Münster: Theologe übt Kritik am „Schlemmermahl“ in der Erpho-Kirche

Andreas Grochtmann, Theologe und Küster aus Münster, hat sich gegen ein Luxusmenü geäußert, das in der Erpho-Pfarrei mitten im Gotteshaus stattgefunden hat.

Unser FOTO zeigt, daß die Kirchenbänke herausgestellt und stattdessen Tische und Stühle platziert wurden  –  und alles passend für ein „Schlemmermahl“ hergerichtet war. 

Die „Westfälischen Nachrichten“ zitierten aus Grochtmanns Kritik am 3. März 2016 (Titel: „Schlemmerei bringt Ärger“). Darauf reagierte der Katholik mit einer Leserzuschrift, die am 9. März 2016 gekürzt in der Zeitung abgedruckt wurde. Wir veröffentlichen hier den vollen Wortlaut der Stellungnahme von Andreas Grochtmann:  imm027_26 - Kopie

„Es ist erfreulich, dass Ihr Bericht sachbezogen auch über die Kritik an dem kürzlichen „Schlemmermahl“ in der Münsteraner Erpho-Kirche informiert und dabei aus meiner Stellungnahme zitiert.

Es trifft zu, dass bei diesem Thema unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen. Ich bezweifle keineswegs, dass Pastor Andreas Fink das „Schlemmer-Mahl“ nicht etwa deshalb veranstaltet hat, um damit zu provozieren. Sicherlich gibt es, wie er sagt, unterschiedliche Auslegungen in 2000 Jahren Kirchengeschichte.

Aber so wie kein Fußballspiel  –  ob bei den Münsteraner Preußen, bei Arminia Bielefeld oder beim Hamburger Sportverein  –  ohne klare Regeln auskommt, so ist dies in der römisch-katholischen Kirche ähnlich. Daher hat das Kirchenrecht mit seinen Regeln und Vorschriften einen guten Zweck, denn es will den Glauben und die Gläubigen schützen und der größeren Ehre Gottes dienen.

Die Erpho-Kirche ist ein Haus Gottes und kein Restaurant. Was die Gastronomie anbelangt, so gibt es Münster weitaus geeignetere Orte, um ein „Schlemmermahl“ zu veranstalten. Wenn dergleichen in einem sakralen Raum stattfindet, wird die Heiligkeit dieser Stätte entweiht.

Jedes  Gotteshaus ist nach katholischen Verständnis selbst durch eine besondere Kirchweihe jeder unpassenden Nutzung entzogen und allein für Gebet, Liturgie, Sakramente und Gottesdienst bestimmt.

Darüber hinaus gilt: Wenn Papst Franziskus unermüdlich  von einer „Kirche der Armen“ spricht, so befremdet mich diese Schlemmerei für 50 Euro umso mehr. Mit einer Speisung von Armen im Pfarrsaal hätte man weitaus mehr an Glaubwürdigkeit gewonnen, als mit diesem opulenten Vier-Gänge-Menü.

In der Heiligen Schrift wird uns ein großartiges Verständnis vom Menschen als Ebenbild des lebendigen Gottes und Krone der Schöpfung offenbart. Wenn im Rahmen der Ausstellung „Von wegen Paradies“ , das den Rahmen für das „Schlemmermahl“ bildet, eine geweihte Kirche mit Müll verschandelt wird, dann sind wir tatsächlich  –  wie es in einem Schlager heißt  –  in unserem Denken und Handeln „jenseits von Eden“.

Die Kirche soll die Menschen aber zu Gott führen – und dazu gehört auch die Ehrfurcht vor dem Höchsten.“

 


Münster: Das Schlemmermahl in der Erpho-Kirche entweiht diese heilige Stätte

In der katholischen Zeitung „Tagespost“ wurde in der vorigen Woche ein Leserbrief von Andreas Grochtmann veröffentlicht. Der Diplom-Theologe und gelernte Küster aus Münster befaßt sich kritisch mit dem Schlemmermahl, das am vergangenen Sonntag in der Erpho-Kirche (Münster-Innenstadt) veranstaltet wurde  –  siehe hierzu unser Bericht: https://charismatismus.wordpress.com/2016/02/28/muenster-katholische-erpho-pfarrei-bietet-luxusmahl-im-gotteshaus/

Hier folgt ergänzend dazu die Stellungnahme Grochtmanns zu diesem Thema:

„In den Pfarrnachrichten der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Mauritz stieß ich auf eine Einladung „der besonderen Art“. Die Großgemeinde im Osten von Münster setzt sich aus mehreren Kirchorten mit ihren jeweiligen Kirchen zusammen.   chrkn

Am Sonntag den 28. Februar wird dort zu einem Verwöhn – Menü „Paradiesisch schlemmen“ eingeladen. Ich konnte dieser Einladung ferner entnehmen, dass es sich um ein 4 Gänge Menü mit „begleitenden Weinen“ handelt. Das Catering übernimmt eine Weinhandlung. Kostenpunkt 50 Euro pro Person. Um persönliche Anmeldung per Telefon wird gebeten.

Einige kurze Anmerkungen zur theologischen Einordnung. Nach katholischem Kirchenverständnis ist die Kirche das Herzstück der Gemeinde. Die Kirche ist ein Gott geweihter Raum und damit auch ein heiliger Ort. Als sakraler (heiliger) Raum grenzt er sich so ganz bewusst vom profanen (weltlichen) Räumen ab. In liturgischen Handlungen (z. B. Gottesdiensten) dient Gott zunächst und vor allen Dingen den Menschen. Die Antwort des Menschen ist der Lobpreis Gottes, die Danksagung für die eigene Existenz, das pure Leben, ein Dach über den Kopf und noch vieles mehr…

Als praktizierender Katholik bin ich über diese Veranstaltung entsetzt und erschüttert! Solche Events haben in einer Kirche nichts zu suchen.

Wenn in einer Gott geweihten katholischen Kirche solch ein opulentes „Mahl mit Weinausschank“ stattfindet, das ja gut andernorts seinen Platz haben kann, wird dieser Heilige Ort entweiht. Falls diese Veranstaltung nicht doch noch kurzfristig abgesagt wird, möchte ich an dieser Stelle alle Christen guten Willens einladen, diese Veranstaltung zu meiden. Um der Ehre Gottes willen, zur Bewahrung unseres Gespürs für Seine Heiligkeit und Seine außergewöhnliche Liebe zu uns.“


Münster: Katholische Erpho-Pfarrei bietet Luxusmahl im Gotteshaus

Motto: „Paradiesisch schlemmen in der Kirche“

Während ich diese Zeilen schreibe, findet wenige Kilometer entfernt in der katholischen Erpho-Gemeinde in Münster eine Attraktion der besonderen (Un-)Art statt, nämlich ein Festessen in vier Gängen mit viel Wein und Musik für sage und schreibe 50 Euro. Scannen0002Dazu eingeladen hatte die übergeordnete Mauritz-Pfarrei sowie die Erpho-Ortsgemeinde.

Um 18 Uhr begann die Schlemmerei, doch schon Stunden vorher waren lange Tische derart nobel gedeckt, als handle es sich um ein 5-Sterne-Hotel. Eingeladen wurde im Pfarrei-Prospekt zu diesem „genußvollen Abend“ unter dem Leitwort: „Paradiesisch schlemmen in der Kirche  – ein Verwöhnmenü.“

Ausgerechnet die örtliche KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung)  –  sonst doch angeblich so gerne für die „kleinen Leute“ engagiert  –  betrieb reichlich Reklame für diesen Luxusschmaus.

Mit einigen Freunden  –  darunter den Leiterinnen des Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster  –  schauten wir uns die Verhältnisse in der Erhpo-Kirche an, zumal dort seit dem 14. Februar auch eine Ausstellung mit Werken von 60 Künstlern läuft, die uns ebenfalls teils sehr seltsam erscheinen.

Oder soll man es für sinnvoll, geschweige für geschmackvoll halten, wenn sich z.B. mitten in der Seitenkapelle dieses Gotteshauses eine riesige Müllansammlung befindet?  –  Die riesigen weißen Bauschutt-Klötze in Altarnähe sind für ein Gotteshaus ebenfalls sehr gewöhnungsbedürtig. – Das wohl etwas ironisch gemeinte Ausstellungs-Motto „Von wegen Paradies“ trifft auf diese „Action“ genau zu. 

BILDER: Werbe-Postkarten der Kirchen-Ausstellung in der Erpho-Gemeinde MünsterScannen0002 - Kopie

Falls hier „Künstler“ auf das Problem der Umweltverschmutzung hinweisen wollten, wäre der Pfarrgarten als Besichtigungsgelände wohl das kleinere Übel  –  oder wenigstens das Pfarrheim,  nicht jedoch die geweihten Räume einer Kirche. Ähnlich seltsam war ein Gemälde am Kircheneingang mit einer Frau in Evas Kostüm (also splitternackt), die von einigen gierigen Männern „gefangen“ wird.

Im Jahre 2012 fand hier ebenfalls eine Kunstausstellung statt, die noch weitaus gewagtere Stücke enthielt. Besonders skandalös waren einige Gemälde, bei denen direkt auf Blättern von Kirchenliedern und liturgischen Texten entblößte Frauenkörper bzw. nackte Männer ohne Kopf zu sehen waren, deren Genital in allen Details und auffallend abgebildet wurde.

Um 17 Uhr wurden wir von zwei Veranstaltern energisch zum Verlassen der Kirche aufgefordert, selbst als einige von uns betend vor dem Tabernakel knieten, weil sie für diese Verunehrungen und Sakrilegien Sühne leisten wollten. Die Besichtigungszeit sei definitiv zu Ende, wurde uns vorgehalten, ja sogar mit der Polizei gedroht, falls wir nicht sofort gehen.

Vermutlich begannen schon bald die Vorbereitungen für das Vier-Gänge-Menü.

Meine Freunde und ich kamen mit etlichen Kirchen- und Ausstellungsbesuchern ins Gespräch, wobei es durchaus einige gab, die sich ebenfalls skeptisch äußerten. Andere gaben sich neutral bzw. unschlüssig („Man muß erst abwarten, welche Hintergründe diese Darstellungen wohl haben“)   – oder sie verteidigten sowohl den Müllberg in der Kapelle wie auch das Luxusmenü im Kirchenraum ohne Wenn und Aber.

Noch heute Vormittag fand eine hl. Messe in diesem Gotteshaus statt – auch das Ewige Licht am Tabernakel brannte und zeigte so die eucharistische Gegenwart unseres HERRN an. Umso befremdlicher, daß in diesem Gotteshaus alle Kirchenbänke entfernt wurden  – und stattdessen ein Schlemmermahl stattfindet, als handle es sich um ein Gasthaus!

Grundsätzliche Argumente gegen derartige“Attraktionen“ in der Kirche siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/02/28/ein-gotteshaus-ist-keine-passende-staette-fuer-gastmaehler-und-weltliche-aktivitaeten/