Beleg für schriftgetreue Überlieferung des AT über Jahrtausende hinweg

Vor über 45 Jahren fand man sie in Israel   –  genauer gesagt: in der Wüste Negev  –  die En-Gedi-Schriftrolle. Archäologen hielten sie für ein verkohltes Stück Holz, doch sie ist ein bedeutendes historisches Dokument. polskaweb

Ein Jahr arbeiteten Forscher daran, das gut 1500 Jahre alte Papyrus virtuell zu entpacken und lesbar zu machen. Mit großem Erfolg. (…)

Den Text von En-Gedi hält der jüdische Bibelforscher Emanuel Tov von der Hebräischen Universität Jerusalem für ein Bindeglied, ein Beispiel der Kontinuität zwischen dem uralten biblischen Text und der spätmittelalterlichen Überlieferung:

„Das ist ein klares Zeichen der Kontinuität. Der Text dieser Schriftrolle aus dem sechsten Jahrhundert ist identisch mit demjenigen auf Schriftrollen, die bis zur Erfindung der Druckerpresse genutzt wurden. Das kann kein Zufall sein.

Die Rolle von En-Gedi ist ein Beweis dafür, dass die mittelalterlichen Texte tiefe Wurzeln haben. Nichts hat sich über 2000 Jahre geändert.“

Näheres dazu im Bericht des Deutschlandfunks: http://www.deutschlandfunk.de/die-en-gedi-schriftrolle-rettung-vor-der-klippe-des.676.de.html?dram:article_id=366570


Israel will die restlichen Qumran-Rollen aus der Wüste retten

Die Israelische Antikenbehörde hat in Kooperation mit dem „Kulturerbe-Projekt“ im Jerusalem-Ministerium und Kulturministerin Miri Regev einen nationalen Plan für umfangreiche Ausgrabungen in der Judäischen Wüste entwickelt, der die Höhlen retten soll, in denen die sog. Qumran-Rollen entdeckt wurden.

Der Generaldirekter der Antikenbehörde, Israel Hasson, erklärte:

„Seit Jahren werden unsere wichtigsten kulturellen Güter in den Höhlen in der Jüdäischen Wüste aus Habgier illegal ausgegraben und geplündert. Das Ziel des nationalen Plans, den wir vorstellen, ist es, ein für alle Mal alle Rollen zu finden und auszugraben, die noch in den Höhlen sind, und sie dadurch zu retten und durch den Staat zu konservieren.“

Die Antikenbehörde hat in der vergangenen Woche in einem ersten Schritt in Nachal Tze’elim Ausgrabungen begonnen und sucht dort nach verbliebenen Schriftrollen.

Inspekteure der Antikenbehörde versuchen seit Jahren, Plünderungen in den Höhlen zu verhindern und sind dabei auch immer wieder erfolgreich:

So wurden im November 2014 Plünderer auf frischer Tat ertappt, die gerade dabei waren, wichtige archäologische Artefakte aus der Zeit der Römer vor 2000 Jahren sowie aus der neolithischen Periode vor 8000 Jahren zu entwenden. Die Täter mussten ins Gefängnis und wurden zudem noch zu einer Geldstrafe von 100.000 Shekel (etwa 26.000 Euro) verurteilt.

2009 war bei einer verdeckten Operation bei einem Treffen mit Antiquitätenhändlern ein Papyrus beschlagnahmt worden, der etwa auf 139 n. Chr. datiert wird. Der Händler hatte den Papyrus für 2 Millionen Dollar zum Kauf angeboten; dieser stammt wohl ebenfalls aus Nachal Tse‘elim.

Trotz dieser Erfolge sei der einzige Weg, die Plünderung der Höhlen wirklich nachhaltig zu bekämpfen, eine vollständige Hebung der darin noch verborgenen Schätze, so Hasson. Daher seien die gegenwärtigen Grabungen mit zahlreichen Experten und etwa 500 Freiwilligen so außerordentlich wichtig.

Es handele sich, so Amir Ganor, der Leiter der Einheit zur Verhinderung von Antiquitätendiebstahl, um äußerst komplexe Ausgrabungen in schwierigem Gelände:

„Es gibt Hunderte von Höhlen in den Klippen in der Region, zu denen der Zugang sowohl gefährlich ist als auch eine große Herausforderung darstellt. In beinahe jeder Höhle, die wir untersucht haben, finden wir Spuren illegaler Interventionen, es bricht einem das Herz.“ 

Die zwischen 1947 und 1956 entdeckten „Schriftrollen vom Toten Meer“ (auch Qumranrollen genannt) gehören zu den ältesten schriftlichen Zeugnissen des Judentums.


Israel: Antike Teile einer Thora-Rolle entdeckt

Dank hochentwickelter Technologien konnten Teile einer Tora-Rolle (Altes Testament, Fünf Bücher Moses), die vor 1500 Jahren vollständig verbrannt wurde, nun entschlüsselt werden.

Das Schriftstück (siehe Foto) stammt aus dem Tora-Schrein einer Synagoge in Ein-Gedi. Die Entzifferung dauerte mehr als ein Jahr und brachte Verse vom Anfang des 3. Buches Moses (Levitikus) zutage.

Der seltene Fund wurde am Montag (20.7.15) auf einer Pressekonferenz in Jerusalem vorgestellt.

Die Schriftrolle war 1970 bei archäologischen Ausgrabungen, die von Dr. Dan Barag und Dr. Sefi Porath geleitet wurden, in der Synagoge von Ein Gedi entdeckt worden. Da sie jedoch stark verkohlt war, konnten die Experten sie weder konservieren noch entziffern.

Das „Familie-Lunder-Zentrum für die Konservierung der Schriftrollen vom Toten Meer“ der Israelischen Antiquitätenbehörde ermöglichte nun die Entzifferung. Das Zentrum nutzt die neusten und fortgeschrittensten Technologien, um die Schriftrollen vom Toten Meer zu konservieren und zu dokumentieren. 1403634115528

Mit der Radiokarbonmethode konnte die Schriftrolle von Ein Gedi in das 6. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Damit ist sie die älteste Schriftrolle mit Texten aus den fünf Büchern Moses seit dem Fund der Schriftrollen vom Toten Meer. Jene werden an das Ende der Zeit des Zweiten Tempels (1. Jahrh. v. Chr. bis 1. Jahrh. n. Chr.) datiert.

Dr. Sefi Porath, der die Tora-Rolle 1970 entdeckte, sagte:

„Die Entzifferung der Schriftrolle, die für uns 45 Jahre lang ein Rätsel war, ist sehr aufregend. Ein Gedi war während der byzantinischen Epoche (4. – 7. Jahrh. n. Chr.) ein jüdisches Dorf und besaß eine Synagoge mit einem außergewöhnlichen Mosaikboden und einem Tora-Schrein.

Die Siedlung wurde völlig niedergebrannt und keiner der Einwohner kam je zurück, um dort zu wohnen oder um die Ruinen nach wertvollen Besitztümern zu durchsuchen.

Bei der archäologischen Ausgrabung in der verbrannten Synagoge fanden wir neben den verkohlten Fragmenten der Schriftrolle einen bronzenen siebenarmigen Leuchter (Menora), die Geldkassette der Gemeinde mit rund 3500 Münzen, Öllampen aus Glas und Keramik und Gefäße mit Parfüm.

Wir wissen nichts über die Ursache des Feuers, aber die Spekulationen über die Zerstörung reichen von beduinischen Angreifern aus der Region östlich des Toten Meeres bis hin zu Konflikten mit der byzantinischen Regierung.“

Quelle: Israelische Antiquitätenbehörde, Israelische Botschaft in Berlin


Israel stellt digitale Bibliothek der Qumran-Rollen vom Toten Meer online

Die Antikenbehörde und Google Israel haben am heutigen Dienstag die bekannten und religionswissenschaftlich bedeutsamen Schriftrollen vom Toten Meer online gestellt:

Die digitale Bibliothek soll letztendlich die vollständigen Schriften enthalten. Bisher sind es „lediglich“ 4000 Scans von Infrarot-Fotografien, die kurze Zeit nach dem Finden der Schriftrollen bei Qumran in den 1950er Jahren gemacht wurden, die interessierte Nutzer betrachten können.

Hinzu kommen etwa 1000 Bilder, die erst für das Digitalisierungsprojekt in einem eigens gebauten Fotolabor angefertigt wurden, das sich einer von der NASA entwickelten Technik bedient.

Hierbei wird jedes Schriftstück 28 Mal auf 12 verschiedenen Farbspektren abfotografiert und die Bilder anschließend von einem Computer zu einem Bild mit äußerst hoher Auflösung wieder zusammengesetzt. Jede der Fotodateien hat eine Größe von etwa 4-5 Gigabyte.

Zusätzlich sind die Schriftrollen auch mit Infrarot-Licht fotografiert worden, was ermöglicht, auch unter Flecken verborgene Buchstaben zu erkennen, die das menschliche Auge im Original gar nicht erfassen könnte.

Ein Team von Forschern der Universität Tel Aviv arbeitet außerdem an einem Computer-Programm, das es ermöglichen soll, alternative Zusammenstellungen der einzelnen Rollenteile zu finden. Denn niemand weiß, ob die Forscher vor 60 Jahren die 30.000 Einzelteile, aus denen die Rollen bestanden, wirklich richtig zusammengesetzt haben.

Drei Jahre, so hieß es am heutigen Dienstag auf der Pressekonferenz zum offiziellen Online-Start des Projekts, werde es dauern, bis alle Teile öffentlich einsehbar seien.

Bereits jetzt können einzelne Textteile auf Hebräisch oder in englischer Übersetzung gesucht werden. Auch ist es möglich, auf Landkarten zu sehen, wo genau eine bestimmte Rolle gefunden wurde. Weitere Tools sollen hinzukommen.

Die Initiatoren des Projekts erhoffen sich vor allem eine Welle von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema.

„Man wird die Schriftrollen noch einmal ganz neu lesen können, aus Forschersicht ist hier der Himmel die Grenze“, so Pnina Shor, Leiterin der Abteilung für die Qumran-Rollen bei der Antikenbehörde heute Morgen.

Die digitale Bibliothek der Schriftrollen vom Toten Meer finden Sie unter

http://bit.ly/QumranBibliothek

http://dss.collections.imj.org.il/

Quelle (Text/Foto): Israelische Zeitung „Haaretz“ vom 18.12.2012 / Israelische Botschaft in Berlin