Lex credendi, lex orandi: Der Glaube kommt nicht vom Schauen, sondern vom Hören!

Von Felizitas Küble

Es gibt zwei verschiedene Vorstellungen davon, der Glaube komme vom „Schauen“, sei also vor allem eine Sache unserer Sinne und des Erlebens, weniger eine Angelegenheit des Verstandes bzw. unseres Willens. 

Eine dieser Varianten des Gefühlschristentums ist die charismatische, die ihren Glauben besonders auf religiös-persönliche Erfahrungen, außergewöhnliche Charismen, Visionen und Erlebnisse aufbaut.

Die zweite, eher konservative Form einer stark gefühlsorientierten, sinnlichen Frömmigkeit ist der traditionelle Ästhetizismus, also das intensive Empfinden für liturgische Schönheit und Erhabenheit, für erhebende Gesänge, erlesene Rituale, festliche Meßgewänder usw.

Keine Frage, daß solche besonders feierlichen und würdig zelebrierten Gottesdienste  – die man vor allem in der überlieferten „alten Messe“ vorfindet – den Glauben stärken und ihm durch einen gewissen Schimmer von „Glanz und Gloria“ das besondere „Etwas“ verleihen können.

Für manche stark kulturell geprägten Menschen war und ist solch eine Herz und  Gefühle ansprechende Liturgie sogar das „Sprungbrett“ für ihre Bekehrung, sie ist dann eine individuelle Brücke zum Glauben.

Gilt also doch der Grundsatz „Lex orandi, lex credendi“?  – Also das Prinzip: Aus dem Gesetz des Betens folgt das Gesetz des Glaubens.

In Einzelfällen ja, auch in dem Sinne, daß das Gebet der Kirche – also die Liturgie – dem Glauben neue Innerlichkeit und Freude ermöglichen kann.

Aber grundlegend für unseren Glauben sind weder außergewöhnliche religiöse Erlebnisse – wie bei der Charismatik – noch besonders erhebende Rituale – wie beim Liturgismus – sondern vielmehr unser bewußtes JA zu den von Gott geoffenbarten Wahrheiten.

Denn der Allmächtige hat sich den Menschen mitgeteilt durch sein Wort, durch die Propheten des Alten Bundes, vor allem durch das menschgewordene WORT (Logos), durch Christus selbst, denn „zuletzt hat GOTT gesprochen durch seinen Sohn“, wie der Hebräerbrief betont.

In diesem Sinne betont der Apostel Paulus: „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17), er ist also eine Auswirkung der christlichen Verkündigung. Der Völkermissionar fügte hinzu: „Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen“ (2 Kor 5,7).

Somit gilt der Grundsatz: Lex credendi, lex orandi: Aus dem Gesetz des Glaubens folgt das Gesetz des Betens!

Aus dem Glauben der Kirche ergibt sich somit ihr Gottesdienst, ihre Liturgie, ihre amtliche Gottesverehrung. Diese ist nicht Ursache, sondern Ausdrucksform des Glaubens.

Auch die Frömmigkeit des Einzelnen ist eine ANTWORT auf das WORT  –  und seine Ver-ANTWORT-ung besteht darin, dieses Wort in die Tat umzusetzen, denn der Glaube ohne Werke ist tot, wie der Apostel Jakobus schon vor fast zweitausend Jahren einschärfte (vgl. Jak2,4).

Je nach Auslegung und Zusammenhang haben also beide Prinzipien ihre Gültigkeit, wobei jedoch eine übertriebene Ausweitung der liturgischen Sicht („Lex orandi, lex credendi“) zu vermeiden ist.

Auch Papst Pius XII. forderte in seiner 1947 veröffentlichten Enzyklika „Mediator Dei“ eine stärkere Betontung des lex credendi (Gesetz des Glaubens) gegenüber dem lex orandi (Gesetz des Betens, der Liturgie), da „die lehramtlich zu bestimmende Glaubensregel […] auch die Regel des Gottesdienstes zu bestimmen“ hat.

Mit anderen Worten: Aus der Glaubenslehre folgt das Gebet, auch der Gottesdienst und die gesamte Liturgie.

Praktisch erkennt man diese Logik auch hinsichtlich der Ostkirchen: Die Orthodoxie hat eine gültige, sogar sehr würdevolle Liturgie, die von konservativen Katholiken oft stark gewürdigt und wertgeschätzt wird. Trotz dieser „rituellen Korrektheit“ bestehen aber erhebliche dogmatische Unterschiede zwischen ihr und der katholischen Kirche – was zum Schisma (Trennung, Abspaltung) führte. Eine richtige Liturgie sorgt also  – wie man hier sieht – nicht unbedingt auch glaubensmäßig immer für den rechten Weg.


Wölfe im frommen Schafspelz: Wie spiritueller Missbrauch funktioniert

Von Felizitas Küble

Über den großen deutschen Philosophen Immanuel Kant, der im ostpreußischen Königsberg lebte, schreibt der jüdische Religionspsychologe Karl Jaspers:

„An den Grenzen der Vernunft steht das Unbegreifliche und das Geheimnis. Das Unbegreifliche aber ist nicht das Unvernünftige, sondern das durch Vernunft als Grenze der Vernunft Erfahrene und in das Licht der Vernunft Aufgenommene“ (Karl Jaspers, Die großen Philosophen, S. 511).

Ja, das ist wahr: Der Glaube reicht zwar über den Grenzen der „bloßen Vernunft“ hinaus und hinauf, aber er steht nicht gegen sie. Immerhin ist GOTT selbst der Schöpfer des menschlichen Verstandes und seiner Einsichtsfähigkeit. Freilich benötigt die Vernunft, die infolge des Sündenfalls geschwächt ist, das Licht des Glaubens.

Es gibt aber auch religiöse Milieus, die keinen Wert auf eine Übereinstimmung von Glaube und Vernunft legen. Hierzu gehören nicht allein die vielkritisierten Sekten, sondern auch Gemeinschaften innerhalb der etablierten christlichen Kirchen, die sich gleichsam ihr eigenes Glaubensnest gebastelt haben und dieses für komplett unfehlbar halten.

Wenn dann auch noch eine umschwärmte Führerfigur  –  von „Gottes Gnaden hocherleuchet“ – vorgibt, den Willen des Allerhöchsten in allen Details zu kennen, sind die aus diesem System erwachsenden Sumpfblüten des geistlichen Missbrauchs nur eine Frage der Zeit.

Das raffinierte Problem bei seelsorglichen Übergriffen besteht darin, daß diese im Namen des Glaubens oder gar des Heiligen Geistes erfolgen und daher für die Betroffenen schwer durchschaubar sind, vor allem dann, wenn sie in diesem spirituellen Umfeld selber „bekehrt“ worden sind oder glauben, dort eine „Geisttaufe“ erhalten zu haben.

Besonders Menschen, die selber existentiell und/oder unsicher sind, die sich evtl. von den Ansprüchen und der „Unübersichtlichkeit“ des modernen Lebens überfordert fühlen, sind ein leichtes Opfer manipulativer Machenschaften.

Hierzu einige Beispiele aus den Erlebnisberichten von Betroffenen, die sich seit Jahrzehnten bei mir melden, da ich mich schon lange kritisch mit esoterischen und schwarmgeistigen Phänomenen befasse.

Natürlich anonymisiere ich die Schilderungen und lasse einige Umstände weg, damit keine Rückschlüsse auf die realen Personen möglich sind:

Missbrauch der SEELENSCHAU:

Eine Frau mittleren Alters ruft an und fragt mich, was ich von dem Wirken einer gewissen Nonne aus dem Bistum Fulda halte, die ein charismatisches Seminarhaus leitet. Ich erkläre ihr, daß ich die Vorgänge seit langem skeptisch sehe und sich etliche Geschädigte bei mir gemeldet hätten. Dadurch ermutigt, erzählt mir die Dame folgendes: Jene Ordensfrau gibt vor, die  „Herzensschau“ zu besitzen (das suggeriert sie tatsächlich auch in ihren beiden Büchern) – und zudem die Gabe der Heilung, das „Wort der Erkenntnis“ usw. – Nun war die Anruferin lange Zeit sehr eingenommen von jener Nonne, doch bei einem ihrer Gebetstage widersprach sie ihr in einer eher unwichtigen Sache in bester Absicht. Was folgte, habe sie aber total verstört: Die deutsch-indische Seminarleiterin gab ihr „im höheren Auftrag“ zu verstehen, die Gottesmutter Maria sei ganz weit von ihr entfernt, sehr enttäuscht und wolle nichts mit ihr zu tun haben.   – Dadurch sei ihre Gebetsverbindung zu Maria jahrelang gestört gewesen, denn sie habe nach wie vor an die „Geistesgaben“ jener Nonne geglaubt. Erst als sie meine kritischen Artikel darüber las, seien ihr ernste Zweifel gekommen. 

Ich sagte der erkennbar immer noch erschütterten Dame, sie möge kein einziges Wort von diesem Unsinn glaube, es handle sich hier um geistlichen Missbrauch bzw. darum, jeden – noch so harmlosen – Ansatz einer Kritik im Keime zu ersticken mit dem Verteufeln von jenen, die sich nicht mehr hundertprozentig auf ihrer Linie befinden. – Mir schien, die Anruferin war getröstet und darin bestärkt, sich von diesem spirituellen Übergriff, der an ihr geschehen war, zu lösen.

Missbrauch der AHNENSCHULD:

Es mag sein, daß unsere Vorfahren vielleicht in Aberglauben, Magie, Zauberei und Spiritismus verstrickt waren. Vielleicht findet der eine von uns ein altes Zauberbuch in Großvaters Hinterlassenschaft, der nächste ein Wahrsage-Pendel beim Großonkel, der dritte hört, daß sich die Uroma von einer „Hellseherin „beraten“ ließ usw. – Nun geht uns dies im Grunde nichts an und man sollte es tunlichst unterlassen, diesbezüglich eine unnötige „Ahnenforschung“ zu betreiben. Schließlich gibt es auch noch ein Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, das gilt auch für weitere Vorfahren etc.  – Überdies wissen wir nicht, ob unsere vielleicht schuldig gewordenen Ahnen ihre magischen Irrwege bereut haben, also überlassen wir diese Dinge der Barmherzigkeit Gottes und beten für unsere Verstorbenen (und fertig!).

Nicht so in charismatischen „Heilungs“-Seminaren, die sich der Vorfahrensschuld widmen und die Teilnehmer allen Ernstes auffordern, rituelle „Lossage-Gebete“ zu sprechen, um sich von vermeintlicher „Ahnenschuld“ und deren dämonischer Bindung zu „befreien“. –  In diesem Zusammenhang rief mich vor einigen Jahren ein verzweifelter Ehemann an. Seine Frau war in solch einem Kreis gelandet, seitdem psychisch sehr belastet und sie befand sich gleichsam jenseits der praktischen Vernunft. Ich erklärte dem geplagten Manne, er möge seiner Frau diesen Unfug ausreden, zumal die katholische Kirche die schräge Theorie von einer nötigen „Heilung der Ahnenschuld“ ablehnt. Bald darauf vermittelte ich ihn an einen bodenständigen katholischen Priester in seinem Umfeld, den er mit seiner Frau besuchen könne, wobei ich den  Geistlichen zuvor gefragt hatte. Einige Zeit später erklärte mir der Ehemann, das Treffen mit dem Pfarrer im Ruhestand habe seiner Frau wirksam geholfen und auch ihm selber eine gute Orientierung verschafft.

Missbrauch des EXORZISMUS:

Bevor es in der katholischen Kirche amtlich zu einer Teufelsaustreibung kommt, sind viele Voraussetzungen erforderlich: Die angeblich besessene Person muß erst bei ein Facharzt (Neurologe) und einem Psychiater/Psychologen gewesen sein. Nur dann, wenn diese Experten hinsichtlich einer Diagnose völlig ratlos sind, kommt überhaupt ein Exorzismus infrage. Diesen darf nur ein  erfahrener und besonnener Priester ausüben, der vom Bischof dafür die schriftliche Erlaubnis bekommen hat. – Ganz anders in der charismatischen Szene: Dort gibt es das wohlklingende Zauberwort „Heilung und Befreiung“. Der Quasi-Exorzismus wird – um die kirchlichen Vorgaben zu umgehen – einfach als „Befreiungsgebet“ umschrieben. Doch für die Betroffenen läuft es auf dasselbe hinaus, denn auch bei einer „Befreiung“ von dämonischer Besessenheit oder „Belastungen“ wähnen sie sich buchstäblich in einem verteufelten Zustand – also das schlimmste, was es für gläubige Menschen geben kann.

Eine Frau rief mich an, sie sei von einer charismatischen Gebetsgruppe, in welcher sich eine „Seherin“ befände, als besessen „durchschaut“ worden. Ein männlicher Teufel, dessen Name man ihr nannte, habe sie in ihrer Gewalt. Die verzweifelte Katholikin war völlig aufgelöst, litt unter zahlreichen psychosomatischen Beschwerden und hatte bereits alles (un)mögliche unternommen, um „befreit“ zu werden. Doch der Gang zu charismatischen „Befreiungsheilern“ machte  – natürlich! – alles noch viel schlimmer, denn dadurch wurde sie ja in der irrigen Auffassung bestärkt, sie sei in teuflischer Hand. Ich führte zahlreiche Gespräche mit der Betroffenen, um ihr diese Wahnvorstellung  auszureden, die man ihr regelrecht verbal eingeprügelt hatte. Dabei erklärte ich ihr auch, es gäbe gar keine „männlichen“ Dämonen, da die bösen Geister weder weiblich noch männlich, sondern  – wie die Engel –  eben Geistwesen seien (freilich gefallene Engel). Schon daran könne sie erkennen, daß jenes charismatische „Wort der Erkenntnis“ kompletter Humbug sei. Nach dutzenden Gesprächen  – verbunden mit der von ihr gewünschten Weitervermittlung an nüchterne und besonnene Seelsorger  –  konnte sich dieses Opfer eines fanatischen Gebetskreises wieder freier fühlen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Glaube hilft bei der Heilung von Krankheiten

Gläubigsein wirkt sich positiv auf das Befinden aus – dies belegt der Schweizer Arzt René Hefti in mehreren Studien. Ebenso wird die körperliche Heilung verbessert, wenn die spirituelle Ebene einbezogen wird.

Zum Thema «Spiritual Care» organisiert Hefti nun eine Tagung an der Universität Basel.

Dr. Hefti leitet in Langenthal das «Forschungsinstitut für Spiritualität und Gesundheit» (FISG), gleichzeitig wirkt er als ärztlicher Consultant, der in der Klinik SGM-Patienten betreut. zudem ist er Dozent an der Universität Bern für psycho-soziale Medizin sowie an der Uni Basel für Spiritual Care.

In den letzten Jahren wurde erkannt, wie bedeutsam dieses Thema ist: «Man hat gemerkt, dass die Spiritualität auch im medizinischen Kontext relevant ist und dass es den Patienten hilft, Krankheitssituationen zu bewältigen.»

Wichtig sei das Thema auch in der Palliativmedizin, «wo man festgestellt hat, dass man die existenziellen Fragen am Lebensende nicht ausklammern kann».

Quelle und vollständiger Text der Meldung hier: https://www.jesus.ch/themen/glaube/glaube/342422-der_glaube_ist_bei_koerperlicher_heilung_ein_wichtiger_faktor.html


AfD-Abgeordnete fordern Asyl für Asia Bibi

In einem Brief an die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) fordern die AfD-Landtagsabgeordneten Lars Patrick Berg, Klaus Dürr, Daniel Rottmann und Harald Pfeiffer die Gewährung von Zuflucht für Asia Bibi (siehe Foto) und ihre Familie mit fünf Kindern in Baden-Württemberg.

„Nach unserer Überzeugung gibt es weltweit derzeit niemanden, der dringender des Schutzes bedarf als Frau Bibi und ihre Familie. Täglich werden im Rahmen von Resettlement-Programmen Personen aus humanitären Gründen in Deutschland aufgenommen, deren Notlagen weitaus weniger dringlich sind als jene der Frau Bibi“, schreiben die vier Abgeordneten und appellieren weiter: „Bitte retten Sie eine unschuldige christliche Familie vor dem sicheren Tod!“

Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen seien auch nicht auszuschließen. Die christliche Minderheit in Pakistan sehen die Abgeordneten der AfD in großer Not. „Menschenrechte gelten aus Sicht hoher muslimischer Geistlicher in Pakistan für Christen nicht!“, so Rottmann, der auch dem Arbeitskreis Christen in der AfD angehört.

Lars Patrick Berg verweist auf die Ermordung von Politikern in Pakistan, die die Einhaltung von Recht und Gesetz sowie Trennung von Staat und Religion gefordert hatten. Pakistan sei für Asia Bibi und ihre Familie nicht sicher. „Frau Aras, hier ist wirklich höchste Not an Leib und Leben! Bitte handeln Sie!“, schreibt Berg, der auch entwicklungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, abschließend.


Innenminister Seehofer äußert sich zum Verhältnis von Staat und Religion

CSU-Chef Horst Seehofer (siehe Foto) will in Deutschland eine Debatte über die Religion und ihr Verhältnis zum Staat anstoßen.

In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ sieht der Bundesinnenminister vor allem das Migrationsthema als Anlass für eine solche Diskussion: „Die Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsstaaten mit unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägung, hat zu erheblichen Herausforderungen geführt, die auch das Verhältnis zwischen Religion und Staat betreffen.“

Trotz sinkender Mitgliederzahlen der Kirchen seit den 70er Jahren habe Religion weiterhin einen hohen Stellenwert, was die „Leidenschaftlichkeit der jüngsten Diskussion um religiöse Symbole“ gezeigt habe. 

Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften hätten eine wichtige Funktion und nähmen vielfältige soziale Aufgaben wahr.

Der Staat hingegen müsse ein funktionierendes Rechtssystem bereitstellen und das staatliche Gewaltmonopol konsequent ausüben. Gemäß Grundgesetz achte der Staat daher die spirituelle Autorität der Religionen, behaupte aber zugleich seine Autorität für die Regelung des Zusammenlebens.

Seehofer schreibt weiter: „Das Grundgesetz gewährt die Freiheit der Glaubenden und grenzt sie zugleich ein. Die Religionsfreiheit entbindet niemanden von der Achtung der Verfassung….Andererseits gilt aber auch, dass Religionsgemeinschaften selbstverständlich aufgrund ihres Öffentlichkeitsanspruchs das Recht haben, sich in ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen zu äußern und sich auch entsprechend zu engagieren.“

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.csu.de/aktuell/meldungen/august-2018/reden-wir-ueber-religion/

 


NEUE SERIE über Vordenker des Judenhasses: Hartwig Hundt-Radowsky

Vom Antijudaismus zum Antisemitismus

In loser Folge berichten wir nunmehr über die Schreibtischtäter des Judenhasses, vornehmlich aus dem 19. Jahrhundert, denn damals geschah der Übergang vom „christlichen“ Antijudaismus (Ablehnung des Judentums als Religion) hin zum Antisemitismus (Ablehnung der Juden als Personen), wobei man dabei meist vom völkischen oder rassischen Judenhaß spricht, in besonders schlimmen Fällen von einem „eliminatorischen“ (auf Vernichtung zielenden) Antisemitismus.  

Einer der ersten, die auch in seinem eigenen Denken allmählich diese „Steigerung“ (antijudaistisch – antisemitisch – eliminatorisch) vollzog, war Hartwig Hundt (1780 – 1835), der sich als Schriftsteller Hartwig von Hundt-Radowsky nannte, aber keineswegs aus dem Adel stammte, diesen sogar in seinen Schriften scharf kritisierte und gerne gegen „geistliche und adelige Willkürherrschaft“ sowie das „Pfaffenwesen“ polemisierte.

BILD: Die Menora (siebenarmiger Leuchter) in der Synagoge von Münster

Während klar ist, daß er sich das Prädikat „von“ anmaßte, erscheint ungeklärt, warum er sich den Zweitnamen Radowsky zulegte.

An seiner Biographie fällt auf, daß ein Teil seiner Bücher mehrfach von staatlicher  – z.B. preußischer Seite – verboten wurde, teils wegen beleidigender Ausfälle in seinen Schriften, teils weil sogar den damals Regierenden sein Judenhaß zu weit ging.

Hartwig wuchs in einer Gutsbesitzer-Familie in Mecklenburg auf, die fromm-protestantisch geprägt war, der Vater jedoch antijudaistisch eingestellt. Seitens der Eltern war es pädagogisch sicherlich unklug, den Knaben zur Lektüre des Alten Testaments zu drängen, was ihn in jungen Jahren überforderte und seine Abneigung auf das AT und auf die Juden grundlegte.

In seinen späteren Schriften, z.B. im „Christenspiegel“, lehnte er den Gott des Alten Bundes ab und verlangte von den Christen, sich vom AT zu verabschieden.

Er heiratete die Tochter eines evangelischen Pastors, konnte aber trotz Rittergut mit Geld nicht umgehen, studierte Jura und begann mit dem Gedichteschreiben. Er ließ seine Frau und den gemeinsamen Sohn im Stich, zog zwecks Schriftstellerei nach Berlin und heiratete nach ca. zwanzig Jahren  – zu Lebzeiten seiner ersten Frau – erneut.

Für damalige Zeiten fiel ein derartiger Werdegang stark aus dem Rahmen der bürgerlichen Sitte.

Ausgerechnet Hundt machte dann die Juden in Deutschland für die angeblich wachsende „Sittenverderbnis“ verantwortlich. Zugleich verstärkte er seine Religionskritik. Hundts „moralische“ Attacken gründeten also nicht auf christlichen Prinzipien, sondern waren Vorwand für seine Vorurteile gegen Juden.

Damals begann in Deutschland eine allmähliche Emanzipation der Juden und ihre Integration in die bürgerliche Welt. Als Gegenbewegung dazu entwickelte sich der Früh-Antisemitismus, übrigens auch von marxistischer Seite (vor allem der Frühsozialismus in Frankreich warf Judentum und Kapitalismus in einen Topf; zudem folgte auch Karl Marx diesem Muster).

Hundt plädierte in seinem „Judenspiegel – Ein Schand- und Sittengemälde“ (siehe Foto) und weiteren Pamphleten für eine Unterdrückung und Vertreibung der Juden, zudem für die Kastrierung der männlichen Juden; er sprach sich schließlich im wachsenden Wahn sogar für ihre Vernichtung aus („Am besten wäre es, man reinigte das Land ganz von dem Ungeziefer“).

Dabei erschienen dem Juristen bereits damals die Muslime  – er nannte sie „Ismaeliten“ – als passende Bundesgenossen im Kampf gegen das Judentum. So erkannte er früh das antisemitische Potential, das im Islam zu finden ist und das ca hundert Jahre später Adolf Hitler ebenfalls zu würdigen wußte.

Einen Übertritt von Juden zum Christentum lehnte der Fanatiker grundsätzlich ab. Damit ist endgültig klar, daß es sich bei ihm nicht „nur“ um einen religiösen Anti-Judaismus handelte, sondern um rassischen Antisemitismus.

In seinem 1830 erschienenen „Christenspiegel“ in drei Bänden greift er die Geistlichen beider Konfessionen als „verjudet“ an, verlangt die kirchliche Abschaffung des Alten Testaments und stellt die Alternative „Jahwe oder Jesus“ auf.

Nach der Veröffentlichung des „Judenspiegels“ und staatlichem Druck gegen ihn floh er erst nach Frankreich, danach in die Schweiz, später zog er nach Württemberg. Sein antisemitisches Buch „Judenschule“ wurde innerhalb des „Deutschen Bundes“ verboten; er übersiedelte nach Straßburg, später wieder in die Schweiz. Er starb alkoholkrank am 15. August 1835 in Burgdorf im Alter von 55 Jahren.

 

 


Bamberger Erzbischof Schick ist besorgt über die Lage der Christen in China

Anlässlich des diesjährigen Gebetstags für die Kirche im kommunistisch beherrschten China ruft der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Dt. Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), die Katholiken in Deutschland auf, für einen guten Verlauf der Verhandlungen zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan zu beten. 

Zu den offenen Fragen, für die in dem geplanten Abkommen eine Lösung gesucht werde, gehöre ein Verfahren für die künftige Ernennung von Bischöfen. Derzeit gebe es in China mehr als 30 gültig geweihte katholische Bischöfe, die keine staatliche Anerkennung haben. Zudem gebe es sieben Bischöfe, die ohne Zustimmung des Papstes geweiht wurden.

Besorgt zeigt sich Erzbischof Schick über die im Februar dieses Jahres in Kraft getretenen Vorschriften zur Verwaltung der Religionen:

„Wenn religiöse Aktivitäten wie Glaubensunterweisung, Bibellesen oder gemeinsame Gebete mit harten Strafen belegt werden können, nur weil sie in Räumen stattfinden, die nicht vorher als religiöse Räumlichkeiten registriert worden sind, so liegt hierin eine gravierende Beschneidung der Religionsfreiheit.“

Er betont, dass die Christen in China mehr denn je auf das Gebet und die gelebte Solidarität der Weltkirche angewiesen seien: „Bezeugen wir unseren Schwestern und Brüdern in China, dass sie nicht vergessen sind, indem wir am 24. Mai gemeinsam mit ihnen für die Einheit und Freiheit der Kirche in China beten.“

Am 24. Mai jedes Jahres findet die traditionelle Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai statt. Die katholische Kirche begeht weltweit an diesem Datum den Gebetstag für die Kirche in China, den Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 eingeführt hat.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/es-geht-darum-dass-die-christen-in-china-ihren-glauben-frei-praktizieren-koennen-erzbischof-schick-ruft-zum-gebet-fuer-die-kirche-in-china-am-24-mai-auf-6075/