ZEIT-Redakteur: Katholische Standpunkttreue zahlt sich langfristig aus

Aus der Katholischen Kirche sind im vergangenen Jahr 118.000 Menschen ausgetreten. Die Protestanten mussten trotz der größeren Anzahl an Taufen und Wiedereintritten einen höheren Aderlass hinnehmen.

Dass die katholische Kirche vergleichsweise gut dasteht, ist für Wolfgang Thielmann, Redakteur der ZEIT-Beilage „Christ und Welt“, ein Indiz dafür, dass die Katholiken vieles richtig gemacht haben.

Die Bischöfe spielten ihren Erfolg herunter: 31 Prozent der Bevölkerung gehörten der Katholische Kirche an. Durch das gleichzeitige Schrumpfen des Protestantismus auf 30 Prozent sei sie „nach vorne gesunken“. 40 Prozent Nicht-Konfessionelle seien vor allem die Spätfolge der DDR. 

Foto: KOMM-MIT-VerlagDie Zahlen, schreibt Thielmann, hingen „aber auch gar nicht so sehr von der inneren Zustimmung ihrer Mitglieder ab, sondern von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen“. Potenzielle Mitglieder liefen nicht weg, sie würden oft gar nicht geboren und damit auch nicht getauft: „Die Kirchen sind nicht überaltert, sondern unterjüngt“, meint er.

Trotz Reformwünschen von Laienverbänden und Kritikern sei die Führung der katholischen Kirche ihrer Linie in der Sexualmoral treu geblieben. Die Evangelische Kirche habe dagegen mit ihrer neuen „Orientierungshilfe“ viel davon preisgegeben.

In dem umstrittenen Familienpapier würden Kinder als Armutsrisiko dargestellt, wobei Armut auch häufig die Bildungschancen verringere. Wenn Protestanten daraus ableiteten, ihren Wunsch nach Kindern zu senken, sehe es düster aus für die Protestanten, während der katholischen Kirche viele Chancen offenstehen.

Quelle: Evangelisches Medienmagazin PRO


Starprediger Ulrich Parzany übt scharfe Kritik am EKD-Desorientierungspapier

„Ich schäme mich für meine Kirche“

Mit scharfen Worten hat einer der führenden Evangelisten in Deutschland, Pfarrer Ulrich Parzany (siehe Foto), auf die Orientierungshilfe der EKD zur Familie reagiert:

„Ich schäme mich für meine evangelische Kirche“, schreibt der langjährige Hauptredner der Großevangelisation ProChrist und Generalsekretär des CVJM in einem Beitrag für die evangelische Nachrichtenagentur IDEA zur Frage „Wie sollen wir die Bibel verstehen?“ parzany_ulrich_allg_606_pr13_01_0b9936d070

In dem Familienpapier mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ rückt das Leitungsgremium der EKD, der Rat, von der Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das unter anderem auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern einschließt.

Parzany erinnert daran, dass die evangelische Kirche entstanden sei, weil die Reformatoren sich auf das vierfache „Allein“ beriefen: Allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift.  –  Nun bescheinigten der Kirche sogar die säkularen Medien einen laxen Umgang mit der Bibel.

Die sog. Orientierungshilfe erkläre, dass die Ehe keine unantastbare Schöpfungsordnung Gottes sei, „obwohl jeder in der Bibel lesen kann, dass Jesus die Zusammengehörigkeit von einem Mann und einer Frau als von Gott gewollte unverbrüchliche Gemeinschaft erklärt (Matthäus 19, 4-6)“.

In Facebook schreibt Parzany, er frage sich, wie man angesichts der Weigerung der EKD, das Papier zu ändern, Widerstand organisieren kann: „Austreten kommt für mich nicht infrage. Austreten sollen bitte die, die die Grundordnungen der evangelischen Kirchen missachten und das Ordinationsgelübde brechen. Darin steht, dass die Heilige Schrift Maßstab für Glauben und Leben ist.“

Quelle: http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/ich-schaeme-mich-fuer-meine-evangelische-kirche-821.html

Foto: Thomas Schneider


Evangelischer Bischof em. Hartmut Löwe übt scharfe Kritik am EKD-Desorientierungspapier

Auch Kirchenpräsident J. Liebig widerspricht

Ungewöhnlich scharf hat ein ehemals führender Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) deren „Orientierungshilfe“ zur Familie kritisiert. Bischof em. Hartmut Löwe spricht von einer „fatalen Desorientierung“ und fordert die Leitung der EKD, den Rat, auf, den Text zu korrigieren. „Andernfalls werden immer mehr evangelische Christen in ihrer Kirche heimatlos“, schreibt er in einer Stellungnahme. 120505209_B_July und Mike

Ruhestands-Bischof Löwe war von 1980 bis 1992 Präsident im EKD-Kirchenamt, von 1993 bis 1999 Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und von 1994 bis 2003 evangelischer Militärbischof.

In dem Familienpapier rückt die EKD von der Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das unter anderem auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern einschließt. Wie Löwe schreibt, stellt die Veröffentlichung „einen revolutionären Bruch dar in der Kontinuität evangelischer Lehre und gemeinchristlicher Überzeugungen“.

Er bezeichnet es als unbegreiflich, „wie der Rat der EKD von allen seinen früheren Äußerungen zu Ehe, Familie und Homosexualität abweicht, ohne auch nur einen einzigen diskutablen theologischen Grund anzugeben“. Den mit „Theologischer Orientierung“ überschriebenen Teil könne man nur „mangelhaft“ nennen.

BVG produziert „keine göttlichen Dekrete“

Löwe zufolge beruft sich das EKD-Papier immer wieder zustimmend auf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts aus jüngster Zeit: „Aber Karlsruhe produziert keine göttlichen Dekrete, die als hermeneutischer Schlüssel der kirchlichen Lehre dienen könnten.“

Der EKD-Text stehe „in einer problematischen Tradition evangelischer Anpassung an dem Zeitgeist hörige gesellschaftliche Entwicklungen, anstatt das herausfordernd Eigene und Besondere des christlichen Glaubens wenigstens innerhalb der Christenheit zur Geltung zu bringen“.

Im Blick auf die Folgen für das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche schreibt Löwe: „Die Klage, es ginge in ökumenischen Dingen nicht voran, ist müßig, wenn man christliche Gemeinsamkeiten aufkündigt.“  –  Ökumenischer Stillstand und Rückschritte seien die natürlichen Folgen. Vielmehr hofften auch evangelische Christen darauf, „dass Rom in den Fragen von Ehe und Familie evangelischen Verirrungen nicht folgt und als authentische christliche Stimme hörbar bleibt.“

Kirchenpräsident Liebig: An Ehe festhalten

Widerspruch kommt auch vom Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig. Er bemängelt an dem Papier die nachträgliche Bestätigung eines heute landläufigen Eheverständnisses, wonach das Scheitern der Ehe aufgrund wechselhafter Gefühle grundsätzlich legitim sei. Hier müsse sich die Orientierungshilfe fragen lassen, warum sie die biblisch bedeutsamen Normen für die Ehe beiseite lasse:

„Zweifellos ist diese Einschätzung angesichts der Scheidungszahlen realistisch. Ein evangelisches Orientierungspapier sollte jedoch nicht den Ist-Zustand theologisch deuten, sondern im besten Sinne protestantische Orientierung geben.“

Dazu gehöre bei aller Einsicht in menschliches Scheitern auch das unbedingte Festhalten am Ideal lebenslanger Treue. Liebig: „Meine Frau und ich sind seit 26 Jahren glücklich verheiratet und entschlossen, unser Eheversprechen bis ans Lebensende einzuhalten.“

Quelle: http://www.idea.de


EKD-Papier zu Ehe und Familie weiter unter Beschuß: „Ökumenischer Graben geöffnet“

Evangelischer Theologe beklagt „ewiges Einknicken“ vor dem Zeitgeist

Die Kritik an der neuen Orientierungshilfe der EKD reißt nicht ab. Das Papier vertritt ein erweitertes Familienbild, das vielfältige Lebensformen einschließt, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern.

Nach Ansicht des katholischen Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck ist damit ein ökumenischer Graben geöffnet worden. Mit der Orientierungshilfe sei eine „Phase der Ratlosigkeit und des Ärgernisses“ eingeläutet worden, sagte Overbeck am 21. Juni in Gladbeck. Auch innerhalb der evangelischen Kirche zeigten sich zunehmend widersprüchliche Auffassungen. 

Der ehem. Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Bochum, Günter Brakelmann, kritisierte das „ewige Einknicken“ der evangelischen Kirche vor dem Zeitgeist sowie den protestantischen Umgang mit der Bibel:

„Wenn uns etwas an den Texten des Neuen Testaments nicht mehr gefällt, wird es so ausgelegt, dass am Ende etwas anderes herauskommt, als im Urtext drin steht.“

CDU-Protestanten: Der Ehe gebührt Vorrang

Der Bundesgeschäftsführer des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) von CDU/CSU, Christian Meißner, bedauert die Relativierung der Ehe. Aus Sicht der Union sei die lebenslange Ehe von Mann und Frau als gute Gabe Gottes zu verstehen, der bei aller Achtung gegenüber anderen Lebens- und Familienformen ein Vorrang gebühre, sagte Meißner dem „Hamburger Abendblatt“. Die Mitglieder des EAK erwarteten, „dass dies auch im liturgischen und seelsorgerlichen Handeln unserer Kirche klar wird“.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur http://www.idea.de


Das Jordan-Buch bietet eine „ganz andere“ Konversionsgeschichte

Rezension von Reinhard Dörner aus der Zeitschrift „Theologisches“ :

Buch-Daten: Volker Joseph Jordan, Endlich zuhause. Mein Weg zur Kirche. Felizitas Küble im Gespräch mit einem Konvertiten. Dominus-Verlag, Augsburg 2013. ISBN 978-3-940879-29-5.  –  352 S., 14,80 €

Dies ist eine ganz andere Konversionsgeschichte als etwa die von Scott Hahn, Erik M. Mørstad oder dem sel. John Henry Card. Newman. Die leicht zu lesende und deshalb einladende äußere Form des Interviews läßt den Leser die geistig-psychologische Entwicklung des Konvertierten nachempfinden – er kann sich in die Gedankenwelt von Volker Jordan hineinversetzen.  Jordan_10-100

Dies ist keine intellektuelle Abhandlung. Wer aber meint, daß dem Inhalt der intellektuelle Anstrich fehlt oder abhanden gekommen ist, unterliegt einem folgenschweren Fehl- oder besser Vorurteil.

Die intellektuelle Bandbreite dieses Autors kommt in dem ausführlichen bibliographischen Anhang in voller Breite zur Geltung: Eigene Veröffentlichungen, hervorragende Übersetzungen korrespondieren mit vertiefenden Literaturempfehlungen, unter denen z.B. apologetische und kontroverstheologische Werke einen breiten Spielraum einnehmen.

Angesichts dieser Empfehlungen ergibt sich sehr eindrucksvoll, welchen Weg des Suchens dieser begnadete Mensch hinter sich bringen mußte, ja mußte, weil er in seiner besonderen Situation ein exemplarisches Schicksal seines Lebens bewältigt hat, das seinesgleichen sucht.

Das Besondere dieses Schicksals ist das nahezu Uferlose des Suchens, das im endgültigen Anschluß an die Kirche doch noch seine Erfüllung fand. Und so heißt der Untertitel zu recht: „Mein Weg zur Kirche“; denn es gibt nur eine Kirche, die Jesus Christus gegründet hat, wie er selbst betont.

Alle mehr oder weniger bekannten kirchlichen Gemeinschaften sind Abspaltungen, eben „mehr als 40.000 christliche Denominationen, die meisten davon protestantisch“ (S. 22), wie er im Gespräch klarstellt, und „die Zersplitterung geht immer noch weiter (S. 24).

Dies ist einer der wichtigen Gründe, die ihn zur Konversion veranlaßt haben, die Unüberschaubarkeit und Uneinheitlichkeit der christlichen Glaubensgemeinschaften, in denen sich eben nicht die Una Sancta darstellt, sondern eine eher „individualistische […] Grundhaltung“ (20). Daher ist für ihn klar: „Es geht nicht an, daß sich eine Gruppe nach der anderen bildet und daß jeder Gründer selbst hierfür der Maßstab ist.“ (56)

Und: „Völlig ausweichen können sie der Tatsache ihrer eigenen Zersplitterung natürlich nicht. Mir wurde erst allmählich klar, daß da etwas nicht stimmen konnte, wenn man einerseits so vehement die ’sichtbare Darstellung der Einheit des Leibes Christi‘ betonte, es aber andererseits derart viele Spaltungen gab.“ (160) imm035_34A

Zu ergänzen ist: „Wenn der Protestantismus zu so vielen so radikal unterschiedlichen Interpretationen und vor allem Gemeindebildungen kommen konnte, dann mußte systemimmanent etwas nicht stimmen.“ (176)  

Und was hat Volker Jordan (siehe Foto) bei der Konversion aufgegeben?: „… lediglich den lutherischen Fiduzialglauben, d.h. die mit Heilsgewißheit verbundene Zuversicht, daß uns Gott um der Verdienste Jesu willen die Sünden verzeiht“. (178)

Die Interviewerin geht sehr geschickt von den vier Grundkennzeichen der Kirche aus: Einheit, Heiligkeit, Katholizität, Apostolizität. Jordan sieht darin „ein Zusammenspiel“(16) für seine Entscheidung zur Konversion, nachdem er eine regelrechte Wanderschaft  –  oder war es eine Irrfahrt?  –  durch ca. 14 christliche Konfessionen mit teilweise Gastmitgliedschaften durchgemacht hatte.

Aber: „Alle […] Gemeinschaften habe ich seinerzeit unter deutlicher Angabe der Gründe aus freien Stücken, ohne Streit und ohne einen drohenden Ausschluß vor Augen, verlassen und damit alle kirchlichen Bande mit ihnen abgebrochen.“ (13)  –  Eine neue Dimension erhielt sein Suchen durch seine erste echte Konversion zum russisch-orthodoxen Glauben und mit ihr „ließ ich den Protestantismus meiner Vergangenheit hinter mir zurück“ (13).

Das ist einleuchtend, denn „eine innerprotestantische weltweite Einheit besteht heute nicht annähernd“. (23)

Seine Suche galt also der „Weite des Katholischen“, dem „Universalen“, dem „Allumfassenden“ (25). Der individualistische Ansatz des Protestantismus, der sich etwa in „Luthers Kernfrage“ manifestiert: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ führt den gläubigen Protestanten eben in eine „Ansammlung von Individuen“ (26), nicht in eine „Heilsanstalt“ (ebd.). In ihr wirken göttliche Kräfte, weil von Jesus selbst bestimmt und so eingesetzt, die Sakramente.

Daher auch konnte Melanchthon seiner Mutter, die im Sterben lag und von ihrem Sohn wissen wollte, an „welche Lehre sie sich halten solle: […] In unserer [Kirche] ist leichter leben, in der katholischen aber ist sicherer sterben. „(40)

Natürlich kamen auf Jordan dann die für alle Konvertiten wichtigen Fragen zu, wie es denn z.B. mit dem Fegefeuer stehe oder mit der Heiligenverehrung etc. Hier zeigt sich die ungeheure Belesenheit dieses Suchers des rechten Glaubens: Von der Hl. Schrift über die Kirchenväter, die Konvertitenliteratur ist ihm alles vertraut, so daß er mit apologetischer Treffsicherheit die ‚Knackpunkte‘ der Unterscheidung darzustellen weiß  –  eine wahre Fundgrube für alle, die sich schwertun, im Streitgespräch mit Andersgläubigen die Kernfragen anzusprechen.

Verständlich, daß es ihm weh tut, feststellen zu müssen, wie wenig gerade die Katholisch-Gläubigen aus der Hl. Schrift und der Lmedia-358103-2ehre der Kirche wissen. Dies ist um so tragischer, als sich gerade in der Kirche die Einheit katholisch  –  weltumfassend  –  offenbart. Diese Einheit gibt es nicht einmal in der Orthodoxie, der dem Katholischen nächsten Konfession; denn „irgendwann sind ihre Patriarchen häretisch geworden, sind sie Irrtümern anheimgefallen – sei es dem Monophysitismus, dem Monotheletismus, sei es dem Nestorianismus“ (57).

Einen wichtigen Aspekt im Interview bildet die Frage nach den beiden Quellen des Glaubens, der Hl. Schrift und der kirchlichen Tradition. Während der Protestantismus die kirchliche Tradition kompromißlos ablehnt, stellt er neben die Hl. Schrift die Bekenntnisschriften, die „allein dem Zweck dienten, die Lehren der Hl. Schrift verbindlich darzulegen“ (60).

Deshalb ist „gerade bei Lutheranern […] der Unterschied zwischen Schrift und Bekenntnis nicht mehr sonderlich groß“ (ebd.). Jordan hat es gelernt und vertritt mit Nachdruck, daß „die Tradition niemals dem Gesamtzeugnis der Hl. Schrift widerspricht“ (61).

Während der protestantische Glaube dem Individualismus zuneigt, kommt es im katholischen Bereich vor, daß man sich seinen „Glauben aus angeblichen Privatoffenbarungen selbst zusammenzimmert“ (86), doch „solche angeblichen Privatoffenbarungen [überlagern] in der Regel den kirchlich geprägten Glauben“ (87).

Hier ist auch die Frage nach Maria, der Mutter Gottes aufzugreifen. Im Protestantismus „identifiziert [man] jegliche Betonung Mariens sofort mit der katholischen Kirche und schweigt daher […] weitgehend von ihr“ (102) oder weist anhand von Schriftstellen nach, daß Maria von „der Sündhaftigkeit aller Menschen“ nicht ausgenommen (ebd.) sei.   borMedia1859801

Obwohl Jordan es nicht ausspricht, sieht er sich vermutlich als besonderes Werkzeug Mariens. Er wurde am 16. Juli 1972 getauft, also am Fest Mariens vom Berge Karmel. Das wußten seine Eltern nicht, und auch er selbst hat es erst womöglich im Zuge seiner Konversion erfahren. (103f.)

Daß Volker Jordan in seinem Glauben ‚gefordert‘ worden ist, man könnte auch sagen, daß sein Glaube auf seine Echtheit hin geprüft wurde, erhellt aus der Tatsache, daß der unheilbar an Krebs Erkrankte bekennt: „Wir können überzeugt sein, daß Gott uns keine größeren Leiden auferlegt, als wir zu tragen vermögen. Das ist auch bisher meine persönliche Erfahrung.“ (106)

Dieses Zeugnis muß so manchen ‚gläubigen‘ Katholiken beschämen, der mit Gott hadert, warum gerade ihn ein schweres Leiden treffe.

Jordan berichtet im Laufe des Interviews über die doch eigentlich christlich geprägte Kindheit, in der sich allerdings schon seine spätere Suche andeutete, weil er bereits mit 15 Jahren vor dem Standesamt seinen Austritt aus der evangelisch-lutherischen Kirche erklärte (108). Doch auch im Stadium der Suche blieb für ihn unausweichlich: „Entweder ist die Bibel ein Märchenbuch, oder sie ist, gemäß ihrem eigenen Selbstzeugnis die Wahrheit, das inspirierte Wort Gottes.“ (112)

Besonders ‚verdächtig‘ kam ihm dann aber doch die Taufformel zur Aufnahme in die Baptistengemeinde vor: „Volker, auf das Bekenntnis Deines Glaubens hin taufe ich Dich in den Tod Jesu.“ (114) 

Die „Christliche Versammlung“ (116), die „Pfingstler“ (118), der „Maranatha-Missionsbund zur Ausbreitung urchristlichen Evangeliums“ (ebd.) bis hin zu ekstatischen Erlebnissen mit dem sogenannten „Torontosegen“ (120) im charismatischen Umfeld z.B. mit „Depressionen“ (121) waren weitere Stationen auf seiner mühevollen Suche nach der allein richtigen Kirche.

Einen wertvollen Beitrag leistet seine Information über die Hintergründe der „Pfingstbewegung“ (123-127). Es wäre ein wichtiger Beitrag zur Klärung der Positionen der katholischen Kirche gegenüber den Charismatikern, wenn alle die dort zitierten Erläuterungen verinnerlichen würden. Außerdem gibt er informative Hinweise auf wichtige Bibelstellen (133f.) zur Widerlegung des Charismatismus.

Die reichhaltige Erfahrung Jordans vermittelt durchaus neue Erkenntnisse, z.B. über den Begriff „Dispensationalismus“ (148). Dieser teilt „die biblische Heilsgeschichte [in eine] Abfolge verschiedener ‚Haushaltungen‘ (Dispensationen) oder Zeitalter“ ein. Manche davon seien für uns gültig, manche nicht (148).

Alle Facetten der unterschiedlichen protestantischen Lehrmeinungen darzustellen, ist im Rahmen einer Rezension nicht möglich – aber in den Erläuterungen des Interviews enorm lesenswert, weil lehrreich: „Es gibt […] Ausdrücke, bei denen es auf jedes Wort ankommt und die anderswo in der Christenheit kaum verstanden werden.“ (161 f.)

„Ob das ursprünglich im Bestreben der Absonderung lag, um sich von anderen zu unterscheiden, möchte ich bezweifeln. Es hat sich aber in der Tat so entwickelt, daß man anderswo gänzlich unbekannte Redewendungen in den eigenen Sprachschatz aufnahm.“ (163)

Wer so reiche Erfahrung mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen gemacht hat, interessiert sich folglich auch für den Umgang mit Andersdenkenden. So stellt Jordan klar, daß sich z.B. der „Hexenaberglaube in reformatorisch geprägten Ländern wesentlich länger“ hielt und „dort deutlich mehr ‚Hexen‘ hingerichtet“ wurden (173). Dies ist das Urteil eines Mannes, der Historie studiert hat.

Bei den reichhaltigen Erfahrungen seiner ‚Pilgerschaft‘ ist es bemerkenswert, daß er die in der orthodoxen Kirche gepflogene „biblisch-patristische Tradition“ (185) hervorhebt, ein Aspekt, der in der katholischen Kirche – leider – weniger bedeutet.

Weiter hebt er den Wert der zölibatären Lebensweise der Priester gegen den verheirateten Status der orthodoxen Priester und „die fehlende dogmatische Übereinstimmung und kirchliche Einheit mit der römisch-katholischen Kirche unter dem Nachfolger Petri“ hervor (186 f.).

Insgesamt verfestigte sich in ihm der Eindruck, „man wolle zwar einen […] Kulturverein pflegen und bewahren, dabei aber auf elementare Merkmale des Kircheseins […] verzichten“ (190).

Einzelelemente des Gesprächs sollen hier nicht weiter erwähnt werden, sind aber z.T. von erheblicher Brisanz und großem Informationswert. Darunter zählen auch Aspekte sozialer und soziologischer bzw. politischer Art, Aspekte, die den konservativen Grundzug Jordans verstehen helfen. Ebenso kommen persönliche Vorlieben oder aber Abneigungen zur Sprache, die schon im übergreifenden Teil des Gesprächs artikuliert wurden, aber in der Singularität der Erläuterung wichtige Ergänzungen bieten.

Volker Joseph Jordan, eine beeindruckende Persönlichkeit!

Als Gesamturteil ist festzuhalten: Ein wertvolles Buch, das ganz aus dem Rahmen üblicher Konvertitenliteratur herausfällt, aber wegen seiner im Interview vollzogenen Information unglaublich wertvoll ist. Selbst schwierige Passagen werden nachgefragt und erklärt, ansonsten ist die Sprache klar, verbindlich, erhellend.

Zum Aufbau wäre nachzutragen: Es hätte dem Interview nicht geschadet, wenn man thematische Einheiten gebildet hätte, was zugegebenermaßen bei einem so umfangreichen Interview nicht einfach gewesen wäre. Hervorzuheben ist die großartige Leistung der diversen Anhänge, dort besonders zu erwähnen das Stichwortverzeichnis, das die fehlende inhaltliche Gliederung voll kompensiert.

Reinhard Dörner ist katholischer Diplom-Theologe und Publizist, Vorsitzender des Kardinal-von-Galen-Kreises und des ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen)

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in „Theologisches“ (Mai/Juni 2013)

Das Jordan-Buch ENDLICH ZUHAUSE kann beim Augsburger Dominus-Verlag oder bei uns (felizitas.kueble@web.de) bestellt werden.


JA zu Christus: Die „radikale“ und die bürgerliche Gestalt der Nachfolge Jesu

Von Uwe C. Lay

Für Freunde der Schwarz-Weiß-Malerei empfiehlt sich ein Gasthöreraufenthalt in kirchengeschichtlichen Vorlesungen der heutigen deutschen Universitätstheologie.

Da gab es demzufolge einen wunderbaren Urzustand des Christentums, der spätestens mit dem Anfang des Staatschristentums unter Kaiser Konstantin sein Ende fand, bis dann die Kirche aus ihrer „babylonischen Gefangenschaft“ (Luther) durch das 2. Vaticanum befreit worden wäre, hätten sich nicht reaktionäre Kräfte nach dem Konzil gegen den Geist des Konzils verschworen, um so fast alle positiven Reformimpulse des Konzils zu hintergehen, so daß es neben der Finsternis der vorkonziliaren auch die Verfinsterung der nachkonziliaren Kirche gäbe, nur unterbrochen vom Lichte des Konzils und ein paar Leuchten in der Kirchengeschichte. 

Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Bernd Pelz

So einfach kann man sich die Geschichte des Christentums zurecht legen. Zu dieser Mär gehört dann auch die Vorstellung eines ursprünglichen reinen Liebes-Christentums gelebter radikaler Nachfolge Jesu, das spätestens seit dem unseligen Thron und Altar-Bund  –  mit Kaiser Konstantin anhebend  –  sein Ende fand: aus basisdemokratischen Urgemeinden wurde dann eine hierarchische Kirche mit Priestern und Bischöfen und einem Papst, ein verweltlichtes, verbürgerlichtes Christentum.

Es ist das große Verdienst von G. Theißen in seiner soziologischen Studie über das Urchristentum [1], vielleicht ganz unbeabsichtigt gegen seine protestantische Intention, sozusagen als Kollateralschaden seiner Studie, diese Mär destruiert zu haben!

Von Anfang an: „radikale“ und bürgerliche Variante des Glaubensvollzugs

Im Zentrum seiner Studie steht nämlich die schlichte These der Gleichursprünglichkeit einer radikalen und einer bürgerlichen Nachfolgepraxis Christi.

Nicht daß sich die eine aus der anderen entwickelt hätte, also daß das verbürgerlichte Christentum eine Folge der Abkühlung der ersten Liebe gewesen wäre, sozusagen das Christentum der in der Liebe lau Gewordenen, denen die Liebesleidenschaft der ersten Christen gegenüberzustellen wäre  –  nein: beide Ausgestaltungen seien gleichursprünglich und beide auch so von Jesus Christus gewollt.

Die radikale Nachfolge Christi ist die der  Nachfolge im wörtlichen Sinne: man zog mit dem Wanderprediger Jesu los, man rief nicht wie Johannes der Täufer die Menschen zu sich, sondern ging zu ihnen, um sie aufzufordern, mitzugehen. Das Ethos dieser Wanderprediger ist das der Heimatlosigkeit, der Familienlosigkeit und Besitzlosigkeit.

Aus dem schlichten Mitgehen ergab sich dieses Ethos von selbst: man verließ seine Heimat, Wohnort, Familie und allen Besitz, weil jede Art von Besitz und jede Art von Familienbindung immobil machte. Alles, was ein bürgerliches Leben ausmacht, Familie, Beruf und Besitz und einen Ort, wo man ansässig ist  –  die Seßhaftigkeit ist die conditio sine qua non jeder Kulturentwicklung  –  ließen die radikalen Nachfolger im wörtlichen Sinne hinter sich, indem sie mit Jesus durch Israel zogen.

Die Radikalität urchristlicher Nachfolgeaufforderungen hat da seinen Sitz im Leben: wer erst seine Eltern beerdigen möchte, bevor er Jesus nachfolgen will, kann ihm nicht nachfolgen, denn nach der vollzogenen Beerdigung ist die Gruppe der Wanderprediger längst weiter weggezogen, so daß der Nachfolgewillige nicht mehr nachfolgen kann.

Jede Art von inmobilen Besitz (die bequem bei sich tragbare Kreditkarte gab es noch nicht) verunmöglichte so ein Mitgehen, jede Art von Familienbindung verunmöglichte es, ganz nur noch mit Jesus zu leben.

Konsequente Nachfolge: alles hinter sich lassen

Nur wer alles, was er hatte, hinter sich ließ, konnte Jesu so nachfolgen – und konnte dann auch das radikale Ethos der Bergpredigt leben: „Widerstrebe nicht dem Bösen“, das kann der allein auf sich gestellte Wanderprediger leben, ein Familienvater nicht: wird seine Familie angegriffen, muß er sie gegen das Böse verteidigen – er kann nicht alles den Armen geben und dann Jesus nachfolgen, denn um des Lebens seiner Familie willen muß er für den Unterhalt sorgen und darf nicht alles  aufopfern. media-401265-2

Wer gar um des Himmelreiches willen enthaltsam lebt, darf seinen Nachfolgestil nicht zum Gesetz für alle machen, denn dann würde die Menschheit in Bälde aussterben. Das ist gewiß nicht der Wille Gottes: der Tod des Menschen durch sein Aussterben in Folge radikaler Nachfolge Jesu.

Darum gab es zugleich die bürgerliche Form der Nachfolge: Theißen spricht hier von den Sympathisanten in den Ortsgemeinden. Natürlich darf hier die antikatholische Intention nicht überlesen werden: daß aus Gemeinden als Depravationsgestalt sich die Kirche herausentwickelte: die Gemeinden verstünden sich als Glied des Judentums und erst das hellenistische Christentum ließ dann daraus Kirche werden als sich vom Judentum abgrenzendes organisiertes Christentum.

Die Nachfolge-Normen der Wanderprediger mußten also umgeformt werden für diese Sympathisantengruppen: „Bei den Verhaltensnormen mußten sich in den Ortsgemeinden die domestizierenden Auswirkungen von Beruf, Familie und Nachbarschaftskontrolle bemerkbar machen…“ [2]

Das führe zu einem Nebeneinander von radikaleren und gemäßigteren Nachfolgeregelungen in den Evangelien. „Es gab also ein abgestuftes Ethos für Wandercharismatiker und ortsansässige Sympathisanten.“ [3]

Es gibt Sondergebote für Vollkommene bzw Menschen, die vollkommen sein wollen und Nachfolgeregeln für jeden.

Vollkommenenheit zugunsten der Kirche

In soteriologischer Hinsicht ist diese Unterscheidung von nicht zu übersehbaren Bedeutung: keineswegs meinte man im Urchristentum, daß nur die Vollkommenen eingehen könnten in das Reich Gottes; es war aber vorstellbar, daß Menschen eine vollkommene Nachfolge lebten und so – um es in ganz unzeitgemäßer Terminologie auszudrücken – verdienstliche Werke aufweisen konnten, die über das Maß der Zulassung zum Eintritt ins Reich Gottes hinausgingen. Sie bereicherten so den Gnadenschatz der Kirche, der dann anderen zu Gute kommen konnte. Aber das nur als kleine Ausschweifung in soteriologischer Hinsicht.

Wesentlicher ist, daß die Gruppe der Wanderprediger ihre radikale Nachfolge nur leben konnten, weil sie von den Seßhaften unterstützt wurden. Jene, die auf allen Besitz verzichteten um des Himmelreiches willen, bekamen das Lebensnotwendige gerade von den Ortsansässigen.

Als Wunderheiler und Prediger zogen sie zu den sich heranbildenden Gemeinden und erhielten als Lohn dort ihren Unterhalt. Der Apostelfürst Paulus bildete da eine Ausnahme, insofern er sich seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit erwirtschaftete. Die „Radikalen“ gaben ihre geistigen Güter und die sie Empfangenen gaben dafür ihnen die materiellen Güter, so daß sie ihr Leben ganz in den Dienst Christi stellen konnten.

Das konnten sie aber nur, weil es neben der radikalen Nachfolge die domestizierte gab, in der der christliche Glaube in Einklang zu bringen war mit den Sozialverpflichtungen von Familie, Beruf und Heimat.

Was ist damit im Sinne Theißens gemeint: Der besitzlose Wanderprediger kann wohl leben nach der Devise, sorge dich zuerst um die Gerechtigkeit vor Gott, das Lebensnotwendige wird dir der Himmel schon geben (Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben: Mt. 6, 33), der Familienvater muß aber um seiner Familie willen täglich für das Lebensnotwendige sorgen, denn täte er das nicht, verstieße er gröblich gegen seine Pflichten als Familienvater.

Zweifache Existenzweise der Nachfolge

Christliche Religion wurde so von Anfang an domestiziert gelebt neben der radikalen Nachfolgepraxis der Besitzlosigkeit und Heimatlosigkeit und Familienlosigkeit. Nicht ein Abfall vom wahren Glauben, nicht ein Abkühlen der ersten Liebe, also lau gewordene Christen erfanden das bürgerlich domestizierte Christentum – sondern die zweifache Gestalt der Nachfolge gab es – von Jesus Christus selbst gewollt: gleichursprünglich als sich wechselseitig bedingende und nur in ihrer Einheit das Christentum darstellende Sozialform. kt2012-p1110153

Theißen stellt nun selbst fest, daß dieses radikale Nachfolge-Christentum in Bälde verschwand und sich die Kirche herausbildete, in der die einstig anerkannten Wanderprediger zu Randfiguren degradiert wurden.

Als Protestanten fehlt ihm natürlich der Blick für die Geburt des Mönchstums aus dem Geiste der radikalen Nachfolge Christi, in der Ehelosigkeit und Besitzlosigkeit nun gelebt wurden und der Weg in die Wüste die gelebte Heimatlosigkeit wurde. Wo er nur melancholisch das Ende des Weges der radikalen Nachfolge sieht, gilt es, die Prolongierung dieser Nachfolge im gelebten Mönchtum zu erkennen.

Das Christentum konnte sich ohne Identitätsverlust bürgerlich gestalten, weil es immer das „Andere“, die radikale Nachfolge Christi in der Sozialgestalt der Wanderprediger und später der Mönche mit sich trug. Problematisch wurde es, wenn versucht wird, diese zwei Formen der Nachfolge auf eine für alle Christen verbindliche zu reduzieren.

Zur Veranschaulichung: Wenn Jesus sagt: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand…“, so kann dies der allein auf sich gestellte Wanderprediger so leben, die Mutter, dessen Kind von jemanden angegriffen wird, wird selbstverständlich, so weit es ihr möglich ist, ihr Kind auch mit Gewaltanwendung vor einem Kinderschänder schützen. Aber damit leistet sie dem Bösen Widerstand. Familie, Beruf, Beheimatetsein in einer sozialen Gemeinschaft müssen notwendigerweise ein anderes Ethos in sich tragen als jenes von Wanderpredigern.

Wenn Jesu radikale Nachfolge die Entäußerung jedes eigenen Besitzes fordert und damit echte Armut, so formte sich dieses Ethos für die Seßhaften um in die Maxime, die stoisch-paulinische, die da lautet: besitzen, als besäße man nicht.

Das „als ob nicht“ spiritualisiert dann die für die Radikalnachfolge wörtlich gemeinte Regel des völligen Besitzverzichtes. Die Einsicht in die Gleichursprünglichkeit und Gleichlegitimität der beiden Formen der Nachfolge kann uns dann vor solchen Harmonisierungs-Versuchen bewahren, in denen immer einer Gestalt zu Lasten der anderen aufgelöst wird.

Hermann Hesse über das „Ideal des Heiligen“

Es ist hier nicht der Ort, Hermann Hesse als großen Schriftsteller zu würdigen. Hesses „Tractat vom Steppenwolf“ in seinem Roman: „Der Steppenwolf“ soll statt dessen hier für diese Erwägung der Verhältnisbestimmung von radikaler Nachfolge und bürgerlichem Christentum fruchtbar gemacht werden. 

„Der Mensch hat die Möglichkeit, sich ganz und gar dem Geistigen, dem Annäherungsversuch ans Göttliche hinzugeben, dem Ideal des Heiligen. Er hat umgekehrt auch die Möglichkeit, sich ganz und gar dem Triebleben, dem Verlangen seiner Sinne hinzugeben und sein ganzes Streben auf den Gewinn von augenblicklicher Lust zu richten. Der eine Weg führt zum Heiligen, zum Märtyrer des Geistes, zur Selbstaufgabe an Gott. Der andre Weg führt zum Wüstling, zum Märtyrer der Triebe, zur Selbstaufgabe an die Verwesung.“ [4]  

Die bürgerliche Existenz sei nun gekennzeichnet durch den Versuch, beide Extreme zu vermeiden und eine wohltemperierte Mitte zu finden und zu leben. Hesse charakterisiert dies wohltemperierte Leben des Bürgers so:

„Nie wird  er sich aufgeben, sich hingeben, weder dem Rausch noch der Askese, nie wird er Märtyrer sein, nie in seine Vernichtung willigen – im Gegenteil, sein Ideal ist nicht Hingabe, sondern Erhaltung des Ichs, sein Streben gilt weder der Heiligkeit noch deren Gegenteil, Unbedingtheit ist im unerträglich, er will zwar Gott dienen, aber auch dem Rausch, will zwar tugendhaft sein, es aber auch ein bißchen gut und bequem auf Erden haben.“  [5] 

Einfacher gesagt: der Wille zugleich, sein Leben ganz auf das Reich Gottes ausrichten zu wollen und zugleich Weltmensch zu sein, führt zu einer Melange, in der alles Radikale sich auflöst und ein wohltemperiertes maßvolles Leben sich generiert.

Aber  –  und das ist nun Hesses zum Weiterdenken anregende These: dieser Durchschnittsmensch lebt nur, indem er immer wieder Impulse von den Extremen, den Außenseitern in sich aufnimmt und aus ihnen lebt.

So ist der Bürger eingespannt in das Widereinander vom Heiligen und Unheiligen, den beiden Extremen und lebt nur so, inwieweit er Impulse vom nichtbürgerlichen Leben rezipiert. Das bürgerliche Christentum braucht die Impulse radikal gelebter Nachfolge in der Sozialgestalt der Wanderprediger oder der Mönche, um sie aufnehmend maßvoll dann christlich zu leben.

Wo das „Radikale“ fehlt, geht auch das Maßvolle zugrunde

Wo das Radikale verloren geht, da geht auch das Maßvolle zugrunde oder öffnet sich einseitig den Impulsen des Unheiligen, dem Extrem des Wüstlings der Triebe. Und wem dies nun eine bloße blutleere Phantasterei erscheinen mag, der solle auf einem Katholikentag einmal auf die Omnipräsenz des Themas Sexualität und Homosexualität achten. Hat das Reformchristentum noch ein anderes Thema als: mehr Sex?

Der Weltpriester ist nun gerade  im bürgerlich-christlichen  Gemeindeleben der Repräsentant des Nichtbürgerlichen. Er lebt familienlos, hat statt ein Zuhause eine Dienstwohnung und lebt berufslos, insofern unter dem bürgerlichen Beruf immer mitverstanden wird die Dualität von Familienleben und Berufsleben, daß eben der Beruf nur eine der Lebensphären des Bürgers ist, wohingegen der Priester ganz Priester ist und nicht etwa nur, wenn er seinen Beruf ausübt, um dann noch Familienmensch und Staatsbürger zu sein.

Sich ganz für etwas hinzugeben, ist dem Bürger nicht möglich, er ist immer zersplittert in verschiedene Sphären  –  der Priester aber ist ganz und gar, ungeteilt nur Priester.

Luthers Erfolg war und ist nun nicht nur die Abschaffung des Mönchstums als radikale Sozialform der Nachfolge Christi, sondern auch die völlige Verbürgerlichung des Pfarrers: er wird zu einem Beruf wie jeder andere auch, einer wie jener der Weltmenschen, die arbeiten und darin ihre Pflicht erfüllen, um dann in der Familie zu leben.

Der katholische Weltgeistliche dagegen gehört in den Raum der radikalen Nachfolge Christi – darum lebt er in der Tradition dieser Nachfolge familienlos und ehelos. Und gerade so bildet er ein Ferment, das das bürgerliche Gemeindeleben der Christen lebendig erhält.

Das gemeinsame und das besondere Priestertum

Das 2. Vaticanum lehrt:

„Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das amtliche bzw. hierarchische Priestertum unterscheiden sich zwar dem Wesen nach und nicht bloß dem Grade nach; dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt auf je besondere Weise am einen Priestertum Christi teil. Der Amtspriester nämlich bildet kraft der heiligen Vollmacht, derer er sich erfreut, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen aber wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der Darbringung der Eucharistie mit und üben es aus im Empfang der Sakramente, im Gebet und in der Danksagung, durch das Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe.“

Was hier unter dem Wesensunterschied begriffen wird, das ist auch subsumierbar unter die Differenz von radikaler und gemäßigter Nachfolge Christi. Indem der Priester das Opfer Christi im heiligen Meßopfer darbringt, lebt er eine radikale Nachfolge Christi, die es so anderen Christen ermöglicht, bürgerlich christlich zu leben.

Friedrich Nietzsche schreibt in seiner „Fröhlichen Wissenschaft“ den bedenkenswerten Satz: „…denn es ist eine Opferung, ein Priester ist und bleibt ein Menschenopfer…“ [6]

Wenn man sich den Weg vom idealistischen Wanderprediger über den Mönch zum Weltgeistlichen vor Augen führt als Ausdifferenzierung des Typos radikal gelebter Christusnachfolge, dann wird man diesem Votum zustimmen müssen.

Wo für Hesse das Herz bürgerlicher Existenz schlägt, im Willen zur Selbsterhaltung  –  und die Religion nur so weit lebbar ist, wie sie dem nicht zuwiderläuft, da übersteigt die radikale Nachfolge das bürgerliche Leben, denn hier wird das ganze Leben in den Dienst Gottes gestellt und dafür auch geopfert.

Dem Katholizismus steht so im Protestantismus ein völlig verbürgerlichte Christentum gegenüber, das nur noch melancholisch gestimmt an die Zeiten der ersten Liebe mit ihrer radikalen Christusnachfolge denken kann  –  aber wenn ihm so die Impulse dieses heiligen Extremes zur Verlebendigung fehlen – von wo her zieht es dann noch Vitalität?

Hesse deutet es an: im negativen Idealbild des Märtyrers der Triebe.

Das mag übertrieben klingen, aber ist nicht die völlige Abschaffung einer christlichen Sexualmoral im Protestantismus ein Indiz dafür, daß man sich hier in domestizierter Form von diesem Extrem influenzieren läßt, weil das andere Ideal, das eines heiligen Lebens, völlig abhanden gekommen ist?

Solange der Katholizismus noch sein Ideal des heiligen Lebens in sich trägt in der Gestalt radikal gelebter Nachfolge, wird es diesen Versuchungen widerstehen können – verbürgerlicht es, dann wird es schnell fallen, weil das bürgerliche Leben ohne die Impulse der Extreme keine Lebenskraft in sich selbst trägt – so die mehr als bedenkenswerte These Hermann Hesses.

Anmerkungen:
[1]    Theißen, Gerd, Sozoiologie der Jesusbewegung. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Urchristentums, 7. Auflage 1977
[2]    Theißen, G. Soziologie der Jesusbewegung, 7. Auflage 1997 S. 22
[3]    Theißen, S. 23
[4]    Hesse, Hermann, Der Steppenwolf, 1974, S. 68
[5]    Hesse, S. 69
[6]    Nietzsche, F., Fröhliche Wissenschaft, 5. Buch, S. 351
 

Unser Autor Uwe C. Lay ist katholischer Theologe und Publizist

Erstveröffentlichung dieses Beitrags im „Theologischen“ (Ausgabe Mai/Juni 2013)

 
 

Buch-TIP: Die evangelische Kirche als Nachlauftruppe der 68er Kulturrevolution

Rezension von Uwe C. Lay

Buch-DATEN:  Klaus Motschmann (Hg): Zeugnis und Widerstand. Der Christ in Kultur-und Kirchenkämpfen unserer Zeit, 2007, herausgegeben von der HMK (Hilfsaktion Märtyrerkirche) in Uhldingen. 192 Seiten, Hardcover.
Das Buch enthält u.a. Beiträge folgender Autoren: Pater Lothar Groppe SJ, Prof. Dr. Klaus Motschmann, Helmut Matthies, Prof. Dr. Konrad Löw, Prof. Dr. Peter Beyerhaus, Pfr. Klaus-R. Latk, Prof. Dr. Klaus Hornung, Pastor Joachim Cochlovius und Caspar v. Schrenck-Notzing.

Klaus Motschmanns Aufsatzband „Zeugnis und Widerstand“ führt den Leser ein in den wohl erfolgreichsten Marsch durch die Institutionen, wie die evangelische Kirche von innen saniert wurde,  entkernt im Inneren. Nur nach außen hin blieben die Fassaden stehen.

Aus Sicht der Verlierer dieses innerevangelischen Kulturkampfes wird der unaufhaltsame Aufstieg des 68er Geistes im Protestantismus dokumentiert.Die 15 einzelnen Aufsätze von verschiedenen bekannten Autoren runden sich dabei ab zu einem Gesamtbild des Untergangs reformatorischer Kirchen im linken Zeitgeist.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Detailreich, aber auch große Zusammenhänge skizzierend, entsteht so ein lebendiges Bild dieser abgeschlossenen Kampfepoche. Die Artikel atmen noch die Lebendigkeit dieser Phase, denn Beteiligte und Engagierte ergreifen hier das Wort.

Es ist trotzdem eine vergangene Kampfepoche, die uns hier vor Augen gemalt wird. War das Movens der 68 Kirchendeformer die Umfunktionierung der christlichen Gemeinden zu Avantgarden der radikalen Demokratisierung und Entbürgerlichung der Gesellschaft, ja der Beseitigung der so arg geschmähten kapitalistischen Gesellschaftsordnung, so mutierte dieser Ungeist nach 1989 in eine linksliberale Anpassung der Kirche an die fortschrittliche moderne Gesellschaft:

Jetzt wurde die Gesellschaft zum Licht der Kirche und es galt, deren Fortschritt in der Kirche nachzuvollziehen, statt ihn als Avantgarde erst anzustoßen. Die evangelische Kirche will so zur Nachlauftruppe der 68er Kulturrevolution  werden.

In diesem Buch erleben wir so die Abwehrkämpfe, die kenntnisreich beschrieben werden. Aber es wird doch vor den letzten Fragen zurückgewichen: Was ermöglichte es dem linken Zeitgeist so leicht, diese Festung einst konservativer Bürgerlichkeit einzunehmen?

Könnte dafür das schwache Fundament des reformatorischen Christentums selbst verantwortlich sein mit seinen drei „Alleins“ ? Aber diese Schwäche kompensiert dieses Buch durch seinen Detailreichtum und die Lebendigkeit seiner Darstellungen.

Lesenswert vor allem für jeden, der ein anschauliches Beispiel für den erfolgreichen Marsch durch eine Institution sucht. Es zeigt die Stärke der Unterwanderer auf, aber auch –  unfreiwillig –  die Schwächen der konservativen Verteidiger!

Unser Autor Uwe C. Lay ist Publizist und Theologe, er war reformierter Vikar und konvertierte zur katholischen Kirche.

Das rezensierte Buch kann für preiswerte 5 Euro bei uns erworben werden (Tel. 0251-616768 / felizitas.kueble@web.de)


Führender Evangelikaler übt scharfe Kritik am Zustand des deutschen Protestantismus

Die folgende Stellungnahme des evangelischen Pastors Ulrich Rüß veröffentlichte jetzt die Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

Der Hamburger Pfarrer i.R. ist Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften und Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis:

Kirche von heute sollte nicht verstaubt, sondern zeitgemäß und offen sein. Das meinen alle. Die Frage ist nur, wie soll man das verstehen? Jeder haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter wird auf Schrift und Bekenntnis verpflichtet. Sie sind Norm und Maßstab kirchlichen Handelns. Hier wird jeder selbstbestimmten Frömmigkeit und Beliebigkeit in Glaubenswahrheiten eine Grenze gesetzt.

Das heißt: Kirche soll die alten elementaren Glaubensinhalte, wie sie uns in der Bibel bezeugt und durch die Altkirchlichen Bekenntnisse wiedergegeben werden, den Menschen von heute erschließen und nahebringen. Demnach mögen sich Formen christlicher Verkündigung ändern, nicht jedoch deren Inhalt. So sollte es sein.

Selektiver Umgang mit der Bibel

Die geistlich-theologische Wirklichkeit in den evangelischen Landeskirchen wird jedoch diesem Anspruch längst nicht immer gerecht, steht bisweilen sogar in offenem Widerspruch zu ihm. media-358103-2

Ein selektiver Umgang mit der Bibel und mancher Bibelkritik stellen die Verbindlichkeit und Autorität der Bibel in Frage. Maßstab der Bibelauslegung und Interpretation ist dann neben der historisch-kritischen Betrachtungsweise der gesellschaftspolitische Kontext.

So wurde beispielsweise jenes Pfarrerdienstrecht beschlossen, das gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in den Pfarrhäusern ermöglicht, wohl wissend, daß die Bibel sich eindeutig gegen praktizierte Homosexualität ausspricht. Mit Bezug auf die Liebe zu den Menschen und beeinflußt durch den gegenwärtigen Meinungsstrom wird diese eindeutige Aussage übergangen oder „neu“ interpretiert.

Stand früher die evangelische Kirche klar für die Stärkung und Favorisierung von Ehe und Familie, so gilt das heute nicht mehr. Ehe und Familie werden gemäß Feminismus und Gender Mainstreaming neu definiert, anderen Lebensformen, auch der sogenannten Homoehe, gleichgestellt.  Der Genderideologie wurden alle Türen geöffnet.

In biblisch-ethischen Glaubensfragen, die den Schutz des Lebens betreffen, hat die evangelische Kirche keine Gemeinsamkeit mit der katholischen Kirche. Das gilt für die Abtreibungspraxis ebenso wie für die Präimplantationsdiagnostik, die Genforschung und die Frage nach dem Recht auf Selbsttötung.

Wesentliche Kernaussagen umgedeutet

Aber auch in Lehr- und Bekenntnisfragen werden elementare Glaubenssätze weggelassen oder bekenntniswidrig umgedeutet mit dem Hinweis, man könne diese dem Menschen von heute nicht mehr zumuten oder verständlich machen. Dazu gehört etwa der Glaube an den Sühnetod Jesu. Daß Jesus für die Sünde der Menschen am Kreuz gestorben ist, sei heute nicht mehr vermittelbar. Auch hier wird unter Berufung auf die Liebe Gottes diese Kernaussage fallengelassen.

Die Liebe Gottes und das biblische Zeugnis werden gegeneinander ausgespielt. Dann kann man nicht mehr das „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser“ singen, obwohl es Bestandteil jedes Abendmahlsgottesdienstes ist. Aber dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Alle wesentlichen Bekenntnisse und Glaubensaussagen müssen heute durch das Schüttelsieb der intellektuellen Redlichkeit, durch die Schleuse einer liberalen, zeitgeistorientierten Theologie.

Hauptgefahr: die Verweltlichung der Kirche

Dies alles sind deutliche Merkmale der Säkularisierung, Verweltlichung der Kirche. Die Hauptgefahr für die Kirche kommt nicht durch ihre Gegner von außen, sondern durch die Selbstsäkularisierung im Inneren. Und diese geht zu Lasten des eigenen Profils.

Es gibt zwar eine Fülle von Aktivitäten, Aktionen bis hin zum Aktionismus, aber das „Kerngeschäft“ der Kirche, die Weitergabe und Vertiefung des Glaubens, die Evangelisierung und nachgehende Seelsorge kommen zu kurz.

Das Engagement für gesellschaftlich relevante Themen wie Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung ist deutlich stärker als die leidenschaftliche Bezeugung und Weitergabe des Evangeliums auch bei denen, die nicht Christen oder nicht mehr Christen sind.

Auch die evangelische Kirche ist von der „Diktatur des Relativismus“ (Benedikt XVI.) erfaßt. Wie anders läßt es sich sonst erklären, daß Imame sogar im christlichen Abendmahlsgottesdienst durch Kanzelrede und Gebet unter Auslassung christuszentrierter Texte mitwirken. Es wird der Eindruck vermittelt, als glaubten Moslems und Christen an denselben Gott; und das zu Lasten des Wahrheitsanspruchs Jesu, der sagt: „Ich bin die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Keine Gruppe tritt so vehement für den islamischen Religionsunterricht ein wie die Kirche. So wird der christliche Glaube relativiert. Kein Wunder, wenn dann das missionarische Engagement ausbleibt. Im evangelischen Magazin Chrismon wird in der Osterausgabe die Botschaft von der Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung nicht erwähnt.

Trotz dieser Fehlentwicklung der Säkularisierung, Relativierung und Anpassung an den Zeitgeist gibt es in der evangelischen Kirche lebendige, wachsende bibel-und bekenntnistreue Gemeinden. Unsere Gesellschaft braucht jedoch verstärkt eine bibeltreue, bekenntnisfreudige, unangepaßte Kirche mit christuszentriertem, missionarischem Profil als Brückenbauer zu Gott. So bleibt und wird sie ein Segen und nur so hat sie Zukunft.

 


Evangelikale üben scharfe Kritik an ihren evangelischen Kirchenleitungen: „Irrlehren werden geduldet und unterstützt“

Heftige Kritik an einer „zunehmenden Verweltlichung“ der evangelischen Landeskirchen wurde auf der 100. Sitzung des Leiterkreises der Konferenz Bekennender Gemeinschaften  –  einem Dachverband theologisch konservativer Gruppen  –  am 13. April in Kassel laut.

Wie der Vorsitzende, der Hamburger Pastor Ulrich Rüß, sagte, habe sich die geistlich-theologische Situation in den Landeskirchen seit der Gründung der Konferenz Bekennender Gemeinschaften 1970 „leider nicht grundsätzlich verbessert“: media-358103-2

„Nach wie vor werden Irrlehren geduldet und gefördert.“ –  Das Verständnis der Bibel und der überlieferten lutherischen Theologie werde dem heutigen Zeitgeist vielfach angepaßt. Das zeigten der Einfluß von Feminismus, Genderismus und die Duldung homosexueller Lebensgemeinschaften auch und gerade in den Pfarrhäusern.

Prof. Beyerhaus einer der Gründerväter

Der Ehrenpräsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Missionswissenschaftler Prof. Peter Beyerhaus, erinnerte an die Anfänge der deutschen Konferenz. Er gehörte selber zu den Gründungsvätern, u.a. neben Pfarrer Rudolf Bäumer (1912-1993) und Prof. Walter Künneth (1901-1997). Die meisten von ihnen hätten im Dritten Reich zur „Bekennenden Kirche“ gehört, die sich gegen Irrlehren der Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus wandten.

Die Bekennenden Gemeinschaften hätten sich gegen die „Gott-ist-tot-Theologie“ engagiert wie auch gegen eine liberale, zeitgeistorientierte Theologie, die die Autorität der Heiligen Schrift und das christliche Bekenntnis infrage gestellt hätten.

Heute gehören 17 Bekennende Gemeinschaften zur Konferenz in Deutschland, darunter die Kirchlichen Sammlungen in den verschiedenen Landeskirchen, der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC), die Evangelische-Lutherische Gebetsgemeinschaft, der Gemeindehilfsbund und als Gastmitglied die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK).

Quelle: http://www.idea.de


Der Protestantismus und die Frage nach Ritualen, Symbolen und feierlicher Liturgie

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Die Wahl eines neuen Papstes war tagelang das Top-Ereignis in den säkularen Medien. Hunderte Millionen Menschen in aller Welt verfolgten die Berichterstattung über das Konklave. Journalisten zufolge liegt das gewaltige Interesse auch an der Faszination der alten Rituale.

Großereignisse in den evangelischen Kirchen stoßen dagegen auf weit weniger Aufmerksamkeit. Es stellt sich die Frage: Ist der Protestantismus zu nüchtern? Dazu nehmen zwei Theologen in der Rubrik „Pro & Kontra“ des Wochenmagazins „idea-Spektrum“ Stellung.

PRO: Für festliche Gottesdienste 

Der Älteste (Leiter) der evangelischen Michaelsbruderschaft, Pfarrer Frank Lilie, bejaht die Frage. Er bezieht sich auf den Gottesdienst. In ihm schenke sich Christus „uns in Wort und Sakrament und wir schenken uns ihm“

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Die für den Gottesdienst gewählten Formen müssten dazu passen: „Sie sollten festlich sein, keine Wiederholung der Alltäglichkeit. Der Alltag gewinnt vom Fest aus seine Bedeutung, nicht umgekehrt. Die Woche lebt vom Sonntag her, das Jahr von Ostern.“ 

Die Sorge mancher Christen vor der ablenkenden Macht der Formen sei freilich begründet, wo die Verpackung wichtiger als der Inhalt zu sein scheine: „Sind Formen aber eine Hilfe für die Erfahrung der Gegenwart Christi und leben von innen heraus, dürfen sie bunt, schön und vielgestaltig sein, festlich eben – wie es ja in den Kirchen der Welt auch geübt wird.“   –   Und dies brauche zwischen den Konfessionen nicht zu trennen.

KONTRA: Katholiken nicht nachahmen

Der ev. Theologe Prof. Rolf Wischnath aus Gütersloh mahnt dagegen zu mehr Nüchternheit. Der Respekt vor den Katholiken sollte Protestanten nicht zur Nachahmung veranlassen: „Den Wettbewerb um die Buntheit der Amtstrachten verlieren wir ohnehin.“

Protestanten seien zur Konzentration gerufen, nicht zur zeremoniellen Üppigkeit: „Sie sollen das Licht des Glaubens und der Liebe leuchten lassen, nicht Kerzen hin und her tragen.“  –  Ihre Aufgabe sei es, „das Wort zu sagen, das zuchtvolle Gebet zu sprechen und die beiden  –  und nicht mehr!  –  Sakramente Taufe und Abendmahl zu ehren“. Im Gottesdienst sei „innere Sammlung nötig, nicht beflissene Aufmerksamkeit auf Gewänder und Gesten“.

Wischnath plädiert dafür, den schwarzen Talar beizubehalten. Er verdeutliche, dass es in der Verkündigung keine Rangunterschiede gebe, und er erspare Pastor und Gemeinde die Kleiderfrage: „Der Talar ist das Logo des evangelischen Predigers.“