Haben schottische Forscher erstmals weibliche Eizellen im Labor gezüchtet?

Wissenschaftler der schottischen Universität Edinburgh wollen unreife Vorläuferzellen menschlicher Eizellen im Labor erstmals bis zur völligen Reife gebracht haben.

Wie das Team um Evelyn Telfer in der Fachzeitschrift „Molecular Human Reproduction“ schreibt, habe es dazu Eierstöcken entnommene Zellen in verschiedenen und mit speziellen Wachstumsfaktoren versehenen Kulturmedien reifen lassen. Binnen 20 Tagen hätten sich aus den unreifen Vorläuferzellen Zellen entwickelt, die mehrere der Eigenschaften aufwiesen, die für reife Eizellen charakteristisch seien.

Wie die Forscher weiter schreiben, wiesen die Zellen jedoch auch sichtbare Anomalien auf. Ob aus solchen Zellen – im Falle einer künstlichen Befruchtung – auch gesunde Kinder entstehen können, sei völlig offen.

Quelle: ALfA-Newsletter


John Knox: Der radikalste Prediger und Kirchengründer des Protestantismus

Von Felizitas Küble

Dieser Beitrag unserer CF-Redaktionsleiterin ist in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Juni 2017) erschienen – dort unter dem Titel: „John Knox: Vom katholischen Priester zum Wegbereiter der Reformation in Schottland“:

Wenn im Zuge des Reformationsgedenkens von den großen Gestalten des frühen Protestantismus die Rede ist, wird meist auf Luther, Calvin und Zwingli verwiesen, weniger auf den wortgewaltigen Prediger John Knox aus Schottland (siehe Foto: Buchtitelbild).

Der theologische Widersacher der katholischen Regentin Maria Stuart gilt als entscheidender Wegbereiter und Organisator der calvinistisch orientierten Reformation in Schottland.

Knox starb vor 450 Jahren, am 24. November 1572 in der bekannten schottischen Stadt Edinburgh. Das Online-Portal „Ökumenisches Heiligenlexikon“ verweist auf seinen Gedenktag am 24. November im evangelischen liturgischen Kalender. In seiner schottischen Wirkungsstätte Edinburgh erinnert eine Statue in der St.-Giles‘-Kathedrale an diese streitbare Schlüsselfigur der Reformation.

In Genf, wo sich Knox jahrelang aufhielt, wird er in einem Relief bzw. Reformationsdenkmal als markante Steinfigur verewigt: Es zeigt den vom katholischen Glauben abgefallenen Geistlichen predigend vor dem Hofstaat Maria Stuarts, deren tragisches Leben von viel Pech und Pannen geprägt war. In Deutschland ist das glücklose Schicksal dieser Herrscherin vor allem durch Schillers bewegendes Drama „Maria Stuart“ bekannt geworden   –  man kann wohl sagen, dass der schwäbische Dichter sie dadurch zur „Königin der Herzen“ etablierte.

Der rabiate Protestant, dessen Geburtsjahr nicht sicher feststeht (die Spekulationen reichen von 1505 bis 1514), wurde in der Nähe der schottischen Stadt Haddington als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren. Nach dem Studium von Theologie und Kirchenrecht wurde er 1530 zum Priester geweiht. Er arbeitete zunächst als Hauslehrer in verschiedenen Adelsfamilien; wandte sich aber Anfang der 1540er Jahren mit zunehmendem Eifer und Übereifer einem rigiden Protestantismus zu.

Bereits 1547 erklärte er in Predigten, der Papst in Rom sei das dämonisch inspirierte „Tier“ und der Gegenspieler Gottes, wobei er sich auf seine Auslegung der Johannes-Apokalypse und des alttestamentlichen Buches Daniel berief.

Prof. Dr. Ronald G. Asch schreibt in der populärwissenschaftlichen historischen Zeitschrift „Damals“ (Nr.5/2017) über diesen Reformator: „Er ließ sich in der Schärfe seines Antikatholizismus von niemandem überbieten. Seine militante Haltung wurde noch gesteigert durch sein persönliches Schicksal.“

Tatsächlich kam der Prediger im Jahre 1547, als französische Truppen die schottische Garnison St. Andrew besetzten, für zwei Jahre als Galeerenhäftling auf ein Kriegsschiff. Nach seiner Freilassung wurde er Pfarrer in Berwick, einer englischen Stadt in der Grenzregion zu Schottland. Dort vertiefte er sich weiter in seine theologischen Studien und sah sich zunehmend in der Rolle eines alttestamentlichen Propheten, der dazu auserwählt war, „Götzendienst “und gottlose „Greuel“ radikal auszurotten, wozu er die heilige Messe und die katholische Marien- und Heiligenverehrung rechnete.

Der wachsende Einfluss des rigiden Reformators

Er gehörte zu den  –  von Martin Luther noch klar abgelehnten  –  „Bilderstürmern“ und rief dazu auf, religiöse Statuen und Gemälde in den katholischen Gotteshäusern zu zerstören, was vor allem im Süden Schottlands von einer aufgebrachten Volksmenge auch häufig durchgeführt wurde und natürlich zur künstlerischen Verarmung jener Gegenden führte. (Die nördlicheren schottischen Berglande, die sog. „Highlands“, wurden nicht so stark in den Strudel der Reformation hineingezogen; das dortige bodenständige Kirchenvolk hielt länger am katholischen Glauben fest – teils bis heute.)

Seine Predigten und Schriften blieben nicht ohne Wirkung auch auf die englische Krone. Während der König Heinrich VIII. weniger aus religiösen Gründen, sondern vor allem deshalb von der katholischen Kirche abfiel, weil er sich wegen Ehebruch und Ehescheidung im Konflikt mit dem Papst befand, wurde in der Folgezeit das Bekenntnis zum Protestantismus auch theologisch bekräftigt, wobei der Einfluss von John Knox, der mittlerweile zum Hofkaplan aufstieg, auf den jungen König Eduard VI. nicht zu unterschätzen ist.

Nach der Thronbesteigung der katholischen Maria Tudor war sein Wirken in London beendet. Knox floh nach Frankfurt und Zürich, reiste zwischendurch in seine frühere Gemeinde Berwick zurück, bis er sich ab 1559 für längere Zeit als Prediger in Genf niederließ.

Dort fand er in dem rigiden Reformator Johannes Calvin (1509 – 1564) einen inspirierenden Vor- und Weiterdenker, wobei er dessen radikale Prädestinationslehre bzw. das Dogma vom „doppelten Ausgang“ übernahm, wonach das jenseitige Schicksal jedes Menschen durch Gott von Ewigkeit her festgelegt und vorherbestimmt sei. Knox wirkte entscheidend an der sog. „Genfer Bibel“ (einer englischen Bibelübersetzung) mit, später gehörte er zu den maßgeblichen Verfassern der „Confessio Scotica“, einer schottischen Bekenntnisschrift, die 1560 vom dortigen Parlament verabschiedet wurde. Dieses Ereignis gilt als definitive Weichenstellung und Gründungsurkunde der reformierten „Church of Scotland“.

Knox ist der theologisch entschiedenste Widerpart der katholischen Königin Maria Stuart, die er vor allem deshalb verabscheute, weil sie persönlich an der katholischen Messe festhielt und sie weiterhin in ihrer Privatkapelle besuchte, wenngleich die Monarchin in ihrer amtlichen Regierungspolitik auf Toleranz und konfessionellen Ausgleich bedacht war; sie versuchte, im Sinne eines „Religionsfriedens“ zu wirken, um eine konfliktreiche Spaltung ihrer Untertanen und die Gefahr eines Bürgerkriegs zu verhindern.

Allerdings stand damals in Schottland auf Betreiben von Knox und weiteren protestantischen Eiferern allein schon auf den Besuch der heiligen Messe die Todesstrafe  –  daher der Zorn auf die Königin, weil diese sich in ihrem Privatleben über dieses Verbot hinwegsetzte.

Selbst das amtliche evangelische Internetportal „Evangelisch.de“ weiß nicht nur Positives über Knox zu berichten. Im dortigen Artikel „Die wichtigsten Reformatoren: John Knox“ heißt es beispielsweise: „John Knox ist unbeugsam und radikal. So predigt er heftig gegen Maria Stuart und fordert gar ihren Tod.“

Stefan Zweig: Fanatische Demagogie bei John Knox

Das Portal erinnert sodann an den jüdischen Dichter Stefan Zweig und dessen bekannte Romanbiographie über die katholische Regentin:

„Wohl deshalb beschreibt ihn der Schriftsteller Stefan Zweig in seinem Roman über Maria Stuart als einen „Meister der religiösen Demagogie“ und den „vielleicht vollendetsten Typ des religiösen Fanatikers, den die Geschichte kennt. Knox sei „der eisenköpfigste, zelotischste, unbarmherzigste aller Kirchengründer und seinen eigenen Lehrer Calvin an Unerbittlichkeit und Unduldsamkeit noch übersteigend.“

Man muß freilich nüchtern sehen, dass die Einführung der calvinistischen Reformation in Schottland und damit die Gründung der presbyterianischen Konfession (die auch in den USA weite Verbreitung fand) nicht ohne Mitschuld von katholischer Seite erfolgt ist. Der zunehmende Verfall kirchlicher Sitten und Strukturen war unübersehbar:

In jener Zeit befand sich der moralische Level und die Bildung des Klerus vielfach auf einem erbärmlichen Niveau, manche Geistliche konnten nicht einmal lesen und schreiben; die Kirchenpolitik der schottischen Hierarchie agierte von nachlässig bis machtgierig. Auch die rückschrittlichen sozialen Verhältnisse bargen eine revoluzzerische Sprengkraft in sich.

Dazu gehörten auch die halb-anarchischen Clan-Strukturen im Schottland des 16. Jahrhunderts, die vor allem die Hochlandregionen unsicher machten. Die katholischen Monarchen, seien sie weiblich oder männlich, waren in der vorreformatorischen Zeit meist schwache Figuren, viele starben eines gewaltsamen Todes.

Nicht selten wurden sie schon im kindlichen Alter in ihre königliche Rolle hineingedrängt und waren hoffnungslos überfordert; sie konnten sich gegen einflußreiche Adelscliquen und eigenmächtige Clanchefs nicht durchsetzen. Freilich erleichterte gerade dieses Feudalsystem zugleich die Einführung des Protestantismus, zumal viele Fürsten sich gerne am Kircheneigentum bereicherten und sich auch dort theologische Anliegen mit weltlichen Interesse verknüpften.

Die beiden katholischen Monarchinnen mit dem Vornamen „Mary“ sah John Knox als eine Art Wiedergeburt der Jesebel an, jener aus dem heidnischen Phönizien stammenden Königin aus dem Alten Testament, welche im alten Israel den Götzendienst wieder einführen wollte und den Propheten Elias bzw. Elija verfolgte. Er steigerte sich gleichsam in die Sendung eines neuen „Elias“ hinein, der Maria Stuart und ihrer königlichen Mutter Mary die „prophetische“ Stirn bieten musste, zumal ihm der Katholizismus als neuheidnische Greuelreligion erschien.

Daher sah er in einem Aufstand gegen von ihm als „frevelhaft“ empfundene Herrscher nicht nur kein Problem, sondern eine vom Himmel auferlegte Verpflichtung und erklärte: „Die Propheten Gottes lehren manchmal Verrat an Königen – und doch sündigt weder der Prophet gegen Gott,  noch derjenige, der seinem Wort gehorcht, das er im Namen Gottes gesprochen hat.“ 

Für eine moderate Haltung im Sinne eines erträglichen Konfessionsfriedens hatte er nichts übrig; er warnte stattdessen seine Anhänger: „Der Bund zwischen Gott und uns wird nicht unversehrt bleiben, wenn wir Götzendiener gutheißen, uns ihnen anschließen oder nachsichtig mit ihnen umgehen.“ (Quelle: Knox, Works, III. Band, S. 184,187).

Knox ließ sich selbst von dem ansonsten rigiden Johannes Calvin nicht mäßigen, der ihm in dieser Angelegenheit mehr Besonnenheit und Realitätssinn empfohlen hatte.

Zelotischer Aufruf gegen Frauen als Herrscherinnen

Wie wenig er bereit war, seinen vermeintlich „prophetischen“ Feuereifer zu zügeln, zeigte sodann sein nächster und zugleich bekanntester Paukenschlag, nämlich eine extrem frauenfeindliche Streitschrift mit dem Titel „The first blast of the Trumpet against the monstrous regiment of women“  –  zu deutsch: „Der erste Trompetenstoß gegen die entsetzliche Herrschaft der Frauen“ von 1558. 

Das rabiate Pamphlet war selbst für die damalige patriarchalisch geprägte Gesellschaft der frühen Neuzeit sehr gewöhnungsbedürftig, gab es doch seit Jahrtausenden – und zudem auch im Alten Testament – weibliche Regentinnen in nicht geringer Zahl, etliche davon wurden von der katholischen Kirche heilig gesprochen oder als Selige verehrt.

Knox ereiferte sich in seinem Rundumschlag grundsätzlich gegen die, wie er schrieb, „unnatürliche Herrschaft“ bzw. „schändliche Gynäkokratie“ von Frauen, denen weder „Vernunft“ noch „Besonnenheit, ihre Gefühle zu mäßigen“ eigen sei; er stritt ihnen den nötigen Verstand, die charakterliche Reife und alle Führungsqualitäten rundweg ab. Der Autor rief in diesem Falle sogar unverhohlen zum gewaltsamen Widerstand, ja zum „Tyrannenmord“ auf.

Sein Angriff auf die Monarchinnen zielte zwar in erster Linie gegen katholische Königinnen der Stuarts, richtete sich aber in seiner „theologischen“ Kampfansage prinzipiell gegen jede weibliche Regentschaft mit der Begründung, Frauen, die über Männer regieren, seien ein „Ungeheuer der Natur“.

Natürlich war die mächtige anglikanische Königin Elisabeth I. von diesem martialischen Werk wenig „amused“. Wenngleich sie mit Knox die katholische Kirche und das Papsttum zu Rom ablehnte, sägte der schottische Reformator mit dieser Streitschrift auch an dem Ast, auf dem sie immerhin selber sass. Zudem ging ihre Ära als „goldenes Zeitalter“ in die Geschichte ein  –  mag es sich dabei teils um ein verklärtes Bild im nachhinein handeln, so bewies die letzte Tudor-Königin jedenfalls, dass den Frauen die nötigen Regierungstalente durchaus nicht abgehen.

Knox hingegen war nicht zu bremsen, er wetterte weiter gegen die hl. Messe als „allerteuflischsten Götzendienst“ und rief in seinem „Trompetenstoß“ sogar zur Ermordung nicht „nur“ der Stuart-Monarchinnen, sondern aller katholischer Priester und aktiver „papistischer“ Laien auf:

„Ich scheue mich nicht zu bekräftigen, dass es die Pflicht der Adligen, Richter, Herrscher und des Volkes gewesen wäre, nicht nur Mary Widerstand zu leisten, jener Isebel, die sie ihre Königin nennen, sondern sie auch mit allen ihren Götzenpriestern mit dem Tod zu bestrafen, zusammen mit all denen, die ihr zu der Zeit Hilfe geleitet haben, als sie das Evangelium unterdrückten…“   (Quelle: Knox, Works, Band IV., S. 507).

Bei aller berechtigten Kritik an Knox soll freilich nicht übersehen werden, dass seine Reformation auch einige positive Wirkungen zeitigte, etwa jene „Bildungsoffensive“, die nicht zuletzt aus dem Knox-Aufruf zur persönlichen Bibellektüre entstand. Dadurch wurden zahlreiche Volksschulen errichtet und die Alphabetisierung der Bevölkerung vorangetrieben.

Im Vergleich zu manchen diesbezüglich stark zurückgebliebenen katholischen Regionen wie etwa Portugal war dies zweifellos ein zivilisatorischer Fortschritt. Zugleich begünstigte sein presbyterianisch geprägtes Kirchentum (Kirchengemeinden werden von den durch die Gläubigen gewählten Ältesten bzw. „Presbytern“ geleitet) die Beliebtheit demokratischer Prozesse auch im politischen Bereich. 

Sodann zur berühmten und teils als Geiz karikierten Sparsamkeit der Schotten: Diese dürfte nicht allein auf äußeren Notwendigkeiten beruhen (z.B. der Kargheit der Böden des Berglandes oder einer wenig ausgeprägten Stadtkultur), sondern auch mit jenem calvinistischen Arbeitsethos zusammenhängen, das auch den Protestantismus in den USA vielfach geprägt hat. Johannes Calvin sah den Arbeitseifer als strikte Pflicht aller Gläubigen an, Verschuldung wurde als Schande und Sparsamkeit als wichtige Tugend betrachtet. Bekanntlich begünstigte diese Haltung den Geist des Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es sich bei Knox zweifellos um den am  meisten fanatischen Theologen der Reformation handelt, der in seiner Wut und seinem Wahn nicht einmal vor einer extrem frauenfeindlichen Streitschrift und massenmörderischen Appellen zurückschreckte. Angesichts dessen erstaunt es nicht wenig, dass der evangelisch-kirchliche Kalender diesen militant denkenden Polemiker  – wie eingangs erwähnt –  mit einem eigenen Gedenktag am 24. November würdigt.

Felizitas Küble, Münster –  Mail: felizitas.kueble@web.de


Schottland: Höflicher Muslim wegen Ostergruß von einem Islamisten ermordet

Wie die britische Tageszeitung „Daily Mail“ berichtet, wurde ein 40-jähriger Muslim in Schottland von einem fanatischen „Glaubensbruder“ ermordet, nachdem er auf503 Facebook seinen „geliebten christlichen Mitbürgern“ ein „frohes Osterfest“ gewünscht hatte. Er schrieb außerdem: „Lasst uns dem echten Weg des geliebten, heiligen Jesus Christus folgen, um den wahren Erfolg in beiden Welten zu haben.“

In der Nacht auf Karfreitag wurde er mit über dreißig Messerstichen getötet.

Asad Shah (siehe Foto) war ein aus Pakistan stammender Kaufmann im schottischen Glasgow, der einen Laden mit Zeitschriften und Tabak betrieb. Er hatte sich auf Facebook freundlich über  Christen und Juden geäußert.

Nach dem Terroranschlag in Brüssel hatte er ein Video gepostet, in welchem er feststellte: „Wir sind nicht dazu da, um mit anderen Menschen zu kämpfen oder um Blutvergießen auszulösen.“

Dabei galt er durchaus als gläubiger Muslim, der aber mehrfach Interesse am Dialog zwischen den Religionen zeigte.

Nach BBC-Angaben wurde inzwischen ein tatverdächtiger 32-jähriger Muslim verhaftet, der ebenfalls aus Pakistan stammen soll. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf ein religiös motiviertes Haßverbrechen. Viele Bürger in Glasgow trauern mit Kerzen und Blumen um das Opfer und sammeln Spenden für seine Familie.P1020947 - Kopie

Die christliche Webseite „Kopten ohne Grenzen“ kommentiert  das entsetzliche Ereignis folgendermaßen:

„Er ist im wahrsten Sinne Opfer seiner eigenen Religion geworden. Mit Sicherheit hat er aus dem eigenen Lager Anfeindungen über längere Zeit erdulden müssen, weil er persönlich Interesse an interreligiösen Dialogen gezeigt hat und respektvoll vom Christen- und Judentum gesprochen hat.

Solche Muslime sind uns herzlich willkommen. Er war offen für andere Religionen und hat ihnen Respekt bezeugt, wohl eine Todsünde im Islam. Denn ein Muslim, der den Koran und seinen Glauben wohl wörtlich, eben buchstabengetreu befolgt hat, hat diesen wertvollen Menschen umgebracht. Der Hass, mit dem er dies getan hat, bezeugen die über 30 Messerstiche.  (Quelle: https://koptisch.wordpress.com/2016/03/27/moslem-wuenschte-frohe-ostern-und-wird-dafuer-ermordet/)


Zur Volksabstimmung in Schottland: Nichts wird so sein wie vorher

Von Peter Helmes

Vier Millionen Schotten, genauer: 4 285 323 Wahlberechtigte, waren gestern, am 18. September 2014, aufgerufen, über die Loslösung ihres Landes aus dem UK-Verbund (UK = United Kingdom, der offizielle Begriff für Großbritannien) abzustimmen. 40323-90x80

Die Wahlbeteiligung war, wie erwartet, sehr hoch. Sie lag deutlich über 80 Prozent. Die Abstimmungsfrage lautete schlicht: „Sollte Schottland ein unabhängiges Land werden?“   –  Man konnte nur mit „Ja“ oder „Nein“ abstimmen.

Der Ausgang des Referendums war wie erwartet knapp: Rund 54 Prozent der Abstimmungsteilnehmer stimmten mit Nein, rund 46 % mit Ja.

Ein Ja hätte empfindliche Konsequenzen für Schottland selbst, für Großbritannien, die EU und viele Staaten in der Welt ausgelöst. Ein unabhängiges Schottland (rd. fünf  Millionen Einwohner) müßte um die (Wieder-)Aufnahme in die EU und die NATO  kämpfen und sich wahrscheinlich vom britischen Pfund trennen, weil die Tories (Konservative) sowie die Liberaldemokraten in London eine dann zur Debatte stehende Währungsunion brüsk ablehnen.0022

Wie kam es zu der Entfremdung zwischen Old-England und den Schotten nach 307 Jahren unfreiwilliger Ehe?

Schon der Ursprung deckt die tiefen Risse auf, die sich in die schottische Seele eingegraben haben. Die Schotten spüren auch heute noch ihre keltischen Wurzeln, obwohl die Kelten im ersten Jahrhundert n. Chr. verschwanden  –  von den Römern regelrecht ausgerottet.

Im schottischen Nationalbewußtsein leben sie aber fort und sind in vielen Sagen und Märchen noch immer lebendig. Hinzu kommt der sprachliche und konfessionelle Unterschied: Schotten sprechen schottisch und sind mehrheitlich katholisch. Wir alle kennen die Geschichte von Maria Stuart.

Das „perfide Albion“ und die schottische Nation

Durch viele Täuschungen der Engländer, die die von ihnen beherrschten Nationen hinnehmen mußten, entstand das Etikett vom „perfiden Albion“ – ein Sammelbegriff für die englischen Gemeinheiten im In- und Ausland.

Wichtig auch das schottische Nationalgefühl: Schotten betrachten Schottland  als eine Nation – und eben nicht Großbritannien, das ihnen immer fremd blieb. Folgerichtig und selbstbewußt sagt Alex Salmonds, Schottlands „Premierminister“: „Nationen regieren sich besser selbst!“

Schotten fühlen sich seit je im Vereinigten Königreich nicht ihrer Bedeutung entsprechend respektiert. Nach dem Pro-Kopf-BIP (Bruttoinlandsprodukt) läge Schottland, separat von Großbritannien,  auf Platz drei in der EU.

Sehr stolz sind die Schotten auch auf ihre industrielle Entwicklung. Das Land war die Wiege der „industriellen Revolution“. Hier entstand faktisch die moderne Welt – die Wiege der industriellen Neuzeit.

Das Establishment aus London gilt als abgehoben, elitär und unglaubwürdig. Die Schotten hingegen fühlen sich stark, mutig und frisch – eben die lebende Alternative zu den verhaßten und saturierten Engländern. Anerkennenswert ist, daß während der gesamten Kampagne um das Referendum dennoch der Ton weitgehend sachlich blieb und die Debatten auf hohem Niveau geführt wurden.

Bremsklotz „Conservatives“

Schottland und die konservative Partei in England (The Conservatives)  –  das ist seit Jahrhunderten eine heikle Beziehung. Die Unbeliebtheit der Tories (Conservatives) wurde letztlich noch durch Maggie Thatcher befördert und gestärkt.

Ihre Politik zerstörte die schottische Schwerindustrie, und sie zögerte nicht, ihre Abneigung gegen die Schotten offen zu demonstrieren – so wie sie dies auch gegenüber den Deutschen tat.

Noch schlimmer sind die Folgen für die Labour-Partei. Im alten England haben sie kaum Chancen, dort dominieren traditionell die Conservatives.  Um nationweit zu bestehen, benötigten sie also die Stimmen der traditionell links wählenden Schotten. Ohne diese schottischen Stimmen wäre die Mehrheit im Unterhaus eine sichere konservative Bank.

Anders ausgedrückt: Um je wieder einmal einen sozialistischen Ministerpräsidenten zu stellen, ist Labour auf die schottischen, traditionell linken Stimmen angewiesen.

Oder noch deutlicher: Die Schotten schickten seit 1945 zwar immer wieder mehrheitlich Labour-Abgeordnete nach London. Doch fast immer sahen sie sich einer konservativen Regierung gegenüber  –  faktisch eine „Kriegserklärung“ an die Schotten. Denn das Klima zwischen Schotten und Konservativen  – ohnehin ein schwieriges Verhältnis  –  ist seit den Zeiten Margret Thatchers belastet.

Daß der derzeitige britische Ministerpräsident, David Comeron, ebenfalls ein Tory ist, machte das Werben um den Fortbestand U. K.´s nicht einfacher. Denn klar: Ohne die Schotten wäre Rest-Großbritannien (England, Wales, Nordirland) fest in konservativen Händen.

Folgen der internationalen Finanzkrise

England hat – besonders in den letzten Jahren – an Beliebtheit und Einfluß auf die Menschen in Schottland verloren. Die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise, allen voran die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das sinkende Realeinkommen, sind überdeutlich zu spüren. Die Separatisten nutzten die unzufriedene Stimmung und machten Front gegen „die Zentralisten“ in London.

Auch der Umgang mit dem Thema Kernkraft spielt eine wichtige Rolle. Schottland ist europaweit führend in der Nutzung der grünen Energien und Technologien. England jedoch setzt auf Atomenergie.

Was auf dem Spiel steht 

Das beste Argument für ein ‚Nein‘ zu einer Unabhängigkeit war (und bleibt) die Wirtschaft.  Besonders schwer wiegt die Warnung, daß ein selbständiges Schottland die Währung, das Pfund, aufgeben müßte.

Die Folge wären hohe Zinsausgaben für den neuen Staat – damit würde Geld für die angekündigten Sozialleistungen fehlen. Nun aber werden Großbritannien und Schottland mit den Wunden leben müssen, die die Kampagne geschlagen hat. Gemeinsame Probleme müssen auch in Zukunft gemeinsam gelöst werden.

Schottland kann sich zweifellos zu einem wohlhabenden und gut funktionierenden Land entwickeln – allerdings erst in vielen Jahren. Allerdings würde die Welt den Unabhängigkeitsprozess nicht gutheißen. Die Möglichkeit, einen neuen Staat anzuerkennen, lehnen die wichtigsten Mitglieder des britischen Commonwealth ab, darunter Kanada, Australien und Indien. Auch die USA und die wichtigsten Länder der EU wollen das nicht: Spanien ebensowenig wie Deutschland, Italien oder Belgien. Man fürchtet sich vor einem gefährlichen Präzedenzfall.

Fehlende Souveränität

Die Entscheidung in Schottland gilt auch als Lackmustest für Europa: Seit Jahrzehnten wird in der EU nichts anderes praktiziert als eine Aushöhlung der nationalen Souveränität ihrer Mitgliedsstaaten. Sie dürfen keine neuen Zollschranken einführen, ihre eigenen Haushaltsdefizite nicht mehr selbst bestimmen und noch vieles mehr.

Die Zersplitterung der Mitgliedsstaaten einerseits und der Ruf nach mehr Rechten und Autonomie für neue Mitgliedsländer andererseits widerspricht der europäischen Dynamik. Beides zusammen geht nicht. Ein schottisches Ja, das auch in anderen Ländern nationalen bzw. nationalistischen Strömungen Aufwind hätte geben können, würde eine Ablehnung des politischen Systems an sich bedeuten.

Reich und groß genug

Allerdings: Schottland ist eben keine unterprivilegierte Region Großbritanniens, wie die Schotten gerne behaupten. Nach Greater London – der Hauptstadt mit ihrem Speckgürtel – ist das Land der reichste Teil des Vereinigten Königreichs. Die Staatsausgaben sind wegen der üppig gewachsenen Sozialausgaben pro Kopf höher als im Landesdurchschnitt. Schottland leistet sich eine komfortable sozialpolitische Versorgung.

Daß Schottland reich (und groß) genug ist, auch als separater Staat zu bestehen, kann nicht bezweifelt werden. Natürlich würde im Falle einer errungenen Selbstädnigkeit eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit eintreten, die erst einmal einen Knick in der wirtschaftlichen Entwicklung verursachen wird. Auf lange Sicht gesehen, würde sich wohl der Lebensstandard der dann separaten Schotten nicht verschlechtern. Und genau mit diesem Argument warben die Separatisten – allerdings vergeblich.

Fachleute, vor allem Volkswirte, erwarten, daß die politische Klasse den Ausgang des Referendums respektieren wird. Damit wäre eine gewisse Stabilität gewährleistet.

Nun, nach dem Abstimmungsergebnis zum Verbleib im UK-Verbund, könnten die Schotten in zehn oder fünfzehn Jahren eine erneute Volksabstimmung starten. Das dürfte schon heute erwartbare fatale Auswirkungen auf die investitionswillige Wirtschaft in Great Britain zeitigen. Niemand investiert langfristig, wenn die Zukunft nicht abzusehen ist, zumindest im Bereich der Wirtschaft – eine ökonomische Binsenweisheit. Firmen, besonders große, hassen Unsicherheit. Der Abzug von Schottland nach London ist also vorhersehbar.

Innere Spaltung droht

Eines ist gewiß: Nichts wird nach der Abstimmung mehr sein wie zuvor. Hätte eine Mehrheit für die Unabhängigkeit gestimmt, weil vermeintlich nur so die nationale Identität gewahrt werden könne, dann würden politische, soziale, wirtschaftliche und militärische Bande gekappt, denen Britannien noch heute Stärke, Einfluß und Attraktivität verdankt. Es hat sich aber wohl eine Mehrheit gegen den Sprung ins kalte, unerforschte Wasser der Unabhängigkeit ergeben, aber das Feuer der Leidenschaft – und des Zorns – wird weiterglimmen.

Egal ob Ja oder Nein – die Unabhängigkeitsfrage treibt einen Keil in die schottische Gesellschaft. Und die Kluft zwischen Sezessionisten und Unionisten wird sich nicht morgen schließen. Eine innere Spaltung Schottlands könnte zum bleibenden Erbe werden. Bei Referenden ist das ein typisches Problem: Sie suggerieren eine Einfachheit und Endgültigkeit, die es im wahren Leben nicht gibt.

Aber die Gräben innerhalb Schottlands werden wohl nicht zugeschüttet werden, auch wenn das Ergebnis feststeht. Diese Spannungen gehören dazu – aber sie kommen hauptsächlich aus dem Lager von Schottlands Regierungschef Salmond, auch wenn der unbekümmert das Gegenteil behauptet. Salmonds Nationalismus hat Schottland eine innere Spaltung aufgezwungen. Es brechen schwierige Zeiten an. Das geben selbst die Referendums-Befürworter zu.

Nervenflattern in der EU-Zentrale

Ein Zerfall Großbritanniens hätte Auswirkungen auf ganz Europa. Das Parlament in Edinburgh müßte sich formal neu um eine Mitgliedschaft in der EU bewerben, während der Rest Großbritanniens automatisch Teil der Gemeinschaft bliebe.

In Brüssel fürchtet man allerdings weniger solche Neuverhandlungen als vielmehr eine Art Dominoeffekt an anderen Stellen in der EU: Auch in Flandern und Nordirland, in Katalonien und dem Baskenland usw.  gibt es Autonomiebestrebungen. Daran wird das Nein in Schottland nichts ändern, sondern eher, im Gegenteil, zu einer Art Trotzreaktion führen: „Jetzt erst recht!“

Was passiert, wenn das Beispiel Schottland überall Schule macht? Den Eurokraten in Brüssel dürften jetzt und in naher Zukunft die Nerven flattern angesichts der wachsenden Unruhe innerhalb der EU. Von festgefügter Struktur und Verläßlichkeit dürfte vorerst wohl nicht ausgegangen werden. Schottland reißt alle mit, die Dezentralisierungsbewegungen in ihren Ländern verzeichnen.

Der Ruf nach Unabhängigkeit

Die Ja-Kampagne mit ihrem überbordenden Optimismus hat bei vielen die Sehnsucht nach einem besseren, stärkeren und gerechteren Land geweckt. Die Befürworter sind allerdings nicht die einzigen, die den Wandel hin zu einer solchen Gesellschaft vorantreiben wollten. Die Frage ist, ob diese Vision eher als Teil Großbritanniens oder als unabhängiger Staat gelingen kann.

Der Ruf nach Unabhängigkeit ist mehr als verständlich. Aber Sehnsucht, Beteuerungen und der Glaube an die Vorteile einer Unabhängigkeit sind nicht genug. Eine so weitreichende und unwiderrufliche Entscheidung verlangt nach einer realistischen Bestandsaufnahme der Risiken und Probleme, die damit einhergehen würden. Die Vorteile einer Abspaltung sind nicht zweifelsfrei nachgewiesen.

Auswirkungen bis hin zu den Falkland-Inseln

Interessant ist auch eine – gewiß weit hergeholte – Perspektive: Das Streben nach Unabhängigkeit in Katalonien etc. wie auch in Schottland ist nicht neu, aber Europa und seine Institutionen werden dadurch vor eine große Herausforderung gestellt. Auch für Argentinien z. B.  ist das Vorgehen der britischen Regierung gegenüber Schottland deshalb interessant, weil die Argentinier dadurch Erkenntnisse über ihre Verhandlungspartner beim Streit um die Falkland-Inseln gewinnen.

Immerhin hat der britische Premier Cameron die schottischen Befürworter einer Unabhängigkeit und die Geschichte und die Traditionen Schottlands nicht gekränkt, sondern einen Dialog gesucht. Der argentinische Fall mag anders liegen, dennoch bietet sich auch hier die Gelegenheit, verlorenes Territorium zurückzugewinnen – und zwar auf dem Verhandlungsweg.

So wie die Schotten und Engländer der Welt schon durch das Unabhängigkeitsreferendum ein beeindruckendes Beispiel dafür gegeben haben, daß man, anders als auf der Krim, mit dem demokratischen Selbstbestimmungsrecht der Völker auch zivilisiert und konsensual umgehen kann, so könnte dies eine Blaupause für Sezessionisten in anderen Ländern sein.

Aber es ist fatal:  Die Befürworter einer Abspaltung führten historische Argumente ins Feld und stellten sich als Nationen dar, die von einem Zentralstaat unterjocht werden – und beide glauben, wirtschaftlich alleine, nur auf sich gestellt, besser dazustehen. Es entsteht eine absurde Situation. Gewänne die Ja-Seite, hätte dies unabsehbare Folgen für die ganze EU.

Aber auch jetzt, da die Nein-Seite gewonnen hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Funke des Separatismus auch auf andere Länder überspringt. Ob das allerdings schlecht – oder gut – für Europa ist, darf nicht voreilig entschieden werden. Mehr Selbständigkeit für die Nationalstaaten wird gewiß kein Schaden sein. Man kann auch seine Identität bewahren und trotzdem Teil eines Ganzen sein – siehe USA oder auch Deutschland (mit seinem starken, selbstbewußten Bayern).

Eine schwierige Situation: Ein gespaltenes Land, dessen Bürger die Separation wollen –  dessen Wirtschaft aber mit großer Mehrheit nicht. Es bleiben nämlich entscheidende Fragen für die ökonomische Zukunft des Landes offen:

  • Was ist mit dem englischen Pfund bzw. dem Euro?
  • Was ist mit der Mitgliedschaft in der EU?
  • Was ist mit den britischen (!) Staatsschulden? Wie würden sie nach einer Trennung aufgeteilt?
  • Was ist mit den Banken, die angekündigt haben, im Falle eines „Ja“ (zur Trennung) ihren Sitz nach London zu verlegen, wie z. B. die Royal Bank of Scotland und die Lloyds Bank oder der bedeutende Versicherer Standard Life? Der rapide Aufschwung des Landes würde empfindlich abgebremst, befürchten die Ökonomen.
  • Was ist mit den Öl-Einnahmen, wenn die Ölkonzerne ähnlich reagieren wie die Banken?
  • Wie soll man Investoren überzeugen, in einem politisch unsicheren Umfeld weiter zu investieren? (Viele haben gedroht, ihr Geld nach London zu verlagern.)

Es bleiben besonders in der Wirtschaftspolitik große Fragen:

  • Die Fragen der zukünftigen Währung waren ungeklärt. Schottlands Premier Salmond wollte zwar das Pfund behalten. London hatte hingegen eindeutig erklärt, daß die Schotten mit einem Ja im Referendum auch auf die bisherige Währung, das Pfund, verzichten müßten.
  • Wegen der Ungewißheit der ferneren Zukunft des Landes – werden die Sezessionsbestrebungen weiter am Kochen gehalten? – könnten Investoren und Bankkunden ihr Geld von Schottland abziehen und in London bzw. im Ausland parken. Ein Zusammenbruch des schottischen Finanzsystems könnte die Folge sein.
  • Ein Austritt Schottlands aus UK hätte zur Folge, daß das kleine Land (zunächst) nicht mehr Mitglied der EU wäre. Es würde den ungehinderten Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren. Große Handelsnachteile wären die Folge. Ein Wiedereintritt in die EU wäre sehr schwierig, da alle EU-Mitgliedsstaaten zustimmen müßten.  Zumindest im Falle Spaniens ist dies aber sehr fraglich.

RUK – das neue Rumpf-Great Britain

Die britische Union, eben Großbritannien bzw. das „Vereinigte Königreich“ (UK), wurde vor mehr als 300 Jahren geschlossen und war der Grundstein für den Aufstieg Großbritanniens zur Weltmacht, in dem „die Sonne niemals untergeht“.  Schotten spielten auf dem Weg dahin zwar eine herausragende Rolle. Aber das war gestern.

Heute wollen die Schotten ihren eigenen Weg gehen. Ergebnis: Ein Rumpf-UK, ein „RUK“. Das alte Großbritannien gäbe es nicht mehr. Die Folge: „RUK“ fiele wirtschaftlich, politisch und militärisch im europäischen und internationalen Vergleich um etliche Stufen zurück. Ob der Platz als „Ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat“ zu halten wäre, steht in den Sternen.

Und ob die englische Sprache weiterhin als politische „Lingua franca“ in Europa Bestand hätte, darf füglich bezweifelt werden (wirtschaftlich wird sie es gewiß bleiben, da zu sehr in die wirtschaftlichen Realitäten verflochten).

„Europa den Regionen!“

Das hätte auch Folgen für den Kontext in der EU. „RUK“ würde gewiß nicht mehr zu den „Großen Vier“ in der EU gezählt und fiele hinter (z. B.) Italien zurück. Und das „alte“ England, London, könnte nicht mehr mit dem Anspruch auftreten, Weltmacht zu sein. Aus Sicht der EU wiederum fiele das europhile Schottland weg, und die euroskeptischen Rest-Briten dürften wohl recht ungnädig mit der EU umgehen – ein Austritt Englands aus der EU wäre zumindest nicht mehr unwahrscheinlich.

Die für 2017 geplante Volksabstimmung wirft schon jetzt ihre Schatten voraus. Die Austritts-Bemühungen erhielten dadurch Auftrieb, daß nach einer Separation der Schotten die Restbriten unter konservativer Herrschaft wohl ein klares Nein zur EU wählen könnten. Ein pro-europäisches Labour-Gegengewicht wäre, da nur in Schottland von Bedeutung, nicht mehr vorhanden.

Das „Virus federalis“

Doch größeren Einfluß als bisher dürfte die „United Independent Party“ (UKIP) von Mr. Nigel Farage erringen, der die Konservativen eher zu einem noch europakritischeren Kurs zwingen will. Es könnte also durchaus sein, daß sich auch in „RUK“ ein Drang zu stärkerer Unabhängigkeit breitmacht und damit eine Loslösung von der EU befördert. Diese Tendenz darf man jetzt schon festhalten, unabhängig vom Ausgang des Referendums in Schottland: „Europa den Regionen – gegen den Zentralstaat“, ist die Botschaft der Schotten!

Ein stärkerer Drang zu mehr Föderalisierung ergibt sich schon jetzt, just als Ergebnis des Referendums. Die Abstimmung in Schottland hat – unabhängig von ihrem Ergebnis – ein neues Virus kreiert: das „Virus federalis“, der Drang nach Unabhängigkeit von einem Zentralstaat. Es wird spannend werden zuzusehen, wie die einzelnen nationalstaatlichen Regierungen im EU-Europa darauf reagieren werden.

Großbritanniens Rolle und Bedeutung in der EU wäre nicht mehr dieselbe

Seine Führungsrolle, die es bisher beanspruchte, wäre perdu. Die US-Amerikaner z. B. müßten überprüfen, inwieweit die Tommys noch ein ernstzunehmender Partner sein könnten. Verschiebt sich die transatlantische Achse wieder nach Berlin und Paris – weil nur dort noch leistungsstarke Verbündete sitzen? Und wären diese Partner überhaupt bereit,  eine weltpolitisch relevante Rolle auszufüllen? Man darf zweifeln.

Unkontrollierbare Gesamtwirkung auf die EU-Mitgliedsstaaten: Mehr nationale Souveränität oder mehr europäischer Zentralstaat.

Wie schon mehrfach angedeutet, hätte ein positives Abstimmungsergebnis („JA“ zur Trennung von UK) Auswirkungen auf nahezu alle EU-Mitgliedstaaten gezeitigt. Der gebotenen Kürze halber hier nur die wichtigsten Brennpunkte (Quelle: Die Welt):

Spanien:

Die Katalanen sind die Nächsten, auf die sich Europas Augen richten werden, wenn sie am  9. November über ihre Unabhängigkeit abstimmen werden. In Madrid ist man darüber nicht begeistert. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy drohte den Schotten – und damit auch den heimischen Katalanen, Basken oder Andalusiern – an, ihre Wiedereingliederung in die EU zu erschweren. Hunderttausende Katalanen haben eine Abstimmung über die Unabhängigkeit der nordspanischen Region gefordert. Das Referendum in Schottland gibt ihnen Aufwind (Quelle: Reuters).

Die Ur-Separatisten im Baskenland

Eigentlich waren nicht die Katalanen, sondern die Basken die ersten Spanier, die einen eigenen Staat forderten. Schon Ende der 50er-Jahre entstand die Separatistenorganisation Eta, als Reaktion auf die Franco-Diktatur, die das Nationalgefühl der Basken und ihre Sprache unterdrückte. In den 70er- Jahren kämpfte die Eta dann mit brutaler Gewalt und Terror für ein unabhängiges Baskenland, das auch die Region Navarra und Teile Frankreichs einschließen sollte.

Die Bombenanschläge der Eta forderten mehr als 800 Menschenleben. Im Oktober 2011 legte die Eta die Waffen nieder. Doch der Wunsch nach einem eigenen Staat ist nicht erloschen, im Gegenteil. Einer Umfrage vom Juni 2014 zufolge würden 59 Prozent der Basken ein Referendum über die Unabhängigkeit begrüßen, allerdings nur dann, wenn das nicht automatisch den Ausschluß aus der EU bedeutete.

Siebenbürgens Ungarn feuern Schottland an

Auch sie könnten vom Virus federalis angesteckt werden: Tausende Ungarn, viele davon aus Siebenbürgen, leben in Schottland, und die meisten von ihnen sind wahlberechtigt. Auch der Fidesz-Abgeordnete im Europaparlament, György Schöpflin, der in Glasgow studierte und gut 50 Jahre in Großbritannien lebte und lehrte, drückt dem Ja-Lager die Daumen. Im rumänischen Siebenbürgen veranstalteten national gesinnte Parteien der ungarischen Minderheit Solidaritätskundgebungen für die schottische Unabhängigkeit. Auch auf Twitter wurde Stimmung gemacht mit Tweets wie diesem von Attila László: Eure Entscheidung ist unsere Zukunft!

Bei alldem geht es um das jahrzehntealte Bemühen der ungarischen Minderheit, „Autonomie“ für eine kompakt von Ungarn bewohnte Region namens „Szeklerland“ in Rumänien zu erringen. Von Rumänien selbst will man sich freilich nicht abtrennen. Im ungarischen Mutterland ist das Interesse vergleichbar groß, denn dort unterstützen alle politischen Parteien links und rechts das Autonomiebestreben der Minderheit im Nachbarland.

Die Bayern – aus Freude an der Provokation

Daß sie als „widerspenstiges Bergvolk“ einen Hang zum Separatismus haben, gehört zu den sorgsam gepflegten Vorurteilen der Bayern über sich selbst. Für jeden verkappten Anarchisten (für die sich die Bayern auch halten) ist es einfach eine Freude, gegen jede Form von zentralstaatlicher Obrigkeit zu stänkern.

Deshalb fühlen die Bayern auch eine Seelenverwandtschaft mit den Schotten. Dort dominieren die Engländer, hier die Preußen. Neue Nahrung erhielt dieser folkloristisch-mentale Ausgleich zu den Mühen der Globalisierung vor zwei Jahren mit einer Streitschrift von Wilfried Scharnagl: „Bayern kann es auch allein – Plädoyer für den eigenen Staat“, hieß das schmale Büchlein, das der ehemalige Chefredakteur des „Bayernkurier“ und Strauß-Intimus 2012 rechtzeitig zum Landtagswahlkampf der CSU veröffentlichte.

Es sei Zeit, sich zu wehren, „Zeit für das große bayerische Aufbegehren“; denn Bayerns Eigenständigkeit und Eigenstaatlichkeit sei bedroht. Damals, in außenpolitisch vergleichsweise ruhigen Zeiten, standen die EU und der Euro gerade weniger hoch im Kurs. Der wortgewaltige Scharnagl rauschte durch alle Talkshows und empfahl nebenbei die Schotten als Vorbild.

Im Freistaat nahm man es amüsiert zur Kenntnis, wohl wissend, daß die Prosperität des Landes sehr viel mit der bundesweiten Verflechtung und dem Internationalismus der heimischen Wirtschaft zu tun hat. Aber träumen vom freien Staat Bayern wird man noch dürfen. Das gehört auch zur Widersprüchlichkeit der Bayern, die der bayerische Schriftsteller Oskar Maria Graf treffend beschrieb: „Nacha mach ma halt a Revolution, damit a Ruah is!“

Norditalien und Padanien

Das schottische Referendum ist auch für die italienische Partei Lega Nord ein Anlaß, die alten Parolen für die Unabhängigkeit des italienischen Nordens hervorzukramen. Die rechtskonservative Partei, die unter ihrem Anführer Umberto Bossi zu nationaler Bedeutung gelangte, kehrt zu ihrem Ursprung zurück. Am Wochenende (13./14. Sept.) lud sie in das bergige Ausflugsgebiet des Pian della Regina in der Nähe der französischen Grenze. Anno 1996 eröffnete sie von hier oben in 1700 Meter Höhe aus den Kampf gegen den Zentralstaat in Rom. Anno 2014 ist Schottland die große Inspiration.

Die Schlacht für die Unabhängigkeit sei wieder aktuell, sagte Lega-Nord-Parteichef Matteo Salvini. Das sei eine Wette, vor der die Lega Nord nie zurückschrecken werde. „In Schottland dürfen die Bürger wählen. In Italien heißt es, das sei nicht möglich“, sagte Salvini. Partei-Urgestein Bossi nutzt die Gelegenheit, um über Premier Cameron zu spotten: „Ihm ist die schottische Fahne auf den Kopf gefallen“, sagte er. Für Königin Elisabeth findet er indes nette Worte. Sie habe sich nicht eingemischt und sich auf die Aussage beschränkt, den Willen des Volkes zu achten. „Sie ist schlau gewesen.“

Die Gegner verortet die Lega Nord in Rom und Brüssel. Sie macht die Regierung in Rom für hohe Steuern und Abgaben verantwortlich. Zudem spricht sie sich für den Austritt Italiens aus der Euro-Zone aus. Gegen Rom und Brüssel könne man nur gewinnen, wenn sich Regionen wie Piemont und Venetien zusammenschließen würden, sagte Salvini. „Padanien“, wie das neue norditalienische Land (einschließlich der Emilia Romagna und der Metropole Milano) heißen sollte, ist es leid, Jahr für Jahr Milliarden für Milliarden in ein Faß ohne Boden namens Mezzogiorno (Neapel, Sizilien etc.) zu stopfen und damit vor allem die mafiosen Strukturen im Süden des italienische Stiefels zu finanzieren.

Im Zuge einer nicht enden wollenden Wirtschaftskrise wird der Ruf nach Unabhängigkeit in Italien lauter. Besonders stark ausgeprägt sind die Bestrebungen in Venetien (Venedig). Im Frühjahr initiierten Bürger ein in den Medien viel beachtetes Online-Referendum. Es hat allerdings keinerlei praktische Auswirkung. Auch die Teilnehmerzahl sowie das Abstimmungsergebnis sind umstritten.

Das Wettern gegen Rom und Brüssel beschert der Lega Nord zumindest einen Stimmenzuwachs. Laut dem Wahlforschungsinstitut Piepoli kommt die rechtskonservative Partei aktuell auf sieben Prozent der Stimmen. Damit ist sie hinter Forza Italia, der Partei von Ex-Premier Silvio Berlusconi, die zweitstärkste Kraft im Mitte-rechts-Lager. Lega-Nord-Frontmann Salvini, der sich als legitimer Nachfolger Bossis inszeniert, ist bei den Italienern beliebt. Mit einer Zustimmungsquote von 19 Prozent schneidet er laut den Wahlforschern von Ixè besser ab als „Fünf-Sterne“-Anführer Beppe Grillo und Berlusconi. Dennoch liegt er weit hinter Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der auf eine Quote von 49 Prozent kommt.

Südtirol – kein Dauer-Goldesel für Rom

Auch in Südtirol schaut man gespannt auf die britische Insel. Die Spannungen zwischen Südtirol und Rom haben sich während der Finanzkrise verschärft. Um Löcher im klammen Haushalt zu stopfen, zieht Italien den Südtirolern Millionen aus der Steuerkasse.

Außerdem plant Italiens Premier, den Regionen im Zuge einer Verfassungsreform Kompetenzen zu nehmen. Am lautesten für ein unabhängiges Südtirol treten seit Jahren die „Freiheitlichen“ ein. Pius Leitner, Fraktionsvorsitzender der Freiheitlichen im Parlament in Bozen, ist davon überzeugt, daß das Votum der Schotten ganz Europa verändern wird – ganz gleich, wie es ausgehen wird. „So wie Schottland über seine Unabhängigkeit abstimmen darf, soll dieses Recht auch den Südtirolern zugebilligt werden.“   – Für einen Freistaat Südtirol lohne es sich zu kämpfen, sagte Leitner.

„Europa ist in Bewegung, und Südtirol sollte sich auch in Bewegung setzen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Für Südtirol kommt dabei vor allem ein unabhängiger Freistaat infrage, den wir Freiheitlichen immer angesprochen und beworben haben.“   –  Südtirol sei ständigen „Belastungen“ und „Angriffen“ aus Rom ausgesetzt.

„Langfristig führt nichts an einer politischen Lösung ohne Italien vorbei“, sagte Leitner. Mehrheitsfähig ist die Position der Freiheitlichen allerdings nicht. Das Sagen in Südtirol hat die Südtiroler Volkspartei (SVP). Sie stellt seit Jahrzehnten den Landeshauptmann, also den Regierungschef. Seit dem vergangenen Herbst ist das Arno Kompatscher.

Die SVP weicht nicht von ihrer bisherigen Linie ab. Sie sieht die Zukunft Südtirols in der Autonomie, das heißt innerhalb Italiens. Die Strategie sei klar. „Evolution statt Revolution“, sagte Kompatscher.

Die Bretonen – Verachtung für den reaktionären Nationalstaat

Auf Separatistenbewegungen in Frankreich werde das schottische Abstimmungsergebnis  keine Auswirkungen haben, glauben französische Medien und Intellektuelle. Denn die Idee der Republik und die gemeinsame Geschichte schweiße die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Zentralstaats zusammen. Wenn sie sich da nicht mal täuschen, wie ein Blick zu den Bretonen zeigt!

Frankreich minimiere bewußt die Auswirkungen des schottischen Referendums, urteilt dagegen die bretonische Nachrichtenagentur Agence Bretagne Presse. Denn in der Bretagne wird die schottische Unabhängigkeitsbewegung genau verfolgt – und begrüßt. Bretonische Separatisten hofften, daß ein positiver Ausgang des Referendums auch anderen Bevölkerungsgruppen in Europa mehr Gehör verschafft hätte.

Ihnen geht es dagegen weniger um eine Abspaltung der Bretagne. So hofft Henri Gourmelen von der Union Démocratique Bretonne, daß das Referendum dem französischen Staat vor Augen führe, wie reaktionär er sei. Frankreich könnte endlich zugeben, daß die Unterschiede der einzelnen Bevölkerungsgruppen ein Vorteil seien, meint der Vorsitzende des Parti Breton, Yves Pelle. Darauf müsse die von Präsident François Hollande geplante Territorialreform abzielen.

Die Korsen – mit demselben Leitfaden wie die Schotten

Um die Anerkennung Korsikas als eigenständige Bevölkerungsgruppe in Europa geht es korsischen Politikern. „Wir sind nicht unbedingt für die Unabhängigkeit Korsikas“, sagt Gilles Simeoni. Der Bürgermeister von Bastia ist gemeinsam mit François Alfonsi, dem Vorsitzenden der European Free Alliance und Mitglied der korsischen Partei PNC (partitu di a Nazione Corsa), nach Edinburgh gereist, um die Unabhängigkeit Schottlands zu unterstützen. 

„Wir haben kein Öl, wir haben nicht dieselbe Demographie, aber wir haben denselben Leitfaden: das Eintreten für die lokalen Identitäten und die Forderung nach einer Politik, die den Völkern nähersteht“, erklärt Simeoni. „Ein kleines Volk wie das unsere muß auf europäischer Ebene anerkannt werden“, fordert er.

Gleichzeitig kämpfe Korsika dafür, mehr Verantwortung zu erhalten. Es sei jedoch derzeit unvorstellbar, daß Korsika wie Schottland einen Premierminister wie Alex Salmond bekomme, auch wenn die korsischen Nationalisten sich immer stärker von der Gewalt lossagen würden. Alfonsi von der PNC ist jedoch überzeugt, daß das schottische Referendum einen historischen Prozess in Europa in Gang gesetzt hat.

Schottland – eine Abstimmung für die Zukunft Europas

Schottland hat nun abgestimmt. Es wird nun aber keine „Ruhe“ ins europäische Haus einkehren. Denn in Wirklichkeit handelte es sich um eine Abstimmung, die die Zukunft Europas prägen wird: Mehr nationale Souveränität oder mehr europäischer Zentralstaat. Der (britische) Wähler hat gesprochen – stellvertretend für alle Europäer!

Auch wir müssen entscheiden, wohin wir wollen! Es wird nichts mehr so sein wie vorher. Das schottische Abstimmungsergebnis ist eine letzte Mahnung an die Zentralisten, zurück zu einem echten Föderalismus zu finden.

Die Loslösungs- bzw. Unabhängigkeitsbestrebungen lassen sich nicht mehr aufhalten, weil der überbordende europäische Zentralismus und der „Moloch Brüssel“ zutiefst der menschlichen Natur widersprechen – dem Recht auf nationale, regionale und individuelle Entfaltung. Schon deshalb gebührt den Schotten der größte Dank aller selbstbewußten Nationen.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist und ehem. Bundesgeschäftsführer der „Jungen Union“. Er betreibt die liberal-konservative Webseite http://www.conservo.wordpress.com


Evangelische Betrachtung über die „Wolke von Zeugen“, die uns umgibt

Von Jörgen Bauer

„Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen in dem Kampf, der uns bestimmt ist  –  und aufsehen zu Jesus, dem Anführer und Vollender des Glaubens.“ (Hebr 12,1-2)

Dieser Tage las ich im Losungsbüchlein eine Aussage, die dem heiligen Patrick von Irland zugeschrieben wird:

”Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt. Gottes Macht halte mich aufrecht. Gottes Auge schaue auf mich. Gottes Ohr höre für mich. Gottes Wort spreche für mich. Gottes Weg will ich gehen, sein Schild schütze mich.” St-Gerhard-Werk

Da fiel mir ein: St. Patrick, St. Georg, St. Andrew sind die Schutzheiligen Irlands, Englands und Schottlands  –  und in der britischen Flagge, der „Union Jack“, befinden sich die übereinander gelegten Kreuze dieser drei Heiligen: St. Patrick ein rotes Andreaskreuz auf weißem Grund, St. Georg ein rotes Kreuz auf weißem Grund und St. Andrew ein weißes Andreaskreuz auf blauem Grund.

Während ich darüber nachdachte, wurde mir bewusst, welche Wirkung vom christlichen Europa weltweit ausgegangen ist. Vom kleinen Europa verbreitete sich das Christentum über die ganze Erde. Ebenso auch die europäische Kultur und Lebensart sowie Entdeckungen und Erfindungen, auch wenn nicht alles gut war, was von Europa kam. Man denke an Kreuzzüge, die Kolonialisierung, die Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern, an den Sklavenhandel, die Zwangsmissionierung und Ähnliches.

Das Licht des Christentums ist trotzdem immer wieder durchgebrochen. Europa scheint im Weltgetriebe mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren  –  und man könnte meinen, dass der Bedeutungsverlust mit dem Schwinden des christlichen Glaubens einhergeht.

Den Empfängern des Hebräerbriefes wird  –   in einer vergleichbaren Situation  –   damit Mut gemacht, dass auf die Menge der Glaubenszeugen vergangener Zeiten verwiesen wird, welche die Gläubigen wie eine Wolke unsichtbar umgeben.

Wenn man die Geschichte des Christentums zurückverfolgt, sind auch wir von einer großen Wolke von Glaubenszeugen umgeben, die sich zu denen des Alten Testamentes hinzufügen.

Wir heute lebenden Christen stehen damit sichtbar an der Spitze einer durchgängigen Linie der Gläubigen aller Zeiten, wobei die Vorausgegangenen uns Glaubenszeugen und Vorbilder sind.

Unseren Halt haben wir aber in Jesus Christus, als das Ziel und den Vollender unseres Glaubens. Nur bei IHM sind wir sicher  –  und nur ER bewahrt uns und lässt uns weiterhin Salz und Licht der Welt sein.

Und das auch dann, wenn sich die Machtstrukturen in der Welt ändern und die Christenheit vielleicht bald wieder so dasteht wie zu ihren Anfangszeiten, als der Hebräerbrief geschrieben wurde.

 


Die Mehrheit der schottischen Bürger will von Homo-„Ehe“ nichts wissen

Eine Mehrheit der Schotten spricht sich gegen eine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtliche „Partnerschaften“ aus, wie sich aus einer jüngsten Umfrage ergab. Dadurch erhält eine Initiative der Kirche auf den Britischen Inseln Rückenwind, die verhindern will, daß die Regierung das Eherecht zugunsten gleichgeschlechtlicher „Paare“ ändert.

„Ich hoffe, dass die Regierung dieses Ergebnis sorgfältig prüft und akzeptiert“, sagte ein Sprecher der Allianz Scotland for Marriage (Schottland für die Ehe).

Liebfrauenkirche in Schotten

Kirche in Schottland

Auch Kardinal Edwin O`Brien von Edinburgh hat sich unlängst wortstark gegen eine gesetzliche Aufwertung  gleichgeschlechtlicher „Partnerschaften“ ausgesprochen. Der frühere britische Premier Tony Blair stellt sich allerdings  hinter die Pläne der Regierung, obwohl er nach Ablauf seiner Amtszeit vom anglikanischen zum katholischen Bekenntnis übergetreten ist.

Aus christlicher Sicht ist die Ehe eine intime, leib-seelische Verbindung von Mann und Frau zur gegenseitige Hilfe und zur Weitergabe des menschlichen Lebens; nach katholischer Lehre ist die Ehe überdies ein Sakrament und damit keineswegs „nur“ eine weltliche, sondern eine heilige und heilbringende Angelegenheit; dieses Sakrament gehört sowohl zur Schöpfungsordnung Gottes wie auch zur Erlösungsordnung Christi. Daher auch der eindeutige Einsatz der katholischen Kirche für die gottgewollte Hochschätzung der Ehe zwischen Mann und Frau.