Debatte zum Synodalen Weg: Zustimmung zur Initiative von Bischof Rudolf Voderholzer

Erklärung des Forums Deutscher Katholiken:

Jeder nachdenkliche katholische Christ weiß, dass nicht allein wegen der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs durch Priester eine Umkehr und Erneuerung unserer Kirche dringend erforderlich ist.

Dieser Aufgabe wollte sich der Synodale Weg annehmen, aber an seinen Methoden, Zielen und Inhalten gibt es zunehmend Kritik.

Vor Beginn der 2. Vollversammlung vom 30. September bis 2. Oktober hat Bischof Dr. Voderholzer eine eigene Homepage eingerichtet, um zu den Foren und Themen des Synodalen Weges alternative Textvorschläge einzubringen. Sie stammen von Mitgliedern der jeweiligen Foren sowie von verschiedenen Instanzen des päpstlichen Lehramtes.

Er hat bekanntlich mit wenigen anderen Bischöfen als Mitglied des Synodalen Weges von Anfang an versucht,
sowohl Bestimmungen der Satzung und Geschäftsordnung als auch die thematischen Inhalte der einzelnen Foren zu verändern – ohne Erfolg!
Sein zentrales Thema war die Neuevangelisierung, die auch im Mittelpunkt des Briefes von Papst Franziskus “an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland” stand.


Besonders ärgerlich ist die erste Reaktion auf solche Alternativ-Texte, die von Mitgliedern des Synodalen Weges pauschal ohne Befassung mit den Inhalten zurückgewiesen werden. Das ist kein Zeichen einer guten Dialogkultur!

Als Forum deutscher Katholiken fordern wir:
Liebe synodale Schwestern und Brüder, bewahrt die Macht in der Kirche als sakrale Macht, damit sie sich nicht zu einer ideologisch verabsolutierten Macht verselbständigt, sondern ihren ultimativen Bezugspunkt immer im erlösenden Geschehen von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi behält.

Der Erzbischof von Paris, Mgr. Michel Aupetit, hat in seiner Predigt bei einer Hl. Messe an einer Gedenkstätte in Frankreich Ende August angemahnt: “Wir müssen die Brüderlichkeit wieder neu aufbauen”.

Deshalb sollte sich kein Verfasser von alternativen Stellungnahmen, auch wenn er angegriffen und marginalisiert wird, entmutigen lassen und seine Bemühungen einstellen.

Das “Forum Deutscher Katholiken” versteht die begrüßenswerte Initiative von Bischof Voderholzer nicht als „zugleich eine Hoffnung und eine Illusion” (Peter Winnemöller).

Wir stimmen der Auffassung von Bischof Voderholzer zu, dass ein synodaler Weg “gut und zielführend” nur dann sein kann, wenn er “mit und in der ganzen Kirche gegangen wird.”

Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzener des Forums Deutscher Katholiken     
Prof. Dr. Werner Münch, Schirmherr der Kongresse „Freude am Glauben“

Foto: Bistum Regensburg


Der religiöse Faktor als Schlüssel zur Deutung der Vorgänge in Afghanistan

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Was in Afghanistan geschieht, ist ein Desaster“ – so ist das Interview mit dem deutschen Innenminister Horst Seehofer überschrieben (Augsburger Allgemeine Zeitung, 16.8.2021, S. 4).

Seehofer erklärt weiter:

„Das große Ziel war es, die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern und Stabilität ins Land zu bringen. Heute muss man leider festhalten: Das ist gescheitert. …

Die Motivation für den Einsatz in Afghanistan war berechtigt… aber im Ergebnis ist der langfristige Einsatz nach 20 Jahren relativer Stabilität gescheitert. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass man sich damals anders hätte entscheiden müssen…

Ich war immer kritisch, was den Einsatz betrifft. Aber mir wurde gesagt, dass deutliche Verbesserungen für die Frauen, für die Bildung, für die Schule erreicht würden. Das habe ich akzeptiert.“

Auf die Frage, ob der Westen zu naiv sei, denn die afghanische Gesellschaft sei grundlegend anders, antwortet Seehofer:

„Es ist eine völlig andere Kultur. Trotzdem sollte man immer wieder versuchen, die Grundwerte, die uns prägen und die uns auch hier in Europa stabile Demokratien beschert haben, in anderen Ländern zu etablieren.“

Wie auch sonst im Leben wird die eigene Motivation, auch wenn sie noch so gut gemeint ist, von Anderen nicht akzeptiert. Die Verbesserungen für Frauen, Bildung und Schulen werden sicher von einem bestimmten Teil der afghanischen Bevölkerung befürwortet – von wie vielen wissen wir nicht.

Wenn Seehofer und viele Europäer und US-Amerikaner meinen, „man sollte versuchen, die Grundwerte, die uns prägen und die auch hier in Europa stabile Demokratien beschert haben, in anderen Ländern zu etablieren“, so ist fraglich, wenn das von außen geschieht und mit militärischem Einsatz erzwungen wird.

Seehofer hat mit der Feststellung recht: „Es ist eine völlig andere Kultur“.

Hier liegt der Schlüssel für das Verständnis. Jede Kultur gründet auf Religion. Auch unsere Grundwerte, z.B. das Prinzip von der Gleichwertigkeit aller Menschen hat eine christliche Basis – selbst wenn das viele Politiker nicht mehr wissen.

Vielleicht sollten die politisch Verantwortlichen die in Afghanistan geltende Kultur, die im Koran ihre Grundlage hat, studieren. Ein entscheidender Punkt, der das Unverständnis zu den Vorgängen in Afghanistan erklärt, ist die Tatsache, dass in diesen Ländern die Religion – im Gegensatz zu Westeuropa und den USA – nicht nur eine dekorative, sondern eine wirkliche Rolle für das alltägliche Leben und auch für die Politik spielt.

Peter Scholl Latour, ein Kenner der islamisch geprägten Welt, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Probleme in diesen Ländern nur im Inneren, d.h. unter Berücksichtigung der Kultur, gelöst werden können.

Die Tatsache, dass die Taliban sich durchaus auch auf Zustimmung in der Bevölkerung stützen können, erklärt den geringen Widerstand der Bevölkerung gegen die „Gotteskrieger“. Das neuheidnische Denken der Westeuropäer und US-Amerikaner kann das nicht verstehen.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS


Die neuen Trends und das alte Problem des Heidentum in der Kirche

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Deutsche Bischofskonferenz hat den vierten „MDG-Trendmonitor“ seit 1999 vorgestellt. Er wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach und dem Heidelberger Sinus-Institut erstellt. Repräsentativ befragt wurden 1690 Katholiken beiderlei Geschlechts ab 14 Jahren.

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ vom 8. Juli 2021) brachte das Ergebnis mit der Überschrift „So enttäuscht sind Katholiken von ihrer Kirche“. Der Untertitel lautet: „Starr, altmodisch, wenig glaubwürdig“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN

Schauen wir uns die „schockierenden Erkenntnisse“ an, welche die AZ ausbreitet:

„Mehr als jeder dritte befragte Katholik (39%) hat schon einmal mit dem Gedanken gespielt, aus der Kirche auszutreten… Es sei weiterhin mit Austrittszahlen auf hohem Niveau zu rechnen… insbesondere bei den 18 – 29jährigen“.

„Die Glaubensüberzeugungen von Katholiken decken sich lediglich zum Teil mit denen der Kirche“.

Nur 74% der Befragten glauben an Gott; nur 55%, dass es ein Leben nach dem Tod gibt“.

70% haben den Eindruck, die Kirche halte teilweise zu starr an überholten Normen fest“.

„59% vertreten die Meinung, dass sie sich mehr an die Erwartungen der Menschen von heute anpassen müsse… 46% beklagen, dass Frauen von der Kirche nicht ausreichend anerkannt werden“.

46% geben an, dass die Kirche das, was sie vertritt, oft zu wenig glaubwürdig vorlebe. Als Anwalt für die Schwachen und Unterdrückten nehmen sie 18% der Katholiken wahr.“

59% meinen, die Kirche verhindere die Aufklärung von Missständen in den eigenen Reihen“.

Da es sich um eine repräsentative Befragung handelt, können wir davon ausgehen, dass die Zahlen die festgestellten Meinungen richtig wiedergeben. Sind das aber neue „schockierende Erkenntnisse“?

Im Jahr 1958 (!) hat der Vordenker Joseph Ratzinger bereits geäußert:

“Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht. Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden.“

Das heißt, dass die Betroffenen „sich nicht mehr einfach den Glauben zueignen, sondern eine sehr subjektive Auswahl aus dem Bekenntnis der Kirche zu ihrer eigenen Weltanschauung machen…, so dass ein großer Teil von ihnen nicht mehr eigentlich gläubig genannt werden darf.“

Joseph Ratzinger kam zu dieser Erkenntnis vor mehr als 60 Jahren!

Niemand sollte also über die Meinungen des Trendmonitors 2021 „schockiert“ sein. Sie geben die Sicht einer neuheidnisch gewordenen Gesellschaft wieder, die zu einem hohen Prozentsatz nicht an eine Auferstehung nach dem Tod glaubt, was Zentrum des Glaubensbekenntnis aller Christen ist – und eine Kirche will, die ein Leben führt, als ob es Gott nicht gäbe.

Selbstverständlich sind dabei hohe Austrittszahlen vorprogrammiert.

Und wenn 46% davon ausgehen, dass die (!) Kirche das, was sie vertritt, oft zu wenig glaubwürdig vorlebe, dann vergessen sie, dass sie selber Teil dieser Kirche sind.

Auf die Frage, wie die Bischöfe trotz der „gestiegenen Austrittszahlen und die große Zahl derer, denen die Kirche nicht viel bedeutet,“ in die Offensive kommen solle, antwortet Gebhard Fürst, Bischof von Stuttgart-Rottenburg „Patentrezepte haben wir nicht“. „Sie gingen zwar an die Öffentlichkeit, etwa beim Thema Klimawandel, nur erhalten sie dafür nicht die erhoffte breite Aufmerksamkeit, im Unterschied zu den kirchenpolitisch umstrittenen Themen“.

Peter Seewald erwähnt in seiner Biographie „Benedikt XVI.“ die Option des emeritierten Papstes zur Ökologie:

„In einer Ideologie, die aus dem Ökothema eine Art Religion machte und in einem neuen Menschen, dem Homo climaticus, den alleinigen Retter des Planeten sah“, sagte Benedikt: „Es gibt so viele Probleme, die aber alle nicht gelöst werden, wenn nicht im Zentrum Gott steht und neu sichtbar wird in der Welt“. (S. 964)

Bischof Gebhard Fürst meint weiter im AZ-Artikel: „Wir müssen unsere Kirche – und das ist auch Element des Synodalen Weges – so organisieren, dass sie insgesamt attraktiv wird“. – Eine attraktive Kirche sei eine Kirche, in der man mitbestimmen könne.

Die Mitbestimmungsforderungen der synodalen Mehrheit sind bekannt: Freistellung des Zölibats, Frauenpriestertum, Änderung der Sexualmoral der Kirche, Dezentralisierung der Macht.

Kurz: Anpassung an die Forderungen der neuheidnisch gewordenen Christen.

Was eigentliche Aufgabe der Bischöfe ist, finden wir in ihrem Weiheversprechen, wo es heißt:

„Das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkündigen“ – „Das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut rein und unverkürzt weiterzugeben“ – „Mit dem Bischofskollegium unter dem Nachfolger des heiligen Petrus stets ihre Einheit zu wahren“ – „Dem Nachfolger des heiligen Petrus treuen Gehorsam zu erweisen“ – „Für das Volk Gottes wie ein guter Vater zu sorgen und es auf dem Weg des Heiles zu führen“ – „Den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen“ – „Den Verirrten als guter Hirte nachzugehen und sie zur Herde Christi zurückzuführen“.

Sie geloben nicht, für die Lösung des „Klimawandels“ zu sorgen. Dafür gibt es Andere.

Der Redakteur der AZ schreibt zum Trendmonitor auch noch den Kommentar: „Die Kirche ist noch nicht verloren… Die Kirche hat denen, die sich als religiös beschreiben, viel anzubieten: Es ist die frohe Botschaft“.

Hier hat er recht. In dieser frohen Botschaft heißt es quer zum Zeittrend: „Passt euch nicht dieser Welt an!“ (Röm 12,2)

Joseph Ratzinger formuliert in seinem Statement von 1958 (!) eine Hoffnung gebende Vision:

„Nur wenn sie (die Kirche) aufhört, eine billige Selbstverständlichkeit zu sein, nur wenn sie anfängt, sich selber wieder als das darzustellen, was sie ist, wird sie das Ohr der neuen Heiden mit ihrer Botschaft wieder zu erreichen vermögen, die sich bisher noch in der Illusion gefallen, als wären sie gar keine Heiden“. (Peter Seewald, Benedikt XVI., S. 318)


Das „Forum Deutscher Katholiken“ zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx

Für den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ erklärt Prof. Dr. Hubert Gindert:

Das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard wird instrumentalisiert!

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) greift das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx an Papst Franziskus am 5. Juni in vier (!) Beiträgen auf: „Kardinal Marx erschüttert die Kirche“, „Kirchenbeben“, „Woelki hat ein Problem“, „Die Kirche braucht jetzt eine echte Umkehr“.

Die in den Beiträgen genannten Personen (wie Schüller von „Wir sind Kirche“ etc.) sind jene, die sich gegen Kardinal Woelki kritisch, aber für die bekannten Forderungen des „Synodalen Weges“ positiv äußern.

Damit wird klar, dass das Rücktrittsangebot von Marx für den „Synodalen Prozess“ instrumentalisiert wird. Das wird bestätigt dadurch, dass neben Woelki Bischof Voderholzer als „schärfster Kritiker“ des „Synodalen Weges“ genannt wird.

Mit der Krisenbeschreibung „Zerreißprobe“, „Toter Punkt“ der katholischen Kirche wird ein „Wendepunkt“ beschworen. Und tatsächlich braucht die Kirche in Deutschland – besser: brauchen die Katholiken  – eine „echte Umkehr“ und eine Wende hin zum Wort Gottes und zur Lehre der Kirche.

Kardinal Rainer Maria Woelki und Bischof Rudolf Voderholzer sehen das. Diese Reform unterstützen wir!

Foto: Laura Mohr

        


DOK-Vorsitzende auf theologischen Abwegen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Schwester Katharina Kluitmann OSF ist Vorsitzende der Deutschen Ordensoberen Konferenz (DOK). Sie tritt für das Frauenpriestertum ein.

Darauf weisen auch ihre Fragen gegenüber KNA/KAP hin, z.B. „Kann Gott wollen, was römisch-katholisch nicht geht?“ oder „Wer seid Ihr, dass Ihr Gott hindern könnt?“

Die Tagespost vom 27.5.2021 bemerkt dazu: „Dies offenbart die Tendenz, zwischen Gott und Kirche, Christus und seine Braut, einen Keil zu treiben. Dabei ist beim Weihesakrament der Stifterwille eindeutig, den die Kirche vertritt und praktiziert“…

Sr. Kluitmann zeigt ihre theologische Verwirrung auch darin, dass sie hinsichtlich der Feststellung von Priesterberufungen auf das Vorgehen in Wirtschaftsunternehmen hinweist.

BILD: Kardinal Müller weiht einen Diakon zum katholischen Priester

Die DOK-Vorsitzende schlägt vor, für das Frauenpriestertum zu kämpfen „unter Umständen auch mit Hilfe von ungehorsamen Aktionen“. Sie führt dafür das Beispiel der Initiative 2.0 an.

Eine Aufforderung zum Ungehorsam klingt bei einer Ordensfrau, die beim Eintritt in ihre Gemeinschaft u.a. auch den Gehorsam versprochen hat, erstaunlich. Das erinnert an das bekannte Wort: „Non serviam – ich will nicht dienen“.

Hinsichtlich des von ihr angestrebten Priestertums der Frau sagt Kluitmann: „Ich persönlich möchte z.B. sehr gern als Beichtmutter arbeiten, dagegen reizt mich überhaupt nicht, der Eucharistiefeier vorzustehen“. Was sie also für sich will, ist ein Priestertum nach ihren eigenen Vorlieben.

Katharina Kluitmann ist nicht irgendwer, sondern Vorsitzende der Deutschen Ordensoberen Konferenz. Da sie ihre Meinung nicht hinter dem Berg hält, lässt das auch Rückschlüsse auf die Ordensoberinnen und deren Gemeinschaften zu, die sie gewählt haben.

Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas warnen in ihrer Zukunftsvorausschau vor „falschen Propheten“ und dass diese „wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten irreführen“ (Mt. 24,24) – Erinnert sei auch an die Mahnung Christi: „Seid auf der Hut. Ich habe euch alles vorausgesagt“ (Mk. 13,23).

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS

Foto: Bistum Regensburg


Zweidrittel-Mehrheit gegen Gender-Sprache

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen eine gendergerechte Sprache ab“ (Laut Umfrage von Infratest Dimap). Es sind 65% der Gesamtbevölkerung.

Die Frauen bewerten die Gendersprache insgesamt leicht positiver. Doch auch sie lehnen zu 59% eine „stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter im Rahmen einer gendergerechten Sprache“ ab.

Selbst bei den Anhängern der Grünen sind 48% gegen die Gendersprache, 47% befürworten sie.

BILD: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN

Das Nein zur Gendersprache wächst inzwischen: Nach der o.a. Umfrage stieg die Ablehnung von 2020 auf 2021 von 56% auf 65%, d.h. um 9% (!), bei Frauen von 52% auf 59%.

Gender ist eine Ideologie. Sie hat nicht nur mit Sprache zu tun. Unter dem Deckmantel der „Gerechtigkeit gegenüber Frauen“ wird Menschen eine scheinbare Selbstbestimmung über ihr Geschlecht übergestülpt.

Besonders jüngere Menschen werden zur Geschlechtsumwandlung animiert. Sie werden in ihrer Identität verunsichert. Ideologen wissen: Der Verlust des Geschlechtsbewusstseins raubt den Menschen Selbstsicherheit und die positiven Eigenschaften, die sich daraus ergeben. Verunsicherte lassen sich besser manipulieren und beherrschen.

Im biblischen Schöpfungsbericht heißt es „Als Mann und Frau erschuf er sie“ (Genesis). Diese Bestimmung soll seitens der Gender-Ideologie überwunden werden!


Geschlechtseintrag „divers“ bei 0,00043 %

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Nach einem Rundschreiben des Bundesinnenministeriums an die Länder haben sich bei den Standesämtern bis Ende 2020 knapp 300 Personen auf den Geschlechtseintrag „divers“ umschreiben lassen. Das entspricht 0,00043% (!) der volljährigen Bevölkerung. Der Trend ist rückläufig.

Nach den Angaben der Standesämter in den zehn größten deutschen Städten änderten im Jahr 2019 insgesamt 42 Personen ihren Geschlechtseintragung auf „divers“, 2020 waren es bundesweit 31.

Von den Eltern gaben bei bundesweit 780.000 Geburten 2019 in 11 Fällen den Geschlechtseintrag „divers“ an, 2018 waren es 15, 2017 waren es 17 Kinder.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2017 der Klage eines „intersexuellen“ Menschen Recht gegeben und einen dritten Geschlechtseintrag im Behördenregister verlangt.

Die Richter argumentierten im Urteil von 160.000 potentiellen Betroffenen. Das Urteil wirkt sich u.a. bei Bewerbungen oder in neuen Sprachformen wie dem Gendersternchen („Kolleg*innen“) oder der Forderung nach drei Toiletten aus.

Was soll man bei diesen Zahlen sagen?

Vielleicht dies: Die Menschen sind viel natürlicher gepolt, als es uns einige Leute und Medien weismachen wollen, die Sorgen des Bundesverfassungsgerichts möchten wir haben, wieviel Steuergelder werden durch Behörden, Formulare, neue Forderungen von 0,00043% der Bevölkerung verbraten? (Quelle PUR-Magazin, 5/221, S. 10)

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS


FREIE WÄHLER nachgefragt: Eine Alternative für politisch heimatlose Christen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Die Freien Wähler (FW) gewinnen immer mehr an Boden“, schreibt die Tagespost in ihrer Ausgabe vom 27. Mai 2021 auf S. 5 und fragt „Sind sie eine Alternative für heimatlose Christdemokraten?“

Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der FW im Bayerischen Landtag und Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Max Streibl, gibt in einem Interview Aufschluss darüber.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN

Auf die Frage, wofür die Freien Wähler stehen, sagt er:

„Wir Freien Wähler haben keinen ideologischen Überbau, sondern suchen pragmatische Lösungen im Sinne des Gemeinwohls. Wir setzen uns ein für solide Staatsfinanzen, starke Kommunen, gleichwertige Lebensverhältnisse, die bäuerliche Landwirtschaft, umweltfreundliche Energieversorgung… Der gesunde Menschenverstand war schon immer unser Kompass, wir sehen uns unserem Gewissen verpflichtet“.

Streibl fügt noch an: „Kardinal Wetter hat recht: Wir brauchen in der Politik Christen, die auf der Grundlage unseres Menschenbildes Entscheidungen treffen“.

Und da die Freien Wähler bei den nächsten Wahlen zum Bundestag kandidieren, sagt Streibl: „Die Wahrung des Grundsatzes der Subsidiarität ist eine Perspektive, die wir auf Bundesebene wieder in den Fokus rücken werden“. Das alles klingt gut.

Der Interviewer bohrt weiter nach und merkt an:

„Viele Christen werden aber aufschrecken, wenn es in ihrem Wahlprogramm heißt: Wir stehen bei Schwangerschaftsabbrüchen zum gesellschaftlichen Konsens und wollen die bestehenden gesetzlichen Regelungen beibehalten“.

BILD: Teilnehmerin eines Gebetszugs für das Leben in Münster

Der Interviewer konstatiert: „Überhaupt fällt auf, dass ihr Programm zu etlichen Fragestellungen lediglich den rechtlichen Status Quo wiederholt“ und meint: „Das dürfte angesichts der Debatten um Suizid-Beihilfe, Euthanasie oder Leihmutterschaft wenig sein. Kann sich der Wähler darauf verlassen, dass sie nicht wie bei der „Ehe für Alle“ umfallen?“

Darauf antwortet Streibl: „Aus unserer Sicht war die Abstimmung über ‚Ehe für Alle‘ sinnvoll, weil große Teile heute nicht mehr zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft unterscheiden… Die langjährige Debatte wurde durch die Gewissensentscheidung im Bundestag beendet. Die Gleichstellung ordnet zahlreiche gesetzliche Regelungen und dient dem Bürokratieabbau“.

Streibl versucht diese Haltung damit zu begründen, die Freien Wähler seien „auf Landes- und Bundesebene eine junge politische Kraft, die aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte heterogen ist und ein sehr großes bürgerliches Meinungsspektrum abdeckt“.

Ob bei dieser Argumentation heimatlos gewordene Christdemokraten bei den Freien Wählern eine neue Heimat finden?

Das christliche Meinungsbild zu Abtreibung, Ehe für alle, Suizidbeihilfe, Euthanasie, Leihmutterschaft ist klar und unterliegt nicht wechselnden Mehrheitsmeinungen.

Wähler, die ihr Christsein ernst nehmen und ihr Gewissen danach ausrichten, erwarten von ihren Parlamentariern nicht nur die Regelung der „Lebensverhältnisse“ und „Lebenssituationen“, sondern dass ihre Abgeordneten dafür kämpfen, auch Änderungen herbeizuführen, aber nicht nur bestehende Verhältnisse protokollieren.


Ökumenische Nachhilfe durch evang. Christen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Apostel Paulus schreibt in seinem Römerbrief: „Gleicht euch nicht dieser Welt an“ (1 Röm. 12,8). Warum? – Weil angepasste Christen nicht mehr „Licht auf dem Berg“ und „Salz der Erde“ sein können, wozu uns der HERR verpflichtet.

Mit dieser Aufforderung ist nicht gemeint, sich aus der Welt zurückzuziehen. Nikolaus von der Flüe war für die Kantone in der Schweiz nie bedeutsamer als zur Zeit seiner Abgeschiedenheit in der Klause der Ranft. Dort konnte er seine Mitbürger versöhnen. Der befürchtete Bürgerkrieg fand nie statt.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN

Die Katholiken der deutschen Ortskirche und die protestantische Kirche haben z. Zt. Probleme mit der Anpassung an die Trends dieser Gesellschaft mit der Konsequenz, dass sie jeden Tag unbedeutender werden, selbst wenn sie in Ethikräten, Presseräten etc. noch Vertreter entsenden können – sie stören dort kaum.

Die deutsche Ortskirche steht z. Zt. auf dem „Synodalen Weg“ vor der Versuchung, die „Fortschritte“ der Protestanten einzuholen. Davor warnen engagierte und gläubige protestantische Christen, z.B. Peter Hahne und Alexander Garth.

Garth ist evangelischer Pfarrer an der Kirche St. Marien in Wittenberg. Er warnt eindringlich vor einer Protestantisierung der katholischen Kirche und sagt den „Reformern“:

„1. Schauen Sie auf die evangelische Kirche in Deutschland. Dort ist all das, wofür Sie kämpfen, Realität: Frauen als Priester, Synodalverfassung, verheiratete Pfarrer, Feminismus. Der geistliche und physische Zustand der evangelischen Kirche ist indes noch schlimmer und die Auswirkungen der Säkularisierung noch verheerender als in der katholischen Kirche.

2. Wenn Sie unbedingt diese andere Kirche wollen, werden Sie doch evangelisch. Dort ist alles umgesetzt, was Sie anstreben.

3. Ich als Protestant mit katholischem Herzen und Pfarrer auf der Kanzel Martin Luthers würde die Protestantisierung der katholischen Kirche für ein großes Unglück halten, denn diese Welt braucht das katholische Profil der katholischen Spiritualität mit Papsttreue, Marienverehrung und dem Beispiel der Heiligen der Kirche“.(Vatican-Magazin 5/2021,S.13)

Diese Worte eines Lutheraners sind ein bemerkenswertes Beispiel einer ökumenischen Nachhilfe, das verdient, verbreitet zu werden. Ob die erfahrungsresistenten Synodalen diesen Ruf noch hören, bleibt abzuwarten.

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Prof. Gindert


Erklärung des „Forum Deutscher Katholiken“ zur Segnung homosexueller Paare

Am 9. Mai 2021 fanden Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare in Deutschland statt. „Über 100 katholische Gemeinden im gesamten Bundesgebiet haben ihr Mitwirken angekündigt“. (Vgl. Augsburger Allgemeine Zeitung, 10.5.2021, S. 4)

Die von den Initiatoren angekündigten Segnungsfeiern für homosexuelle Paare stellen den Protest gegen das Schreiben der Glaubenskongregation („Responsum ad dubium“) vom 22. Februar 2021 dar. Der zentrale Inhalt des Dokuments: Die Kirche hat nicht die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts (mit sexueller Konnotation) zu segnen.

Den Initiatoren dieser Segnungsfeiern ist klar, dass es sich hier um einen Akt der Auflehnung gegen das Lehramt der Kirche handelt.

Die Schöpfungstheologie spricht eindeutig davon, dass Gott Mann und Frau erschuf. Nur diese können Gottes Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ und „Wachset und mehret euch“ erfüllen. Das können keine homosexuellen Paare, weder männliche noch weibliche.

Somit anerkennen gleichgeschlechtliche Paare weder den Auftrag unseres Schöpfers noch werden sie ihrer Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl gerecht. Die Aussagen in unserem Katechismus (KKK) und in der christlichen Soziallehre dazu sind zweifelsfrei.

Insofern kann man solche Partnerschaften nicht mit der heterogenen Ehe gleichsetzen, die als Sakrament – zurecht – eine herausragende Bedeutung hat. Die kirchliche Segnung eines Homosexuellen in einer persönlichen Angelegenheit ist jederzeit möglich, aber nicht die einer solchen Partnerschaft, die mit einer heterogenen Ehe gleichgesetzt werden will.

Wenn die Bischöfe der deutschen Ortskirche diese Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare tatenlos hinnehmen, wird unter den Gläubigen die Meinung aufkommen, dass Schreiben der Glaubenskongregation nicht zu beachten sind und sich jeder von der Morallehre der Kirche das aneignen kann, was ihm entspricht.

Forum Deutscher Katholiken                                                              
Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender