Christen protestieren: Im westindischen Bezirk sollen alle Schüler eine Hindu-Göttin verehren

Im Distrikt „Dadra, Nagar Haveli, Daman and Diu“ im westindischen Unionsstaat Gujarat müssen alle Schüler in allen Schulen das hinduistische Vasant-Panchami-Fest feiern, bei dem die Göttin Saraswati verehrt wird.

Dies wird in einem von den Behörden herausgegebenen Rundschreiben veranlasst und gilt auch für Lehrer und Schüler nicht-hinduistischer Religion und in privaten Schulen.

Das United Christian Forum (UCF), das sich für den Schutz von Bürgerrechten einsetzt, fordert die Regierung auf, diese Anweisung zurückzuziehen. „Die Christen dieser Region leiden unter dieser Bestimmung“, sagt AC Michael, Koordinator des UCF, gegenüber dem vatikanischen Fidesdienst.

Dem Rundschreiben zufolge müssen alle Schulen bis zum 17. Februar einen Bericht über die Feiern zugunsten der Göttin zusammen mit Fotos vorlegen. Die Anweisung schreibt auch hinduistische Gebetsformeln und die Durchführung entsprechender Rituale in allen Schulen vor.

Quelle: Fidesdienst


Der Protestantismus und die Frage nach Ritualen, Symbolen und feierlicher Liturgie

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Die Wahl eines neuen Papstes war tagelang das Top-Ereignis in den säkularen Medien. Hunderte Millionen Menschen in aller Welt verfolgten die Berichterstattung über das Konklave. Journalisten zufolge liegt das gewaltige Interesse auch an der Faszination der alten Rituale.

Großereignisse in den evangelischen Kirchen stoßen dagegen auf weit weniger Aufmerksamkeit. Es stellt sich die Frage: Ist der Protestantismus zu nüchtern? Dazu nehmen zwei Theologen in der Rubrik „Pro & Kontra“ des Wochenmagazins „idea-Spektrum“ Stellung.

PRO: Für festliche Gottesdienste 

Der Älteste (Leiter) der evangelischen Michaelsbruderschaft, Pfarrer Frank Lilie, bejaht die Frage. Er bezieht sich auf den Gottesdienst. In ihm schenke sich Christus „uns in Wort und Sakrament und wir schenken uns ihm“

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Die für den Gottesdienst gewählten Formen müssten dazu passen: „Sie sollten festlich sein, keine Wiederholung der Alltäglichkeit. Der Alltag gewinnt vom Fest aus seine Bedeutung, nicht umgekehrt. Die Woche lebt vom Sonntag her, das Jahr von Ostern.“ 

Die Sorge mancher Christen vor der ablenkenden Macht der Formen sei freilich begründet, wo die Verpackung wichtiger als der Inhalt zu sein scheine: „Sind Formen aber eine Hilfe für die Erfahrung der Gegenwart Christi und leben von innen heraus, dürfen sie bunt, schön und vielgestaltig sein, festlich eben – wie es ja in den Kirchen der Welt auch geübt wird.“   –   Und dies brauche zwischen den Konfessionen nicht zu trennen.

KONTRA: Katholiken nicht nachahmen

Der ev. Theologe Prof. Rolf Wischnath aus Gütersloh mahnt dagegen zu mehr Nüchternheit. Der Respekt vor den Katholiken sollte Protestanten nicht zur Nachahmung veranlassen: „Den Wettbewerb um die Buntheit der Amtstrachten verlieren wir ohnehin.“

Protestanten seien zur Konzentration gerufen, nicht zur zeremoniellen Üppigkeit: „Sie sollen das Licht des Glaubens und der Liebe leuchten lassen, nicht Kerzen hin und her tragen.“  –  Ihre Aufgabe sei es, „das Wort zu sagen, das zuchtvolle Gebet zu sprechen und die beiden  –  und nicht mehr!  –  Sakramente Taufe und Abendmahl zu ehren“. Im Gottesdienst sei „innere Sammlung nötig, nicht beflissene Aufmerksamkeit auf Gewänder und Gesten“.

Wischnath plädiert dafür, den schwarzen Talar beizubehalten. Er verdeutliche, dass es in der Verkündigung keine Rangunterschiede gebe, und er erspare Pastor und Gemeinde die Kleiderfrage: „Der Talar ist das Logo des evangelischen Predigers.“