Pater Lothar Groppe ist seit 70 Jahren Jesuit

Von Hans-Michael Müller

Pater Lothar Groppe, 1927 in Münster / Westfalen geboren, ist der jüngste Sohn des Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, der wegen seiner klar-katholischen Ausrichtung auch als der „Schwarze General“ bekannt war.  

Pater Groppe (siehe Foto) feiert am morgigen 7. September 2018 seine 70-jährige Zugehörigkeit zum Jesuitenorden. Aus diesem Anlass wird in der St. Elisabeth-Kirche in Hanau-Kesselstadt eine heilige Messe für den 91-jährigen Geistlichen zelebriert. Sein Vater, General Groppe, lebte mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau am Main.

Pater Groppe ist jener deutsche Jesuit, der wohl die meisten Texte und Publikationen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat. Sein letztes Buch, das er mit 89 Jahren verfaßte, trägt den Titel: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“.

Groppes mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichneter Vater hat sich nationalsozialistischen Befehlen ständig sehr mutig widersetzt. So hat er z. B. durch einen Schießbefehl gegen Judenmörder viele Juden vor staatlich geplanten Pogromen geschützt. 

Der tapfere General kritisierte zudem scharf Himmlers „Befehl an Angehörige der SS und Polizei in der Heimat“, dass sie „zur Fortpflanzung des deutschen Blutes um zum Ausgleich des Blutzolls an der Front“ außerehelich „mit deutsche Frauen und Mädeln guten Blutes zum Wohl Deutschlands Kinder zeugen“ sollten. Einen solchen Protest hat sonst niemand gewagt.

BILD: Biographie über General Groppe, den Vater des Jesuitenpaters Lothar Groppe

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, Anfang 1945 in Festungshaft in Küstrin gebracht, wo er auf mehrfache Anordnung und mit Zustimmung Hitlers (Himmler: „Was, die Hunde leben noch?!“) hingerichtet werden sollte.

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern, z. T. aber auch unerklärlicher Hilfe sogar von „gestandenen Nazis“ der Hinrichtung und kam nach abenteuerlicher Flucht vor der Gestapo und nach seiner Rettung durch französische Soldaten am Bodensee 1945 zurück in die zerbombte Stadt Hanau.

1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich bis zu seinem Tode u. a. intensiv der deutsch-französichen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede `Es hat ja doch keinen Zweck´ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe geradlinig befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich unbequem und deutlich gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Sein Vater wurde in Hanau auf einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt.

Pater Lothar Groppe  ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein besonders in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzter Redner und Autor. Er lebt heute zurückgezogen in einem Jesuiten-Heim in Berlin-Kladow.

Weiterer Artikel zu P. Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/30/pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/


Pater Lothar Groppe wird heute 91 Jahre alt

Von Felizitas Küble

Für den engagierten Jesuitenpater Lothar Groppe gibt es in nächster Zeit einiges zu feiern: Heute  – am 30. Juli –  zum Beispiel sein Wiegenfest, denn der bekannte Publizist wird 91 Jahre alt; morgen gedenkt er seiner Priesterweihe vor genau 59 Jahren – und am 7. September kann der Geistliche sein 70-jähriges Ordensjubiläum begehen.

Der hochbetagte Priester und Publizist hat noch vor zwei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befasst. Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich„. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe erblickte am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des damaligen Majors und späteren Generalleutnants Theodor Groppe das Licht der Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern. Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 (einen Tag nach seinem Geburtstag) durfte er die Priesterweihe empfangen.

Groppe wirkte zunächst an zwei Gymnasien des Jesuitenordens. Später war jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller tätig, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Militärseelsorger, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

Von 1973 bis 1987 hielt er zudem Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner kernkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Er erhielt zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den erstklassigen Orden „Pour le Mérite„. In der Stadt Hanau, wo er einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt.

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung und hoher Geldstrafe verurteilt.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im 3. Reich“

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Bundeswehr-Generalmajor Achim Oster schrieb 1977 über Theodor Groppe: „Er hat das vorgelebt (…), was viele seiner Standesgenossen, sei es aus Schwäche, sei es aus Opportunismus, nicht vorgelebt haben. So bleibt er eine fortwährende Mahnung an eigenes Fehlverhalten und Versagen. Hätte es mehr Groppes gegeben, hätten Hitler und seine Verbrecherbande nicht solch leichtes Spiel mit dem deutschen Volk gehabt.“

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich glasklar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften vom „Theologischen“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des Bundes der Vertriebenen.

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor bibelorientierten protestantischen Initiativen.

Mit dem lutherischen Politikwissenschaftler Dr. Klaus Motschmann in Berlin war er jahrzehntelang bis zu dessen Tod befreundet. (Hier ein Nachruf auf Professor Motschmann: https://charismatismus.wordpress.com/2016/12/10/wir-trauern-um-prof-dr-klaus-motschmann/)

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz tatkräftig und kompetent beim Lektorat und der graphischen Erstellung seines Buches über den „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld.  Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche stand im guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Gottesmann im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin. Seine Freunde und auch ich wünschen ihm  – ad multos annos  – noch viele gute Jahre und Gottes reichen Segen!

Erstveröffentlichung dieses Artikels hier: https://philosophia-perennis.com/2018/07/30/unbeugsamer-gottesmann-in-berlin-pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/


JF-Interview mit Pater Lothar Groppe über den „Schwarzen General“ und mutigen Judenretter Theodor Groppe

Widerstand aus dem Glauben in schwerer Zeit

Unter dem Titel Ein Ritter ohne Furcht und Tadel veröffentlichte die JUNGE FREIHEIT (JF) in ihrer aktuellen Ausgabe ein ausführliches Interview mit dem katholischen Publizisten und Jesuitenpater Lothar Groppe, zugleich Autor unseres CHRISTLICHEN FORUM.

Auch auf der Titelseite der konservativen Wochenzeitung ist General Groppe im Vordergrund neben Stauffenberg im Hintergrund zu sehen (siehe Abbildung).

Der heute auch im hohen Alter pastoral aktive Geistliche (siehe Foto) wirkte jahrzehntelang als Dozent an der Bundeswehr-Akademie in Hamburg, danach beim österreichischen Generalstab. Pater Groppe war zeitweise Leiter der dt. Abteilung von Radio Vatikan.

Der auch schriftstellerisch engagierte Jesuit ist ein Sohn des tapferen Generalleutnants Theodor Groppe.

P. Lothar Groppe

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Im Gerhard-Hess-Verlag erschien eine spannende und bebilderte Biographie des „Schwarzen Generals“  des Berliner Diakons Thomas Marin –  siehe hierzu unsere Besprechung.

Nachfolgend dokumentieren wir das Interview der JF mit dem Ordenspriester in voller Länge:

Katholisch, monarchistisch, deutschnational  –  er gehörte zu den erbittertsten Gegnern der Nationalsozialisten, überstand ihre Prozesse und Mordpläne  –  und er ließ seine Soldaten Juden retten: Theodor Groppe.  – Die unglaubliche Geschichte des Generals erzählt dessen Sohn.

Pater Groppe, warum kennt jeder Oberst Stauffenberg, aber keiner General Groppe?

Groppe: Er paßt eben nicht in die politische Landschaft.

Inwiefern?

Groppe: Der Bundeswehr-Generalmajor Achim Oster schrieb 1977 über meinen Vater: „Er ist und bleibt noch heute ‚ein Ärgernis‘ im biblischen Sinn. Theodor Groppe hat das vorgelebt (…), was viele seiner Standesgenossen, sei es aus Schwäche, sei es aus Opportunismus nicht vorgelebt haben. So bleibt er eine fortwährende Mahnung an eigenes Fehlverhalten und Versagen. Hätte es mehr Groppes gegeben, hätten Hitler und seine Verbrecherbande nicht so leichtes Spiel mit dem deutschen Volk gehabt.“

Er soll von den von ihm geretteten Juden „wie ein Heiliger verehrt“ worden sein.

Groppe: Das wurde von einem überlebenden Juden bezeugt.

Um ein Zeichen gegen ihre Verfemung zu setzen, zog Ihr Vater im November 1933 als Divisionskommandeur in Gleiwitz/Oberschlesien in ein auch von Juden bewohntes Haus.

Groppe: Das erregte natürlich Aufsehen und wurde von den Nazis registriert. Ebenso wie der Umstand, daß er, der er ob seines tiefen Katholizismus den Beinamen „der schwarze General“ trug, grundsätzlich in Uniform zum Gottesdienst ging, um den Gläubigen Mut zu machen. Ein General mit Pour le merite, dem höchsten deutschen Orden aus dem Ersten Weltkrieg, bestärkte katholische wie evangelische Christen in ihrem Bekenntnis. Das brachte die Nazis zur Weißglut.

„Er war konservativ und daher immun gegen die NS-Ideologie“

Um so mehr wundert man sich, daß Ihr Vater heute fast vergessen ist.

Groppe: Zum Geleit des von mir in Wien verfaßten Lebensbildes meines Vaters schrieb der Kirchenhistoriker Franz Loidl 1977, sein Beispiel sei „dazu angetan gewesen, seine Standesgenossen (…) im geistigen Widerstand gegen das Unrechtsregime (…) zu bestärken. Daß sein Beispiel im wesentlichen keine Schule machte, wird man diesem Ritter ohne Furcht und Tadel nicht zum Vorwurf machen können. Daß die deutsche Bun­deswehr bis heute glaubt, das Beispiel dieses hervorragenden Soldaten mit Stillschweigen übergehen zu dürfen, stimmt nachdenklich, wenn nicht bedenklich.“ Internet_Titel_Vorlage_sRGB_264ppi_01

Nach 1945 hat sich wegen der Massenmorde an den Juden in Deutschland ja ein regelrechter Schuldkult entwickelt. Um so unbegreiflicher ist es, daß ein General, der Juden rettete, vergessen ist. Wie soll sich etwa unsere Jugend für ihr Vaterland begeistern, wenn ihr – mit Ausnahme von Stauffenberg – nur negative Beispiele für die Deutschen in der Zeit des Dritten Reichs vorgestellt werden?

Aber heute werden etliche Deutsche gewürdigt, die Widerstand geleistet haben.

Groppe: Stimmt, aber es sind oft namentlich nicht bekannte Leute. Professor Loidl meint: „Bei der Ablehnung der Widerstandskämpfer führt man gewöhnlich zwei Begründungen an, warum man sich mit ihnen nicht identifizieren könne: Sie hätten die Hand gegen den ‚Führer‘ erhoben, seien eidbrüchig geworden oder man wirft ihnen Landesverrat vor. Beide Vorwürfe, so unsinnig sie sind, kann man Theodor Groppe nicht machen. Sein ‚Verbrechen‘ war, daß er sich unbeirrt von den Grundsätzen des Rechts und der Menschenwürde leiten ließ.“

„Deutsche auch damals mehrheitlich gegen Judenhaß“

Pardon, das sind die Vorwürfe der fünfziger Jahre.

Groppe: Dann hier ein Beispiel dafür, wie heute die Stimmung ist: Der angesehene Politikwissenschaftler Konrad Löw hat unzählige Dokumente gesammelt, die belegen, mit wieviel Ablehnung die Mehrzahl der Deutschen auf die Verfolgung der Juden reagiert hat. 2010 erschien sein Werk „Deutsche Schuld 1933 bis 1945?  – Die ignorierten Antworten der Zeitzeugen.“

Wer aber kennt das Buch? Wird es im Schulunterricht behandelt? Ist es Grundlage für eine Guido-KnoppFernsehserie? Ganz im Gegenteil! Statt dessen behandelt man Löw fast wie jemanden, der den Holocaust relativieren wolle. Daß mit Klaus von Dohnanyi ein Nachkomme eines von den Nazis gehängten Widerstandskämpfers zu Löws Buch das Vorwort und der renommierte französisch-jüdische Philosoph Alfred Grosser das Nachwort verfaßt haben, wird natürlich geflissentlich ignoriert.

Ihr Vater war ein überzeugter Konservativer, die gelten heute gemeinhin als „Steig­bügelhalter“ der Nationalsozialisten.

Groppe: Gerade weil er ein Konservativer war, war er immun gegen nationalsozialistisches Gedankengut. Wir entstammen einer Familie, die sich stets zu ihrem Glauben bekannte. Mein Großvater väterlicherseits war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung und hoher Geldstrafe verurteilt. Beides ruinierte den Verlag.

Ihr Vater beschloß, Soldat zu werden. marin

Groppe: Er war Monarchist und Patriot und wollte seinem Vaterland, das durch Frankreich und Rußland bedroht war, dienen. Er besuchte die Kriegsakademie, wurde als Vollblutsoldat hervorragend beurteilt. Er erhielt zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen darunter den Pour le merite.

In der Reichswehr wechselten seine Verwendungen von der Truppe in den Generalstab. 1933, inzwischen Generalmajor, wurde er entlassen, „weil er seiner ganzen Weltanschauung nach für das Heer des künftigen nationalsozialistischen Staates ungeeignet“ erscheine, wie ihm sein Vorgesetzter General von BIomberg, späterer Reichskriegs­minister, mitteilen ließ. Da aber das Heer bald vergrößert wurde, wurde er zurückgeholt und im November 1933 in Gleiwitz Divisionskommandeur.

„Gewalt gegen Juden mit Waffen verhindern“

Warum verweigerte er sich nicht?

Groppe: Einmal, weil es sein Beruf war, sodann weil er als Ruheständler keinerlei Einflußmöglichkeiten mehr gehabt hätte. Er verweigerte aber grundsätzlich den Hitlergruß und zeigte auch sonst seine Ablehnung der NS-Ideologie. Immer wieder beschwerten sich Partei und Gestapo über ihn. Schließlich sollte er im Zusammenhang mit dem „Röhm- Putsch“ 1934 liquidiert werden. Durch eine gezielte Warnung wurde er davor bewahrt.

Wegen seiner konsequent christlichen Haltung sollte er erneut entlassen worden.

Groppe: Der Ausbruch des Krieges 1939 verhinderte dies, und er wurde Kommandeur der 214. Infanteriedivision am Westwall. Als die Partei am 12. Dezember 1939 eine „spontane Volkskundgebung gegen Juden“ anordnete, gab mein Vater den Befehl, Ausschreitungen gegen Juden notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Sein Vorgesetzter, der Armeebefehlshaber Generaloberst von Witzleben, dehnte diesen Befehl schließlich auf den gesamten Bereich der 1. Armee im Westen aus. So wurde dort keinem Juden ein Haar gekrümmt.

Widerstand gegen Himmlers SS-Befehl

Am 11. Dezember 1939 erhielt mein Vater dann Kenntnis vom „SS-Befehl für die gesamte SS und Polizei“, in dem Heinrich Himmler seine Leute aufforderte, auch außerhalb der Ehe Kinder guten Blutes zu zeugen. Da dieser Befehl gegen alle Grundsätze des Offizierkorps verstieß, glaubte mein Vater, ein scharfer Protest würde nun auch die „vorsichtigen“ Generale zum gemeinsamen Protest dagegen bei Hitler bewegen. Mit Ausnahme Walter von Reichenaus waren tatsächlich auch sämtliche Spitzengenerale empört. Als sie aber hörten, daß Hitler persönlich hinter diesem Befehl stand, schwiegen sie.

Lediglich die damaligen Generalobersten von Witzleben und Ritter von Leeb, die direkten Vorgesetzten meines Vaters, stellten sich hinter ihn. Sie drohten, sofort ihr Kom­mando niederzulegen, wenn er auch nur verabschiedet würde. Leeb schrieb an den Oberbefehlshaber des Heeres: „Ich stelle mich mit ganzer Person vor Generalleutnant Groppe, auch dann, wenn er sich in berechtigter Empörung über den Befehl des Reichsführers SS im Wortlaut vergriffen haben sollte.“  –  Dies verhinderte die Absicht Himmlers, einen Heimtückeprozeß gegen meinen Vater anzustrengen.

Hatte Ihr Vater sonst keinen Rückhalt?

Groppe: Es gab in allen Diensträngen  –  vom Leutnant bis zum Feldmarschall  –  Offiziere, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand leisteten. Ich denke an den Chef der Heeresjustiz, Karl Sack, den Generalrichter Dr. Hoffmann, an Admiral Wilhelm Canaris oder an Major Werner Krehan, einen Ortskommandanten im Bereich der Division meines Vaters, der auf eigene Faust Schießbefehl gegen Judenverfolger gab.

1941 trat Ihr Vater als Entlastungszeuge für einen Regimegegner im sog. „Stolper-Prozeß“ auf

Groppe: Ja, und zwar so erfolgreich, daß der Angeklagte mit einer für ein Sondergericht milden Strafe davonkam. Allerdings kam er anschließend ins KZ. Martin Bormann, Leiter der Parteikanzlei, war über den Auftritt meines Vaters so wütend, daß er 1942 einen persönlichen Befehl Hitlers durchsetzte, meinen Vater zu degradieren und aus der Wehrmacht auszustoßen. 1944 kam er wegen Wehrkraftzersetzung und Defätismus vor das Reichskriegsgericht – das an sich gar nicht mehr zuständig war. Generalrichter Hoffmann kratzte aber alles Entlastende zusammen und stellte das Verfahren mangels Tatbestands ein.

Der Einsatz der Wehrmachtsjuristen ist erstaunlich und paßt gar nicht in das Bild, das man sich heute von ihnen macht.

Groppe: Eben. Nach Meinung vieler war die Wehrmacht ja eine Verbrecherorganisation. Doch leider nutzte der geradezu heroische Einsatz des Reichskriegsgerichts meinem Vater zunächst nichts, da Himmler seine Verhaftung und Einweisung ins Staatspolizeige­fangnis Darmstadt befahl.

Im Januar 1945 wurde er in die Festungshaftanstalt Küstrin verlegt, deren Kommandant, ein Major der Reserve, ein kluger, engagierter Nazigegner war. Über den Befehl Ernst Kaltenbrunners, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, vom Februar 1945, „die Hunde zu hängen“  –  gemeint waren neben meinem Vater noch Sippenhäftlinge des 20. Juli  –  setzte er sich hinweg und flüchtete mit den Gefangenen an den Bodensee. Dort konnte mein Vater den Einmarsch der Alliierten abwarten.

Auch Sie wurden von der Gestapo verhört.

Groppe: Als Zwölfjähriger wegen „Schmähung des Führers“. Ich wurde aber weder bedroht hoch geschlagen. Schließlich konnte ich mich herausreden. Nach dem 20. Juli 1944 aber hatte ich zwanzigmal mit der Gestapo zu tun.

Trotz Ihrer Erlebnisse wurden Sie später bisweilen als „Rechtsextremer“ verunglimpft. Wie paßt das zusammen?

Groppe: Die Antifaschisten bezeichnen alle, die nicht links sind, als „Rechte“. Rechts ist dann gleich rechtsextrem, rechtsradikal. Die Haltung meines Vaters beweist, daß konservative und nationale Werte absolut nichts mit Nazismus zu tun haben. Ganz im Gegenteil. Aber wer sich heute nicht der Political Correctness unterwirft, ist eben „rechts“.

Ich habe mich als Militärseelsorger, als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und in zahlreichen Reden, Vorträgen und Veröffentlichungen immer darum bemüht, zu einer gerechten Beurteilung der Wehrmacht und der deutschen Vergangenheit, besonders während der zwölf Jahre der Nazidiktatur, beizutragen.

1998 sprach ich im Rathaussaal in Dresden zumPolitischen Aschermittwoch der DSU – vormals Schwesterpartei der CSU; das führte zu einem giftigen Kommentar im Deutschlandfunk. Deshalb brachte ich das Beispiel meines Vaters und meine Erlebnisse mit der Gestapo an die Öffentlichkeit. Da­nach wurde ich vom „Rechtsextremen“ zum „Rechtskatholiken“ begnadigt.

Bis heute gibt es keine Bundeswehrkaserne, die nach Ihrem Vater benannt ist.

Groppe: Dabei würdigte Verteidigungsminister Rudolf Scharping in einer Ansprache am 20. Juli 2000 fünf Soldaten der Wehrmacht, vom Feldwebel bis zum General, die sich unter Einsatz ihres Lebens für Verfolgte eingesetzt haben. Vier von ihnen wurden inzwischen in die „Allee der Gerechten“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem aufgenommen. Nicht aber General Groppe.

Als ich mit einem prominenten Historiker darüber sprach, sagte der nur: „General  u n d  Katholik –  das ist zuviel!“  – Wenn sich auch die Bundeswehr nicht zu einer angemessenen Ehrung entschließen kann, zeichnete Papst Pius XII. meinen Vater 1952 als einzigen Soldaten der Wehrmacht mit dem Komturkreuz des Gregoriusordens aus.

Quelle: Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Der Jesuit und Publizist Lothar Groppe wird heute 85 Jahre alt

Der bekannte und in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzte Pater Lothar Groppe SJ begeht heute seinen 85. Geburtstag und gedenkt morgen des Tages seiner Priesterweihe.

Der Ordensmann erblickte am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster das Licht der Welt. 

Der Jesuit war lange als Militärpfarrer und Krankenhausgeistlicher tätig;  heute wirkt er im Timmendorfer Strand  – hoch in Deutschlands Norden  –   als Seelsorger u.a. in einem kirchlichen Mutter-Kind-Heim. 

P. Lothar Groppe (siehe aktuelles Foto) ist der jüngste Sohn des sog. „Schwarzen Generals“, der sich  in schwerer Zeit als Judenretter und Widerstandskämpfer bewährte.

Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall; als solcher verhinderte  er durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“.   Der mutige Katholik wurde  im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er seiner Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Näheres über den Schwarzen General lesen Sie hier: http://www.swg-hamburg.de/Archiv/Beitrage_aus_der_Rubrik_-_Buch/Ein_General_im_Kampf_fur_das_Leben_der_Juden_und_die_Wurde_der_Frauen.pdf

Sein Sohn Lothar Groppe studierte nach dem Krieg Rechtswissenschaft und trat 1948 in den Jesuitenorden ein. Er wurde am 31. Juli 1959 zum Priester geweiht.

Der junge Geistliche wirkte einige Jahren an zwei Gymnasien des Ordens. Ab 1962 kam er in der Militärseelsorge und war von 1963 bis Ende 1971 als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig, die künftige General- und Admiralstabs-Offiziere ausbildet.

Von Januar 1973 bis Dezember 1987 hielt er Vorlesungen für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge. Zwischenzeitlich leitete er die Deutsche Sektion von Radio Vatikan, war Studenten- und Lehrer-Seelsorger und Pfarrer zweier Gemeinden in der Wachau.

Zudem ist der Jesuit seit Jahrzehnten publizistisch tätig und veröffentlichte zahleiche Artikel zu religiösen und zeitgeschichtlichen Themen in verschiedenen Zeitschrift von den USA bis Rußland.

Lothar Groppe war ein enger Freund des im Jahre 2002 verstorbenen kath. Jugendschriftstellers Günter Stiff, in dessen KOMM-MIT-Kalender und KOMM-MIT-Zeitschrift er öfter publizierte, vor allem zum Thema „Kirchenkampf im Dritten Reich“ und zu aktuellen Fragen.

Mit Caspar von Schrenck-Notzing, Gerhard Löwenthal, Christa Meves und Hans Graf Huyn betreute er das „Konservative Büro“ von Dr. Werner Roth in Bielefeld.

Von 1982 bis 2007 war der Ordensgeistliche als Krankenhaus-Seelsorger in Bad Pyrmont und Berlin tätig. Danach lebte er in Köln-Mülheim und wohnt derzeit in Timmendorfer Strand.

Das CHRISTLICHE FORUM gratuliert Pater Groppe herzlich zu seinem Wiegenfest und wünscht ihm Gottes reichen Segen.

Felizias Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Ein General im Kampf für das Leben der Juden und die Würde der Frauen

Theodor Groppe: Katholik – Patriot – Widerständler

Buch-Daten:  Theodor Groppe – Der “Schwarze General”. Ein katholischer Soldat im Kampf für Recht und Sitte. Herausgegeben von Thomas Marin 2008, Gerhard-Hess-Verlag, 176 Seiten, 14,80 €  (ISBN 978-3-87336-909-2)

Diese packende und faktenreiche Biographie „Theodor Groppe  –  Der Schwarze General“ von Thomas Marin ist längst überfällig  –  und sie sollte nicht „nur“ in wissenschaftlichen Bibliotheken, Bundeswehr-Hochschulen oder im lebenskundlichen Unterricht Eingang finden, sondern größte Verbreitung im Volk, zumal bei jungen Leuten, deren Geschichtskenntnisse mitunter mangelhaft oder von einseitiger Medienmanipulation geprägt sind.  groppe-buch

Selten nimmt man ein Sachbuch zur Hand, das derart fesselnd geschrieben ist, das den Leser geradezu „mitreißt“ und geistig hineinnimmt in jene fürchterliche Zeit der NS-Diktatur, die Täter und zahlreiche Mitläufer hervorbrachte, aber auch große Helden und stille Helfer.

Zu jenen unerschrockenen Vorbildern, die dem „höheren Befehl“ gehorchten, nämlich den zeitlosen Geboten Gottes und den Idealen der Menschlichkeit, gehört besonders General Theodor Groppe.

Von Nazis als „katholischer Hund“ beschimpft, vom preußisch-protestantischen Offizierskorps zuvor als „Schwarzer General“ bezeichnet, kämpfte er als tapferer Soldat, glühender Patriot und überzeugter Katholik für die Würde der Frauen und das Leben der Juden.

Zeitgeschichte und persönliche Erinnerungen

Das fundierte Buch vereint persönliche Erinnerungen von Generalleutnant Groppe in geschickter Kombination mit zeitgeschichtlichen Dokumenten sowie einer eindrucksvollen Lebensbeschreibung, die Jesuitenpater Lothar Groppe seinem Vater widmet.

Wenngleich der Geistliche dem soldatischen Berufsweg seines Vaters nicht folgte, befindet er sich geistig und charakterlich auf seiner Spur  –  und er blieb auch als Priester dem Militär durchaus verbunden, etwa als Militärpfarrer, Dozent an der Bundeswehr-Hochschule Hamburg und beim Österreichischen Generalstab.

Der Jesuit Lothar Groppe weiß um die Prioritäten zwischen Kirche und Welt, zwischen Himmel und Erde  – und um das Wort Christi: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – und Gott, was Gottes ist.“   –  Im Sinne dieses biblischen Auftrags gehorchte der tapfere General Theodor Groppe dem zeitlosen Motto „Über dem Befehl steht Gott“ – und dieses Leitwort wählte Lothar Groppe passend als Titel für die Lebensbeschreibung seines Vaters.

Wird heutzutage von „Widerstand“ geredet, fällt sofort der Name „Stauffenberg“   –    dabei wird leicht vergessen, daß er bei weitem nicht der einzige Offizier war, der dem Diktator widerstand. Es waren tausende von ihnen, die Verfolgung oder gar Tod auf sich nahmen, um ihr Gewissen nicht dem verbrecherischen System unterwerfen zu müssen.

Gottlob fielen nicht alle tapferen Angehörigen der Wehrmacht dem Henker oder dem Erschießungskommando zum Opfer. Zu ihnen gehört der „Schwarze General“, der nach dem 20. Juli 1944 zunächst im Gestapo-Gefängnis war und dann im Januar 1945 in die Festungshaftanstalt Küstrin überführt wurde.

Zweimal gaben Kaltenbrunner, Leiter der Gestapo, und SS-Chef Himmler den Befehl zur Ermordung Groppes. Doch der Kommandant der Haftanstalt Küstrin, Major Dr. Leussing, verhinderte dies durch Tapferkeit und kluge Maßnahmen, so daß neben Groppe auch seine Mithäftlinge im April 1945 im Dörfchen Urnau in Baden von französischen Soldaten befreit werden konnten.

Träger des Tapferkeits-Ordens Pour le Mérite

Generalleutnant Theodor Groppe starb im hohen Alter am 28.4.1973 in Trier. Geboren wurde der tapfere Christ und Patriot am 16. Augusti 1882 als Sohn eines Verlegers in Trier. Genau 1900 trat er in die Armme ein. Als Soldat im 1.Weltkrieg erhielt er neben anderen Auszeichnungen den höchsten Orden Pour le Mérite.

In der Reichswehr wurde er Kommandant von Pillau und rettete Königsberg und Ostpreußen vor der roten Gefahr, zumal er einem französischen Kreuzerkommandanten, der kommunistische Spartakisten importierten wollte, entschlußfreudig das Einlaufen in den Hafen verwehrte. Für diese mannhafte Tat erhielt er Tadel von der linken Presse, aber auch eine klare Anerkennung durch Wehrminister Noske (Sozialdemokrat) im Reichstag, der zugleich den Dank von Reichspräsident Ebert (ebenfalls Sozialdemokrat) aussprach.

Unmittelbar nach der „Machtergreifung“ im Januar 1933 wurde Groppe als Generalmajor entlassen und hatte auch in den Jahren danach einen schweren Stand, weil seine „ganze Weltanschauung“ nicht zum gottlosen braunen System paßte, zumal er grundsätzlich den „Hitler-Gruß“ verweigerte und seine Kinder nicht zu Veranstaltungen der HJ gehen ließ.

Schießbefehl gegen Judenmörder

Am 12.12.1939 befahl der Kreisleiter der NSDAP am Westwall „spontane Volkskundgebungen“ gegen die Juden im Bereich er Division. General Groppe erließ den Befehl, Ausschreitungen gegen Juden notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Tatsächlich wurde keinem Juden ein Haar gekrümmt, was sich unter den verfolgten Juden schnell herumsprach, die Groppe bereits als Helden verehrten. israeltag2

Doch für die NSDAP und Heinrich Himmler war dies ein weiterer Anlaß, Material gegen den „Schwarzen General“ zu sammeln, um ihn endgültig auszuschalten. Dabei kam ihm Groppes mutiger Protest gegen den SS-Fortpflanzungsbefehl gerade gelegen. Himmler hatte am 28.10.1939 den Männern von SS und Polizei befohlen, auch außerhalb der Ehe Kinder zu zeugen, damit sie sich vor ihrem möglichen Tod nocht nützlich erweisen, um im Sinne der „Volksgemeinschaft“ möglichst viel „wertvolles Blut“ zu erhalten.

Himmler wollte General Groppe vor den Volksgerichtshof bringen, da dieser den SS-Befehl als schamlos und entwürdigend für Mädchen und Frauen scharf kritisiert hatte.

Doch es gab in der Wehrmacht nicht wenige führende Männer, die sich dem Druck von Partei und SS durchaus nicht beugten: zu ihnen gehören die Vorgesetzten Groppes, Generaloberst von Witzleben und Ritter von Leeb, die ihn couragiert verteidigten und mit sofortigem Rücktritt drohten, falls man dem General den Prozeß machen sollte.

Leeb schrieb an den Oberbefehlshaber des Heeres: „Ich stelle mich mit meiner ganzen Person vor Generalleutnant Groppe, selbst dann, wenn er sich in berechtigter Empörung über den Befehl des Reichsführers SS bei seiner Ansprache im Wortlaut vergriffen haben sollte.“

So mußte Himmler vorerst zurückstecken, zumal auch der Chef der Heeresjustiz, Generalstabsrichter Dr. Sack, sich unerschrocken für General Groppe eingesetzt hatte. General von Witzleben und Dr. Sack endeten nach dem 20. Juli 1944 selber am Galgen.

Dieses Schicksal blieb Theodor Groppe erspart, sein mutiges Denken, Reden und Handeln sollten für immer unvergeßlich bleiben und jeden zur Tapferkeit auch hier und heute anspornen, wenn es darum geht, dem Zeitgeist die Zähne zu zeigen und die Gebote des Ewigen hochzuhalten, die zugleich die Menschenwürde schützen.

In diesem Sinne ehrte die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne den vorbildlichen General Groppe 1990 durch die Benennung eines Kompaniegebäudes in Augustdorf. In Hanau beantragte der SPD-Oberbürgermeister, eine Straße nach Theodor Groppe zu benennen, was im Stadtrat einstimmig angenommen wurde.

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks des Münster

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