Transplantation der Gebärmutter: Haben wir bald noch mehr Kinder aus dem Labor?

Von Dr. med. Edith Breburda

Babys, die nicht mehr von Müttern ausgetragen werden müssen  –  das ist ein Traum aller, die es als eine Ungerechtigkeit ansehen, dass Frauen die Benachteiligten sind, wenn es darum geht, Kinder auf die Welt zu bringen. dr-breburda1

Bereits heute arbeiten Wissenschaftler in Japan mit Hochdruck an einer künstlichen Gebärmutter (Artificial Wombs). Wenn man eine Schwangerschaft im Labor austragen könnte, werden selbst Leihmütter überflüssig. In 20 Jahren will man so weit sein. Dann soll endlich die Gleichberechtigung der Frauen gewährleistet und das Ziel der „reproduktiven Freiheit“ erreicht sein. Auch sollen bald Männer Kinder bekommen können [1].

Kann man sich unter diesem Aspekt vorstellen, dass Frauen dennoch die Unannehmlichkeiten einer Schwangerschaft weiterhin auf sich zu nehmen wollen? Neulich konnte man in der „New York Times“ von einer Frau lesen, dessen sehnlichster Wunsch es war, eine Schwangerschaft zu erleben:

“Solange ich mich daran erinnern kann, wünsche ich mir all die lästigen Nebeneffekte wie Schwangerschaftsübelkeit, geschwollene Beine, Rückenschmerzen. Diese Erfahrung ist zwar nicht lebensnotwendig, aber ich möchte sie dennoch unbedingt machen.”

Die neueste Errungenschaft moderner Reproduktions-Technologie besteht in der Transplantation einer Gebärmutter. Es gibt Frauen, bei denen keine Gebärmutter ausgebildet wurde, trotzdem wollen sie schwanger werden.

Die erste Frau in den USA, bei der eine Gebärmutter eingepflanzt wurde, war Lindsey. Sie erhielt den Uterus einer verstorbenen Spenderin. IMG_0873

Ende Februar 2016 erklärten Ärzte der Cleveland-Universitätsklinik, dass die Operation erfolgreich verlief. Einige Tage später stellten sich Komplikationen ein und das Transplantat musste wieder entfernt werden. Obwohl der erste Versuch fehl schlug, erhielten Ärzte der Cleveland-Klinik die Erlaubnis des Ethik-Komitees, mit der experimentellen Studie fortzufahren, und noch 9 weitere Frauen zu operieren.

Lindsey ist traurig, dass die Transplantation nicht erfolgreich war: „Es geht mir gut. Ich bedanke mich besonders bei den Ärzten, die so schnell reagiert haben. Ich habe mich sehr über die Gebete und guten Wünsche meiner Freunde gefreut.“

Die Gothenburg-Universität in Schweden hat bereits 9 Uterustransplantationen ausgeführt. 5 Kinder wurden dadurch geboren; zwei Transplantate mussten wieder entfernt werden.

Für Dr. Alexander Maskin von der Universität Nebraska gibt es verschiedene Gründe, warum das Transplantat abgestoßen wird: “Meistens ist es eine Reaktion des Immunsystems, aber auch eine Infektion kann daran schuld sein. Wenn die involvierten Arterien und Venen nicht richtig miteinander verbunden sind, ist die Zirkulation vermindert. Wir werden uns mit den anderen Teams zusammentun und mit ihnen diskutieren, wie man in Zukunft die Gebärmutter-Transplantation verbessern kann.“  – Drei andere medizinische US-Zentren wollen diesen Service auch anbieten  [2].

Das Transplantat wird allerdings nur temporär im Körper der Frau verbleiben. Um die Abstoßung des fremden Organs zu verhindern, müssen Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken. Damit dies nicht zu lange erfolgt, darf eine Frau nur zwei Schwangerschaften austragen. Danach wird die Gebärmutter wieder herausoperiert. Ob zwei Schwangerschaften physiologisch überhaupt möglich sind, wird nicht hinterfragt. IMG_1072

Die Eileiter werden nicht mit der Gebärmutter verbunden. Eine Schwangerschaft kann also nur durch In-Vitro-Fertilisation erfolgen. Frauen, deren Uterus nicht ausgebildet wurde, haben meist keine eigenen Eizellen (siehe dazu das Buch: „Reproduktive Freiheit, free for what?“). Sie können deshalb nur über eine Eizellspenderin die biologischen Kinder ihres Partners austragen. Mit einer künstlichen Befruchtung geht eine Pränataldiagnostik einher. Embryos, die nicht den Vorstellungen der Mediziner entsprechen, werden vernichtet, tiefgefroren oder an die Forschung gespendet.

Die Uterusschleimhaut muss eine spezifische Konsistenz und Dicke besitzen, damit sich der Embryo einnisten kann. Bei vielen In-Vitro-Fertilisationen stirbt der Embryo, weil das Endometrium nicht optimal hormonell vorbereitet ist. Eine Schwangerschaft unter immunsuppressiven Bedingungen aufrecht zu erhalten, ist physiologisch gesehen äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich.

Forschungen, inwieweit die Gebärmutter und die Plazenta die Gesundheit des Menschen während seines ganzen Lebens beeinträchtigen, stehen noch am Anfang [3].

Die wenigen „Uterustransplantat-Kinder“ kamen über Kaiserschnitt als Frühchen auf die Welt. Artikel über die medizinische und psychologische Problematik, aber auch über die Sterberate dieser Babies nehmen zu.

Ein Uterustransplantat unterscheidet sich schon deshalb, weil der Uterus ein nicht lebensnotwendiges Organ ist. Die Entnahme von einem Verstorbenen sehen viele als unethisch an. Andere wiederum wollen nicht das Leben einer Spenderin für eine Operation, die nicht das Leben eines anderen rettet, aufs Spiel setzen. In Schweden operierten die Ärzte 10 – 12 Stunden, um das Organ zu entnehmen. Für die Empfängerin und vor allem für das Ungeborene kann die Hochrisikoschwangerschaft tödlich ausgehen. shutterstock_114300748-140x94

Die Empfängerin unterzieht sich neben der Erstoperation einem Kaiserschnitt und einer späteren Entnahme des Uterus. Das Ungeborene muss sich in einem Uterus entwickeln, der eigentlich vom Körper abgestoßen wird. Bei einem Baby begann dieser Prozess bereits in der 18. Woche. Medikamente konnten die Schwangerschaft bis zur 31. Woche aufrecht erhalten. Fraglich ist, ob der Blutfluss durch die Gebärmutter stark genug ist, um das Ungeborene adäquat zu ernähren.

Derya Sert, eine 22-jährige Frau, wurde nach einer Uterustransplantation schwanger. Allerdings erlitt sie bald eine Fehlgeburt. Inwieweit die Gebärmutter dazu beitrug, ist ungeklärt. Dr. Mats Brännström räumt ein, dass das Experiment einer Uterus-Transplantation nur dann als erfolgreich angesehen werden kann, wenn ein Kind entbunden wird. Handelt es sich wirklich um eine medizinische Errungenschaft, wenn man die Spenderin, die Empfängerin und ein Kind freiwillig lebensbedrohlichen Situationen aussetzt, nur um eine Schwangerschaft erleben zu können?

Ärzte und Ethikrat wissen, dass es sich bei einer Uterustransplantation um einen extrem riskanten Eingriff handelt. Dieses Experiment wird trotzdem weitergeführt werden, solange man Patient und Ärzte hat, die gewillt sind, es auszuführen. Book

Die nächsten Generationen waren in den letzten Jahren die Versuchskandidaten der modernen Reproduktions-Medizin. Die sogenannten „künstlichen Kinder“ wurden zum Maßstab, ob etwas funktionierte oder nicht. Momentan weiß keiner, inwieweit die so erzeugten Kinder gesundheitliche, psychische oder physische Probleme haben.

Die Leidtragenden sind die Frauen, die ausgebeutet werden. Für moderne Reproduktionstechniken braucht man Eizellen, Leihmütter und nun auch Spender-Gebärmütter. Um unfruchtbaren Frauen zum Kind zu verhelfen, nehmen Eizellspenderinnen in Kauf, selber unfruchtbar zu werden.

Kürzlich hörte man von der Leihmutter Brooke Brown aus Idaho. Sie und ihre Auftragskinder starben durch Komplikationen in der Schwangerschaft. Arme Frauen aus Drittländern fallen schon heute der Fruchtbarkeitsindustrie zum Opfer. Im „Journal für Reproduktive Biomedizin“ war neulich zu lesen, dass Dr. Rachel Brown und Joyce Harper zugaben, dass Reproduktionstechnologien kaum auf ihre Sicherheit geprüft werden, bevor sie zum Einsatz kommen [4].

Quellenangaben:
[1] E. Breburda Reproduktive Freiheit, free for what?
[2] Denise Grady: First Uterus Transplant in U.S. has failed. The New York Times, March 9, 2016
[3] Dr. Edith Breburda hat als Plazentologin viele wissenschaftliche Artikel über reproduktive Immunologie veröffentlicht.BookCoverImage
[4] Rebecca Taylor: Uterus Transpants are supremely risky. Nat. Cath. Register, 18.04.2016

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)

Fotos Nr. 1 – 3: Dr. Edith Breburda


Neue Impftests gegen Fruchtbarkeit bei Tieren, Zwangssterilisationen bei armen Völkern

Von Dr. med. Edith Breburda

Alle Reproduktionsmethoden haben wir der Tiermedizin zu verdanken. Eines Tages werden die neuesten Methoden der Verhütung, die heute noch bei Hunden und Katzen angewendet werden, auf den Menschen übertragen. dr-breburda1

Wissenschaftler forschen bereits über eine permanente Verhinderung der Reproduktion, die bald bei kleinen Haustieren zum Einsatz kommen wird. Eine neuartige einmalige Injektion kann männliche und weibliche Mäuse unfruchtbar machen, heißt es im Science Magazin vom 5. Oktober 2015. Die Spritze bewirkt, dass die Muskulatur der Nagetiere eine Substanz herstellt, welche die Bildung von (GnRH-)Hormonen blockiert und Unfruchtbarkeit verursacht.

GnRH (Gonadotropin releasing hormone) werden im Zwischenhirn gebildet und bewirken eine zyklische pulsative Freisetzung der Gonadotropine ins Blut, die für eine normale männliche und weibliche Sexualfunktion nötig ist.

Prof. William Swanson, Direktor der Forschungseinrichtung am Cincinnati Zoo in Ohio ist begeistert:

„Bisher konnten wir Hunden und Katzen nur durch eine sehr kostspielige chirurgische Sterilisation unfruchtbar machen. Die Reproduktionsraten der Haustiere und auch der Nager sind sehr hoch. In den USA werden jährlich 2,7 Millionen Hunde und Katzen euthanasiert. Ein billigerer und schnellerer Weg, Tiere unfruchtbar zu machen, wird als der Heilige Gral in der Tierpopulation betrachtet.“

Um dieses Ziel zu erreichen, hat man mit Impfstoffen experimentiert, welche die Hormone attackieren, die für die Ei-und Samenzellproduktion verantwortlich sind. Dieser Impfstoff scheint zu wirken. Nur braucht man, wie bei jedem Impfstoff, bald eine weitere Impfung.

Neue Tests bei Mäusen gegen Fruchtbarkeit

Bruce Hay vom California Institute of Technology in Pasadena versuchte nun einen anderen Weg, um GnRH zu blockieren. Anstatt das Immunsystem heranzuziehenAdoption fair, inserierte der Forscher ein von ihm geschaffenes Stück der Erbsubstanz (DNA) in einen Virus, der als Vehikel für die Einbringung in die Muskelzelle der Mäuse dient.

Die Muskelzellen bilden daraufhin anti-GnRH Antikörper. Weil Muskelzellen sehr lange im Körper leben, werden die Antikörper mindestens 10 Jahre produziert. Männliche und weibliche Mäuse werden zwei Monate nach dieser Injektion unfruchtbar.

„Es dauert zwei Monate, weil der Muskel so lange braucht, bis er genug Antikörper bildet“, sagt Hay’s Forschungsteam in dem Magazin Current Biloogy.

Eine andere Lösung besteht darin, dass die Antikörper in der Zona pellucida gebildet werden. Das ist eine Zellschicht, welche die reife Eizelle umgibt. Spermien können dadurch die Eizelle nicht mehr befruchten, weil sie am Eindringen gehindert werden. Durch diese Methode wird der Hormonspiegel nicht beeinflusst, was sicher von Vorteil ist, weil unsere Hormone unser Verhalten regulieren. Bei manchen Tieren will man nur die Fruchtbarkeit regulieren, nicht jedoch das Verhalten ändern.

Wenn diese Methode beim Menschen eingesetzt werden sollte, möchte man auch keine drastische Veränderung des Hormonspiegels erzielen.

„Momentan wollen wir erst mal ausprobieren, wie das Modell bei anderen Tieren funktioniert. Es ist immer eine Herausforderung, Forschungen auf eine andere Spezies zu übertragen“, sagt Prof. Swanson.

Übertragung des Experiments auf Katzen

In Kürze will er anfangen, die Methode von Prof. Hay an Katzen auszuprobieren: „Wenn es funktioniert, hätten wir einen neuen, sicheren Weg für eine lebenslange Verhütung gefunden, um so der oft lästigen Katzenüberpopulation Herr zu werden, ohne dass wir den Tieren direkt schaden.“

Joyce Briggs, Präsident der Alliance für die Kontrazeption bei Katzen und Hunden (Alliance for Contraception in Cats an Dogs), die sich dafür einsetzt, weibliche Tiere nicht mehr chirurgisch zu sterilisieren oder männliche zu kastrieren, sagte:Adopt 6

„Eine Langzeitverhütung die 10 Jahr anhält, würde eine grundlegende Veränderung bedeuten. Sie würde dem Wohl der Tiere dienen und unerwünschten Nachwuchs verhindern. Es ist unmöglich, alle Tiere einer kostspieligen Operation zu unterziehen. Auch für die Besitzer der Tiere wäre das eine kostengünstige Lösung“.

Prof. Hay und sein Forschungsteam versucht nun, bei Mäusen andere Hormone und Proteine mit seiner Methode zu blockieren. „Es gibt so viele Moleküle, die wir nun ins Visier nehmen können, weil wir ja jetzt wissen, dass es funktioniert.“ (1)

Tiere, die man auf sogenannten Adoption-Fairs (Adoptionsmärkten) in den USA kaufen kann (siehe Foto), sind chirurgisch sterilisiert, geimpft, entwurmt, haben einen Chip mit ihren Daten unter der Haut und besitzen einen Haustierarzt.

Zwangsimpfungen bei Frauen in Entwicklungsländern

Menschen werden bereits gegen Fruchtbarkeit geimpft. In den frühen 1990iger Jahren fanden Forscher heraus, dass das menschliche Schwangerschafts-Hormon chorionic gonadotropine (Beta-hCG)  –  mit dem Tetanusimpfstoff vermischt  –  genau dieser Impfstoff sein könnte. Damit wird das körpereigne Hormon Beta-hCG attackiert. Ohne das Hormon kann sich ein Baby nicht im Mutterleib entwickeln.Scannen0003

Aber wie soll man afrikanische Frauen dazu bekommen, sich gegen ihre Fruchtbarkeit impfen zu lassen? Sie sehen ihre Fertilität als ein Geschenk an. Sie sind stolz auf ihre vielen Kinder.

Einige dieser Impfstoffe kamen 1993 in Mexiko und 1994 auf den Philippinen und in Nicaragua zum Einsatz. Lokale Ärzte wunderten sich, dass anstatt der üblichen zwei Impfungen jetzt fünfmal hintereinander gespritzt werden musste. Auch beobachteten sie, dass ihre Patientinnen nach der Impfung Fehlgeburten hatten und keine Kinder mehr bekamen.

Ärzte aus Peru ließen den Impfstoff von der WHO (UNO-Weltgesundheitsorganisation) untersuchen. Dort fand man, dass der Tetanusimpfstoff mit Beta-hCG vermischt war. „Es handelt sich um ein Versehen“, wehrte sich die WHO.

Katholische Bischofskonferenz in Kenia protestierte

Die gleichen UN-Organisationen benutzen ihre Impfstoffe in Kenia. Die Kenianische Katholische Medizinische Gesellschaft und die Kenianische Bischofskonferenz verurteilen den Impfstoff. Die Bischöfe waren nicht generell gegen Impfungen. Sie ließen die Impfstoffe von der WHO/UNICEF untersuchen und stellten fest, dass sie mit Beta-hCG vermischt waren. Das Parlament stritt dies ab und verunglimpfte stattdessen die Ärzte, die den Mut hatten, das aufzudecken.

Schon öfters brachte man Frauen in Kenia nicht den nötigen Respekt entgegen. Ihre Rechte wurden von der USAID (United States Agency for International Development) erst neulich beschnitten, als man über die Nebenwirkungen der ausgegebenen Verhütungsmethoden wie der Pille oder auch der Depo-Provera-Injektionen schwieg. Acht Prozent der Frauen, die man sterilisierte, wurden nicht informiert, dass die Eileiterdurchtrennung für immer unfruchtbar macht.

Um Licht in das Dunkel zu bringen, entnahmen Ärzte Urinproben von Frauen, die kürzlich geimpft wurden. Man fand Anti-Körper gegen das Schwangerschafts-Hormon Beta-hCG.

Seit einem halben Jahrhundert will man die Bevölkerung durch Programme der Familienplanung“ oder der „Reproduktiven Gesundheit“ kontrollieren. Die arme Bevölkerung Afrikas hat das Gefühl, zu Versuchstieren geworden zu sein. (2)

Literatur:
1) William S.C.P.: DNA vaccine sterilize mice, could lead to one-shot birth control. 5. Okt. Science 2015
2) Breburda E.: Reproduktive Freiheit, free for what? Scivias, 18. Juni 2015, 358 Seiten, ISBN-10: 0692447261, ISBN-13: 978-0692447260

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)

Fotos: Dr. E. Breburda (1. bis 3. Bild)


Die Zerstörung der klassischen Familie durch neue reproduktive Techniken

Von Dr. med. Edith Breburda

Am 14. November 2014 veröffentlichte Carl Djerassi, der „Miterfinder der Antibabypille“, einen Artikel über die Rechte der Frauen. Die Trennung von Sex und Fortpflanzung sei ein bedeutender Schritt in diese Richtung. Dr. Breburda

Die Social-Freezing-Methode, mit der Frauen ihre Fruchtbarkeit konservieren können, lobt Carl Djerassi als richtungsweisend für die Zukunft.

Als Meilensteine der Reproduktionsmedizin sieht Djerassi die Erfindung der Pille von 1960, die In-Vitro-Fertilisation 1977 (10 Jahre nach der päpstlichen Enzyklika „Humanae Vitae“) und die Möglichkeit, dass sich Frauen unbefruchtete Eizellen entnehmen und einfrieren lassen.

Für all diese Techniken stand die Tiermedizin Pate. Ursprünglich hatte man Ziele in der Tierzucht damit verfolgt. Wen wundert es, dass viele bekannte humane embryonale Stammzellforscher  –   wie James Thompson von der Universität Madison/Wisconsin  – Tiermediziner sind? –  Carl Djerassi hat auch an der Universität Madison geforscht.

Über 5 Millionen Reagenzglas-Kinder

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind mehr als fünf Millionen Babys aus dem Reagenzglas geboren worden. Die genannten reproduktionsmedizinischen Methoden können nicht nur unfruchtbaren Frauen, sondern auch homosexuellen Paaren zu Kindern verhelfen. Kinder 3

Einige Mediziner sprechen davon, dass sie auch Unfruchtbarkeit heilen können. Physiologisch hat sich allerdings bei den betroffenen Frauen nichts verändert, sie bleiben auch nach dem Eingriff unfruchtbar.

Trotzdem können moderne reproduktive Techniken Frauen helfen, ihre biologische Uhr auszuschalten.

„Errungenschaften der Reproduktionsmedizin“?

Selbst Frauen, die schon lange unfruchtbar sind, können wieder schwanger werden. Das Risiko, wegen fortgeschrittenen Alters ein behindertes Kind zu bekommen, soll durch das Einfrieren der Eizellen umgangen werden. All das bezeichnet Djerassi und viele seiner Kollegen als die größten Errungenschaften der Reproduktionsmedizin der letzten Jahrzehnte.

Gebildete Frauen bekommen meist erst mit 35 Jahren Kinder. Hingegen liegt das Durchschnittsalter der werdenden Mütter ohne Studium bei 25 Jahren. Im Alter von 35 Jahren sind bei Frauen nur noch fünf Prozent ihrer Eizellen vorhanden. Ältere Frauen können mit Hilfe der modernen Medizin trotzdem auch im fortgeschrittenen Alter Kinder bekommen. 
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Durch Hormonbehandlung zur Vorbereitung auf die künstliche Befruchtung können bis zu einem Dutzend Eizellen entnommen werden. Allerdings sei es besser, wenn die Frau für eine künstliche Befruchtung Eizellen benutzt, welche bereites im Alter von 20 Jahren entnommen und dann eingefroren werden. Junge berufstätige Frauen können sich so in jungen Jahren ganz dem Beruf widmen, so Djerassi.

Carl Djerassi verteidigt „Social Freezing“

Der Wissenschaftler begrüßt es daher, dass Facebook und Apple ihren Mitarbeiterinnen  anbieten, die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen zu übernehmen Damit würde auch armen Frauen, die sich die modernen Reproduktions-Techniken nicht leisten können, geholfen. Das Leben der Frauen könne so erleichtert werden.

Frauen könnten damit Karriere machen und Kinder bekommen, und das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern könnte damit verhindert werden. Diese Option sollte allerdings nicht aufgedrängt werden.

Denn Carl Djerassi weiß, was zu erwarten ist, wenn man anderen seine Meinung aufdrängt: Viele seien aus der katholischen Kirche allein wegen des Verbots, Antibabypillen zu benutzen, ausgetreten [1].

Verantwortung für die Zukunft

Über die Verantwortung, die wir gegenüber künftigen Generationen haben, wird heute kaum noch nachgedacht.

Die Aussagen von Djerassi treffen vor allem für Individualisten zu. Dabei gehören wir doch alle zu einer riesengroßen Familie. Gott hat uns von Anfang an als soziale Wesen geschaffen, die sich um ihre Mitmenschen zu kümmern haben. IMG_1183

Eltern, Geschwister, Lehrer, Professoren, sie alle haben ihre Zeit und Liebe gegeben. Wir sollten der Gesellschaft doch zumindest das zurückgeben, was wir unverdient empfangen haben.

Djerassi erkennt offensichtlich nicht mehr den Wert der Familie als Grundlage der Zivilisation an. Die Würde der Person baut auf ihrer Natur auf. Keine Gesellschaft kann sie ihr geben. Im Gegenteil, viele moderne Regime verwehren die Freiheit und die von Gott zugedachten Rollen von Mann und Frau.

Die Attraktion zwischen den Geschlechtern, die sich gegenseitig ergänzen, ist die Basis einer Beziehung. Es handelt sich nicht um ein Konstrukt. So sind auch Kinder keine Produkte oder Objekte der Gesellschaft, eines Staates oder einer Computerfirma. Kinder haben ein Recht auf Vater und Mutter und ein Recht darauf, natürlich empfangen zu werden [2].

Die Argumentation, armen Entwicklungsländern durch die Errungenschaften der modernen Reproduktionstechniken zu helfen, ist sehr fraglich. Djerassi’s Artikel erschien zur gleichen Zeit wie eine Abhandlung vom 5. November 2014 mit der Überschrift:

„Arme und Minderheiten sterilisieren“

„As marriage Culture collapses, liberals want to sterilize poor and minority Women. And the victims are women and their children.“ (Weil die Ehe-Kultur zugrunde geht, wollen Liberale sich dafür einsetzen, Arme und Minderheiten zu sterilisieren. Die Leidtragenden sind die Frauen und ihre Kinder):frage

„Die Folge eines Zusammenbruchs der Ehe sind außereheliche Kindern. Deshalb geben sich liberale Politiker nicht damit zufrieden, jungen Frauen aus der Armen und Mittelklasse sowie Minderheiten nur eine kurzwirkende chemische Sterilisation durch die üblichen Kontrazeptiva zukommen zu lassen. Sie fordern eine dauernde Sterilisation.“

Eheschließungen haben ihren Tiefpunkt erreicht. Das US-Zentrum für Disease Control veröffentlichte Studien, wonach die Hälfte der 15- bis 44-Jährigen Frauen ohne Trauschein zusammenleben.

Zwischen 2006 bis 2010 wurden etwa 20% von ihnen schwanger. Ihre Kinder wurden im ersten Jahr ihrer Kohabitation geboren. 40 Prozent aller Kinder, die in den USA geboren werden, und 48 Prozent der Erstgeburten haben eine unverheiratete Mutter.

Ehe-Experten sehen darin eine Trendwende. Die neue Realität besteht darin, dass in den Vereinigten Staaten die Ehe nicht mehr als notwendig betrachtet wird, um Kinder in die Welt zu setzten. Unverheiratete Mütter findet man in allen Schichten.

Sollten wir deshalb besorgt sein?  – Die Antwort ist ein eindeutiges ,,Ja“. Kinder leiden, wenn sie keine Familie haben. Das Phänomen der unverheirateten Frauen ist nicht nur ein statistischer Kennwert. Es prägt die Kinder und bedeutet einen schwierigen Lebensweg. Heute bereits existieren viele herzzerreissende Lebensberichte der Kinder von Single-Eltern [3].


[1] Djerassi C.: Unbefleckte Empfängnis; Einfrieren von Eizellen. Süddeutsche, 14. Nov. 2014
[2] Pentin E.: Cardinal Müller: Attack on Marriage are a ’suicide of humanity‘. Daly News, National Catholic Register, 19.Nov. 2014
[3] Hasson M. R.: As marriage culture collapses, liberal want to sterilize poor and minority woman, Politics, Aleteia 5. November 2014
 
Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Buchautorin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin); von ihr stammen auch die ersten beiden Fotos.