Wie sicher sind Nahrungsergänzungen, Schlankmacher, Detoxmittel und RU-486?

Von Dr. med. Edith Breburda

Man findet sie überall: Schlankmacher, Energiebooster, Vitaminpräparate, Verjüngungskuren, ohne sie fehlt uns etwas. Doch wie sicher sind Sie? Haben sie Risiken? Sie kommen bisweilen aus China oder Brasilien.; sie haben den Touch des Exotischen. So können wir nicht widerstehen und nehmen Sie bedenkenlos ein. Dr. Breburda

Der Internist Peter Cohen war ihnen auf der Spur; ihm ging es um die Verbraucher, die Diätmittel zu sich nehmen. In einem aufsehenerregenden Artikel an Drug Testing and Analysis berichteten Cohen und zwei seiner Mitarbeiter über 12 angebliche Schlankmacher, die eine Substanz enthielten, die chemisch mit Methamphetamin gleichzusetzten war. Die Wissenschaftler bezeichneten sie als DMBA. Diese Bestandteile wurden bisher nur in zwei Tierversuchen auf ihre Sicherheit getestet  – und das war 1940.

Der Artikel wurde einen Monat später  –  im Oktober 2014  –  gedruckt. Im April 2015 gab die Amerikanische Food und Drug Administration (FDA), die unserer Lebensmittelbehörde entspricht, eine Warnung an 14 Firmen heraus, die Produkte mit DMBA verkaufen. Die FDA sprach von einer Verfälschung der Nahrungsmittelzusatzstoffe und von illegalen Drogen.

Seit 2005 beobachtete Doktor Cohen, wie krank seine Patienten durch brasilianische Schlankmacher wurden, die Antidepressiva und Schilddrüsenhormone beinhalteten. Cohen wurde so etwas wie ein Indiana Jones und Sherlock Holmes in einem, der die Welt der Spurenelemente durchforstet.

Chemiker aus den Vereinigten Staaten, Brasilien und Europa halfen ihm, illegale Drogen in Nahrungsmittel-GC vernichten wir unsZusatzstoffen ausfindig zu machen. Sobald er sie gefunden hatte, ging er an die Öffentlichkeit. Cohens Vorgehensweise ist eher unkonventionell. Es versucht in kurzer Zeit, viele Publikationen in trivialen Zeitschriften herauszubringen und hofft, damit neue Regulationen anzustoßen.

BILD: Sachkundiges Buch von Dr. Breburda „Globale Chemisierung: Vernichten wir uns selbst?“

Seiner kleinen Schar von Journalisten kann er vertrauen. Die Artikel werden von der breiten Öffentlichkeit gelesen. Cohen wird von keinem finanziert. „Dadurch bin ich frei, zu schreiben, was ich will“, sagt er. Bisher haben er und seine Mitarbeiter drei verborgene Aufputschmittel in Nahrungsmittel-Ergänzungen ausfindig gemacht.

Paul Offit, Direktor des Vaccine Education Centers am Kinderkrankenhaus in Philadelphia, der selber ein Buch über Alternativmedizin: Do You Believe in Magic? geschrieben hat, sagt: „Es gibt keine Kontrolleure. Eigentlich untersucht eine Privatperson, ob das, was auf der Flasche steht, auch wirklich drin ist.

Die Untersuchungen haben zum Glück Auswirkungen. Die FDA zitiert den Arzt. Sie verfolgt seine Veröffentlichungen und gibt Warnungen heraus. Firmen, die Nahrungsmittelergänzungen herstellen, wurden auf Dr. Cohen aufmerksam. Eine verklagte ihn sogar auf 200 Millionen US-Dollar Schadenersatz. „Alles was ich schreibe, wird genau geprüft. Das erzeugt unheimlichen Druck. Ich möchte, dass unsere Wissenschaft kugelsicher wird“, erklärt der Internist.

1994 wurde das amerikanische Nahrungsmittelergänzungsgesetz (Dietary Supplement and Health Education Act) eingeführt. Bei uns in Europa haben wir Vorschriften, dass Nahrungsmittelergänzungen sicher und sachgerecht gekennzeichnet sein müssen.

In der EU werden Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Mineralstoffe wie Lebensmittel behandelt. Wir haben Kennzeichnungsvorschriften, welche auch die Höchst- oder Mindestmenge für Vitamine und Mineralstoffe festlegt. Man verhindert damit die Einnahme einer zu hohen Menge von Vitaminen oder Mineralstoffen, die der Gesundheit schaden könnten.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

In den USA kam die Einführung des Nahrungsmittelergänzungsgesetzes von 1994 noch lange bevor das Geschäft mit Vitaminen und Mineralstoffen boomte. Die US-Regulationen konzentrierten sich damals auf Vitamin C, Eisen und Kalzium. Es wurde festgelegt, wofür die Nahrungsmittelergänzung bestimmt war. Schlankmacher enthielten zum Beispiel pflanzliche Substanzen. Deklarationen wie „Prostataverkleinerung“ oder „Immunsystemfördernd“ unterlagen einzig und allein den Herstellern.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde hatte keinen Einfluss auf die Zusatzstoffe und konnte sie deshalb nicht kontrollieren, so wie das bei Medikamenten üblich ist. Die Gesundheitsbehörde kann höchstens eingreifen, falls sich das Mittel als gesundheitsschädlich erweist.

Damals, 1994, berichtete die „New York Times“ über eine skrupellose Industrie, die nur darauf aus war, Profit mit zweifelhaften Versprechungen ihrer Produkte zu machen. Seit 1994 ist der Verkauf von Supplementen von 4000 auf 75.000 angestiegen. Allein 2014 handelte es sich in den USA um ein 36 Milliarden Dollar-Geschäft.

Zusatzstoffe wie die chinesische Pflanze Ma Huang oder Ephedra, welche versprach, eine ähnliche Wirkung wie ein Rauschmittel zu haben, wurden erst aus dem Verkehr gezogen, nachdem 15 Leute starben. Nun warnte die FDA vor Nieren-, Leber- und andern Gesundheitsschäden, die in Verbindung mit der Einnahme von Ephedra standen. Erst 2004 wurde Ephedra verboten.

Dr. Cohen fühlt sich bestätigt, den Gesundheitsrisiken von Nahrungsmittelergänzungen nachzugehen. Als junger Arzt hatte er Patienten, die aus Brasilien kamen. Viele von ihnen hatten mysteriöse Symptome. Eine Frau litt unter Herzrasen, sie schwitzte und sie hatte wahnsinnige Angst, fühlte sich aber auch sehr müde. Ein anderer Patient kam mit Nierenversagen  – und ein junger Mann verlor seine Stelle, nachdem Drogen in seinem Urin festgestellt wurden.

Alle seiner Patienten nahmen Schlankheitspillen ein, die aus Brasilien stammten. Dr. Cohen lies die Pillen untersuchen. Er war über das Resultat schockiert: Das Labor fand Schilddrüsenhormone, Amphetamine, Schlafmittel, Antidepressiva und Diuretika. Die Symptome der Patienten ließen sich nun leicht erklären. 0022

Cohen und seine Mitarbeiter fanden eine brasilianische Zeitung, die auf der ersten Seite über die Nebenwirkungen des Mittels berichtete. Einige Jahre später wurde der Zusatzstoff vom Markt genommen. Cohen weiß nicht, ob das etwas mit seiner Untersuchung zu tun hat. Aber dann bekam er einen Anruf von einem FDA Mitarbeiter. Er sagte ihm: “Das, was Sie in den brasilianischen Pillen gefunden haben, ist auch in amerikanischen Schlankheitsmitteln enthalten  –  und das ist ein größeres Problem.“

„Seit Jahren haben wir Angst, solche Zusatzstoffe in unseren Diäten zu finden“, erklärt Amy Eichner von der Amerikanischen Anti-Doping- Gesellschaft: „2003 und 2008 mussten wir zwei Eliteschwimmer von den Olympischen Spielen suspendieren. Unsere Ergebnisse zeigten, sie waren gedopt, obwohl sie nur Nahrungsmittelsupplemete zu sich genommen hatten.“

Patricia Deuster von der Universität Bethesda in Maryland, USA, nimmt an, dass schätzungsweise 15 – 20 % der Soldaten Supplemente schlucken, die ihnen versprechen: schlank zu werden, einen athletischen Körper zu bekommen oder die ihrem Sexualvergnügen dienen sollen. 107 von 169 derartigen Produkten enthalten von der FDA verbotene Substanzen. Dr. Cohen und seine Kollegen geben die Suche nach verbotenen Stoffen in Supplementen nicht auf.

Im Labor stapeln sich „Medikamente“ von seinen Patienten, die er untersuchen soll: „Ich glaube, in 50 Jahren blicken wir zurück und fragen uns, wieso wir so leichtsinnig Nahrungsergänzungsmittel eingenommen haben, die eigentlich Drogen enthalten. Zumindest sollten Leute wissen, was sie schlucken“[1].

Unser Körper wird schon genug mit Plastik, Herbiziden, Pestiziden und Antibiotika im Gemüse und Fleisch belastet. Fündige Geschäftsleute sind der Meinung, man müsste den Körper entgiften.

Ein Verkaufsschlager ist Zeolith, ein Vulkanmineral, dem zahlreiche Wirkungen zugesprochen werden. Es soll Schwermetalle und Stoffwechselgifte binden, das Immunsystem unterstützen und freie Radikale neutralisieren. Eine regelmäßige Entgiftung des Körpers hilft, gesund zu bleiben. Sie vermindert Herz-Kreislaufbeschwerden, einen Burn-Out und beugt Diabetes und Krebs vor.

Bei Zeolithen handelt es ich um eine Stoffgruppe, die bei der Wasserenthärtung in Waschmitteln eine Rolle spielt. So ist es denkbar, dass Zeolithe Giftstoffe aus der Nahrung binden. Sie aus dem Körper heraustransportieren können sie jedoch nicht. Somit haben Versprechungen über Zeolith-Darmspühlungen, Laxantien, Diuretika, Vitamin-Kuren oder sogar Detox-Kosmetika wie Schampoos, Duschgels oder Pflaster, welche die Hersteller machen, keine Bedeutung.

Studienergebnisse zu ihrer Wirksamkeit gibt es kaum bzw. sind wegen fehlender Kontrollstudien nicht aussagekräftig. Das, was man fand, ist, dass ein 19-jähriger Mann ein Serotonin-Syndrom auf die Einnahme von Zeolith entwickelte. Ein 50-jähriger Mann aus Spanien erlitt eine Mangan-Vergiftung. Der Grund lag darin, dass der Hersteller aus Versehen Mangansulfat-Hydrat statt Magnesiumsulfat-Hydrat verkauft hatte.

Prof. Stephan Bischoff, Ernährungsmediziner der Universität in Hohenheim, spricht von Gesundheitstipps, welche die Detoxverkäufer mitliefern. Man solle auf Kaffee, Alkohol und Nikotin verzichten, eine ballaststoffreiche Ernährung einnehmen und vor allem Obst und Gemüse sowie viel Flüssigkeit aufnehmen.

„Die Detox-Tipps sind, einzeln für sich genommen, per se nicht schlecht, aber tatsächlich werden hier Halbwahrheiten zusammengerührt und mit haarsträubenden Begründungen zu einem Konzept erhoben, das keiner wissenschaftliche Überprüfung standhalten würde. Gefährlich sind kurzfristige Detox-Auszeiten zwar in der Regel nicht. Aber alles ,was länger als ein bis zwei Wochen dauert, könnte den Menschen in eine Nährstoffunterversorgung katapultieren“, erklärt Prof. Bischoff.

Prof. Dr. Simon Brooks, Humanphysiologe an der australischen Flinders-Universität, weist darauf hin, dass unsere Nieren, unsere Leber und unser Gastrointestinaltrakt innerhalb von Stunden Toxine neutralisieren. Hinweise, dass sie sich im Laufe der Zeit irgendwo im Körper ansammeln, gibt es nicht. Detox ist so gesehen Unsinn. Wir sollten lieber auf Junk-Food verzichten und uns gesund ernähren[2]. imagesCAHIF86C

Ganz anders verhält es sich mit einer Entscheidung der Kanadischen Arzneimittelbehörde, die RU-486 unter dem Namen Mifegymiso freigeben will. Wir wissen, dass diese Abtreibungspille nicht allein ungeborene Kinder tötet, sondern auch den Tod vieler Mütter verursachte. Schon am 4. September 2001, als Mifegymiso in der Versuchsphase war, wurde über Todesfälle berichtet.

Deshalb sollten Frauen auf dem Beipackzettel gewarnt werden, dass die Einnahme der Pille nur dann vollzogen werden soll, wenn die Frau einen schnellen Zugang zu einer nahegelgenen Klinik hat. Informationen, dass der Tod durch das Mittel erfolgen kann, findet man häufig auf Beipackzetteln in Kanada. Allerdings fehlt auf der Arzneimittelbeschreibung, welche Krankheit oder Infektion das Medikament lindern soll. Es wird u.a. appliziert, um ein Kind bis zur siebten Schwangerschaftswoche umzubringen.

Mit anderen Worten: Kanada hat ein Medikament zugelassen, das eine perfekt gesunde Frau einnehmen soll, um den natürlichen Prozess der Schwangerschaft zu unterbinden und die Frau noch zusätzlich in die Gefahr bringt, selber ihr Leben zu riskieren.

„Warum sollten wir etwas zu uns nehmen und uns unnützen Nebeneffekten aussetzen, wenn es gar nicht notwendig ist, dies zu tun? Wenn etwas nicht kaputt ist, muss es doch eigentlich gar nicht gerichtet werden“, sagt Christina Alaimo, Doktorandin im Fach Gesundheitsethik.

Eine Abtreibungspille zu nehmen ist keine einfache Prozedur. Es ist ein blutiges Unterfangen, oft begleitet mit Schwindel, Schwäche, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen.

Ein Ungeborenes in der siebten Woche hat bereits ein schlagendes Herz. Es hat Finger, Arme und Beine. Viele Frauen sind in den USA zusammen mit ihren Kindern gestorben. Deshalb will man die Pille nur über den Arzt verabreichen. Dagegen sind jedoch Abtreibungsbefürworter. Die Pille soll ohne Rezept erhältlich sein (siehe hierzu auch: Reproduktive Freiheit, free for what?). Die Frauen könnten es sich angeblich gar nicht leisten, zweimal den Arzt aufzusuchen.

Und außerdem wird das Mittel bis zur 11. Schwangerschaftswoche zugelassen. Die Pro-Abtreibungsliga ist froh, dass das Mittel endlich auf dem Markt ist. Die Medien in Kanada kümmern sich nicht um die „Nebenwirkungen“. Sie sind überzeugt, dass es den Frauen in Kanada gut tun wird, endlich Zugang zu diesem Mittel zu haben[3].

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Buch-Neuerscheinung vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und verständlich geschriebene Buch  “Reproduktive Freiheit” kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)


Arizona/USA: Ist Abtreibung eine private Entscheidung der Frau?

Von Dr. med. Edith Breburda

Planned Parenthood in Arizona und das Women’s Center in Tucson  –  beides Einrichtungen, die Abtreibungen anbieten  –  verklagen den US-Bundestaat Arizona, da dieser ein neues Gesetz verabschiedete, welches die bisher üblichen Abtreibungspillen unterbindet. Dr. Breburda

Anwälte des Zentrums für Reproduktive Rechte und der Planned Parenthood Föderation von Amerika wollen Frauen, die ab 1. April 2014 keinen Zugang mehr zu Medikamente bekommen, dazu verhelfen, welche eine Abtreibung einleiten.

Im Januar verabschiedete das Gesundheitsministerium von Arizona, dass abtreibungsinduzierende Arzneimittel nur bis zur 7. Schwangerschaftswoche in der von der Food und Drug Administration anerkannten Dosierung verabreicht werden dürfen. Die Einnahme von 2 Tabletten muss in der Klinik erfolgen.

Vor dem Gesetz war eine induzierte Abtreibung bis zur 9. Lebenswoche möglich. Auch wurde nur die erste Tablette in der Klinik eingenommen. Ein zweites, niedriger dosiertes Präparat wurde daheim eingenommen, was die Kosten dämpfen sollte. Allerdings erhöhte diese Praxis das Komplikationsrisiko der Frau.

US-Bundesstaat Arizona: strengeres Abtreibungsgesetz

Laut dem neuen Gesetz müssen Ärzte, die chirurgische Abtreibungen vornehmen, eine Arbeitserlaubnis in einem Krankenhaus in einem Umkreis von 30 km haben. Ärzte, welche eine medikamentöse Abtreibung durchführen, müssen Patienten in dieses Krankenhaus einweisen dürfen und sind verpflichtet, Komplikationen zu melden. Eine Krankenwagen muss bereit stehen, wenn es zu Zwischenfällen kommt. Baby (2)

Planned Parenthood sieht in dem neuen Gesetz eine Behinderung der „reproduktiven Rechte“ der Frau, weil dadurch eine Abtreibung erschwert wird. „Das Gesetz bedeutet einen Eingriff in die private medizinische Entscheidung der Frau“, sagt der Direktor von Planned Parenthood von Arizona, Bryan Howard.

Für Abtreibungs-Befürworter ist der jetzt begrenzte Gebrauch von Mifepristone  –  besser als RU-468 bekannt  –  problematisch:

„Eine Studie des Guttmacher-Institutes in New York, die von Abtreibungs-Befürwortern durchgeführt wurde, zeigt, dass auch eine geringere RU-468-Dosis, verbunden mit einem anderen Wirkstoff, genauso wirksam ist. Die bisherige Methode ermöglichte zudem eine Abtreibung bis in die 9. Schwangerschaftswoche. Durch das neue Gesetz, welches nur FDA genehmigte Präparate erlaubt, ist diese kostengünstigere Methode nun verboten“, erläuterte Elizabeth Nash, Managerin des Guttmacher-Institutes.

Abtreibungsbefürworter verklagen Bundesstaat

Viele Frauen, die in der 9. Schwangerschafts-Woche sind, müssen sich in Zukunft einem chirurgischen Eingriff unterziehen. „Arizona raubt Frauen ihre verfassungsmäßig geschützten Rechte (Consitutionally protective rights)“, sagte David Brown, ein Anwalt des Zentrums für „Reproduktions-Rechte“. Deswegen wird der US-Bundestaat Arizona verklagt.

„Es ist eine Schande, wenn Planned Parenthood sich benachteiligt sieht, gehen sie vor Gericht, um ihre Ansichten durchzusetzen“, erklärt Cathi Herrod, Präsidentin einer bedeutenden Lebensrechtsgruppe (Christie Bob, Arizona sued over abortion drug limits. The Arizona Republic 3.6.2014). images

Die USA entwickelte bereits 2011 ein Prostaglandin Präparat, welches eine Abtreibung zuhause, ohne die Mithilfe eines Arztes ermöglichte. Über die Frage, inwieweit dieses Mittel den Frauen letztendlich schadet, scheiden sich die Geister. Misoprostol, wurde am 3. Juni 2011 von der Weltgesundheitsorganisation WHO in New York für die USA zugelassen.

Es wird eingesetzt, um nachgeburtliche Blutungen zu stillen und kann so vielen Frauen das Leben retten, sagt das WHO-Statement. Es ist aber auch für selbstinduzierte Abtreibungen zugelassen.

Ärzte sprechen von einer Wunderdroge, die Frauen im Wochenbett das Leben rettet. Das Präparat muss weder kühl gelagert noch mit einer Spritze steril verabreicht werden.

Das Präparat muss weder kühl gelagert, noch mit einer Spritze steril verabreicht werden. Maternal Life International (Mütterliches Leben International) zeigt sich eher skeptisch, denn die Frauensterblichkeit in medizinisch unterversorgten Gebieten liegt sowieso höher. Misoprostol erweckt den Eindruck, die Sterblichkeit der Mütter im Wochenbett in derartigen Gegenden zu verringern, was jedoch nicht der Fall ist.

Dr. Joe DeCook, ein Arzt der Pro-Life Bewegung Amerikas, vergleicht das Präparat mit dem Rauschmittel Morphin: „Es kann benutzt werden, um Gutes oder auch Schlechtes zu tun.“

In Deutschland wurde Misoprostol im Januar 2006 vom Markt genommen. Es war nur für die Behandlung von Magen-Darmkrebs zugelassen. Für eine andere Indikation hatte der Hersteller nie einen Antrag gestellt, trotz zahlreicher Studien, die einen Einsatz in der Gynäkologie und Geburtshilfe sinnvoll erscheinen ließen. (Siehe „Frauenarzt“ 2003, 8:882-5 und Homepage).

Probleme mit induzierter Geburt

Immer öfter wird der spontane Wehenbeginn nicht mehr abgewartet. Obwohl die WHO (Fortaleza-Konsensus-Konferenz, 1985) in ihrer „Mutterfreundlichen Kindergeburtsinitiative“ (Mother-friendly Childbirth Initiative) davor warnt, eine Technisierung der Geburten aus Gründen der Praktikabilität und ohne medizinische Indikation zu „erzwingen“. Frauen sprechen in Internetforen über das schlimmste Erlebnis, das sie mit einer „induzierten“, einer vorangetriebenen Geburt je hatten.

In der Geschichte der Frauenheilkunde wurden ursprünglich Prostaglandine, d. h. induzierte medizinische Verfahren angewendet, um eine Geburtseinleitung im Rahmen der medikamentösen Abtreibung im ersten und zweiten Trimenon vorzunehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation fürchtet, dass das am 3. Juni 2011 für den US Markt zugelassene Präparat Misoprostol von nicht medizinisch geschulten Frauen angewendet wird, um eine Abtreibung „zu Hause“ durchzuführen. Damit könnte es für diejenigen, die es einnehmen, auch gewisse Risiken bergen.

Das Präparat wurde für den Privatgebrauch freigegeben, aber gerade in ländlichen Gebieten der USA, wo die Gesundheitsversorgung suboptimal ist und keine Notaufnahmeeinrichtungen vorhanden sind, kann die nicht medizinisch überwachte Einnahme von Misoprostol zum Problem werden.

Die Intention war, dass mit dem neuen Präparat eine Abtreibung ohne den Arzt vorgenommen werden kann. In Vietnam waren 1.734 Frauen in die Vorversuche für das Medikament involviert. Abtreibungen wurden bis zum 63. Schwangerschaftstag durchgeführt, ohne das Mitwirken eines Arztes.

Gynuity, eine Organisation, die sich für die Aufklärung der Bevölkerung bezüglich Reproduktionsmedizin einsetzt und in den USA arbeitet, unterstützt selbstinduzierte Abtreibungen und versucht, sie in ein positives Licht zu stellen.

2009 wurde berichtet, dass sich Gynuity gegen Gesetze ausspricht, welche die Personenwürde des ungeborenen Kindes hervorheben wollen.

Etwas besorgt war die Organisation über eine eigene Studie, die 2002 zeigte, dass Misoprostol Geburtsfehler bei Ungeborenen hervorrufen kann, wenn das Kind die eigene Abtreibung „überleben“ sollte. Meistens handelt es sich um Klumpfüße, Gesichtsnerven-Anomalitäten und nicht vollständig ausgebildete Finger.

Ein Viertel der medikamentös induzierten Abtreibungen schlagen fehl und benötigen dringend eine medizinische Versorgung. Vor allem Abtreibungen, die nach der 7. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden, setzen das Leben der Mutter aufs Spiel.

Vgl. hierzu auch: Dr. E.Breburda: Neues Prostaglandinpräparat in Amerika zugelassen, 10. Juni 2011, Zenit

Dr. med. Edith Breburda DVM, PhD: http://scivias-publisher.blogspot.com/

Kardinal Meisners Verwirrspiel um die „Pille danach“: Alle Klarheiten beseitigt?

Es gibt keine „verbrecherische“ Befruchtung!

Die heißen Schlagzeilen über die heutige Stellungnahme von Kardinal Meisner überschlagen sich derzeit. Von „später Einsicht“ oder gar einem „sensationellen Kurswechsel“ ist die Rede; dem Kölner Erzbischof wird hierbei gnädig bescheinigt,  daß er endlich die Zeichen der Zeit erkannt habe etc.

Dabei hat der Kardinal in seiner „Erklärung  zur Pille danach“ durchaus nach wie vor jede Frühabtreibung (Nidationshemmung) grundsätzlich verworfen; er stellt aber infrage, ob die „Pille danach“ pauschal frühabtreibend wirkt, erwähnt „unterschiedliche Wirkprinzipien“ von „unterschiedlichen Präparaten“ und fügt an, hieraus ergäben sich „ethische Konsequenzen“.

Damit ist  –  bei genauer Betrachtung des Textes  –  zwar  festzuhalten, daß der Kölner Erzbischof die „Pille danach“ keineswegs  ohne weiteres pauschal akzeptiert, zumal von „unterschiedlichen“ Präparaten  und „Wirkprinzipien“ die Rede ist.

Gleichwohl ist seine Stellungnahme zum Teil hochgradig mißverständlich bis irreführend, erst recht in einer Mediengesellschaft wie der unsrigen, die solche verbalen Eiertänze in ihrem Sinne bzw. Unsinne ausschlachtet und noch weiter vergröbert  –  und eben dies hat der Kardinal zumindest in Kauf genommen, denn über die absehbaren Folgen seiner Äußerungen mußte er sich im klaren sein.

Dabei stellt Meisner grundsätzlich zu frühabtreibenden Mitteln zutreffend fest:   Embryo

„Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar, weil damit der befruchteten Eizelle, der der Schutz der Menschenwürde zukommt, die Lebensgrundlage aktiv entzogen wird.“

Daß die „Pille danach“ nicht automatisch und in jedem Falle frühabtreibend wirkt, ist schon deshalb von vornherein klar, weil die fruchtbaren Tage der Frau innerhalb des Monatszyklus begrenzt sind; daher kann bei einer Vergewaltigung zB.  dann keine Befruchtung stattfinden, wenn die Tat bzw. Untat in den zwei Wochen nach einer fruchtbaren Phase erfolgt. Natürlich ist ohne Empfängnis auch keine Frühabtreibung möglich.

Diese biologische Selbstverständlichkeit wird aber von Gegnern der „Pille danach“ ohnehin nicht bestritten. Logischerweise bewirkt die Einnahme einer „Pille danach“ in einer solchen Situation keine Frühabtreibung, weil zuvor keine Zeugung stattfand. Es liegt auf der Hand, daß nur etwas „abgetrieben“ bzw. vernichtet werden kann, was überhaupt vorhanden ist.

Zu den „verschiedenen Wirkprinzipien“ der Pille danach:

Die „Pille danach“ enthält mehrere Wirkmechanismen, doch hängt ihre frühabtreibende Wirkung weniger von verschiedenen Präparaten ab, wie der Kardinal nahelegt, sondern vor allem vom Zeitpunkt der Einnahme:

Die „Pille danach“ kann z.B. den Transport der bereits befruchteten Eizelle im Eileiter stören, dann stirbt der Embryo in den ersten Lebenstagen bzw. er „verhungert“ auf dem Weg zur Gebärmutter. Selbst wenn diese Wirkung nicht eintritt, wird danach die Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut verhindert.
 
Die „Pille danach“  kann unter bestimmten Bedingungen zwar die Befruchtung verhindern, wenn sie nämlich in der kurzen Zeitspanne zwischen dem Eisprung und der Vereinigung von Ei- und Samenzelle eingenommen wird (nach dem Eisprung ist die Eizelle nur 12 bis 18 Std. befruchtungsfähig). Selbst dann ist eine Empfängnis nicht sicher ausgeschlossen, so daß danach die frühabtreibende Wirkweise eintreten würde.

Nun gibt es seit vier Jahren eine neuere Variante der „Pille danach“, genannt EllaOne. Falls Kardinal Meisner daran dachte, als er die „empfängnisverhütende“ Wirkweise erwähnte, liegt er trotzdem nicht richtig:

Auch dieses Präparat enthält Substanzen, die das Geschlechtshormon Progestoron blockieren, das den Eisprung steuert und die Gebärmutterschleimhaut auf das Einnisten des Embryos vorbereitet.  Dadurch kann EllaOne beides verhindern: sowohl den Eisprung wie  die Nidation.  baby

Das bedeutet aber ebenfalls: Wird diese Pille zeitlich nach der Empfängnis eingenommen, blockiert sie die Implantation des Embryo in die Gebärmutter (Frühabtreibung). EllaOne erscheint in dieser Hinsicht eher noch bedenklicher als die ältere Variante mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, denn EllaOne enthält das Kunsthormon Ulipristal, das länger wirkt als Levonorgestrel.

Die bisher erhältlichen Präparate der „Pille danach“ können also alle eine bereits befruchtete Eizelle vernichten, sei es auf dem Weg über den Eileiter oder etwas später bei der Nidation.

Medizinisch ist klar: Wenn eine Befruchtung stattgefunden  h a t   und zur gleichen Zeit bzw. nachfolgend die „Pille danach“ eingenommen wird, wirkt sie nidationshemmend, also frühabtreibend: das Präparat verhindert die Einnistung des Embryos in die mütterliche Gebärmutterschleimhaut; die kleinste Erscheinungsform des Menschen stirbt also in den ersten sechs bis zehn Tagen seines Lebens.  Näheres dazu siehe hier.

Äußerst problematisch ist in der Erklärung des Kardinals aber auch folgende Aussage zum angeblich wünschenswerten Verhalten katholischer Krankenhäuser gegenüber vergewaltigungsbetroffenen Frauen:

„Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.“

Warum sollte eine katholische Klinik „Aufklärung“ über frühabtreibende Mittel und deren „Zugänglichkeit“  (!) betreiben?   –  Kann es etwa Aufgabe kirchlicher Einrichtungen sein, den „Zugang“ zu Abtreibungsmitteln und damit zur vorgeburtlichen Kindstötung aufzuzeigen?!

KRITIK an den „Erläuterungen“ der Pressestelle des Erzbistums:

Ergänzend zum Meisner-Text wurde heute eine Stellungnahme  mit „Erläuterungen“ durch die „Pressestelle des Erzbistums“ veröffentlicht.

Was dort zum „Besten“ gegeben wird, übertrifft das Verwirrspiel des Erzbischofs um weitere Steigerungen; zudem fällt auf, daß mehrere direkte oder indirekte Seitenhiebe gegen den Vatikan in diese zweite Erklärung hineingepackt wurden.

Gab es deshalb sonderbarerweise  z w e i   Stellungnahmen zum gleichen Thema „Pille danach“? – Läuft es nach der Devise: Die Sticheleien gegen Rom macht sich besser nicht der Herr Kardinal selber zu eigen, sondern seine Pressestelle?!

So heißt es dort gleich eingangs:

„Die Erklärung des Erzbischofs von Köln berücksichtigt neuere Erkenntnisse bezüglich der so genannten „Pille danach“. Sie betrifft nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne“).“

Hier wird nun  –   in diesem Zusammenhang völlig sachfremd  –   das Abtreibungs-Präparat RU 486 (Mifegyne) ins Spiel gebracht, das aber ohnehin kein Frühabtreibungsmittel ist, sondern vielmehr die Vernichtung des ungeborenen Kindes in den ersten neun Wochen bewirkt  –  insofern also schlicht eine chemische Methode der Abtreibung darstellt.

Anscheinend möchte man mit dieser merkwürdigen Argumentationsschiene den Eindruck erwecken, als verträte man wohl doch eine eindeutige Haltung gegen Frühabtreibung; dabei geht es bei RU 486 überhaupt nicht um diese Ebene.  –  Soll mit dem Hinweis auf RU 486 evtl. davon abgelenkt werden, daß man in puncto „Pille danach“ von einem klaren und konsequenten Lebensrechts-Standpunkt bereits abgekommen ist? Geht es hier wohl eher um die Aufrechterhaltung eines gewissen „frommen Scheins“?

Aufschlußreich ist überdies Folgendes:

Die vatikanische Instruktion „Dignitas Personae“  vom 8.9. 2008 nennt unter den  frühabtreibenden Mitteln bzw. „Interzeptiva“ ausdrücklich die Pille danach in der betreffenden Fußnote.

Dieser Sachverhalt wird in der Erklärung von Meisners Pressestelle durchaus eingeräumt und auch zitiert.  Zugleich wird unterstellt, die päpstliche Glaubenskongregation sei nicht so recht auf dem Laufenden und bedürfe daher wohl dringlich einer Kölner Nachhilfe:

„Die Grundsätze dieser Erklärung bleiben also weiterhin gültig, es muss allerdings offenbar eine Differenzierung bei der „Pille danach“ vorgenommen werden.“

Übrigens wird der Titel der Instruktion falsch zitiert („Dignitatis“ statt „Dignitas“)  –  nicht einmal das Zitieren römischer Dokumente ist korrekt, geschweige die Kritik daran.

Abschließend erwähnt die erzbischöfliche Pressestelle, es gehe beim Thema Vergewaltigung „um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung„. 

Wie kann bittschön eine Befruchtung „verbrecherisch“ sein?  –  Die Entstehung neuen menschlichen Lebens ist als solche nie verbrecherisch  –  und im Falle einer Vergewaltigung ist sicherlich der Täter verbrecherisch, nicht jedoch eine nachfolgende Empfängnis bzw. Befruchtung.

Wer nicht einmal das ABC der begrifflichen Logik einhält, sollte besser schweigen!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und des Christoferuswerks in Münster