Homosexuellenverband kritisiert das Papstschreiben – und lobt EKD und ZdK

Das 300 Seiten umfassende Schreiben „Amoris Laetitia“ (Freude der Liebe) von Papst Franziskus über Ehe und Familie befaßt sich   – wenngleich eher am Rande  – auch mit dem Thema Homosexualität. Radio Vatikan

Manfred Bruns, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD), hat sich in einer Pressemitteilung bereits heftig über die entsprechenden Passagen beschwert. Unter dem Titel „Keine „Freude der Liebe“ für Lesben und Schwule“ wird das nachsynodale Dokument als „Enttäuschung“ bezeichnet.

Der Papst stelle zwar fest, so heißt es in der Erklärung, „dass Lesben und Schwulen mit Respekt begegnet werden soll“ und man sie nicht „ungerecht zurücksetzen“ dürfe. (Diese Äußerungen sind freilich nichts Ungewöhnliches, sondern stehen schon seit Jahrzehnten im Weltkatechismus.)

Bruns beanstandet aber, daß das päpstliche Schreiben dazu auffordert, den Schwulen und Lesben zu helfen, „den Willen Gottes ganz zu erfüllen, sprich enthaltsam zu leben und auf Liebe und Sexualität zu verzichten, Umpolungs- und Heilungsangebote inklusive“.

Zudem wird kritisiert, daß Franziskus sich besorgt zeige, weil „angeblich Entwicklungsgelder davon abhängig gemacht werden, ob Staaten die Eheöffnung (für Homosexuelle) ermöglichen.“ Vat_Flagge

Sodann würdigt der Verbandsvorsitzende am Familienschreiben des Papstes genau das, was von theologisch konservativen Katholiken kritisiert wird:
 
„Einzige Neuerung ist, dass die nationalen Bischofskonferenzen mehr Spielraum haben, wenn es um die praktische Auslegung moralischer Normen auf dem Gebiet der Sexualität geht. Der LSVD erwartet, dass sich die deutschen Bischöfe für eine Erweiterung des Familienbildes aussprechen, auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften.“

Zudem lobt Bruns das progressive „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“ wegen seiner Erklärung „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen“ vom Vorjahr, zumal darin auch eine kirchliche „Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften“ gefordert wurde.
 
Die Zustimmung des LSVD gilt freilich vor allem der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland):

„In der evangelischen Kirche werden Lesben und Schwule immer mehr als gleichberechtigte Gemeindeglieder akzeptiert…So diskutiert die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Wochenende, ob sie zukünftig die Liebe zweier Menschen traut – egal ob ‪‎lesbisch, ‎schwul oder heterosexuell.“

Wir dokumentieren hier die beiden Passagen des Papstschreibens zur Homosexualität:

250. Die Kirche passt ihre Haltung Jesus, dem Herrn, an, der sich in grenzenloser Liebe für jeden Menschen, ohne Ausnahme, geopfert hat. Mit den Synodenvätern habe ich die Situation von Familien bedacht, welche die Erfahrung machen, dass in ihrer Mitte Menschen mit homosexueller Orientierung leben  –  eine Erfahrung, die nicht leicht ist, sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder. Darum möchten wir vor allem bekräftigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll und sorgsam zu vermeiden ist, ihn »in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen« oder ihm gar mit Aggression und Gewalt zu begegnen. In Bezug auf die Familien kommt es hingegen darauf an, eine respektvolle Begleitung zu gewährleisten, damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen.

251. Im Laufe der Debatte über die Würde und die Mission der Familie haben die Synodenväter angemerkt: »Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.«  – Es ist unannehmbar, »dass auf die Ortskirchen in dieser Frage Druck ausgeübt wird und dass die internationalen Organisationen Finanzhilfen für arme Länder von einer Einführung der „Ehe“ unter Personen des gleichen Geschlechts in ihrer Gesetzgebung abhängig machen«.

 

Fotos: Radio Vatikan


Das Web-Portal der Dt. Bischofskonferenz präsentiert theologisch irreführende Thesen

Vom Mißbrauch des Mißbrauchs zu theologischen Zwecken

„Katholisch.de“ ist die amtliche Internetpräsenz der Deutschen Bischofskonferenz, die von theologisch konservativen Christen zunehmend kritisch wahrgenommen wird. Seit Jahren treibt dort der sog. „Reformkatholizismus“ seine schillernden Blüten bzw. Sumpfblüten.

Am 25. Januar 2016 veröffentlichte das erwähnte Portal ein Interview mit dem als progressiv bekannten Laientheologen Magnus Striet, der bis Februar 2010 sogar Dekan der katholischen Fakultät der Universität Freiburg war.

Äußerer Anlaß ist die Mißbrauchsdebatte, die sich für vielerlei Zwecke und Bestrebungen vereinnahmen bzw. mißbrauchen läßt.

Schon der Titel des Gesprächs „Es stehen grundsätzliche theologische Fragen an“ verdeutlicht, daß das Mißbrauchsproblem als Aufhänger mit dem Ziel dient, die kirchliche Lehre in eine andere, nämlich zeit(geist)gemäße Richtung zu verändern.

Der katholische Fundamentaltheologe betont zwar sein Mitgefühl für die Opfer, stellt aber  –  hinsichtlich der Täter  –  zugleich deren Willensfreiheit weitgehend infrage: „Werfen wir einen Blick auf die Täter. Wenn man akzeptiert, dass kein Mensch sich sein Begehren einschließlich der in diesem enthaltenen sexuellen Dimension ausgesucht hat, sondern dass da ein ganzer Komplex von Faktoren eine Rolle spielt, so stellt sich die Frage, wie man den Schuldanteil bei Missbrauchstätern überhaupt beschreibt.“

Kurz darauf bringt er das, was er mit dieser Äußerung wohl bezwecken wollte, klarer auf den Punkt: „Bis heute tut man in der Kirche immer noch oft so, als ob alles unter die Freiheit des Willens gestellt sei, aber das ist sicherlich nicht der Fall.“0018

Sodann kritisiert Prof. Striet die angeblich „hochgradig spiritualisierte Kategorie der Reinheit“ in der katholischen Kirche und fügt hinzu: „Dass Jesus eine Sexualität gehabt hat, spielte theologisch keine Rolle, was nicht ohne Auswirkungen auf das Priesterbild bleiben konnte.“

Wie dürfen wir diese  – zumindest mißverständliche  –  Äußerung, Christus habe „eine Sexualität gehabt“, verstehen?  – Natürlich war Jesus voll und ganz Mensch  – aber außer der Sünde, so daß der unverheiratete HERR sicherlich keine Sexualität praktizierte  – und wegen seiner Erbsündenfreiheit auch kein ungeordnetes Begehren kannte.

Prof. Magnus Striet: „Das Priesteramt ist zu desakralisieren; das kirchliche Amt ist auszunüchtern“

Dr. Striet behauptet weiter, es sei „dringend geboten“ (!),  Jesu Menschsein „theologisch neu zu akzentuieren“, nämlich dahingehend, „dass dieser ein Mann in den Kulturkontexten seiner Zeit mit den entsprechenden, durchaus kontingenten Vorstellungsmustern war.“  
Als ob eine solche Aussage nicht schon irreführend genug sei, fügt er hinzu: „Zugleich ist das Priesteramt zu desakralisieren, nüchterner zu betrachten.“  –  Zum kirchlichen Amt allgemein äußert er sich ähnlich: „Insgesamt ist die Vorstellung vom Amt in seiner hochgradig spiritualisierten Form auszunüchtern.“
 jesus in der synagoge von nazareth
Das Portal „Katholisch.de“ bzw. Agathe Lukassek stellt ihre Fragen durchgängig derart unkritisch, daß sie für Professor Striet als optimales Sprungbrett für die Entfaltung seiner Thesen dienen  –  und manchmal sogar noch weitergehen, als Striet selber es anstrebt, zB. bei der Frage:Muss man an der Stelle auch die Sakramentenlehre theologisch überdenken?“  – Hierauf antwortet er immerhin noch mit „Nein“.

Schöpfungs- und Erlösungslehre infragegestellt

Kurz danach geht es aber weiter zur Totaldemontage der christlichen Erlösungstheologie, denn der Freiburger Theologe bemängelt die „klassische Dogmatik“, welche „von einem guten Anfang ausgeht, dann mit einem Sündenfall des Menschen und dann der Satisfaktion durch  das Kreuzesopfer rechnet.“

Hinsichtlich der Lehre von der Erbsünde wird gar ein „Umdenken“ angemahnt: „Das organisierende Prinzip der Theologie kann nicht die Sündenverfallenheit aller sein. Was sollte eine solche Theologie noch zu sagen haben bezogen auf Kinder, die zu Gewaltopfern wurde?“

Hier werden Mißbrauchsopfer schon wieder als Mittel zum Zweck instrumentalisiert, um die kirchliche Schöpfungs- und Erlösungslehre  – und tendenziell erneut den freien Willen des Menschen  –  deutlich anzuzweifeln:

„Die Vorstellung des guten Ausgangspunktes ist fallen zu lassen. Der Mensch ist das Ergebnis evolutiver Prozesse, die Ausbildung sexuellen Begehrens ist Teil dieser Prozesse. Bevor man hier moralisch oder gar theologisch wertet, ist dies erst einmal zur Kenntnis zu nehmen.

HINWEIS: Bereits im Mai 2113 haben wir uns kritisch mit diversen Irrlehren von Prof. Striet befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/15/absurde-welten-ein-katholischer-theologe-leugnet-das-abc-des-christentums/

Die Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, KOMM-MIT-Verlag


Psychologe: Liebe ist mehr als ein Gefühl – Sexualität gehört in die Ehe

„Die Ehe ist nicht totzukriegen“

Liebe läßt sich lernen. Diese Ansicht vertritt der Psychologe und Buchautor Jörg Berger (Heidelberg) in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. IMG_1426

Es gäbe grundsätzlich für jeden Menschen mehr als einen Partner, der für eine erfüllende Beziehung in Frage komme, so Berger. Diese Einsicht sei entlastend, denn es komme nicht darauf an, daß man sich wie zwei Puzzlestücke zu 100 Prozent ergänze, sondern darauf, dass man das Handwerkszeug erlerne, mit dem man die Partnerschaft gestalten könne.

Nach Bergers Beobachtung sind Frauen den Männern in der Kommunikation und Beziehungspflege häufig überlegen. Sie kritisierten ihre Männer, die sich dann zurückzögen und gar nicht mehr reden wollten.

Berger empfiehlt Christen, vorher darauf zu achten, daß der Ehepartner ein Christ ist. Dies sei zwar noch keine Garantie für eine glückliche Beziehung. Eine fehlende gemeinsame Glaubensbasis könne jedoch in eine große Zerreißprobe führen.

Zudem sollten Christen ihre Sexualität an die Ehe binden. Zwar werde dies von der Mehrheit der Gesellschaft nicht unterstützt, und selbst Kirchengemeinden täten sich schwer damit. Sexuelle Intimität brauche jedoch einen Schutzraum.

Berger hierzu: „Die Ehe ist nicht totzukriegen. Es liegt eine tiefe Sehnsucht in uns, ein Leben lang in Treue zu einem anderen Menschen zu leben. Umfragen unter jungen Menschen zeigen das immer wieder – auch wenn das tatsächlich gelebte Leben von diesem Wunsch oft abweicht.“

Quelle: http://www.idea.de


Uni-Studie: Für ältere Ehepaare ist Zärtlichkeit weitaus wichtiger als Sexualität

Pressemitteilung der Universität Rostock:

Im höheren Lebensalter bleibt die sexuelle Zufriedenheit stabil. Zudem hat Zärtlichkeit im Vergleich zur Sexualität im Alltag älterer Paare eine höhere Bedeutung. BILD0289
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Zu diesen Ergebnissen kommt ein Wissenschaftlerteam der Universitätsmedizin Rostock und der Queen Mary University of London, Barts and the London School of Medicine and Dentistry bei der Untersuchung verheirateter älterer Männer und Frauen.
Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich die renommierte Fachzeitschrift PlosOne.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von Teilnehmern der bevölkerungsbasierten „Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE) aus, mit der seit 1993 individuelle, soziale und ökonomische Bedingungen gesunden Alterns erforscht werden.

Dreimal nahmen die Studienteilnehmer bereits an dem umfangreichen Untersuchungsprogramm teil. Fragen zu Sexualität und körperlicher Nähe spielten dabei auch eine Rolle. Die publizierten Befunde basieren auf Daten von 1930 bis 1932 geborenen Männern und Frauen. Zum Zeitpunkt der drei Erhebungswellen waren sie 63, 67 und 74 Jahre alt.

Die Teilnehmer zeigten während des zwölfjährigen Studienverlaufs stabile sexuelle Zufriedenheitswerte, obwohl sich die sexuelle Aktivität, so der übereinstimmende Befund der internationalen Forschungsliteratur, mit dem Alter als Folge hormoneller und physischer Veränderungen verringert.

Bei langjährigen Ehen wächst die gegenseitige Anpassung

Die Forscher führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass psychische Anpassungsprozesse bei Menschen in langjährigen Partnerschaften besonders gut gelingen.
Die Ergebnisse belegen, dass sich diese Anpassungsprozesse an altersbezogene sexuelle Veränderungen bei Männern über einen längeren Zeitraum als bei Frauen erstrecken.
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Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die untersuchten Personen Zärtlichkeit für wesentlicher erachten als Sexualität:
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„So räumten im Alter von 74 Jahren 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen Zärtlichkeit einen wichtigen Platz in ihren Partnerschaften ein“, sagt Dr. Britta Müller (siehe Foto) vom Forscherteam der Universitätsmedizin Rostock.
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Sexualität hingegen habe nur bei 61 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen eine bedeutende Rolle gespielt.

Kuscheln führt zu größerer Zufriedenheit

 „Viele alternde Paare suchen durch Streicheln, Schmusen, Kuscheln, mitunter auch ritualisiert in Form des morgendlichen bzw. abendlichen Kusses oder des Händchenhaltens beim Spazierengehen, dem wachsenden Bedürfnis gerecht zu werden, sich der gegenseitigen körperlichen Nähe zu versichern“, erläutert Frau Dr. Müller. Darin liege auch der Schlüssel für die Partnerschaftszufriedenheit im Alter.
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Von fünf untersuchten Aspekten  –  Bildungsgrad, physischer Gesundheitszustand, Dauer der Partnerschaft, Bedeutung von Sexualität sowie von Zärtlichkeit  –  erweist sich nur der letzte Punkt, die Zärtlichkeit, als relevant für die Zufriedenheit mit der Partnerschaft.

Publikationsverweis:
Müller, B., Nienaber, C. A., Reis, O., Kropp, P., & Meyer, W. (2014). Sexuality and Affection among Elderly German Men and Women in Long-Term Relationships: Results of a Prospective Population-Based Study. PloS one, 9(11), e111404.

Kontaktdaten: Dr. Britta Müller
Universitätsmedizin Rostock
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Tel. 0381/494 9596

Quelle: http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/senioren-ist-kuscheln-wichtiger-als-sex/

Gemälde: Evita Gründler


Regensburg: Bischof Rudolf Voderholzer erläutert die katholische Sexualethik (Teil 1)

Wenn das Wohl und Wehe des Menschen auf dem Spiel steht

Unter dem Titel „Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan“ (nach einem Zitat von Johannes Paul II.) hat der Oberhirte von Regensburg  jetzt auf seiner Bistumsseite die kirchliche Ehe- und Sexualmoral dargelegt.

Wir veröffentlichen nachfolgend den 1. Teil dieser Katechese von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto), danach in loser Folge weitere Abschnitte:  borMedia1840101

Warum es jetzt wichtig ist, für menschliche Liebe und Sexualität einzutreten:

Allgemeine Herausforderungen und Anliegen

Kaum in einem anderen Lebensbereich tut sich die kirchliche Verkündigung heute schwerer, einigermaßen unvoreingenommen wahr- und erst recht ernst genommen zu werden, als in Fragen der Gestaltung menschlicher Sexualität.

Die Sexualmoral der Kirche erscheint einem Großteil der Menschen  –  treue und gläubige Katholiken nicht ausgenommen  – wohlwollend ausgedrückt als zu idealistisch und hochgesteckt in ihren Grundsätzen und Erwartungen; weniger wohlwollend gesehen, halten kritische Zeitgenossen die kirchliche Sexuallehre für schlichtweg realitätsfern, rigoristisch und alles andere als lebensdienlich  –  kurz gesagt: für eine lustfeindliche „Verbotsmoral“.

Nun kann ein selbstkritischer Blick auf die lange Geschichte der kirchlichen Verkündigung im Bereich des „Sechsten Gebotes“ nicht übersehen, dass tatsächlich Fehlformen einer engstirnigen und engherzigen Sexualmoral oft nur strikte Verbote kannten, wo gerade auch die Freude an der guten Schöpfungswirklichkeit Gottes zum Ausdruck hätte kommen müssen. DSC05485

Doch wird eine um Gerechtigkeit bemühte Sicht der Dinge auch anerkennen können, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl lehramtliche Stellungnahmen als auch kirchliche Verkündigung bzw. Pastoral weit davon entfernt haben, einer rigiden Verbotsmoral das Wort zu reden.

Wer heute nach wie vor meint, vor einer vermeintlichen kirchlichen Verbotsmoral warnen zu müssen, gleicht einem Katastrophenmelder, der nach dem Löschzug der Feuerwehr ruft, während in Wahrheit eine Überschwemmung droht.

FOTO: Die Ehe bietet den gottgewollten und menschengemäßen Rahmen für Intimität, Hingabe, Treue und Vertrautheit

Es geht doch darum, Orientierungshilfen zu geben, die geeignet sind, den modernen Menschen nicht zuletzt vor den negativen Auswirkungen einer zweifellos vorhandenen Hypersexualisierung unserer Gesellschaft zu bewahren.

Unsere heutige Zeit kennt neue Tabus 

Denn während früher das Thema Sexualität mit einem Tabu behaftet war, ist es heute eher zu einem Tabu geworden, offen über die
verheerenden Folgen der sexuellen Freizügigkeit zu sprechen.

Eine eindeutige Wortmeldung, die mit diesem neuen Tabu bricht und erschütternd offen aus den Erfahrungen der Jugendarbeit die Situation ungeschminkt darstellt, ist das 2008 von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher veröffentlichte Buch „Deutschlands sexuelle Tragödie. Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist“.

„Sexuelle Befreiung aus dem Ruder gelaufen“

Im Vorwort zu diesem Buch heißt es:

„Die verheißene sexuelle Befreiung ist längst völlig aus dem Ruder gelaufen. Der versprochene Spaß wird täglich beworben, über diejenigen, die die Zeche bezahlen, spricht man kaum; seien es Zwangsprostituierte, Sexsüchtige oder Kinder, die durch Frühsexualisierung die Fähigkeit verlieren, noch irgendwelche stabilen Beziehungen jenseits vom Sex aufzubauen  –  mit allen Folgen, die das hat.“

Hier wird deutlich, dass in der Frage nach einer wirklich humanen Gestalt menschlicher Sexualität das Wohl und Wehe der ganzen Person auf dem Spiel steht.

Insofern geht es der kirchlichen Sexualmoral zunächst auch nicht um möglichst detaillierte Einzelvorschriften im Bereich der Genitalität, sondern weit mehr um eine Kultur der Verantwortung vor dem Schöpfer und seinen Gaben, um Respekt vor der Würde des Anderen und der eigenen Person, um Beziehungsfähigkeit und Liebesfähigkeit  –  und zwar als Voraussetzung für ein umfassend gelingendes menschliches Leben.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/typo3conf/ext/mediathek_main/uploads/3/ueberlegungen-zur-sexualmoral-von-bischof-rudolf-voderholzer.pdf


Sexualisierung und Anti-Familien-Politik führen zum Niedergang unserer Zivilisation

Professorenteam diagnostiziert die Spätfolgen der 68er

„Wir glauben, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht.“  –  Mit diesem Bekenntnis eröffnen zehn wissenschaftlich und wirtschaftlich erfolgreiche christliche Professoren ihr gerade erschienenes Kollektiv-Werk „Höllensturz und Hoffnung.“

Es handelt sich dabei (…) um eine durchaus umsichtige und seriöse Krisendiagnose durch Mediziner, Wirtschafts-Wissenschaftler, Physiker, Informatiker, Juristen und Theologen.

Die Professoren wollen nicht einfach die Unmäßigkeit der modernen Menschen anprangern, sondern die inneren Zusammenhänge aufdecken, die dazu führen, dass es den Westen schon bald nicht mehr geben wird, während das Leben auf dem Planeten weiter geht.

Die Hauptursache des Niedergangs unserer Zivilisation sehen sie in einer Abwärts-Spirale des Selbsthasses bzw. der Lust am Untergang, die auf das schwache Selbstwertgefühl vom Wohlfahrtsstaat verwöhnter Menschen zurückgeht.

Es gebe in unserer Gesellschaft keinen Konsens mehr über Richtig und Falsch. Der damit verbundene Vertrauensverlust führe zu einer Verrohung der Sitten, stellen die Professoren fest.

Das hänge mit dem Einfluss der 1968er zusammen, die Werturteile nur aus einer individualistischen Perspektive treffen wollen und dabei die Einzelnen maßlos überfordern und in neue unbewusste Abhängigkeiten bringen.

Sie verweisen auf eine vergleichende Untersuchung des britischen Ethnologen und Anthropologen Joseph Daniel Unwin über den Zusammenhang zwischen Beschränkung des Sexuallebens und kulturellem Aufstieg beziehungsweise zwischen sexueller Freizügigkeit und kulturellem Niedergang an insgesamt 100 Völkern und Volksgruppen. media-374460-2

Keine sexuell freizügige Gesellschaft könne ihren Zerfall länger als eine Generation aufhalten, schloss Unwin daraus. Die Professoren sehen darin eine Bestätigung des von Sigmund Freud postulierten Zusammenhangs zwischen Triebregulierung und Kulturentwicklung. (…)

Besondere Aufmerksamkeit widmen die Professoren der Familienpolitik, die im heutigen Westeuropa mehr und mehr zur Antifamilienpolitik werde. Sie sehen Westeuropa auf dem Weg zur vollkommen promiskuitiven, bindungslosen Gesellschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte wachsen hier Generationen heran, die nicht mehr in der Familie gelernt haben, wie Gemeinschaft funktioniert.

Die nur noch über wachsende Schulden finanzierbare staatliche Sozialpolitik mache die Menschen abhängig und sei grundsätzlich nicht in der Lage, familiäre Lernprozesse zu ersetzen.

Die frühe Zwangs-Sexualisierung der staatlichen Kindererziehung entsprechend der Ideologie des Gender Mainstreaming tue ein Übriges, um den Nachwuchs jeglicher konstruktiven Orientierung zu berauben.

Quelle und vollständiger Text im freiheitlichen, liberalkonservativen EF-Magazin: http://ef-magazin.de/2013/12/25/4778-krisendiagnose-unsere-zivilisation-vor-dem-hoellensturz

Buchbestellung hier: http://www.amazon.de/H%C3%B6llensturz-Hoffnung-Hans-Joachim-Hahn/dp/3789281972


Kontroverse Einschätzungen zur aktuellen MDR-Sendung „Make Love“

Auf ein geteiltes Echo unter christlichen Medienfachleuten und Eheberatern ist der am 3. November ausgestrahlte, erste Teil der TV-Dokumentation „Make Love“ des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und Südwestrundfunks (SWR) gestoßen.

In der fünfteiligen Sendereihe geht die Hamburger Sexual- und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning der Frage nach, was guter Sex ist und wie man ihn wieder erleben kann, wenn er abhanden kam. 120505471_B_Brautwalzer

Am Beispiel eines Paares gibt die Therapeutin Tips, wie man die Gesprächsfähigkeit wieder gewinnt – und auch der Sex in der Beziehung wieder seinen Platz findet. Die Dokumentation wurde von 470.000 Zuschauer verfolgt und hatte eine Einschaltquote von 15,9 Prozent. Sie war damit im MDR die am vierthäufigsten eingeschaltete Sendung.

Ein positives Fazit zog der EKD-Medienbeauftragte, Oberkirchenrat Markus Bräuer: „Die MDR-Dokumentation ‚Make Love’ thematisiert auf niveauvolle Weise die Sexualität in der Partnerschaft von Mann und Frau.“  – Sie vermittle Kenntnisse und rege zum Gespräch an.

Bräuer weiter: „Anders als auf vielen frei zugänglichen Internetseiten wird hier keine Pornografie gezeigt, sondern die Sexualität in den Kontext einer ganzheitlichen Partnerschaft gestellt.

Hingegen gab der Geschäftsführer des evangelikalen, sexualethischen Fachverbands „Weißes Kreuz“, Rolf Trauernicht, gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA eine gemischte Bewertung ab:

Es sei zunächst positiv, dass das Thema Sexualität angesprochen werde. In vielen Ehen  –  auch in christlichen  –  herrsche auf diesem Gebiet „große Not“. In jeder fünften Ehe in Deutschland gebe es keine intimen Begegnungen.

Zudem sei durch sexuellen Missbrauch, Internet-Pornografie, Werbung und Selbstbefriedigung „vieles auf dem Gebiet kaputt gegangen“.

Trauernicht zufolge überschreitet die Sendung aber auch Grenzen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe nicht zeigen, wie ein Paar sich sexuell betätigt: „Damit ist die Grenze zur Pornografie überschritten. Alles, was die sexuelle Phantasie anregt, gehört in die Ehe  –  und nur dorthin.“

Quelle: http://www.idea.de


Die Jugend-Illustrierte „Bravo“ befindet sich auf dem absteigenden Ast – folgt sie dem Sturzflug der „Frankfurter Rundschau“ ?

Mathias von Gersdorff  

Nicht nur das linke Blatt „Frankfurter Rundschau“ steht vor dem Aus, auch „Bravo“ schafft es nicht, seine magere Auflage aufzubessern.

Im dritten Quartal verlor die Jugend-llustrierte wieder und geht nur noch mit 306.515 Exemplaren über die Ladentheke. Genau ein Jahr davor lag die Auflage bei 409.885, im Jahr 2010 bei 481.766.

Diese Entwicklung bahnt sich natürlich schon seit langem an. Ende der 1990er Jahre musste „Bravo“ drastische Auflagenverluste erleiden und versuchte, sich mit mehr Nacktbildern und Erotik aufzupäppeln. Es wurden Pseudo-Aufklärungs-Rubriken erfunden, deren Freizügigkeit extrem war. Insbesondere die Rubrik „Our Love“ mit großen Aufnahmen von jungen Paaren beim Geschlechtsverkehr sorgten vielfach für Empörung.

Unsere Initiative „Kinder in Gefahr“ protestierte damals permanent gegen das Blatt, bis es diese unmoralischen Bilder deutlich reduzierte.

Natürlich gab die Zeitschrift nicht zu, dass es dies aufgrund der Proteste tat, doch es liegt kein anderer Grund vor. Sicherlich taten sie es nicht etwa, um ihre kindlichen und jugendlichen Leser  zu innerer Sauberkeit und sittlicher Reinheit zu erziehen.

Der Niedergang des Sexblattes setzte sich im neuen Jahrhundert ohne Unterbrechung fort.

Für den Heinrich-Bauer-Verlag ist „Bravo“ eine Art Prestige-Objekt. Deshalb wurde die Einstellung des Blatts wohl noch nicht erwogen. Jedenfalls ist noch nichts derartiges publik geworden.

Doch der fatale Dienst, den „Bravo“ an der Frühsexualisierung der Jugend seit vielen Jahrzehnten geleistet hat, ist so groß, dass man sich nicht wundern würde, wenn die Illustrierte von Politikern im Falle von finanziellen Engpässen Unterstützung erhalten würde.

So wie die Karten stehen, wären selbst CDU-Politiker inzwischen dazu bereit. Immerhin hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den Kölner „FrauenMediaTurm“ von Alice Schwarzer in diesem Jahr finanziell gerettet, wozu nicht einmal die rot-grüne NRW-Landesregierung bereit war.

Mathias von Gersdorff ist Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und des Webmagazins „Kultur und Medien online“


Umfrage zur Sexualität bestätigt: Männer und Frauen ticken unterschiedlich

Beim Thema Erotik und Sexualität sind die Wünsche und Denkweisen von Frauen und Männern offenbar nach wie vor recht unterschiedlich.

Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Gesundheitsmagazins Apotheken-Umschau geben deutlich mehr Frauen als Männer an, Sex sei ihnen persönlich nicht (mehr) wichtig (Frauen: 34,6 %; Männer: 22,1 %).

Jede vierte Frau (23 %) betont zudem, Erotik und Sexualität spielten in ihrem Leben überhaupt keine Rolle (mehr). Bei den Männern ist dies nur bei jedem Achten (12,8 %) der Fall.

Jede sechste Frau in Deutschland (16,1 %) empfindet Sexualität sogar als anstrengend und „eher als Pflicht“. Männer können das nicht einmal halb so oft nachvollziehen (7,2 %).

Allerdings leiden Männer deutlich stärker unter Versagens-Ängsten als Frauen (Männer: 10,5 %; Frauen: 5,5 %). Frauen hingegen fürchten, sie könnten beim Sex nicht (mehr) attraktiv genug sein (Frauen: 22,2 %; Männer: 14,9 %).

Quelle:  Apotheken-Umschau (ots)


Barmherzigkeit gibt es nicht ohne Wahrheit

Pfarrer Hendrick Jolie zum Dauerbrenner der geschieden Wiederverheirateten

Der Umgang der Kirche mit sogenannten „wiederverheirateten Geschiedenen“ ist wieder einmal in aller Munde. Jüngstes Beispiel ist der Aufruf von Priestern und Diakonen aus dem Erzbistum Freiburg „Wiederverheiratete Geschiedene“ vom Mai 2012.

Die unterzeichnenden Geistlichen behaupten, sie würden sich „pastoralen Handeln gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen von der Barmherzigkeit leiten lassen“. Gleichzeitig bekunden sie das Vorhaben, in Widerspruch zu Lehre und Ordnung der Kirche die genannten Personen zu den Sakramenten zuzulassen  –  gemeint sind die Sakramente der Krankensalbung, der Versöhnung und der Heiligen Kommunion.

Die Freiburger Geistlichen erinnern hierbei an das oberste Prinzip des kirchlichen Rechts, „salus animarum suprema lex“ (= Das Heil der Seelen ist das oberste Gebot).

Man gibt also vor, das Heil der Seelen wiederverheirateter Geschiedener im Auge zu haben, wenn man sie  –  unabhängig vom Gnadenstand  –  zu den Sakramenten zulässt. Ziel sei es  –  so der im Internet publizierte Aufruf, „diesen Menschen offiziell und ohne Diskriminierung einen evangeliumsgemäßen Platz in unserer Kirche“ zu geben.

An diesem Aufruf sind aus Sicht der praktischen Seelsorge gleich mehrere Aspekte ausgesprochen ärgerlich.

Zunächst stört das unreflektierte Pathos, mit dem die Initiatoren die Deutungshoheit über den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen beanspruchen: Nur eine generelle Zulassung zu den Sakramenten  –  und im Grunde geht es wohl in 99 % der Fälle um den Kommunionempfang und nicht um Krankensalbung und Beichte  –  ist offenbar „barmherziges“ und diskriminierungsfreies Handeln.

Leicht anmaßend klingt außerdem der Anspruch der Initiatoren, sie würden bei dieser Praxis das „Heil der Seelen“ im Blick haben. Im Umkehrschluss heißt das dann wohl, dass einer lehramtskonformen Praxis  –  für die u.a. Papst Benedikt einsteht  –  das „Heil der Seelen“ gleichgültig ist. Bescheidenheit scheint bei den Unterzeichnern keine hervorstechende Charaktereigenschaft zu sein.

Es mutet beinahe grotesk an, wenn eine kleine Gruppe von Priestern, die dazu noch offen zugibt, gegen die geltende Ordnung der Kirche zu verstoßen, das Wort von der „Barmherzigkeit“ für sich allein beansprucht. Dieser mit gehörigem Pathos vorgetragene Alleinvertretungsanspruch verleiht dem „Freiburger Aufruf“ ideologische und geradezu totalitäre Züge.

Hier wird mit apokalyptischer Attitüde eine Propaganda betrieben, die einen nüchternen und sachlichen Blick auf den Alltag wiederverheirateter Geschiedener und den Alltag einer Pfarrgemeinde verhindert.

Lehramtstreue Priester sollten angesichts dieser und ähnlicher Forderung aufstehen und sich dagegen wehren, wenn ihnen nicht nur das barmherzige Handeln, sondern auch der Realitätsbezug abgesprochen wird. Dabei kennt doch jeder Seelsorger die Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen aus eigener Anschauung. Niemand wird an den Leiden dieser Gläubigen gleichgültig vorbeigehen.

Es gibt aber sehr wohl Wege und Mittel, diesen Menschen in Einklang mit der kirchlichen Lehre beizustehen. Leider ist es nicht selten der Fall, dass lehramtskonforme Priester die Öffentlichkeit scheuen und das Feld jenen überlas-sen, die sich öffentlichkeitswirksam als lebensnah und „zeitgemäß“ präsentieren  –  wohl wissend, dass die Mehrheit der „Taufscheinkatholiken“ ihre Position teilt.

Barmherziges Handeln und Treue zu den Weisungen Christi und seiner Kirche können kein Widerspruch sein.

Papst Benedikt hat allen Priestern in seinem Eröffnungsschreiben zum Priesterjahr den Heiligen Pfarrer von Ars als Vorbild vor Augen gestellt, der einmal sagte: „Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit.“  

Es kann also kein Zweifel bestehen, dass der Priester sich stets von der Barmherzigkeit leiten lasse muss. Gerade im Hinblick auf den Pfarrer von Ars hat der Papst deutlich gemacht, dass sich die priesterliche „Barmherzigkeit“ im Gehorsam gegen Gott und seine Gebote vollendet.

Konkret: „Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie de barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen.“

Auf das Schicksal der wiederverheirateten Geschiedenen angewendet bedeutet dies, dass mit der bloßen Zulassung zu den Sakramenten der Buße und des Altars nichts gewonnen ist, sofern damit nicht eine echte Sehnsucht nach tiefer Umkehr verbunden ist  –  eine Umkehr, die freilich von jedem erwartet wird, der sich auf den Empfang der Sakramente vorbereitet.

Hier wird ein Grundproblem der modernen Sakramentenpastoral deutlich: Nachdem die Worte „schwere Sünde“ bzw. „Stand der Gnade“ aus der Pastoral eliminiert wurden, ist vielen Gläubigen schon lange nicht mehr bewusst, dass ein Empfang der Sakramente ohne entsprechende Disposition verhängnisvolle Folgen hat, wie wir aus den Worten des Völkerapostels Paulus wissen: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn(1 Kor 11, 27).

Die Tatsache, dass über diesen Sachverhalt nicht mehr gesprochen wird, heißt nicht, dass diese Warnung heutzutage unnötig geworden wäre. Käme   –   um einen Vergleich aus dem normalen Leben heranzuziehen  –  ein Arzt auf die Idee, eine Krankheit dadurch zu bekämpfen, dass er die Gefahr der Ansteckung verschweigt? Würde man ein solches Verhalten „barmherzig“ oder nicht eher fahrlässig nennen?

Wir sehen: Wiederverheiratete Geschiedene und ihre persönliche Not werden zum Krisenindikator für eine sträfliche Vernachlässigung in Verkündigung und Pastoral  –  eine Vernachlässigung, die zu einem gedankenlosen Kommunionempfang geführt hat, der jeder Beschreibung spottet.

Mittlerweile sind in den Pfarreien mehrere Generationen von Gläubigen herangewachsen, die nicht einmal mehr eine Ahnung davon haben, dass es einen notwendigen Zusammenhang zwischen dem Bußsakrament und dem Kommunionempfang gibt.

Nicht nur außereheliche Geschlechtsbeziehungen schließen bekanntlich vom Kommunionempfang aus: Zu den schweren Verfehlungen gegen Gott und die Kirche gehört z.B: auch das leichtfertige Versäumen der Sonntagsmesse u.v.a.m.

In welcher Kirche wird  –  wenn auch liebevoll, so aber auch deutlich  –  auf diese Dinge hingewiesen, um die Gläubigen vor einem unwürdigen Kommunionempfang zu warnen? Würde man es barmherzig nennen, wenn Eltern ihre Kinder nicht auf die Gefahren ihres Schulweges hinweisen?

In Sachen „wiederverheiratete Geschiedene“ geht es  –  nebenbei bemerkt  –  um den gesamten Themenkomplex außerehelich gelebter Sexualität. Auch wenn kaum jemand darüber spricht: Jede Form von praktizierter Geschlechtlichkeit außerhalb des sakramentalen Schutzes der Ehe schließt bekanntlich vom Kommunionempfang aus: Also auch alle Paare, die ohne Trauschein oder Segen der Kirche zusammenleben, seien sie homo-  oder heterosexuell.

Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass es nicht wenige Paare gibt, die zwar in einer sakramentalen Ehe zusammenleben, gleichzeitig aber Formen der Empfängnisverhütung praktizieren, die aus Sicht der Kirche nicht erlaubt sind und somit auch von den Sakramenten ausschließen  –  ganz abgesehen von den Formen autoerotischer Sexualität, die auch innerhalb vieler Ehen vorkommen, wie z.B. Internet-Pornographie oder Masturbation.

Viele Pfarrer haben angesichts dieser erdrückenden Flut außerehelich praktizierter Geschlechtlichkeit längst resigniert oder kapituliert. Man spricht dieses „heiße Eisen“ in Predigten nicht mehr an und scheut das Thema auch im Beichtstuhl.

Ob es tatsächlich „barmherzig“ ist, die Sünde nicht mehr beim Namen zu nennen, sollten sich die Freiburger Geistlichen vielleicht einmal fragen. Dient es dem Heil der Seelen, wenn ein Seelsorger ein dem Evangelium widersprechendes Verhalten duldet und dasselbe durch die Einladung zur Heiligen Kommunion auch noch kirchenamtlich „approbiert“?

Anstatt Mitbrüder zum Bruch der bestehenden Ordnung zu ermuntern bzw. zu drängen wäre es sinnvoller, praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie gerade den wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche im tieferen Sinn „barmherzig“ begegnet werden kann.

Vorbildlich im Sinne des guten Hirten hat der verstorbene Augsburger Bischof Josef Stimpfle das in einem Brief wie folgt ausgedrückt:

„Ich bitte Sie, am Messopfer teilzunehmen, vor allem an Sonntag. Hier empfangen Sie Kraft von oben, wenn Sie auch nicht zum Tisch des Herrn gehen können. Vereinigen Sie Ihre Sorgen, Ihren Kummer mit dem Opfer Christi. … Pflegen Sie das tägliche Gebet! Beten Sie allein und gemeinsam, vor allem mit den Kindern. Gott verlässt die Beter nicht, die sich bemühen, mit ihm verbunden zu sein. Üben Sie echte Nächstenliebe in Ihrem engeren Lebenskreis … Seien Sie für andere Menschen Wegbereiter zu Gott, indem Sie sich nicht verbittert absondern, sondern bei Gelegenheit anderen die Lehre des Evangeliums und der Kirche nahe bringen.

Diese Worte, aus denen die Herzenshaltung eines wahrhaft „guten Hirten“ spricht, sind im wahrsten Sinne des Wortes „Barmherzigkeit“.

Die Praxis zeigt: Es ist keineswegs weltfremd, wiederverheiratete Geschiedene in der Pfarrei aufzusuchen und mit ihnen im Sinne dieses Bischofswortes ins Gespräch zu kommen. Ehrlicherweise wird man sagen müssen, dass die Zahl jener, die tatsächlich dazu bereit sind, sich mit der Frage der Kirchlichkeit und der Mitfeier des Gottesdienstes auseinanderzusetzen, natürlich gering ist.

Aber es gibt sie und nicht wenige sind erstaunt, wenn ein Priester, der sich mit der Lehre seiner Kirche identifiziert und in der Öffentlichkeit als „konservativ“ gebrandmarkt wird, sich Zeit für das Gespräch mit ihnen nimmt.

Barmherzigkeit gibt es nicht ohne Wahrheit: Ist Menschen, die sich in einer solchen Situation befinden, überhaupt bewusst, warum und an welchem Punkt sie mit der kirchlichen Lehre in Konflikt kommen?

Es ist keineswegs unmöglich, Menschen aufzuzeigen, inwiefern sein momentanes Leben im Widerspruch zur kirchlichen Lehre über die Ehe und die Geschlechtlichkeit befindet. Es ist ein wichtiger Schritt, im Seelsorgsgespräch über die Bedeutung der geschlechtlichen Liebe ins Gespräch zu kommen.

Nicht immer ist der Pfarrer auf Dauer der einzig geeignete Ansprechpartner. Eine große Hilfe ist es, wenn kirchlich gesinnte Eheleute oder auch Alleinstehende in der Pfarrei bereit sind, ihren Pfarrer in diesen schwierigen Fällen zu unterstützen, anstatt ihm in den Rücken zu fallen.

Es muss deutlich werden, dass ein lehramtskonformer Pfarrer in seiner Gemeinde nicht auf verlorenem Posten steht und den Rest der Gemeinde gegen sich hat. Hier ist das Zeugnis der Laien in besonderer Weise gefragt!

Ein weiteres: Leider wird selbst unter Priestern zuweilen so getan, als sei es für ein Paar gänzlich unmöglich und abwegig, den von „familiaris consortio“ (FC) empfohlenen Weg sexueller Enthaltsamkeit zu gehen (FC 84).

Selbstverständlich muss dieses Thema behutsam und diskret angegangen werden. Jeder Beichtvater weiß jedoch zu berichten, dass es nicht wenige Ehepaare gibt, die alles andere als ein erfülltes Geschlechtsleben führen: Krankheit oder Behinderung, seelische, berufliche oder privaten Belastungen, Trauerfälle, aber auch Schwangerschaft und Stillzeit und nicht zuletzt zunehmendes Alter führen in vielen Ehen zu einem – wenn auch möglicherweise nur zeitweiligen – Leben in Enthaltsamkeit.

All dies kann helfen, der heute üblich gewordenen Überbetonung des Sexuellen in der ehelichen Gemeinschaft entgegenzuwirken und den sogenannten „Wiederverheirateten“ Mut zu machen, den Weg sexueller Enthaltsamkeit zu gehen.

Ein Weiteres: Die Gemeinde muss ein Gespür für Menschen entwickeln, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Heiligen Kommunion gehen.

Der gedankenlose Kommunionempfang nahezu aller Gottesdienstbesucher führt bei den meisten zu der Auffassung, ein Messbesuch ohne Kommunionempfang sei völlig sinnlos  –  ähnlich einer Einladung zum Abendessen, bei dem ein Gast vor einem leeren Teller sitzt.

Kaum jemand weiß noch, dass auch die andächtige Mitfeier der Heiligen Messe mit der sogenannten „geistlichen Kommunion“ für den einzelnen eine Möglichkeit darstellt, alle Gnaden zum empfangen, die das Messopfer bereithält.

Wer nicht zur Heiligen Kommunion gehen kann, kann neben der Anregung zur geistlichen Kommunion außerdem eingeladen werden, beim Kommuniongang einen Segen zu erbitten. Auch die Teilnahme an Wallfahrten, Gebetstreffen u.ä. hat sich in diesem Zusammenhang bewährt.

Eine Fixierung auf den Kommunionempfang hat der Seelsorge nicht nur in diesem Bereich schwer geschadet.

Die „Wiederverheirateten“ werden so zu einem wichtigen Zeichen innerhalb der Gemeinde. Sie können zu einer neuen Nachdenklichkeit bzgl. der Sakramente, der Ehe und der Geschlechtlichkeit anregen. Sie sind eine Erinnerung daran, dass der Empfang der Heiligen Kommunion niemals etwas Selbstverständliches ist. Viele Menschen engagieren sich in unseren Pfarreien, obwohl sie nicht zu den Sakramenten gehen – Nichtkatholiken, Kinder, Taufbewerber etc.

Und: Viele gehen zurzeit zur Kommunion, obwohl es sicher besser wäre, sie kommunizierten nicht oder erst nach dem Empfang des Bußsakramentes.

Darüber hinaus lassen sich auf der Basis des geltenden Rechtes sehr wohl Felder eines gemeindlichen Engagements für wiederverheiratete Geschiedene finden. Auch wenn ein Engagement an vorderster Front (in den pastoralen Gremien oder in liturgischen Diensten) in der Regel sicher nicht ratsam ist, so gibt es doch andere Felder des Gemeindelebens, in denen man WG sehr wohl willkommen heißen kann.

So können sie auch konkret erfahren, dass sie in unseren Gemeinden geschätzt, gewollt und angenommen sind. Viele Felder des Engagements ließen sich hier anführen, vom Kirchenchor über Neuzugezogenenbesuche, von der Caritasarbeit bis hin zur Kinder- und Jugendarbeit. Die Erfahrung zeigt, dass hier vieles möglich ist, sofern die betroffenen Personen ihr Gemeindeengagement in Loyalität zur Kirche und zum Ortspfarrer ausüben.

Die Seelsorge an und die Mitarbeit von wiederverheirateten Geschiedenen darf nicht kirchenpolitisch instrumentalisiert werden. Dies gilt für die Betroffenen genauso wie für die übrigen Gemeindemitglieder. Die Letztgenannten werden nicht selten nachdenklich, wenn sie feststellen, dass in den Gemeinden „Wiederverheiratete“ tätig sind, die den lehramtskonformen Pfarrer gegen Angriffe der sogenannten „Progressiven“ in Schutz nehmen.

Es ist eines der großen Übel unserer Zeit, dass Priester, die sich an die geltende Ordnung ihrer Kirche halten, mit Negativ-Vokabeln belegt werden („rückschrittlich“, „konservativ“ bis „reaktionär“, „unbarmherzig“ etc.).

Es ist überfällig, dass Bischöfe sich schützend vor jene Priester stellen, die ihrem Weiheversprechen die Treue halten.

Leider jonglieren nicht wenige Oberhirten im gegenwärtigen Dialogprozess mit missverständlichen Worthülsen („Offenheit“, „neue Wege“, „neue Lösungen“, „Toleranz“). Die Scheu vieler Bischöfe vor terminologischer Klarheit und die Angst, in die „konservative Ecke“ gestellt zu werden, erschwert den Priestern vor Ort die Arbeit.

Das Beispiel des gegenwärtigen Pontifex könnte auch hier Vorbildfunktion haben: Die kirchliche Lehre ist weder konservativ noch progressiv, weder alt- noch neumodisch. Sie ist nicht zeitgemäß, sondern ewigkeits- und gottesgemäß und gerade deswegen auch dem Menschen gemäß.

 Pfarrer Hendrick Jolie ist ein Sprecher des Netzwerks katholischer Priester

BILD: Gemälde an der Beichtkapelle des westfälschen Wallfahrtsortes Kevelaer (Foto: Felizitas Küble)