Kardinal Müllers Einwände zu Dubia-Kardinälen steigern die Verwirrung

Mathias von Gersdorff

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, kritisierte das Vorgehen der Kardinäle Burke, Brandmüller, Meisner und Cafarra bezüglich des Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia von Papst Franzikus. gersdorff

[Zur Erinnerung: Diese vier Kardinäle haben einen Fragenkatalog mit sog. „dubia“ (Zweifel) an Papst Franziskus gesandt, in welchem um Präzisierungen zu bestimmten Aussagen im päpstlichem Schreiben gebeten wird. Insbesondere geht es um die Frage, ob unter bestimmten Voraussetzungen wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen. Nach traditioneller Kirchenlehre ist dies nicht möglich. Amoris Laetitia enthält Passagen zu dieser Problematik, die zu völlig konträren Auslegungen geführt haben. Nicht selten werden diese Passagen nach eigenem Geschmack ausgelegt. So sind nun liberale Bischöfe oder sogar Bischofskonferenzen der Auffassung, die früheren Einschränkungen zur Erteilung der Kommunion seien aufgehoben worden. Konservative behaupten, es hätte sich nichts geändert. Der normale Gläubige schaut verblüfft dieser Debatte zu, die zunehmend an Schärfe gewinnt.]

Nun hat sich Kardinal Müller in einem Internet-Fernsehinterview am 8. Januar 2017 zu diesem Thema geäußert und die Vorgehensweise der vier Kardinäle kritisiert, vor allem die Tatsache, dass sie ihre Anfrage an den Papst veröffentlicht haben. Zudem erklärte der Präfekt der Glaubenskongregation, Amoris Laetitia stelle keine Gefahr für den Glauben dar.

In der Tat hat Kardinal Müller seit der Veröffentlichung versucht, das Amoris-Laetitia–Problem dadurch zu lösen, dass er das päpstliche Schreiben im Sinne der Tradition auslegte. Insofern ist seine Haltung nicht ganz neu.

Dennoch wirft sein letztes Fernsehinterview Fragen auf: Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Es ist schon bemerkenswert, dass Kardinal Müller den Rahmen eines Fernsehinterviews wählt, um seine Brüder im Kardinalskollegium zu kritisieren. Als Präfekt der Glaubenskongregation stehen ihm geeignetere Möglichkeiten zur Verfügung als ein 11-minütigen Interview, in welchem lediglich ca. drei Minuten dem Apostolischen Schreiben gewidmet waren.

Besitzt die Aussage im Fernsehinterview überhaupt eine relevante Autorität? Von einem Präfekten hätte man eine derart gewichtige Stellungnahme, die geradezu ein Erdbeben verursacht hat, entweder im „L´Osservatore Romano“ oder in einer Fachzeitschrift für Theologie erwartet.

Somit stellt sich eine weitere Frage: Kardinal Müller hatte nicht die Zeit, seine Kritik angemessen zu begründen. Ein derart kurzes Format lässt eine ausführliche Begründung, die der Bedeutung der Aussagen entspricht, gar nicht zu.

Doch das wäre wirklich angebracht. Es kann Kardinal Müller unmöglich entgangen sein, dass etliche Bischöfe und Bischofskonferenzen das Schreiben ganz anders als im Sinne der Tradition (und dessen eigener Auffassung) auslegen und die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene öffnen wollen. Das ist auch die klare Tendenz in Deutschland, dem Heimatland des Glaubenspräfekten.

Foto: Radio VatikanWenn er schon der Meinung war, die Autoren der „dubia“ kritisieren zu müssen, so wäre es angebracht gewesen, auch diejenigen zu kritisieren, die vorpreschen und Amoris Laetitia in Widerspruch zur Tradition auslegen, Kardinal Marx vorneweg.

Durch seine einseitige Kritik hat Kardinal Müller leider die Verwirrung rund um das päpstliche Schreiben gesteigert. Die normalen Gläubigen empfinden eine noch nie dagewesene Kakophonie in einer moraltheologischen Frage, die eigentlich schon seit Jahrhundert von vielen Päpsten, Theologen und Konzilien geklärt wurde.

Es macht sich der Eindruck breit, das Lehramt gelte nicht mehr bzw. sei nicht mehr ernst zu nehmen. Viele fragen sich: Wieso bestätigen der Papst und der zweite Mann im Vatikan, also der Präfekt der Glaubenskongregation, nicht die Lehre der Kirche in dieser wichtigen Frage, wo doch so viele Leute diese Lehre bestreiten?

Unser Autor Mathias von Gersdorff  aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht seine aktuellen Berichte hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

HINWEIS: Kardinal Müller und Co. hatten vor der Veröffentlichung von AL viele Verbesserungsvorschläge an den Papst eingereicht, angeblich war es sogar eine „zwanzigseitige Liste mit Korrekturvorschlägen“.  Quelle: http://www.kath.net/news/58114

Fotos: M. v. G., Bistum Regensburg, Radio Vatikan


Regensburg: Bischof Voderholzer hat die Heilige Pforte der Barmherzigkeit geschlossen

Am heutigen Christkönigssonntag endete das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Bischof Rudolf Voderholzer schloss die Heilige Pforte bei der Kirche St. Joseph des Karmelitenklosters in der Regensburger Altstadt und feierte im Anschluss mit den Gläubigen im Dom St. Peter ein Pontifikalamt. 161120_pforte-1

Im Laufe der Liturgie ließ der Bischof die Heiligen Pforten Roms in Erinnerung an die Bistumswallfahrt nach Rom vor dem geistigen Auge der Gläubigen Revue passieren:

  • Die Heilige Pforte an der Lateranbasilika mit der ältesten Taufkapelle der Welt. Sie stelle uns die Taufe als Eintrittspforte in die Gemeinschaft der Kirche vor Augen.
  • Die Heilige Pforte der Basilika St. Paul vor den Mauern führe in die Kirche, in der sich das Grab des großen Völkerapostels Paulus befinde. Er habe sein Leben ganz in den Dienst des Evangeliums gestellt.
  • Die Heilige Pforte am Petersdom lasse die Gläubigen auf den heiligen Petrus schauen.
  • Die Heilige Pforte der Basilika Maria Maggiore habe den Blick dabei in besonderer Weise auf die Gottesmutter gelenkt. Durch sie konnte Jesus Christus, die Barmherzigkeit Gottes, unter den Mensch werden, erklärte der Regensburger Oberhirte

Heilige Jahre, wie das nun zu Ende gehende seien wichtige Zeichen, Höhepunkte im Fluss der Geschichte, hob Bischof Rudolf in seiner Predigt hervor. Das zu Ende gehende Jahr der Barmherzigkeit wollte den Gläubigen erneut die Gewissheit einpflanzen, dass die Türen des Herzens Gottes immer offen stünden, auch wenn die symbolische Pforte wieder geschlossen wurde.

Dankbar habe der Bischof auch die Rückmeldungen aus den Pfarreien vernommen, dass das Thema Barmherzigkeit das Leben und Beten in den Pfarreien geprägt habe. Die leiblichen und die geistlichen Werke der Barmherzigkeit hätten wir ein roter Faden die geistlichen Worte und Ansprachen durchzogen.  Mancherorts wurden die 14 Stationen der Kreuzwegandacht mit den 14 Werken der Barmherzigkeit in Verbindung gebracht. Ob das Jahr der Barmherzigkeit auch die Beichtpraxis belebt habe, lasse sich noch nicht abschließend sagen.

Heilige Pforten erstmals auch in den Bistümern

Im Dezember 2015 eröffnete Papst Franziskus das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das weltweit, und so auch im Bistum Regensburg, gefeiert wurde.  Mehr als 450 Gläubige aus dem Bistum pilgerten Ende März zusammen mit Bischof Rudolf nach Rom, um dort durch die Heiligen Pforten zu gehen und die heilige Messe zu feiern.

Erstmals in der Geschichte der Heiligen Jahre durften nach Weisung des Papstes auch in den einzelnen Diözesen Heilige Pforten geöffnet werden. In Regensburg gab es neben der Pforte des Karmelitenklosters und in der Gnadenkapelle des Schönstattzentrums in Kösching acht weitere Hl. Pforten, die von Ostern bis Pfingsten geöffnet hatten. Diese waren in Amberg, Aufhausen, auf dem Bogenberg, in Cham, Mindelstetten, Neustadt a. d. Waldnaab, Tirschenreuth und Vilsbiburg.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg


Albanien: Seligsprechung von 38 Märtyrern unter dem Kommunismus

Die albanische katholische Kirche in Scutari hat am 5. November 2016 die Seligsprechung des Erzbischofs von Scutari und Primas von Albanien, Vincenzo Prennushi OFM, und 37 Gefährten gefeiert. Foto: Evita Gründler

Am 26. April 2016 hatte Papst Franziskus die geplante Seligsprechung der zwei Bischöfe, 21 Diözesanpriestern, sieben Minoritenbrüder, drei Jesuiten, vier Laien und eines Seminaristen bestätigt.

Die Priester, Ordensleute und Laien starben unter dem kommunistischen Regime zwischen 1945 und 1974 den Märtyrertod. Die Diktatur Albaniens zeichnete sich durch besondere Härte gegenüber der Kirche und allen Gläubigen aus. 1967 erklärte sich Albanien amtlich zum ersten atheistischen Staat der Welt.

Vor allem Christen wurden mit größter Schärfe verfolgt. Die Körper der Hingerichteten wurden in den Müll geworfen, Hunden vorgeworfen, in Gräben verscharrt und verhöhnt. Die Verfolgungen nahmen erst ein Ende, als der Eiserne Vorhang fiel und das kommunistische System ebenso.

Am 4. November 1990 bezeugten dien Katholiken in Scutari zum ersten Mal öffentlich bei einer hl. Messe ihren Glauben. Die Kirche Albaniens ist seitdem darum bemüht, das Gedächtnis an die Märtyrer und die lange Leidenszeit wachzuhalten.

Quelle und Fortsetzung der Nachricht hier: https://de.zenit.org/articles/seligsprechung-von-erzbischof-vincenzo-prennushi-ofm-und-37-gefaehrten/

Foto: Evita Gründler


Vatikan: Kirche bekräftigt Bevorzugung der Erdbestattung gegenüber der Einäscherung

Instruktion der Glaubenskongregation „Ad resurgendum cum Christo“ über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung

Wir dokumentieren hier den vollständigen Wortlaut der Instruktion (die Zwischentitel stammen von uns):

1. Um mit Christus aufzuerstehen, muss man mit Christus sterben; dazu ist es notwendig, „aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu Müllersein“ (2 Kor 5,8).

Mit der Instruktion Piam et constantem vom 5. Juli 1963 bestimmte das ehemalige Heilige Offizium, dafür Sorge zu tragen, dass „die Gewohnheit, den Leichnam der verstorbenen Gläubigen zu beerdigen, heilig gehalten werde“.

Es fügte aber hinzu, dass die Feuerbestattung der christlichen Religion nicht „an sich“ widerspricht und jenen, die sich dafür entschieden haben, die Sakramente und das Begräbnis nicht mehr verweigert werden dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Einäscherung nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ gewählt haben. 

Diese Änderung der kirchlichen Ordnung wurde später in den Kodex des kanonischen Rechtes (1983) und in den Kodex der Kanones der katholischen Ostkirchen (1990) aufgenommen.

Mittlerweile hat sich die Feuerbestattung in nicht wenigen Ländern stark ausgebreitet. Aber zugleich haben sich auch neue Ideen verbreitet, die dem Glauben der Kirche widersprechen.

Kirche bevorzugt die Erdbestattung

Nach Anhören der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und zahlreicher Bischofskonferenzen und Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen hat die Kongregation für die Glaubenslehre es für angebracht gehalten, eine neue Instruktion zu veröffentlichen, um die lehrmäßigen und pastoralen Gründe für die Bevorzugung der Beerdigung der Verstorbenen darzulegen und Normen für die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung zu erlassen.P1020947

2. Die Auferstehung Jesu, in der die christliche Glaubenswahrheit ihren Höhepunkt findet, wurde von den Anfängen des Christentums an als wesentlicher Teil des Pascha-Mysteriums verkündet: „Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (1 Kor 15,3-5).

Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat uns Christus von der Sünde befreit und den Zugang zu einem neuen Leben eröffnet: “Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben” (Röm 6,4).

Darüber hinaus ist der auferstandene Christus Ursache und Urgrund unserer künftigen Auferstehung: „Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen… Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15,20-22).

Christus wird uns am Letzten Tag auferwecken; andererseits sind wir aber schon in gewisser Weise mit Christus auferstanden. Denn durch die Taufe sind wir in den Tod und die Auferstehung Christi eingetaucht und sakramental ihm gleichgestaltet worden: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch DSC06228den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat“ (Kol 2,12).

Durch die Taufe sind wir mit Christus vereint und haben deshalb schon jetzt wirklich Anteil am Leben Christi (vgl. Eph 2,6).

Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. Die Liturgie der Kirche betet: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet“. 

Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint. Auch in unseren Tagen ist die Kirche gerufen, den Glauben an die Auferstehung zu verkünden: „Die Auferstehung der Toten ist die Zuversicht der Christen; im Glauben an sie existieren wir“.

Beerdigung „gemäß ältester christlicher Tradition“ wird nachdrücklich empfohlen

3. Gemäß ältester christlicher Tradition empfiehlt die Kirche nachdrücklich, den Leichnam der Verstorbenen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen. Radio Vatikan

Im Gedenken an den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung des Herrn  –  ein Geheimnis des Lichtes, in dem der christliche Sinn des Sterbens offenbar wird   –  ist die Beerdigung die angemessenste Form, um den Glauben und die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung zum Ausdruck zu bringen.

Die Kirche, die den Christen während seiner Pilgerschaft auf Erden als Mutter begleitet hat, bietet in Christus dem Vater das Kind seiner Gnade an und senkt voll Hoffnung auf die Auferstehung in Herrlichkeit dessen sterbliche Überreste in die Erde.

Hohe Würde des menschlichen Leibes respektieren

Indem die Kirche den Leichnam der Verstorbenen beerdigt, bekräftigt sie den Glauben an die Auferstehung des Fleisches. Zugleich möchte sie so die hohe Würde des menschlichen Leibes als wesentlicher Teil der Person, dessen Geschichte der Leib teilt, ins Licht stellen. imm016_17

Sie kann deshalb nicht Haltungen oder Riten erlauben, die falsche Auffassungen über den Tod beinhalten, etwa wenn er als endgültige Vernichtung der Person, als Moment ihrer Verschmelzung mit der Mutter Natur oder dem Universum, als Etappe im Prozess der Reinkarnation oder als endgültige Befreiung aus dem „Gefängnis“ des Leibes verstanden wird.

Zudem entspricht die Beerdigung auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort in angemessener Weise der Ehrfurcht und Achtung, die den Leibern der Verstorbenen gebührt, welche durch die Taufe Tempel des Heiligen Geistes geworden sind und derer sich „der Geist wie eines Werkzeuges oder einer Vase bedient hat, um viele gute Werke zu vollbringen“.

Beerdigung ist ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit

Der gerechte Tobit wird wegen seiner Verdienste gelobt, die er sich vor Gott aufgrund der Beerdigung der Toten erworben hat. Die Kirche sieht in der Bestattung der Verstorbenen ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit.

Schließlich fördert die Beerdigung der heimgerufenen Gläubigen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort das Andenken und das Gebet für die Verstorbenen durch die Angehörigen und die ganze christliche Gemeinschaft, wie auch die Verehrung der Märtyrer und der Heiligen.

Durch die Beerdigung des Leichnams auf Friedhöfen, in Kirchen oder in der Nähe der Kirchen hat die christliche Tradition die Gemeinschaft zwischen den Lebenden und den Toten bewahrt und sich der Tendenz entgegengestellt, das Sterben und dessen Bedeutung für die Christen zu verschleiern oder zu privatisieren.

Erdbestattung zeigt „größere Wertschätzung für den Verstorbenen“

4. Wo Gründe hygienischer, ökonomischer oder sozialer Natur dazu führen, sich für die Feuerbestattung zu entscheiden – eine Wahl, die nicht dem ausdrücklichen oder vernünftigerweise angenommenen Willen des verstorbenen Gläubigen entgegenstehen darf –, sieht die Kirche keine lehrmäßigen Gründe, um diese Praxis zu verbieten. Denn die Einäscherung des Leichnams berührt nicht die Seele und hindert die Allmacht Gottes nicht daran, den Leib aufzuerwecken. Sie beinhaltet deshalb an sich nicht die Leugnung der christlichen Lehre über die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes. 1548

Die Kirche bevorzugt weiterhin die Beerdigung des Leichnams, die eine größere Wertschätzung für die Verstorbenen zeigt. Aber die Feuerbestattung ist nicht verboten, „es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen“.

Wenn keine Gründe vorliegen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, begleitet die Kirche – nach der Begräbnisfeier – die Wahl der Feuerbestattung durch entsprechende liturgische und pastorale Hinweise und sorgt sich besonders auch darum, jede Form des Ärgernisses oder der religiösen Gleichgültigkeit zu vermeiden.

5. Wenn aus legitimen Gründen die Wahl der Feuerbestattung getroffen wird, ist die Asche des Verstorbenen in der Regel an einem heiligen Ort aufzubewahren, also auf einem Friedhof oder, wenn es angebracht ist, in einer Kirche oder an einem für diesen Zweck von der zuständigen kirchlichen Autorität bestimmten Ort.

Gebet und Gedenken für die Verstorbenen

Von Anfang an haben die Christen danach verlangt, dass die christliche Gemeinschaft für ihre Verstorbenen betet und ihrer gedenkt. Ihre Gräber wurden Orte des Gebetes, des Andenkens und der Besinnung. Die verstorbenen Gläubigen gehören zur Kirche; denn sie glaubt an die Gemeinschaft „derer, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluss des Erdenlebens geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche“.

Die Aufbewahrung der Asche an einem heiligen Ort kann dazu beitragen, dass die Gefahr verringert wird, die Verstorbenen dem Gebet und dem Gedenken der Verwandten und der christlichen Gemeinschaft zu entziehen. Auf diese Weise wird auch vermieden, dass man sie möglicherweise vergisst oder es an Ehrfurcht fehlen lässt, vor allem, wenn die erste Generation nicht mehr lebt, oder dass es zu unangemessenen oder abergläubischen Praktiken kommt.

Keine Aufbewahrung der Asche zuhause  – keine Seebestattung

6. Aus den oben angeführten Gründen ist die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum nicht gestattet. Nur im Fall von schwerwiegenden und außergewöhnlichen Umständen, die von kulturellen Bedingungen lokaler Natur abhängen, kann der Ordinarius im Einvernehmen mit der Bischofskonferenz oder der Bischofssynode der katholischen Ostkirchen die Erlaubnis für die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum gewähren. Die Asche darf aber nicht unter verschiedenen Familien aufgeteilt werden, und in jedem Fall müssen Ehrfurcht und angemessene Bedingungen der Aufbewahrung gewährleistet sein.  ???????

7. Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren. Denn für diese Vorgangsweisen können nicht die hygienischen, sozialen oder ökonomischen Gründe angeführt werden, die der Wahl der Feuerbestattung zugrunde liegen können.

8. Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis nach Maßgabe des Rechts zu verweigern.

Papst Franziskus hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekt am 18. März 2016 gewährten Audienz die vorliegende Instruktion, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation am 2. März 2016 beschlossen worden war, approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 15. August 2016, Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel.

Gerhard Kardinal Müller, Präfekt
Erzbischof Luis F. Ladaria, S.J, Sekretär

Quelle: rv 25.10.2016 mg

HINWEIS: In der vergangenen Woche haben wir diesen Artikel pro Erdbestattung veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2016/10/21/evangelisches-plaedoyer-fuer-die-erdbestattung-und-die-wuerde-unseres-leibes/


Sind die Verheißungen von FATIMA erfüllt? – Hat sich Rußland bereits bekehrt?

Von Felizitas Küble

Die weltbekannten Erscheinungen von Fatima (Portugal) aus dem Jahre 1917 sind seit 1930 kirchlich approbiert (genehmigt, gebilligt). Diese Befürwortung des damaligen Bischofs von Leira-Fatima erlaubt den Gläubigen, jenen Marienvisionen ihre Zustimmung zu schenken, verpflichtet sie aber nicht dazu. 2732900420_68d28f8a20

Die Offenbarung Gottes ist laut kirchlicher Lehre mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen, weshalb sogenannte „Privatoffenbarungen“ – auch im Falle einer „Anerkennung“  –  für die Gläubigen nicht verbindlich sind; jene gebilligten Erscheinungen sind nicht nur kein Dogma, sie gehören auch nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche, sind also kein integraler Bestandteil ihrer amtlichen Verkündigung.

Im Zusammenhang mit dem Fatima-Phänomen gibt es mittlerweile eine Reihe von Bittschriften und Petitionen, in welchen die Kirchenführung aufgefordert wird, die von Fatima geforderte Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen, um damit eine Bekehrung Rußlands und ein Zeitalter des Friedens einzuleiten.

Vatikan: Rußlandweihe erfolgte 1984 durch Johannes Paul II.

Der Vatikan hingegen weist dieses Ansinnen zurück mit der Begründung, jene Weihe sei bereits vor über 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. vorgenommen worden, weshalb die entsprechenden Forderungen gegenstandslos seien.

Zu diesem Streitpunkt folgen nun einige Infos von beiden Seiten:vierge_pellevoisin

Die Hauptseherin von Fatima ist die Ordensfrau Sr. Lucia, die hochbetagt im Jahre 2005 verstarb.

Schwester Lucia gab ab den 30er Jahren bekannt, daß sie auch nach den kirchlich approbierten Erscheinungen von Fatima weitere Botschaften des Himmels erhalten habe, darunter eine Marienvision vom 13. Juni 1929 mit u.a. folgendem Inhalt: „Die Zeit ist gekommen, wo GOTT den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz vorzunehmen, wobei ER verspricht, es (Rußland) durch dieses Mittel zu retten.“   

In weiteren Äußerungen Lucias wurde zudem als Folge dieser Weihe „eine Zeit des Friedens“ angekündigt.

Das Thema Rußlandweihe spielt aktuell nach wie vor in vielen katholischen Veröffentlichungen eine beträchtliche Rolle.

„Kath.net“: Ankündigungen Fatimas bereits eingetroffen

So gibt z. B. die bekannte katholische Nachrichtenseite „Kath.net“ in einem Artikel mit dem Titel „Geistliche Luftbrücke Moskau-Fatima“ am 19. August 2016 zu verstehen, daß die Abschaffung des Kommunismus in der Sowjetunion eine Erfüllung der Fatima-Verheißung sei:

„Pater Werenfried van Straaten, viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen…

Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.

Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte „Kirche in Not“ zusammen mit katholischen wie orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima.“

Vielfache Kritik an „fehlender Weihe Rußlands“

Traditionell orientierte Gruppierungen denken häufig anders über diese angeblichen Zusammenhänge.

In diversen katholischen Internetseiten wird behauptet, die Weihe Rußlands sei in Wirklichkeit „immer noch nicht erfolgt“, beispielsweise hier: https://wegwahrheitleben.wordpress.com/2010/12/13/die-geheimnisse-von-fatima-iv-die-weihe-russlands-ist-noch-immer-nicht-erfolgt/

Die traditionalistische Webseite „Katholisches.info“ vom 14.10.2013 schreibt dazu in ähnlicher Weise Folgendes: picture-45

„Die 2005 in Coimbra verstorbene letzte Seherin von Fatima, die Karmelitin Schwester Maria Luzia vom Unbefleckten Herzen beharrte darauf, daß mit der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens 1984 durch Johannes Paul II. der Wunsch der Gottesmutter noch nicht erfüllt worden sei, da Rußland nicht erwähnt wurde.“

(Es trifft zu, daß Rußland in jener Weiheformel von 1984 nicht namentlich erwähnt (sondern allenfalls angedeutet) wurde. Die Behauptung, Lucia habe diese Weihe nicht als gültig angesehen, wird in diesem Artikel allerdings nicht belegt.)

Der seit Jahrzehnten Fatima-aktive Pater Nicolas Gruner schrieb am 1. Mai 2014 ebenfalls, die Weihe Rußlands sei noch nicht erfolgt. Näheres hier: https://poschenker.wordpress.com/2014/06/30/pater-nicolas-gruner-weihe-russlands-an-das-unbefleckte-herz-mariens-aktion-bittschrift-an-den-papst/

Rom: Sr. Lucia bestätigt die Rußlandweihe

Völlig anders äußert sich hingegen das offizielle Web-Portal des Vatikan hierzu. Dort heißt es: 

„Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984“: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8. November 1989)“

In Übereinstimmung damit berichtete vor drei Jahren der „Schweizer Fatima-Bote“ (Nr. 56) folgendes:Vat_Flagge

„Nach seiner Rückkehr von Rom wagte Pater Luis Kondor am 11.Mai 1984 Sr. Lucia im Karmel von Coimbra zu fra­gen: „Ist die Weihe wirklich vollzogen worden, wie dies Unsere Liebe Frau erbeten hatte?“. –  Sie antwortete: „Ja, diese Weihe wurde vom Himmel ange­nommen“. „Und wel­ches Zeichen werden wir dafür, Schwester, erhalten?“ – „Schauen sie in den Osten von dort wird die Antwort kommen“.

Und sie kam tatsächlich. Schwester Lucia bestätigte auch die Nachricht über die Bekehrung Russlands, die sie aus einer glaubwürdigen Quel­le erhalten hatte: Russland hat offiziell den Weg des gottlosen Kommunismus aufgegeben und ist zur Religionsfreiheit zurückgekehrt.“

Der in diesem Artikel erwähnte Pater Louis Kondor war der amtliche Leiter des Seligsprechungsverfahrens für die beiden anderen Fatima-Seher Jacinta und Francesco; zudem stand er jahrzehntelang im Kontakt mit Sr. Lucia und war zuständig für die Veröffentlichung ihrer Erinnerungen.

Rückschau der Fatima-Seherin: Verheißungen sind erfüllt

Im Jahre 2006 erschien von offiziöser Seite eine aufschlußreiche Buchbroschüre (siehe Foto): „Schwester Lucia –  Die Botschaft von Fatima“.  – Der Untertitel lautet: „Wie sehe ich die Botschaft durch die Zeit und durch die Ereignisse?“Titel

Nach einer Aufforderung ihres Ordensgenerals hatte Schwester Lucia noch im hohen Alter eine Art Rückschau auf die damaligen Ereignisse vorgenommen und dabei notiert, wie sie die Botschaft von Fatima durch die vergangene Zeitspanne hindurch beurteilt und aus ihrer jetzigen Sicht beleuchtet.

In dieser Veröffentlichung, die von ihrem Karmel-Kloster in Coimbra herausgegeben und mit Imprimatur ihres Bischofs von Leira-Fatima versehen wurde, geht es auch um das umstrittene Thema der Weihe und die damit verbundene Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Zeitspanne des Friedens.

Dazu schreibt Sr. Lucia auf Seite 52 hinsichtlich der von ihr zitierten Erscheinungs-Botschaft „Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird“ Folgendes:

„Das Wort „das sich bekehren wird“ kommt vom Wort „Bekehrung“. Das heißt, es wird einen Wechsel geben vom Bösen zum Guten. (…) Diese Weihe erfolgte öffentlich durch den Heiligen Vater Johannes Paul II. in Rom am 25. März 1984 vor dem Gnadenbild unserer Lieben Frau. (…)

Nachdem der Heilige Vater alle Bischöfe der Welt angeschrieben hatte mit der Bitte, sie mögen sich in diesem Weiheakt mit Seiner Heiligkeit vereinigen, ordnete er an, dass das Gnadenbild  eigens nach Rom gebracht werde, um zum Ausdruck zu bringen, dass er die Weihe vor diesem Bild vollziehe, weil Unsere Liebe Frau von Fatima darum gebeten hatte.“

Schwester Lucia: „Es gibt immer noch Blinde…“

Auf S. 54 bekräftigt Sr. Lucia ihre Sicht der Dinge, wonach der Weiheakt vollzogen und die Bekehrung Rußlands erfolgt sei, wobei sie etwas ungnädig über die Skeptiker bzw. „Blinden“ urteilt: P1020947 - Kopie

„Nach all dem gibt es immer noch Blinde, die nicht sehen oder nicht sehen wollen und sagen: Aber es gibt immer noch Kriege in dieser Welt und unsere Herrin hat doch den Frieden versprochen.“

Zu diesem Einwand äußert sich die Hauptseherin von Fatima folgendermaßen:

„Ja, unsere Herrin hat den Frieden versprochen im Blick auf alle Kriege in der Welt, die durch den gottlosen Kommunismus entfacht wurden, nicht aber im Blick auf die Bürgerkriege, die es immer gab und geben wird.“

Neue Definition: „Bekehrung bedeutet Umwandlung zum Guten“

Auf S. 55 geht Sr. Lucia erneut auf Ihre spezielle Deutung der Bekehrungs-Verheißung von Fatima ein:

„Das Wort „wird sich bekehren“ heißt: Es wird eine Umwandlung vom Bösen zum Guten erfolgen. Oder es wird eine Verwandlung geben.“

Damit dürfte klar sein: Schwester Lucia geht davon aus, daß die Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Periode des Friedens bereits in Erfüllung gegangen ist.

Hierzu stellen sich aus meiner Sicht folgende Fragen bzw. Einwände:  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

  1. Unter Bekehrung wird unter gläubigen Katholiken zweifellos eine Umkehr bzw. Hinwendung zur katholischen Kirche verstanden. Dies würde bedeuten, daß Rußland  –  also zumindest die Mehrheit des Volkes bzw. der meisten Orthodoxen und sonstigen Christgläubigen  –  sich wieder der katholischen Kirche anschließt. Die bescheidenste Mindestanforderung wäre eine allgemeine Hinwendung der Bevölkerung zum christlichen Glauben (selbst wenn dies die schismatisch-orthodoxe Version wäre). Aber nicht einmal hiervon kann annähernd die Rede sein. Eher gewinnt man den Eindruck: In Rußland blüht weniger der Glaube als vielmehr der Aberglaube (Esoterik, Magie, Okkultismus, Geistheilertum, Schwärmerei)  –  von diversen politischen Problemen und verheerenden Mißständen ganz zu schweigen.
  2. Wenn Sr. Lucia erklärt, unter „Bekehrung“ sei eine „Umwandlung vom Bösen zum Guten“ zu verstehen, so ist dies bestenfalls an den Haaren herbeigezogen. Einen solchen Zustand  –  also auch den Fall des Kommunismus  –  kann man gewiß als deutliche politische Besserung einordnen, hat aber mit einer „Bekehrung“ im eigentlichen Sinne schlichtweg nichts zu tun. Niemand käme zum Beispiel auf die fantasievolle Idee, aus dem bloßen Ende des „DDR“-Kommunismus zu schlußfolgern, in den neuen Bundesländern habe dadurch zugleich eine „Bekehrung“ stattgefunden.
  3. Aus der Fatima-Verheißung geht eindeutig hervor, Rußland werde sich bekehren und der Welt werde „eine Zeit des Friedens gewährt“. Die von Lucia erwähnte Einschränkung, dies beziehe sich allein auf jene Kriege, die der „gottlose Kommunismus“ verursache, ist im Wortlaut der Fatima-Botschaft nicht enthalten. (Zudem ist der Kommunismus  –  genau genommen  –  nicht nur „gottlos“ wie zB. der Atheismus, sondern antigöttlich – er bekämpft aktiv den Gottesglauben!)

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 

 


Prophetien zum „Gegenpapst“ Franziskus?

Auf dem katholischen Internetseite „Tradition und Glauben“ wird über die Frage gemutmaßt, ob Franziskus überhaupt ein gültig gewählter Papst sei  – und nicht vielmehr ein Gegenpapst   –  und folglich Benedikt noch rechtmäßig im Amte. Foto Michaela Koller

Nun kann man über alles Mögliche bis Unmögliche diskutieren, selbstverständlich kann man auch Sachkritik an Äußerungen von Franziskus üben (wozu aus meiner Sicht ohnehin reichlich Anlaß besteht), doch die Voraussetzungen, unter denen man eine bestimmte steile These aufstellt, sollten schon Hand und Fuß haben.

Im Artikel „Die Stimme des Gegenpapstes“ vom 17. August 2016 wird die erwähnte Behauptung mit „Prophetien“ eingeleitet, welche u. a. die eigene Begründung untermauern sollen. 

Zunächst heißt es, daß Gott uns „Prophetien“ schenke, um uns in „außergewöhnlichen Zeiten um Umständen zu helfen“. Freilich fragt man sich, ob nicht fast jede Phase der Geschichte sich gleichsam als „außergewöhnlich“ empfunden hat  – aber sei es drum.

La Salette und Fatima unzutreffend zitiert

Weiter heißt es, Gott habe sogar „seine eigene Mutter“ gesandt, um uns vor gegenwärtigen Ereignissen zu warnen. Zitiert wird u.a. folgende „Botschaft“ aus La Salette:

Rom wird den Glauben verlieren und der Sitz des Antichrist werden.”

Was allerdings unerwähnt bleibt: Es handelt sich bei dieser Aussage nicht um den kirchlich approbierten (genehmigten, gebilligten), also den ersten und „eigentlichen“ Teil der La-Salette-Botschaft, sondern um ein Zitat aus späteren Visions-Anmerkungen der Seherin Melanie, welche von der Kirche ausdrücklich abgelehnt wurden.

Zur Sache selbst sei zugleich angemerkt, daß jener Satz auch in sich selber unlogisch ist: Radio Vatikan

Was heißt hier „Rom“? Die Haupstadt Italiens? Was spielt es gesamtkirchlich für eine Rolle, ob diese Stadt vom Glauben abfällt oder nicht?

Sollte aber mit Rom der Vatikan gemeint sein, so träfe diese Prophetie auf die These von Franziskus als einem Gegenpapst durchaus nicht zu, denn der Vatikan besteht beileibe nicht nur aus dem Papst, sondern aus zahlreichen Kurienkardinälen, Würdenträgern, Bischöfen, Prälaten usw.  – Haben diese etwa alle „den Glauben verloren“?  – Zudem: Damit Rom der Sitz des Antichristen werden kann, muß dieser erst einmal existent sein bzw. öffentlich aufgetreten sein, wovon  –  jedenfalls derzeit  –  keine Rede sein kann.

Noch kurioser ist die Behauptung, daß „Unsere Liebe Frau von Fatima“ angeblich folgende Ansage verkündigt haben soll: 

Satan regiert sogar an den höchsten  Stellen und bestimmt die Richtung der Dinge. Er wird es schaffen, sich seinen Weg sogar in die höchsten Gipfel der Kirche zu schlängeln…”

Dieser Satz findet sich jedoch nirgendwo in den Botschaften von Fatima – und auch nicht in den sonstigen Äußerungen der Hauptseherin Lucia. Es handelt sich dabei lediglich um eine willkürliche Spekulation über das „3 Geheimnis von Fatima“, wobei die diesbezügliche Gerüchteküche vor der Veröffentlichung im Jahre 2000 ohnehin ins Kraut schoß.

Franz von Assisi und seine angeblich „prophetische“ Botschaft

Damit nicht genug, wird auch noch auf eine angebliche Privatoffenbarung des Ordensgründers Franz von Assisi zurückgegriffen. Darin heißt es über spätere Zeiten: Herz-Jesu_01

„Die Teufel werden ungewöhnliche Macht haben, die unbefleckte Reinheit unseres Ordens, und die anderer Orden, wird so sehr verdunkelt, dass es sehr wenige Christen geben wird, die dem wahren Papst und der Römischen Kirche mit treuem Herzen und in perfekter Liebe folgen werden. Zur Zeit dieser Drangsal wird ein Mann, der nicht kanonisch gewählt wurde, zum Papst erhoben werden, der durch seine Raffinesse sich nach Kräften bemühen wird, viele in Irrtum und Tod zu stürzen.

Die Skandale werden sich vervielfachen, unser Orden wird geteilt werden, und viele andere Orden  werden vollkommen zerstört werden, weil sie dem Irrtum beipflichten, statt ihn zu bekämpfen.“

Abgesehen davon, daß sich dieser Orden bereits zu Lebzeiten des hl. Franziskus geteilt hat und später zahlreiche weitere Abspaltungen erlebte, wird man wohl dem derzeitigen Papst kaum „Raffinesse“ unterstellen bzw. (je nach Standpunkt) „zugutehalten“ wollen, vielmehr äußert er sich bisweilen eher in die banale bis plumpe Richtung, die keine oder jedenfalls wenig Raffinesse aufweist.

Am Ende dieser Prognosen-Auflistung heißt es, bei diesen und anderen Botschaften sei das übereinstimmende Thema ein „massenhafter Abfall vom Glauben – von oben nach unten“.

Spielt die biblische Prophetie keine Rolle?

Interessanterweise bleibt aber völlig unerwähnt, daß man für die Vorstellung von einem endzeitlichen Glaubensabfall keiner einzigen „Privatoffenbarung“ bedarf, sondern daß diese „Zukunftsmusik“ sich vielmehr aus mehreren Stellen der Heiligen Schrift klar ergibt  –  aber die Bibel rückt bei manchen angeblich „traditionstreuen“ Katholiken wohl gleich gar nicht ins Blickfeld? 0018

Dabei schreibt schon Petrus, der erste Papst, den Christen folgendes zum Thema biblische Prophetie ins Stammbuch:

„Und so besitzen wir umso zuverlässiger das prophetische Wort  – und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet wie auf ein Licht, das aufstrahlt an dunkler Stätte, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen“ (2 Petr 1,19).

Der Völkermissionar Paulus erläuterte den Thessalonichern hinsichtlich der Phase vor der Endzeit zudem Folgendes:

„Laßt euch von niemandem verwirren oder in Schrecken versetzen, weder durch eine vermeintliche Geistesoffenbarung noch durch einen Ausspruch oder einen angeblichen Brief von uns (…), als ob der „Tag des Herrn“ schon bevorstehe. Niemand soll euch in irgendeiner Weise irreführen!

Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit sich offenbaren, der Sohn des Verderbens (…) Sein Auftreten erfolgt in der Kraft Satans, mit aller Macht, mit scheinbaren Zeichen und Wundern und mit aller Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben“ (2 Thess. 2 ff).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Wird er abserviert? – Auch die ZEIT spekuliert über die Zukunft Kardinal Müllers

Seit Monaten wimmelt es von Gerüchten auf katholischen Internetseiten, wonach damit zu rechnen sei, daß der theologisch konservative Kurienkardinal Gerhard Müller als Präfekt der Glaubenskongregation abgelöst und mit dem Mainzer Bischofssitz „abgefunden“ werde. AL-0015

Mittlerweile wird das Thema auch von seriösen Tageszeitungen ernst genommen, wie wir kürzlich aufzeigten (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/06/wird-kardinal-mueller-nach-mainz-abgeschoben/)

Nun hat sich die liberale Wochenzeitung DIE ZEIT bzw. deren Beilage „Christ und Welt“ ebenfalls in einem  –  durchaus sachlich geschriebenen  –  Artikel  mit eben dieser Frage befaßt.

Der ausführliche Beitrag des Italien-Reporters und Vatikan-Korrespondenten Julius Müller-Meiningen ist in der aktuellen Ausgabe dieser Woche erschienen  – und seit dem heutigen Freitag auch in ZEIT-online zu lesen: http://www.zeit.de/2016/34/gerhard-ludwig-mueller-praefekt-glaubenskongrgation-rom-versetzung/komplettansicht

Unter dem Titel „Der Störenfried“ schreit der Autor eingangs, es komme derzeit häufiger vor, daß Kardinal Müller „lächelt, obwohl ihm gar nicht danach zu Mute ist.“

Und warum nicht?  – Dazu heißt es: „Der Grund ist eine tiefe Kluft zwischen der Agenda des Papstes und den Überzeugungen eines Mannes, der dieses Programm eigentlich gestalten sollte. Wenn man so will, führt der 68-Jährige unter Franziskus das Dasein eines Tropfen Wassers in einer Teflon-Pfanne, er wird ständig abgestoßen. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass im Vatikan über Müllers Ablösung spekuliert wird.“

Daß die Zeit reif für einen (Stellen-)Wechsel sei, habe spätestens die „Präsentation des nachsynodalen Schreibens Amoris Laetitia im April“ gezeigt. Das päpstliche Schreiben habe nämlich nicht der Glaubenspräfekt den Medien vorgestellt,  vielmehr „schwärmte der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn über Liebe und Familie und unterfütterte die Ausführungen Bergoglios mit theologischen Argumenten“.  – Franziskus habe Kardinal Schönborn danach als einen „großen Theologen“ gewürdigt.

Der Autor schreibt weiter: „Müller, der als Präfekt der Glaubenskongregation eigentlich der theologische Kompass des Papstes sein sollte, war definitiv von der Bildfläche verschwunden und hatte, wenn nicht seinen Nachfolger, dann zumindest sein Alter Ego präsentiert bekommen.“

Müller-Meinungen erwähnt sodann einen nicht-namentlich genannten „konservativen Insider“ im Vatikan, welcher offenbar damit rechnet, daß Müller durch Schönborn ausgewechselt wird. Foto Michaela Koller

Bekanntlich hat sich Kardinal Gerhard Müller vor allem in den letzten zwei Jahren als „Speerspitze“ der theologisch konservativen Fraktion bewährt, zumal in Fragen von Ehe, Familie, Sakramentenpastoral und Sexualethik. Zu diesem Themenspektrum hat er in jener Zeit sogar einige Bücher und Publikationen verfaßt.

Dies gefiel dem Papst und seinem Beraterstab allerdings immer weniger. Dazu heißt es in der „Zeit“:

„Franziskus stutzte dem Präfekten der Glaubenskongregation in der Folge die Flügel, indem er ihn in die Ausarbeitung seiner wichtigsten Schriften nicht einbezog. Die entscheidenden Dokumente bekommt die Glaubenskongregation, früher der theologische Anker der Päpste, gar nicht mehr zu sehen.“

Julius Müller-Meiningen fügt hinzu: „Die umstrittenen Gesetze zur Erleichterung der Ehenichtigkeitsverfahren bekam der Präfekt der Glaubenskongregation erst vorgelegt, als sie bereits erlassen waren. Müller sei deshalb „stinksauer“ gewesen, heißt es aus dem Vatikan. Nach energischen Protesten gegen diese Praxis wurde Amoris Laetitia der Glaubenskongregation vor Veröffentlichung zwar vorgelegt, die seitenweise vorgeschlagenen Änderungen am Text aber ignoriert.“

Der Autor befaßt sich auch mit der in den letzten Wochen häufig gehörten Spekulation, Kardinal Müller werde eventuell auf den freien Bischofssitz nach Mainz weggelobt bzw. abgeschoben. Er meint allerdings, dem stehe „das Mitbestimmungsrecht des Domkapitels von Mainz entgegen“.

Glaubenspräfekt Gerhard Müller sei zwar ein gebürtiger Mainzer, so der Verfasser, aber ob sich die Rheinhessen „ein so kompliziertes und konservatives Kaliber ins eigene Haus holen wollen“, sei fraglich.

Fraglich ist aber auch, ob das Domkapitel im Falle einer solchen „Lösung“ wirklich das letzte Wort haben wird. Es bestände von Vatikan-Seite auch die trickreiche Möglichkeit, dem Mainzer Domkapitel in der Dreier-Liste zwei weitere Kandidaten zur Wahl eines Bischofs vorzuschlagen, die noch konservativer sind als Müller (oder aus sonstigen Gründen von vornherein nicht infrage kommen), so daß dem Domkapitel kaum eine andere Wahl bliebe…

Fotos: Bistum Regensburg (1),  Michaela Koller (2)