Was sagen uns Nahtod-Erfahrungen und Visionen über die Realität der Hölle?

Von Felizitas Küble

In gläubigen christlichen Kreisen wird immer wieder der gewiß wohlmeinende Versuch gestartet, die Glaubenslehre von der Existenz der Hölle dadurch zu „beweisen“ oder zumindest nahezulegen, indem auf negative Nahtod-Erlebnisse oder entsprechende Visionen/Erscheinungen verwiesen wird. 

Was ist davon zu halten?

Insgesamt eher wenig. Zum einen sind solche Erfahrungen kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne. Nahtod-Erlebnisse sind keine objektiven Jenseits-Trips, da der Mensch noch nicht tot ist, also auch nicht aus einer wirklichen „Ewigkeit“ ins irdische Leben zurückkehrt.

Zweifellos handelt es sich dabei vielfach um Bewußtseinserweiterungen und -überschreitungen  – und insofern um einen Anhaltspunkt dafür, daß der Mensch „unheilbar religiös“ ist. Aber ein Hin-weis ist kein Be-weis.

Daß derartige Erzählungen persönlich-subjektiv ehrlich gemeint sind, kann durchaus angenommen werden, tut aber nichts zur Sache hinsichtlich der objektiven Beweiskraft.

Der springende Punkt ist ohnehin, daß wir auf Erden „im Glauben wandeln, nicht im Schauen“, wie Paulus klarstellt.

Ein Glaube, der krampfhaft nach Erlebnissen und außergewöhnlichen „Beweisen“ sucht, steht auf wackeligen Beinen. Echte Überzeugung ruht in sich selber, gegründet auf der Selbstoffenbarung Gottes in Christus.

Sodann muß man nüchtern sehen, daß diese „Höllen-Visionen“  – ob sie nun auf Nahtoderlebnisse oder auf „Erscheinungen“ zurückgehen – auch inhaltlich/theologisch betrachtet oft seltsam bis irreführend wirken.

Am 26. März 2019 veröffentlichte das erscheinungsbewegte Portal Kath.net eine Story unter dem Titel: „Ich war tot und landete in der Hölle“: http://www.kath.net/news/67423

Darin ist die Rede von dem Nahtod-Schrecken, den Matthew Botsford erlebte: Der US-Amerikaner wurde von einer Kugel getroffen und lag anschließend 27 Tage im künstlichen Koma. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei er dreimal wiederbelebt worden.

Er beschreibt, er sei in der „Ewigkeit“ gewesen: „Ich befand mich sofort in einer Art riesigen Höhle, hing mit ausgestreckten Armen wie bei einer Kreuzigung an die Felswand gekettet, unter mir der endlose Abgrund.“

Er spricht von Geruch nach verrottendem Fleisch und davon, daß in der Dunkelheit Augenpaare auftauchen und Krallen, die ihm die Haut vom Körper rissen. In dieses „Höllenverlies“ habe sich aber eine starke Hand ihren Weg geahnt und ihn gerettet. Er sei wieder ins Leben zurückgerufen worden, wozu das Gebet seiner Frau beigetragen habe.

Kath.net hat diese Story – wie zu erwarten war –  völlig unkritisch veröffentlicht.

Doch dazu stellen sich folgende Fragen:

  1. Mister Botsford befand sich nicht in der „Ewigkeit“, wenngleich ihm das subjektiv sicherlich so vorkam und er sich entsprechend „fühlte“ etc. Er wurde aber wiederbelebt, also war er vorher noch nicht wirklich verstorben, sondern befand sich in Todesnähe.
  2. Wäre er im tatsächlichen Jenseits der Hölle gewesen, hätte ihn dort keine „rettende Hand“ herausgeholt, denn eine Befreiung gibt es nur im Zustand der Läuterung, also des „Fegefeuers“.
  3. Für das Fegefeuer ist seine Schilderung jedoch viel zu gräßlich, zudem spricht er selber vom „Höllenverlies“.
  4. Die entscheidende Problematik der Hölle ist die endgültige und ewige Gottesferne  – und nicht sinnliche Strafen und Schreckensdarstellungen wie aus einem Horrorfilm.

Das gilt ähnlich auch für Höllen-Erlebnisse im Zusammenhang mit Marienerscheinungen und Visionen, wie sie von Sr. Faustine über den Vortragsreisenden Helmud Lungenschmid bis hin zu Medjugorje gang und gäbe sind. Auch die vermeintlichen Jenseits-Erfahrungen von Frau Gloria Polo machen im „frommen Lager“ seit Jahren die Runde: Näheres HIER.

Das Wohlfühl-Christentum führt in die Irre

Damit wir nicht falsch verstanden werden:

Die heute weit verbreitete Wohlstandstheologie, das Wohlfühlchristentum und eine einseitige Frohbotschafterei sind ein gefährlicher Irrweg, der die Menschen leichtfertig einlullt und ihnen die nötige Wachsamkeit ausredet.

Das gilt erst recht für die Esoterik, bei der ohnehin alles nach Friede-Freude-Eierkuchen klingt, Harmonie pur – und das „Göttliche“ ist im Menschen von Natur aus selber verankert etc.

Doch die Heilige Schrift und Christi Lehre verkündet einerseits die Frohbotschaft der Erlösung, aber auch den Ernst von Sünde und Gericht, Tod und Teufel, Hölle und ewiger Verlorenheit.

Dennoch überwiegt insgesamt die Glaubensfreude und Zuversicht auf das Heil: „Fürchtet euch nicht“ heißt es nicht ohne Grund so häufig in der Bibel.

Die Alternative zum irreführenden Allerlösungs-Humanitäts-Christentum ist keineswegs das andere Extrem, nämlich Drohbotschaften durch „Seher“ mit einer ständigen düsteren Theologie.

Gerechtfertigt wird diese Panikmache manchmal damit, die Menschen müßten doch gewarnt werden, um der Hölle zu entgehen:  Ganz gewiß –  aber nur mit seriösen Methoden!

Christus sagte im Gleichnis vom ungerechten Prasser: „Sie haben Moses und die Propheten“  – das muß reichen, also Gesetz (Gebote) und Gottes Botschaft (Lehre).

Warum sollte das nicht auch heute gelten?

Zur Höllenvision der Seherkinder von Fatima

Nun könnte der Einwand auftreten, zumal nach dem jüngsten Kinofilm über Fatima, in dem auch die Höllen-Vision der drei Seherkinder vorkommt: 

Aber die drei Kinder von Fatima haben doch auch die Hölle erlebt!

Sehen wir uns also an, was die Seher damals – laut dem Bericht von Lucia (siehe Foto)  –  nach einer Marienerscheinung am 13. Juli 1917 geschaut haben:

„Als die Muttergottes die letzten Worte aussprach, öffnete sie die Hände. Das Strahlenbündel, das von dort ausging, schien in die Erde einzudringen, und wir sahen etwas wie ein grosses Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen.

Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer grossen Feuersbrunst, gewichtlos und doch nicht schwebend; dabei stiessen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens– und Verzweiflungsschreie aus, dass wir vor Grauen und Schrecken zitterten. Die Teufel hatten die schreckliche und widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohle.“   (Quelle: https://fatima.ch/2018/07/13-juli-hollenvision-in-fatima/1314)

Während diese Schweizer Fatima-Seite die Höllen-Vision vom 13. Juli 1917 ausführlich zitiert, hält sich das Fatima-Weltapostolat in Deutschland deutlich zurück und reduziert den „Vorgang“ auf etwa ein Drittel – der Original-Wortlaut wird zudem nur indirekt zitiert: https://www.fatima-weltapostolat.de/fatima-botschaften.html

Zum Sachverhalt ergeben sich folgende Fragen und Einwände: 

1. Ausgerechnet das „Strahlenbündel“ Mariens soll in die Hölle geführt bzw. diese gezeigt haben? Was hat die Gottesmutter mit der ewigen Gottesferne zu tun?  – Und dabei schienen ihre Strahlen „in die Erde einzudringen“ – als ob die Hölle sich im Erd-Inneren befinden würde. Dabei gehört die Hölle – die zudem eher ein Zustand als ein „Ort“ ist – eindeutig in die Dimension der Ewigkeit, also gerade nicht in unsere begrenzte raumzeitliche Welt. Mit anderen Worten: Die Hölle ist nicht den irdischen Naturgesetzen unterworfen.

2. Die Schauer-Darstellungen von Sr. Lucia sind völlig „sinnlich“ geprägt, komplett am vermeintlich äußeren Geschehen und Anschein orientiert – kein Wort davon, daß die Hölle im Zustand der GOTTESFERNE besteht, stattdessen fantasieanregende Panik-Schilderungen mit überflüssigen bis irreführenden Einzelheiten. Unklar ist auch, warum die Dämonen die „widerliche Gestalt unbekannter Tiere“ aufweisen sollen. Auch die gefallenen Engel – also die Teufel – sind nun einmal keine Tiere, sondern Geistwesen!

Einmal abgesehen davon, daß eine solche Panik-Attacke wohl nichts für kleine Kinder ist, was nicht nur psychologisch zu verstehen ist, sondern auch theologisch: Denn Kinder sollen früh genug lernen, in erster Linie aus Liebe zu Gott und den Menschen (und nicht aus einer sinnenhaften Schreckens-Angst vor der Hölle) gläubig und gerecht zu leben.

In formaler Hinsicht sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Höllen-Vision nicht um die „Botschaften“ von Fatima handelt (die 1930 bischöflich genehmigt wurden), sondern konkret um das „erste Geheimnis“, das Sr. Lucia aber erst über zwanzig Jahre nach jener Erscheinung erstmals niederschrieb bzw. ihrem Oberhirten brieflich mitteilte.

Da die Approbation (Billigung der Fatima-Botschaften) aber vorher erfolgte, ist die Höllenvision  – genau genommen – gar kein Bestandteil des „anerkannten“ Bereichs, denn die Kirche kann nur etwas erlauben, was ihr bekannt ist – nicht aber  vorwegnehmend etwas billigen, was sie erst hinterher erfährt.

Aber selbst wenn es anders wäre, wenn Lucia dieses „1. Geheimnis“ (Höllenvision) zeitnah  – nämlich Anfang der 20er Jahre  – der kirchlichen Untersuchungskommission mitgeteilt hätte, würde dies keinen Katholiken zum Glauben verpflichten, da auch die kirchlich genehmigten Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind.

Eine Approbation „gestattet“ es den Gläubigen lediglich, den Botschaften und Geschehnissen ihre Zustimmung zu schenken – sie können auf diese Zustimmung aber ebenso gut verzichten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt; ihre Mailanschrift: felizitas.kueble@web.de


Lucia und Jacinta am 13. Oktober 1917 in Fatima: „Der Krieg geht heute zu Ende“

Von Felizitas Küble

In Europa sind zwei kirchlich genehmigte Marienerscheinungsorte besonders bekannt, nämlich Lourdes und Fatima.

Wenn die Kirche eine Privatoffenbarung approbiert (billigt, gestattet, „anerkennt“), dann bedeutet dies keine Glaubensverpflichtung für Katholiken, sondern lediglich eine Erlaubnis zur Zustimmung. Erscheinungen sind also weder heilsnotwendig noch Bestandteil des Glaubensgutes („depositum fidei“) oder der amtlichen kirchlichen Verkündigung.fatima-von-anfang-an Daher ist den Gläubigen eine sachliche Kritik an Privatoffenbarungen seit jeher erlaubt.

Das 360 Seiten starke Buch „Fatima von Anfang an“ gehört zwar durchaus zur Fatima-begeisterten Literatur, ist aber nicht in allem stromlinienförmig; so wird zB. den Aussagen von Sr. Lucia nicht immer voll zugestimmt und die Erzählweise der Publikation ist insgesamt recht nüchtern.

Dieses Buch von Pater Joao de Marchi schildert u. a. die Befragung von Seherkindern durch Prof. Dr. Formigao am Abend des 13. Oktober 1917, also einige Stunden nach dem spektakulären Sonnenwunder in der Nähe von Fatima.

Dabei wird das damalige Protokoll des portugiesischen Geistlichen zitiert  –  auch das Gespräch mit Jacinta (S. 201):

Der Priester fragte das Seherkind: „Was hat die Dame gesagt?“  – „Sie sagte, wir sollen jeden Tag des Rosenkranz beten, und daß der Krieg heute zu Ende geht.“  – „Zu wem sagte sie das?“ – „Zu Lucia und mir, Francisco hörte nichts.“

Was nun das Interview mit Lucia am selben Abend betrifft, so ist die entsprechende Stelle gestrichen worden. Auf die Frage, was Maria ihr kurz vor dem Beginn des Sonnenwunders mitgeteilt habe, antwortete die Seherin demzufolge (S. 199):

„Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“

In Wirklichkeit geht es an dieser Stelle in Dr. Formigaos Protokoll wie folgt weiter: „….daß der Krieg heute aufhören werde und daß wir unsere Soldaten sehr bald erwarten sollen.“

„Ernsthafte Zweifel an der Echtheit“

Nachdem der Krieg an diesem Tag des Sonnentanzes keineswegs zu Ende ging (sondern erst im nächsten Jahr), fragte Dr. Formigao die Seherkinder am 19. Oktober 1917 noch einmal. Dieses Protokoll wird in dem erwähnten Buch ab S. 205 wiedergegeben. 0022

Eingangs heißt es: „Am 13. Oktober sagten beide, Lucia wie auch Jacinta, daß sie aus dem Mund der Seligen Junfrau die Worte „Der Krieg wird heute zu Ende gehen“ gehört hatten.“ 

Der Verfasser dieses Pro-Fatima-Buches räumt ein: „Diese Aussage der Seher konnte ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Erscheinungen hervorrufen“.

Daher habe sich Dr. Formigao am 19. Oktober erneut zu den Kindern aufgemacht, um sie zu befragen.

Jacinta reagierte zunächst eher ausweichend („sie sagte, der Krieg würde zu Ende gehen“) und verwies auf Lucia, weil diese die Erscheinung besser verstanden habe. Lucia blieb ihrer ursprünglichen Aussage treu und beharrte zweimal darauf („Ich weiß nur, daß ich sie sagen hörte, der Krieg gehe an diesem Tag zu Ende“), wobei bereits klar war, daß diese Ankündigung ein Irrtum war.

Wie aus der wissenschaftlichen Studie „Rosenkranz und Kriegsvisionen“ von Monique Scheer hervorgeht, worin jenes Protokoll ausführlicher abgedruckt ist, hat sich Lucia im weiteren Verlauf des Interviews dann doch noch verunsichert geäußert: „Ich erinnere mich schon nicht mehr gut, was sie (Maria) sagte. (…) Vielleicht habe ich Unsere Liebe Frau nicht gut verstanden.“ – Und Jacinta erklärte auf erneute Nachfrage, wann der Krieg zu Ende gehe: „Ich glaube, er geht am Sonntag zu Ende.“ – Dies war dann freilich auch nicht der Fall (vgl. S. 52).

„Widersprüchliche oder unklare Aussagen“

Abschließend schreibt Pater Joao de Marchi, der Buchautor, trotz seiner sonstigen Fatima-Anhänglichkeit folgendes dazu: „Wie man sieht, handelt es sich bei der Frage, das Ende des Krieges betreffend, um widersprüchliche oder unklare Aussagen.“

Auf S. 211 schildert der Verfasser die kirchenamtliche Befragung der Untersuchungskommission vom 8. Juli 1924. Auch dort habe Lucia  – ca sieben Jahre nach dem Ereignis – daran festgehalten, daß die Madonna betreff des Kriegsendes von „heute“ gesprochen habe. 

Zugleich erwähnte sie damals eine ganz neue Variante hinsichtlich ihrer Cousine Jacinta, denn diese habe ihr „später“ gesagt, die Gottesmutter habe am 13. Oktober 1917 folgendes mitgeteilt: „Die Menschen müssen sich bekehren, der Krieg wird innerhalb eines Jahres zu Ende gehen.“ 

Diese Version taucht allerdings in den drei diesbezüglichen Gesprächen von Dr. Formigao mit Jacinta nicht auf. Dort hat sie beim ersten Mal „heute“ gesagt, dann beim zweiten Interview (wie bereits erwähnt) verunsichert auf Lucia verwiesen, beim dritten Mal (am 2. November 1917) plötzlich wieder eindeutig „heute“ gesagt (vgl. S. 213).   Titel

Vom schwierigen Umgang mit einer Schwierigkeit

Im Fatima-Schrifttum wird das offensichtliche Problem größtenteils auf zweifache Weise umgangen:

Teilweise bleibt diese HEUTE-Aussage einfach unerwähnt, so etwa in dem weitverbreiteten Buch „Rom – Moskau – Fatima“ von Pater Dr. Otto Bohr. Dort werden die Ereignisse des 13. Oktober 1917 zwar auf 14 Seiten breit geschildert, dieser Satz aber ausgelassen.

Neben Kürzungen gibt es unrichtige Darstellungen, die da lauten: „Der Krieg geht seinem Ende entgegen“ (das wäre ohnehin eine banale Aussage des Himmels, zumal jeder Krieg mal seinem Ende entgegengeht)  – oder „Der Krieg geht bald seinem Ende entgegen.“

Eine weitere Variante, diese Schwierigkeiten zu umgehen, besteht darin, sie in eine Wenn-Dann-Prophetie umzuwanden.  So heißt es in dem vom Clarentinerpater Abilio Ribeiro verfaßten Buch „Fatima  – Botschaft und Weihe“ auf S. 22: „Wenn die Menschen sich bessern, wird der Krieg heute noch zu Ende gehen.“  –  Es ist zwar hier zutreffend das Wort „heute“ erwähnt, aber eine ursprünglich nicht vorhandene WENN-Einschränkung vorgenommen: „Wenn die Menschen sich bessern…“Buch

Eine gewisse Glättung der Problematik wird auch darin erkennbar, bei diesem Thema nicht mehr wörtlich zu zitieren, sondern auf eine indirekte Schreibweise umzusteigen, so zB. in dem bekannten Buch „Fatima und Pius XII.“, das der katholische Verlagsleiter Johannes M. Höcht verfaßte. Dort kann man lesen: „Der Krieg gehe dem Ende entgegen.“ (S. 75)

Prof. Fonseca verbannt das Problem in Fußnoten

Das bekannteste Fatima-Buch ist wohl der Klassiker „Maria spricht zur Welt“ von Prof. Dr. Gonzaga de Fonseca.

Er schreibt in der 18. Auflage hierzu auf S. 91 hinsichtlich der Äußerungen Lucias betr. dieser Marienbotschaft: „Sie fügte hinzu, der Krieg gehe dem Ende entgegen und die Soldaten würden bald heimkehren.“Fatima

Allerdings wird immerhin in einer Fußnote erwähnt, Lucia und Jacinta hätten bei verschiedenen Befragungen geäußert, die Madonna habe gesagt: „Der Krieg wird heute zu Ende gehen….“ (Es wird danach versucht, diese Aussagen zu relativieren.)

In dem 1975 erschienenen Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ berichtet die Seherin selbst auf S. 158 über die Ereignisse des 13. Oktobers. Dort wird die Marienbotschaft von ihr wie folgt zitiert:

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll; ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz; man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende und die Soldaten werden in Kürze nachhause zurückkehren.“

Auf S. 159 gibt es dazu aber ein „Nachwort“ von ihr, das Sei damals an ihren Bischof sandte. Darin heißt es:

„Ich hatte so viel damit zu tun, mich an die zahllosen Gnaden zu erinnern, um die ich Unsere Liebe Frau bitten sollte, dass mir dadurch möglicherweise ein Irrtum unterlaufen ist, als ich nämlich sagte, der Krieg werde am selben Tag, dem 13., zu Ende gehen.“

Tatsache ist also: Die Hauptseherin Lucia beharrte von 1917 bis 1924 auf dem Wort HEUTE. Wenn dies auch ein objektiver Irrtum war, so wollte sie diesem immerhin persönlich „treu“ bleiben und sich nicht hinterher um ihre Ursprungs-Worte „herummogeln“.

Ende der 30er Jahre, als sie für den damaligen Diözesanbischof eine Niederschrift über die Fatima-Ereignisse anfertigte, kehrte sie diesen Ausdruck zunächst unter den Tisch, um dann in einem Nachwort den damaligen Fehler endgültig einzuräumen.

Abschließend noch eine Bemerkung zur  –  ebenfalls von Lucia erzählten  –  Marienbotschaft vom 13. Oktober 1917, dem Tag des Sonnenwunders: „Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“ 

Schön und gut, aber warum ist hier nicht von der Beichte die Rede? Wäre das nicht sehr passend?  –  Natürlich ist der Rosenkranz ratsam und die Reue bzw. Bitte um Verzeihung unentbehrlich. Das ändert nichts daran, daß das Sakrament der Buße bei schweren Sünden notwendig und bei läßlichen Sünden sehr empfehlenswert ist.

WEITERE ARTIKEL zum Thema Fatima, Sonnenwunder usw. hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/fatima-und-thema-sonnenwunder/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach und das Sonnenwunder vom 8.12.1949

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die katholische Kirche die angeblichen Marienerscheinungen von Heroldsbach, die von 1949 bis 1951 nicht nur im Frankenland, sondern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für großes Aufsehen sorgten, entschieden abgelehnt. Radio Vatikan
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Die Verwerfung einer übernatürlichen „Echtheit“ erfolgte nicht allein durch den zuständigen Diözesanbischof von Bamberg, sondern später auch durch das Hl. Offizium (Glaubenskongregation in Rom) und schließlich sogar durch Papst Pius XII. selber.
Im Römischen Dekret vom 25. Juli 1951 wird erklärt: “Es steht fest, daß die genannten Erscheinungen nicht übernatürlich sind. Daher wird der entsprechende Kult am erwähnten Ort und auch anderwärts verboten.“
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Die sieben „Sehermädchen“ wurden  –  da sie auch nach dem kirchlichem Urteil eisern an dieser „Privatoffenbarung“ festhielten  – exkommuniziert, also vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.
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Die kirchliche „Obrigkeit“ ging damals tatsächlich sehr streng gegen „Wundersucht“ und erscheinungsbewegte Kreise vor, die mit dem Phänomen Heroldsbach verbunden waren: Katholische Geistliche, die an diese „Erscheinungsstätte“ pilgerten oder positiv darüber predigten, wurden vom Bischof  – mit der Zustimmung des Vatikan  –  kurzerhand suspendiert (ihrer priesterlichen Funktionen enthoben); sogar die Zelebration der hl. Messe war ihnen untersagt.
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Zu diesen „ungehorsamen“, weil überaus erscheinungsorientieren Priestern gehörte der Theologe Prof. Dr. Johann Baptist Walz.
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Sein Schicksal ist geradezu tragisch zu nennen, zumal der angesehene Alttestamentler zuvor durch nüchterne Gelehrsamkeit auffiel, keineswegs durch schwärmerische oder naiv-wundersame Anwandlungen.
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Dennoch entwickelte er sich zu einem hartnäckigen Anhänger von Heroldsbach, deren Ereignisse die Kirche hierzulande viele Jahre lang in Atem hielten, zumal hunderttausende von Pilgern in diese fränkische Ortschaft fuhren, ja ganze Sonderzüge unterwegs waren – und all dies auch nach dem strikten kirchlichen Nein.
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Ein wichtiger Grund für die unbeirrbare Haltung von Professor Walz war das Heroldsbacher „Sonnenwunder“ vom 8. Dezember 199, dem Hochfest der makellos empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
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Nun ist ein derartiges Phänomen sicherlich aufsehenerregend, aber durchaus nicht so einzigartig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

„Sonnenwunder“ gab es häufig bei irrgeistigen Erscheinungen

Solche sensationellen Mirakel werden auch von anderen kirchlich nicht anerkannten   Privatoffenbarungen berichtet, z.B. von Montichiari und San Damiano (beide Italien), von Marpingen (Saarland), Penablanca (Chile) oder Medjugorje (Bosnien-Herzegowina), zudem im neueren Erscheinungsort Bad St. Leonhard (Österreich), wo einem Seher Caputa viele Visionen zuteil werden, wie seine Anhängerschaft glaubt.
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In Agoo (Philippinen) sollen Tausende von Menschen eine „tanzende Sonne“ am Firmament während einer Marienerscheinung gesehen haben (Info: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/).  –  In Marmora (Kanada) bestätigten angeblich 30.000 Wallfahrer die dortigen „Phänomene des Sonnenwunders“, wie die Nachrichtenseite „Kath.net“ im Nov. 2005 berichtete: http://www.kath.net/news/12003
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Im Falle von Montichiari (Erscheinungen der „Rosa Mystica“) gab es einige Pilgergruppen, darunter auch Priester, welche dort mehrfach außergewöhnliche Vorgänge und einen „Sonnensturz“ am Firmament erlebten; dadurch fühlten sie sich  in ihrer Meinung bestätigt, Montichiari sei eine Art Fortsetzung von Fatima. (Näheres dazu in dem Buch „Maria, Rosa Mystica“ von Pfarrer Weigl ab S. 66.)
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Auch im saarländischen Erscheinungsort Marpingen soll sich die Sonne eine halbe Stunde lang gedreht und sogar in eine Herzform verwandelt haben; dies schildert jedenfalls Pater Dr. Jörg Müller in seinem Taschenbuch „Von Maria zu reden ist gefährlich“.
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Von einem Lichtspektakel als Naturereignis wird bisweilen auch ohne religiösen Zusammenhang berichtet; erinnert sei z.B. an das sog. „Elmsfeuer“ in der Schweiz (Buch dazu hier: http://www.ebay.com/itm/ELMSFEUER-Ein-phantastisches-Lichtspektakel-im-Kanton-Glarus-Stephan-Baum-/171643371027)
Buchtitel
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Prof. Walz und die Faszination Heroldsbach

Zurück zu Professor J. B. Walz, der seine Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen in dem zweibändigen Werk „Die „Muttergottes-Erscheinungen“ von Heroldsbach-Thurn“ veröffentlichte (siehe Foto: 1. Band).
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Die Heroldsbacher Ereignisse begannen am Sonntag, den 9. Oktober 1949  – und schon nach zwei Monaten wurden die vermeintlichen Erscheinungen von Maria, Jesus und zahlreichen Heiligen durch ein aufregendes Sonnenwunder von oben her „bestätigt“, wie es scheint.
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Der Verfasser schreibt in seinem Bericht auf S. 26 ff., daß er an jenem Tage gegen Mittag nach Heroldsbach fuhr, wo er bis abends 20,30 Uhr verweilte.
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Prof. Walz begab sich gegen 14 Uhr mit einer Reihe weiterer Priester, darunter Pfarrer Gailer von Heroldsbach, zum Erscheinungshügel, auf dem sich bereits etwa zehntausend Personen befanden, zumal Heroldsbach längst in aller Munde war.
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Bald danach schauten die Sehermädchen –  seinem Bericht zufolge  –  die Gottesmutter erneut mit weißem Kleid, goldener Krone und einem „schwarzen“ (!) Rosenkranz an der rechten Seite. Die „Madonna“ trug ein weißgewandetes Jesuskind mit Heiligenschein. Nun begann eine Prozession zum Birkenwäldchen-Altar, der von Heroldsbach-Pilgern errichtet worden war.
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Der Priester schreibt sodann, er habe plötzlich in der Menschenmenge „ein großes Durcheinander“ gesehen:
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„Ich hörte auch erregte Rufe, die ich aber wegen der zu großen Entfernung nicht verstehen konnte.“  –  Wenig später habe eine „panikartige Unruhe unter der betenden Menschenmenge“ eingesetzt, denn die Prozession „löste sich jetzt gänzlich auf, alles lief durcheinander, ich hörte Rufe von Menschen: „Feuer! Feuer! Das Sonnenwunder! Das Sonnenwunder! Wie in Fatima!“
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Prof. Walz schildert die weiteren Ereignisse folgendermaßen: ???????
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„Auf einmal sah ich rechts von mir durch die Birken die Sonne auf uns zustrahlen in einer ganz außergewöhnlichen Stärke und Lichtfülle, es wurde immer heller und heller, immer greller, die Sonne schien mir immer größer zu werden und näher an den Altar und an uns heran zu kommen, ich war wie geblendet, glaubte bestimmt eine ganz außergewöhnliche Helligkeit und Stärke der Sonne zu verspüren, ich hatte den überwältigenden Eindruck eines außergewöhnlichen Ereignisses und glaubte, es kommt jetzt schlagartig etwas Außergewöhnliches, Furchtbares, ich erschrak“.
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Nun habe der Heroldsbacher Ortspfarrer mit dem Vorbeten des Rosenkranzes aufgehört, weil „die Unruhe unter der Menschenmenge immer größer wurde und das Rufen immer lauter und häufiger“; er  kam zu Prof. Walz herüber und sagte: „Wir wollen hinaus ins Freie gehen, damit wir die Sonne besser sehen, was eigentlich los ist.“
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Der Autor erzählt weiter: „Wir gingen ungefähr 20 bis 25 Meter hinaus ins Freie, wo wir die Sonne ganz frei, ohne Überdeckung durch den Birkenwald sehen konnten. Nun blickten wir hin zur Sonne, da plötzlich fing die Sonne sich zu drehen an, ganz schnell im Kreise herum, und die Drehungen so deutlich erkennbar, so schnell, dass ich die Vorstellung hatte, wie wenn ein Motor die Sonnenscheibe rhythmisch (in gleichmäßiger Geschwindigkeit) sehr rasch drehen würde.
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Dabei erschien die Sonnenscheibe in den herrlichsten Farben, ein wunderschönes Weiß, dann orange, dann rosa mit blau und grünlich wechselnd, in schönster Farbenpracht, die so auffallend wohltuend und mild und lieblich auf uns einwirkte, dass wir während der ganzen Rotationsdauer von fast einer Viertelstunde trotz der außerordentlichen Helligkeit ruhig hineinsehen konnten, ohne geblendet zu werden, wie man auch überall reden hörte. media-372515-2
In der Sonne sah ich mehrere Figuren sich ebenfalls ziemlich rasch bewegen, bald oben, bald unten, bald rechts oder links, die ich nicht näher erkennen konnte.
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Die (Seher-)Kinder gaben an, schon während dieser Himmelserscheinung, wie auch nachher im Pfarrhof beim Einzelverhör, sie hätten die Gottesmutter in der sich drehenden Sonne gesehen, auch noch in der untergehenden Sonne, die wir nicht mehr rotieren sahen.
 
Ich war von der Rotation der Sonne so erschüttert, dass ich glaubte, es würde noch ein großes Naturereignis nachfolgen, dass entweder ein großer Erdriss entstehen würde oder ein sonstiges außergewöhnliches Naturereignis, da kam der ruhig wandelnde Stern.
 
Die Menschen waren alle bestürzt und tief ergriffen, mehrere weinten, auch Kinder, welche die Erscheinung hatten… Man hörte oft aus der Menge die Rufe: „Jetzt ist alles wahr! Die Gottesmutter hat das Zeichen dafür gegeben! Jetzt glauben wir an die Erscheinung.“
 
Wir beobachteten diese Erscheinung der rotierenden Sonne, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte, 15.30 bis 15.45 Uhr, während das erste Sonnenwunder nach Angabe der Leute kurz nach 15 Uhr begann und um 15.15 Uhr endete…

Nach Aufhören der Rotation der Sonne gegen 15.45 Uhr begab ich mich mit Herrn Pfarrer Gailer, den übrigen Priestern und den Kindern wieder hinauf zum Wagen, alle tief ergriffen über die noch nie beobachteten Ereignisse!

Jeder von uns sprach die persönliche Überzeugung aus, dass dies eine Bestätigung der Gottesmuttererscheinungen sei.“

0022Die „Marienerscheinung“ wird befragt

Am späten Nachmittag habe er, schreibt Prof. Walz weiter, die „Seherkinder“ beauftragt, folgende Fragen an die Erscheinung zu richten: „Liebe Gottesmutter, hast Du die sich drehende Sonne und den wandelnden Stern uns als Zeichen Deiner wunderbaren Erscheinung gegeben?“  –  Dies sei durch die Madonna bestätigt worden, so der Autor, denn diese habe geantwortet: „Das habe ich gemacht, weil noch so viele Ungläubige dabei sind, dass sie es auch glauben.“
 
Tatsächlich schreibt der Verfasser, nach diesem Sonnenwunder seien „auch die Ungläubigen gläubig geworden“. (Er meint mit „Ungläubigen“ solche, die nicht an jene Erscheinungen glaubten, ihre Meinung aber nach diesem „himmlischen“ Sonnensturz änderten).
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Übrigens: Die Antwort des Erscheinungsphantoms („Das habe ich gemacht…“) ist auch rein theologisch gesehen schlichtweg falsch, da allein GOTT selbst ein Wunder wirken kann. Heilige können durch ihre Fürbitte nur indirekt dazu beitragen, sind aber selbstverständlich nicht allmächtig, was auch für die Madonna gilt, zumal sie ebenfalls ein GESCHÖPF ist (wenngleich das heiligste von allen).
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Abschließend heißt es in dem Bericht von Professor Walz:
„Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass ich über Fatima noch keine nähere Darstellung gelesen habe außer einem kurzen Bericht im Heinrichsblatt 1949, auch den Bernadette-Film nicht gesehen habe, als Dogmatiker mich mit Privatoffenbarungen nicht näher befasst (war nicht in Konnersreuth) und seit 1938 alttestamentliche Wissenschaften und Orientalia zu vertreten hatte.“
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Sein Protokoll jener wundersamen Ereignisse vom 8. Dezember 1949 wird inhaltlich von mehreren weiteren katholischen Geistlichen ausdrücklich bestätigt, darunter dem bereits erwähnten Pfarrer von Heroldsbach.

Welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus?

Man kann es sich angesichts dieser Sachlage wohl nicht allzu leicht machen, indem man das „Sonnenwunder“ von Heroldsbach von vornherein als erfundene Geschichte, menschliches Betrugsmanöver oder Massenhysterie abwertet.
Gleichwohl kommen rein natürliche Erklärungen grundsätzlich durchaus in Betracht.  So berichtet zB. der spanische Jesuitenpater Carlos M. Staehlin in seinem Buch „Apariciones“ (Erscheinungen) von einem vermeintlichen „Sonnentanz“, der allein durch seelische Suggestion hervorgerufen wurde:
Dabei erlebten „beinahe hundert Jungen und Männer, ohne daß dabei ein Mädchen oder eine Frau als Auslöserin des Phänomens mitgewirkt hätte“ mehr als drei Minuten lang ein „astronomisches Wunder“, denn sie schauten einen „Tanz der Sonne“, den sie danach jeweils „in vollständiger Übereinstimmung auch der Einzelheiten“ beschrieben hätten. „Alle, die diese Halluzination hatten…,gehörten jener Gegend an, in der es damals eine Reihe von Erscheinungen gab“, berichtet der Geistliche weiter. (Quelle: Pater Carlos Maria Staehlin S.J., APARICIONES. Madrid 1954, S. 90)
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Aber selbst dann, wenn sich ein derartiges Sonnenphänomen nicht ohne weiteres natürlich erklären läßt, muß es nicht von „oben“ bewirkt sein. Die kritischen Fragen, die sich dann stellen, sind eher theologischer Natur: DSC06228
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Macht der erhabene Gott wirklich mit derartigen Massenspektakeln auf sich aufmerksam?  Hat ER solche theatralischen Zeichen wirklich „nötig“?
Und worin soll der religiöse Sinn eines „Sonnentanzes“ bestehen? – Außerdem bedeutet z.B. ein Lichtphänomen nicht automatisch etwas Positives, schließlich warnt der Apostel Paulus davor, daß  Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheint (vgl. 2 Kor 11,14)
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Wir kennen den bekannten Spruch: „Wunder sind des Glaubens liebstes Kind.“  –  Man könnte hinzufügen: „Und Schauwunder sind des Aberglaubens liebstes Kind.“ – Demgegenüber sagte unser Erlöser: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ – Und Paulus erklärte: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen!“
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Hat nicht Christus bei der Versuchung in der Wüste ausdrücklich jenes Sensationswunder, das Satan von ihm forderte, strikt zurückgewiesen?(Jesus lehnte den Vorschlag ab, sich aufsehenerregend von der Zinne des Tempels zu stürzen.  –  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/09/mit-der-wahrheit-lugen-die-charismatische-versuchung-christi-in-der-wuste/)
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Sind solche mirakulösen Naturschauspiele wirklich geeignet, den Glauben sinnvoll zu vertiefen? Oder dienen sie nicht vielmehr einer  – wenngleich religiös verbrämten  –   „Sinnlichkeit“, Schaufreude und Sensationsgier?

Sind wir als Christen quasi „Sonnenanbeter“?

Reagierten damals nicht sogar viele Menschen   – wenngleich eher unfreiwillig  –  gleichsam wie heidnische „Sonnenanbeter“, als sie sich in ihrer Mischung aus Faszination und Erschrecken spontan auf die Knie warfen  – und dann dieses aufregende Lichtspektakel verehrten?
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Es liegt jedenfalls auf der Hand, daß ein solches „Schauwunder“ für sich genommen kein Beweis für die himmlische Herkunft eines Ereignisses ist, zumal da es mehrfach auch bei solchen Phänomenen auftritt, die von kirchlicher Seite abgelehnt werden, wie dies in puncto Heroldsbach eindeutig der Fall ist.
Zudem treten „Sonnenwunder“ erst ab dem 20. Jahrhundert auf  –  warum gab es vorher über 1900 Jahre lang keine derartigen Ereignisse in der Kirchengeschichte?!
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In der Heiligen Schrift heißt es zwar bei Lk 21,25 „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen“, doch dies gilt als negative Ankündigung, als drohendes Gerichtszeichen am Ende der Zeiten  –  und nicht etwa als eine glorreiche Bestätigung von Erscheinungen oder dergleichen.
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Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

FATIMA: Fragen zum „Gebet des Engels“

Dogmatik ist wichtiger als Privatoffenbarungen

Am 6. März dieses Jahres haben wir über einen visionären Sonder-Rosenkranz „zum einladenden Herzen“ berichtet, der eine theologisch eindeutig unzutreffende Formel enthält, denn dort ist die Rede davon, daß der Betende dem ewigen Vater die „Gottheit“ Christi aufopfert. 0013

Das allerdings ist nicht möglich, denn man kann Gott nicht die Gottheit aufopfern, weil diese unsterblich und zudem nicht leidensfähig ist.

Wir haben ausführlich  –  auch anhand päpstlicher Aussagen und dogmatischer Lehrbücher  –  dargelegt, daß diese Gebetsaussage logisch und theologisch unsinnig ist (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/korrektur-an-einem-sonder-rosenkranz-die-gottheit-christi-wurde-nicht-geopfert/).

In den Leserkommentaren wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß jene Formel von der Aufopferung der „Gottheit“ Christi auch im visionär entstandenen Rosenkranz der hl. Schwester Faustine vorkommt, außerdem im sog. „Engelsgebet“ von Fatima.

Wie wir bereits in unseren dortigen Antworten an jene Leser erläutert haben, hat die Dogmatik im Zweifelsfall den Vorrang vor Privatoffenbarungen, selbst wenn es sich um kirchlich „anerkannte“ Erscheinungen handelt.

„Es ist gestattet, daran zu glauben“

Das geläufige Wort „Anerkennung“ ist eine mißverständliche Übertragung des kirchenamtlichen Ausdrucks „Approbation“, der präziser  mit „Genehmigung“ oder mit „Billigung“ übersetzt würde.

Wenn die Kirche eine Erscheinung approbiert, bestätigt sie damit keineswegs mittels ihrer Lehrautorität eine himmlische Herkunft jener Privatoffenbarung. Vielmehr gestattet sie den Glauben an jene Erscheinung  – es geht also um eine Erlaubnis („Du darfst“), nicht um eine Verpflichtung („Du mußt“), nicht einmal um eine verbindliche Aufforderung („Du sollst“).  – Genaue Beweisführung dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/18/kirchliche-anerkennung-einer-erscheinung-bedeutet-es-ist-gestattet-daran-zu-glauben/ – Zudem: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/

Zurück zum „Engelsgebet“:

Die drei Engelserscheinungen von Fatima aus dem Jahre 1916 gehören schon rein formal nicht zum kirchlich gebilligten Bereich, da sich die bischöfliche Approbation von 1930 ausdrücklich allein auf die Marienerscheinungen vom Mai bis Oktober 1917 bezog (folglich nicht auf die ein Jahr vorher erfolgten Engelsvisionen).

Aufopferung der „Gottheit“ Christi?

In dem Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ wird auf S. 58 (sowohl übersetzt wie auch mit ihrer Originalhandschrift) jenes Gebet des Engels wiedergegeben, das die theologisch merkwürdige Formel von der Opferung bzw. Aufopferung der „Gottheit“ Christi enthält.

Hier der volle Wortlaut jener Anrufung:

„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
ich opfere Euch
auf den kostbaren Leib, das Blut,
die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus,
gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt,
zur Sühne für die Schmähunge, Sakrilegien
und Gleichgültigkeiten, durch welche Er selbst
beleidigt wird.

Durch die unendlichen Verdienste seines heiligsten Herzens
und die des Unbefleckten Herzens Mariens erflehe ich von Euch

die Bekehrung der armen Sünder.“

Zunächst erstaunt, daß sich die Aufopferung Christi auch an den „Sohn“ wendet (1. Zeile). Kann man denn den Sohn dem Sohne aufopfern? Wie die Kirche lehrt, opfert sich Christus dem himmlischen Vater auf (das gilt für Kreuzesopfer und sakramentales Meßopfer gleichermaßen). Sodann heißt es in der nächsten Zeile: „ich opfere Euch auf…“, womit erneut der irreführende Gedanke wiederholt wird, als ob der Sohn dem Sohne aufgeopfert werde.

Vor allem aber ist bei dieser Opferformel neben Leib und Blut auch die Seele und „Gottheit“ des Erlösers erwähnt. Daß dieses Gebet daher jenen Irrtum enthält, haben einige Theologen eingeräumt, die den Fatima-Ereignissen ansonsten durchaus zugeneigt sind.

So schreibt z.B. der theologisch konservative, lehramtstreue und angesehene Professor Konrad Algermissen in seinem 1949 erschienenen Werk „Fatima und seine Botschaft an die heutige Menschheit“ auf S. 20 hierzu:

„Ein Gebet, das einen dogmatischen Unsinn enthält, kann unmöglich eine Privatoffenbarung Gottes sein.“

„Glaubensunklarheiten und falsches Beten“

Er fügt hinzu: „Unverständlich ist, daß Fatima-Schriften dieses Gebet ohne jede Kritik als Engels-Botschaft nachdrucken und dadurch Anlaß für Glaubensunklarheiten und falsches Beten werden.“

Foto: Paul Badde

Foto: Paul Badde

Zu seiner Beschwerde über jene Fatima-Schriften sei angemerkt:

Inhaltlich hat Prof. Algermissen freilich recht, allerdings geht diese Anrufung auf Aussagen der Seherin Lucia selbst zurück. Als sie auf den Irrtum in jenem „Engels-Gebet“ angesprochen wurde, soll sie ziemlich flapsig geäußert haben, dieser Engel habe ja „vielleicht keine Theologie studiert“.

Das berichtet Prof. Gonzaga da Fonseca in seinem Pro-Fatima-Klassiker „Maria spricht zur Welt“ auf S. 132. Er bestätigt außerdem, daß Lucia noch im Jahre 1946 (also genau 30 Jahre später) gegenüber Pater Jongen ausdrücklich auf jener Formulierung (Aufopferung der „Gottheit“) bestand; dieser Ausdruck sei keineswegs versehentlich in ihren Text gerutscht, sondern wörtlich vom Engel so gesagt worden.

Der Jesuitenpater und Bibelwissenschaftler Dr. da Fonseca hatte zuvor noch mit dem Gedanken gespielt, das Wort „Gottheit“ sei von den Seherkindern selber eingefügt worden, weil ihnen der Ausdruck „Gottheit und Menschheit“ von eucharistischen Gebeten oder Liedern her geläufig war.

Der kath. Bibelübersetzer Dr. Otto Karrer schrieb in seiner Abhandlung „Privatoffenbarungen und Fatima“ (erschienen in „Geist und Leben“ 1947) auf S. 494: Der vom Engel vorgebetete Text enthalte „das theologisch immerhin Seltsame einer „Aufopferung“ auch der Gottheit Christi.

Auch der bekannte Theologe Prof. Karl Rahner SJ schrieb, jene Aufopferungsformel sei „theologisch unmöglich“  – nachzulesen in seinem Buch „Visionen und Prophezeiungen“ von 1958, das Privatoffenbarungen insgesamt recht wohlwollend darstellt.

Auch sein Ordensbruder, der Jesuitenpater Bernward Brenninkmeyer SJ erklärte 1948 in der „Schweizer Rundschau“:

„Einen weiteren Grund, der hier zur Vorsicht mahnt, bietet die Aufopferungsformel, die der Engel die Kinder gelehrt hat und die theologisch nicht ganz einwandfrei ist. Sie enthält nämlich die Aufopferung des Leibes und Blutes, der Seele und der  G o t t h e i t  unseres Herrn Jesus Christus. Die Gottheit Christi aber kann niemals Gegenstand einer menschlichen Aufopferung sein.“fatima-ruft-2-2016

Zur Klarstellung: In jenem Satz („Ich opfere Euch auf…die Gottheit Christi“) geht es ersichtlich um eine Aufopferung der Gottheit Christi   –  und nicht etwa um die eucharistische Realpräsenz, wonach unser HERR selbstverständlich im Altarsakrament mit Leib und Blut, mit Menschsein und Gottheit gegenwärtig ist; es geht in jenem Satz auch nicht um den Opfercharakter der heiligen Messe, der ein Wesenselement der Eucharistie ist.

Überdies ist die Formulierung „in allen Tabernakeln der Erde“ unpräzise; denn Jesus ist realpräsent in jeder heiligen Hostie (wobei sich nicht jede Hostie in einem Tabernakel befindet  –  und auch nicht unbedingt alle Tabernakel der Welt eine hl. Hostie enthalten).

Zudem ist es auch theologisch völlig unzutreffend, von den „unendlichen“ Verdiensten des Unbefleckten Herzen Mariens zu reden, wie dies in jener Engels-Anrufung der Fall ist. Christus allein konnte wegen seines göttlichen Wesens „unendliche“ Verdienste für unser Heil erwerben; für Geschöpfe ist das unmöglich, folglich auch für Maria.

Da es immer wieder heißt, man solle solch ein Gebet auch in seinem Zusammenhang darstellen, wollen wir diesen Kontext aus dem Jahre 1916 (diese Engels-Vision fand ein Jahr vor der ersten Marienerscheinung vom 13.5.1917 statt) hiermit erläutern:

Kommunion-Empfang durch einen Engel?

Wie die Hauptseherin von Fatima, Sr. Lucia, später erklärte, sei ihr und ihren beiden Verwandten, nämlich den Kindern Francesco und Jacinta, ein Engel erschienen und habe ihnen die heilige Eucharistie gereicht.

Nach jenem umstrittenen Gebet geschah – laut dem Bericht der Hauptseherin Lucia  –  folgendes Ereignis (vgl. S. 58):

„Danach erhebt der Engel sich, ergreift den Kelch und die Hostie, reicht mir die hl. Hosie und teilt das Blut im Kelch zwischen Jacinta und Francisco, wobei er spricht: „Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnet ihre Sünden und tröstet Euren Gott.“  –  Er kniete sich von neuem auf die Erde, wiederholte mit uns noch dreimal das gleiche Gebet: „Heiligste Dreifaltigkeit…“ und verschwand.“

Hier stellen sich zusätzlich zur irreführenden Aufopferungs-Formel weitere Fragen, nämlich aus meiner Sicht folgende: 

1. Christus  ist  u n s e r  Trost, der Heilige Geist ist unser Tröster und Beistand. Warum spricht der Engel zu den kleinen Kindern: Tröstet euren Gott?  –  Benötigt der Ewige, der allmächtige und dreieinige Gott, den „Trost“ von zwei kleinen Mädchen und einem Knaben?

Sodann: Warum werden die Kinder kurz vor jener „Kommunion“ dazu aufgefordert, die Sünden der „undankbaren Menschen“ zu „sühnen„?   – Gerade die heiligste Eucharistie erinnert uns doch daran, daß CHRISTUS selber durch seinen Opfertod die Sühne für unsere Sünden ist. Dieses Heilswerk des HERRN kann wohl kaum an drei Seherkinder „delegiert“ werden?

2. Welchen Sinn hat überhaupt jene „Engels-Kommunion“ an die kleinen Hirten? –  Immerhin war es bei Jacinta (6 Jahre alt) und Francesco (8 Jahre alt) eine Art „Erstkommunion“. Lediglich Lucia hatte mit ihren 9 Jahren bereits in ihrer Pfarrkirche die Erstkommunionfeier erlebt. Warum sollte der Himmel die kirchliche Erstkommunion gleichsam „vorwegnehmen“?5d56a7150a

3. Damals war die Erstbeichte vor der Erstkommunion noch eine Selbstverständlichkeit. Diese hatte aber bei Lucias beiden kleinen Verwandten bislang nicht stattgefunden. Welchen Sinn sollte es wohl haben, den beiden Kindern ohne Erstbeichte schon die hl. Eucharistie zu reichen?

4. Engel sind weder Kommunionspender noch Priester. In jener Zeit durften allein die Geistlichen den Leib des HERRN an die Gläubigen austeilen. Der Himmelsbote konnte zudem sicherlich keine heilige Wandlung vollziehen. Woher hat er also die eucharistischen Gestalten (Hostie und Kelch) „geholt“? Etwa von einem Priester aus dessen Meßfeier „einfach so“ weggenommen? 

5. Warum hat der Engel den beiden Kindern Francesco und Jacinta, die noch keine Erstbeichte kannten, vor jener „Kommunion“ nicht wenigstens ein Reuegebet als Ersatz gelehrt? 

Stattdessen sprach der  – wie er sich nannte  –  „Engel des Friedens“ bei seiner vorigen Erscheinung folgende Gebetsformel, die auch zu den bekannten Fatima-Anrufungen gehört:

„Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.

Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.“

Warum werden die Seher nicht angeleitet, Gott zunächst für ihre eigenen Sünden und Nachlässigkeiten um Vergebung zu bitten?  – Stattdessen wird der kritische Blick auf andere, nämlich auf „jene“ gelenkt, die „nicht glauben“ usw…

In der Broschüre „Fatima, die Botschaft des Jahrhunderts“ (herausgegeben vom Fatima-Weltapostolat in Deutschland) heißt es auf Seite 4, jene Engelserscheinung habe die Seher aufgefordert: „Betet so!“ 

Danach schildert die Publikation folgendes: „Hingerissen wiederholten die Kinder dreimal, was sie den Engel sagen hörten. Dann entschwand der Engel. Dieses unvergessliche Gebet des Engels beteten sie oft bis zur Erschöpfung.“

6. Weshalb erhielten die sechs- und acht-jährigen Kinder (Jacinta, Francesco) nicht allein die hl. Hostie, sondern auch den Kelch des HERRN? –  Damals war Kelchkommunion für Laien nicht einmal Ausnahmefällen angesagt, schon gar nicht ausgeteilt an kleine Kinder. Warum sollte ein Bote Gottes völlig anders handeln, als es die kirchliche Praxis vorsieht, die sich zudem auch heute bei der Erstkommunionfeier auf das Austeilen der hl. Hostie beschränkt.

7. Wirkt jene „Eucharistie-Szene“ von Fatima nicht eher pseudomystisch?  – Wird hier nicht das Altarsakrament zu einem fast magischen Vorgang degradiert? Warum werden zwei kleine Kinder von einem Engel völlig unvorbereitet mit einer „Erstkommunion“ überrascht? Bedurften sie etwa keiner Hinführung, keiner Katechese (Glaubensunterweisung)?  –  Jene Engelserscheinung hat sie ihnen jedenfalls nicht erteilt.

Abgesehen davon wußte der kleine Francesco ohnehin nicht recht, wie ihm geschah – und es mußte ihm später von Jacinta erst erklärt werden, daß er eine Engelskommunion empfangen habe (nachzulesen in „Sr. Lucia spricht über Fatima“, S. 117).

Islamische Gebetshaltung des Engels

8. Zudem heißt es in der bereits erwähnten Fatima-Broschüre (S. 4) über die 1. Erscheinung eines Engels auf dem „Loca de Cabeco“ im Frühjahr 1916: foto-dcubillas-www_freimages_com_

„Die Kinder erblickten in einiger Entferung über den Bäumen ein Licht in der Gestalt eines Jünglings (…). Niederkniend, die Stirn bis zur Erde gebeugt, sprach er dreimal: „Mein Gott, ich glaube an Dich…“

Warum sollte ein Engel Gottes diese typisch islamische Gebetshaltung einnehmen?  – Niederknien mit der Stirn bis zum Boden ist im Judentum und Christentum nicht geläufig, weder in der hl. Messe noch in der religiösen Kunst, etwa bei Darstellungen von der Anbetung Gottes durch die Engel, Bildern vom himmlischen Jerusalem (siehe Foto ganz oben) etc.

Es gibt zwar die sog. Prostration (vollständiges Niederlegen) im Rahmen einer Priesterweihe, doch auch dies unterscheidet sich deutlich vom islamischen Unterwerfungs-Ritus (Knien, Gesäß nach oben, Stirn nach unten).

Vereinzelt wird zwar im Alten Testament erwähnt, daß sich ein Patriarch oder Prophet vor Gott mit dem Angesicht zur Erde neigte bzw. bis zur Erde beugte.

Freilich wird der Prophet Ezechiel in Ez 1,28b.2.1-5 von Gott selber aufgefordert, sich auf seine Füße zu stellen, denn ER, der HERR, wolle mit ihm, dem „Menschensohn“, reden; dabei solle sich der Prophet in eine aufrechte Haltung begeben, was  – rein menschlich gesehen  –  auch das Zuhören, das Hören auf den Höchsten erleichtert. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/05/gott-sprach-zum-propheten-ezechiel-stell-dich-auf-die-fuse-menschensohn/)

Die Gebetshaltung des Engels entspricht einer gängigen islamischen Gebetspraxis. (Daran ändert sich nichts, wenn diese Geste bisweilen auch in anderen orientalischen Kulturkreisen vorkommt.) Im Judentum und Christentum ist sie jedenfalls nicht üblich. Welchen Sinn soll dies also letztlich ergeben?

Bereits der Erscheinungsort (Cova da Iria bei Fatima) erinnert an den Islam:

Fatima ist ein arabisches Wort; zugleich ist Fatima die von Muslimen sehr geschätzte und im Koran erwähnte Lieblingstochter Mohammeds. Nach dem Tod Fatimas schrieb Mohammed: „Du sollst die gesegnete aller Frauen im Paradiese sein  –  nach Maria.“ 

Die „Fatima-Hand“ ist geradezu ein Amulett (Zaubermittel, magisches Maskottchen) in islamischen und esoterischen Kreisen, zB. hier: http://www.engelsrufer.de/Rufe-Deine-Engel/Bedeutungen/Bedeutung-Hand-Fatimas

Im streng-islamischen Iran wird der Muttertag nicht wie sonst am 2. Sonntag im Mai gefeiert, sondern am Geburtstag von Fatima nach dem islamischen Mondkalender (meist Ende Februar).

Der bekannte US-amerikanische Bischof Fulton J. Sheen veröffentlichte 1952 das Buch „Mary and the Moslems“ (Maria und die Moslems). Er meint, die himmlische Madonna sei aus besonderer „Weitsicht“ heraus  bewußt in dem „portugiesischen Dörfchen namens Fatima erschienen (das nach der Tochter Mohammeds während der muslimischen Besatzung benannt wurde) und so als Unsere Liebe Frau von Fatima bekannt“ geworden.  

Der Autor fügt hinzu: „Wenn in Afrika, Indien oder sonstwo eine Statue ´Unserer Lieben Frau von Fatima` durch muslimische Gebiete getragen wird, strömen die Muslime tatsächlich zu Hunderten herbei, um sie zu verehren.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet ehrenamtlich des Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.