Regensburger Bischof Voderholzer: „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote“

Der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto), hat in einem Festvortrag beim Neujahrsempfangs der Aktionsgruppe Altmühl-Jura in Mindelstetten am 16. Januar 2019 erklärt:

„Die Seele Europas ist das Christentum und deshalb ist es auch historisch exakt und verantwortbar, vom ‚christlichen Abendland‘ zu sprechen. Ich halte es nicht für vernünftig, diesen Begriff und die Deutungshoheit darüber anderen zu überlassen, die nationalistische Interessen damit verbinden, die zutiefst einer katholischen Universalität widersprechen.“

Mit Blick auf die Europawahl im Mai dieses Jahres ging Bischof Voderholzer der Frage nach, was die Seele Europas sei, worin sie bestehe.

Dieser Kontinent sei Europa geworden durch den christlichen Glauben. Er trage das Erbe Israels in sich, er habe das Beste des griechischen und des römischen Geistes in sich aufgenommen und damit alle Wesensbereiche Europas geprägt.

Deshalb konnte Europa zum Ursprungsort der wissenschaftlichen Welterklärung mit den Mitteln der menschlichen Vernunft werden. Deshalb konnte Europa Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit entwickeln. Deshalb konnte Europa eine Kultur der Menschenwürde entwickeln.

Der Regensburger Oberhirte veranschaulichte die Prägekraft des Christentums mit einer Fülle an Beispielen, die auch immer wieder die Gefährdungen der Wesenskraft europäischer Identität aufzeigten.

BILD: Denkmal mit den Zehn Geboten auf einem Kirchplatz im Bistum Regensburg

Zum Beispiel die 10 Gebote, die zum jüdischen Erbe des Christentums gehören. Bischof Voderholzer dazu:

„Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote: Schutz der Unversehrtheit des Lebens, Schutz der Ehe und Schutz des Familienzusammenhangs, Schutz des Eigentums, Schutz des guten Rufes eines Menschen. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist die Menschlichkeit in Gefahr.

Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist auch Europa in Gefahr. Wer die Gebote Gottes nicht beachtet,…schadet sich selbst. Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Zum Beispiel der Gottesbezug in den Verfassungen, die sich damit zu den christlichen Fundamenten bekennen, die unser Wertesystem begründen. Der säkulare Staat mache damit deutlich, dass er auf Fundamenten steht, die keine freiheitliche Rechtsgemeinschaft aus sich selbst erschaffen kann, ohne sich selbst zu vergötzen.

Bischof Voderholzer: „Deswegen (…) habe ich auch für den Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten vom April letzten Jahres meine Stimme erhoben zusammen mit dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss.“

Da aktuell der Begriff des „christlichen Abendlandes“ in politischen Debatten auftaucht, ging der Regensburger Bischof auch auf die Stimmen derjenigen ein, die die Gefährdung unseres Kulturraumes hervorheben.

Er gehöre zu denen, „die diese Sorgen nicht einfach von der Hand weisen. Ich wiederhole aber auch hier, was Peter Scholl-Latour, einer der besten Kenner des Orients und des Islam schon vor etlichen Jahren gesagt hat: ‚Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam, sondern wegen seiner eigenen geistigen Schwäche.‘ Ganz ähnlich hat Papst Franziskus etwa anlässlich der Verleihung des Karls-Preises eine gewisse ‚Müdigkeit‘ und ‚Kraftlosigkeit‘ Europas beklagt.“

Lesen Sie den Vortrag in voller Länge nach.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/vom-christlichen-abendland-zu-sprechen-ist-richtig-6525/

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Predigt des Regensburger Bischofs an Silvester

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Es gibt mehrere Tage im Jahr, die wir zur Besinnung, zum Rückblick nützen können: Geburtstage, Jubiläen, den Allerseelentag mit dem Gedächtnis der Verstorbenen. Doch während am Geburtstag beispielsweise ja nur jeweils für mich ein neues Lebensjahr beginnt, betrifft die so genannte Jahres-Wende, der Beginn des neuen Jahres in der bürgerlichen Ordnung doch alle gleichermaßen.

So ist sie ein gemeinsamer Anlass, innezuhalten, den Lauf der Dinge zu bedenken und auf den Herrn der Zeiten zu schauen.

Die Schrifttexte des heutigen 7. Tages der Weihnachtsoktav berücksichtigen denn auch diese Situation der Jahreswende und laden ein zum Bedenken von Anfang und Ende, aber auch der Ewigkeitsbedeutung des jeweiligen Augenblicks.

Der Johannesprolog, die ersten Worte des Johannesevangeliums, greifen die ersten Worte der Bibel überhaupt auf: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Dass es überhaupt Zeit gibt und Raum, ist keine schicksalhafte Begebenheit, sondern Ausdruck des souveränen Schöpferwillens Gottes.

Exakt müsste man sagen: Nicht, es gibt Raum und Zeit, sondern Er, der Schöpfer, Er gibt Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Seine Gabe.

Ob es – physikalisch betrachtet – ein „Urknall“ war, und das Universum sich pulsierend ausbreitet, wie der belgische Astrophysiker und katholische Priester George Lemaitre errechnete und damit schließlich auch Albert Einstein überzeugte, oder ob es naturwissenschaftlich anders zu denken ist, ist dabei ganz zweitrangig.

Dass es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr nichts, ist die erste und fundamental staunenswerte Gegebenheit; dass es mich gibt und dass ich weiß, dass es mich gibt, ist die erste und nicht genug zu bestaunende Ge-Gebenheit aus Gottes freigiebigen und frei-gebenden Händen.

Die Schöpfung war nicht notwendig. Gott hätte sie nicht gebraucht zum „Zeit-Vertreib“ oder zur Auffüllung seiner vermeintlichen „Lange-Weile“. Dem dreifaltigen Gott fehlt nichts im ewigen Hier und Jetzt seiner Lebensfülle.

Wenn er trotzdem die Welt ins zeitliche Dasein ruft, dann allein aus dem Grund, uns, den Menschen, Anteil zu geben an seiner Herrlichkeit.

„Im Anfang war das Wort.“ So greift Johannes nun den ersten Vers der Bibel auf, und er fährt fort: „Und das Wort war bei Gott und es war Gott. Und das Wort ist Fleisch geworden.“

Der ewige Gott ist nicht wie ein handwerklich geschickter Uhrmacher, der sein kunstvolles Werk in die Auslage stellt und weiters keinen Anteil nimmt. In Jesus Christus erkennen wir: Der ewige Gott hat Zeit für uns, nimmt sich Zeit für uns, geht ein in die Geschichte; lebt hin auf seine Stunde.

Seit dem Mönch Dionysius Exiguus im 6. Jahrhundert berechnen wir unsere Jahre nach dem – nachträglich errechneten – Geburtsjahr des Jesus von Nazareth und bekennen uns im Grunde mit jeder Datumsangabe – 31. Dezember 2018 nach Christi Geburt / morgen: 1. Januar 2019 –  zur Menschwerdung Gottes und zu unserem Glauben, dass jedes Jahr ein Jahr des Herrn, ein „Annus Domini“ ist. 

Die Menschwerdung Gottes, seine Entscheidung für uns, ruft auch uns in die Entscheidung. Das Logos-Lied am Beginn des Johannes-Evangeliums, das im Grunde wie eine Ouvertüre alle kommenden Themen bereits aufklingen lässt, deutet es schon an: Am Fleisch gewordenen Wort scheiden sich Licht und Finsternis, entscheiden sich Glaube und Unglaube.

Die Lesung aus dem Ersten Johannes-Brief – alles spricht dafür, dass er von demselben Autor stammt wie das Johannes-Evangelium – spricht von der „letzten Stunde“, „eschátee hóora estin“.

Damit ist nicht so sehr die chronologisch letzte Stunde in der Abfolge der Tage gemeint – etwa im Sinne einer drängenden Naherwartung, sondern eine entscheidende, das Ende bestimmende, das Ende vorwegnehmende Situation.

Für die frühen Christen, Adressaten des Briefes, war eine solche existenzgefährdende, das Sein der Christen herausfordernde Situation das Auftreten von „Anti-Christen“. Dieses Wort ist hier im ganz ursprünglichen Sinn zu nehmen als Bezeichnung für solche, die behaupten, Jesus sei nicht der Christus, Jesus sei nicht der Retter der Welt, sei nicht der Erlöser.

Glaubensverwässerer, Glaubensleugner, Verunsicherer, wie sie immer wieder im Laufe der Kirchengeschichte aus den eigenen Reihen aufgestanden sind und aufstehen, und den Glauben herausfordern.

Dies kann theoretisch geschehen durch gelehrt sich gebende, aber die Offenbarung nicht achtende Theologie, aber auch praktisch durch ein Verhalten, das dem Glauben an Jesus den Christus diametral widerspricht und in die Entscheidung ruft. Angesichts dieser drohenden Gefahr ist in der Kirche immer auch „letzte Stunde“.

Liebe Schwestern und Brüder, die katholische Kirche hat auch in jüngerer Vergangenheit das Auftreten solcher den Glauben an Jesus den Christus durch das Tun bekämpfender Leute erlitten. Wer Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt antut und ihre Selbstbestimmung missachtet, versündigt sich nicht nur an ihrem Leib, sondern auch an ihrer Seele, verstellt ihnen den Blick auf Jesus den Christus und seinen Vater.

Ohne Zweifel wird es die größte Herausforderung des kommenden Jahres und wohl noch darüber hinaus sein, das im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal verlorengegangene Vertrauen wiederzugewinnen; und zwar nicht um des persönlichen Ansehens oder des Ansehens der Kirche willen, sondern um der Botschaft willen, für die wir stehen.

Handlungsbedarf besteht insofern immer, als die menschliche Natur schwach und versuchbar ist. Das Thema wird nie sozusagen „ausgestanden“ sein, sondern Prävention ist und bleibt wichtig. Hier wollen wir noch besser werden. Ich möchte die Präventionsmaßnahmen im Bistum Regensburg regelmäßig von extern evaluieren lassen.

Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird freilich auch nur dann gelingen, wenn wir bei aller gebotener Demut und den notwendigen Selbstbezichtigungen nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich dieses großen gesellschaftlichen Problems in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt und an sich arbeitet.

Kenner der Situation in Deutschland sagen: Nicht zuletzt aufgrund der Maßnahmen seit 2002 und verstärkt seit 2010 gibt es heute keinen sichereren Ort für Kinder in Deutschland als die Einrichtungen der katholischen Kirche. Völlig kontraproduktiv ist das durchsichtige Vorhaben, den Missbrauch nun zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken.

Es war doch nicht die katholische Sexualmoral, die zu den zu beklagenden Verbrechen führte, sondern deren notorische Missachtung.

Ich kann auch nicht verstehen, wie man in diesem Zusammenhang behaupten kann, der Missbrauch von Macht sei Bestandteil des Erbguts der Kirche. Tatsache ist, dass Auflehnung gegen Gott, Versuchbarkeit und Neigung zur Selbstverkrümmung zum Erbgut des Menschen in Adam und Eva gehören.

Dies beinhaltet die oft belächelte, von vielen missverstandene, aber doch so wahre Lehre von der Erbsünde. Es scheint, dass sich ihre Wahrheit umso mehr manifestiert, als sie theoretisch geleugnet wird.

Zu den Kennzeichen der Kirche aber gehört die in der Taufe geschenkte Heiligkeit und die in der Gnade mögliche Haltung des selbstlosen Dienens: „Ihr wisst, […] dass die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei Euch soll es nicht so sein!“ (Mk 10,42f.)

Was die Kirche in Deutschland zur Erneuerung und damit zur Wiedergewinnung ihrer Glaubwürdigkeit dringend braucht, ist nicht in erster Linie „professionelle Verwaltung“. Wenn damit gemeint sein sollte, dass mit den irdischen Gütern gesetzeskonform umgegangen und klug gewirtschaftet wird, ist diese Forderung trivial.

Zur Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit braucht es vielmehr stärkeren Glauben, Gehorsam gegenüber Gottes Wort und, allem voran, gelebte Heiligkeit! Die zu jeder Zeit erforderliche Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an zeitgeist-diktierte Vorstellungen oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten.

Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt eindeutig, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums, aus einer tieferen Liebe zu Christus, aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung sowie aus einer radikaleren Christus-Nachfolge erwachsen sind.

Ob das im 12. Jahrhundert die zisterziensische Bewegung war, im 13. Jahrhundert die Bettelorden mit Franziskus und Dominikus, oder die Beschlüsse des Konzils von Trient im 16. Jahrhundert mit ihren Auswirkungen für die katholische Reform hinein bis ins 17. und 18. Jahrhundert, nie ging es um Abstriche oder gar ein Verlassen des überlieferten Glaubens, immer war es eine Intensivierung der Predigt, des Gebetes, der Mission und der Caritas, und immer waren es heilige Frauen und Männer, die wirklich etwas zum Besseren verändert haben.

Oder schauen wir auf das Wiedererstarken der Kirche im 19. Jahrhundert nach einem unglaublichen Tiefpunkt, markiert durch die Säkularisation: Da waren so große Gestalten wie Johann Michael Sailer, Bischof Wittmann, Maria Theresia Gerhardinger, Paul Josef Nardini, um nur ein paar der großen Beweger und Erneuerer hier in unserer nächsten Umgebung zu nennen.

Und im 20. Jahrhundert hat ein heiliger Papst Johannes Paul II. nicht nur eine weltpolitische Wende hin zur Überwindung des Eisernen Vorhangs eingeleitet, sondern auch mit seiner Theologie des Leibes und einer menschlich-personalen Sicht der Sexualität ein Erbe hinterlassen, mit dem wir wuchern sollten.

Machen wir uns, liebe Schwestern und Brüder, das Schlussgebet der heutigen Messfeier auch ganz persönlich zu Eigen, wenn es nachher heißen wird: „Barmherziger Gott, in jeder Not bist Du unsere Hilfe. Bleibe bei uns mit deinem Schutz. Gib uns, was wir für dieses vergängliche Leben brauchen, und führe uns zur ewigen Vollendung bei Dir.“ – Amen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/jahresschlussmesse-an-silvester-2018-verlorengegangenes-vertrauen-wiedergewinnen-6494/


Der Regensburger Bischof würdigt das „Stille Nacht“-Lied als genialen Wurf

Im Hohen Dom St. Peter hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Heiligen Nacht die Christmesse gefeiert. Er erinnerte daran, dass zentrale christliche Glaubensgeheimnisse in der Nacht gefeiert werden: in der Heiligen Nacht sowie in der Osternachtsfeier.

Auf den Tag 200 Jahre zuvor war erstmals das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erklungen. Das war in St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg geschehen. Bischof Voderholzer nannte das Lied einen „genialen Wurf, der wesentliches der Botschaft von Weihnachten vermittelt“.

Am Ende des Pontifikalgottesdienstes sangen die Regensburger Domspatzen das Lied in drei Strophen auf höchstem musikalischem Niveau. Das weltweit bekannte Lied, das in rund 300 Sprachen übersetzt wurde, hatte erst langsam Einzug in die christlichen Gesangsbücher gefunden.

In seiner Predigt erklärte der Regensburger Bischof, die Autoren Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber hätten der Christenheit mit dem Lied ein großes Geschenk gemacht. Mohr war Hilfspfarrer und hatte den Text verfasst, Gruber war Dorfschullehrer und steuerte die Melodie bei.

Das Lied atmet „eine tiefe Sehnsucht nach Friede und Heil“, sagte Bischof Voderholzer in der Predigt. Kurz zuvor, 1816, hatte die letzte gesamteuropäische Hungersnot stattgefunden. Der Inhalt des Liedes ist wie das Echo der Weihnachtsbotschaft. Es bringt zentrale Aussagen der Weihnachtsbotschaft gültig zu Sprache.

Auch Papst Franziskus hatte kürzlich erklärt, dass er das Lied gerne hat. Es beschreibe die tiefe Göttlichkeit des Jesuskindes in einfacher Sprache. „Danken wir dem HERRN, dass er die Wege Joseph Mohrs und Franz Xaver Grubers sich kreuzen ließ“, erklärte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Das Lied sei eine geistliche Bereicherung.

Bereits zuvor hatten Domspatzen und der Bischof die Kerzen des Christbaums vor dem Hauptaltar im Dom mit dem Feuer des Friedenslichts aus Bethlehem entzündet.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg


Regensburger Bischof würdigt verstorbenen Philosophen Robert Spaemann

Prof. Dr. Robert Spaemann, einer der führenden katholischen Philosophen im deutschsprachigen Raum, ist tot. Er starb am Montag mit 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart.

Dazu erklärt Dr. Rudolf Voderholzer, der Bischof von Regensburg: 

„Der bedeutendste katholische Philosoph unserer Zeit. Sein Wort hatte Gewicht und fand Gehör in der Welt. Seine glasklaren Analysen und sein unbestechliches Urteil waren ein Kompass in stürmischen und unübersichtlichen Debatten.

Der Begründung der Würde des Menschen als Person und deren Schutz vor allen Funktionalismen und Totalitarismen von rechts wie links widmete er sich mit intellektueller Leidenschaft.

Seine frühen Warnungen vor den unabsehbaren Folgen der Nutzung der Kernenergie und seine unwiderlegbare Argumentation für den Lebensschutz in der Abtreibungsfrage sind ebenso wertvoll wie seine Gedanken zur Gottesrede nach Nietzsche. Ein großer Zeuge für die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft!

Gott der HERR, auf den er seine Hoffnung gesetzt hat, vergelte ihm seinen Dienst in der Wahrheitssuche und führe ihn nun vom Glauben zum Schauen.“

Diesen Beitrag von Prof. Dr. Robert Spaemann über ein Sterben in Würde hat er 2015 der Presseabteilung im Bistum Regensburg zur Verfügung gestellt.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/bischof-rudolf-voderholzer-zum-tod-von-robert-spaemann-6462/


Regensburg: Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Institut Papst Benedikt XVI.

Am Sonntagabend hat im Priesterseminar Regensburg unter sehr großer Anteilnahme die Feier des zehnjährigen Bestehens des Institut Papst Benedikt XVI. stattgefunden.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Gründungsdirektor des Instituts, stand der Pontifikalvesper in St. Jakob vor. Beinahe 150 Personen waren gekommen, um das freudige Ereignis zu begehen. Unter den Gästen befand sich auch Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger, der Bruder des emeritierten Papstes.

Im Institut werden die Gesammelten Schriften Josef Ratzinger als die für die Zukunft maßgebliche Edition und Referenzpunkt für die Wissenschaft herausgegeben.

BILD: Prof. Christoph Ohly, Bischof Voderholzer und Kardinal Müller

Von hier aus werden alle maßgeblichen internationalen Aktivitäten koordiniert und begleitet, die sich dem Studium des Werkes des Heiligen Vaters widmen.

Bischof Dr. Voderholzer kündigte bei dieser Gelegenheit das Erscheinen von Band 14 der Gesammelten Schriften an, das die Predigten Joseph Ratzingers enthalten wird. Der Regensburger Bischof informierte darüber, dass ein bedeutender Theologe jüngst bereits von der „Regensburger Ausgabe“ der Werke Joseph Ratzingers gesprochen und diese im selben Atemzug mit der „Kölner Ausgabe“ der Schriften des heiligen Albertus Magnus genannt habe.

Was die Edition der Werke betrifft, so sind bereits zwei Drittel der Arbeit vollzogen worden.

Aufgabe des Instituts ist es auch, die Rezeption des Werkes Joseph Ratzingers anzustoßen. Dr. Voderholzer erinnerte daran, dass es in dieser Hinsicht für die Theologie noch viel zu tun gebe.

Nicht zuletzt die Erforschung des Beitrags Joseph Ratzingers bzw. der Rezeption seiner Arbeiten und seiner Theologie mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962 – 1965) sind noch nicht umfassend angegangen worden.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Symposien zu bedeutenden Aspekten der Theologie Ratzingers stattgefunden, was eine Aufgabe des Instituts ist. Der Regensburger Bischof nannte das Wirken zugunsten der Theologie Joseph Ratzingers eine „erfrischende Tätigkeit“. Die Arbeit werde nicht so schnell ausgehen. Es gelte, den Weg zu einer sprudelnden Quelle weiter zu bahnen.

Kardinal Gerhard Müller, in dessen Zeit als Bischof von Regensburg das Institut eingerichtet worden war, nannte Benedikt XVI. einen „Theologen vom Rang der Kirchenväter“. Er erinnerte daran, dass Vernunft und Glaube im Leben Joseph Ratzingers bis heute nicht zu trennen sind. Das hohe Interesse, das Werk in zahlreiche Fremdsprachen zu übersetzen, zeige seine internationale Bedeutung.

BILD: Eines der neueren Bücher von Papst em. Benedikt  – hier über das Priestertum

Dr. Christian Schaller, Stellv. Direktor der Einrichtung, hatte die Festgäste aus nah und fern begrüßt und in die Feierstunde eingeführt. Im Rahmen des Instituts sind 47 Publikationen in zehn Jahren entstanden. Er stellte zahlreiche Aktivitäten zur internationalen Vernetzung des Instituts vor.

Der Trierer Kirchenrechtler Prof. Dr. Christoph Ohly hielt anschließend auf sehr ansprechende Weise einen Festvortrag. Dabei stellte er die Theologie Joseph Ratzingers als eine faszinierende symphonische Theologie vor.

In der Homilie während der Pontifikalvesper bereits hatte Bischof Dr. Voderholzer gezeigt, wie sich in einer Probepredigt des wenige Wochen zuvor zum Diakon geweihten Joseph Ratzinger bereits seine Meisterschaft abzeichnete. Es war die Predigt vom 3. Dezember 1950, die Diakon Ratzinger im Rahmen seiner Predigtausbildung gehalten hatte.

Quelle: Bistum Regensburg


Bischof Rudolf Voderholzer bekräftigt den Sinn des priesterlichen Zölibats

Regensburger Oberhirte gegen „Missbrauch des Missbrauchs“

Im Rahmen des Pontifikalamtes zum Hochfest des hl. Wolfgang nahm der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer Bezug auf die öffentliche Debatte um die MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen von Klerikern in der Kirche, vor allem aber auf die Konsequenzen, die nach Meinung bestimmter Kommentatoren daraus gezogen werden sollten.

Die Stimmen mehren sich, die Teilen der MHG-Studie erhebliche Schwächen nachweisen. Insbesondere wird die Schlussfolgerung kritisch gesehen, dass angeblich die zölibatäre Lebensform der Priester und die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität mitursächlich für den sexuellen Missbrauch seien.

Man gewinnt den Eindruck, nicht wenigen Interessierten komme diese Schlussfolgerung gerade recht, um lange ersehnte kirchenpolitische Ziele zu verfolgen.

Es ist auch kaum mehr von den Opfern und einer Verbesserung der Prävention die Rede, sondern von grundstürzenden Veränderungen in der Kirche und der Gestalt des geistlichen Dienstamtes, erklärt der Bischof von Regensburg und fügt hinzu:

„Ich halte das für einen Missbrauch des Missbrauchs, insbesondere für einen Missbrauch der Opfer des Missbrauchs. Wenn der Zölibat ursächlich wäre für diese Verbrechen, wie erklärt es sich dann, dass 99,9 Prozent dieser Fälle von nicht zölibatär lebenden Männern getan werden?

Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist die Lebensform Jesu und der Apostel, sie stand in der Kirche von Anfang an wegen ihres Zeugnischarakters in hohem Ansehen und wurde vom Mönchtum, aber auch von Bischöfen und Priestern gelebt, lange bevor sie dann für den Bereich der Westkirche im Mittelalter verbindlich vorgeschrieben wurde. Zu behaupten, der Zölibat sei im Mittelalter ausschließlich aus ökonomischen Gründen eingeführt worden, entbehrt jeder historischen Vernunft.“

Jeder Priesteramtskandidat weiß, so der Bischof weiter, dass die Kirche die freiwillige Annahme des Zölibats als Berufung zur Christusnachfolge zum Kriterium der Berufung in den geistlichen Dienst gemacht hat. Jeder Weihekandidat bekundet ausdrücklich diese Freiwilligkeit.

Dass diese Lebensform in einer übersexualisierten Gesellschaft ein Skandalon darstellt, angefochten, verlacht und bespuckt wird, sei noch lange kein Grund, von dieser biblisch begründeten Tradition abzugehen: „Vielleicht war sie noch nie so wichtig wie heute!“, gibt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zu bedenken.

Notwendig sei freilich eine gute Vorbereitung der Priesteramtskandidaten und eine gute Begleitung der Priester, damit diese Lebensform gut gelebt werden und ihren Zeugnischarakter auch bewahren kann, betont Bischof Voderholzer:

„Unsere Priesterausbildung berücksichtigt sehr wohl die psychologischen und menschlichen Gesichtspunkte, die notwendig sind für eine reife Persönlichkeit. Ich lege dafür meine Hand ins Feuer. Und ich möchte auch an dieser Stelle der überwältigenden Mehrheit der Priester mein Vertrauen aussprechen, die ihren Dienst eifrig und gewissenhaft tun, die unbescholten waren und sind.“

In Deutschland gibt es mit Recht ein sehr strenges Datenschutzgesetz. Gleichzeitig wird von bestimmter Seite die Forderung erhoben, die Personalakten, also einen Datenbestand von höchster Sensibilität, die Personalakten aller Priester gewissermaßen der Öffentlichkeit preiszugeben:

„Dieses Ansinnen ist ungeheuerlich! Die Priester genießen denselben Datenschutz wie alle anderen Menschen auch. Niemand käme doch auf die Idee, den Staat aufzufordern, alle  Personalakten der Lehrer offen zu legen, weil es auch in Schulen zu Fällen sexuellen Missbrauchs kommt. Wenn ein begründeter Anfangsverdacht besteht, dann hat die Staatsanwaltschaft das Recht auf Akteneinsicht und die Pflicht zur Aufklärung“, so der Regensburger Oberhirte.

Und weiter: „Aber diesen Generalverdacht, der sich hier breit macht, weise ich auf das Entschiedenste zurück! Das haben die Priester nicht verdient. Und das hat die katholische Kirche nicht verdient. Die katholische Kirche ist die erste und einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland, die sich in so umfassender Weise diesem Problem stellt.

Ich kann nicht dazu schweigen, dass nun der Eindruck im Raum stehen bleibt, wir seien die einzige Institution, die dieses Problem hat. Ja, wir haben gelernt, dass die Opferperspektive absoluten Vorrang hat vor jeder Rücksichtnahme auf die Institution oder die Täter. Aber sind denn die vielen Opfer in den anderen Bereichen der Gesellschaft weniger wert oder bedeutsam?“, so Bischof Voderholzer abschließend.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/debatte-um-mhg-studie-bischof-rudolf-voderholzer-stellt-klar-zoelibat-ist-lebensform-nach-vorbild-von-jesus-christus-und-den-aposteln-6369/


Erneute Teilnahme des Bischofs von Regensburg am „Marsch für das Leben“

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

Am heutigen Samstag, dem 22. September 2018, beteiligen sich Gläubige aus dem Bistum Regensburg, darunter Bischof Rudolf Voderholzer, am Marsch für das Leben in Berlin.

Es wird eine ökumenische Demonstration mit Menschen aller Konfessionen und Parteien, die sich für das im Grundgesetz garantierte Recht auf Leben einsetzen – darunter in diesem Jahr auch der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit.

In einer Pressemitteilung sorgt sich nun der Oberpfälzer grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt über die aus seiner Sicht „extremistische Unterwanderung“ des Marsches für das Leben und warnt sowohl die Katholiken im Bistum Regensburg als auch Bischof Rudolf Voderholzer davor, am kommenden Samstag in Berlin von ihrem Demonstrationsrecht (Art. 8 GG) Gebrauch zu machen.

Worauf er seine Warnungen bezieht, ist nicht genau bekannt geworden – dennoch kann seine Warnung nicht ganz von der Hand gewiesen werden.

Denn wer sich die Fotos anschaut, die in den vergangenen Jahren beim Marsch für das Leben entstanden sind, sieht in der Tat erschreckende Gewaltbereitschaft, Hass, Hetze und Beleidigungen.

Es handelt sich dabei allerdings nicht um die Teilnehmer/innen am Marsch für das Leben, sondern der sog. Gegendemonstration, zu der u.a. die Grünen (also die Partei von Herrn Schmidt), die Linkspartei sowie andere Gruppierungen aufrufen.

Anstatt die Katholiken im Bistum Regensburg davor zu warnen, von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen, sollte sich Herr Schmidt überlegen, sich von der Hassdemonstration, zu der seine eigene Partei maßgeblich aufruft, zu distanzieren.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/wir-demonstrieren-fuer-das-leben-einladung-zum-marsch-fuer-das-leben-am-22092018-in-berlin-6268/