Geplante Preisverleihung an „Pussy Riot“ ist bezeichnend für die „kulturelle Selbstdemontage Deutschlands“

Christ in der Gegenwart wendet sich gegen „grotesken Selbsthaß“ hierzulande

In einem Redaktions-Kommentar bezieht die im Herder-Verlag erscheinende Wochenzeitschrift Christ in der Gegenwart (CiG) in ihrer Nr. 45/2012 profiliert Stellung zur Debatte um Pussy Riot und eine vorgesehene Preisverleihung des „Bundes der Lutherstädte“ an diese russische Punkband.

Der Artikel erinnert daran, daß Pussy Riot  – so wörtlich –  „vulgär-blasphemisch vor der Ikonenwand der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale herumhampelten, herumkrakeelten und zwecks Protests gegen Putin sowie die kirchliche Obrigkeit das Heilige des Christentums herabsetzten.“

Sodann wird hinsichtlich des Preisvorschlags der Lutherstadt Wittenberg an diese Punkband festgestellt:

„Es ist ein Mosaikstein in einem schon länger zu beobachtenden Prozess der kulturellen Selbstdemontage Deutschlands. Bereits vor sechs Jahren hatte der Publizist Henryk M. Broder in seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren!“ die seltsame Lust dieser Gesellschaft aufgespießt, die eigenen geistigen Errungenschaften kleinzureden, mit vorauseilendem Gehorsam zum Beispiel vor den Sonderansprüchen der islamischen Einwanderung einzuknicken und widerstandslos Wahrheiten preiszugeben. Das geht nicht selten einher mit groteskem Selbsthass.“

Zweifellos eine erfreulich klare Sprache, zumal für eine eher liberale, reformkatholisch geprägte Zeitschrift.

CiG bringt diese „Selbstdemontage“ dann noch deutlicher auf den Punkt hinsichtlich der allgegenwärtigen Attacken auf Religion und Kirche:

„Besonders betrifft dies das Feld der Religion, wie man an der gesteigerten Interesselosigkeit, an der heftigen Ablehnung alles Kirchlichen erkennen kann. Die große Mehrheit der Bevölkerung zeigt sich unwillens, unfähig, das christliche Erbe zu bewahren, zu pflegen, energisch zu verteidigen, ja offensiv zu reformieren. Stattdessen kommt vielen vieles recht, was in Gestalt sogenannter Satire oder billigster „Comedy“ das Christliche herabsetzt, etwa bei den „Pussy Riot“-Leuten.“

 


Orthodoxe kritisieren Nominierung von „Pussy Riot“ für einen Lutherpreis

Margot Käßmann lobt jene russische Punkband, die orthodoxe Kirchenvertreter beschimpfte

Mit Unverständnis hat ein führender Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland auf die Nominierung der russischen Punkband Pussy Riot für den Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ reagiert.

Ebenso befremdlich seien manche Reaktionen aus der evangelischen Kirche, etwa Äußerungen der EKD-Botschafterin fürs  Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann. Die ehem. Bischöfin hatte die Nominierung von Pussy Riot begrüßt und als „guten Preisvorschlag“ bezeichnet. Sie empfinde eine „große Sympathie mit den jungen Frauen“, weil sie mutig gewesen seien.  

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Wie der Generalsekretär der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Nikolaj Thon, der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, zeigt beides, wie weit sich die Wertevorstellungen der russisch-orthodoxen Kirche und führender Repräsentanten des deutschen Protestantismus voneinander entfernt haben.

In weiten Teilen der evangelischen Kirche scheine anstelle der Freiheit des Evangeliums eine „Freiheit pur“ getreten zu sein.

Sein Eindruck sei, dass im „Mainstream-Protestantismus“ in Deutschland alles begeistert begrüßt werde, was in Russland gegen den Strom schwimme: „Je oppositioneller, desto besser.“

Der Begriff „Tradition“ hat in der Orthodoxie einen guten Klang

Das zeige sich beispielsweise auch in der Debatte um Homosexualität. Während der Begriff „Tradition“ für orthodoxe Christen einen positiven Klang habe, sei er in weiten Teilen des Protestantismus offenbar gleichbedeutend damit, rückständig zu sein, sagte Thon.

Angesichts dieser Differenzen erscheine ein Dialog zwischen Orthodoxen und etlichen führenden Vertretern der evangelischen Kirche immer weniger sinnvoll: „Ich sehe immer weniger das gemeinsame Fundament dafür.“

Die Frauenband „Pussy Riot“ hatte am 21. Februar in der russisch-orthodoxen Kathedrale „Christus der Erlöser“ ein „Punkgebet“ gegen Präsident Putin und Vertreter der orthodoxen Kirche angestimmt. Dabei hatten die Sängerinnen beim Auftritt und in einem späteren Videoclip Kirchenvertreter als „Sch… des Herrn“ und russisch-orthodoxe Christen als „Kriecher“ verspottet. Zwei Bandmitglieder wurden daraufhin wegen Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Straflager verurteilt.

Evangelikale Kritik: Käßmann schadet der Ökumene

Der Präsident der evangelikalen Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß, erklärte gegenüber IDEA, mit ihrem Auftritt habe „Pussy Riot“ die Verletzung und Demütigung russischer Christen bewusst ins Kalkül gezogen.

Doch auch für den engagierten Verfechter von Menschenrechten habe zu gelten, dass Blasphemie und Herabwürdigung von Gläubigen kein Mittel des Protests sein könne. „In ökumenischem Geist sollten die evangelischen Christen fest an der Seite der orthodoxen Christen stehen. Ökumene hat hier den Ort der Bewährung, will man nicht bei Sonntagsreden verharren“, so Pastor Rüß.

Er fügte hinzu: „Margot Käßmann hat sich als Botschafterin für das Reformationsjubiläum und das Anliegen der Reformation unglaubwürdig gemacht. Und das zum Schaden der Ökumene weltweit.“

Auch liberale Protestanten erklären: Keine Gotteslästerung ehren!

Der Vorschlag der Stadt, die Punkband für den Preis zu nominieren, war aber auch in liberalen kirchlichen Kreisen auf teils heftige Kritik gestoßen. So hatte der Theologe und frühere DDR-Bürgerrechtler, Friedrich Schorlemmer, erklärt, eine Lutherstadt solle keine „Gotteslästerung“ ehren. Die Punkband habe mit ihren Texten am falschen Ort provoziert.

Der Wittenberger Propst Siegfried Kasparick hatte sich ebenfalls gegen die Nominierung ausgesprochen, weil sich die Stadt Wittenberg damit „lächerlich“ mache. Auch in der örtlichen Politik regte sich Widerstand gegen die Nominierung.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur www.idea.de


Späte Einsicht in Wittenberg: Wird die Nominierung von „Pussy Riot“ für den Luther-Preis zurückgenommen?

Friedrich Schorlemmer: Lutherstadt soll keine Gotteslästerung ehren!

Die Nominierung der russischen Punkrock-Band Pussy Riot für den Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ soll wieder gekippt werden. Dafür setzen sich zwei Fraktionen in Wittenberg ein. Die Stadt selbst hatte die Band zuvor für die Auszeichnung vorgeschlagen. Die Auszeichnung wird von dem 16 Orte umfassenden Bund der Lutherstädte seit 1996 vergeben.

Derzeit prüfen die Kommunalaufsicht und das städtische Rechtsamt, ob das Votum des Hauptausschusses zurückgenommen werden könne. Den Rückzieher beantragt haben die Fraktion „Allianz der Bürger“ und die CDU-Fraktion. 

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis der deutschen Lutherstädte wird im April 2013 in Luthers Geburtsort Eisleben zum neunten Mal verliehen. 

Indes nimmt die Kritik an dem Vorschlag aus Wittenberg zu. Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer sagte der Leipziger Volkszeitung, es sei „ein verheerendes Zeichen, wenn mit ‚Pussy Riot‘ der Vorschlag unserer Stadt den Sieg davontragen würde“.

Die Qualität der Texte sei anrüchig. Zwar habe er durchaus Verständnis für den Protest der Frauen, so Schorlemmer. Allerdings sei am falschen Ort provoziert worden. Eine Lutherstadt solle keine „Gotteslästerung“ ehren.

Einer der ersten Gegner der Nominierung, der evangelische Propst Siegfried Kasparick aus Wittenberg, bekräftigte seine Ablehnung. Auch er teile die Kritik am Gerichtsurteil. In Deutschland werde aber außer acht gelassen, daß die unter Stalin gesprengte Kirche, in der die Band aufgetreten war, Symbolort für die Freiheit des Glaubens in Rußland sei. Im Liedtext werde dies jedoch lächerlich gemacht: das dürfe nicht noch mit einem Lutherpreis gewürdigt werden, betonte Kasparick. 

Nach Auskunft der Eislebener Stadtverwaltung wäre es wohl das erste Mal, dass ein Vorschlag zurückgezogen wird. Derzeit lägen vier Nominierungen vor, eine weitere sei angekündigt. Der nächste Preisträger soll von Vertretern der Lutherstädte Anfang November in Eisleben ausgewählt werden. 

Quelle: www.jesus.de


Pussy-Riot-Debatte: Orthodoxe Kirche vermißt Solidarität und Mitgefühl in Deutschland

Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland haben die „einseitige“ Debatte um die umstrittene Punkband Pussy Riot kritisiert.

Drei Mitglieder der Gruppe waren in Rußland am 17. August wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden.

Das Urteil löste international heftige Proteste aus  –  auch bei deutschen Politikern und der EKD (Evang. Kirche in Deutschland).

Die Frauenband hatte am 21. Februar in der russisch-orthodoxen Kathedrale Christus der Erlöser ein „Punkgebet“ gegen den heutigen Präsidenten Wladimir Putin und Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche angestimmt.

Nach kirchlichen Angaben hatten die Sängerinnen bei dem Auftritt und in einem danach erstellten Videoclip Kirchenvertreter als „Sch… des Herrn“ und russisch-orthodoxe Christen als „Kriecher“ verspottet.

Die Verwendung von Schimpfwörtern im Zusammenhang mit dem Namen „unseres Herrn“ Jesus Christus und der „Gottesmutter“ Maria stufte Patriarch Kyrill I. als „blasphemisch“ ein.

Bei der Aktion habe es sich weder um „Kunst“ noch um ein „Gebet“ gehandelt, sondern um eine „Störung des Kirchenfriedens“, Beschimpfung von Gläubigen und Geistlichen sowie eine Verhöhnung der orthodoxen Gebetstradition, erklärten der Diözesansekretär der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Erzpriester Nikolai Artemoff, und deren Beauftragter am Sitz der Bundesregierung, Priester André Sikojev.

Sie bedauern, daß man bei den vielen Äußerungen über die „PR-Aktion auf Kosten der Kirche“  –  etwa von Künstlern, Parlamentariern und „sogar“ der Bundeskanzlerin Angela Merkel   –  „kein Wort des Mitgefühls, geschweige denn einer Solidarität mit den Gläubigen Russlands“ und der betroffenen Moskauer Gemeinde gehört habe.

Was wäre, wenn islamische Führer verhöhnt würden?

Die Geistlichen erklären weiter:

„Wir bezweifeln, dass belehrende Forderungen nach ‚Freiheit der Kunst‘ mit derselben Einseitigkeit und Kritiklosigkeit verlautbart würden, wenn Randalierer zum Beispiel in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald oder in der Berliner Synagoge eine ‚Sch…-Hymne‘ unter Beschimpfung des Staates Israel bzw. in der Kölner Moschee mit Verhöhnung religiöser Führer und Nachäffung von Gebetsgesten singen würden …“

Nach den Worten der Geistlichen darf man „von jedem legitimen und demokratischen Rechtstaat den Schutz des Kirchenfriedens und des Religionsfriedens erwarten“.

Gleichzeitig könne die Kirche im Hinblick auf eine zu erwartende Berufungsverhandlung „um eine Milderung des Strafmaßes bitten“.

Die Verteidigung der drei „Pussy Riot“-Sängerinnen hat am 27. August Berufung gegen die Urteile eingelegt. Zuvor waren zwei weitere Mitglieder vor der Strafverfolgung aus Russland geflohen.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Pussy Riot: Stellungnahme des Obersten Kirchenrats der russisch-orthodxen Kirche

Zum Gerichtsurteil über jene Personen, die den geweihten Bereich der Christus-Erlöser-Kathedrale geschändet haben

In Bezug auf die Entscheidung des Stadtbezirgsgerichts Chamownitscheskij in der Sache des öffentlichen Ärgernisses in der Christus-Erlöser-Kathedrale hat der Oberste Kirchenrat der Russischen Orthodoxen Kirche eine Erklärung abgegeben:

Der Oberste Kirchenrat erachtet es für wichtig, die Position der Kirche hinsichtlich des gotteslästerlichen Vorfalls in der Christus-Erlöser-Kathedrale noch einmal darzulegen, ebenso bezüglich des ergangenen Urteils.

Während wir die Notwendigkeit einer entsprechenden Reaktion von staatlicher Seite anerkennen, möchten wir doch die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass eine juristische Bewertung des Vorfalls außerhalb der Zuständigkeit der kirchlichen Obrigkeit liegt. Die Festlegung des Umfangs von Vorbeugungs- und Strafmaßnahmen fällt in die ausschließliche Kompetenz des weltlichen Gerichts. (…) Die pastorale Pflicht der Kirche ist es, eine geistliche und moralische Einschätzung dessen abzugeben, was vorgefallen ist.

Das Vorgefallene ist Gotteslästerung und Frevel, eine bewußte und gezielte Schmähung von Heiligtümern, eine Demonstration äußerster Feindseligkeit gegenüber Millionen von Menschen und ihren Gefühlen.

Deshalb kann man sich unter keinen Umständen damit einverstanden erklären, das in der Kathedrale vorgefallene Spektakel als Gebet zu betrachten, welches auf eine untraditionelle Art und Weise vorgetragen wurde.

Leider haben solche Versuche viele Menschen desorientiert, einschließlich von Mitgliedern der Kirche, welche in Unwissenheit darüber verharren, welche lästerlichen und niederträchtigen Worte auf dem Ambo der Christus-Erlöser-Kathedrale zu hören gewesen sind. (…)

Gotteslästerung stellt eine schwere Sünde dar. Ein orthodoxer Christ kann keinen Anteil an einer Gotteslästerung haben, er kann sie nicht gutheißen, kann sie weder direkt noch indirekt befürworten.

Es besteht ein Unterschied zwischen Sünden wider den Menschen und Sünden wider Gott. Wenn ein Christ als Person Opfer geworden ist, so ist er dazu angehalten, demjenigen zu vergeben, der gegen ihn gesündigt hat. Doch die Vergebung einer Sünde gegen Gott ist unmöglich, ohne dass es den Sünder aufrichtig reut.

Im Evangelium lesen wir, dass Christus denen vergab, die Ihn als Mensch angefeindet haben, gleichzeitig aber warnte Er vor der Sünde wider den Heiligen Geist: “Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts” (Mk 3:29).

Die Gotteslästerung ist das Hauptmerkmal eines Feindes Gottes, wie er in der Offenbarung beschrieben wird: “…und tat seinen Mund auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern Seinen Namen und Seine Hütte und die im Himmel wohnen.” (Offb 13:6).

Es wäre eine Anmaßung der Kirche, im Namen Gottes demjenigen Vergebung auszusprechen, der seine Gotteslästerung nicht vor Gott bereut – sie nähme eine Macht in Anspruch, die ihr nicht gegeben ist. “Wenn jemand wider einen Menschen sündigt, so kann’s der Richter schlichten. Wenn aber jemand wider den HERRN sündigt, wer kann für ihn bitten?” (1 Sam 2:25).

Reulose Sünder werden dem Gericht Gottes überantwortet: “Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR” (Deut 32:35; Röm 12:19).

Ärgernisse in Kirchen, die Schändung von Heiligtümern des Volkes und der zur Schau gestellte Haß gegen die Kirche sind aus der Geschichte gut bekannt. Solche Handlungen waren immer charakteristisch für Kräfte, die den Völkern weder Frieden noch Gutes noch Freiheit gebracht haben.

Im 20. Jahrhundert hat der Haß auf die Religion  –  genau wie ethnischer Haß  –  Millionen von Menschenleben gefordert. Unser Volk ist durch die Prüfungen der militanten Gottlosigkeit und der faschistischen Aggression gegangen. Das war uns eine tragische Lehre, die eine besondere Sensibilität gegenüber der Schmähung religiöser und nationaler Gefühle in uns herangebildet hat.

Deshalb geht das Schüren von religiösem und ethnischem Haß in unserer Gesellschaft immer mit der Gefahr zerstörerischer Erschütterungen einher.

Es ist unmöglich, die Grundfesten der Gesellschaft bewahren zu wollen, ohne die zu ehren, die für das Vaterland gefallen sind. Gotteslästerungen in einer Kirche, die zum Andenken an die 1812 gefallenen russischen Soldaten errichtet worden ist, sind zum Zeitpunkt des 200. Jubiläums ihrer ehrenhaften Taten besonders provokativ.

Es ist die Aufgabe des Staates, der seine Bürger achtet, Schmähungen des religiösen Gefühls, Lästerungen von religiösen Heiligtümern und Spott über Kulturdenkmäler nicht zuzulassen. Der nun geschaffene juristische Präzedenzfall muss die Wiederholung solcher Handlungen in Zukunft verhindern.

Ohne die Rechtmäßigkeit des Gerichtsurteils in Frage zu stellen, wenden wir uns mit der Bitte an die staatliche Macht, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Barmherzigkeit gegen die Verurteilten walten zu lassen, in der Hoffnung darauf, dass sie von Wiederholungen solcher gotteslästerlichen Handlungen absehen.

Die Kirche dankt allen, die sie unterstützt, die Gotteslästerung verurteilt und friedlichen Protest dagegen gezeigt haben. Auch wir empfinden das Mitleid gegenüber den Inhaftierten, das sowohl von den Kindern der Kirche als auch von anderen Leuten ausgeht, als natürlich. Es ist notwendig, Sünde und Sünder auseinanderzuhalten, erstere zu verurteilen und auf die Reue des letzteren zu hoffen.

Gott sucht immer das Heil der Sünder und ruft sie zur Reue. Auch die Kirche strebt die Versöhnung und die Heilung der Wunden an, welche durch Schmähungen und Feindseligkeiten zugefügt worden sind.

Die Kirche wendet sich an die Menschen, deren religiöse und nationale Gefühle sowohl durch die Schmähungen als auch durch die ihnen nachfolgende propagandistische Kampagne verletzt worden sind und ruft sie dazu auf, sich von jeglichen Racheversuchen, von jeglicher Art gesetzeswidriger, besonders aber von gewaltsamen Handlungen zu enthalten, und segnet gleichzeitig friedliche zivile Aktionen, die dazu dienen, das orthodoxe Volk und dessen Heiligtümer vor Feindseligkeiten und Schmähungen zu bewahren.

Wir bitten alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche, den Geist des Friedens und das Gebet zu Gott aufrecht zu erhalten.

Quelle: http://de.bogoslov.ru/text/2758519.html


Alexander Kissler über den „schrillen Unfug“ der Punkband Pussy Riot

Dr. Alexander Kissler äußert sich am heutigen Dienstag im Internet-Kulturmagazin „The European“ zur Debatte über die russische Frauen-Punkband.

Der bekannte FOCUS-Redakteur kritisiert das „unangemessen hohe Strafmaß“ und die mangelnde Gewaltenteilung in Rußland. Zugleich erinnert der Publizist aber daran, daß dieser Fall kein Anlaß für eine Solidarisierung mit der blasphemischen Störergruppe ist:

„Gar zu lässig aber haben die Solidarischen beiseite gewischt, dass beispielsweise auch in der Bundesrepublik Deutschland gemäß Paragraph 167 Strafgesetzbuch mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“ wird, wer an einem „Ort, der dem Gottesdienst (…) gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt“.

Und eben das haben die drei Frauen getan: Sie stürmten den Altarraum der Christ-Erlöser-Kathedrale, nahe der Ikonostase, hinter der sich das Allerheiligste jeder orthodoxen Kirche befindet, und trieben lauten, schrillen und eben beschimpfenden Unfug – aus Sicht des Hausherrn und der Gläubigen allemal.

Sie skandierten, je nach Übersetzung, „Scheiße, Scheiße, Scheiße des Herrn“ beziehungsweise „Scheiße, Scheiße, Gottesscheiße“. Sie mögen damit Putin gemeint haben oder Patriarch Kyrill, der zudem als „Hund“ oder „Arschloch“ apostrophiert wurde. Auf jeden Fall begingen sie Hausfriedensbruch und lästerten an kultischer Stätte.

Vergleichbar wären Schimpfwörter wider einen Mufti oder einen muslimischen Staatspräsidenten in einer Moschee, vielleicht in Istanbul, oder wider einen Oberrabbiner oder jüdischen Ministerpräsidenten in einer Synagoge. Dürften solche Frondeure auch mit mutiger Solidarität in der nichtmuslimischen, nichtjüdischen Welt rechnen?“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://www.theeuropean.de/alexander-kissler/12039-pussy-riot-und-die-empoerung


Italienischer Soziologe M. Introvigne: „Pussy Riot sind keine Heldinnen“

„Christen haben ein Recht auf Achtung ihrer Kultstätten“

Der  angesehene Turiner Soziologe Massimo Introvigne  –  er ist Koordinator des vom italienischen Außenministerium unterstützten Observatoriums für Religionsfreiheit  –  äußerte sich kritisch zur Aktion der russischen Punkband „Pussy Riot“, nachdem drei Bandmitglieder zu zwei Jahren Haft verurteilt wurden.

„Natürlich haben die Stimmen, die sich gegen zu harte Haftbedingungen und gegen das übermäßig strenge Urteil erhoben haben, recht und sind zu unterstützen, auch in Hinblick auf die persönlichen Lebensverhältnisse der jungen Angeklagten“, erklärte Introvigne.

Trotzdem darf man nicht zu weit gehen und die Aktion, für die jene Mitglieder von Pussy Riot verklagt wurden, gutheißen. Ich habe den Eindruck, dass nicht jeder, der in dieser Angelegenheit mitreden möchte, die Fakten kennt.

Die Pussy Riot haben ein Lied gesungen, das sich nicht auf politische Aussagen beschränkt, sondern z. B. den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche eine ‚Hure‘ nennt.

Der Refrain äfft die orthodoxe Liturgie nach und wiederholt mehrmals ‚die Scheiße, die Scheiße, die Scheiße des Herrn‘. Obendrein haben sie dieses Lied nicht in irgendeiner Kneipe gesungen und auch auf einem öffentlichen Platz, sondern in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, einem der heiligsten Orte der russischen Kirche.“

Zudem sagte Introvigne in seiner Mitteilung:

„Wie so oft, ist es auch in diesem Fall schwer, das richtige Gleichgewicht zu finden, wenn sich Meinungsfreiheit und das Recht der Religionen, nicht verunglimpft zu werden – zumal an den Kultstätten – gegenüberstehen.

Aber ich denke, man kann es der russisch-orthodoxen Kirche nicht verübeln, wenn sie in der sog. ‚künstlerischen‘ Darbietung von Pussy Riot eine Verletzung des Christenrechts auf Achtung ihrer Kultstätten sieht. Eine Kirche kann ja nicht zur Bühne für politische Protestauftritte werden, selbst wenn diese gerechtfertigt sind; schon gar nicht, wenn dabei die Gefühle der christlichen Gemeinde verletzt werden.“

Die Erklärung des Turiner Soziologen endet mit der Feststellung, daß manche Verteidiger von Pussy Riot von christenfeindlichen Gefühlen angetrieben seien:

„Das zeigt zum Beispiel die Aktion der ‚Oben-ohne-Aktivistinnen‘ der ukrainischen Gruppe ‚Femen‘, die auf dem Hauptplatz in Kiew mit der Motorsäge ein Kreuz gefällt haben  –  kein einfaches Holzkreuz, wie teils geschrieben wurde, sondern ein Kruzifix mit Christusfigur, das unter Ausrufen antireligiöser Sprüche in den Staub geworfen wurde.“

Quelle: Internationale kath. Nachrichtenagentur ZENIT:  http://www.zenit.org