Warum Kardinal Marx die bayerische Kreuz-Entscheidung bewusst missversteht

Von Dr. Eduard Werner

Ein Kardinal, der ausgerechnet in Jerusalem sein Amtskreuz in der Tasche versteckt und dann auch noch in wahrheitswidriger Weise behauptet, das hätten die Israelis von ihm verlangt, hat schon jede Glaubwürdigkeit verloren. 

Jetzt will der Münchner Erzbischof Reinhard Marx  – wieder  nicht ganz ehrlich – den Ministerpräsidenten absichtlich missverstehen, als würde dieser das Kreuz nur als Symbol christlicher Kultur betrachten und nicht auch als religiöses Markenzeichen des Christentums.

Diese Unterstellung ist unbegründet, denn das Kulturzeichen lässt sich doch gar nicht vom christlichen Erlösungszeichen trennen. 

Dieses bewusste Missverstehen ist wenig vornehm. Damit kann sich Marx um eine inhaltliche Aussage zum Kreuz selber drücken.

In der Zeit des Nationalsozialismus  haben sich Bischöfe und Laien noch unter Lebensgefahr zum Kreuz bekannt. Wie viele Christen kamen ins KZ, weil sie die Schulkreuze nicht abhängen ließen.

Leutnant Kitzelmann aus Horben wurde zum Tode verurteilt, weil er gesagt hatte: „Daheim reißen sie die Kreuze aus den Schulen und hier an der Ostfront macht man uns vor, wir würden gegen den gottlosen Bolschewismus kämpfen.“

In der Verfolgung wusste man noch, dass die Wahrheit spaltet. Arme Kirchen, deren Bischöfe das nicht mehr wissen. In allen Ländern, in denen die Kreuze abgehängt wurden, ist das den Völkern sehr schlecht bekommen.        

Unser Autor Dr. Eduard Werner ist Historiker und Buchautor; er lebt in Andechs (Bistum Augsburg)


Prof. Wolffsohn kritisiert Kreuz-Verzicht von Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm

Der deutschjüdische Historiker und Publizist Prof. Dr. Michael Wolffsohn hat sich am 8. November 2016 in BILD-online zur aktuellen Debatte um die Anne-Will-Sendung und die umstrittene Teilnahme einer vollverschleierten Islamisten-Muslima geäußert.

Foto: http://www.wolffsohn.de/Zugleich nahm der Münchner Geschichtswissenschaftler (siehe Foto) auch Stellung zum Verhalten von Kardinal Reinhard Marx und dem EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm, die kürzlich auf dem Tempelberg in Jerusalem ihr Brustkreuz abnahmen, um damit einer Aufforderung von Islamvertretern nachzukommen.

Prof. Wolffsohn hält den beiden „obersten deutschen Kirchenvertretern“ vor, sie hätten „so wenig im Kreuz (sprich: Rückgrat“, daß sie „das Symbol des Christentums“ abgelegt hätten.

Der Historiker fügt hinzu: „Das hatte weder mit „Respekt“ etwas zu tun noch mit Toleranz, geschweige denn Akzeptanz (= Billigung) des Anderen in seinem Anders-Sein. Das war Unterwerfung und Selbstverleugnung.“

Aus der Sicht Wolffsohns ist es zudem eine christliche „Selbstverleugnung“, wenn „auf bayerischen oder anderen Bergen das Gipfelkreuz zersägt oder entfernt“ werde   – ebenso wenn „aus falscher Rücksichtnahme das Kruzifix in Schulklassen abgehängt“ werde.

Foto: http://www.wolffsohn.de/