Oberschwaben: Seit 300 Jahren gibt es den traditionellen Blutritt in Bad Wurzach

In Europa gibt es in mehreren Städten, vor allem in Süddeutschland, eindrucksvolle Reiterprozessionen zu Ehren des hl. Blutes Christi, so zB. im oberschwäbischen Weingarten sowie in Bad Wurzach. Dort wird in diesem Sommer das 300-jährige Jubiläum dieser Tradition gefeiert.

1700 Reiter, 35 Musikkapellen und mehr als fünftausend Pilger ziehen am Freitag, den 14. Juli 2017 schon am frühen Morgen ab 7 Uhr besinnlich betend durch die Innenstadt und das Umfeld dieses schwäbischen Kurortes.

Danach folgt ein Pontifikalamt (feierliche Bischofsmesse) mit Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart, später eine Predigt auf dem sog. „Gottesberg“ bei Bad Wurzach, zu dem bis vor wenigen Jahren spezielle Männerwallfahrten stattfanden (inzwischen Familienwallfahrten).

Der Jubiläums-Blutritt endet am späten Nachmittag.

 

 


„Blutfreitag“ in Weingarten: Größte Reiterprozession Europas verehrt das Blut Christi

Jahrhundertealtes katholisches Volksfest im Herzen Oberschwabens

Auch in diesem Jahr fand in der oberschwäbischen Barock-Stadt Weingarten bei Ravensburg wieder der  „Heilig-Blut-Ritt“ stand  –  wie immer  stets am Tag nach Christi Himmelfahrt, auch „Blutfreitag“ genannt; die prunkvolle Prozession geschieht zu Ehren des kostbaren Blutes Christi.

Diese Pilgerfeier ist eine Mischung aus Wallfahrt und Volksfest, aus Frömmigkeit und Folklore, wie es für diese glaubensfrohe und gesellige Region durchaus typisch ist.

Mit ca 3000 Reitern  –  darunter vielen Priestern und Ministranten „hoch zu Roß“  –  gilt dieser jahrhundertealte „Heilig-Blut-Ritt“ als größte Reiterprozession Europas.

Am „Blutfreitag“, den 18. Mai  2012, brachen Reiter aus Stadt und Land in Oberschwaben bei strahlendem Sonnenschein pünktlich um sieben Uhr  auf  –  auch Pilger aus der Weingartner Partnerstadt Mantua in Italien gehörten dazu.  Der Prozessionsweg führt durch Stadt und Fluren – und endet bei der berühmten Barock-Basilika in Weingarten.

Bis zum Blutfreitag 2010 war es der Abt des Benediktiner-Klosters Weingarten, der als „Heilig-Blut-Reiter“ fungierte; diesmal ging diese Aufgabe an Dekan Ekkehard Schmid über.  Er segnete mit der vielverehrten Heilig-Blut-Reliquie tausende Wallfahrter und Schaulustige am Straßenrand, aber auch Haus, Hof und Felder.

Die Reliquie geht auf  jenen römischen  Soldaten zurück, der Christus am Kreuz mit der Lanze in die Seite gestoßen haben soll  – er wird in der Tradition als Longinus bezeichnet. Im Jahr 804 tauchte das damals von ihm gesammelte Blut im italienischen Mantua wieder auf, wie eine Legende erzählt  – und wurde bereits als Reliquie verehrt.

Im Jahre 1094 vermachte die Gemahlin Welfs IV., Judith von Flandern, die kostbare Reliquie  dem Benediktinerkloster Weingarten, woraus sich später eine vielbesuchte Wallfahrt entwickelte, die das Kirchenvolk bis heute jährlich auf den Martinsberg in Weingarten führt, auf dem das Kloster und die Basilika steht.

Selbst der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann ließ es sich nicht nehmen, dieses „fromme Volksfest“ im Herzen des katholischen Oberschwaben mitzufeiern. Ein festliches Pontifikalamt mit dem Feldkircher Bischof Elmar Fischer (em.), der aus Österreich anreiste,  beschloß den Heilig-Blut-Ritt in der Basilika.

Eine Fotoserie vom Blutritt 2006 gibts hier: http://www.blutritt.de/images/2006_Album_Lobinger/index.html