Wir trauern um unsere Freundin und ehrenamtliche MITarbeiterin Ursula Reinsch

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag, den 27. August 2016, ist unsere liebe KOMM-MIT-Freundin und ehrenamtliche Helferin Ursula Reinsch im gesegneten Alter von 90 Jahre verstorben. Die traurige Nachricht traf mich heute Vormittag ziemlich überraschend, wenngleich „unsere Ursel“ bereits schwerkrank war und in diesem Jahr mehrfach in der Klinik lag (auch vor drei Wochen war es wieder soweit).  Scannen0001 - Kopie - Kopie - Kopie

Als ich Ursula vor zwei Tagen im Klarastift besuchte, konnte sie noch kurze Worte sprechen, wenngleich sie schon recht müde wirkte, was ich vor allem auf das schwüle Wetter zurückführte.

Wir haben gemeinsam für einen älteren Freund, der zur Zeit im Krankenhaus liegt, gebetet. Besonders schön fand es Ursel immer, wenn ich ihr Psalmen, geistliche Hymnen oder klassische Gedichte vorlas. Gestern schien sie vormittags und nachmittags im Tiefschlaf zu sein, so daß ich sie nicht wecken wollte, doch rechnete ich nicht mit einem solch schnellen Heimgang in die Ewigkeit.

Ursula Reinsch und ich können seit Jahrzehnten am selben Tag unseren Geburtstag feiern, nämlich am 28. April. Dieses Mal fiel die „Party“ aber bescheiden aus und bestand aus gesundheitlichen Gründen (sie war schon seit einiger Zeit bettlägerig) nur aus Schokoladeneis mit Sahne. Trotzdem war die Stimmung gut, zumal Ursel von ihrem Gemüt und ihrer Lebenseinstellung her ein zufriedener Mensch war, der auch aus einer unerfreulichen Situation noch das Beste machte.

Leider ist unsere KOMM-MIT-Freundin vor 4 bis 5 Jahren weitgehend blind geworden, denn sie bekam Macula-Degeneration (Netzhautablösung). Dadurch konnte sie Menschen, Möbel und Gegenstände etc. nur noch in Umrissen erkennen.Scannen0001 - Kopie - Kopie - Kopie - Kopie

Das war auch der Grund, warum sie ihre ehrenamtliche Arbeit in unserem gemeinnützigen Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag mit etwa 85 Jahren beenden mußte, was sie recht traurig stimmte, denn sie hat mit großer Freude, echtem Teamgeist, Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit über 15 Jahre lang bei uns mitgeholfen.

Bis ins hohe Alter fuhr sie mit ihrem Elektro-Wägelchen ca zehn Kilometer hin und zurück, um bei uns z.B. für die Adressenverwaltung am Computer (!) zu sitzen, bei Versand und Buchhaltung mitzuarbeiten, Texte abzutippen oder unsere Manuskripte zu korrigieren.

Wir hatte immer viel Spaß mit ihrer humorvollen und geselligen Art, wie das Foto oben ahnen läßt, wo sie bei einem unserer Verlagsfeste ihre Kräfte stemmte…

Das zweite Bild zeigt Ursel mit unserer damaligen Buchhalterin Martina Bremshey beim 80. Geburtstag unseres Verlagsgründers Günter Stiff, der im September 2002 verstarb.Kurz vor seinem Tod hat sie ihn noch in der Klinik besucht.

Günter und Ursel waren immer ein fröhliches Gespann, die sich gegenseitig gerne neckten. Kein Wunder auch: Günter war ein typischer Rheinländer, immer gut gelaunt und zu Flaxereien aufgelegt – und unsere Ursula ist in Niederschlesien (Strehlen) aufgewachsen und kannte natürlich das Sprichwort, daß die Schlesier die „Rheinländer des Ostens“ seien. Jedenfalls verstand sie sich mit unserem Team und vor allem mit Günter hervorragend.  Scannen0002

Beide waren aber nicht nur lustig, sondern auch nachdenklich, vor allem, wenn es Weihnachten zuging. Dann gerieten Günter und Ursel in feierlich-romantische Stimmung  –  wie das dritte Foto zeigt, wobei unser Günter ein Stofftierchen von ihr geschenkt bekam, das er erfreut in der Hand hält…

Wenngleich Ursel evangelisch-konservativ (also evangelikal) war, sind wir uns in den meisten religiösen Fragen weitgehend einig gewesen. Als sie Anfang der 90er Jahre mit ihrer MITarbeit bei uns begann, fand sie es ganz selbstverständlich, gemeinsam mit uns das Kreuzzeichen beim Tischgebet zu machen.

Auch das Ave-Maria und den „Engel des HERRN“ betete sie gerne mit uns. Gerade die Marien- und Heiligenverehrung schätzte sie sehr an der katholischen Kirche, ebenso ihre Lehre über die Eucharistie bzw. das Altarsakrament. Die Lebensbeschreibungen von Heiligen suchte sie aus  Büchern heraus und tippte sie auf ihrer Schreibmaschine ab  – für jeden Heiligen ein eigenes Blatt.

Als Ursula noch lesen konnte, wünschte sie von mir zu Weihnachten das gerade erschienene Jesus-Buch von Papst Benedikt, ein Jahr später seine Meditationen über die Heilige Schrift. Mit diesem Pontifex fühlte sie sich eng verbunden. Ihre Frömmigkeit war christozentrisch und speiste sich stark aus der Bibel und geistlichen Liedern.

In ihrer Handtasche trug Ursel eine Anleitung zum Rosenkranzgebet sowie eine kleine Marienbroschüre. Zudem sammelte sie Madonnen-Postkarten aus aller Herren Länder und vielerlei Kunstepochen. In ihrer Wohnung stand eine geschnitzte Marienstatue mit Christkind aus schwarzem Elfenbein, die aus Afrika stammte. Scannen0001 - Kopie - Kopie

Als unser Verlagsleiter Günter Stiff verstarb, wir natürlich viel „um die Ohren hatten“ und eine Menge Dinge regeln mußten, fragte Ursula uns bei Tisch etwas verblüfft: „Sagt mal, wann gehen wir denn jetzt zu Günter und beten den Rosenkranz?!“ – Oho, dachte ich mir,  d a s  muß uns von evangelischer Seite gesagt werden, vielleicht hätten wir es sonst noch verbummelt…

Jedenfalls wußten wir nun, was die Stunde geschlagen hatte und fuhren mit Ursel los zum Beerdigungsinstitut  – gemeinsam mit unserem damaligen Praktikanten Olaf Pioch, unserer Ferienhelferin Michaela Koller (heute ist sie IGFM-Mitarbeiterin in Frankfurt) und mir.

Das letzte Foto zeigt Michaela, Ursel und Olaf  –  wir waren ein tolles Team und werden „unsere Ursel“ sehr vermissen, denn sie war ein warmherziger, hilfsbereiter und im guten Sinne frommer Mensch, zudem sehr belesen, vielseitig und vor allem bibelkundig.

Auch in ihrer evangelischen Kirchengemeinde (der Friedenskirche in Münster-Gremmendorf) war sie jahrzehntelang gerne aktiv, vor allem in der Evangelischen Frauenhilfe von Münster-Gremmendorf, wo sie noch bis Anfang dieses Jahres, wenn es irgendwie möglich war, an den monatlichen Treffen teilnahm, obwohl sie bereits einen Rollstuhl benötigte.

Als Ursel noch besser auf den Beinen war, besuchte sie öfter Vorträge und Seminare von katholischer wie von evangelischer Seite. Beruflich war Ursula vielseitig tätig, als Krankenschwester, Kontoristin, Stenotypistin, Sekretärin und als evang. Gemeindeschwester in Münster-Wolbeck.

Nun weilt unsere bewährte liebe Freundin seit dem heutigen Tage nicht mehr irdisch unter uns, doch in unserem Herzen und auch in unseren Gebeten bleibt sie unvergessen: R.I.P.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

HINWEISE: Der Trauergottesdienst ist am Mittwoch, den 7. September 2016, um 10 Uhr in der evangelischen Friedenskirche in Münster-Gremmendorf. Die Beisetzung um 11 Uhr auf dem 1 – 2 km entfernten Friedhof „Hohes Ufer“.

Kontakt: Felizitas Küble, 48167 Münster, Schlesienstr. 32, Tel. 0251-616768, Fax 0251-614020, Mail: felizitas.kueble@web.de

 


Am 24. Juli pilgern katholische Schlesier zum Annaberg in Haltern am See

71. Wallfahrt der Schlesier zum Annaberg bei Haltern am See (Westfalen) am Sonntag, den 24. Juli 2016

Ablauf:

9:15 – 9:45 UHR Beichtgelegenheit annaberg

10 UHR Pontifikalamt mit ERZBISCHOF ALFONS NOSSOL aus Oppeln

13:30 UHR Platzkonzert des Oberschlesischen Blasorchesters aus Ratingen

15 UHR St-Anna-Andacht mit sakramentalem Segen

Veranstalter: SCHLESISCHES PRIESTERWERK eV., Ermlandweg 22 in 48159 Münster

Plakat zur Annaberg Haltern 71. Wallfahrt am 24.07.2016

Flyer Oberschl. Blasorchester Ratingen 2016

Flyer Oberschl. Blasorchester Ratingen 2016 (Rückseite)

 


Offenburg: Vortrag am 23. Juni über Breslau als europäische Kulturhauptstadt 2016

Einladung zur Vortragsveranstaltung  (Eintritt frei)

mit Dr. Roswitha Schieb, Literatur-  und Kunstwissenschaftlerin

Thema: Breslau – Europäische Kulturhauptstadt 2016  –   Die schlesische Metropole im Spannungsbogen zwischen deutscher und polnischer Stadtgeschichte

Kunsthistorische und literarische Betrachtungen cover_jeder_zw_berliner_klein

Seit dem Mittelalter zählte Breslau zu den bedeutensten deutschen Großstädten im Osten, zahlenmäßig noch vor Danzig und Königsberg. Etwa 600.000 Menschen lebten hier an dem Ufer der Oder.

Dominsel, Rathaus, Marktplatz und Jahrhunderthalle hatten und haben europaweit Bedeutung. Zahlreiche Gelehrte wurden an der Universität Breslau ausgebildet oder lehrten an ihr.

BILD: Buch von Frau Dr. Schieb über die schlesischen Spuren in Berlin

Das Kriegsende 1945 bedeutete für die Stadt eine Zäsur ohnegleichen: Nahezu die gesamte Stadtbevölkerung wurde vertrieben, zahlreiche Neusiedler aus Galizien und Zentralpolen kamen in die Stadt, die nun Wroclaw hieß.

Die wichtigsten historischen Gebäude wurden weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut  –  und so zählt die Universitätsstadt wieder zu den faszinierenden Zentren des Kontinents. Breslaus Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte ist ein bedeutender, der mit der Ausrufung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2016 die Aufmerksamkeit der Europäer auf diese Aspekte lenken soll.

Die niederschlesische Stadt trägt in diesem Jahr auch den Titel als UNESCO –Weltstadt des Buches.

WannDonnerstag, den 23. Juni 2016, 19.30 Uhr

Wo:  Balladins SUPERIOR Hotel (Hotel Palmergarten), Raum „Straßburg“, Okenstraße 15-17  in 77652 Offenburg

Info: Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) – Regionalgruppe 77 (Ortenau), Sommerau 24, 77815 Bühl


Wir trauern um Anna Weiser aus Münster

Von Felizitas Küble

Am Freitag vergangener Woche verstarb meine jüngere Schwester Annemarie an schwerer Krankheit – siehe hier meinen Nachruf:  https://charismatismus.wordpress.com/2016/02/14/trauer-um-meine-schwester-annemarie-rip/Scannen0007 - Kopie

Nur drei Tage später, am Montagvormittag, erfuhr ich vom nächtlichen Tod meiner älteren Freundin Theresia Anna Weiser (siehe Foto) aus Münster, die ich seit ca 14 Jahren gut kenne.

Diese traurige Nachricht überraschte mich sehr, denn wenngleich Anna schwer gehbehindert war, kam sie mir ansonsten noch relativ gesund vor. Am Tag zuvor besuchte ich sie nach der hl. Messe in der St.-Ägidii-Kirche, wo die Liturgie im überlieferten Ritus gefeiert wird.

Auch Frau Weiser ging  –  solange es ihre Gesundheit erlaubte  –  stets in die „alte Messe“, die von verschiedenen Priestern zelebriert wird, meistens von Benediktinerpater Dr. Chrysostomus Ripplinger OSB. Der freundliche und fürsorgliche Geistliche (siehe 3. Foto) besuchte Anna regelmäßig und brachte ihr die hl. Kommunion.Digital Camera

Das 2. Foto zeigt Frau Weiser mit Pfarrer Dr. hc. Hans Stein und mir beim Besuch in der Reha-Klinik von Telgte vorigen Herbst.

Pfarrer Stein stammt aus Oberschlesien, Anna Weiser aus Rückers in Niederschlesien (Grafschaft Glatz), einem kleinen Städtchen nahe der böhmisch-tschechischen Grenze. Heute heißt es auf polnisch Szczytna. Pfarrer Stein kennt diesen Ort recht gut, weil er dort auf dem Weg nach Tschechien schon öfter durchgefahren ist.

Anna  –  geboren am 18.12.1931  – ist nach Kriegsende mit ihren Eltern und Geschwistern aus Schlesien geflohen und hat sich Ende der 40er Jahre im westfälischen Münster niedergelassen. Dort pflegte die ledig gebliebene Katholikin hingebungsvoll ihre Eltern, die sie sehr liebte. Wenn sie auf ihre Eltern, vor allem auf ihren geschätzten Vater, zu sprechen kam, kullerten oft vor lauter Rührung die Tränen herunter.

Als Anna Weiser noch gut auf den Beinen war, reiste sie lebenslustig in die weite Welt oder setzte sich mit ihrer Nichte Barbara auf den Rücken der Pferde zum gemeinsamen Ausritt.

Zudem ging sie gerne auf Pilgerfahrten, etwa ins nahegelegene Telgte, einem im Münsterland sehr bekannten Marienwallfahrtsort  – oder nach Wigratzbad im Allgäu, nach Lourdes usw.  014_11A

Eine besondere Verehrung hegte sie für Papst Benedikt, aber auch für Erzbischof Johannes Dyba, dessen Seligsprechung sie herbeisehnte. Über unseren Gedenkband für Erzbischof Dyba „Der Löwe von Fulda“ hat sie sich daher besonders gefreut. Bei meinem letzten Besuch lag dieses Buch auf ihrem Tisch.

Die Beisetzung von Frau Weiser erfolgt am kommenden Donnerstag (25.2.) um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof Lauheide in der Nähe von Telgte, einem bekannten Wallfahrtsstädtchen im Münsterland. Pater Ripplinger (siehe letztes Foto) wird die Beerdigung im traditionellen Ritus vornehmen, auch Pfr. Stein wird dabei sein.

Wer kommen möchte, möge sich bitte bei mir melden (Tel. 0251-616768), damit wir Fahrgemeinschaften bilden können (der Friedhof ist ziemlich entlegen, nur selten fährt ein Bus)  – und auch, damit man dem Gasthaus in etwa die Personenzahl nennen kann, die sich nach der Beerdigung dort versammelt.

Das Requiem bzw. Seelenamt zelebriert Pater Dr. Chrysostomus Ripplinger am kommenden Freitag, den 26.2., um 18 Uhr in der St-Ägidii-Kirche in Münster im überlieferten Ritus.

Möge der Ewige unserer lieben Theresia Anna Weiser seine immerwährende Freude  und Anteil an seiner Herrlichkeit schenken!


München: Gedenken zum 100. Geburtstag von Dr. Herbert Hupka am 15. August 1918

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Dr. Herbert Hupka, geboren am 15. August 1915 im Internierungslager auf Ceylon, gestorben am 24. August 2006 in Bonn, war Mitbegründer der Landsmannschaft Schlesien sowie deren langjähriger Bundesvorsitzender. SN-August-2015
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Er war Bundestagsabgeordneter zunächst für die SPD und später für die CDU, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ratibor in Oberschlesien.
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Um 12 Uhr erfolgt eine Kranzniederlegung auf dem Ostfriedhof in München durch den Beauftragten der Bunderegierung für Aussiedlerfragen, Hartmut Koschyk, den Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Stephan Rauhut, sowie den Sprecher der Paneuropa-Union, Dr. Bernd Posselt, sowie Bernard Gaida, dem Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Volksgruppe in Polen.

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Um 15 Uhr wird, zelebriert durch den Visitator, Pfarrer Dr. Joachim Giela, in der Heilig-Geist-Kirche München (Prälat-Miller-Weg) ein Gedenkgottesdienst gefeiert.


20. Juni: Gedenktag für deutsche Vertriebene

Schicksal der Heimatvertriebenen nicht verdrängen

Erstmals wird am 20. Juni in Deutschland der „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ begangen. Dabei soll nach dem Willen der Bundesregierung besonders die Bedeutung jener Vertreibungen gewürdigt werden, die 15 Millionen Deutsche nach 1945 hinnehmen mussten. Scannen0001 (22)

Sie mussten ihre Heimat in Schlesien, Ostpreußen, Pommern, dem Baltikum und anderen ehemals deutschen Siedlungsgebieten verlassen.

Der Vorsitzende der Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee), Pfarrer Christian-Erdmann Schott, begrüßt, dass dieses Leiden jetzt mit einem jährlichen Gedenktag anerkannt werde.

Die deutschen Vertriebenen seien mit anderen Opfern des Zweiten Weltkrieges, etwa Juden, Polen und Sinti, nicht gleichgestellt worden, obwohl die meisten keine Nazi-Täter, sondern Frauen und Kinder gewesen seien.

Die Vertriebenen seien „wie Dahergelaufene behandelt, als die Generation der Täter, als Revanchisten und Revisionisten beschimpft, als Opfer zweiter Klasse eingestuft, ins Abseits abgedrängt“ worden, schreibt Schott im evangelischen Wochenmagazin IDEA-Spektrum.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/gesellschaft/detail/das-schicksal-der-deutschen-vertriebenen-nicht-vergessen-91136.html

Gemälde: Evita Gründler


Gerhard Hirschfelder: ein jugendbewegter Kaplan wurde Märtyrer in Dachau

Von Felizitas Küble

Am 19. September 2010 wurde der schlesische Jugendseelsorger Gerhard Hirschfelder im Paulusdom von Münster zur Ehre der Altäre erhoben. Es war die erste Seligsprechung in der westfälischen Bischofsstadt seit 2000 Jahren.

Der 1942 im KZ Dachau verstorbene Geistliche (siehe Foto) gilt als Vorbild christlicher Tapferkeit, als großer Bekenner der Kirche und zugleich als Brückenbauer zwischen Deutschland, Polen und Tschechien.

Der neue Selige wirkte einst als Kaplan in der schlesischen Grafschaft Glatz, damals eine deutsche Grenzregion unweit Böhmens, die kirchenrechtlich zu Prag gehörte; infolge der Vertreibung der Deutschen ab 1945 kam das Gebiet unter polnische Verwaltung.

Heute soll der Priester Hirschfelder, der ein Vorbild im Leben und im Sterben war, vor allem Deutsche, Polen und Tschechen im Glauben verbinden und zur Verständigung unter diesen Nachbarvölkern beitragen.

Mit einer Seligsprechung wird durch ein Dekret des Papstes festgestellt, daß ein von vielen Katholiken geschätzter „Diener Gottes“ besonders vorbildlich aus dem Glauben lebte und daß er regional verehrt werden darf (meist bezogen auf sein Heimatbistum).

Der am 17. Februar 1907 in der schlesischen Grafschaft Glatz geborene Gerhard Hirschfelder studierte an der Universität Breslau Philosophie und Theologie.   Am 31.1.1932 wurde er von Kardinal Bertram zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit in Grenzeck  ernannte ihn sein Bischof zum verantwortlichen Jugendseelsorger für das ganze Bistum Glatz.

Diese Aufgabe paßte zu Kaplan Hirschfelder wie angegossen, war er doch bereits als Heranwachsender von der katholischen Jugendbewegung „Quickborn“ geprägt, die der bekannte Priester und Schriftsteller Romano Guardini leitete.

Kaplan Hirschfelders Wirken war stark vom „jugendbewegten“ Geist geprägt:   Er ging mit den jungen Leuten auf Fahrt und ins Zeltlager, spielte in froher Runde die Klampfe (Gitarre), sang Volks- und Fahrtliedern mit ihnen und machte mit bei Spiel und Sport; er traf sich mit der Jugend zu Glaubensstunden, die er stets mit dem Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ beendete.

Nach Hitlers Machtübernahme am 30.1.1933 geriet Kaplan Hirschfelder immer wieder in Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Diktatur, vor allem wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit.

Schon bald erfuhr die regionale NS-Parteiführung von den unerschrockenen Predigten Kaplan Hirschfelders, in denen  er sich gegen den Ungeist des Nationalsozialismus wandte und vor allem die staatliche Hetze gegen die Kirche geißelte.

Daher verhaftete die Gestapo den Priester, den sie schon vorher bespitzelt und mehrfach verhört hatte, am 1. August 1951 während einer abendlichen Jugendstunde. Nach 4 Monaten Gefängnis in Glatz wurde Kaplan Hirschfelder ins KZ Dachau eingeliefert.

Die Aktivitäten des Geistlichen waren den braunen Schergen ein Dorn im Auge, zumal er Mädchen und Jungen zu tausenden von der staatlichen „Hitlerjugend“ fernhielt  –  zumindest innerlich. Durch Musik, Gesang, Theaterspiele, Fahrt und Lager vermittelte er jungen Christen eine „fromme Fröhlichkeit“ in schwerer Zeit.

Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Chef der NS-Polizei, versuchte mit allen Mitteln, die kirchliche Jugendarbeit, die durch das sog. „Staatskonkordat“ geregelt war, zu erschweren. So untersagte er katholischen Gruppen z.B. das Tragen von Fahnen, Wimpeln und Uniformen. 1936 wurde die HJ (Hitlerjugend) zur alleinigen Staatsjugend erklärt. Bereits 1937 wurde Kaplan Hirschfelder wegen seiner tapferen Predigten von Denunzianten angezeigt und mehrfach von der Gestapo verhört.

Durch seine mitreißende Verkündigung und durch eine von der kath. „Jugendbewegung“ geprägte Seelsorge konnte der Geistliche viele jungen Katholiken für die Ideale des Glaubens begeistern. Daher wurden seine Predigten bespitzelt, seine Gruppenstunden überwacht und seine Wohnung mehrfach durchsucht.

Doch der junge Geistliche ließ sich durch staatliche Schikanen nicht beirren; sein geistiges Auge richtete sich auf die Ewigkeit, auf Gottes große Zukunft und seine Verheißungen.

Damals lebte die von den Nationalsozialisten ebenfalls bedrängte katholische Dichterin Ruth Schaumann, deren Lyrik vielen Menschen neuen Mut schenkte. Eines ihrer Gedichte illustriert die damalige Situation von Kaplan Hirschfelder wohl sehr treffend:

„Eine Taube auf dem Dache                                                                                             
trinkt den Regen ohne Bangen;
stürzt das Dach, so wird sie fliegend
eine andere Rast erlangen.

Und ein Korn, vom Stein zerrieben,
wird zum Staube, wird zum Mehle,
wird zum Brot, der Ärmsten Speise,
wird Gebet. – Was zagst Du, Seele?“

Die Kirchenleitung schätzte den Seeleneifer des beliebten Kaplans und ernannte ihn daher zum Jugendseelsorger der gesamten Grafschaft Glatz. Das war sicher gut für die jungen Katholiken, aber gefährlich für den Priester selbst.

Als es ihm gelang, im Juni 1941 weit über 2000 Jugendliche in Albendorf zu einem großen „Bekenntnis-Sonntag“ zu versammeln, der von Nazis gestört wurde, nahmen die Spannungen mit der kirchenfeindlichen Staatsmacht weiter zu.

Am 1. August 1941 wurde der Geistliche wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verhaftet und ins Gefängnis nach Glatz gebracht. Dort verfaßte der Kaplan einen nachdenklichen Kreuzweg, Gebete und Gedichte, darunter die denkwürdigen Worte:

Herr, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, so bleibe ich doch ein Kind Gottes, ein Kämpfer Gottes, ein Priester Gottes  –  das kann mir niemand nehmen.“

Der Geistliche wird schon damals mit der Möglichkeit seines Todes gerechnet haben. Vielleicht erinnerte er sich dabei an das bekannte Gedicht „Letzte Worte“ der münsterländischen Poetin Annette von Droste-Hülshoff, Deutschlands größter Dichterin:

„Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
dann weint mir keine Träne nach,
denn wo ich weile, dort ist Frieden,
dort leuchtet mir ein ewiger Tag.

Wo aller Erdengram verschwunden,
soll euer Bild mir nicht vergehn,
und Linderung für eure Wunden,
für euren Schmerz will ich erflehen.“

Von Glatz aus überführten ihn die NS-Machthaber am 15. Dezember 1941 ins KZ Dachau. Dort waren mehr als 2800 katholische Geistliche inhaftiert, zudem hunderte Ordensleute.

In Priesterlager Dachau verfaßte der Kaplan 1941 das folgende Gebet, das seine innere Haltung bezeugt:

„HERR, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, ich bleibe doch ein Kind Gottes, ein Kämpfer Gottes,  ein Priester Gottes  –   das kann mir niemand nehmen. Laß mich deshalb froh bleiben in allem Leiden.“

Auch hinter Stacheldraht blieb sein Gottvertrauen unerschütterlich. In seinem seiner Briefe aus dem KZ an seine Pfarrjugend heißt es:

„Unseren wirklichen seelischen Reichtum kann die Welt nicht erkennen…und so kann der Christ, besonders der Priester, immer der fröhlichste Mensch sein.“    

Wenige Tage vor seinem Tod schrieb er an seinen früheren Pfarrer in Habel-schwerdt: „So wünsche ich Dir von ganzem Herzen die Kraft, die ich selbst schöpfe aus dem Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Damit wollen wir in die Zukunft schauen.“

Der Jugendseelsorger war zwar ein starker Charakter, jedoch nicht von kräftiger Statur. Das unmenschliche Lagerleben im KZ Dachau richtete seine Gesundheit zugrunde. Eines Tages brach er infolge des Hungers völlig entkräftet zusammen und starb am 1. August 1942 im Alter von 35 Jahren.  Sein Heimgang zum ewigen Vater erfolgte auf den Tag genau 1 Jahr nach seiner Gefangennahme. Sein Grab erhielt der Märtyrer auf dem Friedhof in Grenzeck in der Grafschaft Glatz.

Die katholische Kirche erinnerte nach dem Tod von Kaplan Hirschfelder mit einem Andachtsbildchen an den glaubensstarken Geistlichen. Darin findet sich das verheißungsvolle Gotteswort aus dem Alten Testament: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ (Psalm 126,5)

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr.1/2011)