Voller Wortlaut: Das „Responsum“ der Glaubenskongregation zur Segnungsfrage

Responsum ad dubium
der Kongregation für die Glaubenslehre
über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts
 

Auf das vorgelegte DUBIUM:
Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?

WIRD GEANTWORTET:
Nein.

Erläuternde Note

In einigen kirchlichen Bereichen verbreiten sich Projekte und Vorschläge von Segnungen für Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts.

Nicht selten sind solche Projekte durch den aufrichtigen Willen motiviert, homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten, „damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen“[1].

Auf diesen Wegen können das Hören des Wortes Gottes, das Gebet, die Teilnahme an liturgischen Handlungen der Kirche und praktizierte Nächstenliebe eine wichtige Rolle bei der Förderung von Bemühungen spielen, die eigene Lebensgeschichte zu deuten sowie frei und verantwortungsbewusst die eigene Taufberufung anzunehmen, weil „Gott jeden Menschen liebt. Und Gleiches tut auch die Kirche“[2], indem sie jede ungerechte Diskriminierung ablehnt.

Unter den liturgischen Handlungen der Kirche sind Sakramentalien von besonderer Bedeutung: als „heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen, besonders geistlicher Art, bezeichnet und kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden. Durch diese Zeichen werden die Menschen bereitet, die eigentliche Wirkung der Sakramente aufzunehmen; zugleich wird durch solche Zeichen das Leben in seinen verschiedenen Gegebenheiten geheiligt“[3].

Der Katechismus der katholischen Kirche erläutert weiter: „Die Sakramentalien verleihen die Gnade des Heiligen Geistes nicht nach Art der Sakramente, sondern bereiten durch das Gebet der Kirche vor, die Gnade zu empfangen und mit ihr mitzuwirken“ (Nr. 1670).

Zur den Sakramentalien gehören Segnungen, mit denen die Kirche „die Menschen aufruft, Gott zu preisen, sie auffordert, seinen Schutz zu erbitten und sie ermahnt, sich seiner Barmherzigkeit mit der Heiligkeit des Lebens würdig zu erweisen“[4].

Darüber hinaus sind „sie in einer gewissen Nachahmung der Sakramente eingesetzt und beziehen sich immer und hauptsächlich auf geistliche Wirkungen, die sie kraft der Fürbitte der Kirche erlangen“[5].

Um der Natur der Sakramentalien zu entsprechen, ist es deshalb erforderlich, dass, wenn über einige menschliche Beziehungen ein Segen herabgerufen wird, abgesehen von der rechten Absicht derjenigen, die daran teilnehmen, die zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind.

Mit dem Wesen der von der Kirche erteilten Segnung ist daher nur vereinbar, was an sich darauf hingeordnet ist, diesen Plänen zu dienen. Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.[6] 

Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diesezu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist.

Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde,[7] der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“[8].

Die Erklärung der Unzulässigkeit von Segnungen der Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts ist daher weder eine ungerechte Diskriminierung noch enthält sie die Absicht, eine solche zu sein, sondern ruft die Wahrheit des liturgischen Ritus in Erinnerung und das, was dem Wesen der Sakramentalien zutiefst entspricht, so wie die Kirche sie versteht.

Die christliche Gemeinschaft und die geistlichen Hirten sind aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen mit Respekt und Takt aufzunehmen; sie werden im Einklang mit der kirchlichen Lehre die am besten geeigneten Wege zu finden wissen, um ihnen das Evangelium in seiner Fülle zu verkünden. Diese Personen mögen gleichzeitig die aufrichtige Nähe der Kirche anerkennen – die für sie betet, sie begleitet, mit ihnen den Weg des christlichen Glaubens teilt[9]  – und ihre Lehren mit aufrichtiger Bereitwilligkeit annehmen.

Die Antwort auf das vorgelegte Dubium schließt nicht aus, dass Segnungen einzelnen Personen mit homosexueller Neigung gespendet werden,[10] die den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden; sie erklärt jedoch jede Segnungsform für unzulässig, die dazu neigt, ihre Verbindungen anzuerkennen.

In diesem Fall würde die Segnung nämlich die Absicht zum Ausdruck bringen, nicht bestimmte Einzelpersonen dem Schutz und der Hilfe Gottes im oben genannten Sinne anzuvertrauen, sondern einen Entschluss und eine Lebenspraxis zu billigen und zu fördern, die nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden können.[11]

Gleichzeitig erinnert die Kirche daran, dass Gott selbst nicht aufhört, jedes seiner Kinder zu segnen, die in dieser Welt pilgern, denn für ihn „sind wir […] wichtiger als alle Sünden, die wir begehen können“[12].

Aber er segnet nicht die Sünde und er kann sie nicht segnen: Er segnet den sündigen Menschen, damit er erkennt, dass er Teil seines Liebesplans ist, und sich von ihm verändern lässt. Denn er „nimmt uns so, wie wir sind, aber lässt uns nie so, wie wir sind“[13].

Aus diesen Gründen verfügt die Kirche weder über die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts im oben gemeinten Sinne zu segnen, noch kann sie über diese Vollmacht verfügen.

Papst Franziskus wurde in der dem unterzeichnenden Sekretär dieser Kongregation gewährten Audienz über das vorliegende Responsum ad dubium samt der Erläuternden Note informiert und hat ihre Veröffentlichung gutgeheißen.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 22. Februar 2021, dem Fest der Kathedra Petri.  
Luís F. Kard. Ladaria SJ, Präfekt ✠ G
iacomo Morandi, Titularerzbischof von Cerveteri, Sekretär  

[1] Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia, Nr. 250. [2] Bischofssynode, Abschlussdokument der 15. Ordentlichen Generalversammlung, Nr. 150. [3] II. Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, Nr. 60. [4] Rituale Romanum ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Ioannis Pauli PP. II promulgatum, De benedictionibus, Praenotanda Generalia, Nr. 9. [5] Ebd., Nr. 10. [6] Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2357. [7] Der Brautsegen verweist nämlich auf den Schöpfungsbericht, in dem Gottes Segen über Mann und Frau im Zusammenhang mit ihrer fruchtbaren Verbindung (vgl. Gen 1,28) und mit der Komplementarität von Mann und Frau steht (vgl. Gen 2,18-24). [8] Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia, Nr. 251. [9] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Homosexualitatis problema über die Seelsorge für homosexuelle Personen, Nr. 15. [10] De benedictionibus enthält nämlich eine ausführliche Liste der Situationen, für die der Segen des Herrn herabgerufen werden kann. [11] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Homosexualitatis problema über die Seelsorge für homosexuelle Personen, Nr. 7. [12] Franziskus, Generalaudienz am 2. Dezember 2020, Katechese über das Gebet: der Segen. [13] Ebd.

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20210222_responsum-dubium-unioni_ge.html


Judenchrist begrüßt Vatikan-Entscheidung gegen Segnung von Homo-Partnerschaften

Von Klaus Moshe Pülz

Viele Medien beklagen die Entscheidung des Vatikan, homosexuelle Partnerschaften nicht zu segnen und sie befragen hierzu gerne inkompetente „Experten“ für Kirchenfragen.

Ich habe mich als Leiter von israelischen Judenchristen (Messianische Bekenntnisgemeinschaft) mehrfach zu diesen Themen geäußert, u.a. in „Bote Neues Israel“ und dem „Katholischen Sonntagsblatt“.

Im Jüdischen heißt es wörtlich „Baruch ata Adonai melech ha-olam (…)“ , das heißt: Gesegnet seist du, oh HERR, König der Welt“.

Wie also erdreisten sich sogar einige deutsche Bischöfe, gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen und damit den Eindruck zu erwecken, praktizierte Homosexualität sei eine zu segnende Handlung. Katholische Geistliche, die  hierbei eine falsche Toleranz walten lassen, verstärken den Eindruck, vielleicht selbst homosexuelle Neigungen aufzuweisen.

Offenbar ist vielen Christen heutzutage nicht mehr klar, daß auch unsere Lebensführung darüber entscheidet, ob wir dereinst das ewige Leben bei Gott erhalten werden oder nicht.

Dies ist keine Schikane von Gott, sondern dient einer gesunden und vernünftigen Lebensweise. Es ist einfach erschütternd, wie sodomitische Zustände von falschen Propheten propagiert und demzufolge salonfähig gemacht werden.

Ich denke dabei an die Vorhersagen Jesu Christi in Lukas 17,26ff., wo er die Tage vor seiner Wiederkunft vergleicht mit den Tagen Noahs und Lots.

Es ist das Elend der heutigen theologischen Ausbildung, daß man grundlegende Aussagen der Bibel hinsichtlich einer gottwohlgefälligen Lebensführung aus dem Auge verloren hat, was schließlich zu jener Eigendynamik führte, wonach man nicht mehr zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag.

Viele Theologen unserer Tage haben die Wahrheit und Ordnung Gottes gegen die Lüge und den Dienst am Zeitgeist eingetauscht, anstatt sich der Schöpfungsordnung zu unterwerfen – mit dem Ergebnis, daß sie das Ungebührliche lehren und tun.

Als Folge dieser Fehlhaltung zählt der Apostel Paulus einen ganzen Lasterkatalog auf, wie er auch aus 1. Kor. 6,9-10; Gal. 5,19-21; 2.Tim. 3,2-5; Offb. 21,8 und 22,15 ablesbar ist.

Da ist von Mord, Neid, Ehrabschneiden, Verleumden, Ungehorsam gegenüber Eltern, von Lieblosigkeit, fehlendem Respekt und Erbarmungslosigkeit die Rede; sozusagen als Folgeerscheinungen von Sitten- und Werteverfall. Denn der Mensch ohne Gott ist ein Egoist und Egozentriker, was man vor allem bei machtgierigen Politikern beobachten kann.

All jene, die dem hedonistischen Ungeist die Bahn brechen, gleichen jenen Hebräern, die  –   gerade aus ägyptischer Gefangenschaft befreit  – am Fuße des Berges Horeb/Sinai einem Goldenen Kalb huldigten und orgiastische Tänze vollführten; diese führte zur Bestrafung durch den gleichen Gott, der sie zuvor in die Freiheit geführt hatte.

So ist dieser Irrweg auch heute nur eine Konsequenz aus dem Ungehorsam des Menschen gegenüber der Ordnung Gottes. Daß dabei Theologen führend mit dabei sind, verstärkt noch diese Verführung. 

Unser Autor Klaus Moshe Pülz ist deutsch-israelischer Judenchrist (messianischer Jude; er leitet das „Institut für israels universale Berufung“ und die Zeitschrift „Bote Neues Israel“. Weitere Infos dazu auf http://www.zelem.de


Ideologische Wurzeln der Pädokriminalität

Von Christa Meves

Wenn die Aufdeckung der Kinderschänderringe in NRW auch Erschreckendes zutage fördert, so muss die daraus entstandene Aufregung doch als Silberstreifen am Horizont unserer Sexszene gewertet werden.

Allerdings bleiben die Schlussfolgerungen in den zahlreichen TV-Sendungen meist oberflächlich: Berechtigterweise wird vielstimmig eine schärfere Strafverfolgung bei sexuellem Kindesmissbrauch gefordert und die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Entdeckung motiviert.

Doch nach dem Motto „Haltet den Dieb!“ wird in den Medien vor allem die Sensationslust des Menschen bedient. Hingegen treten die eigentlichen Ursachen der barbarischen Auswüchse selbst bei den öffentlichen Diskussionen meist überhaupt nicht ins Blickfeld. Sie werden weiterhin möglichst ausgespart.

Und so werden die Vorschläge zur Behebung der makabren Verbrechen – z. B. die Aufstockung von Erziehungsberatungsstellen – nur Tropfen auf kochend heiße Steine bleiben, solange man nicht sehr generell den Mut zur Einsicht und damit zur Umkehr in der Einstellung zur Sexualität entwickelt.

Die leider viel zu späte Erkenntnis müsste nämlich heißen: Die Vorstellung, dass der Mensch friedlich und glücklich werde, wenn er von der Wiege bis zur Bahre nur fleißig Sexualität, welcher Art auch immer, praktiziere – dieses seit 45 Jahren hierzulande durchgepaukte Programm hat sich als überheblich, ja, als gefährlich falsch erwiesen.

Die Sexualität – Fachleute konnten das aufgrund der Ergebnisse ihrer Wissenschaft längst bereits wissen – macht keine Ausnahme von der allgemeinen Regel, dass die Verabsolutierung, die Übertreibung eines einzelnen für die Spezies existenziell notwendigen Naturbereiches den Menschen auf primitive Stadien seiner Entwicklung zurückwirft und darin festbannt.

Der lebenslänglich zu maßloser Gewohnheit missbrauchte Geschlechtstrieb – in welcher Form auch immer – macht dann nämlich allmählich davon abhängig, und das heißt: süchtig.

Kaum ein anderer Grundbereich ist deshalb durch den schließlich nicht mehr steuerbaren Drang – in einer so die Lebenserfüllung beeinträchtigenden Weise – von seinem eigentlichen Ziel, hier der Fortpflanzung, so weitgehend und so vielfältig ablösbar und damit verstörbar wie die Sexualität:

Wenn man sie z. B. aus ihrem natürlichen Zusammenhang reißt und bereits bei den Kindern vom Kleinkindalter ab zu einer gewiss weckbaren Sache an sich macht, kann in dem Kind ein Drang nach Sex-Erregung entstehen, wie sie bei normaler Hormonlage in den Entwicklungsphasen des Kindes bis zur Vorpubertät nicht gegeben ist (1).

Diese heute zur Wissenschaft erhobene allgemeine Einsicht hatte in der alten Zeit sowohl in der Rechtsprechung wie in den Verlautbarungen der Kirchen ihren Niederschlag gefunden. Eingrenzende Sitten gehörten deshalb zur Gepflogenheit. Deshalb gibt es eben auch in kultivierten Staaten kaum eine Religion, die in ihrer Wegweisung zur Weisheit das Maßhalten nicht als unumgängliche Voraussetzung empfiehlt – ein Rat auf dem Boden gefilterter Erfahrung durch Generationen hindurch.

Aber mit dem großen Enttabuierungsfeldzug der Sexualität – sie wurde hierzulande von der Mitte der 60er Jahre ab ebenso zu einem Programmpunkt der Gesellschaftsveränderer erhoben, wie die Medien die Sexwelle als Möglichkeit zu reicher Pfründe entdeckten – wurde der Blick der jungen Generation auf die alten Leuchttürme vernebelt.

BILD: „Mütter heute“ – eine der zahlreichen Publikationen von Christa Meves

Deshalb schrieb ich bereits 1972 in meinem Buch „Wunschtraum und Wirklichkeit“: „Jedenfalls sind die modernen Empfehlungen unserer Emanzipierer, die Kindlein fleißig in Sexualität einzuüben, damit sie später genug ‚Spaß‘ daran hätten, so bar allen Gefühls für die Führung des Menschen zu einem glücklichen, sinnerfüllten Leben, dass man vor dieser Methode gar nicht genug warnen kann …“ (2).

So wird man zum Beispiel pädophil – und das heißt: Wenn sexuelles Erleben dann mit Sexerlebnissen in der Kindheit assoziiert wird, muss schließlich im Erwachsenenleben suchtartig Ähnliches dieser Art gesucht werden, weil man selbst durch viel zu frühe zielferne Aktivitäten der Verführung in Bezug auf die Sexualität im kindlichen Status verhaftet geblieben ist.

Die negative Entwicklung durch die allgemeine Entfesselung und Vergötzung der Sexualität nahm im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts infolgedessen immer mehr zu.

Meine Prognosen in Bezug auf die Sexualdelikte trafen von den 80er Jahren ab zunehmend ein. Und dennoch erwiesen sich vor allem die verantwortlichen Institutionen als taub für fachkompetente Warnung.

Die einschlägigen Paragraphen wurden ab der 4. Strafrechtsreform von 1975 immer mehr geschleift und praktisch unwirksam. Das hatte zur Folge, dass jede Menge verderbliche Ware für Kinderaugen und -ohren den Medienmarkt überschwemmte.

Mit dem Auftauchen von AIDS wurde darüber hinaus mithilfe einer neuen liberalisierenden Aufklärungsflut die Jugend geradezu angehalten, dadurch – um Himmels willen! – nicht wieder von den sexuellen Praktiken zu lassen, in denen man sie von Kindesbeinen an weiterhin eingeübt sehen wollte und will.

Trotz der immer häufiger ungeahndet in Erscheinung tretenden Pädophilie wurden nicht etwa entschiedene Gegenmaßnahmen gegen die Gepflogenheiten der Kindesverführung anberaumt, sondern sie eskalierten in den einschlägigen Medien.

Als sexuelle Kindermorde sich zu häufen begannen, veranlasste allerdings Bundeskanzler Helmut Kohl eine Verschärfung bei der Bestrafung der Sexualdelikte, um die Auswüchse einzudämmen; aber das blieb durch seine kurz darauf erfolgende Abwahl im neuen Jahrhundert immer seltener wirksam.

Unsere Öffentlichkeit fordert heute den Kopf der Pornohändler mit ihren verbrecherischen Filmen sexuell gequälter Kinder; aber damit allein ist es nicht getan.

BILD: „Das Recht schützt die Jugend“

Die neuen Recherchen der Polizei in NRW beweisen außerdem, wie groß die Zahl der Menschen ist, an die ihre Fotos verkaufbar sind, und das heißt: wie groß die Zahl der Männer ist, die alle selbst in süchtiger Weise pädophil angefochten sind! Hier erweist sich nun in Osnabrück und Münster, dass es nicht einmal wenige Täter sind, die die Möglichkeit entdeckt haben, mit Kinderpornographie lukrative Geschäfte zu machen.

Und das lässt einen schier unfassbaren Schluss zu: dass es hierzulande unter betuchten Bürgern unbescholten ein grausig hohes Potenzial an pädophilen, sexualsüchtigen Porno-Konsumenten gibt.

Müsste eine Durchseuchung dieser Art nicht endlich zu Einsicht und Umkehr zwingen?

Aber deshalb müssten nicht allein den Großverbrechern und ihren kriminellen Aktivitäten der Prozess gemacht werden, sondern ebenso müsste die endlose Schar der Schreibtischtäter zur Verantwortung gezogen werden, die oft nur um eines höheren materiellen Gewinns wegen dieser kriminellen Entwicklung Vorschub leisteten und täglich weiter leisten.

Und es darf nicht vergessen werden zu erwähnen, dass von Anfang an angesichts dieser unverantwortlichen Aktivitäten keinerlei Einspruch von der evangelischen Kirche erfolgte, sondern dass sie sich – trotz der Proteste Einzelner – einbinden ließ in unangemessene Aufklärungsmethoden für Kinder.

Als ein einsamer Fels in der Brandung erwies sich Papst Johannes Paul II. mit seinen unerschütterlichen Verlautbarungen und Enzykliken; aber gerade deshalb wurde und wird er zunehmend mehr in den Medien geschmäht.

Doch schließlich ist das Krebsgeschwür z. B. durch das Kirchenvolksbegehren, durch die Sexspiele und durch Sex-Broschüren wie ein Selbstzerstörer sogar in die lange standhaltenden Bastionen der katholischen Kirche eingedrungen.

Es ist in später Stunde wirklich an der Zeit, dass das „Schweigen der Lämmer“ – aber diesmal der aufgebrachten, familientreuen Gemeindemitglieder und Staatsbürger – ein Ende hat, damit die Enthemmung und Vergötzung der Sexualität und so der Boom der Sexualsüchte und Perversitäten endlich durchbrochen wird.

Aber die Aktivitäten können nur von den mündigen Bürgern ausgehen. Von hier aus muss Einfluss auf die Einschaltquoten genommen werden; denn vorher werden wir es von der Regierung nicht erwarten können, dass sie sich mit einspannen lässt in den im Grundgesetz garantierten Schutz der Kinder und sie sich mit dafür einsetzt, dass diese Garantie endlich wieder zur Realität wird.

Die Sexualität des Menschen lässt sich zwar zur Liebe erhöhen und vergeistigen, aber nur wenn man zuvor den Geschlechtstrieb in allgemein eingrenzende Verhaltensformen eingebunden und ihn so im Rahmen der Schöpfungsordnung kultiviert hat.

(1) Eliot, L.: Wie verschieden sind sie? Die Gehirnentwicklung von Mädchen und Jungen, S. 141. Berlin 2009, für die deutsche Ausgabe B.V., Berlin Verlag GmbH, Berlin 2010.
(2) Meves, Ch.: Der kalte Krieg der alten Schlange, in: Wunschtraum und Wirklichkeit, S.148. Herder, Freiburg 1972.

Die Verfasserin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche und Bestseller-Autorin seit Jahrzehnten

Dieser Beitrag wurde auszugsweise auch in IDEA veröffentlicht: https://www.idea.de/spektrum/christa-meves-worin-die-ursachen-der-kinderpornografie-liegen


Vatikan-Erklärung von 2003 zur staatlichen Anerkennung von Homo-Beziehungen

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

ERWÄGUNGEN ZU DEN ENTWÜRFEN EINER RECHTLICHEN ANERKENNUNG DER LEBENSGEMEINSCHAFTEN
ZWISCHEN HOMOSEXUELLEN PERSONEN

EINLEITUNG

1. Verschiedene Fragen bezüglich der Homosexualität sind in letzter Zeit mehrmals von Papst Johannes Paul II. und den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls erörtert worden.

Es handelt sich nämlich um ein beunruhigendes moralisches und soziales Phänomen, auch in jenen Ländern, in denen es in der Rechtsordnung keine Beachtung findet. Noch bedenklicher wird es aber in den Ländern, die den homosexuellen Lebensgemeinschaften eine rechtliche Anerkennung, die in einigen Fällen auch die Befähigung zur Adoption von Kindern einschließt, bereits gewährt haben oder gewähren wollen.

Die vorliegenden Erwägungen enthalten keine neuen Lehraussagen, sondern wollen die wesentlichen Punkte zu dem Problem in Erinnerung rufen und einige Argumente rationaler Natur liefern, die den Bischöfen bei der Abfassung von spezifischeren Stellungnahmen entsprechend den besonderen Situationen in den verschiedenen

Regionen der Welt helfen können; solche Stellungnahmen werden darauf ausgerichtet sein, die Würde der Ehe, die das Fundament der Familie bildet, sowie die Stabilität der Gesellschaft, deren grundlegender Bestandteil diese Institution ist, zu schützen und zu fördern.

Diese Erwägungen haben auch zum Ziel, die katholischen Politiker in ihrer Tätigkeit zu orientieren und ihnen die Verhaltensweisen darzulegen, die mit dem christlichen Gewissen übereinstimmen, wenn sie mit Gesetzesentwürfen bezüglich dieses Problems konfrontiert werden.

Weil es sich um eine Materie handelt, die das natürliche Sittengesetz betrifft, werden die folgenden Argumente nicht nur den Gläubigen vorgelegt, sondern allen Menschen, die sich für die Förderung und den Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft einsetzen.  

I. NATUR UND UNVERZICHTBARE MERKMALE DER EHE

2. Die Lehre der Kirche über die Ehe und die Komplementarität der Geschlechter legt eine Wahrheit vor, die der rechten Vernunft einsichtig ist und als solche von allen großen Kulturen der Welt anerkannt wird. Die Ehe ist nicht eine beliebige Gemeinschaft von menschlichen Personen. Sie wurde vom Schöpfer mit einer eigenen Natur sowie eigenen Wesenseigenschaften und Zielen begründet.

Keine Ideologie kann dem menschlichen Geist die Gewissheit nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts gibt, die durch die gegenseitige personale Hingabe, die ihnen eigen und ausschließlich ist, nach der Gemeinschaft ihrer Personen streben. Auf diese Weise vervollkommnen sie sich gegenseitig und wirken mit Gott an der Zeugung und an der Erziehung neuen Lebens mit.

3. Die natürliche Wahrheit über die Ehe wurde durch die Offenbarung bekräftigt, die in den biblischen Schöpfungsberichten enthalten ist und auch die ursprüngliche menschliche Weisheit zum Ausdruck bringt, in der sich die Stimme der Natur selbst Gehör verschafft.

Das Buch Genesis spricht von drei grundlegenden Aspekten des Schöpferplanes über die Ehe. Zum einen wurde der Mensch, das Abbild Gottes, «als Mann und Frau» geschaffen (Gen 1,27). Als Personen sind Mann und Frau einander gleich, in ihrem Mann- und Frausein ergänzen sie einander. Die Sexualität gehört einerseits zur biologischen Sphäre, wird aber andererseits im menschlichen Geschöpf auf eine neue, und zwar auf die personale Ebene erhoben, wo Natur und Geist sich miteinander verbinden.

Zum anderen wurde die Ehe vom Schöpfer als die Lebensform gegründet, in der sich jene Gemeinschaft unter Personen verwirklicht, die die Ausübung der Geschlechtlichkeit einbezieht. « Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch» (Gen 2,24). Schließlich wollte Gott der Einheit von Mann und Frau eine besondere Teilhabe an seinem Schöpfungswerk geben. Deshalb segnete er den Mann und die Frau mit den Worten: «Seid fruchtbar, und vermehrt euch» (Gen 1,28).

Nach dem Plan des Schöpfers gehören also die Komplementarität der Geschlechter und die Fruchtbarkeit zum Wesen der ehelichen Institution. Darüber hinaus ist die eheliche Gemeinschaft zwischen Mann und Frau von Christus zur Würde eines Sakramentes erhoben worden. Die Kirche lehrt, dass die christliche Ehe ein wirksames Zeichen des Bundes zwischen Christus und der Kirche ist (vgl. Eph 5,32). Diese christliche Bedeutung der Ehe schmälert keineswegs den tief menschlichen Wert der ehelichen Verbindung von Mann und Frau, sondern bestätigt und bekräftigt ihn (vgl. Mt 19,3-12; Mk 10,6-9).

4. Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt «die Weitergabe des Lebens […] beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen».

Homosexuelle Beziehungen werden « in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen verurteilt… (vgl. Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluss, dass alle, die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt aber, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind ».

Dieses moralische Urteil, das man bei vielen kirchlichen Schriftstellern der ersten Jahrhunderte findet, wurde von der katholischen Tradition einmütig angenommen. Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen « mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen ». Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist «objektiv ungeordnet», und homosexuelle Praktiken gehören «zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen».  

II. HALTUNGEN GEGENÜBER DEM PROBLEM DER HOMOSEXUELLEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN

5. Die zivilen Autoritäten nehmen gegenüber dem Phänomen der faktisch bestehenden homosexuellen Lebensgemeinschaften verschiedene Haltungen ein: Manchmal beschränken sie sich darauf, das Phänomen zu tolerieren; manchmal fördern sie die rechtliche Anerkennung solcher Lebensgemeinschaften mit dem Vorwand, hinsichtlich einiger Rechte die Diskriminierung jener Menschen zu vermeiden, die mit einer Person des gleichen Geschlechts zusammenleben; in einigen Fällen befürworten sie sogar die rechtliche Gleichstellung der homosexuellen Lebensgemeinschaften mit der Ehe im eigentlichen Sinn, ohne die rechtliche Möglichkeit zur Adoption von Kindern auszuschließen.

Wo der Staat eine Politik der Toleranz des Faktischen betreibt, die nicht das Bestehen eines Gesetzes einschließt, das solchen Lebensformen ausdrücklich eine rechtliche Anerkennung verleiht, müssen die verschiedenen Aspekte des Problems sorgfältig unterschieden werden. Das Gewissen fordert in jedem Fall, Zeugnis abzulegen für die ganze sittliche Wahrheit, der sowohl die Billigung homosexueller Beziehungen wie auch die ungerechte Diskriminierung homosexueller Menschen widerspricht.

Deshalb sind diskrete und kluge Stellungnahmen nützlich, die zum Beispiel folgenden Inhalt haben könnten: den instrumentalen oder ideologischen Gebrauch aufdecken, den man von einer solchen Toleranz machen kann; den unsittlichen Charakter dieser Art von Lebensgemeinschaften klar herausstellen; den Staat auf die Notwendigkeit hinweisen, das Phänomen in Grenzen zu halten, damit das Gewebe der öffentlichen Moral nicht in Gefahr gerät und vor allem die jungen Generationen nicht einer irrigen Auffassung über Sexualität und Ehe ausgesetzt werden, die sie des notwendigen Schutzes berauben und darüber hinaus zur Ausbreitung des Phänomens beitragen würde.

Jene, die diese Toleranz gebrauchen, um bestimmte Rechte für zusammenlebende homosexuelle Personen einzufordern, müssen daran erinnert werden, dass die Toleranz des Bösen etwas ganz anderes ist als die Billigung oder Legalisierung des Bösen. Werden homosexuelle Lebensgemeinschaften rechtlich anerkannt oder werden sie der Ehe gleichgestellt, indem man ihnen die Rechte gewährt, die der Ehe eigen sind, ist es geboten, klar und deutlich Einspruch zu erheben.

Man muss sich jedweder Art formeller Mitwirkung an der Promulgation und Anwendung von so schwerwiegend ungerechten Gesetzen und, soweit es möglich ist, auch von der materiellen Mitwirkung auf der Ebene der Anwendung enthalten. In dieser Materie kann jeder das Recht auf Einspruch aus Gewissensgründen geltend machen.  

III. RATIONALE ARGUMENTE GEGEN DIE RECHTLICHE ANERKENNUNG HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAFTEN

6. Um zu verstehen, weshalb es notwendig ist, sich in dieser Weise den Instanzen entgegenzustellen, die die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften anstreben, bedarf es einiger spezifischer ethischer Erwägungen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen.

In Bezug auf die rechte Vernunft

Die Aufgabe des staatlichen Gesetzes ist gewiss im Vergleich zu der des sittlichen Gesetzes von begrenzterem Umfang. Das staatliche Gesetz kann aber nicht in einen Widerspruch zur rechten Vernunft treten, ohne seinen das Gewissen bindenden Charakter zu verlieren.

Jedes von Menschen erlassene Gesetz hat den Charakter eines Gesetzes, insoweit es mit dem natürlichen Sittengesetz, das von der rechten Vernunft erkannt wird, übereinstimmt und insbesondere die unveräußerlichen Rechte jeder Person achtet.

Die Gesetzgebungen zu Gunsten der homosexuellen Lebensgemeinschaften widersprechen der rechten Vernunft, weil sie der Lebensgemeinschaft zwischen zwei Personen desselben Geschlechts rechtliche Garantien verleihen, die jenen der ehelichen Institution analog sind. In Anbetracht der Werte, die auf dem Spiel stehen, könnte der Staat diese Lebensgemeinschaften nicht legalisieren, ohne die Pflicht zu vernachlässigen, eine für das Gemeinwohl so wesentliche Einrichtung zu fördern und zu schützen, wie es die Ehe ist.

Man kann sich fragen, wie ein Gesetz dem Gemeinwohl widersprechen kann, das niemandem eine besondere Verhaltensweise auferlegt, sondern sich darauf beschränkt, eine faktische Gegebenheit zu legalisieren, die dem Anschein nach niemandem Unrecht zufügt. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, vor allem den Unterschied zu bedenken zwischen dem homosexuellen Verhalten als einem privaten Phänomen und demselben Verhalten als einer im Gesetz vorgesehenen und gebilligten sozialen Beziehung, aus der man eine der Institutionen der Rechtsordnung machen möchte.

Das zweite Phänomen ist nicht nur schwerwiegender, sondern hat eine sehr umfassende und tiefgehende Tragweite und würde die gesamte soziale Struktur in einer Weise verändern, die dem Gemeinwohl widerspräche.

Staatliche Gesetze sind Strukturprinzipien des Lebens der Menschen in der Gesellschaft, zum Guten oder zum Bösen. Sie spielen «eine sehr wichtige und manchmal entscheidende Rolle bei der Förderung einer Denkweise und einer Gewohnheit».

Lebensformen und darin sich ausdrückende Modelle gestalten das gesellschaftliche Leben nicht nur äußerlich, sondern neigen dazu, bei den jungen Generationen das Verständnis und die Bewertung der Verhaltensweisen zu verändern. Die Legalisierung von homosexuellen Lebensgemeinschaften würde deshalb dazu führen, dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde.

In biologischer und anthropologischer Hinsicht

7. Den homosexuellen Lebensgemeinschaften fehlen ganz und gar die biologischen und anthropologischen Faktoren der Ehe und der Familie, die vernünftigerweise eine rechtliche Anerkennung solcher Lebensgemeinschaften begründen könnten.

Sie sind nicht in der Lage, auf angemessene Weise die Fortpflanzung und den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten. Ein eventueller Rückgriff auf die Mittel, die ihnen durch die neuesten Entdeckungen im Bereich der künstlichen Fortpflanzung zur Verfügung gestellt werden, wäre nicht nur mit schwerwiegenden Mängeln an Achtung vor der menschlichen Würde behaftet, sondern würde diese ihre Unzulänglichkeit in keiner Weise beheben.

Den homosexuellen Lebensgemeinschaften fehlt auch gänzlich die eheliche Dimension, welche die menschliche und geordnete Form der geschlechtlichen Beziehungen ausmacht. Sexuelle Beziehungen sind menschlich, wenn und insoweit sie die gegenseitige Hilfe der Geschlechter in der Ehe ausdrücken und fördern und für die Weitergabe des Lebens offen bleiben.

Wie die Erfahrung zeigt, schafft das Fehlen der geschlechtlichen Bipolarität Hindernisse für die normale Entwicklung der Kinder, die eventuell in solche Lebensgemeinschaften eingefügt werden. Ihnen fehlt die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft. Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist.

Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht.

In sozialer Hinsicht

8. Die Gesellschaft verdankt ihren Fortbestand der Familie, die in der Ehe gründet. Die unvermeidliche Folge der rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften ist, dass man die Ehe neu definiert und zu einer Institution macht, die in ihrer gesetzlich anerkannten Form die wesentliche Beziehung zu den Faktoren verliert, die mit der Heterosexualität verbunden sind, wie zum Beispiel die Aufgabe der Fortpflanzung und der Erziehung.

Wenn die Ehe zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts in rechtlicher Hinsicht nur als eine mögliche Form der Ehe betrachtet würde, brächte dies eine radikale Veränderung des Begriffs der Ehe zum schweren Schaden für das Gemeinwohl mit sich. Wenn der Staat die homosexuelle Lebensgemeinschaft auf eine rechtliche Ebene stellt, die jener der Ehe und Familie analog ist, handelt er willkürlich und tritt in Widerspruch zu seinen eigenen Verpflichtungen.

Um die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften zu stützen, kann man sich nicht auf das Prinzip der Achtung und der Nicht-Diskriminierung jeder Person berufen. Eine Unterscheidung unter Personen oder die Ablehnung einer sozialen Anerkennung oder Leistung sind nämlich nur dann unannehmbar, wenn sie der Gerechtigkeit widersprechen.

Wenn man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, den sozialen und rechtlichen Status der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert. Auch auf das Prinzip der rechten persönlichen Autonomie kann man sich vernünftigerweise nicht berufen. Eine Sache ist es, dass die einzelnen Bürger frei Tätigkeiten ausüben können, für die sie Interesse hegen, und dass diese Tätigkeiten im Großen und Ganzen in den allgemeinen bürgerlichen Freiheitsrechten Platz haben.

Eine ganz andere Sache ist es, dass Tätigkeiten, die für die Entwicklung der Person und der Gesellschaft keinen bedeutsamen, positiven Beitrag darstellen, vom Staat eine eigene qualifizierte rechtliche Anerkennung erhalten. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften erfüllen auch nicht in einem weiteren analogen Sinn die Aufgaben, deretwegen Ehe und Familie eine eigene qualifizierte Anerkennung verdienen. Es gibt jedoch gute Gründe zur Annahme, dass diese Lebensgemeinschaften für die gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft schädlich sind, vor allem wenn ihr tatsächlicher Einfluss auf das soziale Gewebe zunehmen würde.

In rechtlicher Hinsicht

9. Weil die Ehepaare die Aufgabe haben, die Folge der Generationen zu garantieren, und deshalb von herausragendem öffentlichen Interesse sind, gewährt ihnen das bürgerliche Recht eine institutionelle Anerkennung. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen.

Nicht zutreffend ist das Argument, dass die rechtliche Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften notwendig wäre, um zu verhindern, dass die homosexuell Zusammenlebenden auf Grund der bloßen Tatsache ihres Zusammenlebens die wirksame Anerkennung der allgemeinen Rechte verlieren, die sie als Personen und als Bürger haben. In Wirklichkeit können sie jederzeit wie alle Bürger, ausgehend von ihrer persönlichen Autonomie, auf das allgemeine Recht zurückgreifen, um rechtliche Situationen von gegenseitigem Interesse zu schützen.

Es ist jedoch eine schwerwiegende Ungerechtigkeit, das Gemeinwohl und die authentischen Rechte der Familie zu opfern, um Güter zu erlangen, die auf Wegen garantiert werden können und müssen, die nicht für die ganze Gesellschaft schädlich sind.

IV. VERHALTENSWEISEN DER KATHOLISCHEN POLITIKER IN BEZUG AUF GESETZGEBUNGEN ZU GUNSTEN HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAFTEN

10. Wenn alle Gläubigen verpflichtet sind, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, dann sind es die katholischen Politiker in besonderer Weise, und zwar auf der Ebene der Verantwortung, die ihnen eigen ist. Wenn sie mit Gesetzesvorlagen zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften konfrontiert werden, sind folgende ethische Anweisungen zu beachten. Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzesentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzesentwurf zu votieren.

Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung. Wenn ein Gesetz zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften schon in Kraft ist, muss der katholische Parlamentarier auf die ihm mögliche Art und Weise dagegen Einspruch erheben und seinen Widerstand öffentlich kundtun: Es handelt sich hier um die Pflicht, für die Wahrheit Zeugnis zu geben.

Wenn es nicht möglich wäre, ein Gesetz dieser Art vollständig aufzuheben, könnte es ihm mit Berufung auf die in der Enzyklika Evangelium vitae enthaltenen Anweisungen «gestattet sein, Gesetzesvorschläge zu unterstützen, die die Schadensbegrenzung eines solchen Gesetzes zum Ziel haben und die negativen Auswirkungen auf das Gebiet der Kultur und der öffentlichen Moral vermindern».

Voraussetzung dafür ist, dass sein «persönlicher absoluter Widerstand» gegen solche Gesetze «klargestellt und allen bekannt» ist und die Gefahr des Ärgernisses vermieden wird. Dies bedeutet nicht, dass in dieser Sache ein restriktiveres Gesetz als ein gerechtes oder wenigstens annehmbares Gesetz betrachtet werden könnte. Es geht vielmehr um einen legitimen und gebührenden Versuch, ein ungerechtes Gesetz wenigstens teilweise aufzuheben, wenn die vollständige Aufhebung momentan nicht möglich ist.  

SCHLUSS

11. Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen.

Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.

Papst Johannes Paul II. hat die vorliegenden Erwägungen, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden waren, in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten am 28. März 2003 gewährten Audienz approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 3. Juni 2003, dem Gedenktag der heiligen Märtyrer Karl Lwanga und Gefährten.

Joseph Card. Ratzinger, Präfekt
Angelo Amato, S.D.B., Titularerzbischof von Sila Sekretär

Quelle und ergänzender Anmerkungsapparat hier: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20030731_homosexual-unions_ge.html


Neues Buch von Gabriele Kuby über die „verlassene Generation“ von heute

Rezension von Christa Meves

Ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das vom Fe-Medienverlag Anfang September auf den Markt gebracht wurde. Es heißt „Die verlassene Generation“ von Gabriele Kuby.

Sie hat sich daran gemacht, eine Dringlichkeit zu verwirklichen. Es ist in seiner Art eine Neuheit: die ungeschminkte Darstellung der gesellschaftlichen Folgen einer Trendwende, die seit 50 Jahren in den westlichen Ländern zum Mainstream geworden ist.

Der einstige wilde Aufbruch in die Befreiung von allem und jedem zu neuen Lebensformen – vom Aufsprengen familiärer Bindungen bis zur Entfesselung der Sexualität – versprach zwar ab 1970 neues Glück. Aber hat das diese Veränderung auch wirklich erbracht?

Viele Bürger hat jetzt eher die bedrückende Ahnung gepackt: Nicht nur keineswegs – das Leben ist stattdessen schwerer, ja, oft sogar extrem unglücklich geworden – vom Schwierigwerden der Kinder, dem Zerbrechen viel zu vieler Beziehungen bis zur Vermehrung anhaltender seelischer Erkrankungen, die den Lebenserfolg einschränken.

Das darf nicht länger schöngeredet werden, das darf nicht länger willentlich ausgespart bleiben, sagt Gabriele Kuby – das muss auf den Tisch, das muss in seinen Ursachen zurückverfolgt, da müssen neue Forschungsergebnisse in ihrer Wichtigkeit erkannt werden und zur Bereitschaft zu konstruktiven Veränderungen führen.

Da müssen aus der Erfahrung gewonnene Einsichten in neuer Klarheit erkennbar gemacht und hervorgehoben werden. Jedenfalls: So kann, so darf es nicht weitergehen!

Das unzureichende Bekanntmachen der Fakten ist nicht nun immer weniger aushaltbar – das wird zu einer Schwäche der Gesellschaft, ja schließlich – bei den entsprechenden Mehrheiten – ist sogar eine menschenwürdige Existenz aller gefährdet!

Mit berserkerhafter Geradheit geht Kuby (siehe Foto) an die Aufgabe heran, hier verhängnisvolle Fakten der entstehenden Schäden beim Namen zu nennen und, besonders als Soziologin, die Zusammenhänge aufzudecken – in 13 Kapiteln, die es in sich haben.

Jede einzelne Zielrichtung wird kapitelweise behandelt: Unverblümt und in allen Einzelheiten geht es unter offenlegenden Benennungen zu, so z. B. in Kapitel 2: „Sex ja, Baby nein“. Da bleibt keine Methode der Verhütungsindustrie samt aller Neuheiten unerwähnt, und dann erscheint das ganze Gefüge keineswegs mehr nur lustvoll und harmlos…

Bei den Ergebnisfakten wird hier nichts ausgelassen. Das ist die Methode der Autorin: sichtbar zu machen, dass in den letzten Jahrzehnten bei wichtigen Lebensproblemen das natürliche, gesunde Empfinden der Bevölkerung zwecks Übernahme einer mainstreamstarken Meinung geradezu weggeschaltet, also zwecks Anpassung allgemein verdrängt wird.

Vollständige, tiefgreifende Aufklärung über das Abtreibungsgeschehen und über neue Möglichkeiten unnatürlicher Befruchtung z. B. wird auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt.

Oder: Dass das tägliche Weggeben eines Säuglings im Empfinden jeder jungen, normalen Mutter wehtut und dass sie das eigentlich nicht will, ist erznatürlich. Aber das inflationierte Geld ist knapp geworden. Und so glaubt man selbst in den einzelnen betroffenen Familien immer häufiger den Ideologen, dass die Kinder im Kollektiv besser gedeihen, besser „gebildet“ werden als zu Hause. Das mag in Einzelfällen stimmen, aber nicht bei instinktsicheren, gesunden Müttern.

Was die Krippe an Negativem für die Babys im Gehirn – oft lebenslänglich – bewirkt, wird von Kuby ausführlichst dargelegt.

Sehr informativ sind auch die beiden Kapitel über das Eindringen der Sexvergötzung in die entsprechenden Institutionen, in Kindergarten, Grundschulunterricht und weitere Schulbereiche. Hier berichtet die Autorin von skandalösen Aktivitäten, die nicht altersentsprechend sind.

Hier ist für Laieneltern noch viel zu lernen, um rechtzeitig dem Ansturm ideologischer Eiferer in den Ministerien gewachsen zu sein, wenn unangemessener Sexualunterricht in der Grundschule und Sexualkundeunterricht im Jugendalter im Lehrplan stehen.

Wie deutlich wird es in den ersten 10 Kapiteln, dass – um Himmels willen – vordringlich vor allem bei solchen Unangemessenheiten die politische Richtung den Takt vorgibt, was natürlich inadäquat und damit schlimm falsch ist.

Drei Superschädigungsquellen am Schluss sind noch in weiteren Kapiteln zu benennen: die Scheidungserleichterung als Nestverlust für die Kinder, ihre einseitige Digitalisierung bei den Lernprozessen und eine leichtfertige, uneingeschränkte Zugangsmöglichkeit von Pornographie (besonders durch das Smartphone) auf dem Hintergrund internationaler Netzwerke mit verbrecherischem Kindsmissbrauch.

Spätestens beim Lesen des 12. Kapitels taucht die Frage auf: Warum haben wir das alles denn so, so lange schluren lassen?

Durch Kubys so eindringliche Schilderungen der negativen Folgen des Zeitgeistes wird uns mehr als an einem Beispiel deutlich, dass den großen Gefahren für die Zukunft aller die – nicht als Falle erkannten – oberflächlichen Lebenseinstellungen zugrunde liegen.

Gabriele Kuby streift zwar auf Seite 183 (1) meine damals bereits pointierte Öffentlichkeitsarbeit (ich war dem Protagonisten Kentler 1968 im Rahmen der EKD zum ersten Mal begegnet und hatte unverzüglich ein Gegenbuch geschrieben, um der drohenden Schändung von Kindern „als höchstes Glück der Erdenkinder“ warnend zu begegnen).

Aber jetzt erst scheint die Zeit zum einhelligen Widerstand von Menschen mit gesundem Verstand und einer verantwortungsbewussten Gesinnung eingetreten zu sein.

Jetzt erst – nach längst eingetretenem Unglück – kann von Gabriele Kuby mit trauriger Ernsthaftigkeit und fleißigster Recherche mit dem notwendigen Entsetzen – hoffentlich erfolgreich – darauf reagiert werden.

Jetzt erst scheint die Zeit zu vielzähligem Widerstand der Menschen mit gesundem Menschenverstand da! Erst wenn der Zahnschmerz übermächtig wird, kann die Wahrheit ans Licht: Dieser Zahn muss raus! – Nach Kubys Buch kann es kein Ausweichen mehr geben.

Aber von einem rasanten Sanierungswillen allein sind die fast 400 Seiten dieses Buches keineswegs beherrscht.

Es trägt außerdem die Merkmale eines „hörenden Herzens“, es ist von einem Hinauffragen nach konstruktiven Wegen, die mit der Schöpfungsordnung übereinstimmen, durchzogen. Angehängt ist außerdem der Bericht einer in Kanada aufgewachsenen, gebildeten Rumänin als konkretes Beispiel eines gesunden Familienlebens in diesem Sinne.

Die Quintessenz aller ihrer Einsichten finden wir auf den letzten Seiten des Werkes: „Jeder hat (jetzt, d. Verf.) die Wahl, weiter auf irdischen Sicherheiten zu bauen oder den großen Sprung in den Glauben zu wagen und sein Leben auf Gottes Zusagen, Verheißungen und Gebote zu bauen“ (2).

Danach gilt es also, sich auszurichten. Das ist der Geist, aus dem in später Stunde – wahrheitsgemäß und absolut unerschrocken – dieses Buch geschaffen worden ist.

(1) Kuby, Gabriele:  Die verlassene Generation, Fe-Medienverlag, Kissleg 2020, S. 183.
(2) Dieselbe: S. 351.


Lobpreis der EHE aus dem Hochmittelalter

Aus der „Summe der Tugenden und Laster“ des Dominikanerpaters Wilhelm Peraldus (+1271):

  1. Der Eheorden ist von Gott selber eingesetzt worden, während die anderen Orden von Menschen gestiftet wurden.
  2. Er wurde eingesetzt im heiligsten Ort auf Erden: dem Paradies.
  3. Er ist älter als alle anderen Orden.
  4. Er ist eingesetzt worden, als der Mensch noch im Stand der Unschuld lebte.
  5. Diesen Orden allein hat Gott in der Sündflut erhalten.
  6. Die Gottesmutter hat in diesen Orden eintreten wollen.
  7. Christus hat ihn geehrt, indem er ihn auf der Hochzeit zu Kana besuchte.
  8. Bei dieser Hochzeit hat der HERR sein erstes Wunder gewirkt.
  9. Dazu kommt der feierliche Segen, den die Kirche in der hl. Brautmesse den Eheleuten spendet.
  10. Zur Empfehlung des Ehestandes trägt noch die kostbare Frucht bei, die aus der Ehe hervorgeht: aus ihr werden Kinder geboren, die dann in der heiligen Taufe Kinder Gottes werden. Wenn jemand einen Weinberg hätte, der ihm jährlich 1000 Eimer Wein brächte, so würde er ihn sehr schätzen. Wie hoch ist daher die Ehe zu würdigen, aus der Kinder hervorgehen, von denen eines mehr wert ist als aller Wein auf Erden. Aus der Ehe werden zudem Jungfrauen hervorgebracht. Wenn aber die Jungfräulichkeit sehr liebenswert ist, dann auch die Ehe.
  11. Die Ehe ist eines der sieben heiligen Sakramente.

 


„ER wird dir den Kopf zertreten“ (Gen 3,15): Zur Frauenbewegung in Kirche und Welt         

Von Lucia Tentrop

Was mir an feministischen Frauenbewegungen immer wieder aufstößt, sind ihre anmaßenden Grenzüberschreitungen.

Obwohl sie von einer Gemeinschaft getragen wird, benutzt sie diese Basis rücksichtslos für ihre eigenen Ziele.

Sie bemächtigt sich demonstrativ unserer geistig-seelischen Werte und missbraucht das religiöse Kraftzentrum unserer Geisteswelt, das Heiligtum der Liebe, für ihr banales Status- und Karrieredenken.

Wenn ein Sprayer seine politische Werbung auf eine öffentliche Hauswand, einen Kindergarten oder Bus sprüht, macht er sich strafbar.

Aber wenn sich ein Gruppen-Ego  –  nur weil es sich im Recht fühlt – als Besitzer unseres kulturellen Allgemeinguts aufführt, die Regeln unseres Kulturguts Sprache eigenmächtig verformt, die schriftliche Lektüre und Kommunikation durch ihre politischen „Werbe-Spots“ irritiert, um uns vom Wesentlichen abzulenken – und sogar unsere heiligen Schriften politisch „korrigiert“, um in ego-zentrischem Machtstreben unser Jahrtausende altes Kulturgut politisch zu besetzen, wird das hingenommen.

Die Verletzung unseres religiösen Empfindens und unseres kulturellen Identitäts-Gefühls wird in Orgien banalen Machtstrebens lieblos überrollt, weil man nicht mehr weiß, was das ist. Genießen Personen, die sich zu Unrecht benachteiligt fühlen, demokratie-übergreifende Sonderrechte ehemaligen Herrschertums? Wenn ja, warum? 

Egozentrische Ermächtigung, die sich über eine Gemeinschaft erhebt und sie rücksichtslos für eigene Interessen ausbeutet, ist diktatorisch. Die Machtinteressen männlicher Diktatoren haben Kriege ausgelöst, Völker unterdrückt und sich ein sexuelles Besitzrecht über weibliche Untertanen angemaßt.

Der zur Gewalt neigende Typ des Diktators ist aber erkennbar, egal ob in Familie, Beruf, am Stammtisch oder als Chef, der seine Sekretärin oder Ehefrau (ohne vorherige Absprache) als Mülltonne für seine Fehler benutzt, um selber gut dazustehen. 

Dieser Machttyp überzieht die Instinkt-Grundlage des „starken Mannes“. Weil er immer „oben“ sein muss, ist er auch immer „im Recht“, wenn nicht, macht er den Zweifler um einen Kopf kürzer.. 

Sein weibliches Pendant, das sich erst in unserer Zeit als „Macht von unten“ zeigt  und immer noch die Maske der Verdrängung trägt, ist schwerer zu erkennen:

Die ehemals unterdrückte Frau hat den Egoismus des männlichen Machttyps verinnerlicht  (Vampirismus des Bösen). Sie lebt ihn unbewusst bzw. spiegelbildlich  auf der Instinkt-Grundlage der „schwachen Frau“ und im Schutz einer Massen-Mentalität, für die ein Unrecht durch häufige Wiederholung und steigende Teilnahme zum Recht wird. Unermüdlich erinnert sie an die Opfer männlicher Gewaltsysteme und erhebt  pauschal Anklage gegen den Mann.

Auf der Mitleidsschiene unseres sozialen Denkens vereinnahmt sie das reale Leiden vieler Frauen, um sich durch den Erwerb männlicher Vorteile stellvertretend für sie zu entschädigen.

Wie passt es zum Vorwurf ihrer beruflichen „Herabsetzung“ in unserer männlich dominierten Kirche, dass sie sich dem islamischen Mann in unterwerfungslustiger Beflissenheit als ehrenamtliches Kindermädchen anbietet, damit dieser – obwohl er als arbeitsloser Flüchtling selber Zeit dafür hätte – es seiner Frau erlaubt, vorübergehend dreimal wöchentlich für drei Stunden an einem staatlich finanzierten Deutschkurs teilzunehmen? (Im Islam ist Bildung Männer- und Kinderbetreuung Frauensache.).

Warum sorgte sie zur Zeit der Kurse für eine aufwändige Trennung der Geschlechter nach islamischen Bedingungen, statt mit den Flüchtlingen von Anfang an die in unserem Staat geltende Gleichberechtigung von Mann und Frau einzuüben?

Wie kann eine freie christliche Frau sich der Überheblichkeit eines Mannes andienen, dem man nicht mal die kurze Beaufsichtigung seiner eigenen Kinder zumuten kann, weil ihm dabei ein Zacken aus seiner Potenzkrone fallen könnte? 

Warum hilft sie nicht seiner in ihren Grundrechten benachteiligten Frau und steht  – wie ihre gepriesenen Vorbilder Judith, Rahel und Maria – auf der Seite unseres eigenen Volkes, dessen Grundgesetz der Familie das Leben rettet und ihr die Möglichkeit gibt, gleichberechtigt in unserm Land zu leben?

Diese unbewusste Ambivalenz ist die „falsche Schlange“, die man seit Jahrtausenden bevorzugt der Frau anhängt (Eva), obwohl der aus Angst unterdrückte Lebenstrieb auch als kriecherische, aber latent aggressive und lieblose Männlichkeit auftreten kann (Adam in Genesis 3,12).

Während die aufgerichtete Schlange für Aufrichtigkeit und Leben steht (z.B. als innerer Lebensbaum, Kundalini, Moses- und Äskulap-Stab), ist sie in einem zusammengefallenem oder kriechendem Zustand eine seelische Gestalt der Angst, Bedrohung und des Todes.

In der Mann-Frau-Beziehung zerstört sie das Vertrauen in die ursprüngliche Liebe, einer  göttlichen Mitgift, die  die Beziehung übersteigt, trägt und erhält, solange sie als höhere Macht geglaubt wird.                                                 

Mit der rebellierenden Projektion des verinnerlichten männlichen Machttyps auf die Außenwelt – bei gleichzeitig innerer Unterwerfung – ruft sie aber langfristig eben diesen Typ Mann aus ihrem Innern wieder in die reale Gegenwart:

Insistierende Provokation und eine Vorwurfshaltung, die unter klagendem Hinweis auf vergangenes Unrecht und leidvolle Benachteiligung das Selbstgefühl des Mannes zum eigenen Vorteil durch Schuldgefühle zu schwächen sucht, sind gefährlich:

Die latent aggressive „Opfer-Mentalität“ einer äußerlich grundlos lamentierenden Frau kann die Instinkte des friedlichsten Mannes irritieren, aus der Reserve locken und zur Gewalt verführen. Er spürt die Lüge, kann sie aber nicht greifen und greift die Frau an…. Damit beginnt der Kreislauf des Unbewussten wieder von vorn (s.o.).

Die beste Gestaltung dieses zeitlosen Typs unbewusster weiblicher Ambivalenz ist für mich die Kundry in Richard Wagners Oper PARSIFAL.

In jeder Inszenierung begleitet sie ihren Aufstieg aus der Unterwelt mit einem „grässlichen Schrei“ und „lässt ein Klagegeheul, von größter Heftigkeit bis zu bangem Wimmern sich abstufend, vernehmen“ (Libretto).

In diesem Werk geht es – wie in der aktuellen Frauenbewegung – um die Vereinnahmung des religiösen Zentrums unserer europäischen Kultur durch  hinterhältiges Machtstreben: Äußerlich dient Kundry dem „Gral“, aber innerlich ist sie ihrem Klingsor hörig, einem zeitlos männlichen Machttyp, der ihre Weiblichkeit zur sexuellen Verführung der zölibatären Ritter einsetzt, um ihnen ihre besondere Kraft und damit den „Gral“ zu rauben: „Hüt´ ich mir selbst den Gral!“

Offiziell ist die Frau in unserm sozialen Staat unabhängig. Aber statt sich nun partnerschaftlich kreativ mit etwas Eigenem in die Kirche einzubringen, macht sie sich von Neuem abhängig, indem sie nach dem Prinzip „Kuckuck“ bequem in seine männlichen Schuhe steigen will.

Das Priesteramt ist entsprechend der männlichen Natur geschaffen. Was hindert die heutige Frau daran, aus ihrem eigenen Wesen heraus neben diese Position etwas Neues zu stellen, das diese zu einem größeren Ganzen ergänzt?   

1. Christus und das Patriarchat

Eine männlich geleitete Gruppe muss ebenso wenig schlecht sein, wie eine matriarchalische Gruppe unbedingt gut sein muss. Beides kann funktionieren. Entscheidend ist eine natürliche Autorität, deren Macht nicht ego-zentrisch, sondern gemeinschafts-orientiert eingesetzt wird und sich einer sie übersteigenden Macht verantwortlich fühlt, denn ein sich selbst vergöttlichende Herrscher wird zum Diktator.

Die Gesellschaft zur Zeit Jesu war eine patriarchalische Diktatur. Im AT werden Frauen und Vieh problemlos zusammengefasst.

Christus hat aber nicht seinen männlichen Vorteil in diesem System gesucht und sich der Gesellschaft angepasst, sondern die Frau gegen die lieblosen Regeln seiner Zeitgenossen in Schutz genommen. Er wusste sich als Mann, setzte die Liebe über die Macht und folgte mutig seinem männlichen Schutzinstinkt. So entsprach er der ursprünglichen Ordnung der Schöpfung.

Darüber hinaus führte er ausführliche Lehrgespräche mit Frauen, obwohl bereits das bloße Gespräch mit einer Frau als sittenwidrig galt. Das war revolutionär, der Beginn ein neues Gesellschafts-Systems.

Dass er trotz seiner paradiesischen Mentalität keine Frauen als Apostel einsetzte, hatte neben historischen Aspekten einen natürlichen Grund: Jesus war Naturmensch. Als Wanderprediger hatte er nicht einmal eine eigene Wohnung. Sein Bezug zur Natur ist mit unserer Urlaubsmentalität nicht zu vergleichen. Es gab keine festen Straßen, das normale Last- und Verkehrsmittel war ein Esel, die medizinische Forschung war antik.

Die Menschen lebten mit Familie und Verwandten sowie Knechten, Mägden und Tieren zusammen in selbsterrichteten Häusern und Hütten, hatten oft nur ein Kleidungsstück und aßen ihr eigenes Brot, Fleisch, Obst und Gemüse.

Die Theologie bzw. die Gleichnisse Jesu entstammen der Lebenswelt einer überwiegend ländlich lebenden  und naturhaft denkenden Menschheit. Welcher heutige Theologe könnte es sich leisten, sein Auditorium als „Herde“ anzusprechen, einen abwesenden Assistenten als verlorenes „Schaf“ zu bezeichnen, seinen Studenten zu empfehlen, „von den Vögeln des Himmels“ zu lernen und sich für die Missio canonica mit einem Angel-Schein zu begnügen?

Jesus selbst hat sich nicht geniert, sich mit einem Viehhüter zu vergleichen, obwohl die Hirten damals im gesellschaftlichen Abseits lebten und verachtet waren. Welcher renommierte Vertreter unseres Bildungssystems hätte dieses öffentliche Selbstbewusstsein?

Im Tierreich wird im allgemeinen  – damals wie heute – die Herde oder Familie von einem männlichen Mitglied geleitet, denn das stärkste Tier ist in der Regel männlich.

Wenn zwei Leittiere zusammenkommen, entsteht männliche Rivalität bzw. Kampf . Das kennt jeder, der mit seinem Hund spazieren geht. Hündinnen rivalisieren nicht.

Wenn ich die Vögel auf dem Hinterhof unseres Hauses füttere und ein bisschen spät dran bin, höre ich regelmäßig eine besonders kräftige Taube mit dickem Hals in dunkel grollendem Ton gurren, manchmal randaliert sie sogar vor meinem Küchenfenster  –   für alle! Denn die andern Vögel sind still. Die Tauben warten auf einem Mauer-Vorsprung des Hauses, die kleinen Vögel im Gebüsch; niemand zwitschert oder gurrt. Halten Sie dieses Kraft-Tier für weiblich? Ich tippe auf männlich.

Wir Menschen gehören – tierisch gesehen – zu den Primaten. Das männliche Tier dominiert. Es ist kräftiger als das weibliche und hat einen höheren Rang in der Herde. Auch die Gruppe des Urmenschen war männlich geleitet. Der Mann sorgte normalerweise für den Lebensraum, die Frau für die Innenwelt. Beide profitierten von ihren unterschiedlichen Aufgaben.

Die Ergänzung Mann-Frau mit äußerer Dominanz des Mannes ist eine auf genetischer Anlage erworbene Programmierung, mit der wir Jahrtausende lang gelebt und überlebt haben. Auch die heute verpönte Bevorzugung männlicher Führungskräfte ist instinktbedingt.

Die Nivellierung der polaren Mann-Frau-Beziehung (als Leitbild) erinnert mich an das Schmelzen der Pole unserer Erde. Dennoch erlauben uns Bildung und Technisierung, sehr weit von unserer natürlichen Basis abzuweichen, denn sonst hätten wir keine weiblichen Theologen, Chrirurgen, Politikerinnen und Fußballspielerinnen…

Aber wenn wir unsere Instinktbasis total vergessen und übergehen, degenerieren wir. Wir sind ja ein Teil der Natur.  Ihre Missachtung fällt auf  uns selbst zurück.

2. Zur Ordnung der Schöpfung

Von der Schöpfung her gesehen ist die starke Position des Mannes keine Wertung. Sein Rang hat dienende Funktion. Er erhält die Ordnung und dient dem Schutz und Wohlergehen der Herde. Würde sich im Tierreich ein Leittier auf Kosten seiner Herde dauerhaft zum ich-süchtigen Diktator entwickeln, wäre das krankhaft.

Ebenso krank wäre eine rebellierende weibliche Gruppe, die ohne existenzielle Not und auf  Kosten der Gemeinschaft dem Mann seine führende Rolle neidet und die Macht anstrebt. Das gesunde Tier, egal ob weiblich oder männlich, folgt in Demut dem ihm innewohnenden Gesetz seiner Gattung. Eine Tierart, die ihren Herden-Instinkt verliert, würde sich selbst vernichten.

Nur der Mensch kann auch große Irrtümer korrigieren. Unkritische Ab- oder Aufwertung einer anderen Person aufgrund ihrer Vorteile ist Mangel an Liebe zum eigenen Wesen. Der heute gesellschaftsfähig gewordene Neid der Frau auf natürliche oder erworbene Vorteile des Mannes irritiert seine Instinkte und schadet ihr selbst, dies stellt den Mann erst recht auf den Sockel unfreiwilliger Anbetung und zerstört im eigenen Innern die Basis  der Schöpfung: eine paradiesische Grundstimmung. Das von Jesus gegebene männliche Leitbild des Guten Hirten entspricht diesem naturhaft-harmonischen Zustand der Seele.

Warum also sollte die katholische Kirche angesichts unseres immer schneller und größer werdenden Fortschritts von der Natur nicht die Bewahrerin unseres Urwissens sein, zumal  seit Jahrhunderten jeder Christ täglich am Ende fast jeden Gebets an den Ursprung der Schöpfung erinnert: „Wie es war im Anfang…“ usw. 

Wer sonst könnte also angesichts der von den Schattenseiten des Fortschritts bedrohten Erde diese bewahrende Aufgabe erfüllen, wenn alles nur nach wirtschaftlichem Wachstum strebt, die Würde und das  Leben des Menschen zunehmend von Status, Besitz und formal bescheinigter Intelligenz abhängt, unsere Kinder computer- und cola-orientiert denken, die wissenschaftlich gewordene Pädagogik die gemüthaft-musische Vitalität unserer menschlichen Natur ver-fallen lässt (der kulturfähige solistische Sängernachwuchs in Deutschland ist ab ca. 1970 nahezu ausgestorben) und die Ausbeutung der Erde uns zu vernichten droht, weil eine wilde GIER den Instinkt für Sättigung ersetzt?

Ein Bewusstsein unserer eigenen Natur ist mindestens ebenso wichtig wie ein Geschichts-Bewusstsein; es dient der Erhaltung der Gattung Mensch.  

3. Apophis: der Neid

Dass ein Mensch, der unter dem Druck von Sklaverei und Gewalt steht, einen mörderischen Hass in sich hegt, ist verständlich. Wenn es ihm nicht gelingt, ihn auf einer ideellen Ebene, z.B. im Glauben an eine (religiöse) Gestalt der Liebe, zu übersteigen (Beispiel: Negro-Spirituals), geht er daran zugrunde.

Dass aber Frauen unserer freien und sozial abgesicherten Gesellschaft immer noch den historischen Neid auf  männliche Vorteile in sich horten, empfinde ich als Mangel an Selbsterkenntnis. Wenn ich habe, was ich für mein Leben brauche, kann es mir ziemlich egal sein, dass ein Anderer mehr hat.

Nur wenn ich an diesem äußeren Mehrwert meinen Selbstwert messe, fühle ich mich herabgesetzt. Für diese Denkweise (die dem  christlichen Menschenbild widerspricht), bin ich aber selbst verantwortlich und kann sie Anderen nicht anlasten.

Im übrigen kann ich als Frau vom Vorteil des Mannes profitieren. Auch das schützt vor Neid.

Neid ist allgemein menschlich. Er ist eine angstbesetzte Konfliktgestalt, die unkontrolliert zu tödlichem Hass werden kann (vgl. Kain und Abel).

Bedauerlicherweise wird er so gut wie immer versteckt und verdrängt, denn seine Annahme und Bearbeitung im Licht des Bewusstseins könnte diese lebensfeindliche Energie in positive Kräfte wandeln, z.B. in Dankbarkeit und innere Erfüllung, und die dem Neid innewohnende Abhängigkeit durch ein Bewusstsein der eigenen Identität ersetzen.

Im Zustand der Unterdrückung aber verversinkt er mitsamt seinem Schatz an wandelbarer Lebensenergie in die tiefste Finsternis des Unbewussten.

Unbemerkt nagt er wie ein Wurm an der Wurzel des Lebensbaumes und wird langfristig zum Drachen, der diesen Schatz  in seiner dunklen Neidhöhle hortet und ihn nicht mal sich selber gönnt.

Schon die uralte ägyptische Sonnen-Religion erkannte im Neid den Gegner der Gottheit bzw. des Lebensprinzips: 

Jeden Abend versinkt der Sonnengott im blutroten Nil, um bei seinem Kreislauf um die Erde die Unterwelt zu durchschreiten. In dunkler Tiefe erwartet ihn dort die abgründige Schlange Apophis, der Finsternis List und Neid. Sie neidet dem Licht seinen Glanz und will es verschlingen, um selber zu glänzen. Weil sie aber blind ist, fehlt ihr das Licht der Erkenntnis. 

In blindwütigem Streben erkennt sie nicht, dass sie mit der Einverleibung des Lichtes eine totale Sonnenfinsternis auslösen und auf der Erde das Licht auslöschen würde. Deshalb muss das Licht zur Erhaltung des Lebens auf der Erde und zum Erweis seiner unverminderten Göttlichkeit jede Nacht diese Schlange besiegen.

Gelingt ihm der Drachenkampf (drakon = Schlange und Drache), steigt es am Morgen wieder auf, um aus dem Wasser des Nil und der jungfräulichen Mutter Erde als strahlender Sonnengott  von neuem geboren zu werden. Ein Sieg der Finsternis aber wäre das Ende der Welt.

Hat dieser uralte Mythos denn nicht recht?

Der Neid ist bei uns – u.a. durch die Frauenbewegung – gesellschaftsfähig geworden. Er lebt nicht von ursprünglicher Lebensfreude, sondern vom Vergleich.

Weil der Neider sich nicht an sich selbst, sondern am Andern orientiert und ohne Not „mithalten“ zu müssen glaubt, also händeringend haben muss, was er nicht braucht, fühlt er sich minderwertig.

Die aus Neid und unkontrollierten Minderwertigkeitsgefühlen entstehende Anspruchshaltung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, nämlich ein Fass ohne Boden. Sie verschlingt die Güter unserer Erde – wie die Apophis-Schlange das Licht zu verschlingen droht.

Die situierte Frau, die dem Mann (im übertragenen Sinne Sigmund Freuds) seinen „Vor-teil“ nicht gönnt, setzt sich selbst als Frau herab, indem sie die Abwertung eines frauenverachtenden männlichen Typs glaubt, statt ihn in weiblichem Selbstbewusstsein abzuschütteln.

Wenn die in Freiheit lebende westliche Frau sich ihre masochistischen Zöpfe nicht endlich abschneidet und, statt sich in vorwurfsvollen Minderwertigkeitsgefühlen zu suhlen, diese als Antrieb für den ehrlicheren Weg der Selbsterkenntnis nutzt, verbreitet sie die gierige Mentalität des Neides über die Erde und wir können unseren Globus einpacken.

Der Drache (oder die Schlange) ist von der Bibel bis zur Oper eine der beliebtesten Gestalten unserer Kunst,  als Eva, Kundry, Klingsor, Lindwurm, Beckmesser, Mephisto, Jago, Python, Königin der Nacht u.v.a.

Die mythologische „Tötung“  des Drachen ist auf der realen Ebene ein Akt der Erkenntnis, das Schwert des Drachentöters ein geistiges Prinzip.  Der christliche Parsifal vernichtet Klingsors  Reich, indem er dem Gegner – ohne zu kämpfen oder ihn zu berühren – mit dem „heiligen Speer“ das Zeichen des Kreuzes re-flektiert. (Szenisch: Statt den Speer auf Klingsor zurückzuwerfen, wirft er ihm damit das Zeichen des Kreuzes zurück.

4. Neid ist ein anti-religiöser Antrieb

„Die Schlange (= der Neid) hat mich verführt“, sagt Eva, und wer auf die Strategien des Neides hereinfällt, verfällt der falschen Schlange. Das ist Urwissen unserer Seele.

Wenn einer ein Haus baut und sein neidischer Nachbar es ihm nicht verzeihen kann, dass er nur eine Wohnung hat, darf dieser dann aus sozial-rechtlichen Gründen bei dem Besitzer einziehen? Statt fremde Tapeten zu ändern, sollte er seine Denkweise ändern und entweder die Vorteile seiner kleineren Wohnverhältnisse erkennen  –  oder sich selber ein Haus bauen.       

Das männliche Priesteramt setzt niemanden herab. Wenn die heutige Frau das geistliche Amt des Mannes als Herabsetzung empfindet und ihm das Seine nicht gönnt, ist das ein Problem ihres Selbstbewusstseins. Nicht alle Frauen denken so wie sie.

Die mit ihrer Position unzufriedene Frau sollte sich – wie ehemals der Mann – aus ihrer eigenen Natur heraus etwas Eigenes schaffen, was die Gemeinschaft noch nicht hat, aber braucht, und den männlichen Priester dadurch ergänzen.

Angesichts der gegenwärtigen Situation der Kirche und unserer von Neid und Gier bedrohten Erde gibt es viele Möglichkeiten für ein Priestertum der Frau.

Ein faires Angebot an die  Kirchenführung hätte mehr Liebe als die destruktive Vorwurfshaltung innerlich abhängiger und unaufrichtiger Frauen, die die Verantwortung für ihr Wohlergehen dem Mann anlasten und ihre Probleme auf alle Frauen ausdehnen.

Es wäre der Auftakt zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit und der Beginn einer Aufrichtung der Schlange zu positivem Leben.

Kein vernünftiger Unternehmer würde einem Mitarbeiter, der sich ständig über die Bedingungen des Unternehmens beklagt und ihn damit sogar öffentlich kompromittiert, aus sozialen Gründen eine leitende Stellung geben, um ihn zu besänftigen. 

Das Klagelied sich selbst frustrierender Frauen über ihre Herabsetzung und Benachteiligung übertönt die Tatsache,dass es in unserer Kirche seit eh und je herausragende Frauen gab, die höchste Anerkennung genossen, weil sie die christliche Gemeinschaft mit eigenständigen Leistungen und bedeutenden Erkenntnissen  bereichert haben. Auch die Heiligsprechung in unserer Kirche ist unabhängig von Rang und Geschlecht.

Jeder Mann und jede  Frau kann in der Kirche das höchste Ziel erreichen, aber das ist in einer Religionsgemeinschaft ein anderes als in einem Beamten- oder Wirtschaftssystem. Da geht es ja nicht um seelische Werte.

Die kirchliche Hierarchie ist ein Ordnungssystem, kein Gradmesser der Heiligkeit. Die glanzvollen Gewänder der Geistlichen werden im liturgischen Bereich der Darstellung des Heiligen getragen. Sie dienen der feierlichen Erhebung der ganzen Gemeinde zum Höchsten. Wer sie als persönliche Ehrung versteht, missbraucht sein Amt. Und wer pauschal jedem Geistlichen diesen Missbrauch unterstellt, der lügt.

Darüber hinaus spricht die 2000 Jahre alte Bedeutung und die weltweite Popularität der christlichen Maria für eine hohe kirchliche Anerkennung der Frau.

Ich weiß zwar nicht, welche Aufgabe man Maria heute geben, welchen Status man ihr zuerkennen und in welche Gehaltsstufe man sie einordnen würde. Wahrscheinlich ganz unten, denn sie war ein einfacher Mensch, hatte nicht studiert und konnte nicht schreiben…

Würde sie sich deshalb minderwertig fühlen und als Billig-Ausgabe in Münster gegen ihre ungerechte Behandlung demonstrieren?       

„Den heil´gen Speer – ich bring ihn Euch zurück!“ (PARSIFAL / Erlösungsakt)

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist Theologin, Pädagogin, Malerin und Musikerin; sie lebt in Berlin  –  hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de

 


Gottes Segen gilt der EHE von Mann und Frau

Von Felizitas Küble

Die „Westfälischen Nachrichten“ veröffentlichten am 17. August 2019 eine Nachricht auf Seite 3, wonach der Ruhestands-Weihbischof Geerlings aus Münster die kirchliche Segnung  von homosexuellen Verpartnerungen fordert.

Unter dem Titel „Gottes Segen gilt der Ehe von Mann und Frau“ schrieb ich einen kritischen Leserbrief dazu, der von der Zeitung nicht abgedruckt wurde. Hier folgt der volle Wortlaut meines Schreibens:

 „In der Münsteraner Bistumsleitung geht es theologisch weiter drunter und drüber. Oder wie soll man es sich sonst erklären, dass die Bischöfliche (!) Pressestelle laut Ihrem Zeitungsartikel über Aussagen des Weihbischofs em. Dieter Geerlings auf einer „Queer“-Veranstaltung berichtet, wonach die Kirche homosexuelle Partnerschaften segnen solle.

Seine Begründung ist ebenso abwegig wie die Forderung selbst, wenn er erkärt, die Kirche könne sich nicht „zwischen Gott und sich liebende Menschen stellen“.

Es ist nicht die Kirche allein, die sich bei „queeren“ Verhältnissen querstellt, sondern Gott selbst, denn seine Schöpfungsordnung beruht auf der Ehe von Mann und Frau  –  und sie ist es, die den Segen des Höchsten erhält: „Und Gott segnete sie (Adam und Eva) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch…“ (Gen 1,28).

Homosexuelle Beziehungen entsprechen nicht der Schöpfungsordnung Gottes und sie dienen auch nicht der Weitergabe des Lebens, daher kann die Kirche sie nicht segnen.

Anderslautende Ansichten von kirchlichen Hierarchen sind nichts weiter als Amtsmissbrauch, denn die Kirche steht nicht über dem Wort Gottes, sondern sie hat ihm zu dienen. Alles andere läuft auf eine Willkürherrschaft hinaus, in welcher nicht mehr der Wille Gottes zählt, sondern subjektive Wünsche von Menschen.

Die Kirche ist aber dem Heiligen Geist verpflichtet, nicht dem Zeitgeist – und wer sich hieran nicht hält, betreibt eine modernistische Variante jenes „Klerikalismus“, den der Bischof von Münster doch sonst so gerne kritisch kommentiert.“

Foto: Dr. Edith Breburda

 


Der verhängnisvolle Einfluß der Gender-Ideologie auf „Transkinder“

Von Christa Meves

Hierzulande gibt es Spezialkliniken, die sich (außer mit Erwachsenen) auch mit den sogenannten „Transkindern“ beschäftigen. Das sind Minderjährige, die mit ihrem angeborenen Geschlecht unzufrieden sind und die das – meist in das Gegengeschlecht – verändern wollen.

In der Klinik Münster z. B. hat sich die Zahl der Ratsuchenden von 70 im Jahr 2014 auf etwa 180 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt (1).

Doch das erweist sich nicht nur als ein neuer problematischer Fachbereich bei uns (besonders auch durch die erforderlichen Gutachten), sondern zeigt in allen westlichen Ländern eine bedrängende Entwicklung durch ähnliche Zahlen.

In Großbritannien etwa begaben sich 2010 erst 94 Minderjährige in die Londoner Spezialklinik. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl auf 2519 Fälle angehäuft (2).

Kürzlich las ich, dass sich sogar die im Grunde doch noch bodenständige Schweiz mit Problemen dieser Art zu beschäftigen hat. Aber wie bei uns (siehe z. B. Mathias von Gersdorff, Hedwig von Beverfoerde) wollen sich auch in der Schweiz Eltern mit ihren oft noch gesunden Familien das nicht mehr gefallen lassen.

Dort tritt z. B. besonders der Verband „Zukunft CH“ – initiiert von dem namhaften Pastor Hans-Jörg Stückelberger – an die Öffentlichkeit. In der letzten Verbandsmitteilung – unter der Regie der bewährten Redaktion von Beatrice Gall vom Juli 2019 – beschäftigt sich der Mitarbeiter dieses Vereins, Dominik Lusser, besonders mit diesem Thema: „Transkinder sind danach Unmündige, denen mit Erfolg die Vorstellung vermittelt worden ist, dass sie sich ihr Genital umoperieren lassen können, um mit sich zufrieden zu werden“ (3).

In der Schweiz seien das immer mehr Minderjährige gewesen. Der erste Schritt dazu beginne mit einer jahrelangen Behandlung durch Hormone des Gegengeschlechts. Neben einem interessanten Interview mit einem betroffenen Mädchen reagierte man in der Zeitschrift dann mit einem Aufruf, den ich zitieren möchte:

„Eine wachsende Zahl von Minderjährigen wird in der Schweiz inzwischen mit Hormonen und Geschlechtsumwandlungen behandelt – weil sie sich – so zumindest die Diagnose – in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Und das, obwohl die Forschung zeigt, dass sich in 80 bis 95 Prozent aller Fälle die Geschlechtsidentitätsstörungen bis zur späten Jugend auflösen, wenn sie vor der Pubertät auftreten.

Diese Behandlung der sogenannten ‚Transkinder’… gibt somit massiven Anlass zur Sorge. Die in weiten Teilen irreversible Behandlung wird von Betroffenen in der Folge oft bereut, da sie die eigentlichen Probleme nicht gelöst hat. Denn in der Regel sind Anerkennung und Bestätigung das Kernthema, und nicht das Geschlecht. So wird derzeit, unterstützt von den großen Medien, eine Lebenslüge verbreitet, welche Menschen zutiefst unglücklich macht“ (4).

Das ist eine vorzügliche Analyse, die praktischer psychologischer Erfahrung entspricht. Beweisbar ist das auch durch Erfahrungen mit Geschlechtsumwandlungen in den USA, in Schweden und weiteren Ländern (5).

Dort begann dieser Trend bereits in den 60er Jahren. Aber er hat inzwischen zu dem Ergebnis geführt, dass viele der Kliniken bereits wieder geschlossen sind. Die alte Unzufriedenheit mit sich selbst brach bei vielen Operierten mit dem Wunsch nach erneuten Veränderungen wieder durch. Die Zufriedenheit hielt nach anfänglicher Euphorie nicht mehr vor, und es kam zu einer Vielzahl von Selbsttötungen.

Einen bestätigenden Bericht darüber brachte auch die WELT vom 03.06.2019 über einen 26-jährigen jungen Mann, der sich in seinem Elternhaus erhängte, nachdem er – nach einer Odyssee von konträren Hormonbehandlungen – zunächst im Alter von 18 Jahren als umoperiertes Mädchen zu leben versuchte; aber dann doch nicht glücklich geworden, schließlich wieder zum Mannsein zurückzufinden suchte (6).

Wir sollten diese Mahnungen ernst nehmen; denn hierzulande greift die Genderideologie um sich. Sie vermittelt die Fehlvorstellung, dass jedermann – auch schon das Kind – sein angeborenes Geschlecht verweigern und eine andere geschlechtliche Orientierung wählen könne.

Praktisch arbeitende Kinderpsychotherapeuten können nun zwar allerdings erleben, dass Kinder – in der Phase ihrer Identitätsfindung zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr – aufgrund von negativen Eindrücken meist gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil eine Weile die Vorstellung entwickeln, als Junge kein Mann werden zu wollen wie Vater oder als Mädchen keine Frau wie die Mutter.

Mit Gender infizierte Erzieherinnen und Grundschullehrer halten dann nun neuerdings nicht selten diese Gefühle der Unsicherheit am Brennen. Sonst verflüchtigen sie sich meist bald wieder im Grundschulalter. Aber auch durch gezielte Elternberatung lässt sich die Fehlvorstellung beseitigen – erst recht in den aller-allermeisten Fällen, in denen eine Hormontestung erweist, dass hier gesunde Verhältnisse vorliegen.

Wie schändlich, wie unverantwortlich ist die meist vorausgegangene Strategie der Verführung von Kindern und Jugendlichen – womöglich gar mithilfe von staatlich sanktioniertem Schulunterricht – in junge Körper hinein, die noch gar nicht ausgereift sind!

Aufklärung in solchen Fällen ist also auch hierzulande notwendig! Hilfen brauchen die mit ihrem Geschlecht hartnäckig hadernden Kinder allerdings dringend. Aber die haben den Fokus ihrer Unzufriedenheit nicht wirklich in ihrer geschlechtlichen Orientierung, sondern in einer seelischen Befindlichkeit, die im Erleben des Kindes gründet.

Mit barbarischen Methoden unter falschen Vorstellungen lässt sich Zufriedenstellendes nicht erzwingen; denn wer es wagt, der Großmacht Natur trotzig seinen Eigenwillen entgegenzusetzen, der unterliegt ihrer unerbittlich werdenden Macht; denn dahinter steht der großmächtige Wille des Schöpfers mit der unumgänglichen Aussage: „Als Mann und als Frau schuf ER sie“ (1. Mose 1, 26-27).

Fußnoten:
(1) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019
(2) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019
(3) Zukunft CH – Mit Werten Wert schaffen, Magazin 4/2019
(4) ebenda: S. 12
(5) https://iftcc.org/de/resource/transsexualitaet-seit-fuenfzig-jahren/
(6) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019

 


Ehe, Priestertum und Schöpfungsordnung im Lichte des Evangeliums

PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Oberhirte von Regensburg) zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ am 14. Juni in Ingolstadt:

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN!

Das Messformular „Maria, Mutter der Schönen Liebe“ sieht als Evangelium die Verkündigungsperikope vor, die uns der Herr Diakon gerade wieder neu vorgetragen hat.

Es ist uns aus dem Ave-Maria und dem Angelus-Gebet zutiefst vertraut.

Dieses Evangelium ist nicht nur, zusammen mit der entsprechenden Überlieferung des Matthäus-Evangelisten, der biblische Beleg für die jungfräuliche, geist-gewirkte Empfängnis des messianischen Gottessohnes, es ist auch das ideale Evangelium für die Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ und es führt uns hinein in die Mitte auch des Kirchenverständnisses und der sakramentalen Struktur der Kirche.

Der Gruß des Engels, den wir im Deutschen –  gemäß dem lateinischen „Ave Maria“  – mit „Gegrüßet seist du Maria“ zu sprechen gewohnt sind, heißt im griechischen Original „chaire“, wörtlich: „Freue Dich“, „Freue Dich, Maria!“

Das ist nicht unwichtig, sondern verbindet die Berufung der Gottesmutter mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel.

Freue dich, Tochter Zion, denn der HERR ist mit dir

Der Engel Gabriel grüßt nämlich Maria mit denselben Worten, mit denen einst der Prophet Zefanja das als „Tochter Zion“ personifizierte Israel aufgemuntert und zur Freude aufgerufen hatte: „Freue dich, Tochter Zion… der HERR ist in deiner Mitte.“

Die Bible de Jérusalem, die vielleicht beste Übersetzung der Bibel in die Landessprachen, empfiehlt denn auch diese wörtliche Übertragung: „Freue Dich, Maria.“

Und in manchen französischen Gemeinschaften wird das Ave Maria gebetet als „Réjouie-toi Marie“. Auch im Englischen übersetzt die Jerusalemer Bibel: „Rejoice, Marie.“ Freue Dich, Maria.

Unser Evangelium will uns damit sagen: Maria, die Frau aus Nazareth, ist der heilige Rest Israels in Person, die Tochter Zion. Sie ist der wahre Tempel, der Ort, den Gott sich zur Wohnstatt gemacht hat. Auf sie schaut der große und heilige Gott, dem doch alles gehört und der trotzdem angewiesen sein will auf ein gläubiges Herz, das sich ihm öffnet und zur Verfügung stellt.

Im Dom zu Regensburg, meiner Kathedrale, haben wir, wie Sie vielleicht wissen, eine mittelalterliche Verkündigungsgruppe, und der Engel Gabriel, der seine Botschaft auf einem schwungvollen Spruchband bei sich hat, strahlt über das ganze Gesicht; viele Besucher kommen eigens in den Dom, um ihn zu sehen, den „lachenden Engel“, den Inbegriff der Freude und frohmachenden Botschaft.

„Chaire!“  – Freue dich Maria  –  und an Ostern singen wir: Freue dich mit ihr, erlöste Christenheit. Freut Euch im Glauben, auch ihr Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses, die wir alle wie Maria mitwirken dürfen am Heil und an der Erlösung; freut euch, denn der Glaube ist nicht eine Last, sondern Quelle des Trostes und der Freude!

Diese gesamtbiblische Einordnung der Verkündigungsperikope führt uns freilich noch tiefer in die Zusammenhänge unseres Glaubens hinein.

MARIA führt zu einer „Theologie der Frau“

Mit dem Thema „Tochter Zion“ ist nämlich ein wesentliches Element der biblischen Überlieferung angesprochen, eine Theologie der Frau, ohne die das Alte und auch das Neue Testament nicht zu verstehen sind.

Die Offenbarung Gottes, sie zeichnet sich nämlich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ein in die geschöpfliche Beziehung des Gegenübers von Mann und Frau.

Das Hohelied der Liebe ist nur der Höhepunkt der Glaubensüberzeugung, dass in der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau die angemessenste Analogie für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel gegeben ist.

Die natürliche und unvertauschbare Zuordnung und Komplementarität von Mann und Frau wird im Zusammenhang des Glaubens gnadenhaft überhöht und zur Darstellung der Heilswirklichkeit erhoben.

Jesus stellt sich in diese aus dem Glauben Israels herkommende Tradition und offenbart sich selbst als der Bräutigam des Volkes, bei dessen Anwesenheit doch nicht gefastet werden darf (vgl. Mk 2, 19).

Die Theologie des Ehesakramentes beruht auf dieser Glaubenseinsicht, ist doch die Ehe von einem getauften Mann und einer getauften Frau Sakrament, heiliges Zeichen, Darstellung der Liebe Christi zu seiner Kirche (vgl. Eph 4, 24).

Und auch die Zuordnung des Weihesakramentes zum männlichen Geschlecht beruht auf dieser ins Licht des Glaubens erhobenen natürlichen Zeichenhaftigkeit. Der Priester repräsentiert in seiner ganzen Person Christus als „Bräutigam“ der Kirche.

Hier geht es nicht um die Darstellung der naturalen Fruchtbarkeit der stetig sich abwechselnden Jahreszeiten.

CHRISTUS hat Männer als Apostel berufen

Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen, als Stammväter des neuen Israel, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult.

Das hat nichts zu tun damit, dass man sich in der Antike weibliches Priestertum nicht vorstellen konnte. Im Gegenteil: Die Religionen und Kulte Griechenlands und Roms kannten vor allem ein weibliches Priestertum. Ihr Dienst war oft verbunden mit der Tempelprostitution als Darstellung der Fruchtbarkeit der Erde im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Davon setzt sich gerade die in der Bibel bezeugte Offenbarung ab mit ihrem Verweis auf die Geschichtsmächtigkeit Gottes, der nicht durch die naturale Fruchtbarkeit wirkt, sondern durch Menschen, die auf ihn hören, durch ein Volk, das er sich als Eigentum erwählt hat und das in der gesamten biblischen Überlieferung weiblich konnotiert ist, als Tochter Zion, die in Maria eine individuelle, von Gott in besonderer Weise begnadete Person wird.

Die Glaubensüberzeugung von der Schöpfung des Menschen im Gegenüber von Mann und Frau, Geschlechterpolarität und ihre Positivität, ist somit so etwas wie die Grammatik der heilsgeschichtlichen Offenbarung.

Sie ist nicht nur Ausdruck des Wesens des Menschen, sondern auch die Bildseite der Sakramentalität der Kirche. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass die Kirche und alle ihre Glieder jedem Menschen mit Hochachtung begegnen, ganz gleich, welche biologischen oder psychischen Besonderheiten er hinsichtlich seines Geschlechtes aufweist. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.

Die grundsätzliche Infragestellung der in der Schöpfung gegebenen Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander hat aber nicht nur erhebliche anthropologische Folgen, sondern auch theologische, insbesondere sakramenten-theologische.

„Als MANN und FRAU schuf ER sie“

Deshalb ist das letzte Woche veröffentlichte Schreiben der römischen Bildungskongregation mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs über die Genderfrage“ so außerordentlich wichtig.

Es war ja seit langem angekündigt gewesen und fasst die wichtigsten Lehraussagen von Papst Franziskus zu dieser für das Menschenbild wichtigen Frage zusammen. Ich hoffe, dass es bald auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Dass es die Bildungskongregation ist, die das erste der angekündigten Dokumente zu dieser Frage veröffentlicht, hängt mit der von Papst Franziskus schon oft kritisierten „ideologischen Kolonisierung“ zusammen, durch die gerade über den Weg der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die Schöpfungswirklichkeit untergraben wird.

Wörtlich heißt es in diesem Dokument mit Papst Franziskus:

Die Gender-Ideologie „fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Münster in Ingolstadt ist der Gottesmutter der Schönen Liebe geweiht.

Auch dieses Patrozinium verbindet Altes und Neues Testament. Denn das Wort von der Mutter der schönen Liebe stammt aus dem Buch Jesus Sirach und ist dort der Sophia, der göttlichen Weisheit in den Mund gelegt (vgl. Sirach, 24, 18).

In Maria, so hat es die christliche Tradition erkannt, ist die Mutter der schönen Liebe als unsere Schwester und Mutter geschichtliche Realität geworden.

Ihrer Fürsprache vertrauen wir auch diese Tage des Kongresses Freude am Glauben 2019 an. Dreimal wunderbare Gottesmutter! Bitte für uns!

Quelle: Bistum Regensburg