Predigt von P. Bernward Deneke zum Tod des katholischen Philosophen Walter Hoeres

Beim Requiem (Totenmesse) für Prof. Dr. Walter Hoeres (siehe Foto) am Dienstag, den 26. Januar 2016, hielt Pater Bernward Deneke von der Priesterbruderschaft St. Petrus eine gehaltvolle Predigt in der Deutschordenskirche in Frankfurt-Sachsenhausen, die wir hier mit seiner freundlichen Erlaubnis dokumentieren:

Liebe Frau Hoeres, liebe Kinder und Enkelkinder unseres Verstorbenen, liebe hochwürdige Mitbrüder, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte, liebe Trauergemeinde! 2
 
Unvergesslich ist mir ein Tag im Jahr 1984. Damals hörte ich eine Kassette, die mir, einem Gymnasiasten mit aufkeimendem Interesse an allem, was Glaube, was katholisches und kirchliches Leben betrifft, eine freundliche Dame aus der Pfarrei gegeben hatte – gewiss nicht ohne Hintergedanken gegeben hatte.
 .
Auf dem Tonband war der Vortrag eines mir bis dato völlig unbekannten Autors zu hören: „Abschied von Plato“. Eine ruhige, sonore Stimme erklärte, wie das große Erbe der antiken Philosophie, namentlich des Plato und des Aristoteles, mit der göttlichen Offenbarung eine Symbiose gebildet und das christliche Abendland geformt und geprägt habe.
 .
Die Gesamtschau war überzeugend und herrlich. Nur hatte sie mit dem, was ein junger, praktizierender Katholik in den Kirchen erlebte, herzlich wenig zu tun. Daher war das, was auf der Kassette über die Zerstörung dieser Synthese gesagt und beklagt wurde, für mich evident richtig. Zum ersten Mal vernahm ich da etwas über die nachkonziliare Krise der Kirche, über progressistische Theologie, über die Leugnung der Seele und den verdiesseitigten Gottesdienst.
Ich hörte die Kassette immer wieder an, mit immer größerer Zustimmung. Und es entstand auch der Wunsch, jenen „Prof. Dr. Walter Hoeres“, der als Verfasser angegeben war, kennenzulernen.
 
Von der Zeit dieser ersten Begegnung trennen uns nun über 30 Jahre. Heute wird der Leichnam des Mannes zu Grabe getragen, der unentwegt von der menschlichen Geistseele und ihrer Bestimmung sprach und schrieb – zuletzt in seinem Buch „Die Sehnsucht nach der Anschauung Gottes“.
P1020947 - Kopie.
Dabei hat gerade er niemals unterschlagen, dass wir sündigen Menschen das himmlische Ziel nicht automatisch erreichen. Sein Artikel „Wiederkehr des Pelagianismus“ über die falsche Heilsgewissheit, der kurz nach seinem Tod in der „Kirchlichen Umschau“ erschien, kritisiert deutlich die praesumptio, diese  –  so Hoeres wörtlich  –  „Untugend der Vermessenheit“ und „dreiste Vorwegnahme des Heils“, die in der „bewußte(n) Leugnung der heiligen und unter Umständen auch strafenden Gerechtigkeit“ Gottes liegt.
 .
Wir täten dem Verstorbenen also keinen Dienst, wollten wir diese ernste Wahrheit ausklammern. Und doch sind wir, liebe Trauergemeinde, von der christlichen Hoffnung erfüllt, dass seine Seele, die Seele eines treu- und tiefgläubigen Katholiken, eines liebenden Ehemannes, Vaters und Großvaters, eines guten Freundes vieler, die Seele eines Kämpfers für Gott, für seine Wahrheit und sein Reich, zu der ersehnten beseligenden Anschauung des dreifaltigen Gottes gelangen wird. Darum beten wir. Und dafür bringen wir jetzt dem himmlischen Vater das Opfer seines menschgewordenen Sohnes Jesus Christus dar.
 
Dabei geht unser Blick zurück in die Vergangenheit, in die mit dem Verstorbenen verbrachte Zeit. Erlauben Sie mir noch einige Erinnerungen. Am 22. September 1985 begegnete ich ihm zum ersten Mal persönlich am Rande einer katholischen Glaubenskundgebung in Mainz. 027_24
 .
Ich war zunächst erstaunt, aus seinem Mund eine ganz andere Stimme zu vernehmen als die, die mir von der Kassette her so vertraut und die in Wahrheit die eines Rundfunksprechers war. Was ich nun hörte, hatte einen unverkennbar hessischen Klang. Da ich gerade an einem Schriftenstand jenes Buch erworben hatte, aus dem der Radiovortrag „Abschied von Plato“ stammte  –  „Der Aufstand gegen die Ewigkeit. Die Kirche zwischen Tradition und Selbstzerstörung“ lautet sein Titel  – , konnte ich den Autor um ein Autogramm bitten.
 .
Er schrieb neben sein Bild und über seinen Namen die lateinischen Worte: In perpetuam rei memoriam, „zum steten Gedenken an die Sache“. Was mit „der Sache“ gemeint war und weiterhin gemeint ist, steht außer Zweifel. Es ist das große Anliegen seines Lebens, seines Leidens, seines Kämpfens: die Errettung der Kirche aus einer Situation, die er als Selbstzerstörung kennzeichnete.
 
Walter Hoeres sprach diese „Sache“ immer wieder an, widmete ihr ungezählte Seiten in Büchern, Artikeln, Leserbriefen, schilderte sie in großen geistesgeschichtlichen Zusammenhängen ebenso wie an aktuellen Beispielen, nannte Ross und Reiter beim Namen. Schonungslos realistisch war seine Analyse. Daher erfüllte ihn eine tiefe Abneigung gegenüber allen Versuchen, den Ernst der Lage mit wohlfeilen Floskeln abzuwiegeln: „Es wird schon wieder werden“, „Gott lässt seine Kirche doch nicht im Stich“, „Die Kirche hat sich bisher aus allen Krisen erholt“ und „Es gibt ja auch so viel Gutes“.
Treffend kennzeichnete er die Kirchenvertreter, die so reden, als „Beschwichtigungshofräte“. Es war unserem lieben Verstorbenen wichtig, dass ein derartiger Optimismus nicht mit der wahren Hoffnung verwechselt werde. Diese kann und muss unter gegebenen Umständen die Gestalt einer spes contra spem, einer „Hoffnung gegen jede (menschliche) Hoffnung“, annehmen. Sie ist überdies nicht ein Betäubungsmittel, sondern eine wahrhaft kämpferische Tugend. P1020947
 .
Prof. Hoeres hat  –  bei allem scheinbaren Pessimismus  –  in dieser Hoffnung gelebt. Sie erklärt uns nicht zuletzt, weshalb ihm die beklagenswerten Zustände niemals seinen einzigartigen Humor rauben konnten; einen Humor, der diejenige in Erstaunen versetzte, die ihn nur von seinen Schriften her gekannt hatten und dann persönlich trafen.
Bei den Studenten des Priesterseminars in Wigratzbad, wo der Professor noch bis vor zwei Jahren einen großen Teil der Philosophievorlesungen stemmte, ist denn auch, neben der meisterhaften Fähigkeit plastisch-anschaulichen Erklärens abstrakter und hochkomplexer Sachverhalte, dieser Humor mit seinen hintergründigen, ironischen und schelmischen Facetten weiterhin legendär.

So sehr Walter Hoeres ein Streiter in des Wortes bestem Sinne war, so wenig war er doch ein Mann der hässlichen, rechthaberischen, kleinkarierten Gefechte, hinter deren scheinbarem Einsatz für die Wahrheit sich doch nur Ressentiment und menschlich-allzu-menschliche Befindlichkeiten verbergen.

Ein Buch wie „Der Aufstand gegen die Ewigkeit“ bietet keine chronique scandaleuse der nachkonziliaren Wirren, sondern spricht über die „Welt als Spiegel und Gleichnis“ und als „Widerschein göttlicher Herrlichkeit“, über die „Angleichung an Gott“, über „Erkenntnis als liebende Teilnahme“ und „Wahrheit als Heil“, auch über „Liturgie als Schauspiel“, als „vollkommene Anbetung“ und als „Kontemplation“ (um nur einige Stichworte zu nennen). image001

Allein auf dem Hintergrund dieser katholischen Gesamtschau wird der  –  allerdings entschiedene und kompromisslose  –  Kampf des Verstorbenen verständlich, dieser Kampf für die philosophische Tradition, für die Glaubens- und Sittenlehre, für die überlieferungstreue Liturgie, für die sozialen und politischen Implikationen und Folgerungen des Glaubens – und daher notwendigerweise auch gegen diverse Modephilosophien, gegen die Uminterpretation des Glaubens, gegen die Abschwächung der sittlichen Anforderungen, gegen die Horizontalisierung und Verschandelung des Kultes, gegen Anpassung und Anschluss der Kirche an gesellschaftliche Entwicklungen, die ihrer Sendung diametral entgegengesetzt sind.

Das allzu vordergründige Bild des wortgewaltigen Kritikers darf uns auf keinen Fall den tief- und feinsinnigen Philosophen, den Freund der Weisheit verdecken, der sich auf ausgedehnten, einsamen Wanderungen zugleich auf den „Weg der Anschauung“ (so ein Buchtitel) begab und über „Landschaft zwischen Ästhetik und Metaphysik“ (so der dazugehörige Untertitel) nachdachte.
.
Nicht in Vergessenheit geraten soll sein Bemühen, gegenüber neuzeitlichen, subjektivistisch einengenden Erkenntnistheorien die grenzenlose Offenheit der menschlichen Seele für die Wirklichkeit selbst herauszustellen. Und entgleiten darf uns nicht das Bild des homo religiosus, der nicht nur eindringlich über die Heiligkeit Gottes sprach, sondern ihm auch beständig nahte in Gebet und Betrachtung, in der heiligen Messe und in der Verehrung der Heiligen, allen voran der Gottesmutter; sie rief er vor den Vorlesungen stets mit Anrufungen der (von ihm in lateinischer Sprache auswendig gekonnten) Lauretanischen Litanei an. media-390606-2 - Kopie
 .
Von dem kurzen Rückblick kehren wir zurück in diese Stunde. Den Verlust eines großen Menschen erfahren wir umso schmerzlicher, je mehr und inniger wir mit ihm verbunden waren. Vor allem seine Frau, von der er immer mit so viel Liebe sprach, seine Kinder und Enkelkinder werden das erfahren und bedürfen des Trostes, den Gott durch seine Gnade und auch durch andere Menschen geben will und wird.
.
Mit der Familie verbinden wir alle uns im Gebet für die Seele des Verstorbenen, dass sich für ihn nun die Sehnsucht nach letzter Erfüllung, nach der Anschauung Gottes in liebender Erkenntnis und erkennender Liebe von Angesicht zu Angesicht erfülle. Denn „was kein Auge gesehen, was kein Ohr vernommen und was in keines Menschen Herz gedrungen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“
 
HERR, gib der Seele Deines treuen Dieners Walter Hoeres die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. HERR, lasse ihn ruhen in Frieden. Amen.
 .
Siehe hierzu auch unseren NACHRUF auf Prof. Hoeres: https://charismatismus.wordpress.com/2016/01/15/wir-trauern-um-einen-freund-und-mitstreiter-prof-dr-walter-hoeres/
Eine seiner letzten öffentlichen Stellungnahmen: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/26/naechstenliebe-kommt-vor-fernstenliebe-zuerst-den-verfolgten-christen-helfen/
 Hoeres-Foto: http://www.spes-unica.de/

Wir trauern um einen Freund und Mitstreiter: Prof. Dr. Walter Hoeres

Von Felizitas Küble

Schon seit Anfang der 80er Jahre  kennen und schätzen wir den katholischen Philosophen Dr. Walter Hoeres aus Frankfurt am Main. Der Professor hielt damals Vorträge zu philosophisch-theologischen Grundsatzfragen für Jugendliche und junge Erwachsene, die von dem Schweizer Bankier und Autor Adolf Povel organisiert wurden. 2

Bereits damals bewunderte ich das Talent dieses charakterlich vornehmen und humorvollen Gelehrten, anspruchsvolle Inhalte auch dem „Laien“, ja sogar einem jugendlichen Publikum verständlich und anschaulich zu vermitteln. Er kannte grundsätzlich keine „dummen“ Fragen, sondern reagierte auf alle Einwände und Rückfragen freundlich und manchmal etwas verschmitzt.

Professor Hoeres, der sich auch im Rundfunk zu philosophischen Themen äußerte, ist am gestrigen Donnerstag, den 14. Januar 2016, im hohen Alter von 87 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Als der Gründer unseres KOMM-MIT-Verlages und des Christoferuswerks, Günter Stiff, mit 86 Jahren von Gott in die Ewigkeit heimgerufen wurde, kam von Prof. Hoeres ein besonders positiver und bewegender Kondolenzbrief: er schrieb derart begeistert über unseren Verlagsleiter, daß er sogar die kirchliche Seligsprechung für ihn erhoffte. 

Bekannt und geschätzt war der an der Hochscholastik bzw. an Thomas von Aquin orientierte Philosoph auch durch seine regelmäßigen Beiträge und Glossen in der Zeitschrift „Theologisches“, die sich bisweilen kritisch mit innerkirchlichen Zerfallserscheinungen befaßten. Er gehörte zugleich der Fördergemeinschaft an, welche das „Theologische“ herausbringt.

Schon 1969 hatte der tiefgläubige Familienvater u.a. mit Pfarrer Hans Milch die „Bewegung für Papst und Kirche“ gegründet, die sich vor allem gegen den Progressismus in der Theologie wandte und die zeitlosen Fundamente des kath. Glaubens betonte. Aus dieser Initiative entstand die Monatszeitschrift „Der Fels“, die seit längerem und bis heute von unserem Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, geleitet wird.

In Leserbriefen äußerte sich Prof. Hoeres auch zu aktuellen Problemen, beispielsweise hier zur Flüchtlingsdebatte: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/26/naechstenliebe-kommt-vor-fernstenliebe-zuerst-den-verfolgten-christen-helfen/

Der scharfsinnige und tiefgründige Philosoph war Autor profunder wissenschaftlicher Werke, veröffentlichte aber auch Bücher, die nichtakademische Leser gut verstehen konnten, etwa über liturgische Fragen. Zudem veröffentlichte er seine fundierten Artikel auch in nicht-katholischen Zeitschriften, zB. im Kulturmagazin CICERO: http://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/wohin-wollt-ihr-mit-eurem-fortschritt/40239

„Einer der ganz großen Philosphen des 20. Jahrhunderts“

Auf seinen Tod hin erhielt er auch Würdigungen von protestantischer Seite. So schildert uns zB. der evangelische Publizist Ulrich Motte seine Eindrücke:

„Ich traf Prof. Walter Hoeres öfter in meiner Jugend. Ein sehr freundlicher, sehr gebildeter, sehr konservativer Katholik im Streit mit der großen Mehrheit seiner Glaubensgenossen.  Ein kultivierter Herr ohne jeden Snobismus.“  Konrad_Badenheuer

Der evangelische Verlagsleiter und Journalist Konrad Badenheuer (siehe Foto) schreibt über Prof. Hoeres: „Er war einer der ganz Aufrichtigen im Land und dazu ein bedeutender Denker. RIP!“

Ähnlich positiv äußert sich der Berliner Publizist und Theologe Dr. David Berger:

„Hoeres war wirklich einer der ganz großen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er hat meine Jugend und meinen ganzen späteren Werdegang geprägt, keines meiner Fachbücher, das er nicht positiv besprochen hätte. Er war ein hochintelligenter, konsequenter Denker und ist trotzdem immer Mensch geblieben – mit ganz viel Humor und Empathie.

Auch wenn er meinen späteren Weg nicht verstehen konnte, hoffe ich, dass es nicht pietätlos ist, wenn ich ihm mit den Worten jener Sprache, die er so sehr liebte, wünsche: In paradisum deducant te angeli.“ (Mögen die Engel dich ins Paradies geleiten.)

Den Angehörigen des Verstorbenen gilt unsere herzliche Anteilnahme  – und ihm selbst unser Gebet. Möge der Ewige ihm seine immerwährende Freude und Herrlichkeit schenken!

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hoeres-Foto: http://www.spes-unica.de/

 

 


Nächstenliebe kommt vor Fernstenliebe: Zuerst den verfolgten Christen helfen

Von Prof. Dr. Walter Hoeres

Die bisherigen kirchlichen Stellungnahmen zur Flüchtlingsfrage sind unbefriedigend, ja enttäuschend. Nicht ohne Grund ist die Klugheit die erste der Kardinaltugenden und sie muss unser moralisches Handeln leiten und bestimmen!

Das gilt auch für die Nächstenliebe, die nicht mit der ‚Fernstenliebe“ und der heute auch in kirchlichen Kreisen so beliebten Einstellung zu verwechseln ist, gleich die ganze Menschheit retten zu wollen. fahne1

Sind meine Familie und mein Haus bedroht, so habe ich zuerst die Pflicht, mich um sie zu kümmern, bevor ich mich anderen zuwenden kann. Schon jetzt sind Bund, Länder und Kommunen mit dem Millionenstrom von Flüchtlingen heillos überfordert. Was werden soll, wenn der Zustrom anhält, ist völlig, ja erschreckend offen. Aber die eigentlichen Schwierigkeiten fangen erst an, wenn es darum geht, die Flüchtlinge in unser Wirtschaftsleben zu integrieren.

Viele unserer kleineren und mittleren Betriebe müssen heute schon ums Überleben kämpfen, da die ausländische Konkurrenz zum Teil viel billiger produzieren kann und längst auch über das technische „know how“ verfügt, das einst unser Vorrecht war.

Aber von diesen Sorgen und Nöten ist natürlich bei jenen Umverteilungsstrategien, die immer nur die Dritte Welt im Blick haben, keine Rede! In jedem Falle wird die Aufgabe, einen Teil der Flüchtlinge immer erneut zu integrieren, die Hektik unserer totalen Produktions- und Konsumgesellschaft, in der wir leben, noch weiter anheizen.

Zweckoptimismus: „Wir schaffen das“

Und es ist von seltsamer Ironie, dass unsere geistlichen Wortführer, die uns seit Jahren zum Konsumverzicht ermahnen, durch ihre offenbar unbeschränkte Offenheit in der Flüchtlingsfrage diese Hektik noch verstärken. Die Bundeskanzlerin hat geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, aber wie sie das mit ihrem konzeptionslosen: „Wir schaffen das!“ erreichen will, steht in den Sternen geschrieben. 032_29A

Dahinter steht ein Optimismus, der durch nichts gerechtfertigt ist. Obwohl die Bereiche verschieden sind, ist dies der gleiche Optimismus, den wir immer wieder auch bei den Bischöfen antreffen: ob es sich nun um die Flüchtlingsfrage oder um den sich abzeichnenden Zusammenbruch des kirchlichen Lebens, den Schwund der Priesterberufungen und Gläubigen, den Abriss von Kirchen und die Zerschlagung von Pfarreien handelt.

Immer wieder heißt es, man sei doch guten Mutes und könne getrost in die Zukunft schauen. Dahinter steht nicht nur die Verwechslung der zweiten göttlichen Tugend der Hoffnung mit dem innerweltlichen Optimismus, sondern auch jene schulterklopfende Attitüde: „Der Herrgott wird’s schon richten!“

Aber der „Herrgott“ hat auch die Kirchenspaltung, den Dreißigjährigen Krieg, die Französische Revolution und die beiden Weltkriege zugelassen und es besteht keine Veranlassung, mit Leibniz, der von der „besten aller möglichen Welten“ sprach, so zu tun, als habe man selbst im Rate Gottes gesessen und kenne dessen verborgene Pläne!

Was mich bei der ganzen Frage besonders empört, ist die Äußerung von Kirchenvertretern, man wolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen keinen Unterschied zwischen den Religionen und Konfessionen machen. Sind wir schon so weit, dass wir aus Gründen der political correctness die Mahnung des heiligen Apostels Paulus vergessen haben: „Helft zuerst Euren Brüdern“?

Wir erleben in Mesopotamien eine der schrecklichsten Kirchenverfolgungen der Geschichte und sind Zeugen beispielloser Tapferkeit der dortigen Christen  –  und da sollten wir nicht zuerst daran denken, gerade ihnen beizustehen?

Unser Autor Prof. Dr. Walter Hoeres (60431 Frankfurt am Main) ist katholischer Publizist und Philosoph.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags als Leserbrief in der „Tagespost“ vom 17.10.2015

Weitere INFOS zur Migrationspolitik:

Eine libanesische Journalistin über die deutsche Flüchtlingspolitik: „Es ist unklug, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. – Die Deutschen sind in ihrer Vergangenheit gefangen. Sie sehen nicht, was auf sie zukommen wird.“  – Siehe hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/erfahrungen-aus-dem-libanon-es-ist-unklug-so-viele-fluechtlinge-aufzunehmen/12490358.html

Größte Probleme in Schweden: http://www.wiwo.de/politik/ausland/fluechtlingskrise-in-europa-schweden-brennt/12489020.html

Der ehem. CSU-Vize-Chef Gauweiler: Die Regierung verstößt systematisch gegen Artikel 16a Grundgesetz: http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/ex-csu-vize-gauweiler-regierung-verstoesst-systematisch-gegen-asylparagraphen-artikel-16a-grundgesetz-a1277056.html