Die glaubensfrohe Advents-Liturgie der Kirche in der letzten Woche vor Weihnachten

Von Pfarrer Felix Evers

Die letzte Woche vor Weihnachten (17.-23. Dezember) kennt keine Heiligenfeste, sondern ist in der Liturgie der Kirche in besonderer Weise ausgestaltet, sei es durch die Lesungen der Heiligen Messe, sei es durch drei ausgesuchte Antiphonen zu den Psalmen im Stundengebet, die für Laudes und Vesper gleich sind. 

Vor allem sind hier aber die seit Amalar von Metz (775 – 850 n. Chr.) bezeugten altehrwürdigen O-Antiphonen zu nennen, die als Kehrvers zum Magnificat in der Vesper gebetet werden – und in der Kurzfassung auch als Halleluja-Vers in der Heiligen Messe des jeweiligen Tages.

Die Großen Antiphonen enthalten das ganze Mark der Adventsliturgie; Kardinal Newman nannte sie die „Herolde von Weihnachten“.

Die noch heute von uns gesungenen sieben O-Antiphonen weisen einen Acrostichus auf: Die Anfangsbuchstaben der Antiphonen ergeben, von der letzten zur ersten gelesen, als Antwort auf die letzte lateinische Antiphon: „Ero cras!“ („Ich werde morgen da sein!“).

Ich öffne also die Adventstürchen der letzten Werkwoche vor Weihnachten und bete die Fleh- und Sehnsuchtsrufe in der Vorfreude auf die Ankunft meines und unseres Erlösers.

17.12.       O WEISHEIT   (O  Sapientia…)

hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –
die Welt umspannst du von einem Ende zum anderen,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.

18.12.        O ADONAI  (O Adonai…)

Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
O komm und befreie uns mit deinem starken Arm.

19.12.          O SPROSS AUS ISAIS WURZEL  (O Radix…)

gesetzt zum Zeichen der Völker   –
 vor dir verstummen die Herrscher der Erde,
dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns,

erhebe dich, säume nicht länger.

20.12.       O SCHLÜSSEL DAVIDS   (O Clavis…)

Zepter des Hauses Israel –
du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt,
und keine Macht vermag zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis
und die Fessel des Todes.

21.12.       O MORGENSTERN  (O Oriens…)

Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte,
die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

22.12.       O KÖNIG ALLER VÖLKER  (O Rex…)

ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
O komm und errette den Menschen,
den du aus Erde gebildet
.

23.12.       O IMMANUEL  (O Emmanuel…)

Unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und Gott.

Die Anfangsbuchstaben der lateinischen Begriffe ergeben, von hinten nach vorne gelesen, den Satz „Ero cras“ – d. h.: „ Ich werde morgen da sein.“

Am 24. Dezember schließlich greife ich im Alten Testament zum Propheten Zefanija. Genau diese Lesung kommt in den katholischen Gottesdiensten immer am 21. Dezember vor, um die Vorfreude auf Weihnachten auszudrücken:

„Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der HERR hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet. Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst.

Zur selben Zeit wird man sprechen zu Jerusalem: Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und jauchzend einen Freudentanz aufführen, weil es dich gibt.“

Ein Gott, der mir vergibt und vor Freude tanzt! Das ist Weihnachten! Oder wie es Paul Gerhardt in seinem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ auf den Punkt bringt – mein Primizspruch übrigens: „Du kommst und machst mich groß.“