Hambacher Forst: Wendt kritisiert linke Öko-Extremisten als Gewalttäter

Die Polizei setzt bei der Räumung des Hambacher Forsts auf Deeskalation. Das erklärte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, gegenüber dem Nachrichtensender Die WELT. 

Den Einsatz von einem Großaufgebot der Polizei verteidigte er. Die Erfahrungen vergangener Großeinsätze zeige, dass ausreichend Kräfte notwendig sind:

„Außerdem sind diejenigen, die die Polizei mit Steinen bewerfen und mit Zwillen beschießen, keine „Aktivisten“ oder harmlose Freunde des Waldes, sondern gefährliche Gewalttäter und sollten so auch bezeichnet werden.“

Die Gegner des Braunkohle-Abbaus sind seit Monaten vor Ort. Bei der Räumung ist mit erheblichem Widerstand zu rechnen.

Quelle: https://www.dpolg.de/aktuelles/news/polizei-setzt-auf-deeskalation/


Verfassungsschutzbericht 2017: Linksradikale nehmen zu, Rechtsextremismus gesunken

Islamisten-Bedrohung massiv angestiegen

CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer hat den Verfassungsschutzbericht 2017 vorgelegt: „Der Verfassungsschutzbericht zeigt, die Herausforderungen des Jahres 2017 waren komplex und es lässt sich bereits heute sagen, dass die Aufgaben im Jahre 2018 nicht weniger geworden sind.“

„Mit 774 islamistischen Gefährdern zählen wir in diesem Bereich heute so viele Personen wie nie zuvor, denen wir die Begehung schwerer Straftaten zutrauen“, sagte der Innenminister zur anhaltenden Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus. Er erklärte weiter: 

„Wie gehen wir nun damit um? Erstens: Unsere Sicherheitsbehörden beobachten diese Personen genau, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. Zweitens: Sobald möglich wird eine strafrechtliche Verfolgung angestrebt. Und drittens ist die konsequente Abschiebung von Gefährdern ein elementarer Baustein für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit in Deutschland.

Diese Strategie ist offenbar auch erfolgreich. In einer Reihe von Fällen haben wir im letzten Jahr Anschlagsplanungen aufgedeckt oder Anschlagsvorhaben vereitelt, die sich bereits in einem ganz konkreten Vorbereitungsstadium befanden. Doch bei Abschiebungen von Gefährdern müssen wir noch ein Stück besser werden.“

Laut Verfassungsschutzbericht sind den Sicherheitsbehörden mehr als 1000 Personen bekannt, die sich in Syrien oder dem Irak islamistischen Gruppierungen angeschlossen haben. „Rund ein Drittel dieser Personen sind nach Deutschland zurückgekehrt“, so Seehofer.

Im Jahr 2017 wurde ein Anstieg an antisemitisch motivierten Straftaten festgestellt: „Antisemitische Hetze, egal ob sie rechtsextremen, linksextremen oder islamistischen Ursprungs ist, wird in Deutschland nicht geduldet wird. Antisemitische Vorfälle der letzten Zeit wie die Angriffe auf Kippa-tragende Männer oder antisemitisches Mobbing an Schulen sind inakzeptabel.“

Einen starken Anstieg gab es bei linksradikalen Gewalttaten – insbesondere aufgrund der Gewaltausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg. 2017 habe man 9000 gewaltbereite Linksextremisten gezählt. Dies sei ein neuer Höchststand.

Insgesamt sei die Zahl linksextremistisch motivierter Gewalttaten im Jahr 2017 um 37 Prozent auf 1648 Straftaten angestiegen. Um über 65 Prozent seien die Übergriffe auf Polizeibeamte angestiegen auf 1135 Fälle. Der Innenminister bekräftigte: „Zustände wie in Hamburg dürfen sich in Deutschland nicht wiederholen. Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Strafverfolgungsbehörden gegen die Gewalttäter von Hamburg entschlossen vorgehen.“

Im Bereich des Rechtsextremismus seien die Zahlen derjenigen Personen gestiegen, welche sich keinen klassischen, festen Strukturen zuordnen lassen. Im Jahr 2017 schätzte das Bundesinnenministerium die Zahl an Rechtsextremisten in Deutschland auf 13.000 Personen, die weitgehend unstrukturiert seien.

Die Zahl an rechtsextremen Gewalttaten sei von 1.600 auf 1.054 im Jahr 2017 (minus 34 Prozent) gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.csu.de/aktuell/meldungen/juli-2018/seehofer-linksextremismus-gestiegen/


Katholikentagswerbung: Geht es um den Frieden Christi oder den Kampf des Adlers?

Von Hanna Jüngling

Man hat sich an vieles gewöhnt oder besser gesagt: Man wundert sich inzwischen über einiges nicht mehr. Die neueste negative Überraschung ist die Einladung zum 101.Deutschen Katholikentag 2018 in Münster unter dem Leitwort „Suche Frieden“.

Eine Website gibt Auskünfte über Motto und Ambitionen und ruft zur Mitarbeit auf: https://www.katholikentag.de/

Ich stöbere darin und mein Befremden wächst und wächst:

Altbackene Peace-Worker-Parolen

Die Erklärung des Leitwortes durch den Bochumer Neutestamentler Thomas Söding befremdet aufgrund ihrer Oberflächlichkeit und Banalität. Allerdings wundere ich mich darüber auch nicht, denn seiner Ansicht nach ist die Mission der Kirche, die sie erkennen müsse, eine „Friedenszone zu schaffen“:

„Man stelle sich vor, an einem Schwarzen Brett in einem Institut der Universität Münster ist ein Zettel angepinnt, auf dem steht „Suche Frieden“  – neben anderen Zetteln mit „Suche WG“ oder „Suche Job während der Semesterferien“.

Wer könnte diesen Zettel „Suche Frieden“ geschrieben haben?“ Ein Student, der nach 14 Semestern auch die letzte Chance für einen Studienabschluss vertan hat und deshalb verzweifelt auf verlorene Jahre seines Lebens zurückschaut? Eine aus Syrien geflüchtete Frau, die im Bürgerkrieg nicht nur ihren Ehemann und alles Hab und Gut, sondern auch jede Hoffnung auf eine Zukunft für sich und ihre Kinder verloren hat? Oder eine Frau aus meiner Nachbarschaft, die nicht die Kraft findet, aus einer zerrütteten Ehe auszubrechen?

Ein aus dem Kongo stammender junger Mann, der die Traumata seiner Erlebnisse als Kindersoldat nicht überwinden kann? Vielleicht eine alte Frau, die seit Jahren im Streit mit ihren Kindern lebt? Oder jemand, der jeden Glauben an Gott und an das Gute in dieser Welt verloren hat?.“

Abgesehen davon, dass die wirklich Traumatisierten, die hier immerhin auch genannt werden, ganz gewiss keine solch albernen Zettel anpinnen würden, denn das ist etwas für Stuhlkreispädagogik, sind die meisten genannten „Schicksale“ keine Problematik fehlenden Friedens.

Man kann im weitesten Sinnen sagen, dass all diese Beispiele einer „Heilung“ bedürfen. Und wenn man sie als „Friedensproblem“ auffassen will, wäre das Friedenskonzept zu klären, das zugrunde liegen soll. Aber außer Spesen ist auch hier nichts gewesen. Man fischt gern im Trüben.

Banaler und ärgerlicher Kreativ-Moralismus

Zum Einschlafen war er von Anfang an, dieser friedensbewegte Kreativ-Moralismus, der mein Leben seit mindestens 1970 begleitet und an der Eskalation weltweiten Unfriedens buchstäblich nichts ändern konnte und vermutlich auch nicht ernsthaft wollte.

Heute aber ist solches Gelaber nur noch ein fahrlässiges Ärgernis. Was nützt der Welt die Beschwörung eines Origami-Friedens im Patchwork-Design mit „Diversity“-Phrasen, der tausend Papiertauben fliegen lässt und später doch wieder seine eisernen Adler verkauft? Oder wenigstens ebenso viele Gründe ersinnt, die ganz konkrete Politik der Eliten dann doch nicht fahrlässig zu finden, die so viele Menschenleben verschleudert, so viel „Manpower“, wie man inzwischen zynisch sagt, zu tabuisieren?  

Und was soll überhaupt dieses flickwerkige Diversity-Gedöhns, wenn man doch andererseits so tut, als hätten alle nur ein und dasselbe im Sinn? Die real existierende „Diversity“ der Menschen und Völker ist nicht nur das Ergebnis friedlicher Entfaltungen im Blut-und-Boden-Idyll, das diesem Denken verdeckt zugrunde liegt, sondern harter Auseinandersetzungen, geistiger Zerwürfnisse und scharfer Ausgrenzungen.

Söding erwähnt die Jahre 1618 (Westfälischer Frieden) und 1918 (Ende des 1. Weltkrieges), aber er fasst diese Themen nur mit abgespreiztem kleinem Finger an: 

„Jeder Mensch sehne sich nach Frieden. Seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen sei die denkbar kürzeste Formel für einen Willkommensgruß der Friedensgruß: „Pax – Shalom – Salam. In der Bibel begegnet einem keine Formulierung so oft wie „Der Friede sei mit Dir“ oder „Der Friede sei mit Euch“, so Söding.“

Warum muss ich da nur an den unsäglichen Friedensgruß im Novus Ordo (reformierter Meßritus) denken, diesem missalen „Lasst hundert Blumen blühen“-Klamauk, der dennoch nicht dazu führen kann, dass man sich vor der Kirchentür wenige Minuten später noch kennt.

Sendung der Christen bedeutet m e h r  als Friedenswünsche

Einst wurde man mit dem „Ite missa est“ als Apostel und Apostelin des Priestertums aller Gläubigen gesendet, aber die Hierarchie unterdrückte diese Sendung so oft, machte aus klaren Worten eine Farce und ein triumphales Zeichen ihres Herrschaftsanspruches, der sich die kontrollierte Aufzucht vieler Zofen und Tagelöhner als Zeichen seiner Macht leisten kann.

Zu Recht wollte man die verengten und entgleisten kirchlichen Verhältnisse wieder zurechtrücken. Ist es gelungen? Man wird nicht mehr gesendet, sondern es heißt „Gehet hin in Frieden“. Und das war’s dann auch.

Frieden ist einfach ein gutes Wort. Aber ein euphorischer Kirchentagskommentar sollte berücksichtigen, dass hier eine Begriffsklärung nötig wäre. Und dass der Zusammenhang zwischen „Frieden“ und „apostolischer Sendung“ einmal geklärt gehörte nach den jahrhundertelangen klerikalen Verwirrungen politischer Art.

„Friede“ ist für den Muslim schon prinzipiell etwas anderes als für den Juden oder Christen, und die Christen heute wissen in aller Regel nicht mehr, was der christliche Friedensbegriff überhaupt meint.

Islamischer „Friede“ ist nur im „Haus des Friedens“, im „Daressalam“, schlicht in der bereits islamisierten Weltregion. Frieden bedeutet hier: Unterwerfung unter den Islam. Jede Weltregion, die nicht islamisiert ist, ist „Haus des Krieges“, das „Daralharb“. Was ist demgegenüber die „Pax christiana“?

Politzungen-Gerede ist öde und destruktiv

Wir sollten also unsere Begriffe schärfen und nicht nur bei Kerzenschein und Fairtrade-Tee von „Friedenssehnsucht“ lallen. Solche Politzungenrede ist überflüssig und destruktiv. Ihr Moralismus stinkt zum Himmel.

Im Blick auf zwei Schriftstellen aus dem AT und NT, die vom Frieden reden, fällt Söding offenbar nur ein, dass wir daraus lernen, dass Frieden „keine Illusion“ ist. Man könne außer dem Ideal  —  nur wie sieht das eigentlich aus?  —  auch konkrete Fragen beantworten:

„Welche Kriege müssen beendet sein? Welche Friedenspläne können geschmiedet werden? Wer ist auf der Suche nach Frieden?“

Nun kennt unser Glaube kein „Friedensideal“. Auch ist „Friede“ in unserem Glauben an sich kein „Gut“ oder „Geschenk“, das man „hat“, sondern wir haben einen HERRN, der der Friede Gottes selbst ist. Aus diesem HERRN, der unser Friede ist, fließt Friedfertigkeit in die Seelen, die ihn durch die Taufe aufnehmen.

Der Hl. Geist wirkt in Gläubigen den übernatürlichen Frieden, „den die Welt nicht gibt“, wie Jesus sagte. Dass die falschen Propheten dieser Welt am liebsten von „Frieden“ reden, berichtet uns eindrucksvoll das Buch Jeremia im AT, das mit der Verschleppung der Israeliten endet. Und wie kann man danach fragen, „wer auf der Suche nach Frieden ist“, wenn man weiter oben noch proklamiert hat, dass doch „jeder“ den Frieden ersehnt?!

Oder etwa die Frage „Welche Kriege müssen beendet werden?“ Das ist hoffentlich nur ein unbewusster Zynismus. Dem Autor ist gar nicht klar, wie unsinnig und friedlos alleine diese Frage schon klingt: Denn die Antwort ist selbstverständlich klar: Alle Kriege müssen beendet werden! Alle! Oder wollen wir gute und schlechte Kriege unterscheiden? Richtig gefragt wäre: Welche Kriege haben eine realistische Chance auf baldige Beendigung, und was können wir dafür tun?

Friedenskitsch löst keine wirklichen Konflikte

Der wache Zeitgenosse weiß jedoch, wie unberechenbar postmoderne Kriege geworden sind. Wir kennen Jahrzehnte von Friedensverhandlungen hier und da, und viele davon haben dennoch nicht zum Frieden geführt. Der Friedensnobelpreis wurde so oft an Personen vergeben, unter denen Kriege noch mehr eskalierten. Das letzte Beispiel ist Präsident Obama.

Und warum dies so ist, kann nicht im Kirchentags-Hauruck beantwortet werden. Ein Plaudertreffen zum Friedenskitsch sollte angesichts der Verheerungen unserer Tage unterlassen werden, wenn wir nicht einmal mehr sicher wissen, was dem konkreten Frieden wirklich dient. Haben wir nicht erlebt, dass fast alle Konzepte ins Leere liefen oder das Gegenteil dessen erreichten, was sicher wohlwollend dabei beabsichtigt war?

Wir brauchen keine soundsovielste Neuauflage bürgerlicher Peace-Maker-Spielchen!

Es ist symptomatisch für den Text Södings, dass er über die persönliche Friedlosigkeit des einzelnen mit Gott, die ein Seinszustand ist, den man durch „Action“ und Gelaber nicht auflösen kann, als Auslöser von Unfrieden und Hass kein Wort verliert. „Frieden“ versteht er als Gegenteil von „Krieg“. Unfrieden mit Gott sieht er tatsächlich vordringlich als das Empfinden, Gott stehe in einem kriegerischen Verhältnis zu einem selbst!

Die bußfertige Erkenntnis, dass wir als Einzelne und als Menschheit es sind, die Gott den Krieg erklärt haben, wendet er in ein unspezifisch-kollektives Gottspielenwollen hinsichtlich der Natur und Umwelt. Die innere Läuterung des Einzelnen als einziger und wesentlicher Quell des Frieden unter den Menschen findet bei ihm keinerlei Erwähnung.

Zum Frieden gehört die Umkehr des Menschen

Die „Friedenssuche“ ist in einer solchen Diktion nicht mit Buße und Umkehr verbunden, sondern ein gefühltes, materiell einklagbares „Gut“ geworden, das man aber nicht mehr als persönlichen, christlichen Seinszustand auffasst. Das einzige, was traditionell anmutet, ist sein verstohlen kurzer Satz „Nach Ps 34 und 1 Petr 3 wächst der innere Friede dort, wo Gott die Ehre gegeben wird.“ Hier wäre es erst interessant geworden! Aber ab hier schweigt der Autor.

Noch erschütternder aber ist, dass Söding nichts mehr davon weiß, dass Frieden von Gott vor allem anderen erbeten werden muss. Er spricht von „Geschenk“, aber er erklärt nicht, warum und inwiefern das ein Geschenk ist. Es hätte nur eine Antwort gegeben: Das Geschenk unseres restaurierten Friedens ist das Opfer auf Golgotha — es wäre angemessen gewesen, jetzt in der Fastenzeit daran zu erinnern. Ohne den geopferten und auferstandenen Christus und ohne die persönliche Annahme seines Todes gibt es keinen Frieden!

Das Wort „Gebet“ ist ihm eine kurze Randbemerkung wert. Und das, was am meisten bestürzt, ist, dass der Name Jesu nicht einmal fällt.

Dass wir Christen eigentlich auf das zweite Kommen Jesu warten und bekennen, dass dieses Äon aus sich heraus keinen Frieden erreichen wird — davon meint man heute auch in der Kirche nicht mehr reden zu müssen, wenn man es denn überhaupt noch vor Augen hat.

Drei Plakate: Der Adler hat die Taube gefressen

Entsprechend öde, düster und ideologisch sind die drei Katholikentags-Plakate, die gleich auf der ersten Seite vom ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg als ein großer Wurf, als „Hingucker“ gepriesen werden. Es werden Folgeplakate angekündigt, die ebenso „widerspenstig“ wirken wollen.

Das erste Plakat zeigt eine farbige Frau, die sich gewaltfrei übermächtig und finster anrückenden Polizeieinheiten entgegenstellt. Die weißen Männer treten hier wie eine Inlandsarmee in Schwarz und im Stahlhelm-Outfit auf. Ich habe mich sofort gefragt, ob dieses Plakat nicht volksverhetzend ist.

Die Polizei wird als Aggressor dargestellt, der gegen wehrlose Frauen, im weiteren Sinne „Leute“ auftritt, und eine Rassismus-Assoziation wird in dieser Montage durchaus aufgebaut. Rassistisch ist es insofern, als der weiße Mann assoziativ so dargestellt wird, als trete er in Mannschaften gegen wehrlose einzelne schwarze Frauen auf.

Angesichts wachsender Opferzahlen auch unter der Polizei, angesichts des tapferen und wirklich tollen Polizei-Einsatzes heuer in der Silvesternacht in Köln, und angesichts der 2000 „farbigen“ männlichen Aggressoren, die auch diesmal wieder anrücken wollten, um weiße Frauen zu berauben und sexuell zu nötigen, überfällt mich Brechreiz, wenn ich ein solches Plakat sehe.

Rechtsstaatliche Polizei wird unfair an den Pranger gestellt

Diese plakative Schwarzweißmalerei, die der Polizei, die ein Verfassungsorgan ist, in den Rücken fällt, können wir in der angespannten Lage innerer Unsicherheit nicht auch noch gebrauchen! An dieser Stelle sei des gestern von einem islamischen Täter erstochenen Polizisten in London gedacht. Von den zahlreichen Angriffen auf Polizisten vor allem durch linksradikale „Antifaschisten“ und rechtsradikale Schlägertrupps in unserem schönen Land will ich erst gar nicht weiter reden…

Das nächste Plakat zeigt uns zwei Personen im „Hair“-Outfit, die sich nach einer misslungenen Anti-Pipeline-Demo heulend in die Arme fallen. Meine Flower-Power-Kindheit hört offenbar nie auf. Wie alt bin ich jetzt?

Sind das wirklich die „Friedensprobleme“ der Welt, ob irgendwo eine Pipeline gebaut wird? Man mag den konkreten Bau von Pipelines aus triftigen Gründen ablehnen, aber ein Plakat mit dieser Aussage scheint nicht nur pauschal, sondern auch hetzerisch.

Die Assoziation zum Thema „Frieden“ führt zur Stammtisch-Behauptung, „die USA“ würden all ihre Kriege ja nur „wegen dem Öl“ führen. Irgendwie hätte man ein paar Umwelttränen ins Foto montieren sollen und noch ein supersytlisches Mega-Windrad. Das hätte wenigstens Pepp gehabt. Aber so fielen mir immer nur diese Plattenbauten in Prager Vorstädten ein, deren billig-friedliche Hässlichkeit mich als Jugendliche so angeödet hat…

Adler in Angriffspose weckt negative Erinnerungen

Rechtsradikale Assoziationen löst dagegen das letzte Plakat aus: ein (deutscher) Adler greift eine spacige Drohne an. War den Machern dieses „Hinguckers“ wirklich nicht klar, auf welches Niveau sie sich damit begeben?

Dieser Adler in Angriffspose lässt sofort an SA-Embleme denken. Er stürzt sich auf die Drohne, die man nach den vorigen Plakaten assoziativ ebenfalls den Amerikanern zuordnet. Man hört als Leitwort den alten Spruch 1939 „Ab heute wird zurückgeschossen“ im Hinterkopf, triumphale Musik, das penetrante und eisenharte Klatschen des Flügelschlags, der scharfe Blick des Raubvogels und das hektische Übersurren der Drohne und ihren nachfolgenden trudelnden Absturz.

Es ist eine echte Glanzleistung, aus der guten alten Friedenstaube nun einen angreifenden Adler zu machen. Peng! Und wieder was für den Weltfrieden getan…

Wer ist hier was? Was ist hier wer? Im schummrig-psychologischen „Telos“ dieser Serie sind die Friedlichen schwarz, kollektivistisch, Frauen und im Geiste des Adlers. Das Totemtier als Symbol der Treue und Wahrheitsliebe vermixt mit teutonischen Kraft-durch-Adler-Phantasien…

Farblich alles Grau in Grau. Erinnert an die Öde faschistischer und sozialistischer Protzbauten in Rom, Berlin, Peking und Moskau, an Alexanderplätze in aller Welt und Friedensaufmärsche unibraunblaugrau gekleideter „Brüder“ unter roten Fahnen mit und ohne weitere Symbole drauf. Eine sozialfaschistische Idealwelt tritt hier gegen eine nur-faschistische Heillosigkeit an. So wirkt es, tut mir Leid, und ich habe keinerlei Idee, was das eigentlich mit dem christlichen Glauben zu tun haben soll.

Plakatmotive sind um Jahrzehnte zurückgeblieben

Aber wenn wir schon rein weltlich-politisch denken wollen (warum auch nicht), dann möchte ich mal wissen, ob die Katholikentagsplaner nicht doch samt der Kirche „aus der Zeit gefallen sind“.

Bischof Genn von Münster (siehe Foto) behauptet allen Ernstes, die Kirche beweise mit einem solchen Erscheinungsbild, dass sie „nicht aus der Zeit gefallen“ sei, und Söding konnte natürlich die altbackene Leerformel von „den Zeichen der Zeit“, die man hier „erkenne“, nicht unterlassen.

Vielleicht sollte man diesen Leuten mal ein paar Zeitungsabos oder ein Tablet mit Internetzugang schenken, damit sie sich wieder „aggiornieren“. Sind die alle in den Seventies steckengeblieben?

Die tatsächlichen politischen Probleme scheinen sie einfach noch nicht mitbekommen zu haben, so etwas wie weltweite, sehr starke  Christenverfolgungen, wachsende „failed states“, globalen islamischen Terror und keine deutliche Abgrenzung der Islamgelehrten davon, verheerende Kriegsbilanzen der USA, zuletzt durch Hillary Clinton, eine unberechenbare Macht-Politik Putins, den Vorabend zu einem Ermächtigungsgesetz in der Türkei, in der jetzt schon 40.000 Menschen als angebliche Regimegegner gefangen gehalten werden ohne rechtlich relevanten Grund, darunter auch deutsche Staatsbürger, Friedlosigkeit durch die türkische Regierung auf unseren Straßen, randalierende Linksradikale, überdurchschnittlich hohe Kriminalitätszahlen unter viel zu vielen unkontrollierbaren „Flüchtlingen“ und hysterische Rechtsradikale, dies alles aber nach einer verheerend planlosen Migrationskrise durch die Regierung Merkel, die auch die EU an Abgrund gewirtschaftet hat und ein Amerika, das sich distanziert und aus der militärischen Beschützermacht zurückziehen will…

Fazit: Diese Werbung für den Katholikentag 2018 ist  —  geistig und geistlich gesehen  —  nicht katholisch, sondern für mein Empfinden eine Nostalgie-Veranstaltung im Geiste der linken Bewegungen in den Sixties und Seventies mit deutlich aggressiven, rassistischen und hetzerischen Untertönen. Anachronistisch also und postfaktisch sowieso!

Weitere tiefschürfende Artikel unserer Autorin, der Musikerin und Künstlerin Hanna Jüngling, finden Sie auf ihrem Blog: http://zeitschnur.blogspot.de/


Bayern: CSU-Regierung beklagt Mißtrauen der Grünen gegenüber der Polizei

Sollen die Beamten Freiwild für Radikale werden?

„Die Grünen glauben, weniger Polizei bringt mehr Sicherheit. Als ob das nicht schon hanebüchen genug wäre, sollen die übrig bleibenden Beamten dann auch noch für jeden Gewalttäter identifizierbar sein. Das Misstrauen der Grünen gegenüber unserer Polizei muss endlich ein Ende haben“, fordert Dr. Florian Herrmann, Innenexperte des Bayerischen Landtags. Polizistin von C.M.

Konkret bezieht sich der CSU-Politiker auf zwei Anträge der Grünen-Fraktion, die heute im Innenausschuss behandelt werden. Zum einen fordern die Grünen dabei Dienstnummernschilder für uniformierte Polizeibeamte:

„Bayerische Polizistinnen und Polizisten können schon jetzt über die Kennzeichnung ihrer Einheit sicher identifiziert werden, wenn Beschwerden oder Strafanzeigen vorliegen. Gegenteilige Fälle sind nicht bekannt“, erklärt Dr. Herrmann:

„Beispiele aus anderen Bundesländern lassen befürchten, dass zum Beispiel Rechts- oder Linksradikalen konkret identifizierbare Beamtinnen und Beamten bis ins Privatleben verfolgen. Wir als CSU-Fraktion werden unsere Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag hervorragende Arbeit im Dienste der öffentlichen Sicherheit leisten, nicht sehenden Auges in Gefahr bringen. Es gibt in dieser Hinsicht überhaupt keinen Handlungsbedarf.“

Zum anderen will die Grünen-Fraktion polizeiliche Präsenz bei Fußballspielen reduzieren: „Die Besucher von Fußballspielen müssen sich jederzeit sicher fühlen können“, erklärt Herrmann. „Gerade im öffentlichen Raum, auf dem Weg zum und vom Stadion, muss die Polizei jederzeit auf mögliche Ausschreitungen reagieren können.“

Ein von den Grünen angeführtes Pilotprojekt zur Saison 2014/15 in Nordrhein-Westfalen hat keine überzeugenden Ergebnisse geliefert, so der CSU-Politiker:

„Es wäre das erste Mal, dass das rot-grün geführte Bundesland Vorbild in Sachen Innere Sicherheit wäre. Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte damals mit Blick auf gewaltbereite Stadionbesucher, dass es zu schlimmen Ausschreitungen gekommen sei und sich an der Gewaltbereitschaft der Szene nichts geändert hätte. Solche Warnungen müssen wir sehr ernst nehmen. Weniger Polizei hilft gegen gewaltbereite Hooligans genauso gut, wie Löschmittelreduzierung gegen bengalisches Feuer.“

Foto: Cordula Mohr

 


Unseriöser FAS-Artikel verunglimpft Christen, Lebensrechtler und Konservative als „radikal“

Mathias von Gersdorff0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

In Deutschland ist man es inzwischen gewohnt, dass mit Etikettierungen nicht gerade zimperlich umgegangen wird. Ziemlich schnell ist dann jemand angeblich „radikal“ oder „fundamentalistisch“.

Äußert man nur leichte Bedenken gegen die Gender-Ideologie, dann erhält man das Etikett „homophob“. Wenn man zu sehr auf das katholische Lehramt Wert legt, ist man „fundamentalistisch“ etc. Deutschland ist, wie man weiß, das Land der Totschlagbegriffe.

Doch was sich die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ am 31. Januar 2016 (Titel „Die Radikalen“, Seite 9) geleistet hat, übertrifft das, was man bislang von der bürgerlichen Presse gewohnt war: Alles, was sich nicht dezidiert als „links“ geoutet hat, steht im Verdacht, hinter Björn Höcke zu stehen, zu Pegida zu gehören etc.  –  jedenfalls gemäß FAS-Artikel.

Laut jenem FAS-Beitrag wurde von dieser Radikalisierung selbst die angesehene Hilfsorganisationen „Kirche in Not“ (ein internationales Werk päpstlichen Rechtes) erfasst. Ihre unverzeihliche Sünde: Sie organisierte beim letzten Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. zeitungen

In dem erwähnten Artikel steht nicht, ob und dann was genau dort angeblich Schlimmes bei der Veranstaltung geredet wurde. Das scheint aber egal zu sein: Schon darüber nachzudenken, ob es in der deutschen Medienlandschaft ideologische Scheuklappen gibt, reicht aus, um zu den Radikalen zu gehören.

Sein Fehler: „Er hat laut nachgedacht…“

Unwillkürlich kommt einem das Pop-Lied „Nix Neues in Poona“ von Lusthansa in den Sinn. Eine Passage heißt dort: „Und einen haben sie umgebracht. Sein Fehler: Er hat laut nachgedacht.“

Der Artikel in der FAS ist im wesentlichen eine lange Liste von Personen, die genau dies tun: laut nachdenken. Somit ist automatisch klar: Für sie ist die „AfD der Stern am Himmel“.logo-afd-small

Dazu gehören selbst Personen wie der Journalist Klaus Kelle, der besonders vor der letzten Bundestagswahl geradezu dadurch auffiel, laufend kritisch gegen die AfD zu kommentieren  –  oder Gabriele Kuby, die nie die Nähe zu einer Partei gesucht hat.

Zudem werden „radikale Abtreibungsgegner“ als Gegner des „Genderwahns“ oder der „Homo-Lobby“ genannt: Sie alle seien heilfroh über die Entstehung der AfD und hätten Putin zu ihrem Helden gemacht  –  eine lächerliche Unterstellung.

Besonders schlimm sind Menschen  –  so der FAS-Artikel  – , die gegenwärtig laut nachdenken, ob das Grundgesetz noch Geltung habe. Meint der Text etwa Professor Dr. Dr. Udo di Fabio, die CSU oder jene Gruppe von Rechtsanwälten, die eine Verfassungsklage gegen die gegenwärtige Flüchtlingspolitik der Bundesregierung verfasst haben? Nein, als Kronzeuge dieser Rebellen wird der Blogger Peter Winnemöller genannt, der mal § 20 a GG zitiert hat  – wie schlimm!

Der FAS-Artikel ist letztlich eine einzige „Kaskade des Verdachts“: Publikation X ist populistisch, Autor Y, der dort mal geschrieben hat, ist es also auch. Person Z, die mit Autor X befreundet ist, ist es dann ebenso. Inhalte spielen keine Rolle, es geht lediglich um die „Vernetzung“  – und schon der harmlose Kontakt „kontaminiert“.

All das läuft nach dem Prinzip: „Wer Freund meines Feindes ist, ist mein Feind.“

Diese Art bzw. Abart des Journalismus kennt man aus dem linksradikalen Lager. Hetzportale wie etwa „Linksunten.Indymedia“ gehen in dieser Weise vor; sie interessiert auch nicht die Wahrheit. Sie wollen anprangern, verhetzen, fertigmachen. Unfassbar, dass sich die renommierte „Frankfurter Allgemeine“ für so etwas hergibt.

Die FAZ-Redaktion hat zudem am 1. Februar 2016 den hier besprochenen Artikel online gestellt und per Twitter (siehe unten) mit folgender Erläuterung verbreitet: „Rechte Christen finden in der #AfD neue politische Heimat. Sie alle eint der Hass auf #Flüchtlinge“
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/putin-orban-und-afd-rechte-christen-finden-politische-heimat-14043650.html

Alle im Artikel genannten Personen oder Organisationen auf diese Art und Weise zu beschreiben (Hass auf Flüchtlinge etc.), ist völlig maßlos, ungerecht und geschmacklos.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und das Webmagazin „Kultur und Medien online“


Erlebnisbericht über die Kreuze-Aktion für das Lebensrecht in Münster

Von Martin Markett

Am Samstag, den 22. März 2014, veranstaltete das ökumenische Gebetsnetzwerk “EuroProLife” einen Gebetszug für die ungeborenen Kinder in Münster. 

Dieser Gebetszug findet schon seit vielen Jahren im Frühjahr in Münster statt. So hatte ich schon vor gut 10 Jahren das erste Mal an dem Gebetszug teilgenommen. Leider wird der Gebetszug seit 2009 durch linksradikale Gruppierungen massiv gestört.

Während vor 2009 noch eine handvoll Polizisten zur Sicherung des Gebetszuges reichten, so musste jetzt schon eine Hundertschaft an Polizisten eingesetzt werden, um die Beter vor dem radikal auftretenden Mob zu schützen.DSCF9171

Wolfgang Hering von EuroProLife erinnerte bei seiner Ansprache an das Evangelium des Tages vom verlorenen Sohn: Auch auf die Gegner des Gebetszugs, die sich von Gott entfernt haben, wartet Gott voller Liebe und Geduld auf die Umkehr dieser “verlorenen Söhne”. Ist es da nicht recht, für sie zu beten?

Sollte man daher nicht die Schmähungen dieser Leute mit Geduld und Liebe ertragen? Diese Einstellung ist sehr wichtig, damit man bei dem ganzen ohrenbetäubenden Lärm, den ständigen Beschimpfungen und Anfeindungen der Randalierer besonnen bleibt. Und die Teilnehmer des Gebetszugs blieben ruhig, sie liessen sich, trotz allem nicht provozieren oder beirren.

Nun könnte man als Christ sich fragen: Was soll das Ganze? Ist es nicht besser in die Kirche zu gehen und für das Anliegen zu beten, statt den Unruhestiftern die Stirn zu bieten? Macht es nicht mehr Sinn, sich aktiv oder durch eine finanzielle Spende für die Frau im Schwangerschaftskonflikt einzusetzen, als mit dieser Aktion Zeit und Mühe zu “verschwenden” ?

Die Versuchung liegt natürlich nahe, zu diesen Fragen “ja” zu sagen. Dazu möchte ich aber Folgendes einwenden: Man soll das Eine tun und das Andere nicht lassen. Wir müssen immer wieder für die Frauen im Schwangerschaftskonflikt, für die ungeborenen Kinder und für alle Beteiligten beten! Wir müssen helfen, unterstützen, wo wir können! DSCF9178

Lassen wir uns doch nicht einreden, dass der Einsatz für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder frauenfeindlich ist! Abtreibung wird gerne als Frauenrecht proklamiert. Ich glaube nicht, dass die meisten Frauen gerne eine Abtreibung über sich ergehen lassen. Es ist immer ein Gewaltakt, nicht nur für das Kind, sondern auch für die Frau, die gegen ihre Natur handelt.

Wir müssen als Christ jederzeit bereit sein, den Entrechteten, Schwächsten und Bedürftigsten in dieser Gesellschaft Gesicht und Stimme zu geben, ob gelegen oder ungelegen.

Es ist vor allem ein geistiger Kampf, der hier geführt wird. Das Böse will das Leben vernichten und die Menschen ins Elend stürzen. Wir müssen den guten und beharrlichen Kampf wählen, um dagegen anzugehen und um unsere Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen.

Der Gebetszug für das Leben war schon sehr beeindruckend. Zum Abschluss des Gebetszugs versammelten sich die Teilnehmer rund um die Kardinal-von-Galen-Statue und legten Blumen zu Fuße eines Sarges mit Embryo-Modellen. Dann knieten die Beter nieder, um in Stille zu verweilen; der ganze Lärm von den  –  durch die Polizei abgeschirmten  –  Radikalen rundherum schien in diesem Moment bedeutungslos geworden zu sein.

Was ist diese Störung schon im Vergleich zu dem eigentlichen Elend, dass durch eine Abtreibung hervorgerufen wird?   –  “Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes“, sagte die selige Mutter Teresa anlässlich ihrer Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Hören wir daher nicht auf, mahnend an diesen Schrei zu erinnern.

Quelle und vollständiger Bericht auf der Webseite der Legion Mariens im Bistum Münster siehe hier: http://www.christsein-praktizieren.de/2014/03/bericht-vom-gebetzug-1000-kreuze-fuer-das-leben-in-muenster-2014/


JA zu Christus: Die „radikale“ und die bürgerliche Gestalt der Nachfolge Jesu

Von Uwe C. Lay

Für Freunde der Schwarz-Weiß-Malerei empfiehlt sich ein Gasthöreraufenthalt in kirchengeschichtlichen Vorlesungen der heutigen deutschen Universitätstheologie.

Da gab es demzufolge einen wunderbaren Urzustand des Christentums, der spätestens mit dem Anfang des Staatschristentums unter Kaiser Konstantin sein Ende fand, bis dann die Kirche aus ihrer „babylonischen Gefangenschaft“ (Luther) durch das 2. Vaticanum befreit worden wäre, hätten sich nicht reaktionäre Kräfte nach dem Konzil gegen den Geist des Konzils verschworen, um so fast alle positiven Reformimpulse des Konzils zu hintergehen, so daß es neben der Finsternis der vorkonziliaren auch die Verfinsterung der nachkonziliaren Kirche gäbe, nur unterbrochen vom Lichte des Konzils und ein paar Leuchten in der Kirchengeschichte. 

Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Bernd Pelz

So einfach kann man sich die Geschichte des Christentums zurecht legen. Zu dieser Mär gehört dann auch die Vorstellung eines ursprünglichen reinen Liebes-Christentums gelebter radikaler Nachfolge Jesu, das spätestens seit dem unseligen Thron und Altar-Bund  –  mit Kaiser Konstantin anhebend  –  sein Ende fand: aus basisdemokratischen Urgemeinden wurde dann eine hierarchische Kirche mit Priestern und Bischöfen und einem Papst, ein verweltlichtes, verbürgerlichtes Christentum.

Es ist das große Verdienst von G. Theißen in seiner soziologischen Studie über das Urchristentum [1], vielleicht ganz unbeabsichtigt gegen seine protestantische Intention, sozusagen als Kollateralschaden seiner Studie, diese Mär destruiert zu haben!

Von Anfang an: „radikale“ und bürgerliche Variante des Glaubensvollzugs

Im Zentrum seiner Studie steht nämlich die schlichte These der Gleichursprünglichkeit einer radikalen und einer bürgerlichen Nachfolgepraxis Christi.

Nicht daß sich die eine aus der anderen entwickelt hätte, also daß das verbürgerlichte Christentum eine Folge der Abkühlung der ersten Liebe gewesen wäre, sozusagen das Christentum der in der Liebe lau Gewordenen, denen die Liebesleidenschaft der ersten Christen gegenüberzustellen wäre  –  nein: beide Ausgestaltungen seien gleichursprünglich und beide auch so von Jesus Christus gewollt.

Die radikale Nachfolge Christi ist die der  Nachfolge im wörtlichen Sinne: man zog mit dem Wanderprediger Jesu los, man rief nicht wie Johannes der Täufer die Menschen zu sich, sondern ging zu ihnen, um sie aufzufordern, mitzugehen. Das Ethos dieser Wanderprediger ist das der Heimatlosigkeit, der Familienlosigkeit und Besitzlosigkeit.

Aus dem schlichten Mitgehen ergab sich dieses Ethos von selbst: man verließ seine Heimat, Wohnort, Familie und allen Besitz, weil jede Art von Besitz und jede Art von Familienbindung immobil machte. Alles, was ein bürgerliches Leben ausmacht, Familie, Beruf und Besitz und einen Ort, wo man ansässig ist  –  die Seßhaftigkeit ist die conditio sine qua non jeder Kulturentwicklung  –  ließen die radikalen Nachfolger im wörtlichen Sinne hinter sich, indem sie mit Jesus durch Israel zogen.

Die Radikalität urchristlicher Nachfolgeaufforderungen hat da seinen Sitz im Leben: wer erst seine Eltern beerdigen möchte, bevor er Jesus nachfolgen will, kann ihm nicht nachfolgen, denn nach der vollzogenen Beerdigung ist die Gruppe der Wanderprediger längst weiter weggezogen, so daß der Nachfolgewillige nicht mehr nachfolgen kann.

Jede Art von inmobilen Besitz (die bequem bei sich tragbare Kreditkarte gab es noch nicht) verunmöglichte so ein Mitgehen, jede Art von Familienbindung verunmöglichte es, ganz nur noch mit Jesus zu leben.

Konsequente Nachfolge: alles hinter sich lassen

Nur wer alles, was er hatte, hinter sich ließ, konnte Jesu so nachfolgen – und konnte dann auch das radikale Ethos der Bergpredigt leben: „Widerstrebe nicht dem Bösen“, das kann der allein auf sich gestellte Wanderprediger leben, ein Familienvater nicht: wird seine Familie angegriffen, muß er sie gegen das Böse verteidigen – er kann nicht alles den Armen geben und dann Jesus nachfolgen, denn um des Lebens seiner Familie willen muß er für den Unterhalt sorgen und darf nicht alles  aufopfern. media-401265-2

Wer gar um des Himmelreiches willen enthaltsam lebt, darf seinen Nachfolgestil nicht zum Gesetz für alle machen, denn dann würde die Menschheit in Bälde aussterben. Das ist gewiß nicht der Wille Gottes: der Tod des Menschen durch sein Aussterben in Folge radikaler Nachfolge Jesu.

Darum gab es zugleich die bürgerliche Form der Nachfolge: Theißen spricht hier von den Sympathisanten in den Ortsgemeinden. Natürlich darf hier die antikatholische Intention nicht überlesen werden: daß aus Gemeinden als Depravationsgestalt sich die Kirche herausentwickelte: die Gemeinden verstünden sich als Glied des Judentums und erst das hellenistische Christentum ließ dann daraus Kirche werden als sich vom Judentum abgrenzendes organisiertes Christentum.

Die Nachfolge-Normen der Wanderprediger mußten also umgeformt werden für diese Sympathisantengruppen: „Bei den Verhaltensnormen mußten sich in den Ortsgemeinden die domestizierenden Auswirkungen von Beruf, Familie und Nachbarschaftskontrolle bemerkbar machen…“ [2]

Das führe zu einem Nebeneinander von radikaleren und gemäßigteren Nachfolgeregelungen in den Evangelien. „Es gab also ein abgestuftes Ethos für Wandercharismatiker und ortsansässige Sympathisanten.“ [3]

Es gibt Sondergebote für Vollkommene bzw Menschen, die vollkommen sein wollen und Nachfolgeregeln für jeden.

Vollkommenenheit zugunsten der Kirche

In soteriologischer Hinsicht ist diese Unterscheidung von nicht zu übersehbaren Bedeutung: keineswegs meinte man im Urchristentum, daß nur die Vollkommenen eingehen könnten in das Reich Gottes; es war aber vorstellbar, daß Menschen eine vollkommene Nachfolge lebten und so – um es in ganz unzeitgemäßer Terminologie auszudrücken – verdienstliche Werke aufweisen konnten, die über das Maß der Zulassung zum Eintritt ins Reich Gottes hinausgingen. Sie bereicherten so den Gnadenschatz der Kirche, der dann anderen zu Gute kommen konnte. Aber das nur als kleine Ausschweifung in soteriologischer Hinsicht.

Wesentlicher ist, daß die Gruppe der Wanderprediger ihre radikale Nachfolge nur leben konnten, weil sie von den Seßhaften unterstützt wurden. Jene, die auf allen Besitz verzichteten um des Himmelreiches willen, bekamen das Lebensnotwendige gerade von den Ortsansässigen.

Als Wunderheiler und Prediger zogen sie zu den sich heranbildenden Gemeinden und erhielten als Lohn dort ihren Unterhalt. Der Apostelfürst Paulus bildete da eine Ausnahme, insofern er sich seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit erwirtschaftete. Die „Radikalen“ gaben ihre geistigen Güter und die sie Empfangenen gaben dafür ihnen die materiellen Güter, so daß sie ihr Leben ganz in den Dienst Christi stellen konnten.

Das konnten sie aber nur, weil es neben der radikalen Nachfolge die domestizierte gab, in der der christliche Glaube in Einklang zu bringen war mit den Sozialverpflichtungen von Familie, Beruf und Heimat.

Was ist damit im Sinne Theißens gemeint: Der besitzlose Wanderprediger kann wohl leben nach der Devise, sorge dich zuerst um die Gerechtigkeit vor Gott, das Lebensnotwendige wird dir der Himmel schon geben (Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben: Mt. 6, 33), der Familienvater muß aber um seiner Familie willen täglich für das Lebensnotwendige sorgen, denn täte er das nicht, verstieße er gröblich gegen seine Pflichten als Familienvater.

Zweifache Existenzweise der Nachfolge

Christliche Religion wurde so von Anfang an domestiziert gelebt neben der radikalen Nachfolgepraxis der Besitzlosigkeit und Heimatlosigkeit und Familienlosigkeit. Nicht ein Abfall vom wahren Glauben, nicht ein Abkühlen der ersten Liebe, also lau gewordene Christen erfanden das bürgerlich domestizierte Christentum – sondern die zweifache Gestalt der Nachfolge gab es – von Jesus Christus selbst gewollt: gleichursprünglich als sich wechselseitig bedingende und nur in ihrer Einheit das Christentum darstellende Sozialform. kt2012-p1110153

Theißen stellt nun selbst fest, daß dieses radikale Nachfolge-Christentum in Bälde verschwand und sich die Kirche herausbildete, in der die einstig anerkannten Wanderprediger zu Randfiguren degradiert wurden.

Als Protestanten fehlt ihm natürlich der Blick für die Geburt des Mönchstums aus dem Geiste der radikalen Nachfolge Christi, in der Ehelosigkeit und Besitzlosigkeit nun gelebt wurden und der Weg in die Wüste die gelebte Heimatlosigkeit wurde. Wo er nur melancholisch das Ende des Weges der radikalen Nachfolge sieht, gilt es, die Prolongierung dieser Nachfolge im gelebten Mönchtum zu erkennen.

Das Christentum konnte sich ohne Identitätsverlust bürgerlich gestalten, weil es immer das „Andere“, die radikale Nachfolge Christi in der Sozialgestalt der Wanderprediger und später der Mönche mit sich trug. Problematisch wurde es, wenn versucht wird, diese zwei Formen der Nachfolge auf eine für alle Christen verbindliche zu reduzieren.

Zur Veranschaulichung: Wenn Jesus sagt: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand…“, so kann dies der allein auf sich gestellte Wanderprediger so leben, die Mutter, dessen Kind von jemanden angegriffen wird, wird selbstverständlich, so weit es ihr möglich ist, ihr Kind auch mit Gewaltanwendung vor einem Kinderschänder schützen. Aber damit leistet sie dem Bösen Widerstand. Familie, Beruf, Beheimatetsein in einer sozialen Gemeinschaft müssen notwendigerweise ein anderes Ethos in sich tragen als jenes von Wanderpredigern.

Wenn Jesu radikale Nachfolge die Entäußerung jedes eigenen Besitzes fordert und damit echte Armut, so formte sich dieses Ethos für die Seßhaften um in die Maxime, die stoisch-paulinische, die da lautet: besitzen, als besäße man nicht.

Das „als ob nicht“ spiritualisiert dann die für die Radikalnachfolge wörtlich gemeinte Regel des völligen Besitzverzichtes. Die Einsicht in die Gleichursprünglichkeit und Gleichlegitimität der beiden Formen der Nachfolge kann uns dann vor solchen Harmonisierungs-Versuchen bewahren, in denen immer einer Gestalt zu Lasten der anderen aufgelöst wird.

Hermann Hesse über das „Ideal des Heiligen“

Es ist hier nicht der Ort, Hermann Hesse als großen Schriftsteller zu würdigen. Hesses „Tractat vom Steppenwolf“ in seinem Roman: „Der Steppenwolf“ soll statt dessen hier für diese Erwägung der Verhältnisbestimmung von radikaler Nachfolge und bürgerlichem Christentum fruchtbar gemacht werden. 

„Der Mensch hat die Möglichkeit, sich ganz und gar dem Geistigen, dem Annäherungsversuch ans Göttliche hinzugeben, dem Ideal des Heiligen. Er hat umgekehrt auch die Möglichkeit, sich ganz und gar dem Triebleben, dem Verlangen seiner Sinne hinzugeben und sein ganzes Streben auf den Gewinn von augenblicklicher Lust zu richten. Der eine Weg führt zum Heiligen, zum Märtyrer des Geistes, zur Selbstaufgabe an Gott. Der andre Weg führt zum Wüstling, zum Märtyrer der Triebe, zur Selbstaufgabe an die Verwesung.“ [4]  

Die bürgerliche Existenz sei nun gekennzeichnet durch den Versuch, beide Extreme zu vermeiden und eine wohltemperierte Mitte zu finden und zu leben. Hesse charakterisiert dies wohltemperierte Leben des Bürgers so:

„Nie wird  er sich aufgeben, sich hingeben, weder dem Rausch noch der Askese, nie wird er Märtyrer sein, nie in seine Vernichtung willigen – im Gegenteil, sein Ideal ist nicht Hingabe, sondern Erhaltung des Ichs, sein Streben gilt weder der Heiligkeit noch deren Gegenteil, Unbedingtheit ist im unerträglich, er will zwar Gott dienen, aber auch dem Rausch, will zwar tugendhaft sein, es aber auch ein bißchen gut und bequem auf Erden haben.“  [5] 

Einfacher gesagt: der Wille zugleich, sein Leben ganz auf das Reich Gottes ausrichten zu wollen und zugleich Weltmensch zu sein, führt zu einer Melange, in der alles Radikale sich auflöst und ein wohltemperiertes maßvolles Leben sich generiert.

Aber  –  und das ist nun Hesses zum Weiterdenken anregende These: dieser Durchschnittsmensch lebt nur, indem er immer wieder Impulse von den Extremen, den Außenseitern in sich aufnimmt und aus ihnen lebt.

So ist der Bürger eingespannt in das Widereinander vom Heiligen und Unheiligen, den beiden Extremen und lebt nur so, inwieweit er Impulse vom nichtbürgerlichen Leben rezipiert. Das bürgerliche Christentum braucht die Impulse radikal gelebter Nachfolge in der Sozialgestalt der Wanderprediger oder der Mönche, um sie aufnehmend maßvoll dann christlich zu leben.

Wo das „Radikale“ fehlt, geht auch das Maßvolle zugrunde

Wo das Radikale verloren geht, da geht auch das Maßvolle zugrunde oder öffnet sich einseitig den Impulsen des Unheiligen, dem Extrem des Wüstlings der Triebe. Und wem dies nun eine bloße blutleere Phantasterei erscheinen mag, der solle auf einem Katholikentag einmal auf die Omnipräsenz des Themas Sexualität und Homosexualität achten. Hat das Reformchristentum noch ein anderes Thema als: mehr Sex?

Der Weltpriester ist nun gerade  im bürgerlich-christlichen  Gemeindeleben der Repräsentant des Nichtbürgerlichen. Er lebt familienlos, hat statt ein Zuhause eine Dienstwohnung und lebt berufslos, insofern unter dem bürgerlichen Beruf immer mitverstanden wird die Dualität von Familienleben und Berufsleben, daß eben der Beruf nur eine der Lebensphären des Bürgers ist, wohingegen der Priester ganz Priester ist und nicht etwa nur, wenn er seinen Beruf ausübt, um dann noch Familienmensch und Staatsbürger zu sein.

Sich ganz für etwas hinzugeben, ist dem Bürger nicht möglich, er ist immer zersplittert in verschiedene Sphären  –  der Priester aber ist ganz und gar, ungeteilt nur Priester.

Luthers Erfolg war und ist nun nicht nur die Abschaffung des Mönchstums als radikale Sozialform der Nachfolge Christi, sondern auch die völlige Verbürgerlichung des Pfarrers: er wird zu einem Beruf wie jeder andere auch, einer wie jener der Weltmenschen, die arbeiten und darin ihre Pflicht erfüllen, um dann in der Familie zu leben.

Der katholische Weltgeistliche dagegen gehört in den Raum der radikalen Nachfolge Christi – darum lebt er in der Tradition dieser Nachfolge familienlos und ehelos. Und gerade so bildet er ein Ferment, das das bürgerliche Gemeindeleben der Christen lebendig erhält.

Das gemeinsame und das besondere Priestertum

Das 2. Vaticanum lehrt:

„Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das amtliche bzw. hierarchische Priestertum unterscheiden sich zwar dem Wesen nach und nicht bloß dem Grade nach; dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt auf je besondere Weise am einen Priestertum Christi teil. Der Amtspriester nämlich bildet kraft der heiligen Vollmacht, derer er sich erfreut, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen aber wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der Darbringung der Eucharistie mit und üben es aus im Empfang der Sakramente, im Gebet und in der Danksagung, durch das Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe.“

Was hier unter dem Wesensunterschied begriffen wird, das ist auch subsumierbar unter die Differenz von radikaler und gemäßigter Nachfolge Christi. Indem der Priester das Opfer Christi im heiligen Meßopfer darbringt, lebt er eine radikale Nachfolge Christi, die es so anderen Christen ermöglicht, bürgerlich christlich zu leben.

Friedrich Nietzsche schreibt in seiner „Fröhlichen Wissenschaft“ den bedenkenswerten Satz: „…denn es ist eine Opferung, ein Priester ist und bleibt ein Menschenopfer…“ [6]

Wenn man sich den Weg vom idealistischen Wanderprediger über den Mönch zum Weltgeistlichen vor Augen führt als Ausdifferenzierung des Typos radikal gelebter Christusnachfolge, dann wird man diesem Votum zustimmen müssen.

Wo für Hesse das Herz bürgerlicher Existenz schlägt, im Willen zur Selbsterhaltung  –  und die Religion nur so weit lebbar ist, wie sie dem nicht zuwiderläuft, da übersteigt die radikale Nachfolge das bürgerliche Leben, denn hier wird das ganze Leben in den Dienst Gottes gestellt und dafür auch geopfert.

Dem Katholizismus steht so im Protestantismus ein völlig verbürgerlichte Christentum gegenüber, das nur noch melancholisch gestimmt an die Zeiten der ersten Liebe mit ihrer radikalen Christusnachfolge denken kann  –  aber wenn ihm so die Impulse dieses heiligen Extremes zur Verlebendigung fehlen – von wo her zieht es dann noch Vitalität?

Hesse deutet es an: im negativen Idealbild des Märtyrers der Triebe.

Das mag übertrieben klingen, aber ist nicht die völlige Abschaffung einer christlichen Sexualmoral im Protestantismus ein Indiz dafür, daß man sich hier in domestizierter Form von diesem Extrem influenzieren läßt, weil das andere Ideal, das eines heiligen Lebens, völlig abhanden gekommen ist?

Solange der Katholizismus noch sein Ideal des heiligen Lebens in sich trägt in der Gestalt radikal gelebter Nachfolge, wird es diesen Versuchungen widerstehen können – verbürgerlicht es, dann wird es schnell fallen, weil das bürgerliche Leben ohne die Impulse der Extreme keine Lebenskraft in sich selbst trägt – so die mehr als bedenkenswerte These Hermann Hesses.

Anmerkungen:
[1]    Theißen, Gerd, Sozoiologie der Jesusbewegung. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Urchristentums, 7. Auflage 1977
[2]    Theißen, G. Soziologie der Jesusbewegung, 7. Auflage 1997 S. 22
[3]    Theißen, S. 23
[4]    Hesse, Hermann, Der Steppenwolf, 1974, S. 68
[5]    Hesse, S. 69
[6]    Nietzsche, F., Fröhliche Wissenschaft, 5. Buch, S. 351
 

Unser Autor Uwe C. Lay ist katholischer Theologe und Publizist

Erstveröffentlichung dieses Beitrags im „Theologischen“ (Ausgabe Mai/Juni 2013)