Verzweifelte Väter als Folge einer uferlosen „Selbstverwirklichung“ der Frau

Von Christa Meves

Obgleich ich aus Altersgründen keine psychotherapeutische Praxis mehr mache, landen bei mir per Telefon oder Mail weiterhin SOS-Rufe an. Und hier sind es nun nicht nur mehr die Fragen besorgter Mütter um das Verhalten ihrer Kinder, sondern neu sind es junge Männer, die mit sich selbst nicht mehr zurechtkommen. Und diese stecken häufig in der Porno-Falle fest.

Ebenfalls sind es immer öfter gestandene Familienväter, die von ihren Ehefrauen ohne Erbarmen vor die Tür gesetzt wurden. Diese Väter erleben nun oft voll Entsetzen eine sich einschleichende Entfremdung von ihren Kindern.

Dabei handelt es sich manchmal sogar weniger um solche Paare, die nach einer erst kurzen Ehe die Erfahrung gemacht haben, nicht zueinander zu passen, sondern im Gegenteil: Die Trennungen geschehen erst nach einer langen Spanne der Familienbildung. Es betrifft gewissermaßen weinende Väter, die es mit viel Verantwortungsbewusstsein zu einer guten Familienstruktur gebracht haben.

Diese Männer klagen dann vor allem über den desaströsen Zustand des gesetzlich geregelten Pendelns der Kinder zwischen den getrennt lebenden Eltern. Aber das Neue und Erstaunliche ist nun der so marode, ja oft verzweifelte Zustand dieser ratlosen Vatergruppierung.

Es sind meist nicht die, welche die familiäre Last abschütteln wie eine lästig gewordene Bürde, nein, es sind jetzt vor allem die besonders verantwortungsstarken Männer der in den 60er und 70er Jahren Geborenen. Es ist die Kategorie, die die Familie als eine wertvolle zentrale Aufgabe ihrer Lebenserfüllung verstanden hat.

Kürzlich bekundete einer von ihnen: 

„Meine einst so liebenswürdige Frau behandelt mich nun schon seit Jahren wie ein Stück Dreck. Sie nennt mich einen unbrauchbaren Waschlappen und das sogar immer wieder im Beisein der Kinder. Aber das tut ihnen nicht gut, das lässt sich bemerken. Die Jungen strafen mich schweigend mit Verachtung und die Mädchen oft mit unverschämten Bemerkungen. Sie lassen immer mehr jeden Respekt vermissen, ja, sie plappern die mütterliche Herabsetzung meiner Person geradezu nach.

Dass es dadurch für mich jeden Tag schwerer wird, für sie das tägliche Brot zu verdienen, tritt als Wert gar nicht mehr in ihr Bewusstsein. Eine einzige kleine Tochter habe ich, die so etwas wie Mitleid mit mir entwickelt. Wenn die Kinder bei mir sind, sagt sie mit Augenaufschlag: `Wenn ich 18 bin, ziehe ich zu Dir.` Und dann schaut sie mich dabei an, als wolle sie mich trösten. Ich fühle mich in meiner Familie jetzt wie in einer Art Sklavenrolle.“

Manche dieser Väter halten die dauernden Entwürdigungen nicht endlos durch. Die Kurzbesuche enden plötzlich mit einem emotionalen Ausbruch. Der Vater kippt bei seinen Kurzbesuchen den Kaffeetisch um, brüllt los, knallt mit den Türen, läuft davon. Womöglich hat er seiner Frau dabei einen Knuff versetzt. Nun hat er sich wirklich ins Unrecht gesetzt. Mancher Mann dieser Art sucht nun heimlich ein Refugium. Gelegentlich scheint das zunächst zu gelingen, bei einer stillen, sanften Geliebten, der er die unsäglichen, immer neuen Probleme erzählen kann. Aber das bleibt ein schuldbewusstes Provisorium, das neue Probleme aufwirft…

Die Kinder aber gehen dann nach der Pubertät ohne eine klare Orientierung auf die Suche nach neuer Heimat, nach haltgebendem Frieden – endlich einmal…

Aber ist es nicht sinnreich, sich endlich bewusst der Frage zu stellen: Wie hat es zu dieser Häufigkeit von zerstrittenen Familiensituationen kommen können?

Dann ist es nämlich möglich, zu erkennen, dass zu einem Großteil die Übertreibungen mit der sog. Selbstverwirklichung der Frau daran schuld sind. Gewiss ist es berechtigt, dass wir Frauen mit den Männern gleichberechtigt sind, wie es die Emanzipationsbewegung bereits vor dem ersten Weltkrieg auf den Weg gebracht hat.

Aber auf der Welle der 68er Revolte kam es nun subversiv zu einer übertriebenen Machtergreifung der Frau in ihrer familiären Position. Im Zuge dieser Stimmung wurde der Mann zu einem „nichtsnutzigen Ausbeuter“ degradiert und damit durch dauernde Herabsetzungen seiner Würde beraubt.

Aber wie die vielen Scheidungen und ihre Folgen beweisen, sägen Frauen, die sich in dieser Weise mit dem Zeitgeist verheiratet haben, an dem Ast, auf dem sie selbst sitzen. Immer mehr spielen die ihres Nestes beraubten Kinder geradezu verrückt. In der jungen Generation entsteht so nicht selten Heiratsscheu, häufig sogar auch eine fatale Minderung ihrer Leistungsfähigkeit.

Es wäre dringend an der Zeit, den jungen, immer seltener werdenden verlobten Paaren in einer gezielten Eheberatung zu vermitteln: Ihr Frauen, macht euch nicht zu Mitläufern dieses auf Zerstörung der Familie sinnenden Zeitgeistes!

Maßt euch nicht an, euren Ehemann beherrschen zu wollen, versteht ihn vielmehr als den ganz Anderen, als den auch anders Liebenden, der in Treue versucht, durch einen Brotberuf Verantwortung für seine Kinder, ja, auch für seine Frau zu tragen.

Es ist nicht Sinn der Ehe, dass der Mann zum Sklaven seiner Ehefrau degradiert wird. Er bedarf vielmehr der Anerkennung durch fröhliche Wertschätzung, durch die liebende Einstellung seiner Frau – was sich dann auch auf seine Kindern überträgt.

Nur so kann ein Vater für seine Kinder zum Vorbild werden, und das ist für ihre lebenslängliche seelische Gesundheit von hohem Belang. Wir brauchen, um Frieden und eine fröhliche Gemeinschaft in der Familie zu gewinnen, einen bewussten Umschwung dieser negativen Mann-Einstellung, um ihm zu der ihm zustehenden familiären Anerkennung zu verhelfen.

Durch eine solche Einstellungsänderung der Familienmutter kann neue Kraft entstehen, um dann auch bewusst gemeinsam all die Probleme anzugehen, die unser wirrer Zeitgeist ohnehin für die Familie aufwirft.

Die 93-jährige Christa Meves ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie gründete den Verein „Verantwortung für die Familie“: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

Unsere Gastautorin veröffentlichte ca. 120 Bücher mit einer Auflage von über sechs Millionen. 1985 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.


Trennung bzw. Scheidung: Wo bleibt die Würdigung der treubleibenden Ehepartner?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wie wird sich das päpstliche nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ auf das Eheverständnis der Katholiken auswirken? Die Interpretationen, die geschiedene Wiederverheiratete zum sakramenten Empfang zulassen wollen, füllen mittlerweile ganze Bände. gindert

Von denen, die nicht wieder heiraten, weil sie sich an das sakramentale Eheversprechen gebunden fühlen, spricht kaum jemand.

Bei denen, die in kirchlichen und säkularen Medien die Zulassung zu den Sakramenten fordern, geschieht dies häufig mit einem anklagenden Unterton über die unbarmherzige Kirche. Zu kurz kommt dabei die Frage nach der Wahrheit und Gerechtigkeit für beide Partner.

FOTO: Unser Autor leitet das „Forum deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben

Geschiedene Wiederverheiratete sind bei der heutigen hohen Scheidungsquote zu einem Massenphänomen geworden. Die Kirche ist herausgefordert und zu einem Wort der klaren Orientierung gezwungen, wenn sie nicht ihren Rang und ihre Hirtenaufgabe verlieren will.

Wenn die Kirche ihrem Auftrag treu bleiben will, muss dieser Hinweis im Einklang stehen mit dem Wort Christi und der ständigen Lehre der Kirche.

Die säkulare Welt sieht das ganz anders. Eine Ehe auf Lebenszeit wird dort, wo das Modell einer Lebensabschnittspartnerschaft favorisiert wird und Bindungen auf Dauer generell als Zumutung empfunden werden, als vorgestrig angesehen. Geschiedene, die keine „Zweitehe“ eingehen, weil sie sich an das Eheversprechen gebunden sehen, sind für säkulare Menschen heute eine Randerscheinung der Gesellschaft, die sich dem Verständnis entzieht. Sie stehen quer zum Mainstream. Sie sind kein Medienthema. Kann das aber auch für Kirche gelten?

Die Kirche spricht in der aktuellen Diskussion nicht mehr mit einer Zunge. Verunsicherung und gegensätzliche Meinung herrscht auch unter Bischöfen und Kardinälen. Sie überträgt sich zwangsläufig auch auf die Ebene der Pfarrer. Die Folge ist eine „faktische Spaltung“ (Guido Horst) der Kirche in dieser Frage. 120505416_B_Judy und Mike in der Kirche

Mittlerweile melden sich auch Konvertiten aus dem anglikanischen Bereich zu Wort. Denn für ihre Konversion zur katholischen Kirche war auch die katholische Ehelehre ein Motiv gewesen.

Wie sehen sich Katholiken, die geschieden wurden, aber bewusst nicht mehr geheiratet haben, in dieser verworrenen Situation? Für die Kirche müssten gerade sie ein Anliegen sein, weil sie in besonderem Maße Zuspruch, Ermutigung und Anerkennung brauchen. Wie empfinden jene, die „geschieden, aber treu geblieben“ sind, ihre Situation?

Dr. Rainer Beckmann drückt das so aus (Tagespost, 14.1.17, S. 15):

„Vor sieben Jahren hat sich meine Frau einem anderen Mann zugewandt und ist ausgezogen. Knapp drei Jahre später hat sie ihren neuen Partner standesamtlich geheiratet. Für mich war das – nach fast 25 Jahren Ehe – die größte Katastrophe meines Lebens…

Wer mit einem neuen Partner wie in einer Ehe zusammenlebt, bricht jeden Tag aufs Neue sein Treueversprechen gegenüber seinem sakramentalen Ehepartner. Das gilt auch für den am Scheitern der Ehe tatsächlich oder vermeintlich ‚unschuldigen‘ Ehepartner. Auch er ist gebunden, weil er es vor Gott – besiegelt im Sakrament der Ehe – versprochen hat… Für Christen kann es kein definitives und korrigierbares Scheitern geben.“

Ermutigen die deutschen Bischöfe Geschiedene, die an ihrer Ehe festhalten wollen, durchzuhalten?

Beckmann erinnert daran, was die deutschen Bischöfe für die Familiensynode angeregt haben, nämlich „zivilgeschiedene und wiederverheiratete Gläubige dann zum Sakrament der Buße und zur Kommunion zuzulassen, wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist, die Verbindlichkeiten aus dieser Ehe geklärt sind, die Schuld am Zerbrechen der ehelichen Lebensgemeinschaft bereut wurde und der aufrechte Wille besteht, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen“ („Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“, 16.4.2015, S. 14).

Dr. Beckmann begründet seine Haltung mit dem Satz „Christsein bedeutet für mich nicht primär das Fürwahrhalten einer Lehre, sondern tatsächlich gelebte Nachfolge“.


Bud Spencer: Schauspieler, katholischer Familienvater und Lebensrechtler verstorben

Sein letztes Wort war DANKE

Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, war ein gläubiger Katholik. Der 1929 in Neapel geborene Filmstar starb am vergangenen Montag im Alter von 86 Jahr en. Sein Sohn Giuseppe überbrachte die Nachricht von seinem Tod: „Papa ist sanft von uns gegangen. Er hat nicht gelitten, wir waren alle bei ihm und sein letztes Wort war ‚Danke‘.“afc127c26a

Und er ging, wie er lebte: im Beisein seiner Familie, begleitet von seiner Frau Maria Amato, mit der er 56 Jahre verheiratet war  – und seinen drei Kindern. Ein Mensch, der sich nicht scheute, klare Überzeugungen zu äußern: „Der Glaube ist ein Dogma für mich, ein absoluter Wert.“

Auch in sittlicher Hinsicht vertrat er eindeutige Ansichten: „Als Katholik bin ich überzeugt, dass Abtreibung und Scheidung die Familie zerstört haben“, erklärte er in einem Interview.

Der Filmstar füllte mit Terence Hill die Kinokassen der halben Welt mit seiner besonderen Komik des Spaghetti-Westerns.

Bevor Spencer jedoch zum Kino kam, feierte er zahlreiche Erfolge als Schwimmer. Er nahm an den Olympischen Spielen in Helsinki 1952 teil und an jenen in Melbourne 1956; als Wasserballspieler gewann er bei den Mittelmeerspielen 1955 in Barcelona Gold für Italien und war sieben Mal italienischer Meister über 100-Meter-Freistil.

Er hatte Jura studiert und sprach sechs Sprachen. Nachdem er die Kinoarbeit beendet hatte, startete er unterschiedliche unternehmerische Tätigkeiten, darunter die Gründung einer Fluglinie Mistral Air, die heute Teil der italienischen Post ist  – oder der Entwurf einer Jeans-Kollektion.

Spencer war ein Mann ohne Komplexe –  und zudem fähig, seine Körpergröße und seinen Faustschlag mit dem Bild von Gutmütigkeit und Zärtlichkeit zu verbinden.

Quelle und vollständiger Text hier: http://de.catholicnewsagency.com/story/das-war-bud-spencer-katholik-und-lebensschutzer-0927


Viele Medien versuchen, den Abschlußbericht von Papst Franziskus vorweg zu nehmen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am Ende der römischen Bischofssynode zu Ehe und Familie gab es ein Medienecho, in dem sich Enttäuschung, ja Verärgerung ausdrückten. „Viel Lärm um nichts“ – „Die Bischofssynode zeigt, dass die katholische Kirche auf der Stelle tritt“ (Augsburger Allgemeine Zeitung vom 23.10.2015). 0000009699_3

Warum diese Verärgerung?  – Das Ergebnis der Beratungen entsprach nicht den Erwartungen der Medien zur Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion, zur Aufwertung homosexueller Partnerschaften etc.  – Sätze im gleichen Artikel wie „Die Bewahrer haben sich durchgesetzt“, „Die von Franziskus und den Reformern erhofften Öffnungen auf der Synode blieben aus“, „Die katholische Kirche ist heute etwa so klug wie vor zwei Jahren“ unterstreichen diesen Frust.

BILD: Prof. Gindert leitet den jährlichen Kongreß „Freude am Glauben“

Nun liegt das angekündigte Abschlussdokument von Papst Franziskus noch nicht vor, das Aufschluss bringen wird, was z.B. „Barmherzigkeit“ oder „Dezentralisierung“ für die strittigen Fragen konkret bedeuten.

Die Spannung und die Unsicherheit sind groß  – siehe Medienüberschriften wie „Alle blicken auf Franziskus“ (AZ 22.10.15), „Alle warten auf den Papst“ – „nach der Familiensynode im Vatikan fragen sich zahlreiche Katholiken, wie es nun weitergeht: Das aber muss Franziskus entscheiden“ oder „Der Vorhang zu – und alle Fragen offen“ – „Starker Mediendruck von außen“ (Tagespost 24.10.15).

Guido Horst schreibt dazu:

„Noch unklarer ist, welcher Art der mediale Druck war, der auf der Synode lastete – und wer diesen Druck ausüben wollte. Von Anfang an konnte die Bischofsversammlung nicht unbeschwert arbeiten, sondern wurde – anscheinend nach einem genauen Zeitplan – von der internationalen Presse auf Nebengleise geführt. Auch Kardinäle, Ortsbischöfe oder interessierte Gläubige lesen säkulare Medien und erhielten ein verzerrtes Bild.“

Warum dieser Mediendruck? Es ging um die Interpretationshoheit über das Geschehen. Der Medienexperte Professor Norbert Bolz äußerte einmal: „Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man… es geht… nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Sensation… es geht um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen“ (vgl. Die Tagespost, 14.3.2013, S. 11).

Medien wollen Kirchenpolitik beeinflussen

Den Medien geht es aber nicht nur um Sensationen und Unterhaltung des Publikums, sondern auch um handfeste Kirchenpolitik. Denn die katholische Kirche ist das letzte Bollwerk, das einer schrankenlosen Selbstbestimmung im Wege steht. Sie soll deswegen auf das Niveau jener kirchlichen Gemeinschaften eingeebnet werden, die alles absegnen.

Deswegen warten die Medien nicht auf das Abschlussdokument des Papstes. Sie suchen es vorweg zu nehmen und den Boden für das aufzubereiten, was kommen soll. Zu diesem Zweck werden Bischöfe, Theologieprofessoren, Pfarrer und prominente Laien aufgeboten.

Kardinal Marx erklärte zur Synode: „Der Text öffnet Türen“. Was gemeint ist, hat Marx oft genug geäußert, bis hin zur Ankündigung eines nationalen Sonderwegs. Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff: „Ich bin sicher, dass der Abschlussbericht des Papstes die Deutlichkeit enthalten wird, die Manche jetzt noch vermissen“. Schockenhoff weiter: „Die Synode habe die in einigen deutschen Kirchengemeinden übliche Praxis bestätigt, wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen nicht mehr von der Kommunion auszuschließen. ‚Das was sich bisher als bewährte Praxis gezeigt hat, kann gestärkt weitergehen‘“ (Konradsblatt Nr. 44/2015).

Aus der Diözese Augsburg kommen Dekan Helmut Haug zu Wort: Er hätte sich eine deutlichere Festlegung gewünscht, dass Wiederverheiratete, „die womöglich seit Jahrzehnten eine gute Ehe führen… wieder vollwertige Mitglieder der Kirche werden können“ (AZ vom 29.10.15).  –  Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer, der sich in der reformorientierten Priesterinitiative Augsburg engagiert, äußerte: „Ich gehe davon aus, dass eine Dezentralisierung kommen wird… wir brauchen ein offenes Gespräch… mit Menschen in unterschiedlichen Lebens- und Familiensituationen“.

Pfarrer Karl Feser, Sprecher der „Pfarrer-Initiative Deutschland“ aus dem Bistum Würzburg stellt fest: „Zahlreiche Pfarrer lassen Wiederverheiratete nach Gesprächen zur Kommunion zu“. Er sei nur einer von vielen (AZ vom 29.10.15). Hildegard Schütz, die Vorsitzende des Diözesanrates im Bistum Augsburg, Leiterin einer kirchlichen Schule, spricht sich ebenfalls für die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zu Kommunion aus.

Von der Dezentralisierung zur Kirchenspaltung?

Kann die strapazierte „Dezentralisierung“ der Kirche in wichtigen Fragen der kirchlichen Lehre zu einer Kirchenspaltung führen? Dazu äußerte sich Professor Stephan Haering. Er hat den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Universität in München inne. Haering sagte in einem Interview mit der AZ (5.11.15) zur Dezentralisierung: „Den Bischofskonferenzen und Ortsbischöfen sollen spezifische Kompetenzen übertragen werden. Dazu liegen aber noch keine konkreten Ergebnisse vor im Sinne neuer kirchenrechtlicher Regelungen oder gar neuer Lehraussagen“.

Auf die Frage, ob die Deutsche Bischofskonferenz dann künftig entscheiden könne, wiederverheiratet Geschiedene zu Kommunion zuzulassen, äußerte Haering: „Der Grundsatz wird schon immer bleiben, dass das, was von der übergeordneten Rechtsinstanz geregelt ist von der untergeordneten Rechtsinstanz beachtet werden muss. In Sachen des Glaubens muss die Einheit der Kirche gewahrt werden“.

Und weiter: „Eine Aufspaltung der Kirchenlehre ist… sicher nicht möglich. Was den Bereich von Glaube und Sitte betrifft, wird die Doktrin auf jeden Fall einheitlich bleiben… ein Bischof könnte, das wäre denkbar, einzelne wiederverheiratete Geschiedene nach einer sorgfältigen Prüfung ihres Falles wieder förmlich zur Kommunion zulassen, im Rahmen der Bedingungen des geltenden apostolischen Schreibens ‚Familiaris Consortio‘“. Dieses Schreiben von Johannes Paul II. vom 25.10.1980 lässt eine solche Möglichkeit nur zu, wenn die beiden Partner „sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, d.h., sich der Akte zu enthalten, welche den Eheleuten vorbehalten sind“.

Der Papst steht nicht über der kirchlichen Lehre

Artikelüberschriften wie „Alle blicken auf Franziskus“ (AZ vom 29.10.15) suggerieren bei manchen die Vorstellung, der Papst könne alles nach seinem Gusto regeln. Dem ist aber nicht so. Der Papst steht nicht über der Lehre der Kirche. Er dient ihr. Papst Franziskus hat das schon oft betont.

So müssen wir noch einmal fragen, was würde es bedeuten, wenn eine gültig geschlossene Ehe nicht mehr als solche gelten würde und geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen würden? Der Philosoph Robert Spaemann sagt in der Schrift „Ehescheidung und Kommunion“, erschienen im Gringnion-Verlag: „Was nun die eheliche Gemeinschaft betrifft, so ist die katholische Kirche die einzige Institution der Welt, die das vor Gott gegebene Versprechen ernst nimmt… dazu gehört eine Einstellung zum Leben, die die Bereitschaft zum Opfer einschließt. (S.6)“.

Spaemann fragt: „Ist die Kirche im Begriff zu kapitulieren?“ (S.8). „Die zur Zeit in der katholischen Kirche diskutierte Frage ist: Kann der geschieden Wiederverheiratete zur heiligen Kommunion zugelassen werden?  – und: Kann die Kirche für das neue Paar einen Segnungsgottesdienst einführen?… Es würde bedeuten, dass der Standesbeamte eine schwere Sünde – den außerehelichen Beischlaf – in eine Gott gefällige Handlung verwandelt, auf die ein Priester den Segen Gottes herabrufen darf (S.10)

Nun möchten die Promotoren der Vergebung als Bedingung der eucharistischen Gemeinschaft Schuldbekenntnis und Reue verlangen, nicht aber das Einzige, was Bekenntnis und Reue glaubwürdig macht, die Beendigung des ehebrecherischen Verhältnisses (S.11)… Der Ehebrecher möchte gerne wieder zur Kommunion. Er ist bereit, ein Schuldbekenntnis abzulegen, nicht aber den Preis zu zahlen: künftige Enthaltsamkeit“ (S.15)

Vor allem Kinder tragen die Last einer Scheidung

Es wird auch geltend gemacht, dass in zweiten Beziehungen auch sittliche Werte verwirklicht werden. Was ist die Treue zum Komplizen im Ehebruch wert, wenn jeder Akt der Treue zugleich ein Akt der Untreue gegen den rechtmäßigen Ehepartner ist? – Auch in der Mafia werden Haltungen und Handlungsweisen hochgehalten, die für sich genommen Tugenden wären, z.B. Treue, Zuverlässigkeit, Einstehen für den Anderen, interne Gerechtigkeit, Mut (S.18)

Wer das Anomale, das Unnatürliche der Scheidung und Wiederverheiratung am unmittelbarsten erlebt, sind die Kinder. Von ihnen sollte deshalb eigentlich vor allem die Rede sein… und sie sind auch bei Scheidungen die Haupttragenden. Aber auch der verlassene Teil scheint, wo es um diese Fragen geht, viel weniger der Aufmerksamkeit wert als der ‚Täter‘“ (S.20).

Die oft gehörte Behauptung, dass geschiedene Wiederverheiratete wegen ihrer Sünde nicht mehr Mitglied der kirchlichen Gemeinschaft wären, stimmt nicht. Wäre dem so, dann wären alle ausgeschlossen, weil alle Sünder sind. Worum es tatsächlich bei der Synode ging, war, um es mit Robert Spaemann zu sagen, „dass die Schönheit der Botschaft des Evangeliums erneut zum Leuchten gebracht wird“.

Unser Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, ist Herausgeber der kath. Zeitschrift DER FELS und Leiter des Dachverbands „Forum Deutscher Katholiken“


Zum Auftakt der Familiensynode: Die heutige liturgische Evangelienlesung über die Ehe

Die (seit Jahrzehnten festgelegte) Lesung der katholischen Kirche zum heutigen Sonntag nach Mk 10,2-16:

Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
Er antwortete ihnen: Was hat euch Moses vorgeschrieben? DSC05485
Sie sagten: Moses hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses gestattet.
Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe.  Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.

 


Immer mehr Nomadenkinder im Zug

Immer mehr Scheidungskinder, das bedeutet faktisch: Immer mehr Kinder auf Reisen. Am Wochenende sitzen sie in den Zügen der Bahn und reisen zum geschiedenen Elternteil. Scannen0001 (22)

„Nomadenkinder“ nennt sie der Autor Michael Thiel, der sich in einem Artikel mit dem zunehmenden Phänomen beschäftigt und mit einer Reisebegleiterin der Deutschen Bahn gesprochen hat, die diese oft nicht mal 10-jährigen Kinder in der Bahn betreut, wenn sie alleine durchs Land reisen. Sein Fazit: „Das tut ihnen nicht gut“.

Lesen Sie den eher traurigen Bericht unter diesem Link.

Quelle: Birgit Kelle (Newsletter)


Die Liebe im Spannungsfeld von Glücks-Sehnsucht und Alltags-Streß

Von Prof. Dr. Albert Wunsch
albert_wunsch

Ja, der Traum von der ewig jungen Liebe hat immer Konjunktur. Selbst Wirtschaftskrisen lassen die Schmetterlinge in den Bäuchen von Verliebten nicht in die Depression geraten.

Sie tummeln sich unbeschwert – abseits von politischen Krisen und finanzieller Ebbe – und fahren Zusatz-Schichten beim Produzieren ihres sattsam bekannten Kribbel-Gefühls. So können selbst düsterste Euro-Perspektiven das Glück wahrhaft Liebender kaum trüben.

Gesellschaftliche Krisen steigern geradezu die Sehnsucht nach einer intakten oder gar heilen Welt. Denn wenn schon unser Erspartes keine Zinsen mehr bringt und auch der Arbeitsplatz unsicher ist, dann sollen wenigstens glückliche Beziehungen ein Hort der Geborgenheit und Sicherheit sein, unseren Sehnsüchten und Hoffnungen eine Zuflucht ermöglichen.

So schaffen lebendige und stabile Partnerschaften eine solide Basis, um finanzielle Beeinträchtigungen, berufliche Rückschläge, heimtückische Krankheiten oder sonstige Schicksalsschläge zuversichtlicher tragen oder ecropped-ZIM_5640rtragen zu können.

Wenn Sie – vielleicht als Kind oder Jugendlicher – die Möglichkeit hatten, Berichten von Großeltern oder anderen Zeitzeugen aus der Kriegs- bzw. Nachkriegs-Generation lauschen zu können, dann werden solche Zusammenhänge ganz konkret spürbar. 

So berichtete mir eine 90-Jährige: „Wenn unser Glaube an unsere eheliche Treue nicht so groß gewesen wäre, wir nicht in der Zuversicht unserer tiefen Liebe gelebt hätten, woher hätten wir die Kraft nehmen sollen, selbst nach der zweiten Ausbombung in einem völlig zerstörten Köln die Hoffung auf eine bessere Zukunft nicht aufzugeben?“

Und ich gehe davon aus, dass ganz viele Menschen dies ähnlich erlebt haben. Das so genannte Wirtschaftswunder ist auf diesem Hintergrund eigentlich ganz nüchtern betrachtet eine Groß-Demonstration der Lebenserfahrung: „Kraft wächst aus der Hoffnung auf bessere Zeiten, und stabile Weg-Gemeinschaften sind der Nährboden für starke und zufriedene Partnerschaften, welche somit die größte Aussicht auf den angestrebten Lebens-Erfolg bieten.“

In ‚Sonntagsreden’ wird gern herausgestellt, dass „Partnerschaft und Familie“ des Deutschen höchstes Gut seien. Auch Meinungsforscher belegen kontinuierlich diese Einschätzung.

Wenn dem so ist, kann es sich bei den hohen Ehescheidungszahlen und den vielen Beziehungsbrüchen unverheirateter Paare nur um ein nicht gewolltes oder allenfalls fahrlässig herbeigeführtes Desaster handeln. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass zu viele Männer und Frauen mit recht naiven Vorstellungen oder mangelhaften Voraussetzungen ins Beziehungsleben starten. BILD0235

Ungeübtheit in gelingender Kommunikation, zu geringe Kenntnisse über wichtige Voraussetzungen für ein ausgeglichenes Paar- und Familienleben, ein zu schwach ausgeprägtes gebendes und hörendes ICH verurteilen solche Beziehungen zum Scheitern.

Ein Blick ins persönliche Umfeld offenbart: Immer mehr Paare, welche mit hoffnungsvollen Erwartungen ihre Lebensgemeinschaft begonnen haben, geraten zu schnell in beträchtliche Turbulenzen. Häufig wird dann in einer Trennung der einzige Ausweg gesehen. Nicht selten geschieht dies nach der Maxime: „Erst heiß begehrt, dann kalt abserviert.“

In nahezu der Hälfte aller Scheidungen bzw.Trennungen sind jedoch nicht nur die Partner selbst, sondern auch ihre Kinder betroffen, wenn getrennt wird, was einmal zusammengehörte. Würden die Paare vorher überblicken, dass der ins Visier genommene Abbruch einer Beziehung oft der Beginn von jahrelangen, häufig auch juristischen Auseinandersetzungen, Demütigungen, finanziellen Belastungen und beträchtlichen psychosomatischen Langzeit-Beeinträchtigungen ist, würden viele sicher anders handeln.

„Wir haben es nicht geschafft, unsere Ehe lebendig zu halten. Als Eltern lief unser Motor meist auf Hochtouren und wir funktionierten prächtig, aber als Paar haben wir zu wenig auf Pausen der Zweisamkeit geachtet und manch notwendigen Boxenstopp oder Ölwechsel aus dem Blickfeld verloren. Das sehe ich heute ganz klar, aber es dauerte lange, bis mir das klar wurde“, so eine End-Dreißigerin in einem Beratungsgespräch. Und sie ergänzt: „Ich werfe dies meinem Ex-Mann nicht vor, wir haben uns in der Geschäftigkeit des Alltags verloren und es viel zu spät bemerkt.“IMG_1468 (2)

Auf dem Hintergrund meiner langjährigen Tätigkeit in der Paarberatung komme ich zu dem Ergebnis, dass fast 80% der Paare, welche auseinandergehen, dies bei besseren Voraussetzungen und regelmäßigerer Selbstkontrolle hätten vermeiden können.

In Krisen wegzulaufen oder möglichst schnell in den Armen eines/einer Neuen abzutauchen und die Gründe für das Scheitern nicht aufzuarbeiten, ist mehr als naiv. Es ist immer wieder neu faszinierend, wenn ein kleines Kind mitten in einem Raum stehend die Augen schließt und in altersgemäßer Unbekümmertheit fragt: „Wo bin ich?“

Aber wem nützt es, wenn nach Jahren Erwachsene so vor selbst verursachten Realitäten die Augen verschließen?

Egal, wo in den jeweiligen Partnerschaften ein Verbesserungsbedarf erkennbar wird – ignorieren Paare diese Zusammenhänge und schaffen sich nicht regelmäßig kleine oder größere Aus-Zeiten, um in Intensität miteinander emotional, geistig und körperlich das Leben zu teilen, wird dies auf Dauer zur Ent-Zweiung führen.

Denn die Energie-Stärke eines Paares bzw. einer Familie ist neben einem gesunden und förderlichen Lebenswandel sowie erfüllend-herausfordernden Aufgaben auch von systematischer und sorgfältiger Pflege abhängig. Diese Erkenntnis ist eine ultimative Botschaft, weil das Zerbrechen von Partnerschaften kein Naturgesetz ist!

Zum Autor:

Dr. Albert Wunsch ist Psychologe, Diplom Sozialpädagoge, Diplom Pädagoge und promovierter Erziehungswissenschaftler. Bevor er 2004 eine Lehrtätigkeit an der Katholischen Hochschule NRW in Köln (Bereich Sozialwesen) begann, leitete er ca. 25 Jahre das Katholische Jugendamt in Neuss.

Im Jahre 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen / Neuss. Außerdem hat er seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von 2 Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern und lebt in Neuss-Schlicherum.

Seine Bücher: Die Verwöhnungsfalle (auch in Korea und China erschienen), Abschied von der Spaßpädagogik, Boxenstopp für Paare und: Mit mehr Selbst zum stabilen ICH – Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung; diese Werke lösten ein starkes Medienecho aus und machten Prof. Wunsch im deutschen Sprachbereich sehr bekannt.

Weitere Infos: www.albert-wunsch.de