Fachkräftemangel – ein Fluch der bösen Tat?

Von Reinhard Wenner

In Deutschland soll seit etlichen Jahren ein erheblicher Mangel an Fachkräften bestehen.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel will diesem Mangel nun u. a. dadurch abhelfen, dass vermehrt entsprechend ausgebildete Personen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Brasilien, Indien, Mexiko und Vietnam angeworben werden sollen. Sie erklärte, die rechtlichen Voraussetzungen dafür seien jetzt durch das Fachkräfte- Einwanderungsgesetz geschaffen worden.

Dr. Merkel will also der deutschen Gesellschaft aus einem Notstand heraushelfen, für den sie selbst mitverantwortlich ist.

Schließlich sie ist seit fast 30 Jahren an den Schalthebeln der Macht: Als Bundestagsabgeordnete, als Ministerin für Frauen und Jugend und seit 2005 als Bundeskanzlerin. Sie scheint – wie viele andere politische Verantwortungsträger – wichtige soziale Bedingungen und demografische Entwicklungen nicht erkannt oder aber ignoriert zu haben.

Wenn die Bundeskanzlerin und alle, die nun für das Anwerben von Fachkräften plädieren und die heute 50 Jahre und älter sind und seit über 30 Jahren nicht erkannt haben, wohin massenhafte Abtreibungen und Kinderarmut führen, haben ihnen wesentliche Voraussetzungen für eine vorausschauende Sorge für den Arbeitsmarkt und insgesamt für das Wohl des deutschen Volkes gefehlt. Sie fehlen ihnen offensichtlich auch heute noch. Denn es genügt nicht, Voraussetzungen für das Anwerben ausländischer Fachkräfte zu schaffen, sondern es ist gegen die Ursachen anzugehen und damit vor allem der Tötung ungeborener Kinder Einhalt zu gebieten.

Derzeit sollen in Deutschland etwa 2,5 Millionen Fachkräfte fehlen. Seit über 30 Jahren aber werden alljährlich erheblich mehr als 100.000 Kinder im Mutterleib getötet. Felizitas Küble hat am 6. Februar 2017 im CHRISTLICHEN FORUM überzeugend dargelegt, dass die „amtlichen Zahlen“ über die alljährlichen Abtreibungen in Deutschland falsch, nämlich erheblich untertrieben sind.

Wenn aber staatlicherseits der Kindermord nicht hingenommen worden wäre, gäbe es in Deutschland derzeit zusätzlich etwa 4 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene und damit auch wohl jede Menge zusätzliche Fachkräfte. Denn unter den abgetriebenen Kindern dürften etliche gewesen sein, die hervorragende Krankenpfleger oder Handwerker, Kaufleute, Angestellte, Ärzte, Lehrer, Professoren, Firmenchefs, Priester, Ordensleute geworden wären – Fachleute, die nun sozusagen händeringend gesucht werden.

Wenn in Deutschland ab sofort keine Kinder mehr abgetrieben würden, ständen in etwa 16 bis 19 Jahren ca. 130.00 Jugendliche zusätzlich Jahr für Jahr zum Einstieg ins Berufsleben bereit.

Außerdem sollten sich alle, die für das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz sind, fragen, ob die Fachkräfte aus anderen Staaten nicht im jeweils eigenen Land ebenfalls dringend gebraucht werden. Denn die Fachleute in anderen Ländern sind wohl kaum ausgebildet worden, um in Deutschland als Notnägel eingesetzt werden zu können.

Was Deutschland schon vor 30 Jahren gebraucht hätte und auch heute dringend benötigt, sind Politiker, Firmenchefs, Gewerkschaftsführer, Handwerksmeister, Lehrer, Priester, Bischöfe, die aus der Geschichte gelernt haben, wie Zukunft verantwortlich zu gestalten ist, und die die Forderung unseres Grundgesetzes ernst nehmen: „Jeder hat das Recht auf Leben“ (Art. 2 Abs. 2 GG).

Durch das Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz wird m.E. eingestanden, dass der Staat auf dem Gebiet der Bevölkerungspolitik ziemlich versagt hat. Und anzufügen ist: Sie lernen es immer noch nicht. Denn sie wursteln in Sachen Abtreibung und Familienpolitik weiter herum wie seit 30 Jahren schon.

Wer aber weiter Abtreibungen hinnimmt, kann auch in 16 Jahren noch im Ausland auf die Suche nach Lehrlingen und Fachkräften gehen, deutsche Botschaften und Konsulate durch weiteres Personal aufstocken – alles Arbeitsbeschaffungsprogramme der besonderen Art, die aus familienpolitischen Fehlentscheidungen und unter Missachtung des Rechts auf Leben erwachsen und damit hausgemacht sind.

Der derzeitige Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Folge von Versäumnissen und menschenrechtswidrigem Verhalten.


Wenn Politiker bedroht werden: Empörung! – Bei Abtreibungen: Schweigen!

Von Reinhard Wenner

Als am 2. November 2019 bekannt wurde, dass die beiden Abgeordneten der GRÜNEN, Claudia Roth und Cem Özdemir, Todesdrohungen erhalten haben, wurde  –  zu Recht – Empörung geäußert und rasche Aufklärung gefordert. 

Beim Thema „Abtreibung“ dagegen herrscht bei etlichen Politikern und Medien Schweigen. Bei Bedrohungen und Anschlägen auf Politiker und bei Unglücksfällen, bei denen auch Kinder zu Schaden gekommen sind, gibt es öfter gleichsam eine Empörungs- bzw. Betroffenheitswelle.

Von Schock ist die Rede, unter dem angeblich die ganze Stadt, die ganze Nation stehe. Rufe nach stärkerem Personenschutz von Politikern und ein energisches strafrechtliches Durchgreifen und Erhöhung des Strafrahmens ertönen. Ggf. werden auch weitere technische Sicherheitsmaßnahmen gefordert.

Und wer ist schockiert und findet es himmelschreiend, wenn alljährlich in Deutschland mehr als 100.000 Kinder abgetrieben werden? Von Strafrechtsschutz ist dann keine Rede.

Die armen Kinder – aber nicht, wenn es um Abtreibungen geht.

Bei Fernsehberichten über Flüchtlingssituationen werden immer wieder – Mitleid heischend – Kleinkinder gezeigt und bei Unglücksfällen oder in Notsituationen, bei denen auch Kinder betroffen sind, wird von ARD, ZDF und Deutschlandfunk öfter ihre Anzahl genannt.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Sonderbar wird es erst, wenn dieselben Medien nichts über die täglich in Deutschland durch Abtreibung getöteten Kinder berichten. Bei den über 100.000 Abtreibungen pro Jahr sind das durchschnittlich mehr als 275 Kinder pro Tag.

Nach den Morddrohungen gegen Claudia Roth und Cem Özdemir hat Bundesinnenminister Seehofer von einer „Verrohung unserer Gesellschaft“ gesprochen. Aber mir ist nicht bekannt, dass er das jemals im Blick auf die Abtreibungen gesagt hat.

Mir ist weiter nicht bekannt, dass z.B. der derzeitige Bundespräsident wiederholt die Abtreibungen kritisiert hat, auch die Bundeskanzlerin nicht und auch keines ihrer Kabinettsmitglieder. Von Frau Roth und Herrn Özdemir von den GRÜNEN ist mir ebenfalls kein entsprechender Protest bekannt.

Das Recht auf Leben – Art. 2 Abs. 2 GG – gilt bei etlichen Leuten uneingeschränkt wohl nur, wenn Politiker bedroht werden.

Frauen und Männer, die die derzeitige „Abtreibungsregelung“ beschlossen haben und auch jene, die daran festhalten, sind durchaus dafür, in anderen Staaten qualifizierte Frauen und Männer für Kranken- und Altenpflege, für Industriebetriebe, Handwerk und Handel anzuwerben – neuestens Bundeskanzlerin Dr. Merkel in Indien und Bundesgesundheitsminister Spahn in Mexiko.

Wie wäre es, wenn Arbeitgeberverbände, Handwerkskammern, Gewerkschaften, die sich ja alle in Prognosen auskennen (sollten), der Bundesregierung und den Abgeordneten des Bundestages immer wieder sagten, dass all diese getöteten Kinder in Deutschland fehlen?

Denn unter den über 100.000 Kindern, die da seit Jahrzehnten Jahr für Jahr getötet worden sind, dürften etliche gewesen sein, die hervorragende Erfinder, Ingenieure, Handwerker, Dichter, Musiker, Universitätsprofessoren, Ärzte geworden wären – „Fachleute“, die schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht dringend gebraucht würden.

Wir brauchen heutzutage zum Glück keine neuen „Kriegerdenkmale“ mehr. Was wir aber dringend brauchen, sind Erinnerungsstätten für die im Mutterleib getöteten Kinder einschließlich jener Kinder, die aus biologisch-medizinischen Gründen nicht lebend zur Welt gekommen sind.

Wenn für jedes im Mutterleib getötete bzw. nicht lebensfähige Kind ein Baum gepflanzt worden wäre, gäbe es inzwischen allein in Deutschland zusätzlich riesige Wälder.

Unser Autor Reinhard Wenner ist Mitverfasser des islamkritischen Sachbuches „Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen“. Das 848 Seiten starke Werk kann für 34 Euro direkt bei ihm bestellt werden: reinhard.wenner@gmx.de


Anmerkungen zum Evangelischen Kirchentag

Von Reinhard Wenner

In der Predigt beim Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages am 23. Juni 2019 in Dortmund hat die evangelische Pastorin Sandra Bils gesagt: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Meines Erachtens ist dieser Satz zu ergänzen: Man lässt keine Kinder abtreiben. Ausrufezeichen!

Man lässt nicht Millionen von Christen durch islamische und atheistische Staaten verfolgen. Ausrufezeichen!

Der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker, wird mit den Sätzen zitiert: „Pilatus wusch sich die Hände in Unschuld. Europäische Politikerinnen und Politiker waschen sie in dem Wasser, in dem Flüchtlinge ertrinken“.

Herr Leyendecker könnte gefragt werden, ob er und einige evangelische Präsides sowie einige Pastoren und Pastorinnen ihre Hände in dem Wasser waschen, in dem Mediziner in Deutschland nach hunderttausendfacher Abtreibung pro Jahr jeweils die blutigen Instrumente säubern.


Warum wird das „Gebet für Volk und Vaterland“ hierzulande vernachlässigt?

Von Reinhard Wenner

Ist die katholische Kirche in Deutschland vertragstreu?  – Wenn es um das Gebet für Volk und Vaterland geht, wohl kaum.

Nach Artikel 30 des Reichskonkordats ist die katholische Kirche in Deutschland verpflichtet, an allen Sonn- und Feiertagen für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes zu beten. Denn in Artikel 30 des nach wie vor gültigen Reichskonkordats ist vereinbart worden:

„An den Sonntagen und den gebotenen Feiertagen wird in den Bischofskirchen sowie in den Pfarr-, Filial- und Klosterkirchen des Deutschen Reiches im Anschluss an den Hauptgottesdienst, entsprechend den Vorschriften der kirchlichen Liturgie, ein Gebet für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes eingelegt.“

Diese Verpflichtung hat die Deutsche Bischofskonferenz 1966 dahin gehend geändert, dass künftig solch ein Gebet nicht mehr nach dem Schlusssegen der hl. Messe zu sprechen ist, sondern dass es im Rahmen der allgemeinen Fürbitte „für die Regierenden und für das Heil der ganzen Welt“ erfolgen soll.

1984 hat die Deutschen Bischofskonferenz nach ihrer Frühjahrs-Vollversammlung eine weitere „Erklärung“ zum „Gebet für Volk und Vaterland“ veröffentlicht. Sie erinnert darin an „diese Verpflichtung und bittet alle Priester und Gemeinden, bei den Fürbitten in den Gemeindemessen aller Sonn- und Feiertage auch für unser Volk und Vaterland zu beten und zwar etwa auf folgende Weise:

„Gedenke der Bedrängnisse unsres Volkes; lenke seinen Weg inmitten aller Gefahren und schenke ihm Eintracht und Einheit, Freiheit und Frieden mit allen Völkern Europas und der ganzen Erde.“

Aber diese Erklärung ist damals nur in elf kirchlichen Amtsblättern veröffentlicht worden.

Welcher jüngere Mitfeiernde hat dieses Gebet wohl jemals in einer Eucharistiefeier bei den Fürbitten gehört? Die älteren Mitfeiernden wären zu fragen, ob sie dieses oder ein entsprechendes Fürbittgebet in den letzten 33 Jahren gehört und innerlich mitgebetet haben.

Wer hat, wenn er an einer Eucharistiefeier im Dom teilgenommen hat, Gelegenheit gehabt, zusammen mit dem Bischof dieses oder ein entsprechendes Gebet für das deutsche Volk und Vaterland zu beten? Hat der Bischof in den letzten Jahren und Jahrzehnten bei den Visitationen in der Pfarrei zusammen mit den Gläubigen dezidiert für das Wohlergehen des deutschen Volkes und Vaterlandes in den Gottesdiensten gebetet und die Priester an diese Pflicht erinnert?

Papst Franziskus hat laut „Radio Vatikan“ vom 18. September 2017 gefordert, für die Regierenden zu beten: „Denn es ist eine Sünde, für die Regierenden nicht zu beten“. Die Regierenden aber hat er aufgefordert, für die zu beten, von denen sie den Regierungsauftrag erhalten haben.

Hat sich seither in dieser Hinsicht in den deutschen Bistümern schon etwas getan? Oder wird Artikel 30 des Reichskonkordats wie seit Jahrzehnten weitgehend missachtet und – folgt man Papst Franziskus  –  also auch weiter „gesündigt“?

Der „Tag der Deutschen Einheit“ könnte und sollte Anlass sein, ab sofort mindestens wieder an jedem Sonn- und Feiertag Gott um seinen Schutz und Segen für das deutsche Volk und Vaterland zu bitten.

Im „Laudate“, dem Gebetbuch und Gesangbuch für das Bistum Münster aus dem Jahr 1955, lautet das Gebet „Für unser Volk und Vaterland“:

V(orbeter): Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater: Wir bitten Dich voll Vertrauen:
A(lle): Beschütze unser deutsches Volk und Vaterland.
V Wehre ab alle inneren und äußeren Feinde.
A Bewahre uns vor Krieg, Seuchen und Hungersnot.
V Hilf uns im Kampfe gegen die Feinde der Kirche.
A Vernichte in unserem Volke den Geist der Zwietracht und des Haders.
V Hilf, dass alle ein Herz und eine Seele seien, dass alles erneuert werde in Christus, dem König der Welt.
A Hilf, dass sein Friedensreich komme.
V Lass uns im Streben nach leiblicher Wohlfahrt und irdischem Fortschritt nicht vergessen, zu suchen, was droben ist, damit wir einst Erben der ewigen Heimat werden, die bei Dir im Himmel ist. Durch Christus unseren Herrn.
A Amen.
V Heiliger Erzengel Michael, du Schutzpatron des deutschen Volkes,

A Bitte für uns. Amen.

Im „Gotteslob“ aus dem Jahr 2013 ist offenbar kein eigenes Gebet für unser deutsches Volk und Vaterland zu finden.

Im MESSBUCH (Kleinausgabe 1978) für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes steht auf Seite 1054 ein Gebet „FÜR HEIMAT UND VATERLAND UND DIE BÜRGERLICHE GEMEINSCHFT“. Es lautet:

„Allmächtiger Gott, du Lenker der Welt, deiner Macht ist alles unterworfen. Wir bitten dich für unsere Heimat (unsere Stadt, unser Vaterland): Gib den Männern und Frauen, die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen, Weisheit und Tatkraft. Gib allen Bürgern die rechte Gesinnung. Lass Eintracht und Gerechtigkeit in unserem Land herrschen und schenk uns allezeit Glück und Frieden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.“

Aber es ist kein Gebet ausdrücklich für das deutsche Volk und Vaterland, sondern ein allgemeines Gebet.

Interessant wäre es zu erfahren, mit welchen Worten die Christen in anderen Völkern für ihr Volk und Vaterland beten. Und wer erinnert sich, wenigstens das Gebet aus dem MESSBUCH von 1978 schon öfter gehört und mitgebetet zu haben?

Unser Autor Reinhard Wenner ist Mitverfasser des islamkritischen Sachbuches „Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen“. Das 848 Seiten starke Werk kann für 34 Euro direkt bei unserem Autor bestellt werden: reinhard.wenner@gmx.de

ERGÄNZEND zum Thema „Fürbitten für Deutschland“ siehe hier der Artikel von Pater Lothar Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2012/10/02/zum-tag-der-deutschen-einheit-gebet-und-furbitte-fur-unser-land/