Berlin: Aktion für inhaftierten Algerien-Korrespondenten Khaled Drareni

Mit einem überdimensionalen Porträt im Zentrum Berlins hat Reporter ohne Grenzen (RSF) am Wochenende auf das Schicksal seines in Algerien inhaftierten Korrespondenten Khaled Drareni aufmerksam gemacht. Mit der Aktion verleiht RSF seiner Forderung Nachdruck, dass Algerien den Journalisten sofort freilassen und seine Strafverfolgung einstellen muss.

Khaled Drareni sitzt seit März in Algerien im Gefängnis und wurde am 15. September in zweiter Instanz zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Er ist einer der bekanntesten Journalisten des nordafrikanischen Landes und galt schon vor seiner Verhaftung als  Symbol der Pressefreiheit.

Drareni hatte von Anfang an kontinuierlich über die sogenannten Hirak-Proteste berichtet, die im April 2019 zum Rücktritt des langjährigen algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika führten, aber auch danach regelmäßig tausende Menschen für grundlegende politische Reformen auf die Straße brachten.

Die Justiz wirft dem Journalisten vor, mit seiner Berichterstattung habe er zu Massenkundgebungen aufgerufen und die nationale Einheit gefährdet. RSF hatte von Anfang an gefordert, alle strafrechtlichen Vorwürfe gegen Drareni fallenzulassen.


Die Gegner der Kirche sitzen in ihr selber!

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Christian Weisner, der Sprecher der „Kirchenvolksbegehrer“ mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“, konnte in der Kirchenzeitung der Erzdiözese München (15.11.2020, Nr. 46, S. 29) auf einer ganzen Seite seine „Reformbewegung“ darstellen.

Der Anlass war das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren. Das Interview trägt den Titel „Eine Kirche der Gleichen“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“

Weisner bedauert darin, dass sie „nicht in den Synodalen Weg einbezogen sind. Es gibt aber gute indirekte Kontakte, vor allem zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken… Die Synode kann auch für die Weltkirche ein Angebot sein, dass hier in Deutschland… neue Wege gefunden werden können“.

Auf die Frage des Interviewers, wie Weiser die „Querschläge… die Instruktion im Sommer und die Äußerungen der Glaubenskongregation zum Abendmahl“ einschätze, meint er: „Ich würde mir von Papst Franziskus ein noch deutlicheres Ja zum Synodalen Weg wünschen… und es wäre sehr ungut, wenn einzelne Bischöfe oder Kardinäle über Rom versuchen würden, den Synodalen Weg zu stören“.

Gefragt nach seinen „Hoffnungen und Wünschen für die nächsten 25 Jahre“ gibt Weisener von sich:

„Es geht uns letztendlich, um das, was der biblischen Botschaft von einer Kirche der gleichen und der verschiedenen Charismen entspricht. Darum, die Ständeunterschiede, die Kluft innerhalb der Kirche zwischen Klerikern, Priestern, Bischöfen, Diakonen und dem allgemeinen Kirchenvolk zu überwinden. Wenn man auf die Kirchengeschichte schaut, sieht man, dass die Tradition der klerikalen, zentralen, absolutistischen Kirche eine sehr junge Tradition ist, die eigentlich erst im 19. Jahrhundert in der Zeit des ersten Vatikanischen Konzils erfunden und installiert worden ist…

Wichtig ist doch: Wie können Gemeinden überleben und gemeinsam Gottesdienst feiern? Und da darf es nicht mehr diese große Rolle spielen, ob Mann, ob Frau, ob verheiratet oder nicht verheiratet – wie es ja auch am Anfang nicht diese große Rolle gespielt hat“.

Ob die Münchner Kirchenzeitung auch einem Kirchenrechtler die Gelegenheit gibt, diese Aussagen von Christian Weisner zurückzuweisen, wäre eine interessante Frage. In jedem Fall ist seit 25 Jahren klar, welche Kirche die Initiative „Wir sind Kirche“ will.

Als das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ 1995 die damals schon existierende religiöse Unwissenheit der Leute ausnützte und die Bischöfe ihre Gläubigen ins Messer laufen ließen, statt in einem gemeinsamen Hirtenbrief vor der Rattenfängerei zu warnen – jeder wusste, dass das „Kirchenvolksbegehren“ kommen würde – da stand „Wir sind Kirche“ auf dem Zenit ihrer Bedeutung.

Daraus erklärt sich auch, dass „Publik Forum“ in einem 40-seitigen Dossier (26. Januar 1996) sehr offenherzig ihre Ziele und ihre Strategie beschrieben hat.

Im Dossier heißt es z.B.: “So wird der Gehorsam gegenüber Rom zum eigentlichen Problem für einen Dialog zwischen einem demokratisch, freiheitlich gesinnten Kirchenvolk und einer hierarchischen, diktatorisch strukturierten Kirchenführung. Der Wert dieses Kadavergehorsams muss vom Kirchenvolk öffentlich infrage gestellt werden.“

Dass die Kirchenzeitung der Erzdiözese München dem Sprecher „Wir sind Kirche“ anlässlich von 25 Jahren „Kirchenvolksbegehren“ eine volle Seite zur Vorstellung einräumt, kann nicht durch naive Unwissenheit erklärt werden. Es ist die fehlende Loyalität, die sich durch ähnliche kirchliche Gazetten und Medien durchzieht. Wir sind wieder einmal bei Joseph Ratzinger mit seiner Feststellung, die Gegner der Kirche sitzen vor allem in der Kirche selbst.


Regensburger Bischof begrüßt vatikanische Instruktion gegen Pfarrei-„Reformen“

Am 20. Juli 2020 veröffentlichte die vatikanische Kleruskongregation im Auftrag von Papst Franziskus eine Instruktion mit dem Titel: Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche.

Sie wendet sich an eine Kirche, die zumindest in Westeuropa viele Pfarrgemeinden auflöst, die das sakramentale Priestertum an den Rand drängt und Neuevangelisierung vielerorts als Strukturpoblem und Aufweichungsprozess verstehen will.

Verständlich, dass die römische Orientierung heftig kritisiert wurde, votiert sie doch unmissverständlich für eine geistliche Umkehr als Voraussetzung missionarischer Wirkkraft, ein Weg, den die Katholiken mit ihren Pfarreien und den berufenen Priestern gehen sollen.

Bischof Rudolf Voderholzer nahm die 400. Fatima-Wallfahrt im oberpfälzischen Tirschenreuth am 13.8.2020 zum Anlass, diese Instruktion zu begrüßen und sein Votum öffentlich zu begründen.

Die Fatima-Wallfahrt sei der rechte Anlass, denn „Maria, die Königin der Apostel, ist uns bei all unserem Bemühen um das rechte Pfarrei- und Kirche-Sein Vorbild und Fürsprecherin.“

Er fügte hinzu: „In Maria schauen wir, dass es entscheidend in der Kirche nicht darauf ankommt, ein Amt zu bekleiden, sondern Christus zur Welt zu bringen und heilig zu werden.“

Die gesamte Predigt können Sie hier nachlesen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/eine-aufloesung-von-pfarreien-steht-fuer-uns-nicht-zur-debatte-bischof-rudolf-zur-aktuellen-instruktion-der-kleruskongregation-anlaesslich-der-400-fatima-monatswallfahrt-in-tirschenreuth-7593/


50-Jahres-Jubiläum der Zeitschrift FELS

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die katholische Monatszeitschrift FELS ist 50 geworden. Was Pater Gerhard Hermes SAC und seine Mitstreiter bewogen hat, den FELS zu gründen, kommt im Vorwort, das er der ersten Ausgabe vorangestellt hat, zum Ausdruck.

Der Grund war die Entwicklung, die die Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil genommen hat. Das Konzil war selbst nicht die Ursache davon, sondern dessen bewusste  Fehlinterpretation und ein falsch verstandenes „Aggiornamento“ im Sinne einer Anpassung.

War das Konzil notwendig?

Joseph Ratzinger hat schon Ende 1958 die Situation der Kirche richtig analysiert, als er sagte:

„Die Statistik täuscht. Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht“.

Der Theologe Ratzinger war nicht nur der Berater des Kölner Erzbischofs auf dem Konzil.

Peter Seewald schreibt in seiner Biographie, dass „Ratzingers Anteil am Konzil nicht marginal, sondern riesig ist… an der Seite von Kardinal Frings war er im Grunde der maßgebliche Spin-Doktor des Vaticanums“.

Christian Schaller ergänzt: „Deshalb war sein Engagement im Vorfeld des Konzils während der Beratungen in Rom und in der flankierenden Vermittlung und nachfolgenden intensiven Rezeption eines der Bedeutendsten innerhalb der theologischen und kirchlichen Wirklichkeit“. (vgl. kath.net. 6.5.2020)

Den Priestern und Ordensleuten, die nach dem Konzil, als sie ihre Erwartungen nicht erfüllt sahen, zu Tausenden der Kirche den Rücken zukehrten, ging es nicht um die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse, sondern um Anpassung an die Welt.

Pater Hermes hat darüber nicht gejammert, sondern gehandelt und im FELS den Auftrag der Kirche angemahnt.

Was hat sich seit der Gründung der Zeitschrift in der Kirche verändert?

Man könnte die Entwicklung mit statistischen Zahlen dokumentieren, z.B. an Hand der Kirchenaustritte, am Rückgang der Priester- und Ordensberufe, am verlorenen Bußsakrament, am immer mehr verschwindenden religiösen Wissen etc.

Der derzeitige Zustand der Kirche in Deutschland spiegelt sich im „Synodalen Weg“ wider.

Auf der ersten Sitzung in Frankfurt am Main wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, selbst die Lehre der Kirche zur Disposition zu stellen. Nur fünf der anwesenden Diözesanbischöfe stimmten dagegen.

Die Themen des „Synodalen Weges“ sind die bekannten Nebenkriegsschauplätze, wie Zölibat, Frauendiakonat, Sexualmoral der Kirche usw., die den Weg zu einer an die Welt angepassten Kirche markieren.

Es sind keine Reformen, die Maß am Wort Jesu nehmen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“

Eine solche Kirche ist weder Orientierung noch Korrektiv für die Gesellschaft, die in der „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien (steht), denen zu widersprechen den Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Grundkonsens bedeutet“. (Benedikt XVI. laut kath.net v. 4.5.2020)

Eine Gewissenserforschung und Änderung des Lebensstils sind für uns alle notwendig. Weil wir nicht wissen, ob das geschieht, ist die Aufgabe, die Pater Hermes vor 50 Jahren begonnen hat, noch nicht vollendet.

Unser Autor Prof. Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und ist Herausgeber der Zeitschrift FELS: http://www.der-fels.de/


Unklarheit über „Querida Amazonas“ und „Schlussdokument“ – was ist gewichtiger?

Mathias von Gersdorff

Das neueste Papstdokument „Querida Amazonas“ öffnet bekanntlich nicht den geringsten Spalt für reformkatholische Vorstellungen bezüglich Zölibats, Viri Probati oder Frauenämter.

Aus diesem Grund wurde schon in der vatikanischen Pressekonferenz die Frage gestellt, welche Autorität demgegenüber das Schlussdokument der Amazonas-Synode besitzt. Dieses Papier war dem Zeitgeist sehr entgegenkommend, was die oben genannten Themen betrifft.

Kardinal Baldisseri erklärte unmissverständlich, das Schlussdokument besitze keine lehramtliche Autorität (vgl. Minute 1:09:00 der Pressekonferenz: https://youtu.be/OoHdNVITDL8). – Hierzu benötige es die ausdrückliche Zustimmung des Papstes.

In seinem Mitteilungsblatt vom 12. Februar 2020 verschickte VaticanNews auch eine Stellungnahme von Kardinal Marx. Darin heißt es: „Kardinal Marx sieht den Synodalen Weg durch das Papstschreiben nicht beeinträchtigt. Er weist darauf hin, dass Franziskus das Schlussdokument der Synode, in dem sich Reformvorschläge finden, ausdrücklich bestätigt.“

Offensichtlich steht diese Aussage im direkten Widerspruch zur Aussage Kardinal Baldisseris in der Pressekonferenz.

Im Artikel selbst ist man (wohl bewusst) ungenauer und lässt die Frage der Autorität des Schlussdokumentes (einigermaßen) offen:

„Zugleich verwies Marx darauf, dass das Schlussdokument der Amazonas-Synode und das jetzt veröffentlichte Papstschreiben eine Einheit darstellten und zusammen betrachtet werden müssten: „Der Papst stellt klar: Das Gesamte ist die Frucht der Synode.“ Es sei bemerkenswert, dass Franziskus die Relevanz beider Schreiben betone und ausdrücklich nicht das eine durch das andere aufhebe.“

Kardinal Baldisseri gehört mitnichten zum konservativen Flügel. Dass er sich auf diese Weise ausdrückt, deutet darauf hin, dass man in Rom keine weiteren Diskussionen zu diesen Themen wünscht.

Erstveröffentlichung des Beitrags von Matthias v. Gersdorff hier: https://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2020/02/amazonas-dokument-versucht-man-die.html


Warum der „Synodale Prozess“ ein Irrweg ist

 Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wir befinden uns auf dem „Synodalen Weg“ von dem wir nicht wissen, wie er enden wird. Erzbischof Kardinal Woelki sagte: „Alle meine Befürchtungen sind eingetreten.“

Gewissermaßen als Ouvertüre zum „Synodalen Weg“ hat sich Pater Johannes Langendörfer SJ, der Sekretär der DBK (Dt. Bischofskonferenz) geäußert.

Dabei behauptete er, dass es in der katholischen Kirche in Deutschland eine Reihe von Blockierungen gebe, die sich begünstigend auf die Entstehung von sexuellem Missbrauch ausgewirkt hätten.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Ursächlich seien u. a. die bisherige Sexualmoral der Kirche, das Priesterbild und vor allem der eingeschränkte Zugang zum Priestertum. Für diesen Standpunkt führt er auch einige durchaus umstrittene Wissenschaftler an. 

Nun soll nach Langendörfer der Synodale Weg „einen neuen Weg“ eröffnen. Er sagte: „Wir machen uns hier auf einen besonderen Weg, den das Kirchenrecht so nicht kennt, das bestimmte Formen vorsieht.“

Das dürfte nach Langendörfer heißen, dass in den Themenforen der Synode Entscheidungen getroffen werden, die die Kirche in Deutschland selber in die Pflicht nehmen. Neu sei, dass es auch „zu Entscheidungen kommen könne, die die römische Ebene betreffen, (zwar) nicht auf der Ebene des Konzils, sondern auf der Ebene des Heiligen Vaters und seiner Kurie.“

Die Deutsche Bischofskonferenz  (DBK) sei nicht gewillt, „zu akzeptieren, dass alle Themen, die jetzt und in Zukunft in Rom entschieden werden, ohne die Beteiligung der Ortskirchen getroffen werden“.

Es ist erstaunlich, wie offen Langendörfer hier seine Ziele gegenüber Rom bereits preisgibt.

Dagegen hat aber Johannes Paul II. schon in seinem Schreiben  „Apostolos suos“ klargestellt, dass Entscheidungen von Bischofskonferenzen, also auch der  DBK evtl. mit dem ZdK nicht gültig seien, wenn sie die Diözesanbischöfe in die Pflicht nehmen wollten.

Das Verbot des Frauenpriestertums, das Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 bekräftigt hat, will Pater Langendörfer nicht mehr akzeptieren.

Er meint: „Es gibt kein Redeverbot zum Priestertum der Frau. Wenn man das in Verbindung mit den Erfahrungen in Bistümern und Gemeinschaften bringt, tut sich da eine große Bandbreite von Gesprächsmöglichkeiten auf.“

Papst Johannes Paul II. erklärte schon in seinem Schreiben vom 22.Mai 199, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich die Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ 

Der Regensburger Bischof Voderholzer (siehe Foto) äußerte sich während der ersten Synodalversammlung zur MHG-Studie (Mannheim-Heidelberg-Gießen).

Dabei wies er die Behauptung zurück, dass die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches Willen und die katholische Sexualmoral sowie die angebliche Machtkonzentration auf Männer  für den sexuellen Missbrauch hauptursächlich seien.

Er bedauerte ausdrücklich, dass die Themen der Synode an diesen wissenschaftlich umstrittenen Aussagen orientiert seien. Damit stehen die Grundannahmen und Voraussetzungen des „Synodalen Prozesses“ auf tönernen Füßen.

Die Synodenmehrheit ist offensichtlich gewillt, ihre Vorstellungen mit brutaler Gewalt durchzusetzen.

Die Bischöfe, die sich an die Lehre der Kirche halten, mussten eine erste Abstimmungsniederlage erleben. Die Erzbischöfe  und Bischöfe von Köln, Passau, Eichstätt, Regensburg  und Görlitz  hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern  Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. 

Doch die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge.

Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „ein Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Lehre der Kirche vorliegt.“ Auch dies wurde abgelehnt.

Die KNA (Katholische Nachrichtenagentur) hat diesen Vorschlag der glaubenstreuen Bischöfe als „konservative Sperrminorität“ bezeichnet.  

Erzbischof Woelki fasste seine Eindrücke in dem Satz zusammen: „Alle meine Befürchtungen sind eingetreten.“

Kardinal Gerhard  Müller (siehe Foto) bezeichnete den „Synodalen Weg als selbstmörderischen, als „suizidalen Prozess“.

Der deutsche Kurienkardinal em. Paul Josef Cordes warnte in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Nuova Bussula Quotdidiana“, dass mit dem „Synodalen Weg“ die Möglichkeit eines Schismas bestehe, da die Diskussionsthemen überwiegend eine Frage der Zuständigkeit der Weltkirche seien und daher nicht im Ermessen der Ortskirche liegen.

Cordes warnte in diesem Interview, dass durch antikatholische und atheistische Massenmedien die Idee einer „neuen Kirche“ propagiert werden soll.

In dieser Situation werden gläubige Katholiken Zuflucht im Gebet suchen – und sie werden sich um die gläubigen Bischöfe scharen, die auch jetzt zur Weltkirche stehen. Für diese Treue zur Weltkirche sind zur Zeit Bismarcks viele deutsche Bischöfe ins Gefängnis gegangen.   

Fotos: Bistum Regensburg, FDK, Archiv

 


ZdK: Konservative Laien sind unerwünscht

Die Katholische Kirche kennt Heilige und Sünder. Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) kennt dagegen gute und schlechte Laien.

Die guten Laien sind vor allem jene, die beim ZdK selbst mitwirken. Deren Präsident Thomas Sternberg ist zugleich CDU-Mitglied.

Das ist nichts Ungewöhnliches: Zu den 45 „bei-gewählten“ Mitgliedern des Komitees gehören und gehörten zahlreiche politische und mediale Vertreter, darunter SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer, der grüne Landesvater Winfried Kretschmann oder der ZDF-Journalist Peter Frey. 97 weitere Mitglieder entstammen kath. Organisationen wie Caritas oder  Kolpingwerk.

Die direkt gewählten Kandidaten aus den Bistümern sind gegenüber den Funktionären und den „Hinzugewählten“ in der Minorität.

Das mindert aber nicht die Funktion des ZdK, das öffentlichkeitswirksam auftritt und bei progressiven Projekten in vorderster Reihe steht: Abschaffung des Zölibats, Frauenweihe und mehr Unabhängigkeit von Rom sind das Ziel.

Daß es seit 500 Jahren bereits ein anderes deutsches Projekt mit dieser Zielvorstellung gibt, ist bisher nicht zu den Verantwortlichen durchgedrungen.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2019/zentralkomitee-der-katholiken-gegen-konservative-laien/


Synodaler Weg: Warum der Brief der zehn Generalvikare in die Irre führt

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Brief der zehn Generalvikare (Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer) vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg soll die Synodalen darin bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.

Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.

Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges, „an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“.

Woher nehmen diese Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen?

Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche?

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“.

Das ZdK fordert beispielsweise:
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.

Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Eine Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.

Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“.

Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen.

Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung.

Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt.

Die Generalvikare haben recht, wenn sie sagen, im „Weiter so–Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht werden können“.

Dieser jahrzehntelang praktizierte Modus ist schon bisher dem „Auftrag“ nicht gerecht geworden. Das Ergebnis dieser pastoralen Praxis sehen wir in der Massenabkehr der Gläubigen von der Kirche (2018: 220.000), in der geringen Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier (2018: 9,8%), in der katastrophalen Unwissenheit der Katholiken über Glaubensinhalte nach neun Jahren Religionsunterricht.

Diese Phänomene haben wir seit langem, nicht erst seit Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsfälle. Wenn sich die Herde auflöst und zerstreut wird, sollten sich die Hauptverantwortlichen der Kirche fragen, ob sie die Ursachen dafür nicht gekannt und was sie dagegen unternommen haben.

Sie sollten sich auch fragen, ob sie „die gesellschaftlichen Entwicklungen“ mit den Forderungen Jesu und dem Glauben der Kirche konfrontiert haben.

Die Gläubigen können z. B. von den Bischöfen, die ihre Stimme für den Umweltschutz erheben, verlangen, dass sie auch und zuerst die Ökologie für die Menschen einfordern. Auch Menschen sind bedroht, z.B. in der Embryonenforschung, durch die pränatalen Diagnostik, durch die Massenabtreibung, durch die aktive Sterbehilfe, durch den Menschenhandel, um die Bordelle zu füllen – und durch die Leihmutterschaft.

Das Schweigen der Bischöfe, Priester und verantwortlichen Laien zu Fragen, bei denen die Gläubigen zurecht eine Orientierung von der Kirche erwarten, führt zu der fatalen Meinung, dass die Kirche mit dem realen Leben nichts zu tun hat.

Dann braucht man sie auch nicht mehr. Daraus resultiert die Abwanderung von der Kirche und schließlich von Gott. Hier liegen Probleme, mit denen sich der Synodale Weg beschäftigen sollte.

Glaubensvertiefung und den Primat der Neuevangelisierung hat Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ angemahnt. Die Gläubigen kennen nämlich das Evangelium nicht mehr. Das Wort des Papstes war klar und verständlich. Aber man wollte es nicht verstehen!

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Synodaler Weg: Eigener Satzungsentwurf von Bischof Voderholzer und Kardinal Woelki

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte entschieden, im Rahmen eines sog. „Synodalen Prozesses“ Weichen für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland zu stellen. 

Papst Franziskus begrüßte in einem Brief an die deutschen Katholiken den Weg, mahnte aber gleichzeitig an, die Neuevangelisierung in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen und bei der Themensetzung die Einheit und Gemeinschaft der katholischen Kirche zu wahren.

Nun schrieb Kardinal Marc Quellet, der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, einen Brief an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz.

Darin stellt er zum Entwurf über das Statut für den Synodalen Weg fest, es entspreche weder den Maßgaben des Papstes noch dem Kirchenrecht.

Zu den Kritikern des von Rom beanstandeten Statuts zählt auch der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto):

„Ich kritisiere die konkrete Gestaltung, nicht den Weg als solchen. Papst Franziskus hat uns in seinem Schreiben vom 29. Juni ausdrücklich zu diesem Weg ermutigt.

Er hat freilich sehr deutlich auch die Leitplanken aufgerichtet, die einem solchen Synodalen Weg die Richtung geben und ihn davor bewahren, in den Straßengraben der Spaltung abzurutschen: Primat der Neuevangelisierung; Beachtung des ’sensus ecclesiae‘; Rücksicht auf die Einheit mit der Weltkirche.“

Bischof Voderholzer betont durchaus die Notwendigkeit von Reformen und eines Neuaufbruchs im Glauben:

„Der Neuausrichtung auf Christus – und das ist der einzige Sinn von ‚Reform‘ in biblischer Perspektive – bedarf es immer; sowohl des Einzelnen wie auch der Kirche insgesamt. Aber was im Vorfeld des Synodalen Weges – auch mit großer theologischer Gelehrsamkeit bemäntelt – als Reform vorgeschlagen wird, ist bei genauerer Betrachtung die Aufgabe des katholischen Profils und die Preisgabe wichtiger Elemente.“

Gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte der Regensburg Oberhirte deshalb einen alternativen Entwurf zur Satzung des Synodalen Weges in die Diskussion eingebracht.

Bischof Voderholzer dazu:

„Dieser Entwurf entspricht dem Reformverständnis der Kirche, er richtet sich nach den Maßgaben von Papst Franziskus, in ihm sind alle Punkte berücksichtigt, auf die Kardinal Marc Quellet in seinem Schreiben an Kardinal Reinhard Marx kritisch hinweist und vor allem: er stellt genau die Herausforderungen in den Mittelpunkt aller Beratungen, vor denen die Kirche hier und jetzt wirklich steht.“

Hier finden Sie den alternativen Satzungsentwurf und eine Zusammenfassung des Entwurfs, in dem Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer die wesentlichen Inhalte und Merkmale des Entwurfs darstellen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/synodaler-weg-alternativer-satzungsentwurf-von-bischof-voderholzer-und-kardinal-woelki-6946/


Wutentbrannter FAZ-Artikel von Deckers zum Streit um den „synodalen Prozess“

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Päpstlicher Hinterhalt“  – der schon Schlimmes ahnen läßt  – veröffentlichte Daniel Deckers vor zwei Tagen in FAZ-online einen Rundumschlag, der für eine seriös und hochwertig sein wollende Qualitätszeitung wie die „Frankfurter Allgemeine“ reichlich aus dem Rahmen fällt: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kommentar-paepstlicher-hinterhalt-16383290.html

Der Redakteur – seines Zeichens Ressortleiter und seit langem zuständig für „Kirchenthemen“ –  bewegt sich mit seinem heftigen Kommentar in der Nähe von Verschwörungstheorien, zumindest betreibt er Polemik und Panikmache.

Der Autor hat bereits vor Jahren in der Causa Tebartz van Elst unermüdlich die kirchenfeindliche Trommel geschlagen, was damals zu Kritik und Abo-Kündigungen katholischer Leser führte. Nun ist Deckers noch mehr in seinem Element und hat diesmal keinen Geringeren als Papst Franziskus zum Prügelknaben erkoren.

Nun kann man durchaus nachvollziehen, daß für manche Zeitgenossen mit dem neuen Pontifex einige Hoffnungen auf „Reformen“ verbunden waren. Nicht immer hat sich der Papst – gelinde gesagt – klar geäußert, bisweilen mag er durch spontane Bemerkungen in manchen Köpfen geradezu euphorische Erwartungen begünstigt haben, als könne nun die Kirche komplett im Sinne des Zeitgeistes umgekrempelt werden, was nicht ohne Grund zu Besorgnissen vieler kirchentreuer Katholiken führte – bis hinauf zum berechtigten Stirnrunzeln von Kardinälen.

Allerdingst schießt Deckers mit seinem jüngsten Kommentar selbst für „reformkatholische“ Verhältnisse weit übers Ziel hinaus. Gleich eingangs legt er ungebremst los:

„Erst macht der Papst den Bischöfen Mut, einen Reformprozess anzustoßen. Doch als die ihn beim Wort nehmen, erklärt er sie für inkompetent und unzurechnungsfähig. Das ist einfach irre.“

In Wirklichkeit hat der Papst den deutschen Oberhirten kein einziges Mal „Mut gemacht“, hierzulande – ohne seine Genehmigung!  – ein (Partikular-)Konzil anzustreben, das sich noch dazu mit weltkirchlichen Themen beschäftigen und hierzu „verbindliche“ (!) Beschlüsse fassen soll.

Ein solche Version einer „Synode“ geht weit über die kirchenrechtliche sowie theologische Kompetenz und Autorität von Bischöfen hinaus, denn diese bilden keine eigene Sonderkirche (auch keine „deutsche Nationalkirche“), sondern sind Teil der katholischen Weltkirche und sollen sich mit dem römischen Lehramt verbunden fühlen, statt es zu ignorieren.

Wenn Deckers zudem schreibt, die Bischofskonferenzen seien „Organe mit einer gewissen authentischen Lehrautorität“, dann irrt er sich durchaus. Papst Benedikt hat oft genug darauf hingewiesen, daß genau dies nicht der Fall ist.

Eine  authentische (allerdings nicht unbeschränkte) „Lehrautorität“ besitzt zwar der einzelne Oberhirte für sein Bistum, aber nicht etwa die Bischofskonferenz als „Organ“, denn diese ist nicht „göttlichen Rechts“ (im Unterschied zum Bischofsamt). Schließlich existierte die katholische Kirche seit der apostolischen Zeit nie ohne Bischöfe, aber sehr wohl größtenteils ohne Bischofskonferenzen.

Im weiteren Verlauf seines Rundumschlags wirft der wutentbrannte Autor dem Papst „und seinen  Büchsenspannern im Vatikan“ vor, deutschen Bischöfen und Laien „in einer Weise in den Rücken“ zu fallen, welche die „gewöhnliche Vorstellungskraft übersteigt“; der Pontifex habe gar die deutschen Bischöfe „in den Hinterhalt gelockt“.

Wenn Deckers dachte und hoffte, der Papst sei wegen einiger reformerisch-klingender Aussagen gleich ganz zum Progressismus übergelaufen, dann befand er sich auf einer rosa Wolke – und er sollte besser in sich gehen, statt außer sich zu geraten.

„Einfach irre“ ist hier jedenfalls nicht Franziskus, sondern dieser zornige Kommentar in der FAZ.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt