Israel: David Lau und Yitzhak Josef sind die neuen Oberrabbiner der Juden

In Israel gibt es traditionell einen aschkenasischen und einen sephardischen Oberrabbiner, welche die jeweiligen Gemeinden vertreten; sie werden für jeweils zehn Jahre gewählt. Das Oberrabbinat ist die rechtliche und administrative Autorität in religiösen Angelegenheiten (z.B. Eheschließungen), die Juden in Israel betreffen.

Die Väter beider Kandidaten waren auch schon Oberrabbiner gewesen: David Lau (siehe Foto) setzte sich gegen den ebenfalls hoch gehandelten David Stav durch, betonte aber nach seiner Wahl die Einigkeit: „Ich glaube, wir können mit lieben und guten Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft eine vereinte Nation schaffen, und ich glaube, wir werden zusammenarbeiten.“

Wie sein aschkenasischer Kollege betonte auch der neue sephardische Oberrabbiner Josef
(siehe zweites Foto), er wolle Rabbiner des ganzen jüdischen Volkes sein.

In seinem Kommentar in Israel Hayom beschreibt heute der bekannte Journalist Dan Margalit die Entfremdung, die viele säkulare (weltliche, nichtreligiöse) Israelis gegenüber dem Oberrabbinat empfinden:

„Die Wahl der Rabbiner David Lau und Yitzhak Josef trägt nicht zwangsläufig eine Botschaft. Das Neue ist das Altbekannte, und das Alte erfüllte nicht die notwendigen Bedürfnisse im Verhältnis zwischen Säkularen und Religiösen. […] Die Säkularen stimmen mit den Füßen ab. Sie distanzieren sich und entwickeln ein unabhängiges System von Eheschließung und Scheidung.

Die Chancen, die Entfremdeten einzubinden, die nach einem Platz als Nicht-Religiöse in Recht und Gesetz verlangen, schwinden. Diese Menschen werden schlicht auf den Traum verzichten, dazu zu gehören und die israelische Gesellschaft wird sich weiter spalten. Die Form verlangt es, den Gewählten Erfolg zu wünschen. Doch die Form ersetzt nicht den Inhalt.“

Bereits vor der Wahl fragte die englischsprachige israelische Tageszeitung Jerusalem Post in ihrem Editorial nach den Ursprüngen des Oberrabbinats und der unerfüllten Vision Rav Kooks, des Gründers der Institution, der Religiöse und Säkulare versöhnen wollte.

Der Visionär Kook, der im Jahr 1935 starb, habe richtig vorhergesehen, dass die aufkeimende jüdische Gemeinschaft im Britischen Mandatsgebiet Palästina den Grundstein für die neu zu errichtende jüdische Souveränität im Land bilden würde.

Zugleich habe er den fehlenden Respekt vieler Juden gegenüber dem Rabbinat einerseits und die Zänkereien der verschiedenen religiösen Gruppen andererseits bedauert.

Kooks Vision, „das geistliche Wesen des Rabbinats wiederzubeleben“ und das Rabbinat zu einer „organisierenden Kraft“ zu machen, einer Kraft, die „den ganzen Prozess der Nationenbildung“ beeinflusst, habe sich leider nie verwirklicht.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin
Fotos: wikicommons