Münster: Fragen an Prof. A. Karimi verliefen im Sande und manche Antworten im Nebel

Von Felizitas Küble

Den folgenden Leserbrief sandte ich an die „Westfälischen Nachrichten“ (WN), nachdem dort am 22. Mai 2015 ein Artikel erschienen war, in dem  – aus meiner Sicht – einseitig über eine Vortragsveranstaltung zum ISLAM berichtet und skeptische Fragesteller unfair abgekanzelt wurden. 009 - Kopie (2)

Die WN haben meine Zuschrift am Freitag, den 29. Mai, größtenteils veröffentlicht. Hier folgt nun die vollständige Fassung meiner kritischen Wortmeldung:

„Dieser Artikel über die Vortragsveranstaltung im katholischen Pfarrheim St. Clemens (Münster-Hiltrup) erinnert eher an einen subjektiv gefärbten Kommentar als an den Versuch einer neutralen Berichterstattung. So wird zum Beispiel munter behauptet, die Tagung mit dem islamischen Religionsphilosophen Ahamad Karimi  habe „offenbart“, wie tief hierzulande teilweise „Angst und Argwohn gegenüber dem Islam verankert“ seien.

Zudem wird der „harte und teils aggressive Ton“ beklagt, den einige Besucher bei ihren Fragen an den Referenten artikuliert hätten. Das Lob an den Vortragsreder, der versucht habe, „umfassend zu antworten“, trifft nach meiner Einschätzung allenfalls teilweise zu; bei mir und anderen Teilnehmern, mit denen ich sprach, entstand vielmehr der Eindruck, daß er sich zuweilen in ausweichende Floskeln flüchtete. Köln-MoscheeDSC_0596_ShiftN

In dem Bericht findet sich zudem kein Hinweis auf die Tatsache, daß Prof. Karimi weder während noch nach seiner Rede bereit war, auch nur eine einzige jener Fragen zu zitieren oder gar zu beantworten, die schon im Vorfeld der Veranstaltung in mehreren Kirchen in Briefboxen eingesammelt wurden.

BILD: Große Moschee in Köln-Ehrenfeld (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Auch die mehrfach geäußerte Bitte an den Referenten, zumindest auf einen Teil jener Fragen einzugehen, blieb unerfüllt. Dennoch wurde ihm dieses etwas befremdlich erscheinende Verhalten von den Besuchern des Abends keineswegs vorgeworfen, was bei einer angeblich „aggressiven“ Stimmung sicherlich der Fall gewesen wäre.

Auf dem Einladungflyer zu der Veranstaltung war überdies zu lesen, es gehe dabei um die Themenbereiche: „Wie integriert sind Muslime? – Ist der Islam eine friedliche Religion oder eine, die zu Gewalt aufruft? – Wie verhält sich „der“ Islam gegenüber Frauen?“ 

Auf diese Aspekte ging der Vortrag von Dr. Karimi aber allenfalls am Rande ein; vielmehr beschäftigte er sich im akademischen Stil einer Universitäts-Vorlesung weitgehend abstrakt mit religionsphilosophischen, mystischen und poetischen Einschätzungen, welche weniger über den Islam „an sich“ aussagen, als vielmehr die persönliche Spiritualität des Redners aufzeigen, die sicherlich interessant sein mag. Doch verfehlte der Vortrag damit weitgehend die in Pfarrbriefen und Einladungszetteln vorgestellten Themen von der Gewaltproblematik bis zur Unterdrückung der Frau.

IGFM-Kampagne-IKEA-Saudi-Arabien-1_01 Nachdem der Redner sich nicht bereitfand, die bereits gesammelten Fragen zu beantworten, war es nur logisch, daß in der Diskussionsrunde nun jene Gesichtspunkte zur Sprache kamen, welche vielen Menschen auf den Nägeln brennen. Im Zeitungsbericht werden beispielhaft drei Fragen genannt, wobei im nächsten Satz ein angeblich „oftmals vorwurfsvoller Unterton“ beklagt wird. Diese Unterstellung ist aus meiner Sicht unberechtigt.

Da es sich bei zwei der drei zitierten Beispiele offenbar um meine Fragen handelt, kann ich dazu klar Stellung beziehen: Zur Frage „Warum tut der Islam nicht mehr gegen terroristische Gruppen wie ISIS?“ erwähnt der Autor hierzu Dr. Karimis Antwort, „daß die Menschen in den betroffenen Ländern nicht einfach auf die Straße gehen könnten, da sie dann noch härtere Repressionen zu erwarten hätten“.  

In Wirklichkeit haben weder ich noch andere Besucher eine solch unrealistische Erwartung geäußert. Vielmehr erklärte ich, gerade um zu verdeutlichen, daß die Mehrzahl der Muslime mit dem Islamismus nichts am Hut hat, sei es doch wichtig, daß jene friedlich gesinnten Muslime sich hierzulande stärker zu Wort melden, zum Beispiel auch durch Massendemonstrationen, die ein klares Signal an die Öffentlichkeit vermitteln würden.

Nachdem Professor Karimi überdies betonte, der Koran sei im wesentlichen durchaus kein Gesetzbuch, wies ich ihn darauf hin, eben deshalb gäbe es jene islamischen Rechtsnormen namens „Scharia“, was der Referent eher ausweichend mit dem Hinweis darauf beantwortete, die religionsgesetzlichen Vorstellungen innerhalb des Islam seien vielschichtig und könnten keineswegs auf einen einzigen Nenner gebracht werden, was ich allerdings auch gar nicht behauptet hatte.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt