Vatikan: Zweiter Prozeß zu „Vatileaks“ beginnt heute

Computertechniker Sciarpelletti wegen Diebstahl vor Gericht


Im Vatikan beginnt am heutigen Montag, den 5. November,  der zweite Prozeß in der Affäre Vatileaks:

Claudio Sciarpelletti, der Computertechniker im päpstlichen Staatssekretariat, muß sich vor einem vatikanischen Gericht wegen Beihilfe zum Diebstahl verantworten.

Der Italiener wird beschuldigt, dem päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele geholfen zu haben, vertrauliche Dokumente des Papstes zu entwenden. Ihm droht bis zu ein Jahr Haft.

Die vatikanische Gendarmerie hatte im Mai in Sciarpellettis Schreibtisch einen Briefumschlag mit der Aufschrift „P. Gabriele persönlich“ sichergestellt. Er enthielt Unterlagen und eine Schmähschrift gegen den Kommandanten der vatikanischen Gendarmerie, Domenico Giani, mit dem Titel „Napoleon im Vatikan“.

Gabriele war Anfang Oktober wegen schweren Diebstahls vom vatikanischen Gericht zu 18 Monaten Haft und zur Übernahme der Prozeßkosten von etwa 1000 Euro verurteilt worden. Der päpstliche Kammerdiener hatte in dem einwöchigen Prozess gestanden, vertrauliche Unterlagen des Papstes entwendet, kopiert und an einen italienischen Journalisten übergeben zu haben. Dieser veröffentlichte sie anschließend. Die Richter kamen zu dem Ergebnis, daß Gabriele als Einzeltäter gehandelt habe.

Als Zeugen im Prozeß gegen Sciarpelletti sind u.a. der Kommandant der vatikanischen Gendarmerie sowie der Major der Schweizergarde, William Kloter, geladen. Das vatikanische Gericht hatte dem Antrag der Verteidigung zugestimmt, Sciarpellettis Prozess vom Fall „Gabriele“ zu trennen. Die Ermittlungen hatten zuvor ergeben, daß die Unterlagen in dem am Arbeitsplatz Sciarpellettis gefundenen Briefumschlag nicht vertraulicher Natur gewesen seien.

Der Angestellte des vatikanischen Staatssekretariates hatte in ersten Vernehmungen widersprüchliche Aussagen über sein Verhältnis zu Gabriele gemacht. Zunächst sprach er von „Arbeitsbeziehungen“; später räumte er ein, auch privat in Kontakt mit Gabriele gestanden
zu haben.

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan