Stephanus-Preisverleihung an die HMK

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag, den 3. Juli 2021, erhielt die evangelikal orientierte „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK) im hessischen Wetzlar den Sonderpreis der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“, die von Michaela Koller geleitet wird; sie ist beruflich als Referentin der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) für Religionsfreiheit und als Publizistin tätig.

Die Katholikin ist zugleich als Bloggerin (Vaticanista) aktiv und seit Jahren auch Gastautorin in unserem CHRISTLICHEN FORUM.

Die mit dem Preis verbundene Spendensumme von 1000 Euro erhält die überkonfessionelle HMK für ihre Hilfsprojekte in der Türkei, wo christliche Flüchtlinge aus Irak und Syrien sich vielfach in Not und Elend befinden.

Über diese und andere Aktivitäten informierte ein kurzer, aber eindringlicher Dokumentationsfilm unter der Regie von Michaeala Koller – er schilderte zugleich die Entstehung der HMK.

Gegründet wurde das in Uhldingen am Bodensee beheimatete Hilfswerk von dem judenchristlichen, evangelischen Pastor Richard Wurmbrand aus Rumänien, der unter der kommunistischen Diktatur wegen seines Glaubens 13 Jahre lang im Gefängnis saß und danach – als er im Westen lebte – über die leidende Gemeinde Jesu hinter dem Eisernen Vorhang zahlreiche Bücher veröffentlichte, darunter sein aufrüttelnder Erlebnisband „Gefoltert für Christus“.

Aus seinem Verein wurde im Laufe der Jahrzehnte ein weltweit aktives Hilfswerk mit einer aktuellen Monatszeitschrift „Stimme der Märtyrer“ und einem hervorragenden Jahreskalender „Länder der Märtyrer“.

Der evangelische Theologe und IDEA-Vorstandschef Helmut Matthies – er leitete jahrzehntelang die Zeitschrift IDEA-Spektrum – erinnerte an das mutige Wirken Wurmbrands und auch an das Versagen in westlichen Ländern, in denen das Unrecht im Ostblock vielfach ignoriert worden sei, was auch für kirchliche Kreiseinsbesondere in der EKD – gelte.

Die Auszeichnung wurde vom HMK-Vorsitzenden Stefan Weber entgegengenommen. Auch HMK-Missionsleiter Manfred Müller hielt eine eindringliche Ansprache, ebenso die pakistanische Bürgerrechtlerin und Menschenrechtsanwältin Aneequa Anthony (siehe 2. Foto: mit Michaela Koller) in Form eines per Zoom zugeschalteten Grußworts.

Auch der frühere geschäftsführender IGFM-Vorsitzende Karl Hafen würdigte die Arbeit der HMK in seiner Laudatio und informierte über die gegenseitigen Kontakte zwischen seiner Organisation und der HMK.

Der ebenfalls in IGFM einst aktive Dr. Wolfgang Link (siehe Foto) erläuterte als Gründer der Stephanus-Stiftung die Motive für seine Initiative und begleitete die Veranstaltung mehrfach musikalisch.

Die Moderation der Preisverleihung übernahm Dr. Emmanuel Ogbunwezeh, Vize-Vorsitzender der Stephanus-Stiftung (siehe 1. Foto ganz rechts).

Zum Ausklang gab es Gebete und Segensworte des in Ägypten seelsorglich tätigen, katholischen Monsignore Joachim Schroedel (siehe Foto) und des evangelischen Pastors Manfred Müller, des Missionsleiter der HMK.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das CHRISTOFERUSWERK in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreut und das seit Jahrzehnten sowohl mit der HMK wie auch der IGFM zusammenarbeitet.

Erstes Foto: Stephanus-Stiftung, B. Özcan – Weitere Bilder: IGFM, Felizitas Küble


Ein evangelischer Autor über Bischof Dyba und sein Einsatz für die Einheit Deutschlands

Von Kirchenrat Dr. Rolf Sauerzapf

Als Dr. Johannes Dyba zum Bischof von Fulda ernannt wurde, ging ihm lediglich der Ruf voraus, ein „Konservativer“ zu sein. Er sorgte bald selbst dafür, zu zeigen, dass es sich hier nicht nur um Stilfragen handelte.

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lief die Abtreibungskampagne der politischen Linken auf Hochtouren. Dem stellte sich die „Lebensrechtsbewegung“ des Ulmer Arztes Siegfried Ernst entgegen.

Erzbischof Dyba sorgte für einen besonderen Eklat:

Er ordnete an, dass am „Tag der unschuldigen Kinder“, dem 28. Dezember, im Bistum Fulda alle Kirchenglocken geläutet wurden. An diesem Tag gedenkt die Kirche des Kindermords des Königs Herodes in Bethlehem, durch den dieser verhindern wollte, dass der dort geborene „König der Juden“ ihm oder seinen Nachfolgern gefährlich werden konnte. Joseph hatte Maria und das Kind aber längst in Ägypten in Sicherheit gebracht.

Das Glockenläuten von Fulda hatte ein ungeheures Echo: Die politische Linke schäumte. „Stoppt Dyba!“ wurde auf die Hände gestempelt. In einem Gespräch, zu dem mich der Bischof aufgrund eines Hinweises von Dr. Siegried Ernst nach Fulda einlud, zeigte es sich, dass leider kein evangelischer Bischof sich als „ökumenisches Pendant“ zur Verfügung stellen wollte. Trotzdem: Erste Ansätze zu einer „Bekenntnis-Ökumene“ zeichneten sich ab.

In den 90er Jahren kam es zu einer weiteren Begegnung: Der Bremer „Bohnenkönig“ war in Fulda gefunden worden. (Ein Prominenten-Club „wählt“ jährlich einen „Bohnenkönig“: Wer eine Kaffeebohne im Essen vorfindet, wird damit zum „Bohnenkönig“.)

Der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel lud ins Fuldaer Schloß ein. Das Grußwort des Bischofs erinnerte an ein solches des einstigen katholischen Landesherrn, der sich in großer Souveränität darstellte.

BILD: Dieser Beitrag von Dr. Sauerzapf erschien zuerst in unserem Sammelband „Der Löwe von Fulda“: 33 Autoren (darunter auch eine Reihe evangelischer Verfasser) würdigen Erzbischof Johannes Dyba von Fulda

Im Frühjahr 1989 stellte der Bischof auf meine Bitte die Weichen für ein historisches Geschehen: Der Zusammenschluss fast aller nichtkatholischer Kirchen, der „Ökumenische Rat der Kirchen“ oder“ Weltrat der Kirchen“ hatte zu Gebeten aufgerufen für die Freiheit des von Südafrika verwalteten Südwestafrika/Namibia. Viele evangelische Kirchen in der Bundesrepublik und der DDR beteiligten sich an dieser Gebets-Kampagne.

Nun wusste ich, dass sich am 17. Juni die Deutsche Burschenschaft an der Zonengrenze bei Fulda traf, um für die Freiheit der Deutschen in der DDR zu demonstrieren.

Nachdem die Deutsche Burschenschaft ihr Interesse an einem Gottesdienst nach dieser Demonstration bekundet hatte, in dem für die Freiheit und Einheit Deutschlands gebetet werden sollte, kam Bischof Dybas große Stunde:

Er stellte auf meine Bitte hin die karolingische St. Michaelskirche neben dem Dom zur Verfügung. In einem ökumenischen Gottesdienst, an dem 250 Burschenschafter und Bundesgrenzschutzangehörige teilnahmen, konnte ich für die Einheit unseres Landes in Frieden und Freiheit beten.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin und die innerdeutsche Grenze. Unsere Gebete waren erhört worden.

Auch später traf ich Bischof Dyba öfters bei Veranstaltungen der Militär-Seelsorge, zu denen er als der Katholische Militärbischof mich einlud. Für den Auftrag der Bundeswehr waren seine klaren und eindeutigen Aussagen eine große Hilfe. Leider gab es keinen evangelischen Bischof, der seiner Haltung „Unverschämt katholisch“  – so der Titel einer Veröffentlichung 2002  –  mit einem „Unverschämt evangelisch“ entsprochen hätte.

Die von dem Tübinger Theologen Professor Peter Beyerhaus angeregte „Bekenntnis-Ökumene“ kam erst später. Dazu trug entscheidend ein Gespräch mit Bischof Dyba in Fulda bei, zu dem er Prof. Dr. Peter Beyerhaus, den damaligen Präsidenten der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, seinen Stellvertreter, Prof. Dr. Horst Beck, und mich eingeladen hatte.

Zu unserem evangelischen Autor: Kirchenrat Dr. Rolf Sauerzapf, geb. 1937 in Stuttgart, Abitur 1958 in Eßlingen, Studium der Theologie und Geschichte 1959 bis 1965 in Tübingen, Berlin und Genf; verheiratet, vier erwachsene Kinder.
Im Dienst der Evangelischen Landeskirche von 1965 bis 1972 in Eßlingen, Göppingen und Stuttgart, Dr. theol. 1975 an der Universität in Pretoria, 1972 bis 1978 Oberpfarrer der Evangelischen Seelsorge im Bundesgrenzschutz in Bonn, 1979 bis 2000 evangelischer Grenzschutzdekan in Kassel, seit 1.1.2001 im Ruhestand, Mitarbeit in der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften. 10 Jahre lang Vorsitzender der Hilfsaktion Märtyrerkirche. Präsident des Preußeninstituts eV.


Hilfsaktion Märtyrerkirche: Dossier informiert über Christenverfolgung weltweit

In welchen Ländern werden Christen gegenwärtig wegen ihres Glaubens systematisch unterdrückt?  – Darüber informiert 43-seitiges Dossier, das die Hilfsaktion Märtyrerkirche mit Sitz in Uhldingen  am Bodensee veröffentlicht hat.

Aufgelistet sind 55 Länder. Das größte Ausmaß an Verfolgung erleben Christen demnach zur Zeit in Nigeria, dem Iran, Ägypten und Eritrea.

Im westafrikanischen Nigeria hätten Bombenanschläge auf Kirchen, gezielte Morde an Christen und andere Verbrechen seit 1999 über 50.000 Menschenleben gekostet. Die Gewalt geht vor allem von der extrem-islamischen Gruppe Boko Haram aus.

Foto: Evita Gründler

Foto: Evita Gründler

Im Iran gingen die Behörden immer rigoroser gegen die christliche Minderheit vor. So gebe es Razzien in Hauskirchen. Gottesdienstbesucher würden verhaftet und Kirchenmitglieder bedroht. In Ägypten nähmen die offenen Angriffe sowohl auf koptische als auch auf evangelikale Christen zu. Im nordostafrikanischen Eritrea seien mindestens 3.000 Christen inhaftiert. In vielen Fällen seien sie in Containern oder Bunkern eingesperrt.

Wo sich die Lage der Christen verschlechtert hat

Das Dossier nennt ferner Länder, in denen sich die Lage der Christen seit kurzem verschlechtert habe. So erhalte die HMK aus Kenia (Ostafrika) zunehmend Berichte von Angriffen auf Christen in Lagern für somalische Flüchtlinge sowie auf Kirchen nahe der somalischen Grenze.

Schlechter geworden sei auch die Lage für Christen in Bosnien-Herzegowina, Venezuela sowie den afrikanischen Staaten Dschibuti, Elfenbeinküste, Liberia, Senegal, Sierra Leone und Tansania.

Dem Dossier zufolge wächst in zahlreichen Ländern trotz Diskriminierung oder Verfolgung die Zahl der Christen.

Die Dokumentation gibt Infos zum jeweiligen Land, die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung, die Situation der Christen und nennt Gebetsanliegen.

Die HMK beschreibt ferner, wie sie in den genannten Ländern hilft. Das will Veränderungen der Lage bedrängter Christen auf der Internetseite http://www.verfolgte-christen.org laufend erfassen.

Die überkonfessionell tätige Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Missionsleiter ist Manfred Müller. Als Vorsitzender amtiert der evangelische Kirchenrat i.R. Rolf Sauerzapf  aus Kassel.

Hier gehts zur informativen WEBSEITE der HMK: http://www.verfolgte-christen.org/

Quelle: http://www.idea.de