzt geschieht, was Benedikt in Freiburg auch gesagt hat, dass „die Geschichte der Kirche durch Epochen der Säkularisierung zu Hilfe kam, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben“.

Ein bekannter Kirchenhistoriker hat einmal geäußert: Die Säkularisierung musste kommen, weil die Bischöfe in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehr Reichsfürsten als loyale Mitarbeiter des Papstes waren.

Wie immer bei „Entweltlichung“ mussten in der Säkularisation auch gute Bischöfe und vitale katholische Klöster die Folgen mittragen, weil ungetreue Verwalter von sich aus nicht bereit waren, die Verhältnisse in Ordnung zu bringen.

Ein jüngeres Beispiel für vertane Entweltlichung ist der Weltbild-Verlag, der einmal im Eigentum und in der Verantwortung deutscher Bistümer stand. Der Weltbildverlag hat einen Teil seines Umsatzes mit Pornographie und Satanismus erwirtschaftet. Die verantwortlichen Bischöfe wurden durch umfangreiche Dokumentationen auf den Übelstand hingewiesen. Geändert wurde nichts, bis der finanzielle Crash das Problem löste.

Der massive Kirchensteuereinbruch wird überfällige Reformen erzwingen. Was soll mit dem weniger Geld geschehen?

Guido Horst (Vatikanmagazin, 6-7/2020, S.3) zitiert den Pastoraltheologen Dr. Andreas Wollbold. Dieser sprach sich dafür aus, „lebendige Zentren der Kirche zu stärken“. Einzelne glaubensstarke Gemeinschaften sollten in „schöpferischer Destruktion“ mit der verbleibenden Kirchensteuer gefördert werden.

Horst meint, „die Bischöfe sollten sich ein Herz fassen und in die Hot-Spots des Glaubens investieren. Der „Synodale Weg“, der nur in einer großen Frustration enden kann, ist das mit Sicherheit nicht. Nur: die große Mehrheit der Bischöfe steht hinter diesem „Synodalen Weg“. Der Versuch von Woelki und Voderholzer, ihn zu einem Hot-Spot umzuwandeln, wurde auf der Versammlung der Bischöfe am 15. September 2019 abgeschmettert. Voderholzer gab damals zu Protokoll „dass es zumindest eine Minderheit von Bischöfen gibt, die von der Sorge erfüllt ist, dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“.

Horst meint, „die überwiegende Mehrzahl der Priester wäre bereit, mit missionarischem Geist einen Aufbruch in die Neuevangelisierung mitzutragen“. Auch viele Laien stünden bereit, die Geistlichen dabei zu unterstützen. Beides ist nicht so sicher. Aber die Reformer in der Kirche waren nie eine große Zahl. Es waren meist Einzelpersonen, die die ersten Schritte vielfach allein, aber mit dem Heiligen Geist gegangen sind. Der Startschuss muss kein lauter Knall sein.

Der Anfang einer Neuevangelisierung könnte nach Bischof Voderholzer (siehe Foto) auch so aussehen, dass reformwillige Gläubige die Möglichkeiten eines kirchlich gelebten Glaubens kennenlernen. Der Regensburger Oberhirte meint, die Katholiken sollten die Auskunftsfähigkeit über den Glauben stärken, sprachfähig und sprachwillig werden nach dem Wort „Seid bereit, jedem Rede und Antwort zu geben über den Grund eurer Hoffnung“ (vgl. 1 Petrus 3 15).

Ein weiterer Schritt wäre die Selbstvergewisserung im Glauben:

  • Wo zeigt sich der Glaube in meinem Leben?
  • Was würde mir ohne Gott und Kirche fehlen?
  • Warum ist mir die heilige Messe am Sonntag wichtig?
  • Wer hat mich eigentlich zum Glauben geführt?
  • Wer hat mir Christus nahe gebracht?
  • Welches Glaubenszeugnis hat mich so beeindruckt, dass ich ohne es nicht sein möchte?

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

 


Augsburger Erklärung des „Forum Deutscher Katholiken“ zur Krise in der Kirche

Verabschiedet anlässlich der Mitgliederversammlung vom 7./8. März 2020:

Bei Begegnungen und Gesprächen mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Berufe spürt man deutlich wachsende Unsicherheit und Orientierungslosigkeit in wichtigen Lebens- und Glaubensfragen. Viele suchen nach einem Ziel, aber sie haben keinen Kompass. Fragen, die sie an Priester oder Politiker richten, werden gar nicht oder nicht im katholischen Sinn beantwortet.

Und wie es auf der einen Seite passiert, dass sich die Menschen zurücklehnen, die Heilige Schrift beiseite legen, die Tradition unserer Kirche vergessen und/oder die Wahrheit ignorieren oder belächeln, verfallen viele auf der anderen Seite in eine pauschale Verurteilung der Priester, die sie unter Generalverdacht stellen.

BILD: Das Forum Deutscher Katholiken veranstaltet jährlich den von Prof. Dr. Hubert Gindert geleiteten Kongreß „Freude am Glauben“

Viele Gläubige verteidigen nicht mehr unsere Kirche, fühlen sich aus dem öffentlichen Diskurs ausgegrenzt und ziehen sich ganz in ihr Privatleben zurück.

Sie sind ratlos, können das Wort „Krise“ nicht mehr hören. Ihre Sehnsucht nach Klarheit wächst, bleibt aber leider häufig unerfüllt.

Für das Thema Gesellschaft seien beispielhaft erwähnt:

Die Ehe ist erweitert worden auf unterschiedliche Partnerschaften durch „Ehe für alle“. Diese Form hat alles Ungleiche gleich gestellt. Die Familie wird ökonomisiert, d. h. die Frau soll vermehrt dem Produktionsprozess zur Verfügung stehen, die Rolle des Mannes wird abgewertet und das Wohl des Kindes wird umgedeutet.

Die Gender-Ideologie propagiert ein neues Menschenbild, das aggressiv die Schöpfungstheologie bekämpft und gegen über Jahrhunderte anerkannte Traditionen gerichtet ist. Abtreibung wird als Menschenrecht für die Frau bezeichnet und dem ungeborenen Kind wird das Leben genommen.

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ermuntert zur Abtreibung jedes Kindes, das behindert zur Welt kommen könnte. Die in der Realität hohe Prozentzahl wird sich noch weiter steigern, wenn die pränatalen Bluttests zukünftig von den Kassen bezahlt werden sollten.

Vom jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizid-Assistenz über das „selbstbestimmte Sterben“ geht beispielsweise nach dem Urteil von Bischof Voderholzer (siehe Foto) die „Gefahr aus, dass gesellschaftlich weit verbreitetes Pochen auf Selbstbestimmung umschlägt in eine totale Fremdbestimmung“. Wir schließen uns diesem Urteil an.

In der Kirche erleben wir einen seit Jahren gewachsenen Glaubensabfall.

Der Besuch der hl. Sonntagsmesse liegt unter 10%, und der Empfang der Sakramente nimmt kontinuierlich ab. Die Gründer von Maria 2.0 wollen die Gottesmutter neu definieren und konstruieren für sie ein „update“, fordern die Frauenordination, den Zugang zu allen Ämtern in der Kirche und eine neue kirchliche Sexualmoral, die sich an der sog. „Lebenswirklichkeit der Menschen“ zu orientieren hat.

Der Geist des „Synodalen Weges“ kommt darin zum Ausdruck, dass eine Mehrheit von 87% der Synodalen dafür war, dass über Beschlussvorlagen, die sich gegen die Lehre der Kirche richten, abgestimmt werden kann.

Das „Nachapostolische“ Schreiben „Querida Amazonia“ wäre eine Chance gewesen, dem Synodalen Prozess eine Wende zu geben und sich endlich der Glaubensvertiefung und der Neuevangelisierung zuzuwenden. Diese Chance hat auch der neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nicht aufgegriffen.

Dieses „Weiter so“ ist kein Zeichen der Stärke, sondern der Schwäche, weil es zum Ausdruck bringt, dass Mut und Kraft zu einem Neuanfang im Glauben fehlen. Einen deutschen Sonderweg, der von der Universalkirche wegführt, lehnen wir strikt ab.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ bedankt sich bei allen Priestern und Bischöfen, die den Gläubigen eine Orientierung geben, die der Wahrheit folgt. Wir rufen alle katholischen Christen dazu auf, ihren Glauben mutig zu bekennen.


Wegweisende Klarstellungen des Papstes

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Zum Nachsynodalen Schreiben „Geliebtes Amazonien“ von Papst Franziskus, das sich auf die Probleme Amazoniens insgesamt bezieht. Wir greifen hier einige Aussagen aus dem 4. Kapitel auf. Sie betreffen Fragen des „Synodalen Prozesses“ in Deutschland.

Das päpstliche Schreiben bekräftigt: die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt allen christlichen Lebens“: „Der Eucharistiefeier kann nur ein geweihter Priester vorstehen“.

In der Priesterweihe drückt sich sein „spezifischer, vorrangiger, nicht delegierbarer Auftrag“ aus. Denn in der sakramentalen Priesterweihe werde der Geistliche „Christus, dem Haupt der Kirche gleichgestaltet.“  –  „Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters“.

Es ist die Amtsgewalt, die den Priester befähigt, zu sprechen: „Das ist mein Leib“ oder „Ich spreche dich los von Sünden“ – Die Priesterweihe begründet keine Machtstellung oder „Überordnung“ über die anderen Christen, denn Christus selbst ist das Haupt der Kirche.

„Laien können das Wort verkünden, unterrichten, einige Sakramente spenden, ihre Gemeinschaften organisieren, verschiedene Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit entwickeln“. “Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche“, neben der Tätigkeit, die allen Weltchristen zukommen, in dem sie die „Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben“.

Papst Franziskus fordert dazu auf, „Aufgaben und Dienste, die nicht die heilige Weihe erfordern“, zu fördern

Der Blick auf „funktionale Strukturen“ verstellt den sakramentalen Charakter der Kirche mit dem Haupt Jesus Christus.

Diese Aussagen können zur Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung, die der Papst im Schreiben an das „Pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ angemahnt hat, beitragen.

Das Forum Deutscher Katholiken dankt für diese Aussagen!


Der „Synodale Prozess“ als Ereignis im Vergleich mit der Französischen Revolution

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die drei ersten Tage des „Synodalen Weges“ vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt brachten Weichenstellungen, die eine „andere Kirche“ zum Ziel haben.

Es ging nicht um Neuevangelisierung oder ein vertieftes Verständnis unseres Glaubens. Mit der Zustimmung von 87 % der abstimmungsberechtigten Mitglieder können bei den weiteren Beratungen auch Beschlussvorlagen, die sich gegen die Lehre der Kirche richten, aufgegriffen und abgestimmt werden. Das ist ein revolutionärer Schritt!

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Wie sich die „Revolutionäre“ dieser kirchlichen Versammlung weiter verhalten werden, nachdem Papst Franziskus mit seinem nachapostolischen Schreiben zur Amanzonassynode die ausgesprochenen Ziele: Lockerung des Zölibats für Priester, Frauenpriestertum etc. durchkreuzt hat, bleibt eine spannende Frage. Die ersten Reaktionen der „Reformer“ reichen von Enttäuschung und Wut bis zu „jetzt erst recht“.

Wie Revolutionen ablaufen – die Mehrheit der Synodalteilnehmer agiert wie ein politisches Gremium – kann man an historischen Beispielen studieren, insbesondere am großen Vorbild, d.h. an der Französischen Revolution von 1789.

In Frankreich wurden von Ludwig XVI. die sogenannten „Generalstände“ (Adel, Geistlichkeit, Dritter Stand) einberufen. Der Staat war zahlungsunfähig geworden.

Der Auftrag an die Generalstände war, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Vor dem Zusammentreten der Generalstände wurden im ganzen Land heftige emotionale Diskussionen geführt, bei denen es weniger um den eigentlichen Auftrag, sondern vielmehr um die künftige Machtaufteilung im Staat ging. Das weitverbreitete Flugblatt von Abbé Sieyes stellte die Frage: „Was ist der Dritte Stand“? und beantwortete sie mit: „Bisher war er nichts, in Zukunft wird er alles sein“!

Vor Beginn des „Synodalen Weges“ wurden im ZdK und in den katholischen Frauenverbänden, bei Maria 2.0 und im BDKJ ebenfalls heftig gegen die Lehre der katholischen Kirche (Zölibat, die Priesterweihe von Frauen), mit dem Rückenwind der Medien, polemisiert und die eigenen Forderungen deutlich genannt: Es ging darum, mit dem Synodalen Weg „eine Kirche zu schaffen, nachdem nichts mehr so sein wird, wie es war“, merkte ein Bischof an.

Am 5. Mai 1789 trafen sich die französischen Abgeordneten zu ihrer ersten Sitzung; sie befassten sich nicht mit ihrem Auftrag, die Staatsfinanzen zu sanieren, sondern mit der Neuaufteilung der Macht im Staat, d.h. mit der Verfassung.

Die Mehrheit der Synodenvertreter in Frankfurt griffen nicht das auf, was ihnen Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ aufgetragen hatte. Das konnte angesichts des desaströsen Zustandes des Glaubenswissens und der Glaubenspraxis nur die Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung sein. In Frankfurt ging es aber um die Weichenstellungen, mit den vorher deutlich artikulierten Forderungen eine neue Kirche zu etablieren.

Die französische Versammlung umfasste 1214 Teilnehmer (Klerus 305, Adel 285, Dritter Stand 621). Nach der bisherigen Ordnung saßen die drei Stände in getrennten Räumen. Damit die Beschlüsse Geltung erlangten, mussten sie in allen drei Ständen die Mehrheit haben.

Der Dritte Stand verlangte nun gemeinsame Sitzungen in einem Raum. Damit wäre ihnen mit 621 Abgeordneten immer die Mehrheit gesichert gewesen. Der Streit in dieser Frage dauerte acht Wochen. Am 17. Juni 1789 verabschiedete der Dritte Stand eine Resolution und erklärte sich zur Nationalversammlung, das heißt zur Vertretung der französischen Nation. Das war ein revolutionärer Akt, der alle Standesunterschiede beseitigte.

Die Organisatoren des ZdK verlangten, dass die Laien auf „gleicher Augenhöhe“ mit den Bischöfen und Klerikern stehen müssten. Dabei ging es nicht um die selbstverständlich gleiche Würde, sondern um die Mitbestimmung in allen Fragen, die anstehen, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt hat, dass die Bischöfe und die Weltchristen ganz unterschiedliche Aufgaben und Kompetenzen in Kirche bzw. Gesellschaft haben.

Die Bischöfe haben die ZdK-Forderung hingenommen. Das ist ein eigenartiges Selbstverständnis. Das „Genossentum“ ging sogar einen Schritt weiter. Es wurde der Antrag gestellt, Rangunterschiede und Titel aufzugeben. Alle sollten sich nur mit dem Nachnamen ansprechen. Selbst ein solcher Antrag bekam eine stattliche Anzahl von Stimmen.

Am 23. Juni berief Ludwig XVI. alle Stände zusammen und ordnete weiterhin getrennte Sitzungen an. Aber der König hatte schon zulange gezögert. Am 24. Juni schlossen sich über die Hälfte des geistlichen Standes und 47 Adelige dem Dritten Stand an. Schon vorher waren Adelige wie Graf Mirabeau oder Geistliche wie Abbé Sieyes Wortführer des Dritten Standes geworden. Der König musste nachgeben.

Wir können Ähnliches bei Bischöfen und Pfarrern feststellen, die sich zu Sprechern radikaler Laienforderungen machen, z.B. zu den Zielen von Maria 2.0 oder der Segnung homosexueller Paare etc..

Der weitere Ablauf der französischen Revolution ist bekannt. Die Nationalversammlung griff immer stärker in die Rechte der Kirche ein.

So wurde am 4. August 1789 der Kirchenzehnt („Kirchensteuer“) abgeschafft. Der Kirche wurde der Landbesitz weggenommen. Die Nationalversammlung blieb aber nicht bei der Trennung von Kirche und Staat stehen. Sie versuchte vielmehr, 1790 eine Staatskirche einzurichten mit vollständiger Kontrolle über sie. Die Pfarrer wurden zum Treueid gezwungen. Zwei Drittel aller Pfarrer und sämtliche Bischöfe –  außer sieben – verweigerten den Treueid.

Im weiteren Verlauf wurde der König abgesetzt und hingerichtet. Die radikale Minderheit der Jakobiner terrorisierte die gemäßigte Mehrheit. Am Ende spalteten sich selbst die Jakobiner und es entstand das Terrorregime.

Es bleibt abzuwarten, wie nach den Weichenstellungen von Frankfurt der „Synodale Prozess“ weitergehen wird.


Warum der „Synodale Prozess“ ein Irrweg ist

 Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wir befinden uns auf dem „Synodalen Weg“ von dem wir nicht wissen, wie er enden wird. Erzbischof Kardinal Woelki sagte: „Alle meine Befürchtungen sind eingetreten.“

Gewissermaßen als Ouvertüre zum „Synodalen Weg“ hat sich Pater Johannes Langendörfer SJ, der Sekretär der DBK (Dt. Bischofskonferenz) geäußert.

Dabei behauptete er, dass es in der katholischen Kirche in Deutschland eine Reihe von Blockierungen gebe, die sich begünstigend auf die Entstehung von sexuellem Missbrauch ausgewirkt hätten.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Ursächlich seien u. a. die bisherige Sexualmoral der Kirche, das Priesterbild und vor allem der eingeschränkte Zugang zum Priestertum. Für diesen Standpunkt führt er auch einige durchaus umstrittene Wissenschaftler an. 

Nun soll nach Langendörfer der Synodale Weg „einen neuen Weg“ eröffnen. Er sagte: „Wir machen uns hier auf einen besonderen Weg, den das Kirchenrecht so nicht kennt, das bestimmte Formen vorsieht.“

Das dürfte nach Langendörfer heißen, dass in den Themenforen der Synode Entscheidungen getroffen werden, die die Kirche in Deutschland selber in die Pflicht nehmen. Neu sei, dass es auch „zu Entscheidungen kommen könne, die die römische Ebene betreffen, (zwar) nicht auf der Ebene des Konzils, sondern auf der Ebene des Heiligen Vaters und seiner Kurie.“

Die Deutsche Bischofskonferenz  (DBK) sei nicht gewillt, „zu akzeptieren, dass alle Themen, die jetzt und in Zukunft in Rom entschieden werden, ohne die Beteiligung der Ortskirchen getroffen werden“.

Es ist erstaunlich, wie offen Langendörfer hier seine Ziele gegenüber Rom bereits preisgibt.

Dagegen hat aber Johannes Paul II. schon in seinem Schreiben  „Apostolos suos“ klargestellt, dass Entscheidungen von Bischofskonferenzen, also auch der  DBK evtl. mit dem ZdK nicht gültig seien, wenn sie die Diözesanbischöfe in die Pflicht nehmen wollten.

Das Verbot des Frauenpriestertums, das Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 bekräftigt hat, will Pater Langendörfer nicht mehr akzeptieren.

Er meint: „Es gibt kein Redeverbot zum Priestertum der Frau. Wenn man das in Verbindung mit den Erfahrungen in Bistümern und Gemeinschaften bringt, tut sich da eine große Bandbreite von Gesprächsmöglichkeiten auf.“

Papst Johannes Paul II. erklärte schon in seinem Schreiben vom 22.Mai 199, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich die Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ 

Der Regensburger Bischof Voderholzer (siehe Foto) äußerte sich während der ersten Synodalversammlung zur MHG-Studie (Mannheim-Heidelberg-Gießen).

Dabei wies er die Behauptung zurück, dass die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches Willen und die katholische Sexualmoral sowie die angebliche Machtkonzentration auf Männer  für den sexuellen Missbrauch hauptursächlich seien.

Er bedauerte ausdrücklich, dass die Themen der Synode an diesen wissenschaftlich umstrittenen Aussagen orientiert seien. Damit stehen die Grundannahmen und Voraussetzungen des „Synodalen Prozesses“ auf tönernen Füßen.

Die Synodenmehrheit ist offensichtlich gewillt, ihre Vorstellungen mit brutaler Gewalt durchzusetzen.

Die Bischöfe, die sich an die Lehre der Kirche halten, mussten eine erste Abstimmungsniederlage erleben. Die Erzbischöfe  und Bischöfe von Köln, Passau, Eichstätt, Regensburg  und Görlitz  hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern  Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. 

Doch die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge.

Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „ein Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Lehre der Kirche vorliegt.“ Auch dies wurde abgelehnt.

Die KNA (Katholische Nachrichtenagentur) hat diesen Vorschlag der glaubenstreuen Bischöfe als „konservative Sperrminorität“ bezeichnet.  

Erzbischof Woelki fasste seine Eindrücke in dem Satz zusammen: „Alle meine Befürchtungen sind eingetreten.“

Kardinal Gerhard  Müller (siehe Foto) bezeichnete den „Synodalen Weg als selbstmörderischen, als „suizidalen Prozess“.

Der deutsche Kurienkardinal em. Paul Josef Cordes warnte in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Nuova Bussula Quotdidiana“, dass mit dem „Synodalen Weg“ die Möglichkeit eines Schismas bestehe, da die Diskussionsthemen überwiegend eine Frage der Zuständigkeit der Weltkirche seien und daher nicht im Ermessen der Ortskirche liegen.

Cordes warnte in diesem Interview, dass durch antikatholische und atheistische Massenmedien die Idee einer „neuen Kirche“ propagiert werden soll.

In dieser Situation werden gläubige Katholiken Zuflucht im Gebet suchen – und sie werden sich um die gläubigen Bischöfe scharen, die auch jetzt zur Weltkirche stehen. Für diese Treue zur Weltkirche sind zur Zeit Bismarcks viele deutsche Bischöfe ins Gefängnis gegangen.   

Fotos: Bistum Regensburg, FDK, Archiv

 


Deutliche Kritik an geplanter Neuregelung der Organspende durch den Bundestag

ERKLÄRUNG des „Forums Deutscher Katholiken“:

Es gibt keinen Anspruch auf Organe anderer Menschen. Darauf zielt aber der Gesetzentwurf (Drucksache 19/11096) zur Neuregelung der Organspende ab. 

Wer sich bei der angestrebten Widerspruchslösung nicht rechtzeitig und klar dagegen ausgesprochen hat, dessen Organe stehen nach einem festgestellten Hirntod für die Organentnahme zur Verfügung. Der Mensch wird so zum Spendenpotential und zu einem menschlichen Ersatzteildepot herabgewürdigt.

Das widerspricht dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit sowie dem Selbstbestimmungsrecht, das ansonsten vehement gefordert wird.

Welche Gefühle müssen bei Menschen auf der Intensivstation aufkommen, wenn sie sich daran erinnern, dass sie keinen Widerspruch eingelegt haben?! Wird der Gesetzentwurf zum Gesetz, steigt der Druck auf Ärzte und Krankenhäuser zur Organentnahme.

Der Mensch ist nach einem Hirntod nicht tot. Er wird vielmehr für die Organentnahme am Leben erhalten. 

Es fehlt weithin in der Bevölkerung an Aufklärung über den Inhalt des Gesetzentwurfs. Diese muss der Abstimmung im Bundestag vorausgehen!

Die humanitären Appelle von Abgeordneten für eine Bereitschaft zur Organentnahme , die sich andererseits weigern, eine Abtreibungsregelung zu revidieren, die jedes Jahr hunderttausenden Kindern „gesetzwidrig, aber straffrei“ das Leben wegnimmt, klingt merkwürdig hohl.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ lehnt den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Organspende ab.

Vorsitzender: Prof. Dr. Hubert Gindert


Synodaler Weg: Stimmt die Zielrichtung?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Im „Synodalen Prozess“, der im Dezember 2019 beginnt, beschäftigen sich die Arbeitskreise mit Sexualmoral, priesterliche Lebensform (Zölibat), Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche, Gewalt, Partizipation und Gewaltenteilung.

Sind das Themen der Kirche Jesu? Haben sie mit Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung zu tun, die Papst Franziskus in seinem Brief an das „Pilgernde Volk in Deutschland“ angemahnt hat?

Sind es Anliegen, welche die Kirche aus ihrer tiefen Krise herausführen?

BILD: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“

Konzentrieren wir uns auf die Themen „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“. Diese spielen in der Politik und in der Gesellschaft eine herausragende Rolle.

Aber in der Kirche? In der Kirche geht es um Dienst! „Machtausübung“ ist ihr wesensfremd. Das Wort und Beispiel Christi sagt es überdeutlich. So heißt es bei Matthäus:

„Ihr wisst, dass die Herrscher die Völker knechten und dass die Großen sie ihre Macht fühlen lassen. Nicht so soll es unter euch sein. Viel mehr, wer unter euch der Erste sein will, sei euer Diener“ (Mt. 20, 26-28).

Lukas schreibt im 22. Kapitel:

„Die Könige der Völker herrschen über sie und ihre Gewalthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll wie der Jüngste sein, der Gebieter wie der Dienende“ (Lk. 22, 25-26).

Im Johannesevangelium leuchtet das Beispiel Jesu auf:

„Jesus erhob sich vom Mahl, legte sein Obergewand ab und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken und schickte sich an, seinen Jüngern die Füße zu waschen“ (Joh. 13, 4-5).

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Jesus wählt aus der Jüngerschar die 12 Apostel aus und gewährt ihnen Vollmacht. Das wird deutlich, als er nach der Auferstehung den Aposteln im Abendmahlsaal erscheint und ihnen die Vollmacht zur Sündenvergebung gibt.

Schon in der Jerusalemer Urgemeinde und in den von Paulus gegründeten Gemeinden war es notwendig, Verhältnisse zu regeln und zu korrigieren.

Wir haben in der Kirchengeschichte Beispiele von Machtmissbrauch, aber auch die Erinnerungen an den Dienstcharakter der übertragenen Macht.

Das geschieht manchmal mit drastischen Worten, wie z.B. bei Katharina von Siena. Sie mahnte Bischöfe und den Papst, ihren Dienstaufgaben nachzukommen. Was ihr aber nicht über die Lippen kam, waren Worte wie Machtumverteilung, Gewaltenteilung oder Partizipation an der Macht.

Wo Machtmissbrauch bei Bischöfen, Pfarrern oder auch bei Laien im kirchlichen Dienst vorkommt, ist der Dienstcharakter der „Machtausübung“ zu verlangen. Das ist nicht nur möglich, sondern sogar gefordert!

Das Vorhaben des „Synodalen Weges“, mit „Macht- und Gewaltenteilung“ den Dienstcharakter der Kirche zu ändern, evtl. auch, um dem Ziel des Frauenpriestertums näher zu kommen, widerspricht dem Wesen einer dienenden Kirche.