Kurt Tucholsky 1931: Es lastet auf dieser Zeit der Fluch der Mittelmäßigkeit…

An das Publikum

O hochverehrtes Publikum,

sag mal: Bist du wirklich so dumm,

wie uns das an allen Tagen

alle Unternehmer sagen.
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: „Das Publikum will es so!“

Jeder Filmfritze sagt: «Was soll ich machen?

Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!»

Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:

„Gute Bücher gehn eben nicht!“

Sag mal, verehrtes Publikum:

bist du wirklich so dumm?

So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,

immer weniger zu lesen steht?

Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;

aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;

aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn

könnten mit Abbestellung drohn?

Aus Bangigkeit, es käme am Ende

einer der zahllosen Reichsverbände

und protestierte und denunzierte

und demonstrierte und prozessierte . . .

Sag mal, verehrtes Publikum:

bist du wirklich so dumm?

Ja, dann . . .

Es lastet auf dieser Zeit

der Fluch der Mittelmäßigkeit.

Hast du so einen schwachen Magen?

Kannst du keine Wahrheit vertragen?

Bist also nur ein Grießbrei-Fresser –?

Ja, dann . . .

Ja, dann verdienst du´s nicht besser.

Kurt Tucholsky

„Die Weltbühne“ vom 7. Juli 1931


Schauspieler-Kampagne #allesdichtmachen

In einer groß angelegten Internet-Aktion unter dem Titel #allesdichtmachen kritisieren rund 50 deutsche Film- und Fernsehschauspieler in jeweils unterschiedlichen Video-Ansagen einige Corona-Maßnahmen der Bundesregierung.

Die ironisch-sarkastisch formulierten Beiträge loben ­– rein dem Wortlaut nach – die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung.

Die bereits gestern Abend u.a. auf YouTube und Instagram zeitgleich gestarteten Videos wurden innerhalb kürzester Zeit massenhaft aufgerufen, teilweise über 500.000 Mal.

Die Kampagnen-Website „allesdichtmachen.de“ konnte heute nicht mehr aufgerufen werden.

Einige der beteiligten Schauspieler/innen sind derart unter linken Druck geraten (vor allem durch Fernseh-Polemiken), daß sie sich von ihrem eigenen Filmbeitrag öffentlich distanzierten, sich selbst anklagten oder gar „um Verzeihung“ baten.

Näheres dazu schreibt der liberale Blogger und Künstler Gerd Buurmann aus Köln: https://tapferimnirgendwo.com/2021/04/23/distanziert-euch-nicht/ und hier: https://tapferimnirgendwo.com/2021/04/25/dreht-den-spiess-um/) Auch der ehem. Chefredakteur des „Spiegel“, der Publizist Stefan Aust, hat die Meinungsfreiheit der Künstler entschieden verteidigt.

Prof. Dr. Jörg Meuthen (siehe Foto), Bundessprecher der AfD, erklärt zu der „umstrittenen“ Aktion:

„Namhafte deutsche Film- und Fernsehschauspieler, die einem großen Publikum vor allem durch ARD- und ZDF-Sendungen bekannt sind, wenden sich in sarkastisch formulierten Statements gegen die Politik der Bundesregierung – so etwas hat es in dieser originellen, künstlerischen Form noch nie gegeben.

Dass dies jetzt wegen Merkels Corona-Politik passiert, zeigt, wie schwerwiegend und belastend die Lockdown-Maßnahmen der Endloskanzlerin offenbar sind. Denn diese Schauspieler riskieren mit ihrer Aktion ihre berufliche Zukunft, zumindest im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

ARD-Rundfunkratsmitglied Garrelt Duin (SPD) hat bereits gefordert, die Zusammenarbeit mit diesen Schauspielern einzustellen. Dies ist in einer freiheitlichen Demokratie ein völlig inakzeptabler Vorgang.

Protest, der sich der sich des Stilmittels der Ironie bedient, ist oft Ausdruck real existierender Machtverhältnisse: Wo direkte Kritik das Risiko massiver persönlicher Nachteile beinhaltet, verlegt man sich auf Ironie und Sarkasmus. Schon die Hofnarren im Mittelalter verfuhren nach diesem Prinzip.

Dass im Deutschland des Jahres 2021 prominente Schauspieler wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Meret Becker und viele andere es ihnen jetzt bei ihrer Kritik an der Corona-Politik gleichtun, macht überdeutlich, wie es um die Meinungsfreiheit in Deutschland mittlerweile steht.

Bleibt zu hoffen, dass Heike Makatsch und Richy Müller, die sich heute bereits öffentlich von der Aktion distanziert haben, ein Einzelfall bleiben. Denn der Protest der Schauspieler gegen die Lockdown-Maßnahmen von Kanzlerin Merkel ist mehr als berechtigt.“


Die Kirche sollte auf den „Smart“ umsteigen…

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Zustimmung oder Ablehnung zu Referaten oder Podiumsdiskussionen sagen etwas aus über die Gesinnung der Zuhörer. Die Befindlichkeit des Katholikentags-Publikums bei der Diskussion zwischen Kardinal Woelki und dem evangelischen Kabarettisten Eckard von Hirschhausen über das Thema „Wann stört Religion? Was stört an Religion?“ ist sehr aussagekräftig.

Eckard v. Hirschhausen, der mit einer katholischen Frau verheiratet ist und eine gemeinsam veranschlagte Kirchensteuer für die katholische Kirche zahlt, forderte in dieser Diskussion: „Dafür will ich auch eine Oblate, wenn ich mit meiner Frau zur Messe gehe“.

BILD: Abschlußmesse des Katholikentags auf dem Schlossplatz in Münster

Kardinal Woelki hielt dagegen, dass die „Eucharistie das Allerheiligste ist, die auch eine bekenntnishafte Dimension“ habe. Aber „Hirschhausen wurde für seine Polemik vom Publikum gefeiert“.

Ob die Lehre der Kirche einem solchen Publikum noch zu vermitteln ist, darf bezweifelt werden.

Die katholische Lehre sagt: „Die Eucharistie als Sakrament der Sakramente nimmt eine einzigartige Stellung ein: Alle Sakramente sind auf sie als Ziel hin geordnet“ (KKK 1211) …„Die Teilnahme am göttlichen Leben und die Einheit des Volkes Gottes machen die Kirche zur Kirche; beide werden durch die Eucharistie sinnvoll bezeichnet und wunderbar bewirkt“ (KKK 1325) …“Die Eucharistie ist also der Inbegriff und die Summe unseres Glaubens“ (KKK 1327) …“Eine besonders schwere Sünde ist das Sakrileg dann, wenn es sich gegen die Eucharistie richtet, denn in diesem Sakrament ist der Leib Christi substantiell gegenwärtig“ (KKK 2120).

Vielleicht sind Bischöfe, Priester und katholische Laien am Zustand dieses Katholikentags-Publikums mitschuldig, weil sie die deutsche Ortskirche noch immer als Volkskirche sehen, die mit dem großen Mercedes der 24. Mio. Kirchensteuerzahler daherkommt und sich für bedeutsam hält.

Tatsächlich wird sie weder in der Politik noch in der Gesellschaft für wichtig angesehen. Die deutsche Ortskirche sollte realistischerweise in den kleinsten fahrbaren Untersatz, dem „Smart“ der 1 – 5 Prozent der Katholiken umsteigen, die noch bereit sind, ihr Leben an der Lehre der Kirche auszurichten. So könnte sie vielleicht wieder zum Licht auf dem Berg werden.

Unser Autor Prof. H. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift „Der Fels“