Fasziniert von der Pfingstbewegung – und dabei viel Lehrgeld bezahlt

Von Felizitas Küble

Auch gestandene Glaubensmänner und -frauen können sich von einem völlig neuen Sog begeistern und vereinnahmen lassen, bis oft erst nach vielen Jahren die Ernüchterung folgt. Wohl denen, die dann bereit sind, vorherige Irrtümer aufrichtig einzuräumen und zu ihrem Umdenken zu stehen.

So erging es führenden evangelischen Persönlichkeiten in der Erweckungs- und Heiligungsbewegung, die sich nach mehr „geistlicher Vollmacht“ sehnten und  – durchaus in bester Absicht –  freudig daran glaubten, die aufkommende Pfingstbewegung sei eine Chance des Himmels für die Gläubigen auf Erden.

Wir erinnern hier beispielhaft an vier bedeutende Theologen bzw. Evangelisten aus dem pietistischen (heute würde man sagen: evangelikalen) Spektrum, meist aus der frommen Gemeinschaftsbewegung (Gnadau) oder der Evangelischen Allianz.

Beide Verbände hatten sich  – nach anfänglichem Zögern –  mehrheitlich gegen die „charismatische Welle“ gestellt, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Nordamerika kommend über Deutschlands „erweckliche“ Gemeinden hinwegfegte und dabei sogar Persönlichkeiten erfaßte, die vorher durchaus als besonnen galten:

Otto STOCKMAYER (1838 – 1917) war ein württembergischer Theologe, der erst in der Schweiz, später in England wirkte, vor allem in der Oxforder „Heiligungsbewegung“. Diese Strömung erkannte mit Recht, daß die lutherische Rechtfertigungslehre unzureichend war, daß nämlich zur Erlösung durch Christus auch das Bemühen des Menschen um seine „Heiligung“ gehört  – seit jeher ein ebenso paulinisches wie katholisches Anliegen. 

Soweit schön und gut, doch ein Teil dieser evangelischen Strömung verrannte sich allmählich in verstiegene Vorstellungen von einem geistlichen Perfektionismus, vertrat eine Lehre vom „reinen Herzen“, das der Mensch durch den Heiligen Geist schon auf Erden erhalten könne, so daß er sündenfrei zu leben imstande sei. Zudem glaubte man, durch diese geistgesalbte „Überwinderschar“ werde die „Brautgemeinde“ schneller zu Christus „entrückt“ (schon vor jener Trübsalszeit in der kommenden Ära des Antichristen). 

Auf dem Boden dieser überspannten Ansichten war der Schritt in die enthusiastische Pfingstbewegung nicht mehr weit.

Auch Reiseprediger Stockmayer wurde jahrelang von diesem Strom erfaßt, bis er 1909 eine Kehrtwendung vornahm und jenen Theorien ebenso den Abschied gab wie den schwärmerischen Anwandlungen der aufkommenden Charismatik. Als führender Mann in der pietistischen „Gemeinschaftsbewegung“ (Gnadauer Verband) sorgte er gemeinsam mit anderen „Patriarchen“ für eine Trennung von Gnadau und Pfingstlern. Dabei verwies er neben eigenen Erfahrungen auch auf seine Seelsorge mit Belasteten und Aussteigern aus der Charismatik.

Zur Ehrenrettung der Heiligungsbewegung sei noch erwähnt, daß der gemäßigtere Teil in die Oxforder Gruppenbewegung von Frank Buchman einmündete, die sich später in „Moralische Aufrüstung“ umbenannte, aber von der Pfingstbewegung fernhielt.

Prof. Ernst Ferdinand STRÖTER (1846 – 1922) erblickte in Barmen das Licht der Welt, gelangte zuerst nach Paris und später in die USA, wobei er Prediger der von John Wesley gegründeten Methodistenkirche wurde, die zu den neuzeitlichen Erweckungsbewegungen zählt. Er engagierte sich in der Evangelisation der Juden und kehrte Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa zurück.

Ebenso wie Pfr. STOCKMAYER war er mit den Ideen der Heiligungsbewegung vertraut und begünstigte durch einige Sonderlehren das Aufkommen der Pfingstbewegung. Als er jedoch die schwarmgeistigen Auswirkungen mehr und mehr erkannte, distanzierte er sich entschieden davon und warnte in seinen Schriften vor Wundersucht und einer Überbetonung der „außerordentlichen“ Charismen. So erschien 1912 seine Schrift „Die Selbstentlarvung der Pfingst-Geister“.

Frau Jessie PENN-LEWIS (1861 – 1927) war gemeinsam mit dem Evangelisten Evan Robers führend in der sog. „Erweckung von Wales“ (1904/05) tätig, die ebenfalls stark von Methodisten geprägt war und als eine Art Vorläufer der Pfingstbewegung gilt, nicht zuletzt durch ihre Hervorhebung einer „Geistestaufe“, die gleichsam der „zweite Segen“ nach der Taufe bzw. Bekehrung sei.

Als diese erfolgreiche britische Predigerin (sie hatte einst sogar Frank Buchman bekehrt) und ihr Mitstreiter Roberts die grundsätzliche Problematik der religiösen Schwärmerei durchschauten, schrieben sie 1912 gemeinsam das warnende Buch „War on the Saints“ (auf deutsch: Krieg den Heiligen) und mahnten darin zur geistlichen Nüchternheit.

Heinrich DALLMEYER (1870 – 1925) betätigte sich aktiv in der Pfingstbewegung. Im Sommer 1907 zog er mit zwei „visionären“ Norwegerinnen nach Kassel, wo eine Serie schwarmgeistiger Versammlungen für großes Aufsehen sorgte. Nach ca. vier Wochen und immer stärkeren Ausuferungen wurden die Zusammenkünfte am 2. August geschlossen. Dallmeyer verlor die Kontrolle über die ekstatischen Vorgänge und geriet selber in den Strudel enthusiastischer Phänomene. Nach langen inneren Auseinandersetzungen hat er sich dann  – ebenso wie sein leiblicher Bruder  – von der Pfingstbewegung losgesagt (Widerruf 1907) und sie danach entschieden bekämpft.

In seiner Schrift „Erfahrungen in der Pfingstbewegung“ aus dem Jahr 1910 befaßt er sich selbstkritisch mit seinem eigenen Irrweg und schreibt u.a. folgendes:

„Ich habe die Hoffnung zu Gott, dass diese Zeilen mithelfen, dass einige der jetzigen Träger der Bewegung Licht bekommen über die Irreführung, in der sie sich gegenwärtig befinden  –  und ich schreibe diese Schrift, nachdem ich im Kämmerlein öfters mit Tränen zu Gott gerufen: „HERR, führe sie heraus!“. Vielleicht kann diese Schrift eine Mithelferin sein, dass manche Geschwister, die jetzt noch in der Bewegung stehen oder gar Träger von Geistesgaben sind, von diesem Irrgeist befreit werden.“  (Quelle: https://das-wort-der-wahrheit.de/download/heinrich-dallmeyer-erfahrungen-in-der-pfingstbewegung/)

Diese Serie über Persönlichkeiten, die sich einst in der Charismatik befanden, aber dann eine Kehrtwendung zum nüchternen Glauben vollzogen, setzen wir hier im CHRISTLICHEN FORUM weiterhin fort.


Spiritueller MISSBRAUCH durch Alan Ames und seinen „Hammersegen“

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten reist der australische Starprediger Alan Ames durch die Lande, auch durch die deutschen  –  und er „spendet“ bei seinen Veranstaltungen, die leider sogar öfter in katholischen Kirchen stattfinden, fleißig den „Hammersegen“  –  gemeint ist damit ein ohnmächtiges Rückwärtskippen in einer Art Trance, von Charismatikern als „Ruhen im Geist“ verherrlicht. (In den USA spricht man dabei passender von „Slain in the spirit“ = Erschlagenwerden im Geist.)

Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben sich bei mir reihenweise  Geschädigte gemeldet, die von Alan Ames, der indisch-deutschen Nonne Sr. Margarita Valappila (Haus St. Raphael in Bad Soden-Salmünster) oder anderen Schwarmgeistern „flachgelegt“ wurden  –  seien sie katholisch-charismatisch oder evangelisch-pfingstlerisch. Die belastenden Folgen für die Betroffenen halten teilweise jahrelang an.

BILD: In diesem Buch propagiert Ames den Hammersegen

Noch heute erhielt ich den Anruf einer Dame, die vor einigen Jahren diesen charismatischen Hammersegen bei einem Auftritt von Ames in Heroldsbach erhielt. Als sie dann wieder aufstand, fühlte sie sich wie „beschwipst“, das war aber noch das wenigste: Danach machten sich bei ihr nämlich keine wunderbaren „Geistesgaben“ bemerkbar, sondern zahlreiche seelische und sprituelle Probleme.

Leider ist sie nicht das einzige Opfer dieser irrgeistigen Praktik; allein in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Betroffene bei mir gemeldet.

„Wundervolle Dinge: Die Leute fallen um…“

Daß Alan Ames die Gläubigen, die von ihm einen „Einzelsegen“ erhalten, reihenweise flachlegt, wurde in vielen Zeitungsberichten vermerkt, manchmal mit Erstaunen, selten in Sorge, oft leider sogar in naiver Zustimmung.

Ein Beispiel hierfür ist dieser Artikel aus der „erneuerungsbewegten“ kath. Szene: http://www.goodnews-wien.at/2014/09/hoppala-ist-denn-da-los-heilungsgebet-mit-alan-ames/

Darin heißt es über einen Auftritt von Alan Ames:

„Ein Abend voller wundervoller Dinge, die Leute fallen um, als sie von Alan Ames gesegnet wurden. Was ist da los?

Außenseiter mögen sich das fragen. Insider erfahren es. Gottes Geist ist lebendig, unberechenbar und wirkt auch heute. Und das mitten in der konservativen Katholischen Kirche.

Tja, da ist was los! Übrigens, die da am Boden liegen, ruhen im Geiste.

Niemand ist verletzt, im Gegenteil, all jene stehen erfrischt und oft geheilt bald wieder auf ihren Beinen.“

So wird den Gläubigen dieses irrgeistige Vorgehen schmackhaft gemacht und wie eine wertvolle Perle serviert, statt vor dieser Sumpfblüte, diesem Zerrbild des Glaubens zu warnen.

Wirkt der Heilige Geist etwa ohne oder gar gegen den Verstand und das menschliche Bewußtsein? Erleuchtet Gottes Geist nicht vielmehr unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens?

GOTT ist ein Freund der menschlichen Freiheit

Die Gnade baut auf der Natur auf –  und Gott überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat.

Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes geschenkt werden, wobei wir diese Gnadengaben in unserem Leben fruchtbar machen sollen.

Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des Verstandes und der Wissenschaft (Erkenntnis) sowie der Stärke und Weisheit.

BILD: Durch den Hammersegen flachgelegte Teilnehmer eines Charismatiker-Seminars auf den Philippinen

Soll man wirklich davon ausgehen, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit, Stärke und Wissenschaft wirksam?

Es ist in zweitausend Jahren in keinem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, das speziell den Heiligen Geist bzw. seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals ein Mensch „im Geist geruht“ hat.

Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Toronto-Segen, „Heiligem Lachen“, „Heiligem Weinen“, Zungenreden, „Prophetengabe“ usw.

Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga, also gerade jenen fernöstlichen Praktiken, welche doch von Charismatikerseite so eifrig bekämpft werden (dabei sind die strukturellen und mentalen Ähnlichkeiten unübersehbar).

Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.


Prof. Peter Beyerhaus über Begriff und Wesen der religiösen Schwarmgeisterei

Der bekannte evangelische Theologe Prof. Dr. Peter Beyerhaus (siehe Foto) befaßt sich seit Jahrzehnten mit der sog. Pfingstbewegung bzw. „Charismatischen Erneuerung“, die sich zunächst in protestantischen Konfessionen ausbreitete, aber seit Mitte der 60er Jahre auch in die katholische Kirche einsickerte. Kritiker bezeichnen diese enthusiastische Bewegung als „schwarmgeistig“. 8772380955

Der theologische konservative, evangelikale Missionswissenschaftler erläutert in dem folgenden Auszug aus seinem Grundsatzartikel über Geister-Unterscheidung den Begriff und das Wesen des Schwarmgeistes:

Woher kommt der Begriff „Schwarmgeist“? Dem normalen Zeitgenossen wird nicht ohne weiteres deutlich sein, was wir mit diesem Wort eigentlich meinen. Denn Schwärmerei bringt man im allgemeinen in Verbindung mit einer gewissen Gefühlsseligkeit.
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Man denkt an ein junges Mädchen, das für ihren Liebsten schwärmt. Ein anderer schwärmt von seiner letzten Sommerfrische oder einem frohen Erlebnis. Geht es also um eine leicht exaltierte Gefühlsstimmung? Nein, das ist nicht das Schwärmertum, das wir hier meinen, obwohl es gewisse Verbindungen gibt.
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Ich versuche, den Begriff immer vom Bild des Bienenschwarms her zu erklären. Wenn es den Bienen in ihrem Stock zu eng geworden ist   –  und zwar geschieht das immer, wenn eine zweite Königin geboren ist  –  dann halten sie es nicht mehr aus in der Begrenzung ihres Baues. Sie müssen hinaus und schwärmen mit furchtbarem Getöse aus.
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Damit habe ich das Entscheidende schon gesagt: Der Schwärmer hält es nicht aus in der Begrenzung, in die er auf Grund des Willens Gottes in seine m Glaubensleben in dieser heilsgeschichtlichen Zwischenzeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft des Herrn gestellt ist.

Wir müssen lebenslang mit Versuchungen rechnen

In dieser Zeit ist ja unsere Sünde zwar schon vergeben auf Grund des Kreuzestodes Christi; aber wir müssen doch immer noch den alten Sündenleib mitschleppen. Deswegen bekommen wir von ihm immer wieder sündige Versuchungen zu spüren. Gleichzeitig müssen wir auch leiden unter der Vergänglichkeit dieses alten Äons, dieses alten Weltzeitalters, an das wir mit aller Kreatur gekettet sind; so sind wir auch dem Sterbenmüssen unterworfen.Scannen0008
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Dies will der Schwärmer nicht anerkennen. Er möchte im Grunde genommen schon das Leben führen, das uns der HERR verheißen hat für das kommende Reich der Herrlichkeit, wenn Jesus Christus wiedergekommen ist, um alle Dinge neu zu machen. Der Schwärmer erkennt diese Grenzen der Zwischenzeit nicht an. Er will sie sprengen.

Der Schwärmer lebt mehr im „Schauen“ als im Glauben

Er möchte deswegen nicht glauben, sondern er will schauen, spüren und schmecken. Er will nicht mehr dulden, wie es uns doch Paulus in Römer 5 und 8 ans Herz legt, sondern er möchte genießen, er möchte volle Kraft und Gesundheit spüren, die in keiner Weise mehr in Frage gestellt wird. Deswegen ist für den Schwärmer das Phänomen der Krankheit immer ein Ärgernis , mit dem er nicht fertig werden kann. Eigentlich meint er, keinen Arzt mehr zu brauchen.
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Der Schwärmer möchte nicht mehr durch die Gnade allein leben, die Gnade, die ja doch in der immer erneuten Zusprechung der Vergebung der Sünden besteht. Nein, er möchte schon in der eigenen vollendeten Gerechtigkeit leben, wo er die Sünde endgültig hinter sich gelassen hat. Er ist also Perfektionist, meint in der Vollkommenheit zu stehen. P1020947
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Er möchte sich in die Gemein de nicht einordnen, in den Dienst am anderen stellen, sondern er möchte sich schrankenlos selber verwirklichen. Er möchte niemanden über sich haben, der ihn zur Korrektur ruft. Er möchte nicht dienen, sondern er möchte herrschen.
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Er möchte sich nicht Schritt für Schritt führen lassen, sondern bereits das Ende des Weges, den ihn der HERR führt, in aller Klarheit wissen und berechnen können. Das alles sind Kennzeichen des Schwärmers, der die uns gegebenen Grenzen nicht respektiert.
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Dieser Haltung liegt ein Drang zugrunde, den wir als Christen in gewisser Weise verstehen können. Denn wir alle leiden ja an der Gebrochenheit unseres jetzigen Daseins. Es ist auch vom Willen Gottes her nicht der Normalzustand, daß wir im Sündenleibe leben. Es ist nicht der Wille Gottes, daß diese Welt gekennzeichnet ist von Leiden, Tod, Haß und Zerrissenheit. Denn ursprünglich war die Welt geschaffen worden in Harmonie mit dem Schöpfer – und die neue Welt wird die jetzige Zerrissenheit nicht mehr kennen.

Sehnsucht nach Vollendung der Schöpfung

Auch hat Gott in uns und alle Kreatur das Seufzen gelegt, die Sehnsucht nach der Wiederherstellung und Verklärung der guten Schöpfung Gottes (Römer 8, 19-25). Deswegen wird jeder lebendige Christ immer wieder von dieser Sehnsucht ergriffen werden, die manchmal in ihm auch bestimmte schwärmerische Züge hervorrufen kann. Solange er aber noch ein gesunder Christ ist, wird er sich durch das Wort Gottes immer wieder zurechtweisen lassen. image001
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Er wird sich sagen lassen: Jawohl, diese Zukunft ist dir verheißen, aber du mußt dich noch gedulden, bis der HERR kommt und dich aus dem Glauben in das Schauen hineinführt. Der schwärmerisch versuchte Christ wird sich also vom Worte der Schrift berichtigen und sich an die Bedingungen dieser heils geschichtlichen Zwischenzeit erinnern lassen.
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Anders ist es, wenn Christen nicht mehr in der Demut, der Heiligung, bleiben, sondern ihre Hand nach den Gaben ausstrecken, die ihnen nicht gegeben sind. Wenn wir nicht mehr auf die Bedingungen achten wollen, die uns gesetzt sind, dann beginnen wir, wirklich in das Schwärmen zu geraten und für den Einbruch eines ausgesprochenen Schwarmgeistes offen zu werden.

Schwarmgeisterei gefährdet auch andere Gläubige

Dies bedeutet zunächst einmal eine Gefahr für unser eigenes geistliches Leben. Die Verführung macht den Betreffenden, der diesen Geist empfangen hat, aber alsbald auch zu einer Bedrohung für andere. Die durch den falschen Geist hervorgerufene ungesunde und unnüchterne Haltung, die hier zum Ausdruck kommt, findet ihren Niederschlag in bestimmten ungesunden Ideen und falschen Lehren, die der Betreffende dann anderen mitteilen will.
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Hat er damit Erfolg, so kann er schließlich sogar zum Stifter einer neuen Glaubensgemeinschaft oder Sekte werden. Wenn schließlich der Schwarmgeist vollends von ihm Besitz ergriffen hat, so macht er ihn zum Medium des altbösen Feindes.
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Ich möchte also unterscheiden zwischen dem ins Schwärmen geratenden Christen, der aber noch bereit ist, sich wieder in die Schranken weisen zu lassen, und jenem Christen, der sich von dieser schwärmerischen Tendenz weiter und weiter führen läßt, bis er schließlich die Schranken durchbricht und sich für den Empfang des Schwarmgeistes öffnet.
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Schwarmgeist, das muß nun ganz deutlich gesagt werden, ist nicht einfach eine menschliche ungesunde Haltung, sondern geistige Beeinflussung (Inspiration) aus dem Abgrund und letztlich Wirkungsweise des Satans.
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Quelle und vollständiger Artikel von Prof. Beyerhaus hier: http://www.ikbg.net/pdf/vortr1.pdf

Der „Hammersegen“ ist keine „Taufe im Geist“

Der christliche Blog „Kopten ohne Grenzen“ hat einen kritischen Artikel unter dem Titel „Die Unterscheidung der Geister“ veröffentlicht, der  sich anhand biblischer Warnungen skeptisch mit der Charismatik und einigen ihrer sonderbaren Ausdrucksformen befaßt. Fotolia_23885701_Konzert_470x_

Zu diesen außergewöhnlichen Manifestationen gehört auch das sog. „Ruhen im Geist“, wie es die Pfingstbewegung seit jeher nennt.

Dieses Phänomen verbreitet sich seit einigen Jahren zunehmend auch in katholisch-charismatischen Kreisen; vorher kannte man es fast nur aus der schwarmgeistigen Richtung des Protestantismus (Pfingstbewegung, „Starprediger“ wie  R. Bonnke oder B. Hinn, Toronto-Szene, „zweite Welle“ etc).

Wir sprechen unsererseits ganz anschaulich vom „Hammersegen“, weil die Betreffenden  –  oft nach der Handauflegung eines selbsternannten „Geisterfüllten“  –   plötzlich wie ohnmächtig nach rückwärts kippen und auf den Boden fallen, als ob sie einen Hammerschlag erlebt hätten.

Dieser befremdliche Vorgang wird in jenen Kreisen als angebliche „Geist-Ausgießung“, als  „Taufe im Geist“ bzw. als „zweiter Segen“ (nach der Taufe als dem „ersten Segen“) schöngeredet, als ob der Heilige Geist gegen den menschlichen Geist (Verstand) wirken würde.

Auffällig sind die Ähnlichkeiten in der Erfahrungswelt von Drogensüchtigen auf dem Trip einerseits und Leuten, die vom „Hammersegen“ schwärmen, auf der anderen Seite. Beide erleben z.b. häufig energiegeladene Durchströmungen, „himmlische“ Musik, faszinierende Bilder, kosmische Friedensgefühle, berauschende „Gotteserfahrungen“ usw.

Das zweite Foto zeigt derart „Geist-Erschlagene“ nach einer „Segnung“ durch einen „Geistheiler“ während einer Charismatiker-Konferenz auf den Philippinen.

Unter dem erwähnten Artikel im Kopten-Blog meldet sich „Thomas“ mit einem Leserkommentar zu Wort und berichtet von eigenen Erfahrungen und Eindrücken aus der charismatischen Szene. Hieraus zitieren wir folgende Auszüge: 

Foto: Pattayablatt

Foto: Pattayablatt

Ich hab mir selbst eine Pfingstlergemeinde angeschaut: Menschen wurde die Hand aufgelegt und diese fielen wie vom Hammer geschlagen um, sie fielen auf die Erde, fingen an zu schreien und zu zittern; manchmal mußten sie von mehreren Personen festgehalten werden. In der Bibel finden wir nichts dergleichen.

Zur Predigt wurden nur Bibelstellen rausgesucht, die irgendwelche Segnungen enthielten, biblische Forderungen nach heiligen Leben und Geboten Christi wurden nicht einmal zu Sprache gebracht, es wurde nur der Segen Gottes eingefordert.

Dann kam ein afrikanischer Prediger, der Menschen mit Öl salbte und irgend etwas über ihre Zukunft prophezeite.

Danach sagte er: Gott habe 14 Menschen in der Gemeinde nahegelegt, 150 Euro zu spenden  –  und tatsächlich kamen auch Menschen nach vorne; danach ging er immer weiter mit seinen Forderungen herunter, es sollten noch Menschen nach vorne kommen, die hundert Euro spenden, dann 70, 50 usw.

Hier ist klar eine satanische Täuschung und Verführung von großem Ausmaß zu sehen, genau wie in der Bibel angekündigt.

Weitere Infos hier:
http://www.das-wort-der-wahrheit.de/falsche-lehren-7
http://www.alexanderseibel.de/neue_praktiken_innerhalb_der_pfingstlich-charismatischen_bewegungen.htm

 


Mit der „Wahrheit“ lügen: Die charismatische Versuchung Christi in der Wüste

Wenn sich die Finsternis als Licht präsentiert

Der Bericht von der Versuchung unseres HERRN in der Wüste findet sich sowohl im Lukas- wie im Matthäus-Evangelium. Am heutigen 1. Fastensonntag wird diese Begebenheit sowohl in der überlieferten Meßform wie auch in der üblichen „neuen Messe“ vorgelesen.

Daß Christus diese Anfechtungen durch den Satan gerade in der Wüste erlebt, ist kein Zufall. Die Wüste ist einerseits ein Ort des Rückzugs und der Besinnung, des Gebets und der Verinnerlichung. Jesus geht erst in die Wüste, bevor er sein öffentliches Wirken beginnt.  Duccio

Zugleich ist die Wüste aber auch ein Ort des Ringens, der Anfechtung, Läuterung und Reifung. Die 40 Tage des Fastens Christi erinnern an die 40 Jahre Wüstenwanderung des Volkes Israel: dort empfingen sie durch Moses die Zehn Gebote, dort erlag das Volk der Versuchung durch das „Goldene Kalb“, dort standen die Hebräer immer wieder vor der Frage, sich für oder gegen Gott, für oder gegen seine Gebote zu entscheiden.

Auch für unseren HERRN in seiner menschlichen Natur erwies sich die Wüste als Ort der Entscheidung, Prüfung und Bewährung. Christus widerstand dem satanischen Versucher, war ER doch in die Welt gekommen, „um die Werke des Teufels zu zerstören“, wie es in der Hl. Schrift heißt.

Der Satan hat allerdings viele Gesichter  –  nicht nur ein „weltliches“ oder „fleischliches“ Gesicht, auch ein „geistliches“.

Wenn der Widersacher es nicht mit Ungläubigen oder Abständigen zu tun hat, sondern mit der frommen Schar, zieht er sich ein entsprechend „rechtgläubiges“ Gewand an. Würde er seine höllische „Visitenkarte“ vorzeigen, könnte er gleich einpacken. 

Satan verkleidet sich als „Engel des Lichts“

Wenn der Versucher sich als „Engel des Lichtes“ verkleidet, besonders „geistlich“ und überfromm gebärdet, ist besondere Vorsicht angesagt. Mit anderen Worten: der Diabolus ist „nomen est omen“ ein Durcheinanderbringer, er kann auch mit der „Wahrheit“ lügen und siegen!

Jesus Christus und damit Gott selbst ist gegen solch raffinierte Lügengespinste natürlich gefeit. Gleichwohl hat der Allmächtige es „zugelassen“, daß der Erlöser in der Wüste vom Teufel versucht wurde, war dies doch zugleich eine Demonstration des göttlichen Sieges über die Hölle   –  und zwar durch Jesus in seiner menschlichen Natur.

Es ist schon aufschlußreich, auf welche Weise sich der Widersacher in der Wüste präsentierte, um Christus von seinem messianischen Auftrag als „Leidensknecht“ abzubringen und ihm eine Art „Siegermentalität“ einzureden, die von Triumph zu Triumph schreitet, begleitet von sensationellen Großtaten und Schauwundern. kleines-rituale

Der natürliche, erbsündenbelastete Mensch schreckt vor dem Leiden zurück, er schleicht sich am Kreuz vorbei und wünscht eine „Halleluja“-Religion, die ohne Opfer zur Herrlichkeit führt. Die Annahme des Kreuzes ist dem Menschen nicht möglich ohne die Gnade Gottes, ohne übernatürliche Kraft von oben.

Interessanterweise wird Christus vom Teufel ausgerechnet in der Wüste versucht, wo er sich zum strengen Fasten zurückzog  – und zwar am Ende dieser Fastentage, als Christus unter Hunger litt.

Glaubt man den Vorstellungen manch frommer Kreise, dann ist man nach langer Askese (Abtötung, Verzicht) besonders gefeit vor dem Satan, befindet man sich doch angeblich in einem überlegenen geistlichen Zustand.

Listige Verführung zum Hochmut

Aber kann nicht gerade diese „Überlegenheit“ in Verbindung mit (un)geistlichem Hochmut zum Sturz führen?  – Ist nicht die scheinbar „geisterfüllte“, die charismatische Versuchung eine besonders raffinierte Trickkiste des Diabolus? Gibt es nicht bestimmte Sünden, die allein auf dem Boden der Frömmigkeit sprießen können und zur kaum erkennbaren Gefahr werden?

Freilich nicht bei Christus selbst, ist ER doch Gott und Mensch in einer Person, weshalb er diese besonders „religiöse“ Anfechtung aus eigener göttlicher Kraft siegreich besteht. Wenn Menschen solche listigen Versuchungen überwinden, dann allein durch die Gnadenhilfe des Erlösers, nie allein aus eigener Kraft.

Das Lukas-Evangelium berichtet von der Versuchung Jesu in der Wüste, auch von der ersten Provokation des Satans: „Wenn Du Gottes Sohn bist, so spricht zu diesem Stein, daß er Brot werde.“  –  Christus wird hier von der Hölle herausgefordert, seine Gottheit durch ein schnelles und sichtbares Wunder zu „beweisen“, das sich zudem angesichts seines menschlichen Hungers als nützlich erweisen würde.

Doch unser Erlöser läßt sich auf diese „wundersüchtige“ Herausforderung nicht ein. ER kann „Zeichen und Wunder“ wirken, keine Frage  –  aber ER will dies nicht im falschen Gehorsam gegenüber dem Versucher. Christus  kontert mit dem Wort Gottes aus dem Alten Testament: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch“ (Dtn 8,3).media-358103-2

Der Teufel startet einen zweiten Versuch, der sich auf allzu menschliche und triumphalistische Wunschvorstellungen bezieht, wie sie auch im Judentum der damaligen Zeit weitverbreitet waren:

Der Messias nicht als „Leidensknecht“, sondern als König der Herrlichkeit, der auch auf Erden ein triumphales Reich errichtet. Deshalb zeigt ihm der Widersacher alle Königreiche der Erde und verspricht dem Heiland, daß ihm all diese Macht und Herrlichkeit zufällt, wenn er vor ihm niederfällt und ihn anbetet.

Erneut reagiert Christus mit der Heiligen Schrift: „Es steht geschrieben: „Den HERRN, Deinen Gott, sollst Du anbeten und IHM allein dienen“ (Dtn 6,13).

Der DIABOLUS mißbraucht die HEILIGE SCHRIFT

Der Teufel ist durchaus lernfähig, er ändert jetzt seine Strategie, er will Christus mit dessen eigenen Waffen schlagen: mit Bibelworten also. Er schlüpft gewissermaßen ins Gewand der „Rechtgläubigkeit“ und verwendet das Wort Gottes als listige Taktik.

Diesmal will er IHN zu einem Schauwunder animieren: Christus solle sich von der Zinne des Tempels zu Jerusalem herunterstürzen. Damit könnte sich Jesus nämlich auf einfachste Art viele Mühen und Anstrengungen seiner späteren Verkündigung ersparen. Solch ein aufsehenerregendes Ereignis vor staunender Menge würde IHN auf einen Schlag sofort zum Volkshelden und bewunderten „Genie“ und Wundertäter machen.

Satan gibt Christus zu verstehen, daß solch ein auffälliges Mirakel angeblich durchaus ein „gottgefälliges“ Verhalten sei und zitiert wörtlich zwei Schriftstellen aus dem Alten Testament über den himmlischen Schutz der Engel für die Gerechten.

Christus geht auch dieser hinterlistigen Variante nicht auf den Leim, ER hält dieser falschen Vereinnahmung der Bibel stand  – und ER hält dem „Vater der Lüge“ ein anderes Bibelwort entgegen:  „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen.“ (Dtn 6,16) PAX

Was können wir aus dieser Begebenheit lernen?  –  Vor allem Folgendes:

  1. Die „geistlichen“  Versuchungen sind besonders raffiniert, weil weniger leicht erkennbar als die „weltlichen“ Versuchungen der Hölle. Der Teufel will die Gläubigen mit „charismatischer“ Raffinesse vom Weg des nüchternen Glaubens abbringen, er versuchte dies sogar bei Christus und damit bei GOTT selbst  – eine Dreistigkeit sondergleichen!
  2. Dauerhaftes bzw strenges Fasten und ähnliche asketische „Übungen“, die den Rahmen des normal-kirchlichen Bereichs überschreiten, bergen durchaus Gefahren in sich. Die größte innere Bedrohung ist die des selbstgefälligen Hochmuts, der für das ewige Heil weitaus gefährlicher ist als allzu „weltliche“ Wunschbefriedigung oder Versacken in der Oberflächlichkeit des Alltags.  –  Anders gesagt: Die Sünden des Geistes sind oft schlimmer als die Sünden des Fleisches, eben weil sie nicht auffallen, weil sie nicht so leicht ans Licht kommen, im Fall der Verblendung nicht einmal ans Licht des eigenen Gewissens.
  3. Der Teufel ist der „Affe Gottes“, er kann durchaus übersinnliche Schauwunder bewirken, soweit der Allmächtige dies zuläßt. Daher wollte der Widersacher auch Christus auf diese Schiene zerren, zumal dies der Sensationslust des Volkes entgegenkäme.

Die Wundersucht: des Aberglaubens liebstes Kind!

Demgegenüber kommt der wahre Glaube nicht aus der Sehnsucht nach „Zeichen und Wundern“,  sondern aus dem Hören des Gottes-wortes (vgl. Röm 10,17: „Der Glaube kommt vom Hören“)   – und die Vollmacht von oben ist eine Kraft des Geistes, nicht der Sinnlichkeit. 

Wir leben auf Erden im Glauben und nicht im Schauen, wie der Völkerapostel bekräftigt (2 Kor 5,7).

Die charismatische Versuchung besteht darin, den Himmel quasi vorwegzunehmen, ihn auf die Erde zu zerren, wobei aber nicht der Himmel, sondern die Hölle in Aktion tritt.

Der Teufel kann auch mit der „Wahrheit“ lügen und siegen, indem er sich beispielsweise der Heiligen Schrift „bedient“. Bei Christus konnte ihm dieser raffinierte Trick nicht gelingen, doch im irrgläubigen, schwarmgeistigen, charismatischen und sektiererischen Spektrum feiert er damit fröhliche Urständ, ebenso in „erscheinungsmarianischen“ Kreisen, wenn man dort an falschen Visionen festhält, weil der Inhalt jener „Botschaften“ gar so fromm in den Ohren klingt.

Es war immer schon ein Kennzeichen schwarm- und irrgeistiger Bewegungen, einzelne Bibelworte aus dem Zusammenhang zu reißen und ihnen eine falsche Deutung unterzuschieben, wie es auch der Widersacher bei unserem Erlöser in der Wüste versucht hat.

Nur wenn wir unbeirrbar und nüchtern in der Nachfolge Christi stehen und auf seine Hilfe bauen, können wir diese Anfechtungen von unten wachsam durchschauen, nur so können wir diese charismatische Verführung überwinden.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster


Bischof Konrad Zdarsa (Bistum Augsburg) räumt in Wigratzbad auf

  1. Kritik an „charismatischen“, schwarmgeistigen Entgleisungen

    PRESSEMELDUNG des Christoferuswerks vom 4. Juni 2011:

    Der Augsburger Oberhirte Konrad Zdarsa will offenbar dafür sorgen, daß fragwürdige Seminare und Praktiken im Wallfahrtsort Wigratzbad im Allgäu nunmehr eingestellt werden. Gewisse charismatische Ausuferungen und schwärmerische Übertreibungen sollen dort ein Ende finden.

  2. Diese Zielsetzung ergibt sich aus Bischof Zdarsas aktuellen Personalentscheidungen.charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

    Er ist Amtsnachfolger von Bischof Walter Mixa im Bistum Augsburg. Zdarsa wurde in schwerer Zeit  –  am 7. Juni 1944  –  als 7. Kind seiner Eltern in Hainichen (Sachsen) geboren.

    Die kürzliche Amtsenthebung des bisherigen Wigratzbader Pilgerleiters Pfr. Thomas Maria Rimmel (47 J.) hat in frommen Kreisen hohe Wellen geschlagen und teils für Empörung, teils für dankbare Zustimmung gesorgt:

    Charismatische oder stark erscheinungsmarianisch geprägte Katholiken äußern mitunter scharfe Kritik am Bischof (siehe etwa die  –  zum Teil sehr zornigen  –  Leserkommentare im Nachrichtenportal „kath.net“).

  3. Hingegen zeigen sich jene Katholiken erleichtert, deren Glaube sich auf Bibel, Dogma und Lehramt stützt und die für eine bodenständige Frömmigkeit eintreten.In diesem nüchtern-katholischen Spektrum, zu dem man auch die in Wigratzbad ansässige Priesterbruderschaft St. Petrus zählen kann, ist die Zufriedenheit darüber groß, daß der Bischof den 42-jährigen Pfarrer Nikolaus Maier aus Rennertshofen zum neuen Wallfahrtsdirektor bestimmt hat. Dieser Geistliche steht der klassischen Liturgie („alten Messe“) aufgeschlossen gegenüber. Dies dürfte auch ein gedeihliches, konstruktives Nebeneinander zwischen der Gebetsstätte und der traditionsorientierten Petrusbruderschaft begünstigen.

    Der scheidende Wallfahrtsleiter Thomas M. Rimmel hat sich in der jüngsten Ausgabe der Vierteljahres-Zeitschrift „Wigratzbad aktuell“ ausführlich zu den vieldiskutierten Vorgängen geäußert und dabei vor allem die starke Präsenz charismatischer Seminare in Wigratzbad zu rechtfertigen versucht; zugleich grenzte er sich deutlich gegenüber der bischöflichen Kritik ab.

    Diese letzte von Pfr. Rimmel redigierte Ausgabe von „Wigratzbad aktuell“ enthält neben langen Ausführungen sechs Fotos, auf denen er selbst abgebildet ist (inklusive Titelbild); außerdem die von ihm eingeplanten Seminartermine bis Oktober 2011, wobei starke charismatische Tendenzen erneut nicht zu übersehen sind.

    Der Konflikt um Wigratzbad begann bereits im März 2011, als das Augsburger bischöfliche Ordinariat eine Neuauflage des Buches „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach in einem kirchlichen Verlag untersagte. In diesem Buch mit dem Untertitel „Marias Botschaft an die Menschen“ wird die Entstehungsgeschichte der Gebetsstätte geschildert, freilich mit starker Betonung angeblicher „Zeichen und Wundern“.   –  Näheres hierzu in unserer Pressemeldung:
    http://www.news4press.com/MeldungDetail_583344.html

  4. Die Kritik von Bischof Zdarsa an der bisherigen Wallfahrtsleitung entzündete sich vor allem daran, daß Pfr. Rimmel für den 8. bis 10. April.2011 einen kroatischer Priester als Referent für „Geistliche Erneuerung“ nach Wigratzbad einlud, der dort bereits im Vorjahr ein „charismatisches“ Seminar leitete: Zlatko Sudac.Diesem offenbar schwarmgeistigen, zur Selbstdarstellung neigenden Geistlichen wurde seitens der kroatischen Bischofskonferenz jedes Auftreten als Seminar- oder Exerzitienleiter verboten. Daher untersagte auch Bischof Zdarsa strikt den vor Ostern geplanten Auftritt des Charismatikers in Wigratzbad.Allerdings hielt sich Pilgerleiter Rimmel nicht an dieses bischöfliche Verbot; dies begründete er damit, daß er erst kurzfristig über die ablehnende Haltung der kroatischen Bischofskonferenz informiert worden sei.

    Das Exerzitienprogramm Pfr. Rimmels war allerdings seit Jahren von fragwürdigen „Charismatikern“ geprägt, denen zum Teil die kirchliche Anerkennung fehlt.

    So hatte Pfr. Rimmel auch für das Jahr 2011 zB. mehrfach Sr. Margaritha Valapilla als Seminarleiterin für „Geistliche Erneuerung“ bzw. „Innere Heilung“ vorgesehen. Die in Bad Soden-Salmünster ansässige Nonne leitet das Evangelisationszentrum „Haus Raphael“, dem bereits im Jahre 2004 der Titel „katholisch“ im kirchlichen Amtsblatt entzogen wurde.

  5. Diese deutliche Distanzierung des bischöflichen Ordinariats Fulda geht auf zwei ausführliche theologische Gutachten des Religionsphilosophen und Priesters Prof. Dr. Aloysius Winter zurück.Zu den weiteren umstrittenen Exerzitienmeistern, die in Wigratzbad auftraten, gehört der indische Pater J. Manjackal, bei dessen schwarmgeistigen Seminaren zahlreiche Teilnehmer rückwärts in eine Art Trance fallen, nachdem er sie mit Handauflegung „segnete“.   –   Überdies fordert Manjackal die Teilnehmer seiner „Heilungsseminare“ dazu auf, sich auch gegenseitig zwecks „Geistausgießung“ die Hände aufzulegen, wobei es ebenfalls mitunter zum quasi-ohnmächtigen Rückwärtskippen (siehe Foto) kommt.
    Foto: Pattayablatt

    Foto: Pattayablatt

    Dieses Phänomen wird von charismatischer Seite als „Ruhen im Geist“ gewürdigt, von Kritikern hingegen als irrgeistig angesehen oder. etwas flapsig auch als „Hammersegen“ bezeichnet.

  6. Zurück zum trance-artigen Rückwärtsfallen nach „charismatischer“ Handauflegung: In der protestantischen Pfingstbewegung ist diese umstrittene Manifestation seit über 100 Jahren bekannt und wird dort in jüngerer Zeit auch als „Torontosegen“ bezeichnet.  Seit ca. 20 Jahren kommt dieses Phänomen auch in schwarmgeistigen katholischen Kreisen häufiger vor, nicht allein in Wigratzbader „Heilungsseminaren“, sondern z.B. auch in dem von Sr. Margaritha Valapilla geleiteten „Haus Raphael“,  im charismatischen „Evangelisationszentrum“ Maihingen sowie im weltbekannten „Erscheinungsort“ Medjugorje.
  7. Dieser Vorgang, der im englischsprachigen Raum als „Slain in the Spirit“ (Erschlagenwerden im Geist) bezeichnet wird, ist in der Bibel nirgends als Gabe des Heiligen Geistes erwähnt. Rückwärtsfallen kennt die Hl. Schrift nur in negativen Zusammenhängen (zB. Joh 18, 6 – Jes 28,13 – 1 Sam 4,18).  Auch die 2000-jährige Kirchengeschichte weiß von keinem einzigen Beispiel, wonach es bei einer sakramentalen Eingießung des Heiligen Geistes oder seiner Gaben (etwa bei Taufe, Firmung, Priesterweihe) zu einem trance-ähnlichen „Ruhen im Geist“ gekommen wäre, wobei Menschen wie bewußtlos zu Boden fallen. Daher lehnen es viele Katholiken ab, diesen „Hammersegen“ als eine Wirkung des Heiligen Geistes anzusehen, zumal Gottes Geist den menschlichen Verstand nicht ausschaltet, sondern anregt. Der Verstand gehört ausdrücklich zu den „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“, die durch das Sakrament der Firmung gespendet werden.
  8. Sogar Kardinal Leo Suenens  –  er stand der Charismatischen Bewegung bekanntlich sehr nahe  –  äußerte sich skeptisch über das „Ruhen im Geist“ und bezeichnete es als „parapsychologisch“.  –  Prälat Georg Gänswein, der heutige Papstsekretär, berief sich in einer Stellungnahme auf diese Kritik des belgischen Kardinals: Das Themenheft „Wunderheilung und Ruhen im Geist“ von Frau A. Mertensacker zitiert auf S. 71 aus einem Schreiben von Prälat Gänswein aus dem Jahr 2004. Damals reagierte Dr. Gänswein auf eine Anfrage nach dem „Ruhen im Geist“ und ähnlichen charismatischen Phänomenen. Er schrieb im Auftrag des damaligen Kardinal Joseph Ratzingers Folgendes:„Die von Ihnen beschriebenen Praktiken gewisser charismatischer Kreise sind in der Tat problematisch. Sie zeigen. wie richtig und wichtig die Warnungen von Kardinal Suenens waren, der übrigens vom Papst als Ratgeber der charismatischen Gruppen bestellt war und dessen Stimme deshalb auch amtlichen Charakter hat.“Befürworter dieser Phänomene weisen jedoch darauf hin, daß jene, die „im Geist ruhen“, starke religiöse Empfindungen bzw. tiefe Gefühle des Glücks erleben.

    Dem halten Kritiker entgegen, daß Religion keine bloße Wohlfühl-Sache sein kann, daß Glaube weitaus mehr als „Wellness“ bereithält, daß er vor allem alltagstauglich sein muß, indem er zur Nachfolge Christi und zur Einhaltung der göttlichen Gebote verhilft.

    In einem amtlichen „Brief an die Bischöfe“ zum Thema „christliche Meditation“ vom 15.10.1989 warnte der Chef der Glaubenskongregation (unser heutiger Papst) davor, „wohlige religiöse Gefühle“ als geistgewirkt zu verherrlichen. Der damalige Kardinal Ratzinger schrieb hierzu:

    „Einige physische Übungen erzeugen automatisch das Gefühl der Ruhe und Entspannung, Gefühle der Befriedigung, vielleicht sogar Empfindungen von Licht und Wärme, die einem geistlichen Wohlbefinden gleichen.

    Sie aber als echte Tröstungen des Heiligen Geistes anzusehen, wäre eine gänzlich falsche Art, sich den geistlichen Weg vorzustellen. Würde man ihnen eine für die mystische Erfahrung typische symbolische Bedeutung zuschreiben, ohne daß die sittliche Haltung der Betreffenden dem entspricht, so hätten wir eine Art geistlicher Schizophrenie vor uns, die sogar zu psychischen Störungen und zuweilen zu moralischen Verirrungen führen kann.“

    Damit hat Kardinal Joseph Ratzinger für klare theologische Information und Orientierung auch in diesen umstrittenen Fragestellungen gesorgt.

    Im übrigen hat die Kirche auch in früheren Zeiten vor schwarmgeistigen und gnostisch-irrgeistigen Sonderpraktiken gewarnt, etwa in der Ablehnung der Schwärmersekte der Montanisten (2. Jahrh.) oder der neugnostischen Katharer im Hochmittelalter. Auch bei den leibfeindlichen Katharern, die ein Verbot der Ehe einführten, wurde eine charismatische „Geist-Taufe“ mit Handauflegung vollzogen, das sog. Consolamentum, das den Eintritt in die Gemeinschaft der Katharer markierte und zu ekstatischen „Geisterfahrungen“ führte. Auch damals wurden die „nüchternen“ Sakramente der Kirche durch erlebnisbetonte Praktiken ersetzt, die jene Sektierer dem Heiligen Geist zuschrieben.

    Beim „Hammersegen“ handelt es sich also um einen Vorgang, den die katholische Kirche seit Jahrtausenden nicht kennt, der hingegen aus dem Bereich der Sekten oder heidnischer Religionen wohlbekannt ist. Dieses Phänomen gab es z.B. in schwärmerischen Sekten des Mittelalters (Bogomilen, Flagellanten, Brüder vom freien Geist), in protestantischen Randgruppen (Quäker, Täufer, Zwickauer Propheten, Spiritualisten) und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der evangelischen Pfingstbewegung.

    Der „Hammersegen“ existiert unter dem Namen „Shakti Pat“ auch im Hinduismus (er geschieht meist bei der Handauflegung eines „erleuchteten“ Yogis). Zudem ist das Phänomen aus dem magisch-ekstatischen Voodookult bekannt – gewiß sehr weit entfernt vom Heiligen Geist und seinen Gaben.

    Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks eV in Münster

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