Deutliche Kritik an geplanter Neuregelung der Organspende durch den Bundestag

ERKLÄRUNG des „Forums Deutscher Katholiken“:

Es gibt keinen Anspruch auf Organe anderer Menschen. Darauf zielt aber der Gesetzentwurf (Drucksache 19/11096) zur Neuregelung der Organspende ab. 

Wer sich bei der angestrebten Widerspruchslösung nicht rechtzeitig und klar dagegen ausgesprochen hat, dessen Organe stehen nach einem festgestellten Hirntod für die Organentnahme zur Verfügung. Der Mensch wird so zum Spendenpotential und zu einem menschlichen Ersatzteildepot herabgewürdigt.

Das widerspricht dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit sowie dem Selbstbestimmungsrecht, das ansonsten vehement gefordert wird.

Welche Gefühle müssen bei Menschen auf der Intensivstation aufkommen, wenn sie sich daran erinnern, dass sie keinen Widerspruch eingelegt haben?! Wird der Gesetzentwurf zum Gesetz, steigt der Druck auf Ärzte und Krankenhäuser zur Organentnahme.

Der Mensch ist nach einem Hirntod nicht tot. Er wird vielmehr für die Organentnahme am Leben erhalten. 

Es fehlt weithin in der Bevölkerung an Aufklärung über den Inhalt des Gesetzentwurfs. Diese muss der Abstimmung im Bundestag vorausgehen!

Die humanitären Appelle von Abgeordneten für eine Bereitschaft zur Organentnahme , die sich andererseits weigern, eine Abtreibungsregelung zu revidieren, die jedes Jahr hunderttausenden Kindern „gesetzwidrig, aber straffrei“ das Leben wegnimmt, klingt merkwürdig hohl.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ lehnt den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Organspende ab.

Vorsitzender: Prof. Dr. Hubert Gindert


Synodaler Weg: Stimmt die Zielrichtung?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Im „Synodalen Prozess“, der im Dezember 2019 beginnt, beschäftigen sich die Arbeitskreise mit Sexualmoral, priesterliche Lebensform (Zölibat), Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche, Gewalt, Partizipation und Gewaltenteilung.

Sind das Themen der Kirche Jesu? Haben sie mit Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung zu tun, die Papst Franziskus in seinem Brief an das „Pilgernde Volk in Deutschland“ angemahnt hat?

Sind es Anliegen, welche die Kirche aus ihrer tiefen Krise herausführen?

BILD: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“

Konzentrieren wir uns auf die Themen „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“. Diese spielen in der Politik und in der Gesellschaft eine herausragende Rolle.

Aber in der Kirche? In der Kirche geht es um Dienst! „Machtausübung“ ist ihr wesensfremd. Das Wort und Beispiel Christi sagt es überdeutlich. So heißt es bei Matthäus:

„Ihr wisst, dass die Herrscher die Völker knechten und dass die Großen sie ihre Macht fühlen lassen. Nicht so soll es unter euch sein. Viel mehr, wer unter euch der Erste sein will, sei euer Diener“ (Mt. 20, 26-28).

Lukas schreibt im 22. Kapitel:

„Die Könige der Völker herrschen über sie und ihre Gewalthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll wie der Jüngste sein, der Gebieter wie der Dienende“ (Lk. 22, 25-26).

Im Johannesevangelium leuchtet das Beispiel Jesu auf:

„Jesus erhob sich vom Mahl, legte sein Obergewand ab und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken und schickte sich an, seinen Jüngern die Füße zu waschen“ (Joh. 13, 4-5).

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Jesus wählt aus der Jüngerschar die 12 Apostel aus und gewährt ihnen Vollmacht. Das wird deutlich, als er nach der Auferstehung den Aposteln im Abendmahlsaal erscheint und ihnen die Vollmacht zur Sündenvergebung gibt.

Schon in der Jerusalemer Urgemeinde und in den von Paulus gegründeten Gemeinden war es notwendig, Verhältnisse zu regeln und zu korrigieren.

Wir haben in der Kirchengeschichte Beispiele von Machtmissbrauch, aber auch die Erinnerungen an den Dienstcharakter der übertragenen Macht.

Das geschieht manchmal mit drastischen Worten, wie z.B. bei Katharina von Siena. Sie mahnte Bischöfe und den Papst, ihren Dienstaufgaben nachzukommen. Was ihr aber nicht über die Lippen kam, waren Worte wie Machtumverteilung, Gewaltenteilung oder Partizipation an der Macht.

Wo Machtmissbrauch bei Bischöfen, Pfarrern oder auch bei Laien im kirchlichen Dienst vorkommt, ist der Dienstcharakter der „Machtausübung“ zu verlangen. Das ist nicht nur möglich, sondern sogar gefordert!

Das Vorhaben des „Synodalen Weges“, mit „Macht- und Gewaltenteilung“ den Dienstcharakter der Kirche zu ändern, evtl. auch, um dem Ziel des Frauenpriestertums näher zu kommen, widerspricht dem Wesen einer dienenden Kirche.


Synodaler Weg: Warum der Brief der zehn Generalvikare in die Irre führt

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Brief der zehn Generalvikare (Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer) vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg soll die Synodalen darin bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.

Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.

Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges, „an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“.

Woher nehmen diese Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen?

Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche?

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“.

Das ZdK fordert beispielsweise:
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.

Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Eine Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.

Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“.

Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen.

Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung.

Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt.

Die Generalvikare haben recht, wenn sie sagen, im „Weiter so–Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht werden können“.

Dieser jahrzehntelang praktizierte Modus ist schon bisher dem „Auftrag“ nicht gerecht geworden. Das Ergebnis dieser pastoralen Praxis sehen wir in der Massenabkehr der Gläubigen von der Kirche (2018: 220.000), in der geringen Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier (2018: 9,8%), in der katastrophalen Unwissenheit der Katholiken über Glaubensinhalte nach neun Jahren Religionsunterricht.

Diese Phänomene haben wir seit langem, nicht erst seit Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsfälle. Wenn sich die Herde auflöst und zerstreut wird, sollten sich die Hauptverantwortlichen der Kirche fragen, ob sie die Ursachen dafür nicht gekannt und was sie dagegen unternommen haben.

Sie sollten sich auch fragen, ob sie „die gesellschaftlichen Entwicklungen“ mit den Forderungen Jesu und dem Glauben der Kirche konfrontiert haben.

Die Gläubigen können z. B. von den Bischöfen, die ihre Stimme für den Umweltschutz erheben, verlangen, dass sie auch und zuerst die Ökologie für die Menschen einfordern. Auch Menschen sind bedroht, z.B. in der Embryonenforschung, durch die pränatalen Diagnostik, durch die Massenabtreibung, durch die aktive Sterbehilfe, durch den Menschenhandel, um die Bordelle zu füllen – und durch die Leihmutterschaft.

Das Schweigen der Bischöfe, Priester und verantwortlichen Laien zu Fragen, bei denen die Gläubigen zurecht eine Orientierung von der Kirche erwarten, führt zu der fatalen Meinung, dass die Kirche mit dem realen Leben nichts zu tun hat.

Dann braucht man sie auch nicht mehr. Daraus resultiert die Abwanderung von der Kirche und schließlich von Gott. Hier liegen Probleme, mit denen sich der Synodale Weg beschäftigen sollte.

Glaubensvertiefung und den Primat der Neuevangelisierung hat Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ angemahnt. Die Gläubigen kennen nämlich das Evangelium nicht mehr. Das Wort des Papstes war klar und verständlich. Aber man wollte es nicht verstehen!

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Panik ist ein schlechter Ratgeber: Schlittern wir per FFF in eine Öko-Diktatur?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Ein Protest geht um die ganze Welt“, titelte die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ, 21.9.2019).

„Vor einem Jahr begann die Schwedin Greta Thunberg ihren Schulstreik für das Klima. Inzwischen schließen sich ihr Millionen, nicht nur junge Menschen auf allen Erdteilen an. Die Fridays for Future-Demos waren vielerorts die größten seit Jahren“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Tatsächlich gehen die Menschen weltweit auf die Straße. Dem Netzwerk, das hinter der Massenmobilisierung steht, gelang es in mehr als 100 Ländern, vor dem Klima-Gipfel in New York „Streik-Aktionen“ durchzuführen, und das nicht nur in großen Metropolen wie Berlin mit 270.000 Teilnehmern, sondern auch in kleinen Städten wie Landsberg mit rund 2.500 Demonstranten.

Selbst an der „Basis“ werden politisch-radikale Forderungen gestellt: „Wir müssen handeln, Systeme wandeln“ riefen hunderte von Menschen im Chor. Weitere Parolen waren „Kapitalismus tötet“. Im Frage-Antwort-Chor, der per Megaphon gesteuert wird, wurde in Landsberg wie weltweit „Klimagerechtigkeit“ gefordert.

Aufgeheizte Demonstranten äußerten: „Wenn sich was bewegen soll, muss die Politik mit Verboten nachhelfen“, denn es sei „blauäugig“, sich auf die „Mündigkeit“ der Menschen zu verlassen. Wir müssen neue Wege des „glücklichen Lebens“ finden (Landsberger Tagblatt, 21.9.2019).

Bekommen wir neben Links- und Rechtsradikalität zusätzlich dem Öko-Radikalismus hinzu? Es scheint so.

Revolutionäre haben schon immer mit Angst und Panik operiert. So heißt es im Bericht über die Landsberger Demo: „Viele Menschen drücken ihre Angst vor der Zukunft aus“.

Wer Bilder großstädtischer Demos betrachtet, findet auf Transparenten, Schildern und Plakaten diese Angstparolen. Manche sind von Berlin bis Rio wortgleich. Es kommt aber auch Wut hinzu, wie beim Auftritt von Greta Thunberg auf dem Klimagipfel in New York.

Dazu bemerkte Bundesminister Gerd Müller zurecht: „Nur Wutreden halten, wie Greta Thunberg vor den Vereinten Nationen, wird uns nicht weiterhelfen“ (AZ, 25.9.19).

Der CDU-Parlamentarier Roderich Kiesewetter sagt: „Wer da rational argumentieren will, ist von vornherein diskreditiert. Das ist die neue Qualität mangelnden Willens zur Sachlichkeit“ (AZ, 25.9.2019).

Selbst der Politikwissenschaftler Alexander Straßner von der Uni Regensburg, der ein gewisses Verständnis für die Ungeduld von Demonstranten aufbringt, warnt vor einer Radikalisierung der Gruppierung: „Es ist ein gefährlicher Punkt erreicht… Es gibt Massenproteste, die Maßnahmen der Bundesrepublik werden als nicht ausreichend angesehen, da ist der Schritt zur Gewalt nur noch ein kleiner“.

Die Fokussierung der Aktivisten auf die Wissenschaft sei ehrenwert, führe aber zur Errichtung einer Technokratie: „Wieso braucht es überhaupt noch zivile Eliten, wenn die Wissenschaft alles weiß?… In einer Demokratie geht es um Mehrheiten, die erlangt werden müssen“.

Prof. Wolfgang Kraushaar gilt als „Kenner deutscher Protestbewegung“. Er sagt: „Diese Klimaschutzbewegung ist unter den Vorzeichen eines Generationenprojekts angetreten. Die junge Generation ist gegen die ältere, die ihrer Eltern und Großeltern, angetreten und wirft ihnen vor, ihre Zukunft zu verspielen… Um ihren Forderungen Genüge zu tun, wäre es wohl am einfachsten, wenn es eine Ökodiktatur gäbe“.

Die politisch Verantwortlichen, insbesondere Kultusbehörden und Schulleitungen kapitulieren vor der „Indoktrination von Kindern und Jugendlichen“ und geben sich wie „panisch Getriebene“.

Auf stürmischer See braucht man mutige Kapitäne, die das Steuer mit fester Hand und Mut halten. Wir haben aber eher den Eindruck, dass politisch Verantwortliche durch die Hysterie der Massendemos in die Knie gehen.

Im Grunde bestünde kein Grund dazu, weil es den weitgehenden Konsens gibt, „dass es sehr wohl überfällig (ist), Verschwendung natürlicher Ressourcen zu stoppen und den Raubbau in der Natur zu bremsen und Alternativen zu fossilen Treibstoffen zu entwickeln“ (Dieter Stein in der Jungen Freiheit vom 27.9.2019).

Tatsächlich sind wir mit „Systemveränderern“ konfrontiert, welche die demokratische Ordnung und unser Rechtssystem „reformieren“ und eine neue Ideologie installieren wollen: Das irdische Paradies per Umweltschutz.

Eine neue, weitgehend gottlos gewordene Welt hat das Vertrauen in den Schöpfer verloren, der diese Welt geschaffen und den Menschen die Fähigkeit gegeben hat, Krisen durchzustehen und zu bewältigen.


Synodaler Sonderweg: Erklärung des „Forum Deutscher Katholiken“ zur Schelte des Vatikan

Der Synodale „Reformprozess“ mit dem irrigen Verständnis, die Kirche sei eine quasidemokratische Institution, aber nicht die Stiftung Jesu Christi, in der sein Wort und die Lehre seiner Kirche gelten, ist zurecht durch die Intervention der Bischofskongregation in Rom mit Kurienkardinal Quellet korrigiert worden.

In der Vorbereitung des „Synodalen Weges“ wurde zudem außer Acht gelassen, dass die Inhalte der vier Hauptforderungen die Kompetenzen der Ortskirche übertreffen, weil sie die Weltkirche betreffen:

Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern gewähren, den Pflichtzölibat abschaffen, in der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen positiv anerkennen.

Die eigentlichen Probleme der deutschen Ortskirche, der Glaubensverlust und die Notwendigkeit von Evangelisierung und Katechese, fehlen auf der Agenda des „Synodalen Prozesses“.
Die mahnenden Worte von Papst Franziskus und seine Hinweise auf die Defizite wurden mit „Ermutigung“ quittiert.

Der penetrante Versuch, die sexuellen Missbrauchsfälle zu instrumentalisieren, um eine „andere Kirche“ zu schaffen, ist demaskiert.
Wir brauchen in Deutschland keine „Zweite Reformation“, sondern die Umkehr zu Gott und zur Lehre der Kirche!

Das „Forum deutscher Katholiken“ dankt den Bischöfen, insbesondere Erzbischof Woelki und Bischof Voderholzer, dass sie in dieser schwierigen Situation immer wieder den Glauben der Kirche in Erinnerung rufen.

Prof. Dr. Hubert Gindert , Vorsitzender des „Forums Deutscher Katholiken“


Wo bleibt die Präsenz des Glaubens in der Welt? Nehmen wir den Auftrag Christi ernst?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Den Platz der Weltchristen zeigt uns die „Dogmatische Konstitution“ des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich auf:

„Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen… Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann…“

Der Jugendkatechismus (Youcat) spricht in seinem zweiten Kapitel „Die menschliche Gemeinschaft“ (Ziff 321 ff) über den Beitrag der Laien für die Gesellschaft:

„Ein Christ kann niemals ein reiner Individualist sein, denn der Mensch ist von Natur aus auf Gemeinschaft hin angelegt… Der Einzelne kann sich frei in der Gesellschaft entfalten, wenn das Subsidiaritätsprinzip beachtet wird“.

BILD: Prof. Hubert Ginder leitete den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Subsidiarität besagt „was der Einzelne für sich aus eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht durch eine übergeordnete Instanz abgenommen werden“. Der katholischen Soziallehre geht es darum, den „Masterplan“ Gottes für die Menschen darzulegen.

Warum ist das heute so wichtig?

Jeder kennt das zunehmende Lamento: Christliche Inhalte und Symbole (Kreuze) werden aus Politik, Vereinen, Schulen, öffentlichen Verwaltungen herausgedrängt. Und das stimmt auch!

Warum ist das so? Die Antwort ist einfach: Weil es immer weniger Christen gibt, die ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent setzen.

Das hat neben fehlender Zivilcourage auch mit Unwissenheit zu tun. Hinzu kommt der sich ausbreitende Individualismus, christlich gesprochen, eine schwindende Nächstenliebe. Das erinnert an die Vorhersage Christi… „und weil die Gottlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten“ (Mt 24,12).

Warum war das früher anders?

Ich nenne zwei Gründe: Der höhere religiöse Grundwasserspiegel war auch verbunden mit der Nächstenliebe. Junge Menschen wurden in kirchlichen Gemeinschaften wie Kolping, Katholisches Landvolk, KAB vorbereitet und motiviert, Verantwortung für die Gemeinschaft in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Es ging dabei um dauerhafte Bindung und nicht nur um Mitarbeit für ein zeitlich begrenztes Projekt.

Wie und wo können heute junge Menschen gewonnen werden, Christentum in der „Welt“ präsent zu machen?

Angesichts eines gesellschaftlichen Umbruchs, der inhumane Züge aufweist, ist das für Christen nicht Kür, sondern eine Pflichtaufgabe.

Wir erleben heute beispielsweise die völlige Gleichstellung aller Formen eheähnlichen Zusammenlebens mit der von der Verfassung geschützten Ehe von Mann und Frau. Wir sind konfrontiert mit Massenabtreibung, mit der Frühsexualisierung in Pflichtschulen, mit der Durchsetzung der Genderideologie, die den Menschen ihre Geschlechteridentität raubt und mit einer tabufreie Forschung an menschlichen Embryonen, mit Leihmutterschaft etc.

Wer kann ein Gegengewicht gegen solche Tendenzen bilden durch Information, aber auch durch gesellschaftspolitische Initiativen?

Manche denken an die neuen geistlichen Gemeinschaften. Bei näherem Hinschauen wird man aber ernüchtert. Ein Blick auf das Programm von zwei bekannten geistlichen Gemeinschaften, die ihre Jahrestreffen absolviert haben und gut besucht waren (rund 1500 Teilnehmer), zeigt, dass die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt werden.

Eine der beiden Gemeinschaften besteht überwiegend aus jungen Familien. Das Programm hatte folgende 13 Veranstaltungen/Workshops. Eines davon beschäftigt sich näher mit der Aufgabe der Weltchristen (Nr. 9).

  1. Projektchor (Lieder)
  2. Sport und genießen
  3. Kunst und Kreativität
  4. Beziehung und Partnerschaft
  5. Meine „schrecklich nette“ Familie
  6. Leben mit dem heiligen Geist
  7. Ruhezone: Gebet, Stille, Meditation
  8. Glauben neu entdecken
  9. Politisch neu denken: Wie kann die politische Auseinandersetzung in Twitter, Shitstorms und sinkenden Hemmschwellen an menschlicher und inhaltlicher Qualität gewinnen. Welche Haltungen zählen, gerade auch im Umgang mit extremen Positionen links und rechts und neuen „starken“ Führern
  10. Abendteuer Alltag: Karriereplanung, Familienmanagement, Trends, Hobby, Weltpolitik
  11. Einfach fair leben: Über alltagstaugliche, umweltbewusste und nachhaltige Möglichkeiten etwas verändern
  12. Mission possible: Aufbau missionarischer Gemeinden/Gemeinschaften
  13. Klassische Austauschgruppen: Was man beim Forum erlebt und entspanntes Kennenlernen

Die zweite Gemeinschaft zählt überwiegend junge Menschen zu ihren Teilnehmern. Das Hauptprogramm des Jahrestreffens gibt einen Überblick über die vier Tage:

Mittwoch: Lobpreis/Talk „Bereit für Neues“/Lobpreis und Rosenkranz/Heilige Messe/Holy Hour – Nachtanbetung

Donnerstag: Lobpreis/Talk „Gottes Ja“/Meet & Speak/Glory Stories/Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/ Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Zeichen und Wunder“/Lobpreis Nachtanbetung

Freitag: Lobpreis/Talk „Zuhause beim Vater“/Meet & Speak/ Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Was er euch gibt das nehmt – was er euch nimmt das gebt“/Barmherzigkeit Nachtanbetung

Samstag: Talk „Schönheit und Stärke“/Glory Story/Lobpreis und Gebet/Regionalgruppen/Workshops 14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Ja, aber“/eucharistischer Gebetsgottesdienst Nachtanbetung

Sonntag: Lobpreis und Glory Stories/Was er euch sagt, das tut – was er euch tut, das sagt/Heilige Messe/Abschluss (14 Uhr)

Das Programm umfasste an drei Tagen insgesamt 37 Workshops, die jeweils in rund zweieinhalb Stunden abgewickelt wurden. Davon hatten vier einen deutlichen Bezug auf den Weltauftrag der Christen:
„Papst Post“: Wie finde ich zu meiner Berufung und Lebensaufgabe?
„Wann ist ein Mann ein Mann? Über die Rückkehr der starken Männer“.
„Christentum und Islam“
„Fake News und journalistisches Echo: Können wir unseren Medien noch vertrauen. Ein Streifzug durch die Medienwelt. Warum werden Nachricht und Meinung immer stärker vermischt?“ 

Kardinal Walter Brandmüller verdeutlicht in seinem Vortrag vom 21. Juli 2019 „Der Beitrag des Christentums zur Zukunft Europas“ unsere Problematik:

„Sicher ist, dass das Maß des kirchlichen Einflusses auf die sich selbst als säkular verstehende Gesellschaft zunächst von der Zahl der Gläubigen und ihrem sozialen und politischem Gewicht bestimmt wird…

Nun ist auch zu bedenken, dass den Christen von heute und morgen ganz anders als im späten 19. Jahrhundert und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kein politischer Arm mehr zur Verfügung steht, wie ihn die christlichen Parteien der Vergangenheit geboten hatten.

Hinzu kommt, dass die Medien, die die Öffentlichkeit bestimmen, mit verschwindenden Ausnahmen in Händen sind, die gewiss nicht bereit sind, dem Auftrag der Kirche zu dienen.“

Wann wachen wir also auf und nehmen unseren Weltauftrag wahr?


Warum viele Katholiken besorgt sind

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Mit dem Advent 2019 beginnt der „Reformprozess“ in der deutschen Ortskirche unter der Bezeichnung „Der synodale Prozess“. Zwei Aussagen sollen verdeutlichen, warum Katholiken in Deutschland in Sorge sind:

Der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, äußerte in einem Vortrag in Münster am 25.5.2019:

„Die alte Zeit ist zu Ende! Wir sind in einer Krise und stehen an einer Zäsur, die vielleicht noch tiefer geht als die Reformation“ – „Der synodale Weg muss ergebnisoffen sein.“ – „Der Prozess muss in verbindliche Ergebnisse münden.“ – „Die Kritik an der Kirche muss Gehör finden, damit es zu einem echten Kulturwandel kommt.“

BILD: Prof. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat seine „Kernforderungen“ auf seiner Vollversammlung am 10. u. 11. Mai 2019 dargelegt. Sie werden als „Grundlage einer Beteiligung des ZdK am synodalen Weg“ mit den Bischöfen vorgelegt.

Die Agenda des ZdK enthält u.a. folgende Punkte:

  • Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern gewähren
  • den Pflichtzölibat abschaffen
  • in der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anerkennen
  • Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche verwirklichen

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) hat in der Abteikirche Rohr seine Bedenken gegen den geplanten „Synodalen Weg“ geäußert.

Von den Themen, die auf die Tageordnung des „Synodalen Weges“ gesetzt werden sollen, nannte er exemplarisch „Die Liberalisierung der Sexualmoral, Anerkennung homosexueller Partnerschaften, Synodalisierung der Kirchenleitung“. Sie bewirken nach seiner Ansicht eine „Angleichung der Kirche an die protestantischen Glaubensgemeinschaften“.

Es gebe Themen, so der Regensburger Oberhirte, über die man als christliche Gemeinschaft, die sich auf das Neue Testament beruft, nicht „ergebnisoffen“ abstimmen könne, „sondern nur entscheidungsfordernd“.

Bischof Voderholzer weiter: „Die Themen der Agenda des Synodalen Weges blieben hinter der Frage zurück „Wie der Glaube so gestärkt werden“ könne, „dass es die Menschen drängt, am Sonntag Christus, seine Auferstehen und unsere Hoffnung zu feiern“.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ betont, „dass die Evangelisierung unser Leitkriterium sein muss“, es sei notwendig „den Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen“.

Der geplante Ablauf der Synode sichert den Veranstaltern, dass sie ihre Vorhaben wie geplant durchbringen. Der „Reformprozess“ hat, soweit bisher bekannt drei Foren: „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“, „Priesterliche Lebensform“ und „Sexualmoral“.

Die Bezeichnungen umschreiben „weich“ und „verschleiernd“ die angestrebten Ziele.

Nehmen wir die Zusammensetzung der Foren hinsichtlich der Bischöfe:

In das Forum „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“ sind die Bischöfe Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, Gebhard Fürst, Bischof von Stuttgart-Rottenburg und Gregor Maria Hanke OSB von Eichstätt berufen.

In das Forum „Sexualmoral“ wurden die Bischöfe Franz-Josef Bode, Osnabrück, Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Heiner Koch, Erzbischof von Berlin berufen.

In das Forum „Priesterliche Lebensform“ sind Felix Genn, Bischof von Münster, Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz und Wolfgang Ipold, Bischof von Görlitz berufen.

Das Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ steht zum jetzigen Zeitpunkt (3.9.19) noch nicht fest. Zum Vorbereitungsteam gehören Franz Josef Bode, Bischof von Osnabrück, Michael Gerber, Bischof von Fulda und Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg.

Die Sorge der lehramtstreuen Katholiken bleibt bestehen.