Warum die „Marienbotschaften“ von Schio nicht vom Himmel stammen können

Von Felizitas Küble

Medjugorje ist nicht der einzige neuere Marienerscheinungsort, wenngleich zweifellos der bekannteste. Auch im italienischen Schio – einer mittelgroßen Stadt in der Provinz Vicenza  – bildete sich seit 1985 eine wachsende Bewegung mit zehntausenden Pilgern und vielen Anhängern auch aus Deutschland. Seit Jahrzehnten erscheint die Schio-Zeitschrift „Königin der Liebe“ in deutscher Sprache.

Mit diesem Titel „Königin der Welt und Königin der Liebe“ hatte sich die Erscheinung dem (inzwischen verstorbenen) „Seher“ Renato Baron bereits im Sommer 1985 vorgestellt.

Diese Privatoffenbarungen sind ebenso wenig kirchlich approbiert (genehmigt, gestattet, anerkannt) wie fast alle neuzeitlichen Erscheinungen, was die jeweilige Anhängerschaft aber selten stört, denn sie halten ihre eigenen subjektiven Eindrücke für maßgeblich.

Dazu kommt  – und das liegt in der Natur der Sache – daß die „Botschaften“ dieser Himmelskundgaben immer brav, glaubenskonform und „konservativ“ klingen, also den Eindruck erwecken, als könne das nur von „oben“ stammen.

Doch bei näherem Hinsehen trügt der fromme Schein. Immerhin hat schon der hl. Apostel Paulus seinerzeit daran erinnert, daß der Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheinen kann. Zudem mag vieles der „frommen“ Fantasie der Seher/innen entspringen und entsprechen  – oder die Folge einer eher unbewußten Selbsttäuschung sein.

Wie dem auch sei, Tatsache ist jedenfalls, daß die jeweiligen Botschaften in Geist und Buchstaben dem Evangelium und der kirchlichen Verkündigung entsprechen müssen, so sie „echt“ sein sollen.

Und hier zeigt sich dann in aller Regel recht schnell der Pferdefuß  – zumindest bei genauerer Beleuchtung der Texte. Dort, wo Maria draufsteht, steckt noch lange nicht die wahre Gottesmutter dahinter, nicht selten dürfte es vielmehr der Widersacher oder eben eigene „Erleuchtungen“ sein.

Christus wird auf listige Art verdrängt 

Das gilt auch für die „Marienoffenbarungen“ von San Martino di Schio.

In dem Büchlein „Königin der Liebe“ (siehe Foto) aus dem Schweizer Parvis-Verlag werden die Botschaften der ersten Jahre chronologisch aufgelistet, beginnend mit dem 2. April 1985, dem Anfang der Visionen von Renato Baron.

Der Herausgeber, Andre Castella, schreibt in seinem Vorwort mit Recht: „Diese Botschaften müssen mit Verstand und wachem Geist gelesen werden.“ – Genau dies habe ich hier versucht, wenngleich das Ergebnis anders aussieht, als es der Intention des Buches entspricht.

Was schon bei den „Offenbarungen“ der ersten Monate auffällt, ist die fast komplette Verdrängung Christi teils durch Maria, teils durch den „Vater“.

Natürlich beten wir Christen den himmlischen Vater an, aber ebenso Christus und den Heiligen Geist, die ganze göttliche Dreieinigkeit.

In den ersten sechs Botschaften kommt Christus gleich gar nicht vor, es ist allein vom „Vater“ die Rede. So heißt es bei der ersten Erscheinung: „Wendet euch immer an den Vater, weil er allvermögend ist“.  Am 19. Juli 1985 wird verkündet: „Der Vater allein schenkt Leben“. Am 30. August sagt die vermeintliche Madonna: „Der Vater allein ist die unendliche Liebe.“ – Hier stört jeweils das Wort „allein“, als ob es Christus und den Heiligen Geist gar nicht gäbe.

Maria präsentiert sich als „verlassene Mutter“

Verstörend wirkt auch, daß sich „Maria“ mehrfach als die „verlassene Mutter“ vorstellt (z.B. am 18.4.1985). Wie darf man das verstehen?! – Die Assumpta (in den Himmel aufgenommene Madonna) ist alles andere als verlassen, lebt sie doch in der immerwährenden Gemeinschaft mit Gott wie alle Heiligen, die Gottesmutter sogar in einer herausgehobenen Weise.

Am 7. September behauptet das Erscheinungsphantom: „An hunderten Orten bin ich in diesem Augenblick in der Welt aktiv“. – Soll das heißen, daß Maria allgegenwärtig ist? – Das kann aber nicht sein, denn diese Allmacht der Allgegenwärtigkeit besitzt allein der dreieinige Gott.

Theologisch ebenso falsch sind die ständigen Bemerkungen, wonach angeblich die Madonna es ist, welche „die Welt rettet“, wobei sie öfter von sich in der dritten Person spricht, z.B. am 2.12.1985 („Maria wird die Welt retten“) oder am 26.9.: „Die Gottesmutter wird die Welt noch einmal retten, wenn die Welt erlöst werden und zum Vater zurückkehren will.“ – Was heißt hier „noch einmal“ retten? Hat Maria die Welt bereits vorher errettet?  – Wieder ist wie in den meisten Shio-Botschaften allein vom „Vater“ die Rede, der göttliche Sohn wird ins Eck gestellt.

Einen Tag später heißt es wieder, sie sei die „verlassene Mutter“ und fährt fort: „Glaubt. Ich und der Vater werden euch nicht aufgeben.“ – Man beachte, daß hier wieder der Sohn fehlt – und daß Maria sich sogar noch vor den himmlischen Vater stellt: „Ich und der Vater…“ – Oho!

Besonders bedenklich wird es, wenn bewährte kirchliche Gebete auf listig-fromme Art geändert werden, so daß der fromme Schein zwar gewahrt, aber der Inhalt verfälscht wird. 

Das bewährte Ave Maria wird irrgeistig geändert

Dies gilt vor allem für die Botschaft vom 24. Januar 1986. Dort heißt es:

„Betet so – ein neues Gebet: „Sei gegrüßt Maria, die Gnade des Herrn ist immer bei dir. Du bist die Auserwählte unter den Frauen. Gebenedeit ist die Frucht deines Herzens, Jesus. Heilige Mutter Gottes, mit dir ist der Erlöser, den wir lieben und anbeten wollen. Amen“.

Hierzu sei folgendes angemerkt:

  1. Das klingt zwar alles recht glaubensfreundlich, ist aber theologisch irreführend. Zunächst stellt sich die grundsätzliche Frage, wozu eine Änderung des bewährten Ave Maria nötig sein sollte. Warum fehlt sodann der zweite Teil, in dem es heißt: „Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“? – Sollen die Tabu-Worte „Sünder“ und „Tod“ verdrängt werden? Stört die Erinnerung an den Tod und an die Tatsache, daß wir Sünder sind?
  2. Noch schlimmer ist der Satz: „Gebenedeit ist die Frucht deines Herzens, Jesus.“ – Eine unscheinbare, aber theologisch verhängnisvolle Änderung, denn Christus ist die Frucht ihres LEIBES, nicht ihres Herzens. Soll damit auf raffinierte Art die wahre Menschwerdung Christi geleugnet werden?! Zudem wird auch hier wiederum die wörtliche Botschaft aus der Heiligen Schrift abgeändert, denn im Lukas-Evangelium vernehmen wir die Worte der hl. Elisabeth: „…du bist gesegnet unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines LEIBES.“

Im Prolog des Johannesevangeliums heißt es: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. Derselbe Apostel schreibt in 1 Joh 3: „Ein jeglicher Geist, der nicht bekennt, daß Jesus Christus ins Fleisch gekommen ist, ist nicht von Gott. Das ist der Geist des Antichrist, von welchem ihr gehört habt, daß er kommen werde  –  und er ist jetzt schon in der Welt.“

Der Antichrist selber ist zwar noch nicht in der Welt, aber sein „Geist“ bzw. Ungeist wirkt bereits vor seinem endzeitlichen Auftreten, wie Johannes klarstellt  – und das nicht zuletzt durch irreführende Erscheinungen und „Botschaften“. Auf diesem verschlungenen Wege kann nämlich das nicht selten wundersüchtige und vorwitzig-neugierige „fromme Lager“ schleichend in die Irre geführt werden.

Hier wird wieder einmal ein typisches Kennzeichen der Falschmystik deutlich, nämlich das VERDRÄNGUNGS-Prinzip. Das bedeutet: Etwas Bewährtes und Gutes wird ersetzt durch etwas weniger Gutes oder gar Fragwürdig-Bedenkliches – in diesem Fall sogar indirekt Häretisches.

Da dieser Vorgang mit viel frommem Wortschwall vonstatten geht, fällt er den Erscheinungsbewegten nicht auf und sie gehen diesem Trick von unten auf den Leim.

 


Die „Erscheinungen“ von Schio enthalten viele irreführende Botschaften

Von Felizitas Küble

Heute ist für die Anhänger der  – kirchlich nicht anerkannten –  Erscheinungen von San Martino de Schio ein wichtiger Tag, denn am Palmsonntag fand in diesem norditalienischen „Gnadenort“ um 15 Uhr die „Weihe Europas an das Unbefleckte Herz Mariens“ statt, dem sich möglichst viele Menschen „geistig anschließen“ sollten.
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Der am 2.9.2004 verstorbene „Seher“ Renato Baron will seit 1985 hunderte von Christus- und Marien-Visionen erlebt haben; jene angeblichen Botschaften des Himmels werden vierteljährlich in der Zeitschrift „Königin der Liebe“ wiederholt und ausgelegt.
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Zudem wird dabei über allerlei wundersame Ereignisse berichtet, die sich in Shio ereignet haben sollen, z. B. „übernatürlicher“ Rosenduft am „Gnadenbrunnen“, eine atmende, gleichsam lebendige Jesuskind-Statue und dergleichen Mirakel mehr.
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Die von Renato Baron gegründete „Marianische Bewegung Königin der Liebe“ hat  – wie bereits erwähnt – keine kirchliche Approbation (Erlaubnis, Gutheißung, Anerkennung) erhalten. Das scheint die leichtgläubigen Anhänger nicht weiter zu stören; anscheinend ist diese Privatoffenbarung für sie eine Art „fünftes Evangelium“, wie man das bei den Apparationisten (Erscheinungsbewegten) öfter erlebt.
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Nehmen wir als Beispiel für die inhaltlich teils banalen, teils theologischen unsinnigen Aussagen eine x-beliebige Ausgabe der Zeitschrift „Königin der Liebe“, nämlich das Heft Nr 99: http://www.reginadellamore.org/wp-content/uploads/2016/12/99-Ko%CC%88nigin-der-Liebe.pdf
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Auf S. 6 wird eine Marienbotschaft an Renato Baron vom 13. Juli 1991 zitiert, worin es u.a. heißt:
 „Meine Kinder, ihr seid die Werkzeuge für meinen mütterlichen Heilsplan. Danke, weil ihr mich tröstet und bereit seid, mit mir zu arbeiten. Gemeinsam werden wir das Schöpfungswerk zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen, indem wir jeden Menschen zur Heiligung führen.
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Christus ist offenbar überflüssig, der göttliche Heilsplan wird durch einen „mütterlichen“ ersetzt. Die Botschafts-Anhänger werden also gemeinsam mit der „Madonna“ das Schöpfungswerk „zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen“ – und dabei nichts weniger als „jeden (!) Menschen zur Heiligung führen“.
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Diese Aussagen sind von satanischem Hochmut geprägt, weil sich hier Geschöpfe anmaßen, Gottes Heilswerk ausführen zu können – und zudem wird indirekt die Allerlösung gelehrt, denn der erscheinungsbewegte Fanclub mit der angeblichen Himmelsmutter an der Spitze führt ja immerhin „jeden“ Menschen zur „Heiligung“ – und damit logischerweise auch zum Heil. Die Hölle hat offenbar ausgedient!
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Auf derselben Seite 6 wird eine weitere Marien-Botschaft  – jene vom 17. Juli 1991 –  zitiert:
„Ich erlange euch die Gabe des Heiligen Geistes, die es euch erleichtert, das Wort Gottes aufzunehmen, das euch leben lassen wird, damit sich durch euch die ganze Erde erhelle und sich der große Wunsch Jesu verwirkliche: Seine Liebe in jedem Menschen wachsen zu lassen.“
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Tatsache ist hingegen, daß wir die „Gabe des Heiligen Geistes“ bereits durch die Taufe erhalten; zudem die Sieben Gaben des Hl. Geistes durch das Sakrament der Firmung – und nicht durch eine Marienerscheinung oder den (Irr-)Glauben daran.

Falschmystisches Verdrängungs-Prinzip

Hier zeigt sich beides Mal deutlich das für die Falschmystik typische Verdrängungs-Prinzip: Bewährte Glaubenswahrheiten werden durch irreführende, aber fromm klingende Aussagen verdeckt und an den Rand gedrängt – genauer gesagt: ersetzt.
Auf S. 12 ist ein weiteres typisches Merkmal der Falschmystik deutlich erkennbar, nämlich ein falsches Sendungsbewußtsein. Am 6.1.1996 soll Jesus dem Seher Baron folgendes geoffenbart haben:

„Ich habe euch in das größte Werk eingefügt, das Gott der Kirche schenken will. Es ist der Weg der göttlichen und menschlichen Liebe, der den Namen Maria trägt. Die wahre Offenbarerin meines Werkes der Liebe, die Unbefleckte des Heiligen Geistes, wird mit ihrem brennenden Herzen das ganze Feuer der göttlichen Liebe schenken. Das Werk wird die Kirche retten…Das kleine Heer muss alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen. Jedes Mitglied wird auf seinen Schultern die Kreuze aller jener tragen, die das Heil zurückweisen. Darum wird, wer dies annimmt, heilig sein.

Alles klar: Die Anhängerschaft von Schio „wird die Kirche retten“, ist dies doch „das größte Werk, das Gott der Kirche schenken will“. – Natürlich soll die fromme Schar bzw. das „kleine Heer“ nichts weniger als „alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen“   –  und sie bewähren sich (wie in diesen Kreisen üblich) als besonders großartige Opferseelen  –  und wer zur getreuen Schar dieser Sühneseelen gehört, „wird heilig sein“  –  aber sicher doch!

So wird zu all den Irrtümern noch dazu eine gefährliche, vermessentliche Heilssicherheit gelehrt – ja sogar eine Heiligkeitsgewißheit. Damit wird ein verhängnisvoller Sumpfboden für geistlichen Hochmut und für Verblendung gelegt.

Doch das ist bei derlei „Botschaften“ bekanntlich nichts Neues unter der Sonne.