Warum die Sexualität des Menschen sittliche Normen und Werte benötigt

.
Uns allen wurde erzählt, dass wir aus einer dunklen Zeit kommen, aus einer Zeit der sexuellen Unterdrückung, aus einer Zeit, in der finster drein blickende Hüter der Moral die ihnen hilflos ausgelieferten Menschen mit ihren rückständigen Ideen davon abhielten, sich selbst zu verwirklichen und ihre Sexualität frei auszuleben.
Wir haben eine Gesellschaft überwunden, in der man die Menschen davon abhielt, ihr Glück zu finden. 

Heute leben wir in dieser Welt der „Freiheit“, die man uns versprochen hat. Jeder einzelne von uns kann sich selbst umsehen. Er kann die Gesellschaft betrachten, die ihn umgibt und er kann sich selbst ein Urteil bilden. Und natürlich kann er auch sein eigenes Leben zur Betrachtung heranziehen.

Sind wir glücklich mit der Gesellschaft, in der wir leben? Sind wir glücklich mit dieser Freiheit, die uns versprochen und die geliefert wurde?

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er zu dieser Gesellschaft und ihren Werten steht.

Doch schauen wir uns dieses Narrativ von der „Sexuellen Befreiung“ etwas genauer an. Man sagt uns, eine freie Entfaltung der Sexualität wäre ein wichtiger Faktor dafür, im Leben glücklich zu sein.

Nun haben wir Menschen diese Tendenz, uns selbst und unsere Zeit als die Spitze des Fortschritts anzusehen. Oft betrachten wir die Gesellschaft, in der wir leben, als die bestmögliche und glauben, unsere Art zu leben sei die einzige, die überhaupt Sinn macht. Alles, was vor uns war, betrachten wir als notwendigen Entwicklungsschritt hin zu unserer heutigen und als fast perfekt empfundenen Welt, wenn nicht gar als Fehlentwicklung.

Aber wenn etwas mehr als tausend Jahre funktioniert hat, muss dann nicht irgend etwas daran richtig sein? Insbesondere dann, wenn wir unsere heutige Welt betrachten, die erst seit wenigen Jahrzehnten in dieser Form existiert und die gerade nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als ob das noch lange so weiter gehen würde?

Warum aber lehren die Religionen eine „Sexualmoral“, eine Sache, die uns heute so seltsam aus der Zeit gefallen scheint? Und warum lehrt uns der Linksliberalismus das Gegenteil, welches man zusammenfassen könnte mit: „Alles ist erlaubt, so lange alle (direkt) Beteiligten es gut finden“?

Ich könnte jetzt etwas über stabile Familien und daraus erwachsende stabile Gesellschaften und über Geburtenraten schreiben. Genauso gut könnte ich Kinder und ihr Recht auf stabile Verhältnisse erwähnen. Ich könnte über Verantwortung schreiben, die man als Erwachsener übernehmen sollte und die wichtiger ist als individuelle Selbstverwirklichung um jeden Preis.

Kurz: Ich könnte darüber schreiben, dass Sexualität wichtige soziale Funktionen erfüllt und nicht nur bloße Triebbefriedigung ist. Und genau das ist der Kern der Sache.

„Du sollst Deine Sexualität kontrollieren  – und nicht sie dich“

Religion und Tradition wollen uns nicht „unterdrücken“. Sie sagen uns einfach nur:

Sexualität ist ein Trieb; sie kann gute und schlechte Dinge bewirken. Wir wollen, dass du lernst, sie zu beherrschen. Du sollst deine Sexualität kontrollieren und nicht sie dich.

Wir Menschen sind hin und her gerissen zwischen kurzfristigen und leicht verfügbaren Freuden und langfristigen Zielen. Und genauso sind wir auch hin und her gerissen zwischen unserer triebhaften und unserer höheren geistigen Natur.

Geben wir den kurzfristigen Freuden zu sehr nach, so zerstören wir das, was uns auf lange Sicht glücklich machen würde oder sorgen dafür, dass es gar nicht erst entstehen kann.

Und genau das ist es, was die Zerstörer des Westens mit ihrer Maxime „Alles ist ok, so lange alle Beteiligten einverstanden sind“ bezwecken.

Sie wollen uns auf dieses niedere Level herunterziehen. Sie wollen uns dazu verleiten, unserem ersten Impuls nachzugeben. Und sie haben eine Moral geschaffen, welche dieses Verhalten für richtig erklärt.

Sie soll uns das schlechte Gefühl nehmen, das uns beschleicht, wann immer wir unsere hohen und schwierigen Ziele aus den Augen verlieren und uns stattdessen in unseren niederen Instinkten und damit in der Gegenwart verlieren.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags auf dieser Internetseite: https://neokonservativ.wordpress.com/


Billy Graham: Warten bis zur Ehe gefällt Gott

Sexualität gehört in die Ehe zwischen Mann und Frau. Das entspricht dem Willen Gottes. Dieser Ansicht ist der weltbekannte amerikanische Evangelist Billy Graham. BILD0289

„Gott möchte, dass seinen Kindern das Leben gelingt. Deshalb hat er ihrer Sexualität Grenzen gesetzt“, schrieb er in der Zeitung „The Kansas City Star“. Er reagierte auf die Frage eines 16-Jährigen; der Junge wollte wissen, warum er es nicht wie seine Freunde halten solle, die sexuell aktiv seien und „eine gute Zeit“ hätten.

Wie Graham schreibt, kennt Gott die Gefahren, die durch unmoralisches sexuelles Verhalten drohen. Dazu gehörten einerseits ungewollte Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten, andererseits emotionale Konflikte wie Schuldgefühle oder Depressionen.

Wo Sex außerhalb der Ehe praktiziert werde, könne er schnell „egoistisch und manipulierend“ werden. Er wisse, dass der Druck auf Christen in der heutigen Gesellschaft groß sei, so Graham. Die Versuchung lauere an jeder Ecke  –  und Christen, die sich für sittliche Grundsätze einsetzten, würden verhöhnt.

Der Evangelist erinnerte jedoch daran, dass Gott jene segne, die seinem Willen folgen.

Quelle: http://www.idea.de

Gemälde: Evita Gründler


Online-Bekenntnis zur kirchlichen Sexualethik

Unter dem Motto „Die Ehe soll von allen in Ehre gehalten werden“ (Hebr 13,4) kann derzeit online ein Treuebekenntnis unterzeichnet werden, das sich für die überlieferte Lehre der Kirche über Liebe, Sexualität und Fruchtbarkeit einsetzt. BILD0289

Es geht um das JA zur „Wahrheit über Ehe und Familie“, wie es einleitend heißt, aber auch um die Sakramentenlehre (vor allem zur Ehe, Eucharistie und Beichte).

Außerdem wird betont, daß die Sexualerziehung der Kinder ein grundlegendes und vorrangiges Recht der Eltern ist. Zudem sei das 6. Gebot und die Unauflöslichkeit der Ehe nicht nur ein erstrebenswertes Ideal, sondern eine Forderung Gottes.

Wiederverheiratete Geschiedene sollten sich trennen oder (falls dies nicht möglich ist) nur platonisch zusammenleben, um die erste gültige Ehe zu respektieren. Irreguläre sexuelle Verbindungen sind schwere sittliche Verirrungen, die ohne Umkehr bzw. Beichte vom Tisch des Herrn ausschließen.

Die Bischöfe, Priester und Gläubigen werden aufgefordert, sich zur unveränderlichen Lehre der Kirche und der Botschaft zu bekennen, wie sie von den Aposteln überliefert wurde.

Dieser Text ist eine kurze Zusammenfassung des Treuebekenntnisses. Die vollständige Version lesen sie hier: LINK

Foto: Evita Gründler


Homosexuellenverband kritisiert das Papstschreiben – und lobt EKD und ZdK

Das 300 Seiten umfassende Schreiben „Amoris Laetitia“ (Freude der Liebe) von Papst Franziskus über Ehe und Familie befaßt sich   – wenngleich eher am Rande  – auch mit dem Thema Homosexualität. Radio Vatikan

Manfred Bruns, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD), hat sich in einer Pressemitteilung bereits heftig über die entsprechenden Passagen beschwert. Unter dem Titel „Keine „Freude der Liebe“ für Lesben und Schwule“ wird das nachsynodale Dokument als „Enttäuschung“ bezeichnet.

Der Papst stelle zwar fest, so heißt es in der Erklärung, „dass Lesben und Schwulen mit Respekt begegnet werden soll“ und man sie nicht „ungerecht zurücksetzen“ dürfe. (Diese Äußerungen sind freilich nichts Ungewöhnliches, sondern stehen schon seit Jahrzehnten im Weltkatechismus.)

Bruns beanstandet aber, daß das päpstliche Schreiben dazu auffordert, den Schwulen und Lesben zu helfen, „den Willen Gottes ganz zu erfüllen, sprich enthaltsam zu leben und auf Liebe und Sexualität zu verzichten, Umpolungs- und Heilungsangebote inklusive“.

Zudem wird kritisiert, daß Franziskus sich besorgt zeige, weil „angeblich Entwicklungsgelder davon abhängig gemacht werden, ob Staaten die Eheöffnung (für Homosexuelle) ermöglichen.“ Vat_Flagge

Sodann würdigt der Verbandsvorsitzende am Familienschreiben des Papstes genau das, was von theologisch konservativen Katholiken kritisiert wird:
 
„Einzige Neuerung ist, dass die nationalen Bischofskonferenzen mehr Spielraum haben, wenn es um die praktische Auslegung moralischer Normen auf dem Gebiet der Sexualität geht. Der LSVD erwartet, dass sich die deutschen Bischöfe für eine Erweiterung des Familienbildes aussprechen, auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften.“

Zudem lobt Bruns das progressive „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“ wegen seiner Erklärung „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen“ vom Vorjahr, zumal darin auch eine kirchliche „Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften“ gefordert wurde.
 
Die Zustimmung des LSVD gilt freilich vor allem der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland):

„In der evangelischen Kirche werden Lesben und Schwule immer mehr als gleichberechtigte Gemeindeglieder akzeptiert…So diskutiert die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Wochenende, ob sie zukünftig die Liebe zweier Menschen traut – egal ob ‪‎lesbisch, ‎schwul oder heterosexuell.“

Wir dokumentieren hier die beiden Passagen des Papstschreibens zur Homosexualität:

250. Die Kirche passt ihre Haltung Jesus, dem Herrn, an, der sich in grenzenloser Liebe für jeden Menschen, ohne Ausnahme, geopfert hat. Mit den Synodenvätern habe ich die Situation von Familien bedacht, welche die Erfahrung machen, dass in ihrer Mitte Menschen mit homosexueller Orientierung leben  –  eine Erfahrung, die nicht leicht ist, sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder. Darum möchten wir vor allem bekräftigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll und sorgsam zu vermeiden ist, ihn »in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen« oder ihm gar mit Aggression und Gewalt zu begegnen. In Bezug auf die Familien kommt es hingegen darauf an, eine respektvolle Begleitung zu gewährleisten, damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen.

251. Im Laufe der Debatte über die Würde und die Mission der Familie haben die Synodenväter angemerkt: »Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.«  – Es ist unannehmbar, »dass auf die Ortskirchen in dieser Frage Druck ausgeübt wird und dass die internationalen Organisationen Finanzhilfen für arme Länder von einer Einführung der „Ehe“ unter Personen des gleichen Geschlechts in ihrer Gesetzgebung abhängig machen«.

 

Fotos: Radio Vatikan


Das Web-Portal der Dt. Bischofskonferenz präsentiert theologisch irreführende Thesen

Vom Mißbrauch des Mißbrauchs zu theologischen Zwecken

„Katholisch.de“ ist die amtliche Internetpräsenz der Deutschen Bischofskonferenz, die von theologisch konservativen Christen zunehmend kritisch wahrgenommen wird. Seit Jahren treibt dort der sog. „Reformkatholizismus“ seine schillernden Blüten bzw. Sumpfblüten.

Am 25. Januar 2016 veröffentlichte das erwähnte Portal ein Interview mit dem als progressiv bekannten Laientheologen Magnus Striet, der bis Februar 2010 sogar Dekan der katholischen Fakultät der Universität Freiburg war.

Äußerer Anlaß ist die Mißbrauchsdebatte, die sich für vielerlei Zwecke und Bestrebungen vereinnahmen bzw. mißbrauchen läßt.

Schon der Titel des Gesprächs „Es stehen grundsätzliche theologische Fragen an“ verdeutlicht, daß das Mißbrauchsproblem als Aufhänger mit dem Ziel dient, die kirchliche Lehre in eine andere, nämlich zeit(geist)gemäße Richtung zu verändern.

Der katholische Fundamentaltheologe betont zwar sein Mitgefühl für die Opfer, stellt aber  –  hinsichtlich der Täter  –  zugleich deren Willensfreiheit weitgehend infrage: „Werfen wir einen Blick auf die Täter. Wenn man akzeptiert, dass kein Mensch sich sein Begehren einschließlich der in diesem enthaltenen sexuellen Dimension ausgesucht hat, sondern dass da ein ganzer Komplex von Faktoren eine Rolle spielt, so stellt sich die Frage, wie man den Schuldanteil bei Missbrauchstätern überhaupt beschreibt.“

Kurz darauf bringt er das, was er mit dieser Äußerung wohl bezwecken wollte, klarer auf den Punkt: „Bis heute tut man in der Kirche immer noch oft so, als ob alles unter die Freiheit des Willens gestellt sei, aber das ist sicherlich nicht der Fall.“0018

Sodann kritisiert Prof. Striet die angeblich „hochgradig spiritualisierte Kategorie der Reinheit“ in der katholischen Kirche und fügt hinzu: „Dass Jesus eine Sexualität gehabt hat, spielte theologisch keine Rolle, was nicht ohne Auswirkungen auf das Priesterbild bleiben konnte.“

Wie dürfen wir diese  – zumindest mißverständliche  –  Äußerung, Christus habe „eine Sexualität gehabt“, verstehen?  – Natürlich war Jesus voll und ganz Mensch  – aber außer der Sünde, so daß der unverheiratete HERR sicherlich keine Sexualität praktizierte  – und wegen seiner Erbsündenfreiheit auch kein ungeordnetes Begehren kannte.

Prof. Magnus Striet: „Das Priesteramt ist zu desakralisieren; das kirchliche Amt ist auszunüchtern“

Dr. Striet behauptet weiter, es sei „dringend geboten“ (!),  Jesu Menschsein „theologisch neu zu akzentuieren“, nämlich dahingehend, „dass dieser ein Mann in den Kulturkontexten seiner Zeit mit den entsprechenden, durchaus kontingenten Vorstellungsmustern war.“  
Als ob eine solche Aussage nicht schon irreführend genug sei, fügt er hinzu: „Zugleich ist das Priesteramt zu desakralisieren, nüchterner zu betrachten.“  –  Zum kirchlichen Amt allgemein äußert er sich ähnlich: „Insgesamt ist die Vorstellung vom Amt in seiner hochgradig spiritualisierten Form auszunüchtern.“
 jesus in der synagoge von nazareth
Das Portal „Katholisch.de“ bzw. Agathe Lukassek stellt ihre Fragen durchgängig derart unkritisch, daß sie für Professor Striet als optimales Sprungbrett für die Entfaltung seiner Thesen dienen  –  und manchmal sogar noch weitergehen, als Striet selber es anstrebt, zB. bei der Frage:Muss man an der Stelle auch die Sakramentenlehre theologisch überdenken?“  – Hierauf antwortet er immerhin noch mit „Nein“.

Schöpfungs- und Erlösungslehre infragegestellt

Kurz danach geht es aber weiter zur Totaldemontage der christlichen Erlösungstheologie, denn der Freiburger Theologe bemängelt die „klassische Dogmatik“, welche „von einem guten Anfang ausgeht, dann mit einem Sündenfall des Menschen und dann der Satisfaktion durch  das Kreuzesopfer rechnet.“

Hinsichtlich der Lehre von der Erbsünde wird gar ein „Umdenken“ angemahnt: „Das organisierende Prinzip der Theologie kann nicht die Sündenverfallenheit aller sein. Was sollte eine solche Theologie noch zu sagen haben bezogen auf Kinder, die zu Gewaltopfern wurde?“

Hier werden Mißbrauchsopfer schon wieder als Mittel zum Zweck instrumentalisiert, um die kirchliche Schöpfungs- und Erlösungslehre  – und tendenziell erneut den freien Willen des Menschen  –  deutlich anzuzweifeln:

„Die Vorstellung des guten Ausgangspunktes ist fallen zu lassen. Der Mensch ist das Ergebnis evolutiver Prozesse, die Ausbildung sexuellen Begehrens ist Teil dieser Prozesse. Bevor man hier moralisch oder gar theologisch wertet, ist dies erst einmal zur Kenntnis zu nehmen.

HINWEIS: Bereits im Mai 2113 haben wir uns kritisch mit diversen Irrlehren von Prof. Striet befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/15/absurde-welten-ein-katholischer-theologe-leugnet-das-abc-des-christentums/

Die Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, KOMM-MIT-Verlag


Psychologe: Liebe ist mehr als ein Gefühl – Sexualität gehört in die Ehe

„Die Ehe ist nicht totzukriegen“

Liebe läßt sich lernen. Diese Ansicht vertritt der Psychologe und Buchautor Jörg Berger (Heidelberg) in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. IMG_1426

Es gäbe grundsätzlich für jeden Menschen mehr als einen Partner, der für eine erfüllende Beziehung in Frage komme, so Berger. Diese Einsicht sei entlastend, denn es komme nicht darauf an, daß man sich wie zwei Puzzlestücke zu 100 Prozent ergänze, sondern darauf, dass man das Handwerkszeug erlerne, mit dem man die Partnerschaft gestalten könne.

Nach Bergers Beobachtung sind Frauen den Männern in der Kommunikation und Beziehungspflege häufig überlegen. Sie kritisierten ihre Männer, die sich dann zurückzögen und gar nicht mehr reden wollten.

Berger empfiehlt Christen, vorher darauf zu achten, daß der Ehepartner ein Christ ist. Dies sei zwar noch keine Garantie für eine glückliche Beziehung. Eine fehlende gemeinsame Glaubensbasis könne jedoch in eine große Zerreißprobe führen.

Zudem sollten Christen ihre Sexualität an die Ehe binden. Zwar werde dies von der Mehrheit der Gesellschaft nicht unterstützt, und selbst Kirchengemeinden täten sich schwer damit. Sexuelle Intimität brauche jedoch einen Schutzraum.

Berger hierzu: „Die Ehe ist nicht totzukriegen. Es liegt eine tiefe Sehnsucht in uns, ein Leben lang in Treue zu einem anderen Menschen zu leben. Umfragen unter jungen Menschen zeigen das immer wieder – auch wenn das tatsächlich gelebte Leben von diesem Wunsch oft abweicht.“

Quelle: http://www.idea.de


Uni-Studie: Für ältere Ehepaare ist Zärtlichkeit weitaus wichtiger als Sexualität

Pressemitteilung der Universität Rostock:

Im höheren Lebensalter bleibt die sexuelle Zufriedenheit stabil. Zudem hat Zärtlichkeit im Vergleich zur Sexualität im Alltag älterer Paare eine höhere Bedeutung. BILD0289
 .
Zu diesen Ergebnissen kommt ein Wissenschaftlerteam der Universitätsmedizin Rostock und der Queen Mary University of London, Barts and the London School of Medicine and Dentistry bei der Untersuchung verheirateter älterer Männer und Frauen.
Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich die renommierte Fachzeitschrift PlosOne.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von Teilnehmern der bevölkerungsbasierten „Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE) aus, mit der seit 1993 individuelle, soziale und ökonomische Bedingungen gesunden Alterns erforscht werden.

Dreimal nahmen die Studienteilnehmer bereits an dem umfangreichen Untersuchungsprogramm teil. Fragen zu Sexualität und körperlicher Nähe spielten dabei auch eine Rolle. Die publizierten Befunde basieren auf Daten von 1930 bis 1932 geborenen Männern und Frauen. Zum Zeitpunkt der drei Erhebungswellen waren sie 63, 67 und 74 Jahre alt.

Die Teilnehmer zeigten während des zwölfjährigen Studienverlaufs stabile sexuelle Zufriedenheitswerte, obwohl sich die sexuelle Aktivität, so der übereinstimmende Befund der internationalen Forschungsliteratur, mit dem Alter als Folge hormoneller und physischer Veränderungen verringert.

Bei langjährigen Ehen wächst die gegenseitige Anpassung

Die Forscher führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass psychische Anpassungsprozesse bei Menschen in langjährigen Partnerschaften besonders gut gelingen.
Die Ergebnisse belegen, dass sich diese Anpassungsprozesse an altersbezogene sexuelle Veränderungen bei Männern über einen längeren Zeitraum als bei Frauen erstrecken.
 .
Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die untersuchten Personen Zärtlichkeit für wesentlicher erachten als Sexualität:
 .
„So räumten im Alter von 74 Jahren 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen Zärtlichkeit einen wichtigen Platz in ihren Partnerschaften ein“, sagt Dr. Britta Müller (siehe Foto) vom Forscherteam der Universitätsmedizin Rostock.
 .
Sexualität hingegen habe nur bei 61 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen eine bedeutende Rolle gespielt.

Kuscheln führt zu größerer Zufriedenheit

 „Viele alternde Paare suchen durch Streicheln, Schmusen, Kuscheln, mitunter auch ritualisiert in Form des morgendlichen bzw. abendlichen Kusses oder des Händchenhaltens beim Spazierengehen, dem wachsenden Bedürfnis gerecht zu werden, sich der gegenseitigen körperlichen Nähe zu versichern“, erläutert Frau Dr. Müller. Darin liege auch der Schlüssel für die Partnerschaftszufriedenheit im Alter.
 .
Von fünf untersuchten Aspekten  –  Bildungsgrad, physischer Gesundheitszustand, Dauer der Partnerschaft, Bedeutung von Sexualität sowie von Zärtlichkeit  –  erweist sich nur der letzte Punkt, die Zärtlichkeit, als relevant für die Zufriedenheit mit der Partnerschaft.

Publikationsverweis:
Müller, B., Nienaber, C. A., Reis, O., Kropp, P., & Meyer, W. (2014). Sexuality and Affection among Elderly German Men and Women in Long-Term Relationships: Results of a Prospective Population-Based Study. PloS one, 9(11), e111404.

Kontaktdaten: Dr. Britta Müller
Universitätsmedizin Rostock
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Tel. 0381/494 9596

Quelle: http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/senioren-ist-kuscheln-wichtiger-als-sex/

Gemälde: Evita Gründler