„Unfehlbarkeit“ von Heiligsprechungen?

Von Felizitas Küble

In katholischen Gesprächszirkeln und Blogs wird immer wieder über die Frage diskutiert, ob Heiligsprechungen unter die päpstliche Unfehlbarkeit fallen.

Zunächst vorweg zur Klarstellung: Es steht fest, daß Seligsprechungen nicht unfehlbar sind. Die Kirche hat hier sogar bisweilen die Notbremse gezogen, z.B. im Fall des „seligen“ Knaben Anderl (Andreas) von Rinn, dessen Kult sie ausdrücklich zurückgenommen hat.

Es soll sich, so glaubte man einst, bei dem ermordeten Kind um ein Opfer jüdischen Ritualmords gehandelt haben. Nachdem die unhistorische Herkunft dieser Legende erwiesen war, untersagte die Kirche eine weitere Verehrung des Anderl.

Zudem müssen Seligsprechungen nicht vom Papst selbst verkündet werden – das kann grundsätzlich auch ein Kardinal oder kirchlicher Gesandter übernehmen, was  mehrfach vorgekommen ist, insbesondere unter dem Pontifikat Benedikts. 

Nun stehen Heiligsprechungen zweifellos eine Stufe höher als Seligsprechungen: Während es bei Seligsprechungen nur um einen regionalen oder um einen auf einen bestimmten Orden beschränkten Kult geht, ist dieser bei Heiligsprechungen universal, also für die weltweite Kirche gültig.

Damit eine bestimmte päpstliche Entscheidung jedoch „unfehlbar“ ist, muß es klare Bestimmungen geben; dafür genügend keine spekulativen „Ermessensgründe“ oder fromme Anmutungen, auch nicht die „Mehrheitsmeinung“ der früheren oder heutigen Theologen etc.

Tatsache ist jedenfalls, daß es

  1. kein Dogma gibt, wonach Heiligsprechungen unfehlbar seien
  2. in zweitausend Jahren keine einzige entsprechende Konzilsäußerung vorliegt
  3. Die päpstliche Kanonisations-Formel den entscheidenden Begriff „unfehlbar“ nicht enthält

Es existiert zudem keine päpstliche Enzyklika, die sich diesem Thema widmet oder sich auch nur beiläufig damit befaßt (und selbst wenn es so wäre: solche Hirtenschreiben fallen wiederum auch nicht unter die päpstliche Unfehlbarkeit).

Abgesehen davon geht es bei einer Heiligsprechung nicht um eine Entscheidung über eine Glaubens- oder Sittenfrage. Zudem sind unfehlbare Glaubenssätze (= Dogmen) für Katholiken verpflichtend; die Heiligenverehrung aber nicht, sie wird lediglich empfohlen.

Überdies beruhen Dogmen auf der göttlichen Offenbarung (Bibel und apostolische Überlieferung), nicht jedoch die einzelnen Kanonisationen. Es geht hier auch nicht um jenes „hinterlegte Glaubensgut“ (depositum fidei), das „immer und überall“ in der Kirche vorhanden war.

Jene, die behaupten, Heiligsprechungen seien unfehlbar, müssen erst einmal den Beweis hierfür erbringen – und nicht umgekehrt.

Dazu kommt, daß es mehrfach eine „Reform“ des Heiligenkalenders gab.

Das bedeutet vor allem, daß bestimmte Heilige, die man zuvor als solche verehrte, aus dem Martyrologium „gelöscht“ wurden, wenn z.B. erhebliche Zweifel an ihrer historischen Existenz aufkamen, es zu viel legendäres Rankenwerk um ihr Leben gab oder inhaltliche Bedenken auftraten. Weil sich Kirchenkritiker auf Clemens v. Alexandrien beriefen, wurde er im Jahr 1584 aus dem Heiligenkalender gestrichen.

BILD: Der hl. Christopherus gilt als Patron der Autofahrer (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Manchmal kam es auch zu Kompromissen, etwa beim hl. Christopherus, der 1962 vom Vatikan aus der Heiligenliste gestrichen wurde, aber im deutschen Diözesankalender verbleiben durfte. 2004 wurde er wieder  n e u  ins römische Martyrologium aufgenommen.

Sehr bekannt und beliebt war die 1837 päpstlich in den Heiligenkalender aufgenommene Philomena; 1841 ehrte Gregor XVI. sie zudem mit einem Fest am 11. August. In einem alten Buch wurde sie im Titel gar als „Die Wundertäterin des 19. Jahrhunderts“ gewürdigt; sie war die Lieblingsheilige des Pfarrers von Ars. –  Dennoch wurde sie 1961 aus dem Verzeichnis der Heiligen entfernt. Manche Anhänger akzeptieren das nicht und verehren sie fleißig weiter; es gibt sogar eine eigene „Philomena“-Fanzeitschrift usw. (Diskussionen darüber u.a. hier: https://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=1&t=3404)

Sodann existierte z.B. jahrhundertelang ein kirchlicher Kult um den „heiligen“ Simon von Trient, auch angeblich ein Opfer jüdischer Ritualmörder. Sein Gedenktag war der 24. März, sein Name stand im Martyrologium, wie man diesem Auszug aus einem älteren Buch entnehmen kann: http://www.heiligenlegenden.de/monate/maerz/24/simon/home.html

1965 hat die Kirche jedoch die Verehrung eingestellt und erklärt, der „Ritualmord“ zu Trient habe nie stattgefunden.

Dies hatte allerdings Papst Sixtus IV. schon vierhundert Jahre früher erkannt und die Simon-Verehrung sogar mit Exkommunikation bedroht. Doch er konne die damalige judenfeindliche Stimmung nicht wirksam eindämmen. Sein Nachfolger Sixtus V. zeigte sich gegenüber dem verhängnisvollen Volks(aber)glauben nachgiebiger und akzeptierte den Simon-Kult im Jahre 1588. Die Kirche hat hier zweimal ihren Standpunkt geändert: Erst von Contra auf Pro, dann von Pro auf Contra.

Ähnlich lief es beim „heiligen“ Werner von Bacharach; hier wurde der entsprechende Eintrag ins Heiligenverzeichnis 1963 „gelöscht“: https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_von_Oberwesel

Nun wird manchmal der Einwand erwähnt, Heiligsprechungen müßten schon aus Gründen der „Angemessenheit“ unfehlbar sein, weil Katholiken, die sich um Fürbitte an einen Heiligen wenden, hierüber eine absolut sichere Klarheit benötigen würden.

Dasselbe Argument könnte man aber mit gleicher Logik auch hinsichtlich der Seligsprechungen anbringen, schließlich dürfen Gläubige auch einen Seligen um Fürsprache bitten. Nun steht fest, daß Seligsprechungen nicht unfehlbar sind; dieses Thema ist unter Theologen nicht einmal strittig, sondern eindeutig geregelt.

Übrigens gab es beim Zeremoniell der Heiligsprechung jahrhundertelang bis zur Frühzeit der Reformation das sog. „Gebet gegen den Irrtum“ mit der Bitte, Gott möge die Kirche bei diesem Akt vor einem Fehler bewahren. Daraus hat schon Luther geschlußfolgert, also sei sich der Papst seiner Sache wohl nicht ganz sicher. Näheres über dieses „Gebet gegen den Irrtum“ in dem Fachbuch „Papsturkunden und Heiligsprechung“: https://books.google.de/books?isbn=3412258059

Sodann wird gesagt, eine Kanonisation gelte für die gesamte Weltkirche, daher müsse sie infallibel (unfehlbar) sein. Dies allein ist aber kein zwingendes Argument, denn das vom Papst als oberster Gesetzgeber bestimmte Kirchenrecht (der CIC) beansprucht ebenfalls universale Geltung, obwohl es nicht göttlichen, sondern menschlichen bzw. kirchlichen Rechts ist  –  was allseits unbestritten ist.

Gleichwohl geht die Kirche grundsätzlich bei Seligsprechungen und erst recht bei Heiligsprechungen zweifellos sorgfältig vor. Bevor eine Erhebung zur „Ehre der Altäre“ stattfindet, ist in der Regel ein langwieriger kirchenrechtlicher „Prozeß“ vorausgegangen, ein Informationsverfahren erst auf diözesaner Ebene, danach im Vatikan. Dabei ist die Kirche freilich auf die Wahrheitsliebe und Glaubwürdigkeit der Zeugen angewiesen, die sie nicht absolut sicher gewährleisten kann. Sodann sind Gebetserhörungen bzw. ein erwiesenes Wunder auf die Fürsprache des Verehrten erforderlich.

Von daher gibt es gewiß eine gründliche und fundierte Basis für solche Kanonisationen – allerdings beinhaltet seriöse Verläßlichkeit noch keine Unfehlbarkeit.

So sieht das offenbar auch Kurien-Bischof Giuseppe Sciacca, von Amts wegen Sekretär der Apostolischen Signatur im Vatikan: https://www.lastampa.it/2014/07/10/vaticaninsider/are-canonizations-infallible-r2aK5PypZe95tWoFf53v8K/pagina.html

Ebenso der am 27.10.2018 verstorbene Theologe Monsignoe Brunero Gherardini. Der ehem. Dekan der Theologischen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität veröffentlichte seine Einwände zur „Unfehlbarkeit“ von Heiligsprechungen unter dem Titel „Canonizzazione ed infallibilita“ in der Zeitschrift der Päpstlichen Akademie für Theologie im Jahr 2003.

HIER haben wir erläutert, warum die Verehrung und Anrufung der Heiligen auch biblisch begründet ist: https://charismatismus.wordpress.com/2011/08/06/die-fursprache-der-gerechten/

Bedenken zur Heiligspechung von Papst Paul VI. durch die Priesterbruderschaft St. Pius X: https://fsspx.de/de/news-events/news/kommuniqu%C3%A9-des-generalhauses-zur-heiligsprechung-papst-pauls-vi-41189

 


Prof. Dr. Helmut Moll informierte über die Seligsprechung in der katholischen Kirche

Von Felizitas Küble

Pfarrer Ewald Spieker begrüßte den Kölner Prälaten Prof. Dr. Helmut Moll am Sonntag, dem 26. März 2017, im Gemeindesaal von St. Clemens in Münster-Hiltrup. Der pensionierte Pfarrer ist Herausgeber des Sammelbandes „Kaplan Bernhard Poether (1906 bis 1942). KZ-Priester des Bistums Münster“. 

Allein im KZ Dachau waren mehr als 3000 katholische Priester inhaftiert, weit über tausend von ihnen wurden ermordet oder starben an den Folgen der Schikanen und Entbehrungen.

Auf der Veranstaltungen wurden Unterschriften für eine Seligsprechung von Kaplan Bernhard Poether gesammelt, der in Hiltrup zur Schule ging und in Münster zum Priester geweiht wurde. Dieser Geistliche, der sich seelsorglich besonders um die in der Nazi-Zeit unterdrückten Polen in Deutschland kümmerte, bezahlte seinen heroischen Einsatz am 5. August 1942 im KZ mit dem Leben.

Prof. Moll (siehe Foto) hielt einen Vortrag über das grundsätzliche Thema: „Die Bedeutung einer Seligsprechung und ihre Durchführung auf der diözesanen Ebene“.

Der Prälat ist ein ausgewiesener Experte hierzu: Er war über zehn Jahre theologischer Konsultor an der römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren. Im Auftrag der Dt. Bischofskonferenz brachte er das „Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ heraus, das 2015 bereits in sechster Auflage erschien.

Unter den Zuhörern der Veranstaltung befand sich auch Monika Kaiser-Haas mit ihrem Mann; sie ist die Nichte des ebenfalls im KZ Dachau verstorbenen Priesters Karl Leisner und stellv. Leiterin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Unser zweites FOTO zeigt das Ehepaar aus Münster-Hiltrup im Gespräch mit Prälat Moll nach dieser Tagung.

Zu Beginn seines Vortrags erwähnte Professor Moll, daß Papst Johannes Paul II. im Jahre 1983 den „advocatus diaboli“ bei den Selig- und Heiligsprechungs-Verfahren abgeschafft hat. Dieser  –  wörtlich übersetzt  –  „Anwalt des Teufels“ war damit beauftragt, alles Mögliche an skeptischen Infos, Einwänden und bedenklichen Tatsachen über den zur Debatte stehenden Selig-/Heiligsprechungs-Kandidaten zusammenzuschen, was er auftreiben konnte. 

War es also vorher eher ein kirchenjuristisches Pro-und-Contra-Verfahren, so liegt seit 1983 der Schwerpunkt eher auf einer historischen Vorgangsweise. Neben Geschichtswissenschaftlern werden auch theologische und medizinische Fachgutachten von sog. Konsultoren eingeholt, um ein umfassendes und durchaus ggf. auch kritisches Bild über die betreffende Persönlichkeit zu gewinnen. 

Die Untersuchung konzentriert sich  – so Prof. Moll –  vor allem auf die letzten zehn Lebensjahre des Kandidaten, der einen heroischen (heldenhaften) Tugendgrad aufweisen sollte, zumal bei den drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe), aber auch den vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit.  – Dieser außergewöhnliche Tugendgrad bedeutet aber nicht eine Art moralische Vollkommenheit, die ohnehin GOTT selbst vorbehalten bleibt.

Der Referent bedauerte, daß bislang nur zwölf Persönlichkeiten aus Südamerika zur „Ehre der Altäre“ erhoben wurden. Etwas ironisch fügte er an, Europa sei zwar voller Heiliger, zugleich aber auch voll von „leeren Kirchen“.

Manche Persönlichkeiten wie der Schweizer Einsiedler Klaus von Flüe oder Albertus Magnus haben sehr lange auf ihre Heiligsprechung „gewartet“, der letztgenannte gar ca. 500 Jahre. Manche Selig- bzw. Heiligsprechungen seien in der Öffentlichkeit umstritten, sagte Prälat Moll, etwa jene des letzten österreichischen Kaisers Karl I., von Papst Pius IX. oder dem Opus-Dei-Gründer Escriva de Balaguer.

Der Redner plädierte für einen größeren Anteil von Laien, zumal von Ehepaaren. Er berichtete, daß vor allem Papst Johannes Paul II. besonders viele heiliggesprochene Eheleute wünschte. In diesem Sinne hat Prälat Moll ein neues Buch mit dem Titel „Selige und heilige Ehepaare“ veröffentlicht.

Reguläre Seligsprechungsverfahren gibt es erst in der Neuzeit seit Papst Urban VIII.; im Altertum und Mittelalter habe man allein die Heiligsprechung gekannt; in der christlichen Antike geschah dies dadurch, daß der Bischof die Gebeine bzw. Reliquien vorbildlicher Christen oder Märtyrer in die Bischofskirche übernahm und so gleichsam „zur Ehre der Altäre erhob“. Die orthodoxe Kirche kennt bis heute keine Seligsprechungen, verehrt aber sehr wohl auch ihre Heiligen (manche von ihnen, wie z.B. den hl. Nikolaus, gemeinsam mit der kath. Kirche).  index

BILD: Titel des Deutschen Martyrologiums des 20. Jahrhunderts (Blutzeugen der Kirche unter dem Kommunismus, Nationalsozialismus, Missionsgebiete, Märtyrer der Reinheit).

Damit ein Seligsprechungsverfahren erfolgreich läuft, müssen von neun Gutachten der hinzugezogenen Konsultoren sieben positiv beschieden sein, also für eine Beatification (Seligsprechung) plädieren. Die sog. Relatoren üben ergänzend noch eine beratende Funktion aus. Der Postulator leitet im Auftrag des Bischofs das Verfahren. Dies zeigt, daß ein solcher „Prozeß“ von seiner Struktur her sehr gründlich durchgeführt werden soll.

Voraussetzung für eine Verfahrenseröffnung ist die auf diözesaner bzw. bischöflicher Ebene erfolgte Erklärung, daß der Betreffende ein „Diener Gottes“ ist, was eine private Verehrung durch die Gläubigen ermöglicht. Etwa ein Drittel der Verfahren scheitern oder „bleiben hängen“ (kommen nicht weiter), führen also nicht zur Seligsprechung.

Eine amtskirchliche bzw. liturgische Verehrung in der ganzen Kirche beginnt erst nach einer Heiligsprechung  –  nach einer Seligsprechung nur räumlich begrenzt (in einem bestimmtem Bistum oder einer Ordensgemeinschaft). Bei einigen Seligsprechungen hat die Kirche den liturgisch-öffentlichen Kult zurückgedrängt, etwa beim „Anderl von Rinn“. Bei den Abbildungen erhalten allein die Heiligen einen Nimbus, die Seligen „nur“ eine Gloriole.

Für eine Seligsprechung ist zusätzlich zum positiven Abschluß des Verfahrens normalerweise ein Wunder nötig, für eine Heiligsprechung ein weiteres Wunder; diese müssen im Falle von Heilungen jeweils von medizinischen Gutachten bestätigt sein. (Eine solche Wunderheilung muß schnell geschehen, vollständig und dauerhaft sein.) Bei Märtyern ist ein postmortales (nach dem Tod erfolgendes) Wunder  für die Seligsprechung nicht erforderlich, weil das Blutzeugnis selber bereits als Wunder gilt, das durch Gottes Gnade ermöglicht wird. Die Heiligsprechung eines Märtyrers bedarf aber eines Wunders.

Abschließend erwähnte Prof. Moll, daß Papst Franziskus, der dem Jesuitenorden angehört, den relativ unbekannten, seliggesprochenen Jesuitenpater Peter Faber, der ein Gefährte des Ordensgründers Ignatius von Loyola war, erstaunlicherweise einfach per Dekret zum Heiligen erklärt habe  –  also ohne das übliche kirchliche Prozedere und ohne das sonst nach der Seligsprechung zusätzlich erforderliche Wunder.

Der Redner erläuterte abschließend die Bedeutung der Heiligen als „Leuchttürme des Glaubens“, als Zeugen für Christus und als Fürsprecher für uns.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Allerheiligen und Allerseelen: CHRISTUS ist die Brücke zwischen Lebenden und Toten

An ALLERHEILIGEN (1. November) gedenkt die katholische Kirche der verstorbenen Gläubigen. Ursprünglich war dieser Tag ein österliches Fest, an dem die Kirche an die unbekannten Heiligen erinnerte.

Der neue Festtermin 1. November entstand in Irland im 8./9. Jahrhundert. Durch irisch-schottische Ordensleute gelangte das Allerheiligkeitsfest im 9. Jahrhundert auf den Kontinent. Als Initiator gilt der Theologe und Mönch Alkuin.  media-374158-2

Allerheiligen ist nicht allein das Fest der offiziell Heiliggesprochenen, denn an diesem Tag bekennt die Kirche, dass es eine große Schar von Heiligen aus allen Zeiten und Völkern gebe. Die katholische Christenheit glaubt, dass viele Verstorbene wie Heilige verehrt werden können. Von diesen Menschen wird angenommen, dass sie die höchste Vollendung ihres Lebens in Gemeinschaft mit Gott erreicht haben.

Die erste förmliche Heiligsprechung (Kanonisation) durch den Papst erfolgte für den hl. Ulrich von Augsburg (923 – 973) im Jahre 993.

ALLERSEELEN (2. November) ist der eigentliche Totengedenktag. Viele besuchen ihre verstorbenen Angehörigen und Freunde auf dem Friedhof. In den meisten Pfarreien werden die Gräber gesegnet.

Die Kirche feiert diese beide Festtage in der Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen besteht. Der Allerseelentag etablierte sich seit dem Hochmittelalter, befördert durch das burgundische Benediktinerkloster Cluny.

An diesem Tag wird jener Verstorbenen gedacht, die sich noch in einem jenseitigen Läuterungszustand (dem sog. „Fegefeuer“) befinden und die volle Gemeinschaft mit Gott noch nicht erreicht haben, wenngleich ihnen das Heil gewiß ist. Für diese Menschen wird gebetet, um ihnen auf ihrem Weg in den Himmel zu helfen.

Allerheiligen ist in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag.

Quelle: http://www.bistum-fulda.de/bistum_fulda/presse_medien/liste_pressemeldungen/2016/2016_04/bpd_2016_10/bpf_20161025_01_Stichwort_Allerheiligen_und_Allerseelen.php


Berlin: Buchvorstellung der „Rebellen Gottes“ am 18. September 2015

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Am Freitag, dem 18.9.2015, wird Albert Christian Sellner im „Institut Philipp Neri“ sein Buch „Rebellen Gottes – Geschichten der Heiligen für alle Tage“ vorstellen.
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Ein Buch, das nach dem Kalender der überlieferten Liturgie von 1962 geordnet ist und sich in Vorwort und Nachwort für die Heiligenverehrung ausspricht.
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Die Buchpräsentation beginnt um ca. 19.15 Uhr, nach der hl. Messe ab 18 Uhr und der daran sich anschließenden gesungenen Komplet.
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Der Eintritt ist frei und im Anschluß an die Lesung wird zu Wein und Käse eingeladen.
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Sellners Immerwährende Heiligenkalender erschien vor gut 20 Jahren in Hans Magnus Enzensbergers „Anderer „Bibliothek und erreichte auf Anhieb Platz 1 der Sachbuch-Bestenlisten.

Der Kalender mit seinen Tagesheiligen dient von alters her als übersichtliches Ordnungsprinzip für die zahllosen Geschichten, Stiftungslegenden und Wunderberichte, die einst den gesamten Jahreslauf in eine große Erzählung abendländischer Kultur verwandelten.

Die vorliegende Neuausgabe des lange vergriffenen Buches ist im Conte-Verlag erschienen und wurde vom Autor überarbeitet und um viele Kurzgeschichten aus den Sagenschätzen der linksrheinischen Regionen, Lothringens, des Elsass und der Alpenländer erweitert.

Hinzugekommen sind auch wichtige weltweit verehrte Heilige aus dem mediterranen Raum – von Spanien und dem ehemals christlichen Nordafrika bis ins Heilige Land und Kleinasien.

Das Buch kostet 24,90 Euro und kann im Philipp-Neri-Institut erworben werden.

picture-504Albert Christian Sellner, böhmisch-österreichisch-bayrischer Herkunft, absolvierte in der Oberpfalz das Humanistische Gymnasium, studierte in Erlangen Osteuropäische Kultur- und Kirchengeschichte und forschte in Wien über Austromarxismus und Kommunismus.

Nach Gastspielen in einem linksalternativen Verlagsprojekt und einer fränkischen Landkommune übersiedelte er 1977 nach Frankfurt. Dort arbeitete er als Redakteur für verschiedene Zeitungen, als Sachbuchlektor und Herausgeber. Als Literaturagent vermittelte er u.a. 1996 den Bestseller „Salz der Erde“ von dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger und Peter Seewald.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Sellner mit Religions- und Kirchengeschichte und sammelt Heiligen-, Papsttums- und Marienliteratur. Er hat den für seine Leidenschaft passenden Beruf des antiquarischen Buchhändlers gewählt und lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Quelle: http://www.institut-philipp-neri.de/


Tschechien: 14 Märtyrer aus dem 17. Jahrhundert im Veitsdom seliggesprochen

Die Kirche hat vierzehn neue Selige: Es sind Franziskaner-Missionare aus verschiedenen Ländern, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts im mehrheitlich protestantischen Prag wirkten  –  unter ihnen waren auch zwei Deutsche.

Im dortigen Veitsdom auf dem Hradschin, dem Prager Burgberg, wurden sie am heutigen Samstag, den 13. Oktober 2012, seliggesprochen.

Die Missionare waren am 15. Februar 1611  –  einige Jahre vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges  –  von einer fanatisierten Menschenmenge in ihrem Klosterkonvent ermordet worden.  

Papst Benedikt hatte das Dekret zu ihrer Seligsprechung am 10. Mai dieses Jahres unterzeichnet. Es war die erste Seligsprechung überhaupt auf dem Boden des Erzbistums Prag. Das entsprechende Verfahren war bereits im 17. Jahrhundert vom dortigen Bischof eingeleitet worden.

Der Präfekt der  Heiligsprechungskongregation hat die Seligsprechung in Prag als  positives Signal für die Ökumene gewürdigt.
Die Märtyrer, die  konfessionellen Unruhen im 16. Jahrhundert zum Opfer gefallen waren, zeigten, daß man das Böse mit dem Guten besiegen könne. Sie hätten keinen Haß gehegt,  sondern das  Gute gewirkt, so Kardinal Angelo Amato im Interview mit Radio Vatikan. 

Er hoffe, daß ihr Lebenszeugnis und die Seligsprechung den Frieden und die Brüderlichkeit stärke. Das Motiv der  Angreifer sei Haß gegen die katholische Kirche und gegen das katholische Königshaus der Habsburger gewesen, so Kardinal Amato.

Die  Ordensleute seien sich der  Bedrohung durch den Haß vor allem evangelischer Sekten bewußt gewesen. Trotz  der ständigen Gefahr seien die Franziskaner tapfer als „Zeugen des Glaubens“ vor Ort geblieben.

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Bistum Rottenburg startet Gedenken an den seligen Pater Rupert Mayer SJ

Der schwäbische Jesuitenpater widerstand mutig der NS-Diktatur

Mit Gottesdiensten und Gedenkfeiern ehrt die Diözese Rottenburg-Stuttgart den vor 25 Jahren selig gesprochenen Jesuitenpater und NS-Gegner Rupert Mayer.

Er kam 1876 in Stuttgart zur Welt, wurde 1899 im Rottenburger Dom zum Priester geweiht und war ein Jahr lang Vikar in Spaichingen, bevor er sich dem Jesuitenorden anschloß und später in der bayerischen Hauptstadt als „15. Nothelfer der Münchner“ verehrt wurde.

Von den Nationalsozialisten, denen er mutig die Stirn bot, wurde er massiv drangsaliert, ins KZ Sachsenhausen verbracht und schließlich bis Kriegsende im Kloster Ettal interniert. Im Mai 1945 zurückgekehrt, erlitt der Pater an Allerheiligen in der Michaelskirche einen tödlichen Hirnschlag.

Am 4. November wurde er auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach beigesetzt. Wegen des Ansturms zum Grab wurden seine Gebeine 1948 in die Unterkirche des Münchner Bürgersaals überführt.  Am 3. Mai 1987 wurde der mutige Pater von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Den Auftakt zum Rupert-Mayer-Jahr bildet am 2. Mai ein Gottesdienst im Rottenburger Dom zum Gedenken an Pater Mayers Priesterweihe.

Der Jesuitenpater wird zudem im Zentrum eines von Papst Benedikt XVI. für die Weltkirche angeregten Jahrs des Glaubens stehen, das er am 11. Oktober 2012 ausrufen wird.

Quelle: www.glaubeaktuell.net