Warum Sr. Faustinas „Barmherzigkeits-Rosenkranz“ nicht empfehlenswert ist

Von Felizitas Küble

Die polnische Nonne Faustyna Kowalska – in Deutschland unter „Schwester Faustina“ bekannt  –  empfing eigenen Angaben zufolge jahrelang zahlreiche Visionen und Einsprechungen des Himmels. (Einiges davon haben wir bereits kritisch betrachtet: HIER)

Diese Ordensfrau lebte von 1905 bis 1938 und propagierte neben verschiedenen Andachten zum „Barmherzigen Jesus“ auch einen entsprechenden Rosenkranz, der sich vom überlieferten kirchlichen Rosenkranz deutlich unterscheidet.

Obwohl ihre Privatoffenbarungen vor dem Konzil von der vatikanischen Glaubenskongregration – damals Hl. Offizium genannt – ohne Wenn und Aber verurteilt wurden, änderte sich die kirchliche Einschätzung der Visionen mit dem Amtsantritt von Johannes Paul II. grundlegend, denn er war schon als Bischof von Krakau ein starker Verehrer dieser Ordensschwester, was dann zur Heiligsprechung von Sr. Faustina durch diesen Papst führte.

Doch diese Erhebung zur „Ehre der Altäre“ bezieht sich allein auf den persönlichen Tugendgrad, nicht jedoch auf eine Irrtumslosigkeit in theologischer oder sonst einer Hinsicht.

Bekanntlich haben sich weitaus hochrangigere Heilige gerade im Bereich von Visionen geirrt, darunter sogar die Kirchenlehrerin Katharina von Siena (mit ihrem Erscheinungserlebnis, Maria sei nicht makellos empfangen) oder der hl. Vinzenz Ferrer, der aufgrund von Privatoffenbarungen den Weltuntergang zu seinen Lebzeiten verkündete. Im gediegenen „Handbuch der Mystik“ des französischen Paters August Poulain SJ finden sich seitenlang weitere Beispiele  – das Werk wurde vom hl. Papst Pius X. ausdrücklich gewürdigt.

Es liegt also auf der Hand, daß Gläubige auch über den weitverbreiteten Barmherzigkeits-Rosenkranz nach den Visionen von Schwester Faustina kritische Überlegungen anstellen können und dürfen – was hiermit geschieht:

Zunächst sei festgehalten, daß der klassische Rosenkranz, der im späten Mittelalter schrittweise durch Ordensleute entstanden ist, seine Struktur und seinen Inhalt ganz auf biblischer Basis erhalten hat:

Die 15 Rosenkranzgeheimnisse sind fast alle der Heiligen Schrift entnommen, das Vaterunser von Christus selbst gelehrt, das Ave Maria besteht größtenteils aus den Worten des Engels bei der Verkündigung des HERRN an Maria. 

Auch die Zahl der 150 Ave-Marias beruht gleichsam auf der Hl. Schrift, da dieses sich an die 150 Psalmen des Alten Testaments (Psalterium) anlehnt, weshalb der vollständige bzw. dreifache Rosenkranz auch „Psalter“ genannt wird.

Warum nun sollte der Himmel diesen bewährten Rosenkranz grundlegend verändern?

Beim Vergleich des Faustina-Rosenkranz mit dem überlieferten Rosenkranzes ergeben sich folgende Unterschiede und Nachteile:

  1. Das Vaterunser kommt hier nur einmal vor, im klassischen Rosenkranz aber sechsmal.
  2. Das Ave Maria wird auf ein einziges Mal reduziert, so daß kaum noch von einem Rosenkranz die Rede sein kann (ein „normaler“ Rosenkranz enthält 50 Aves)
  3. Zudem entfallen die drei Aves zu Beginn mit ihrer Bitte um Glaube, Hoffnung und Liebe – immerhin die drei göttlichen Tugenden, die für unser Christenleben entscheidend sind (siehe 1 Kor 13).
  4. Bei den großen Perlen, die sonst das Vater-Unser anzeigen, wird jetzt folgende Anrufung gesprochen: „Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zur Sühne für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.“ – Dieses Gebet enthält einen entscheidenden theologischen Fehler, denn die Gottheit Christi kann nicht aufgeopfert werden, weil ein Opfer seinem Wesen nach eine Darbringung, einen Verzicht darstellt  – und Christus kann auf seine Gottheit nicht verzichten, das ist ontologisch (von seinem Sein her) gar nicht möglich. Zudem ist es unsinnig, Gott(-Vater) die Gottheit (des Sohnes) aufzuopfern, da das Heilsopfer Christi im Leiden und Sterben seiner menschlichen Natur bestand, denn die Gottheit kann nicht sterben. Diesen entscheidenden Einwand haben wir hier bereits ausführlich biblisch und dogmatisch erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/korrektur-an-einem-sonder-rosenkranz-die-gottheit-christi-wurde-nicht-geopfert/
  5. Bei den kleinen Perlen des Rosenkranzes soll man beten: „Durch sein schmerzhaftes Leiden hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.“  – Christus ist zwar – als Heilsangebot – für alle Menschen gestorben, aber Erbarmen kann Gott schlußendlich nur mit jenen haben, die sich im „Gnadenstand“ befinden, also im Frieden Christi heimgerufen werden. Zweifelsohne gilt zwar der „allgemeine Heilswille“ Gottes, denn der Ewige will alle Menschen zur Wahrheit und damit zur Rettung führen. Allerdings verhindert schon die erbsündliche Verfallenheit des Menschen, daß sich die gesamte Erde bekehrt – mit welcher Logik soll Gott dann „Erbarmen…mit der ganzen Welt“ haben? – Somit ist diese Anrufung zumindest fragwürdig.
  6. Am Ende soll dreimal gebetet werden: „Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.“  – Hier wiederholt sich das erwähnte Problem, zudem wird Gott nur als „unsterblich“ bezeichnet, was eine Geringschätzung beinhaltet, denn Gott ist nicht „nur“ unsterblich, sondern ewig. Die Seele des Menschen ist immerhin auch unvergänglich (sie hat einen Anfang, aber kein Ende), aber Gott ist ewig, da ER auch keinen Anfang hat.
  7. Vorher oder nachher soll noch gebetet werden: „O Blut und Wasser, aus dem Herzen Jesu als Quelle der Barmherzigkeit für uns entströmt, ich vertraue auf Dich! –  Barmherziger Jesus, in dem Augenblick Deines Kreuzestodes für uns bete ich Dich an, lobpreise Dich und bitte, umfasse mit Deiner unerschöpflichen Barmherzigkeit die ganze Menschheit, besonders die armen Sünder und die Sterbenden.“ (Faustina-Tagebuch, S. 186)   Sollen wir nun etwa – siehe erste Zeile der Anrufung –  auf „Blut und Wasser“ vertrauen? So wie oben zitiert, lautet der Satz aber im Originaltext. Da klar ist, daß dies keinen Sinn ergibt, wurde bei diesem Rosenkranz später das Wort „Jesus“ eingefügt: „O Blut und Wasser…für uns entströmt, Jesus, ich vertraue auf Dich!“
  8. Was soll sodann die Einschränkung: „…in dem Augenblick Deines Kreuzestodes für uns bete ich Dich an…“  – Der historische Kreuzestod geschah vor 2000 Jahren; selbst wenn damit „nur“ die Erinnerung daran oder die sakramentale Vergegenwärtigung in der hl. Messe gemeint sein sollte: Auch dann begrenzt sich doch unsere Anbetung nicht hierauf. Zudem beten wir Christus nicht in erster Linie seines Kreuzestodes wegen an, sondern aufgrund seiner GOTTHEIT.
  9. Der visionäre Jesus soll zudem zu Faustina gesagt haben: „Derjenige, der diesen Rosenkranz betet, wird stets von großer Barmherzigkeit umgeben sein im Leben und besonders in der Todesstunde. Die Priester werden ihn den Sündern vorschlagen als letztes Mittel der Rettung.“  – Ein Sonder-Rosenkranz als letzter Rettungsanker? Wird damit nicht die Beichte verdrängt? Ist ein Leben nach den Zehn Geboten nicht mehr nötig, um das Heil zu erlangen? Genügt nun etwa dieser Extra-Rosenkranz?
  10. Abgesehen davon kommt diese neue Form natürlich der menschlichen Bequemlichkeit zugute, denn dieser Rosenkranz ist weitaus kürzer als der überlieferte. So hat man dann in höchstens zehn Minuten einen „Rosenkranz“ gebetet, wozu man sonst eine halbe Stunde benötigen würde.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den kath. KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Das GEBET hilft an Leib und Seele

Wer betet, hat davon auch einen gesundheitlichen Nutzen. Davon ist der katholische Theologe und Glücksforscher, Prof. Anton Bucher (Salzburg), überzeugt.

Er äußerte sich in der Sendung „Lebenszeit“ des Deutschlandfunks am 9. Februar. Die aktuelle Ausgabe stellte die Frage „Lebenshilfe oder Auslaufmodell – Wer betet heute noch zu Gott?“.

Laut Prof. Bucher gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die eine positive Wirkung des Gebets bestätigten, beispielsweise auf das Herz-, Gefäß- und Immunsystem. Auch Stress werde dadurch gemindert.

Dies sei jedoch kein Aufruf, Gebet zu funktionalisieren. „Rosenkranz auf Rezept“ nütze nichts. Stattdessen seien die Effekte umso größer, „wenn einfach gebetet wird um des Betens selber willen“, so der Theologe.

Quelle: http://www.idea.de


Fulda: Rosenkranz für das Leben am 28. Dezember, dem Fest der unschuldigen Kinder

Die Aktion Leben, die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), das Fatima-Weltapostolat und das Vaterhaus in Fulda laden ein, am Donnerstag, dem 28. Dezember 2017 (dem Fest der Unschuldigen Kinder) um 18.3o Uhr an der Mariensäule am Frauenberg in Fulda (auch „Pestsäule“ genannt) für den Schutz des menschlichen Lebens den Rosenkranz zu beten.

Abschließend wird der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen (siehe Foto) zu den Betern sprechen und den Segen erteilen.

Zuvor zelebriert Kaplan Florian Böth in der Michaelskirche um 17 Uhr eine Hl. Messe in diesem Anliegen. Es schließen sich um 18 Uhr das Angelusgebet (Engel des Herrn) vor dem Dom und eine Lichterprozession zur Mariensäule an.

Foto: Leupolt, Bistum Fulda


Zur Entwicklung des Rosenkranzgebetes

Von Hanna Jüngling

Es gibt viele Legenden, die allesamt suggerieren, der Rosenkranz sei das Werk eines einzigen Mannes oder womöglich der Muttergottes selbst. Am bekanntesten ist die Legende, die Muttergottes habe dieses Gebet dem hl. Dominikus offenbart. Aber es sind Legenden.

Der Begriff „Rosenkranz“ taucht bei uns im 15. Jh erstmalig auf.

Der Ursprung der Praxis, anhand einer Perlenkette ein Gebet zu vollziehen, liegt in Indien, wo schon vor der Entstehung des Christentums im Hinduglauben wie im Buddhismus an Gebetsketten, Mala genannt, gebetet wurde.

Diese Mala-Ketten haben 108 Perlen und im hinduistischen Kontext auch noch eine zusätzliche Guruperle. Anhand der Perlen werden die Namen und Attribute einer Hindugottheit bzw. buddhistischer Mantras kontempliert. Direkt davon abgeleitet scheint die islamische Gebetsschnur, Misbaha genannt, die 33 Perlen hat und anhand derer dreimal die 99 Namen der Gottheit aufgesagt werden.

In manchen Regionen sprach man auch von einer „Paternoster-Schnur“ – übrigens gab es bis ins Spätmittelalter hinein, den Beruf des „Paternoster-Machers“, also des Herstellers solcher Gebetsketten.

Zuerst hat man anhand einer solchen Schnur einfach mehrere Paternoster gebetet. Später fügte man auch die wiederholende Betrachtung des Engelsgrußes an Maria hinzu.

Eine erste Erwähnung solcher Praxis in der weströmischen Kirche finden wir in England. In den „Gesta pontificum Anglorum“ beschreibt William of Malmesbury im 12. Jh, wie die adlige Lady Godiva, die im 11. Jh gelebt hatte, an Edelsteinen, die sie auf eine Schnur aufgezogen hatte, eine Gebetsregel erfüllte, die sie vor einer Marienstatue vollzog.

Im 12. Jh mit seinem immer gewaltiger anschwellenden Strom klösterlicher Reformbewegungen kam das Rosenkranzgebet für Laienbrüder und –schwestern und ungebildete Konversen auf, die des Lesens und Schreibens nicht kundig und daher nicht in der Lage waren, am Stundengebet teilzunehmen.

Anstelle der 150 Psalmen des hl. Offiziums der Mönche und Nonnen wurden 150 Ave-Marias in Zehnergruppen gebetet und jeder Zehnergruppe eines der Geheimnisse Christi beigefügt. Für eine solche Zehnergruppe hat sich der Begriff „Gesätz“ herausgebildet. Ein Gesätz sind 10 Ave-Marias, in die jeweils ein bestimmtes Geheimnis Christi eingefügt wird.

Dieses Gebet erhielt seine feste Form schließlich im Laufe des 15. Jh durch die Zisterzienser und Karthäuser. Es wurde üblich, die 150 Ave-Marias in drei Teile zu je 50 Gebeten zu unterteilen, den freudenreichen, schmerzreichen und glorreichen Rosenkranz. Diese 50 Gebete wiederum werden in je 5 Gesätze geteilt, und jedes Gesätz betrachtet ein Geheimnis Christi, das in das Ave-Maria eingeschoben wird.

Das Ave-Maria-Gebet war zunächst nur der englische Gruß, der mit dem Gruß Elisabeths an Maria kombiniert wurde. Petrus Damiani hatte ihm im 11. Jh die heute noch übliche Form gegeben, die er aus dem Lukas-Evangelium abgeleitet hatte: „Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum. Benedicta tu in mulieribus.“ 1508 erst wurde dem Ave-Maria in dieser alten, biblischen Form noch der Zusatz „Sancta Maria, mater Dei, ora pro nobis“ hinzugefügt. 

Man kann also mit einem gewissen Recht sagen, dass der Rosenkranz niemals „von oben herunter“ befohlen wurde, sondern sich in vielen kleineren Schritten aus dem gläubigen Volk, besonders auch durch das Gebet der Frauen, entwickelt hat. Es entspricht allerdings nicht den Tatsachen, wenn seit dem 20. Jh immer wieder behauptet wurde, der Rosenkranz sei gewissermaßen variabel und jeder könne einen neuen erfinden. Zwar kann jeder für sich ein Privatgebet entwickeln, aber deshalb ist der klassische Rosenkranz dennoch ein für allemal festgelegt worden:

Der endgültige Text des Rosenkranzes wurde 1569 von Pius V. im Breve „Consueverunt romani pontifices“ für alle Katholiken verbindlich festgelegt und war seither viele Jahrhunderte lang nicht mehr variabel.

„Diese Gebetsweise ist einfach und kann von jedermann befolgt werden…“  –  schreibt Pius V. darin  –  ,„…und wird genannt „Rosenkranz“ oder der „Psalter der seligen Jungfrau Maria“. Er besteht aus einer Verehrung dieser gesegneten Jungfrau, indem man 150 der englischen Grüße spricht, dieselbe Anzahl also der Psalmen Davids, die man nach einer Zehnergruppe unterbricht durch das Gebet des Herrn, und dazwischen meditiert man die Geheimnisse, die das ganze Leben unseres Herrn Jesus Christus aufzeigen.“

Es war auch Pius V., der, auf den die tridentinische Messliturgie zurückgeht, der den Text des „Ave Maria“ festlegte auf den uns schon bekannten Teil und den Zusatz „Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae“.[1]

Der klassisch gewordene Rosenkranz ist Zeugnis des kollektiven „sensus fidelium“. Und selbst wenn er einsam gebetet wird, weiß der Beter sich verbunden mit dem kollektiven Rosenkranzgebet ebenso wie mit dem kollektiven Stundengebet der Kirche. Durch die Zersplitterung in eine Vielzahl neuer Rosenkranz-„Offenbarungen“ und Erfindungen ging diese Gemeinschaftlichkeit stückweise verloren.

Der klassische Rosenkranz garantiert die Nähe zum Evangelium und zum Psalmgebet Israels und der Kirche, während alle Erweiterungen und Veränderungen Vereinseitigungen des Glaubensgutes intendieren.

Ich möchte an dieser Stelle Paul VI. zitieren, der den Charakter des klassischen Rosenkranzes als letzter Papst seinem Sinn entsprechend noch einmal gekennzeichnet hat in „Marialis cultus“ von 1974:

„Es ist ferner leichter erkannt worden, wie der geordnete und graduelle Verlauf des Rosenkranzgebetes die Art selbst widerspiegelt, in der das Wort Gottes, da es nach gnädigem Ratschluß in die menschliche Geschichte eintrat, die Erlösung gewirkt hat.

Der Rosenkranz betrachtet nämlich von ihr in harmonischer Folge die wichtigsten Heilsereignisse, die sich in Christus zugetragen haben: von der jungfräulichen Empfängnis und den Geheimnissen seiner Kindheit bis zu dem erhabenen Geschehen von Ostern – des seligen Leidens und der glorreichen Auferstehung – und weiter bis zu deren Auswirkung auf die bildende Kirche am Pfingsttag und auf die Heilige Jungfrau an dem Tage, an dem sie nach Beendigung ihres Erdenlebens mit Leib und Seele in die himmlische Heimat aufgenommen wurde.

Es ist weiterhin bemerkt worden, wie die dreifache Aufteilung der Geheimnisse des Rosenkranzes nicht nur streng der zeitlichen Ordnung der Geschehnisse folgt, sondern vor allem das Schema der frühchristlichen Glaubensverkündigung widerspiegelt und das Geheimnis Christi auf dieselbe Weise vorstellt, wie es vom heiligen Paulus im berühmten ”Hymnus” des Briefes an die Philipper gesehen wird: Erniedrigung, Tod, Verherrlichung (2, 6 – 11). (45)

Verformungen, Erweiterungen oder Einschübe in den klassischen Rosenkranz sind daher sachlich kritisch zu betrachten. Denn der Rosenkranz ist eine gewachsene, der Einmütigkeit des Gottesvolkes entstammende Form, deren Stabilität darin liegt, dass sie gerade so und nicht anders gewachsen ist. Ihren Wachstumsabschluss erhielt dieses Gebet im 16. Jh und nahm danach einen rasanten Weg durch die Geschichte der Kirche und des Abendlandes.

Unsere Gast-Autorin, Musikerin und Künstlerin Hanna Jüngling hat unlängst ein theologisches Buch veröffentlicht: http://zeitschnur.blogspot.de/2017/02/neuerscheinung-zum-thema-theologie-der.html

Ergänzender Artikel zur Geschichte des Rosenkranzes siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/31/der-rosenkranz-ist-nicht-per-erscheinung-sondern-durch-ordensleute-entstanden/

[1] https://books.google.de/books?id=ez0VRbQi1i4C&pg=PA708&lpg=PA708&dq=pius+V.+consueverunt&source=bl&ots=a9BafPtcOP&sig=h0HTTMMFOZbnAbzcWTyDKHEZJC4&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjfq-Hh-uHPAhXrLMAKHd3fB0oQ6AEIVzAI#v=onepage&q=pius%20V.%20consueverunt&f=false

 


Der Rosenkranz an der polnischen Grenze und die Islamophobie-Keule in deutschen Medien

Vorige Woche haben wir hier im CHRISTLICHEN FORUM einen Bericht über die angekündigte polnische Rosenkranz-Initiative an der Grenze veröffentlicht.

Die Gebetsaktion hat stattgefunden und in der „veröffentlichten Meinung“ ein teils unsachliches bis schrilles Echo gefunden; dabei wurde auf den Vorwurf der Islamfeindlichkeit bzw. die Homophobie-Keule nicht verzichtet.

Der katholische Autor und Philosoph Dr. Josef Bordat hat auf seinem Jobo-Blog dazu – teils etwas ironisch –  Stellung bezogen: https://jobo72.wordpress.com/2017/10/08/ein-besonderes-rosenkranzgebet/

Mit seiner freundlichen Genehmigung zitieren wir einige Abschnitte daraus:

„Normalerweise ist es ja eher so, dass das Rosenkranzgebet eine eher unauffällige, stille Form des Gottesdienstes ist. Allein oder in kleiner Gruppe wird es gebetet, meditativ, kontemplativ, den Glauben reflektierend. Ich hatte das kürzlich erläutert.

Nun beteten “Zehntausende” (Tagesschau.de) Polen verabredungsgemäß gemeinsam den Rosenkranz…

Eigentlich ist die “Aktion” (Welt.de) nämlich eine “islamophobe”. Wenn Marek Jedraszewski, der Erzbischof von Krakau, etwa meint, die Menschen beteten im Vertrauen darauf, dass Gott ihnen helfen werde, “alle Schwierigkeiten zu überwinden”, dann meint er natürlich den Islam.

Und wenn die Initiatoren der Stiftung “Solo Dios Basta” meinen, sie wollten mit dem Gebetsaufruf “uns auch entschuldigen und jegliche Gotteslästerung wiedergutmachen”, dann meinen sie natürlich den Islam. Und wenn auf ihrer Website steht, das Rosenkranzgebet sei “eine mächtige Waffe im Kampf gegen das Böse”, dann meinen sie… Ich glaube, Sie haben das Prinzip verstanden…

Da ist es nur zu verständlich, dass die Qualitätspresse feststellt, einige Menschen sähen das Gebet “explizit gegen Muslime gerichtet” (Welt.de)…Gegen wen oder was soll es denn sonst gehen? Gut, vielleicht “gegen den Islam” (Tagesschau.de). Da können Polens Bischöfe “die Kundgebungen” (Tagesschau.de) noch dreidutzendmal als “Gebet für den Weltfrieden” tarnen.

Gut, dass Tagesschau.de und Welt.de und *.de insgesamt der Islamophobie der islamophoben Katholiken nicht auf den Leim gehen!“


Polen: Am Rosenkranzfest wird an der Grenze eine Menschenkette aus Betern gebildet

Am kommenden 7. Oktober, dem Rosenkranzfest, wird an der gesamten polnische Grenze eine Menschenkette aus Betern gebildet. Ganz Polen wird gleichsam von Rosenkranzgebeten umhüllt sein.

Eine entsprechende Laieninitiative wurde von den polnischen Bischöfen sofort aufgenommen, vor allem die 22 Grenz-Bistümer haben sich engagiert. In jeder Diözese wurden Priester als Koordinatoren eingesetzt, in etwa 200 „Stationskirchen“ werden die Gläubigen sich zu Vorträgen, Messen und Sakramentsandachten versammeln, bevor sie sich dann zur Grenze begeben.

Die Grenze ist mehr als 3500 km lang; etwa jeden Kilometer soll sich ein „Gebetsort“ befinden. An den Seegrenzen bilden Boote und Schiffe eine Kette, auf dem Bug sollen es Kajaks sein.

Die Aktion ist auch eine Reaktion auf die EU-Polemik gegen die Nicht-Aufnahme von „Migranten“ durch Polen. Der 7. Oktober ist zugleich der Tag des Sieges der Christenheit in der Schlacht von Lepanto, als Europa einst vor der Islamisierung gerettet wurde.

Im Kommuniqué der polnischen Bischofskonferenz heißt es zu diesem „Rosenkranz an den Grenzen“ u.a.:

„Ziel ist, in den Anliegen Polens und der ganzen Welt den Rosenkranz zu beten und dazu Menschen entlang der Grenze unseres Landes zusammenzubringen.

Dieses Ereignis wird am 7. Oktober dieses Jahres stattfinden, am ersten Samstag des Monats, am Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz und zum Abschluss der Feiern des hundertjährigen Jubiläums der Erscheinungen in Fatima, werden wir zur selben Stunde an den Grenzen unseres Vaterlandes den gesamten Psalter beten.

Wir bitten alle Gläubigen, sich zahlreich zu dieser Initiative zusammenzufinden. Lasst uns zusammen beten, Ordensleute, Geistliche und Laien, Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Diejenigen, die nicht teilnehmen können, mögen sich uns im Rosenkranzgebet anschließen.“

Quelle und weiterer Text dazu hier: https://kirchfahrter.wordpress.com/2017/09/26/grenzschutz-mit-dem-rosenkranz-civitas-institut-de/


Lungenschmids „Jenseitsreisen“: Allerlei Richtigkeiten sowie theologischer Unsinn

Von Felizitas Küble

Seit Jahren tourt Helmut Lungenschmid durch deutsche und österreichische Lande, um von Ort zu Ort jenes „Sterbe-Erlebnis“ zu schildern, das er als 15-jähriger Junge erfahren haben will – und zwar beim Zahnarzt. Sicherlich für eine Nahtoderfahrung eine recht ungewöhnliche Stätte, doch der Redner begründet das Vorkommnis mit einer Überdosierung der Betäubung…

Wie dem auch sei: Tatsache ist jedenfalls, daß die Visionen und Einsprechungen, die Lungenschmid   – eigenen Angaben zufolge  –  seinerzeit als Jugendlicher erlebte und nach 42 Jahren erstmalig veröffentlichte, auf ein fromm-naives Publikum eindrucksvoll wirken mögen, aber nicht einmal einer einfachen theologischen Prüfung standhalten.

Derzeit befindet sich der Autor wieder auf einer Vortragsreise von Deutschlands Süden bis zum Norden: An Fronleichnam (14.6.) sprach er im westfälischen Hembergen vor rund 100 Zuschauern, am Tag zuvor war er in Obereschach bei Ravensburg (Oberschwaben).

Wir haben uns im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahre 2011 über Lungenschmids „Nahtoderfahrung“ geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/03/gelang-helmut-lungenschmids-ein-%e2%80%9eblick-ins-jenseits%e2%80%9c/

Auf die im Raum stehende „Frage“, warum er seine Jenseitsvisionen erst nach über 40 Jahren in Buchform brachte, antwortet der Verfasser gleich auf der Titelseite (siehe Foto): „Den Zeitpunkt, mit diesem Erlebnis an die Öffentlichkeit zu gehen, bestimmte im Jenseits die Gottesmutter selbst.“  – Diese praktische, um nicht zu sagen unschlagbare Ausrede „Auskunft“ erwähnt Lungenschmid auch in seinen Einladungszetteln zu den Vorträgen.

Kritisches Nachfragen scheint sich insoweit zu erübrigen  – wobei gleichwohl ungeklärt bleibt, ob der hohe Preis (22 €) der ziemlich billig produzierten Publikation (große Schrift, Paperback, nur 1 Foto) samt den überdimensionalen Versandkosten (von Österreich nach Deutschland: 9,50 €) wohl auch auf Eingebung höherer Gewalten entstanden sein mag.

Für den kommenden 2. Band werden übrigens satte 33 € angekündigt  – alle Daten sind auf des Autors Webseite nachlesbar: http://www.meinsterbeerlebnis.com/medien-bestellung/

Nun wissen wir es also  – dank Helmut Lungenschmid und dem Untertitel seines Buches: „Himmel – Hölle – Fegefeuer  –  gibt es doch!“

Seit zweitausend Jahren lehrt die Kirche genau dies auch ohne Jenseitsvisionen, doch so mancher Fromme sucht wohl unterschwellig  – also doch Kleinglaube?  – nach einer Art „Bestätigung“ mittels besonderer Erlebnisse.

Die kann der Autor auf über 350 Seiten freilich kreativ liefern  – den 2. Band nicht mitgerechnet.

Lungenschmid: Christus ist nicht GOTT in Ewigkeit

Was der Knabe damals auf dem Zahnarztstuhl in kurzer Zeit alles an bücherfüllenden Erlebnissen und Erkenntnissen erfuhr, scheint ihm gleichwohl ein merkwürdiges „Gottesbild“ vermittelt zu haben, ganz zu schweigen von zahlreichen theologischen Irrtümern, sogar über den Erlöser selbst, wobei indirekt, aber in der Sache eindeutig sogar die Gottheit Christi geleugnet wird:

Auf S. 93 heißt es schon im Zwischentitel in fetter Schrift: „Jesus hat im Gegensatz zu Gott Vater einen Anfang.“ 

Da Christus GOTT ist, existiert ER in Ewigkeit, folglich ohne Anfang und Ende. (Anders ist dies bei der menschlichen Natur Jesu, die natürlich einen Beginn kennt, was aber eine Selbstverständlichkeit darstellt und keiner erstaunten Erwähnung bedarf.)

GOTT ist nicht nur unsterblich wie die menschliche Seele (ohne Ende), sondern ewig  – also unerschaffen, ohne Anfang. Gott-Vater ist innerhalb der heiligen Dreieinigkeit zwar gleichsam das Ursprungsprinzip, was aber nicht bedeutet, daß die anderen beiden göttlichen Personen einen „Anfang“ hätten, denn die ganze dreifaltige Gottheit ist unerschaffen und ewig, also ohne Anfang  – dies ist ein unabdingbares Wesensmerkmal das Göttlichen.

Lungenschmid schreibt zunächst zutreffend, daß es für den Menschen als geschaffenes Wesen einen Anfang gibt. Er fährt fort: „Aber nicht so verhält es sich bei Gott, der keinen Anfang und kein Ende hat.“ – Auch richtig, doch dann folgt jener erwähnte häretische (irrlehrende) Satz über Christus „mit Anfang“.

Er führt diese für die Christenheit „bahnbrechende“ Erkenntnis auf Gott-Vater selbst zurück, denn dieser habe ihm erklärt: „Jesus hatte einen Anfang und jetzt aber auch kein Ende.

Dies stelle, so schreibt der Autor mit Berufung auf „Gott-Vater“ weiter, gewiß ein „großes Geheimnis“ dar, das ihn freilich „sehr nachdenklich“ gemacht habe  – immerhin räumt Lungenschmid ein, daß er „bis zu diesem Zeitpunkt der Meinung war, dass es Jesus doch auch immer schon gegeben hätte“.

Folglich ließ sich der Jenseitsreisende durch einen Irrgeist (sei es nun sein eigener oder ein „unter-natürlicher) von einer richtigen zu einer falschen Ansicht verführen.

Offenbar knabberte der Verfasser durchaus an dieser neuen „Einsicht“, denn er schreibt zum dritten Mal: „Nein  – Jesus hatte tatsächlich einen Anfang, wie mir Gott ganz persönlich versichert hatte“  –  nun denn, gegen Visionen ist natürlich kein theologisches Kraut gewachsen.

Der Versuch der Lungenschmid-Anhänger, diesen Satz auf die menschliche Natur Jesu zu beziehen (die natürlich einen Anfang hat), leuchtet nicht ein, denn das wäre beileibe kein „großes Geheimnis“, sondern eine derart schlichte Einsicht, daß sie nicht einmal die Ungläubigen leugnen.

Betet Maria den Rosenkranz mit den Armen Seelen?

Das Buch wimmelt von weiteren inhaltlichen und logischen Fehlleistungen, wobei schon die Seite zuvor wieder ein handfestes Beispiel liefert:

Auf S. 92 heißt es nämlich, daß die Madonna bei ihren „Erscheinungen im Fegefeuer jedes Mal den Rosenkranz gemeinsam mit den Armen Seelen betete“.

Auf S. 217 erzählt der Autor von einer Vision, bei welcher die Gottesmutter selber den „Engel des HERRN“ betete, wobei gar die „Grundfesten der Hölle erschüttert“ worden seien, so daß die Unterwelt „einzustürzen drohte“. Leider hat es nicht ganz geklappt, die Hölle ging bei der schönen Gelegenheit nicht wirklich unter  –  aber fest steht jedenfalls, daß die selige Jungfrau weder den Rosenkranz noch den „Engel des Herrn“ bzw. Angelus selber betet.

Jeder möge sich die dazugehörenden Anrufungen selber aufsagen, z.B. hinsichtlich der Vaterunser-Bitte „Vergib uns unsere Schuld“ oder „Erlöse uns von dem Bösen“ sowie „Bitte für uns Sünder“ im Ave-Maria. Die Seligen im Himmel; bedürfen keiner Sündenvergebung, sie sind bereits Erlöste.; das gilt erst recht für Maria, die Vor-Erlöste, die Immaculata.

Offenbar ist Herr Lungenschmid  –  Jenseitserlebnisse hin oder her  –  mit diesem einfachen Gedankengang überfordert.

Wir werden sein Buch bei nächster Gelegenheit gerne einer weiteren Durchsicht unterziehen….

Unsere Autorin Felizitas Küble ist Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster