Christus verwehrt dem unreinen Geist die Offenbarung seines Wesens

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mk 1,21-28:

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn ER lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes.

Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

HINWEISE auf das Schweige-Gebot des HERRN:

Diese Episode aus dem Markus-Evangelium ist sehr vielsagend und bedeutsam – und dies vor allem aus drei Gründen:

  1. Christus befiehlt einem unreinen Geist, der sich beim Exorzismus zu Wort meldete, energisch, er solle schweigen. Unser HERR läßt sich auf keinen „Dialog“ mit der Unterwelt ein – auch dann nicht, wenn der Teufel durchaus  – formal gesehen – die „Wahrheit“ spricht, also gleichsam theologische Richtigkeiten verkündet. 
  2.  Natürlich ist Christus gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören – das hat der unreine Geist zutreffend erkannt. Zudem ist Jesus der „Heilige Gottes“, der Allheilige des Höchsten. Aber unser göttlicher Erlöser bedarf keiner „Bestätigung“ von unten – und ER möchte auch nicht, daß die Umstehenden einer Art „Teufelspredigt“ zuhören, selbst wenn der Erzfeind sich rein äußerlich als besserer „Schriftgelehrter“ erweist als die Pharisäer. Die Unterwelt hat eben ein übernatürliches Wissen; aber man kann richtig wissen – und trotzdem hassen.
  3. Die hier zum Ausdruck kommenden Prinzipien sind für alle Exorzismen zu beachten (werden aber nicht selten dreist übergangen – übrigens auch im Fall der Anneliese Michel): Keine Gespräche mit dem Kellergeist, keine Debatten bzw. Frage-Antwort-Spiele, geschweige Verbreiten von „Protokollen“ solcher Dialoge, einmal abgesehen davon, daß derartige Vorgänge dem Seelsorgsgeheimnis widersprechen. (Auch wenn eine Teufelsaustreibung keine Beichte ist, so gilt hier sehr wohl ein allgemeines Seelsorgsgeheimnis!)  

 

 


Christus verbietet unreinen Geistern das Wort

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 4,38-44:

In jener Zeit verließ Jesus die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. ER trat zu ihr hin, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr, und sie stand sofort auf und sorgte für sie.

Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle.

Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes!
Da fuhr ER sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass ER der Messias war.

Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern, wegzugehen.
ER sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und ER predigte in den Synagogen Judäas.

HINWEIS:
In gewissen charismatischen oder extrem-traditionalistischen Kreisen kommt es zu Exorzismen oder sog. „Befreiungsgebeten“, in denen die
(angeblichen oder tatsächlichen) Dämonen nach Strich und Faden ausgefragt werden – so war dies leider seinerzeit auch in der aufsehenerregenden Causa „Anneliese Michel“ der Fall.

Es wurden damals sogar Kassetten und Abschriften jener „Dialoge“ verbreitet  –  so daß die Hörer dem, was aus der (vermeintlichen oder wirklichen) Finsternis gesagt wurde, gleichsam andächtig lauschten. Zudem wurde dabei das Seelsorgsgeheimnis gebrochen, denn ein Exorzismus ist kein öffentlicher Vorgang, sondern ein seelsorglicher Akt. 

Wie dieses Ereignis aus dem Leben Christi zeigt, hat ER den unreinen Geistern strikt befohlen, sie sollten schweigen – auch als sie gerade etwas durchaus Richtiges sagten, nämlich ER sei der „Sohn Gottes“. Der HERR hat es aber nicht nötig, sich „von unten“ bestätigen zu lassen  –  ER läßt sich überhaupt auf keinerlei Gespräch mit den Finsternismächten ein. Daran haben sich auch alle Gläubigen zu halten!

Weitere Infos siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/06/16/der-fall-klingenberg-ist-durch-geisterfotos-wieder-in-aller-munde/


Hat Pater Amorth einen Regisseur zu einem „großen Exorzismus“ eingeladen?

Von Felizitas Küble

Wie die Webseite „Grenzwissenschaft“ sowie die Presseagentur AFP aktuell melden, hat der Regisseur des bekannten Horrorfilm-Klassikers „Der Exorzist“ von 1973, William Friedkin, im Rahmen der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes berichtet, er habe kürzlich einem echten Exorzismus beigewohnt und diesen sogar gefilmt. 038_35

Mit Recht heißt es in der Nachricht weiter, dies sei ein „nahezu einzigartiger Vorgang“  – allerdings kein erfreulicher, denn das Teilnehmen von Personen an einem sog. „Großen Exorzismus“, die mit dem Vorgang an sich nichts zu tun haben, verstößt gegen das Seelsorgsgeheimnis.

Die Nachrichtenseite schreibt daher ganz zutreffend: „Außer den Beteiligten und Geistlichen durfte der sog. große Exorzismus bislang noch nie von Unbeteiligten beobachtet, geschweige denn gefilmt werden.“

Wie der 80-jährige Regisseur weiter erzählte, sei er persönlich vom „Chefexorzisten des Vatikan“ nach Rom eingeladen worden; er habe Anfang dieses Monats der Dämonenaustreibung beigewohnt. Obwohl er kein Katholik sei, habe ihn dieser Vorgang sehr erschüttert; er sei danach „nicht mehr derselbe“ gewesen.

Wie dem auch sei und unabhängig von der bislang ungeklärten Frage, ob der gefilmte Exorzismus jemals veröffentlicht wird oder nicht, so ist das Hinzuziehen einer für das Ritual „unnötigen“ Person zumindest unangebracht und offensichtlich unseriös.

Ein sog. „Großer Exorzismus“ ist eine ernste seelsorgliche Angelegenheit und kein Spektakel für Neugierige, auch kein Mittel zum Zweck, um jemanden –  wen auch immer  –  von der Existenz höllischer Geister zu überzeugen. Abgesehen davon hat Christus den Dämonen nie seine Aufmerksamkeit geschenkt, sondern ihnen streng geboten, zu schweigen und auszufahren. Es kommt dem Stolz des Satans nur entgegen, wenn man stattdessen viel Wirbel um ihn veranstaltet.

Nach Lage der Dinge wurde der Filmemacher wahrscheinlich von Pater Gabriele Amorth eingeladen, was auch die Webseite „Grenzwissenschaft“ vermutet: „Wenn es sich aber tatsächlich um den zitierten „Chef-Exorzisten der katholischen Kirche in Rom“ handelt, so wäre dies am ehesten der 1925 geborene Pater Gabriele Amorth“.

Mit Äußerungen dieses italienischen Geistlichen haben wir uns im CHRISTLICHEN FORUM auch früher kritisch befaßt, zB. hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/02/ex-exorzist-verlangt-den-glauben-an-medjugorje/

Quelle für die Zitate: http://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/exorzist-regisseur-filmte-echten-exorzismus20160524/#sthash.bt1jX34y.dpuf


Der kirchliche Exorzismus eignet sich nicht zum öffentlichen Ausplaudern

Von Felizitas Küble

Auf der traditionsorientierten Internetseite „Katholisches.info“ wurde am 13. Januar 2013 ein ausführlicher Artikel von Guiseppe Nardi über einen prominenten Exorzisten veröffentlicht, über den es einleitend heißt, er stehe „an vorderster Front im Kampf gegen den Teufel“.  BILD0167

Der Bericht steht unter dem bezeichnenden Titel: „Der Kampf eines Exorzisten heute – Was der Teufel alles preisgeben muß.“

Es geht dabei um Pater Francesco Bamonte, Exorzist in der Diözese Rom und Vorsitzender einer italienischen „Vereinigung der Exorzisten“, der mehrere Bücher zu diesen Themenfeldern veröffentlichte.

In dem erwähnten Artikel wird mehrfach ausführlich über dämonische Aussagen und Verhaltensweisen während einer Teufelsaustreibung berichtet.

Daß der Widersacher sich z.B. gegen das Sakrament der Ehe, gegen Keuschheit und ein harmonisches Familienleben sowie für Abtreibung oder Kindesmißbrauch ausspricht und zudem am liebsten selber angebetet werden möchte, erstaunt wohl denkbar wenig.

Verwunderlich ist vielmehr, daß der 53-jährige Geistliche den Teufel mehrfach zitiert und seine eigenen „Erfahrungen“ während eines Exorzismus in Einzelheiten schildert.

Christus befiehlt das Schweigenchristus

Tatsache ist nämlich, daß Christus den Dämonen einst streng befohlen hat, zu schweigen  –   und dies auch dann, wenn sie rein formal durchaus „Richtiges“ über ihn und seine Sendung gesagt bzw. sein Wirken sogar „gewürdigt“ haben. 

Selbstverständlich leugnet Satan und sein Anhang nicht die Existenz Gottes, doch die Finsternismächte lehnen IHN ab bzw. lehnen sich sogar gegen IHN auf.

Mehrere Berichte im Neuen Testament bezeugen, daß Christus den Dämonen stets den strengen Befehl erteilte: „Schweig!“  (z.B. in Mk 1,21 ff) –  Unser HERR läßt sich auf kein einziges Gespräch mit Finsternismächten ein, auch nicht auf einen kurzen Wortwechsel, geschweige fragt er etwa die Dämonen aus wie ein Orakel.

„Auch die Teufel glauben – und zittern!“

Die Heilige Schrift stellt ohnehin klar, daß ein „Kopfglaube“ nicht automatisch schon echte Frömmigkeit beinhaltet. Der hl. Apostel Jakobus erinnert in genau diesem Zusammenhang daran: „Auch die Teufel glauben  –  und zittern“ (Jak 2,19).

Der unreine Geist gibt sich mitunter durchaus “gläubig”, denn er erklärte ausdrücklich vor Christi Angesicht: “Ich weiß, wer Du bist: Du bist der Heilige Gottes”.   pic_526a50cce0863

Warum auch sollten Dämonen die Existenz des Schöpfers leugnen, zumal sie (als Engel) einst in der Herrlichkeit Gottes lebten, bevor sie sich gegen den Ewigen empörten.

Das Beispiel der unreinen Geister belegt eindringlich, daß ein bloßer “Kopfglaube” für das ewige Heil nicht genügt, denn einen solchen gibt es ja auch in der Hölle.

Christus beginnt mit unreinen Geistern grundsätzlich keine Diskussionen. ER läßt sich auch nicht durch “fromme” Worte des Teufels dazu verleiten, sondern gebietet ihm energisch: “Schweig!”    

In diesem Sinne untersagt die katholische Kirche beim Exorzismus jedes überflüssige “Gespräch”, jedes systematische “Ausfragen” von Dämonen. Mit dem Teufel soll nicht debattiert werden, zumal ihn dies als “Gesprächspartner” aufwerten und ihm gleichsam ein Forum für seine listigen Täuschungsmanöver verleihen würde.

„Frommes“ aus der diabolischen Trick-Kiste

Zudem wird Satan in der Hl. Schrift als “Vater der Lüge” bezeichnet, vor dessen Tricks und Finessen ohnehin jeder nüchterne und wachsame Exorzist auf der Hut sein sollte.

Im Artikel auf „Katholisches.info“ heißt es sodann weiter über (angebliche oder tatsächliche) teuflische Äußerungen während eines Exorzismus:

„Viele Male“, so der Exorzist, „habe ich den Dämon in perfekter Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre sagen hören, daß das Böse eine freie Willensentscheidung eines Menschen ist. Ebenso mußte er zugeben, daß er gegen den menschlichen Willen, wenn dieser durch die Gnade gestützt sich ihm widersetzt, nichts ausrichten kann.“

Was soll daran bemerkenswert sein?  –  Bereits bei der bekannten Versuchung Christi in der Wüste hat Satan sich in perfekter Übereinstimmung mit dem Alten Testament biblischer Aussagen bedient bzw. und diese  –  rein formal betrachtet  –  korrekt zitiert.

Umso merkwürdiger mutet daher der Schlußabschnitt in dem erwähnten Artikel an: 0013

„Bei einem Exorzismus mußte der Dämon zugeben, „offensichtlich von Gott gezwungen“ und sagen: „Wenn ihr Menschen auf den Knien vor Ihm leben und Ihn anbeten und Ihm Lobpreis singen würdet, wie es die Engel tun, dann hätten wir nicht die ganze Macht, die ihr uns über euch gebt“.

Erst war ausdrücklich von menschlicher Willensfreiheit die Rede, jetzt soll angeblich Gott selbst den Dämon „gezwungen“ haben, eine fromm erscheinende Aussage zu tätigen.

Dabei ist diese angebliche Äußerung nur scheinbar theologisch in Ordnung, was dem Verfasser offenbar nicht auffiel:

1. Für den Menschen ist es in seiner begrenzten irdischen Existenzweise von vornherein unmöglich, dem Allmächtigen einen „Lobpreis zu singen, wie es die Engel tun“. Dies wird auch nicht von ihm erwartet, da wir hienieden „im Glauben leben, nicht im Schauen“, wie Paulus betont.

Es handelt sich also um eine verstiegene, letztlich absurde Bemerkung (und so gesehen paßt sie wiederum zum „Kellergeist“).

2. Sodann ist es mit Anbetung und Lobpreis alleine durchaus nicht getan, weshalb Christus schon vor zweitausend Jahren verdeutlichte: „Nicht jeder, der HERR, HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21).

Hier wird also eine  –  an den Protestantismus und seine Rechtfertigungslehre  –  angelehnte, verkürzte Mentalität („Der Glaube allein macht selig“) präsentiert, die dem biblischen Gesamtzeugnis nicht gerecht wird, geschweige mit der katholischen Lehre übereinstimmt, wonach für das ewige Heil auch die Einhaltung der göttlichen Gebote nötig ist.

Abgesehen davon erhebt sich die ernste Frage, wie sich denn jene geschilderten Einzelheiten über exorzistische Vorgänge mit dem Seelsorgsgeheimnis vereinbaren lassen.

Natürlich werden keine Namen von Betroffenen bzw. angeblich oder tatsächlich „Besessenen“ genannt. Dennoch erscheint diese Vorgehensweise unangebracht und völlig unsensibel.

Man stelle sich beispielsweise vor, katholische Priester würden zwar anonym, aber ausführlich aus dem Inhalt und Ablauf von Beichtgesprächen berichten –  dies würde zu Recht als unseriös und unangemessen empfunden.

Doch der Unterschied zwischen einem derart ungehörigen Vorgang einerseits und dem öffentlichen Ausplaudern aus der Exorzismus-Seelsorge andererseits ist lediglich gradueller Natur. Beides ist abzulehnen.

1. Foto: Gemälde von Evita Gründler

 


Unseriöser Exorzismus und gefährlicher Unfug mit „Dämonen-Interviews“

Anneliese Michel, der „Fall Klingenberg“ und San Damiano

Die Kirche   –  genauer: das amtliche „Rituale Romanum“  –  verbietet es den vom Bischof beauftragten Priestern ausdrücklich, sich bei einem Großen Exorzismus in „Gespräche“ mit Dämonen zu begeben und diese dadurch als „Interviewpartner“ aufzuwerten.

Das käme einer unseriösen Neugier gleich, die in der Seelsorge nichts zu suchen hat, abgesehen davon, daß das Jenseits kein „Auskunftsbüro“ und Satan ohnehin der „Vater der Lüge“ ist, dem man prinzipiell keine Aufmerksamkeit schenkt, welche ihm ein „Forum“ bietet, sich zu präsentieren.

Christus selbst hat sich bei seinen Exorzismen nie auf Diskussionen mit dem Teufel eingelassen, sondern ihm seinen klaren Befehl „Schweig!“ entgegengehalten und dann die Besessenen in seiner göttlichen Vollmacht befreit. Daran orientiert sich auch die Kirche als Stiftung Christi.

Laut Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) dient der Große Exorzismus dazu, „Dämonen auszutreiben oder vom Einfluss von Dämonen zu befreien  –  und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat.“  – Er dient keineswegs dazu, sich „Auskünfte“ über das Jenseits zu beschaffen.

Dennoch geistern (!) in manchen erscheinungsfrommen Kreisen seit Jahrzehnten diverse „Aussagen von Dämonen“ durch Buchdeckel und Internetseiten, wobei mit diesen höllischen „Interviews“ beispielsweise belegt werden soll, daß bestimmte Erscheinungsorte „echt“ sind, weil ein angeblicher Teufel sie im Rahmen eines Exorzismus „verflucht“ hat.

Das läuft dann also nach der Devise: Wenn die Hölle dagegen ist, dann umso besser für die Erscheinung, umso echter ist sie doch!

Ein Beispiel für diese oberschräge „Logik“ ist die erscheinungssüchtige Webseite „http://www.gottliebtuns.com“ (dort wird auch der Endzeit-Unsinn mit den Botschaften „Die Warnung“ verbreitet).

Dieser Blog bietet unter dem Stichwort „Exorzismus Anneliese Michel“ groben Unfug,  wobei die folgende Einführung schon Bände spricht, denn sie lautet: „Das warnende Zeugnis…Interviews und Aussagen von Dämonen“

Hier hört man dem Widersacher also gleichsam „andächtig“ zu,  lauscht seinem „Zeugnis“ (!) und will tatsächlich wissen, was er aus seiner satanischen „Weisheit“ mitzuteilen weiß…

Leider geschieht genau dies  –  wie allein schon die bezeichnende Überschrift  „Die Dämonen über Erscheinungsorte“ belegt.

Dabei wird aus „Protokollen“ zitiert, die beim Exorzismus im „Fall Klingenberg“ (Anneliese Michel)  entstanden sind und die danach von Tonbändern abgeschrieben wurden und die schon seit Jahrzehnten in „frommen Kreisen“ die Runde machen.

Abgesehen davon, daß diese Vorgehensweise letztlich eine Verletzung des Seelsorgsgeheimnisses darstellt, widerspricht dies zudem der klaren Anweisung der Kirche.

(Beleg-Link: http://www.gottliebtuns.com/exorzismus_anneliese.htm#29)

Natürlich werden wir konsequenterweise keine „Dämonen-Aussagen“ zitieren, auch nicht um einer kritischen „Dokumentation“ willen, sondern weisen vielmehr grundsätzlich auf Folgendes hin:

1. Diese Webseite bringt derbe Ausdrücke und Flüche von „Luzifer“ gegen kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsorte wie Heroldsbach, San Damiano und Montichiari, wobei der angebliche Satan behauptet, er (!) habe dafür gesorgt, daß die Kirche diese wahren Erscheinungen ablehnt…

Damit wird tiefes Mißtrauen gegen das kirchliche Lehr- und Hirtenamt gesät und stattdessen das Hören auf (kirchlich nicht anerkannte) „Privatoffenbarungen“ begünstigt.

2. Sowohl hier wie in anderen Veröffentlichungen mit „Dämonen-Interviews“ werden einfachste theologische Sachverhalte nicht beachtet.  – Hierzu ein Beispiel:

Die erwähnte Webseite zitiert auch „Judas“, der über sich und  –  wie es dort heißt  – „andere Dämonen“ spricht. Aber Judas ist kein Dämon, kein gefallener Ex-Engel  –  da er als Mensch zwar verdammt sein kann, aber dadurch keineswegs zum „Dämon“ wird, sondern vielmehr zu einer verworfenen Seele in der Hölle. 

Man unterscheidet also nicht einmal zwischen den Teufeln (gefallenen Engeln) und den Verdammten (Seelen von verlorenen Menschen).

Bei einer Besessenheit kann es aber allein um eine „In-Besitznahme“ durch einen Dämon/Teufel gehen  –  und nicht etwa durch eine verlorene Menschenseele aus der Hölle. Genau dies wird aber im Falle eines „Judas“ (oder wahlweise auch „Hitler“, „Nero“, „Stalin“) behauptet.

3. Neben den falschen Erscheinungsorten Heroldsbach und Montichiari wird vor allem San Damiano verherrlicht, zumal die Exorzismus-Betroffene Anneliese Michel mehrfach (aber)gläubig dorthin „gepilgert“ war.

Auch hier fluchen die „Dämonen“ natürlich gleichsam heftig dagegen, aber gerade weil diese Erscheinungsstätten eben gar so „echt“ seien, sie sich also über die „Anwesenheit“ der „Madonna“ dort grün und schwarz ärgern…und sich umso mehr freuen, daß die Kirche diese Visionen nicht anerkannte….

So sieht also jene wahrhaft teuflische „Logik“ aus, auf die sich manche Erscheinungsgläubige in grenzenloser Leichtgläubigkeit einlassen.

Zu San Damiano heißt es auf der erwähnten Webseite wörtlich:

San Damiano ist ein kleiner, kirchlich (noch) nicht anerkannter Wallfahrtsort in Norditalien, 20 km südlich von Piacenza am Apennin.

Eine Kleinbäuerin namens Rosa Quattrini in diesem Ort hatte nach drei schweren Entbindungen, die stets den Kaiserschnitt erforderlich machten, eine Infektion erhalten. Die Wunde heilte nicht mehr, so dass die Frau arbeitsunfähig und sterbenskrank zu Hause lag. Da erschien ihr in der Tracht der dortigen Gegend die Gottesmutter und heilte sie.

Gleichzeitig gab sie ihr den Auftrag, aufzustehen und den stigmatisierten Pater Pio in Süditalien zu besuchen. Dieser befahl ihr, zwei Jahre lang in der Stadt die Kranken zu pflegen, was Rosa befolgte. Nach Ablauf dieses Krankendienstes erschien ihr die Gottesmutter erneut im Oktober 1964 und brachte vor ihrem Anwesen durch Berührung einen Birnbaum zum Blühen, kurz vor dem jahreszeitlich bedingten Absterben der Natur.

Der Weisung der Gottesmutter folgend, wurde beim Anwesen der Bäuerin ein Brunnen gegraben, aus welchem seitdem Wasser mit heilbringenden Kräften fließt. Frau Rosa, genannt nun Mama Rosa, erhält seitdem von der Gottesmutter Botschaften, die zur Bekehrung der Sünder aufrufen.“

Soweit der erscheinungsbewegte Blog „Gottliebtuns“.

San Damiano übte lange Zeit  –  teils bis heute  –  besonders auf traditionalistische Kreise eine große Anziehungskraft aus. 

Sogar Erzbischof Marcel Lefebvre war zunächst ein Anhänger von San Damiano, bis er sich mit „Mama Rosa“  –  der dortigen Bäuerin und „Seherin“ – nicht einig wurde über die Beurteilung von Papst Paul VI. (sie verherrlichte ihn, er war kritisch).

Die „Madonna“ soll der „Mama Rosa“ am Birnbaum mit je einer Rose in ihrer Hand erschienen sein, wobei der Baum kurz danach angeblich wundersam erblühte. Am nächsten Tag  –  es war Oktober 1964  – habe der Zwetschgenbaum geblüht,  so wird berichtet.

Selbst wenn diese Behauptungen zutreffen sollte,  so handelt es sich um typische „Schauwunder“ ohne theologischen Sinn, also genau das, was Christus ablehnte, während er auf Erden wirkte. (Als Satan unseren HERRN bei der Versuchung in der Wüste zu einem gloriosen Schauwunder verführen wollte  – Herabstürzen von der Zinne des Tempels  – wies ER dies eindeutig zurück.)

Abgesehen davon läßt sich das vermeintliche Birnbaum/Zwetschgenbaum-Wunder durchaus natürlich erklären:

Wenn nämlich ein kalter Sommer herrscht und ein sehr warmer Herbst folgt (was dort in der Region 1964 der Fall war), dann kann es gerade bei diesem Bäumen zu einer sog. „Notblüte“ kommen, so daß es gleichzeitig Früchte und Blüten gibt.

Der zuständige Bischof hat sich seinerzeit jedenfalls ablehnend zu San Damiano geäußert, die Kirche blieb stets bei ihrer kritischen Haltung, allen mirakulösen Phänomenen bzw. irrgeistigen „Wundern“ zum Trotz  –  und das mit Recht.

Das vatikanische Amtsblatt „Osservatore Romano“ veröffentlichte am 16. November 1970 eine eindeutige Erklärung des Bischofs von Piacenza, in der es heißt:

„Die angeblichen Botschaften, Visionen und Wunder haben nichts mit Übernatürlichem zu tun. Rosa Quattrini hat täglich und öffentlich ihrem Bischof den Gehorsam verweigert. Wir weisen sie hiermit formell darauf hin, daß wir gezwungen sind, ihr die Sakramente zu verweigern sowie den Zutritt zur Kirche.“

Der damalige Pfarrer von San Damiano, Edgardo Pellacini, wurde in einem päpstlich bestätigten Dekret amtsenthoben; es wurde ihm verboten, sich weiter mit den angeblichen Erscheinungen von San Damiano zu befassen.

Alle „übrigen Anhänger, Priester wie Laien“ wurden in der bischöflichen Stellungnahme eindringlich davor gewarnt, die „Botschaften“ zu verbreiten und nach San Damiano zu pilgern. Ein klares Wort also!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz