Gedenkjahr 2018: Der 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er Revolte vor 50 Jahren

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

In Deutschland wird in diesem Jahr an zwei Ereignisse erinnert, die weit über die Grenzen unseres Landes hinaus von Bedeutung sind. Der 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er-Bewegung vor 50 Jahren.

Der 1818 in Trier geborene Karl Marx wollte die Gesellschaft fundamental verändern, indem er ihre tragenden Stützen, nämlich Religion, Ehe und Familie sowie alle Autoritäten zerstörte.

FOTO: Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Folgende Aussagen von Marx geben in komprimierter Form seine politischen Ziele an: „Alle Verhältnisse umwerfen“… „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei“.  – Dies schließt den Tod Gottes ein.

Der Wirtschaftsordnung erklärte Marx mit seinem Hauptwerk „Das Kapital  – Kritik der politischen Ökonomie“ den unerbittlichen Kampf.

„Die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden“ und sein Credo „Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte“ und „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt“… schließt Überlegungen von „reformieren“, „entwickeln“ kategorisch aus.

Diese Haltung von Marx zeigt sich schon früh. Das Wort „vernichten“ kommt beispielsweise sechsmal in seinem Abituraufsatz vor. Hinzu kommt eine maßlose Überheblichkeit. Er sieht sich „göttergleich“. Auch das deutet sich schon in seinen frühen Schriften an.

Mutter Teresa antwortete einmal auf die Frage: Was müssen wir tun, um die Welt zu verändern und besser zu machen?: “Wir müssen uns verändern, Sie und ich.“ – Eine solche Einsicht war für Karl Marx wesensfremd.

Für seine „wissenschaftliche“ Arbeit vergrub sich Marx in Londoner Bibliotheken, um Belege zu finden, die seine Ideologie stützen sollten. Mutter Teresa ging dagegen in die Elendesquartiere, um dort zu helfen.

Karl Marx pflegte einen großbürgerlichen Lebensstil. Das konnte er nur, weil er seinen Vater ausnutzte und ab 1844 den Fabrikanten Friedrich Engels zum Freund hatte, der ihn wirtschaftlich aushielt.

Karl Marx duldete für sein politisches Credo nur kritiklose Gläubige. Den jüdischen Arbeiterführer Ferdinand Lasalle, der den Weg der Reformen gehen wollte und deswegen mit den politischen Autoritäten, z.B. mit Bismarck, Gespräche führte, verhöhnte er und beschimpfte ihn als „Nigger“.

Auch das Judentum, obwohl selber der Herkunft nach ein Jude, hasste er. Die Frage „welches ist die weltliche Kultur der Juden?“ beantwortete er mit: „der Schacher“; die Frage „welches ist sein wirklicher Gott?“ mit „das Geld“.

Um eine revolutionäre Situation herbeizuführen, schrieb Marx Aufrufe wie „Das kommunistische Manifest“, Bücher, Zeitungsartikel, Briefe. Sie beweisen eine große sprachliche Ausdruckskraft. Das hätte aber nicht genügt, um ihn als großen Revolutionär zu feiern.

Nach seinem Tod traten kommunistische Revolutionäre mit organisatorischen Fähigkeiten auf der Weltbühne auf, die versuchten, Marxens Ideologie politisch umzusetzen. Ansonsten wären seine politischen Utopien evtl. zum Forschungsgegenstand von Politikwissenschaftlern und Studenten geworden.

Revolutionäre wie Lenin, Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung, Pol Pot und andere waren es, die den Marxismus zur Leitlinie ihres politischen Handelns gemacht haben. Sie gingen dabei über Leichen. Fachleute schätzen die Zahl der Opfer des Kommunismus auf rund 100 Millionen (vgl. z.B. das „Schwarzbuch des Kommunismus“).

Wenn sich vor einigen Jahren 3,3 Mio. Zuschauer an der Abstimmung „Unsere Besten“ im ZDF beteiligt haben und über eine halbe Mio. Karl Marx hinter Konrad Adenauer und Martin Luther auf Platz 3 gesetzt haben, so ist das schon erstaunlich. Es ist aber nicht nur eine Frage an den Wissensstand der Zuschauer, sondern auch an die Medien, die Informationen transportieren.

Marx war nicht nur ein Schreibtischtäter, auf den sich alle kommunistischen Despoten beriefen, er war auch Antisemit und Rassist. Das sind Eigenschaften, die zurecht verurteilt werden, ein Motiv, Karl Marx anlässlich seines 200. Geburtstag zu feiern, ist das wohl nicht. (Die Zitate von Karl Marx sind entnommen: Prof. Konrad Löw in der Zeitschrift „Der Fels“ 4/2018, S. 118/119 und Fels 5/2018, S. 149-151).

Neomarxismus: Die 68er Studentenrevolte

Das zweite politische Ereignis, an das 2018 gedacht wird, ist die 68er Bewegung, die vor 50 Jahren die Westeuropäischen Länder heimgesucht hat. Auch wenn führende Alt-68er wie z.B. Fritz Teufel inzwischen gestorben sind, zeigen ihre Ideen nach dem „Marsch durch die Institutionen“ auch heute noch Wirkung.

Der 68er-Bewegung ging es angeblich um Befreiung von allen Zwängen, von Macht und Moral. Auch für sie waren Kirche, Ehe und Familie sowie der „Kapitalismus“ Hauptangriffspunkte. Nicht wenige 68er sympathisierten mit marxistischen Ideen.

Vor allem die Frauen sollten von den Fesseln der bürgerlichen Gesellschaft befreit werden. Eine unverdächtige Zeugin, nämlich die Witwe von Rudi Dutschke, Frau Dutschke-Klotz (Gretchen) sieht das etwas anders:

„Das hat sehr männlich angefangen. Der SDS zum Beispiel, Zentrum der Theorie- und Praxisdiskussion war sehr männlich bestimmt. Die Frauen hatten kaum Chancen, zu Wort zu kommen, sie wurden niedergeredet und nicht ernst genommen“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 11.4.2018).

Sexuelle Revolution auf Kosten der Frauen

Frauen waren wichtig für die „sexuelle Revolution“. Dazu weiter Frau Dutschke-Klotz: „Natürlich war das auch eine sexuelle Freiheit für Frauen. Aber die Männer haben es vor allem so interpretiert, dass sie mit jeder Frau schlafen können, mit der sie wollen. Und wenn eine Frau nicht wollte, wurde sie deshalb angemacht“ (AZ, 11.4.2018).

Der Beginn der 68er-Bewegung liegt 50 Jahre zurück. Ideologen sind offensichtlich wenig lernfähig. 

Zur Frage „Was bleibt von 1968?“ schrieb die Süddeutsche Zeitung: 

„Jürgen Habermas wurde 1988 gefragt, was von 68 geblieben sei. Er hat die bisher beste Antwort gegeben: ‚Frau Süssmuth‘ hat er gesagt. Er meinte die Fundamentalliberalisierung der Republik (…) Der kulturelle Umbruch von 68 war und ist der nachhaltigste Umbruch der Gesellschaft seit 1945“ (zitiert nach Konradsblatt 16, 2018, S. 2).

Die SZ hat recht mit der Aussage: Die 68er-Bewegung habe den „nachhaltigsten Umbruch der Gesellschaft seit 1945“ gebracht. Und auch Jürgen Habermas hat recht, wenn er Frau Süssmuth als Schlüsselperson des kulturellen Umbruchs genannt hat. Sie zählte zu den Personen, die 68er Ideen umsetzen konnte.

Rita Süssmuth hatte hohe politische Funktionen. Sie war Mitglied der Bundesregierung. Sie hatte großen Einfluss auf die katholische Frauenbewegung, auf das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und auf weitere katholische Laienorganisationen. Ihr verdanken wir wesentlich die Einführung der bestehenden Abtreibungsregelung mit der rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung.

Diese Regelung hat sich über die Abtreibung hinaus insgesamt auf die Wertschätzung und die Würde des menschlichen Lebens ausgewirkt und das Bewusstsein verändert, wie repräsentative Umfragen zeigen.


Bildungs-Dschihad der finanzstarken türkischen Gülen-Bewegung auch hierzulande

Von Michael Leh

Die nach dem reaktionären türkischen Prediger Fetullah Gülen benannte „Gülen-Bewegung“ arbeitet in Deutschland sehr erfolgreich an der Ausbildung einer islamischen Elite. Für ihre keineswegs harmlosen Bildungseinrichtungen wird sie auch mit deutschen Steuergeldern bezuschusst. IGFM_Scharia

In der Türkei tobt ein Machtkampf zwischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und den Anhängern des islamischen Predigers Fetullah Gülen.

Auch in Deutschland gerät die bislang weit unterschätzte Gülen-Bewegung vermehrt in die Schlagzeilen. In Deutschland betreiben rund 300 Vereine, die Gülen nahe stehen, bereits 24 staatlich anerkannte Privatschulen und rund 150 außerschulische Nachhilfeeinrichtungen. Die Gülen-Bewegung ist in über 100 Ländern aktiv und verfügt über große Geldmittel.

In Berlin-Spandau ist ein neues Großprojekt der Gülen-Bewegung geplant. Auf rund 84 000 Quadratmetern soll ein Bildungscampus entstehen.

Wie die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) mitteilt, soll hier „vom Kindergarten bis zur Hochschulreife alles an einem Standort möglich sein“.

Schon jetzt betreibt das „TÜDESB Bildungsinstitut Berlin-Brandenburg e.V.“ berlinweit unter anderem vier Kindertagesstätten, sechs Bildungszentren und vier Schulen. Köln-MoscheeDSC_0597_ShiftN

Wie der Theologe Friedman Eißler von der EZW erklärt, machen diese Bildungseinrichtungen „in der Regel Religion nicht in besonderer Weise zum Thema, geschweige denn ihre Verbindung zu Fethullah Gülen.“

BILD: Moschee in Köln (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

In den engeren Kreisen der Bewegung werde jedoch ein konservatives islamisches Ideal gepflegt, das beim Bildungsbegriff, Demokratieverständnis, Frauenbild, Gesellschaftsmodell und anderen Fragen eine „teilweise ernüchternde Diskrepanz zu der nach außen hin gezeigten Dialogoffenheit“ aufweise.

Der im amerikanischen Exil lebende Fetullah Gülen verbreite zwar die Parole „Baut Schulen statt Moscheen“. Doch dessen „erzieherischer Idealismus“ sei selbst hoch politisch und setze auf „stille und geduldige gesellschaftliche Transformation durch Scharia-orientierte Werte“.

Ein typisches Exemplar der „Dialogindustrie“ ist das „Forum für interkulturellen Dialog e.V.“ (FID) in Berlin. Ehrenvorsitzender ist Fetullah Gülen.

Rita Süßmuth im Beiratg eines Gülen-Forums

Im Beirat sitzen Aushängeschilder wie Rita Süßmuth und Markus Meckel. Als Süßmuth letztes Jahr von WDR-Reportern darauf angesprochen wurde, dass Gülen in einem Beitrag schrieb, nach islamischem Recht habe auf den Abfall vom Glauben die Todesstrafe zu stehen, machte sie große Augen und war ganz überrascht.

Im Beirat des FID ist sie noch heute. Den betreffenden Beitrag Gülens hatte der aus dem Libanon stammende Islam- und Politikwissenschaftler Ralph Ghadban auf einer französischsprachigen Webseite der Gülen-Bewegung gefunden, dort steht er seit 2008.

Er steht aber auch auf einer englischsprachigen Gülen-Website, wo er bereits seit 2001 zu lesen ist. In dem Text verweist der Prediger zunächst auf den Koranvers, wonach es „keinen Zwang in der Religion“ geben dürfe.

Damit ist aber vor allem gemeint, Muslime dürften nicht zum Beispiel zu bestimmten Riten gezwungen werden. Zwangsbekehrungen zum Islam dürfe es nicht geben, und Nicht-Muslime unter islamischer Herrschaft, so sie spezielle Steuern zahlten, könnten  ihren Glauben frei ausüben.

Todesstrafe beim Abfall vom Islam gefordert

Dann erklärt Gülen jedoch zur Apostasie, dem Abfall eines Muslims vom Islam: 

„Im islamischen Recht  wird die Apostasie genau so streng beurteilt wie Hochverrat durch die meisten Staaten oder militärischen Streitkräfte. Mit Bitten, Gebeten und Überredung sowie allen sonstigen legitimen Mitteln muss versucht werden zu verhindern, dass ein solches Verbrechen bekannt wird und öffentliches Ärgernis erregt.

Wer vom Glauben abfallen will, muss aufgefordert werden, es sich noch einmal zu überlegen und es zu bereuen. Wenn die Betreffenden die Gelegenheit dazu jedoch zurückweisen, ist die Todesstrafe geboten. Keine mildere Strafe wäre geeignet, den Abscheu der Gesellschaft über den Bruch des Vertrages mit Gott auszudrücken.“ (Übersetzung durch den Autor.)

In dem Text steht wohlgemerkt mit keiner Silbe etwa eine Distanzierung Gülens von dieser  Interpretation islamischen Rechts. Sie entspricht laut Christine Schirrmacher vom Institut für Islamfragen auch der Auffassung der meisten islamischen Theologen.

Wie man in der türkischen Zeitung „Zaman“, die Gülen nahe steht, lesen kann, versuchen einige Schüler Gülens seine Auffassung zur Todesstrafe bei Glaubensabfall etwas zu relativieren. Der Meister selbst hat sich jedenfalls bis heute nicht dazu bereit gefunden, von seiner geäußerten Ansicht abzurücken.

Die Fraktion „Die Linke“ im Bundestag hatte letztes Jahr in einer Anfrage zur Gülen-Bewegung die Bundesregierung auch eigens auf die Aussagen Gülens zur Apostasie hingewiesen. Die Bundesregierung schwieg dazu und erklärte zu den meisten Fragen, ihr lägen keine Erkenntnisse vor.

Inzwischen sind zwar Verfassungsschutzämter aufgewacht. Doch deren rechtliche Instrumente werden bei den sich auch geschickt verstellenden, dezentral vernetzten Gülenisten weitgehend ins Leere laufen.

Gülen ist keineswegs ein Islamreformer. Zwar stellt er Wissenschaft und Bildung in den Vordergrund. Was er jedoch unter Wissenschaft versteht, erläutert er folgendermaßen: „Koran und Hadith [das sind vor allem Überlieferungen über Anweisungen Mohammeds außerhalb des Korans] sind wahr und absolut. Wissenschaft und wissenschaftliche Fakten sind wahr, solange sie mit Koran und Hadith übereinstimmen.“

Die türkischstämmige Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek hat die Gülen-Bewegung als gefährliche Sekte bezeichnet.

Michael Leh ist politischer Journalist und lebt in Berlin.

Erstveröffentlichung des Beitrags in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ vom 22. Februar 2014

1. Foto: IGFM