Bundesgerichtshof-Jurist Fischer kritisiert Medienkampagne gegen Kardinal Woelki

Von Felizitas Küble

Professor Thomas Fischer ist nicht irgendwer, sondern Vorsitzender Richter am 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs. Zudem ist er Verfasser des Standard-Kommentars zum Strafgesetzbuch und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu Fragen des Strafrechts.

Der angesehene Jurist hat sich unter dem Titel „Absolute Absolution“ gestern auf SPIEGEL-online kritisch mit dem medialen Wirbel befaßt, der sich seit Monaten gegen den Erzbischof von Köln in der Öffentlichkeit austobt, aber auch und gerade in kirchlichen Kreisen bunteste (Sumpf-)Blüten treibt.

In der Kampagne gegen den Kardinal sind wichtige juristische Grundsätze der Fairneß und Sorgfalt vielfach unter die Räder einer allseitig geforderten „Empörung“ geraten, wie Professor Fischer in seinem ausführlichen Beitrag bemängelt: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/kardinal-woelki-vertuschung-nach-sexuellem-missbrauch-im-erzbistum-koeln-kolumne-a-2be0571e-da33-4111-a2fc-995698a0d42d

Einleitend schreibt dazu der gewiß nicht kirchenfromme „Spiegel“:

„Im Schatten des Kölner Doms ist der Teufel los, die Aufklärung der örtlich-katholischen Missbrauchs- und Vertuschungsgeschichte stockt. Das Publikum debattiert derweil über Gutachten – die es gar nicht kennen kann.

Aber auf Fakten kommt es bekanntlich nicht an, wenn es durchaus genügt, sich einem allgemeinen „Schrei des Entsetzens“ anzuschließen.

Anlaß hierfür ist anscheinend überaus aufregende Tatsache, daß der Kölner Erzbischof ein von ihm beauftragtes Gutachten einer Münchner Kanzlei zur Missbrauchsaufarbeitung in seinem Bistum nicht veröffentlicht hat, da er erst von fachlicher Seite wissen wollte, ob es dafür geeignet ist.

Daher hat er zwei hochrangige Juristen beauftragt, um offene rechtliche Fragen erst einmal zu klären. Die Experten kamen zu einem sehr kritischen Urteil, was Kardinal Woelki ernst genommen hat.

Da stellt sich die schlichte Frage: Na und? Warum auch nicht?

Eben dies meint auch der erwähnte Richter am Bundesgerichtshof.

Wie unsachlich die derzeitige Medienkampagne gegen Woelki bisweilen abläuft, zeigt schon die liberale Zeitung „Christ und Welt“, die den Partner jener Münchner Rechtsanwaltskanzlei behaupten läßt, er sei Opfer eines „Gewaltangriffs“ seitens des Kölner Erzbischofs geworden.

Diese Klage kommentiert Professor Fischer mit leichter Ironie: „Dass jetzt sogar Kardinäle gewaltsam gegen Rechtsanwälte vorgehen, ist wirklich unerhört…“ Allerdings, so der Autor weiter, sei folgender Sachverhalt doch „beruhigend“: „Auf allen drei Fotos sieht Herr Rechtsanwalt Wastl von Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zum Glück unversehrt aus“.

Er schreibt sodann satirisch weiter:

„Der Gewaltangriff vom 30. Oktober 2020 bestand darin, dass der Kardinal Woelki aus Köln ein Gutachten, das WSW in seinem Auftrag erstellt hatte, »unter Verschluss« zu halten beschloss. Dieser Angriff hält seither an, was Rechtsanwalt Wastl verbittert und die deutsche Öffentlichkeit auf das Unterhaltsamste durch die Zeit des Heimbüros bringt…

Weitere medienkritische Infos samt Petition zur Causa Woelki hier: https://fairness-in-der-kirche.de

Protest-Artikel gegen die Treibjagd auf Woelki in der Webseite Philosophia Perennis von Dr. David Berger: https://philosophia-perennis.com/2021/02/05/kirchenzerstoerer-bischof-baetzing-blaest-zur-hetzjagd-auf-kardinal-woelki/