Unionsfraktion wirft Justizminister Maas eine Täuschung der Öffentlichkeit vor

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der „Bild am Sonntag“, die Verschärfung des Sexualstrafrechts dürfe nicht länger blockiert werden. Er sei offen für eine praxistaugliche Lösung zur Verankerung des Grundsatzes „Nein heißt Nein“. Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker: 159481-3x2-teaser296

„Der Grundsatz «Nein heißt Nein» verträgt keine Einschränkung. Wir sind froh, dass Bundesjustizminister Heiko Maas dies nun endlich auch erkennt. Maas musste zum Jagen getragen werden, wollte er am Sexualstrafrecht doch zunächst gar nichts ändern.

Erst auf vielfältigen Druck hin machte er sich an die Reform, legte aber einen unzureichenden Entwurf vor. Denn sein Entwurf beinhaltet weder die sogenannte „Nein-heißt-nein-Lösung“, noch sieht er eine Strafbarkeit für das sogenannte „Grapschen“ vor.

Mittlerweile beugt er sich offenbar dem Druck der Union und der Frauenverbände. Bundesminister Maas sollte nun aber nicht versuchen, die Öffentlichkeit hinter das Licht zu führen. Die Union blockiert die „Nein-heißt-nein-Lösung“ nicht. Richtig ist vielmehr, dass die Parlamentarier der Union derzeit daran arbeiten, den Grundsatz „Nein heißt Nein“ umzusetzen.

Wir formulieren zurzeit das entsprechende Gesetz – was eigentlich Aufgabe des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz gewesen wäre. Wir fordern Bundesminister Maas  auf, nun seine Hausaufgaben zu machen und an unserem guten Entwurf mitzuarbeiten.“


Polizeigewerkschafter erörterten Asylprobleme mit Bundestags-Innenexperten

Zu einem Gespräch über aktuelle sicherheits- und innenpolitische Themen traf sich in Berlin die Spitze der DPolG (Deutsche Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund) mit dem Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU); mit dabei war auch Gewerkschafts-Chef Rainer Wendt, der sich vielfach in den Medien zu aktuellen Vorgängen äußert.

Kernthema war die Herausforderung durch den Flüchtlingszustrom. Die Polizei, die mit ihren Kapazitäten am Rand der Belastbarkeit agiert, braucht dringend Entlastung und Verstärkung.

Darüberhinaus müsse nach den schlimmen Ereignissen von Köln über ein härteres Sexualstrafrecht sowie über weitergehende Sanktionen gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern nachgedacht werden.

Quelle mit Foto: http://www.dpolg.de/aktuelles/news/innere-sicherheit-bleibt-top-thema/


Silvesternacht-Causa: Unionsfraktion will Lücken im Sexualstrafrecht schließen

Im Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen und Eigentumsdelikten, die sich in der Silvesternacht in mehreren deutschen Städten ereigneten, gibt es eine intensive Diskussion um Verschärfungen im Strafrecht. Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker:

„Derartige schlimme Taten dürfen sich weder so noch in anderen Konstellationen wiederholen. Deshalb sehen wir weiteren Handlungsbedarf und fordern den Justizminister auf: 033_30

  • Sexuelle Belästigung, die nicht die Grenze zur sexuellen Nötigung überschreitet, muss unter Strafe gestellt werden: Auch wenn es „nur “ um Grapschen geht, ist das ein massiver und traumatisierender Übergriff, der durch nichts zu rechtfertigen ist! Bundesminister Maas hat dies bisher abgelehnt, dabei darf es nicht bleiben. Unabhängig davon werden wir Schutzlücken im Sexualstrafrecht schließen, die allerdings nicht erst seit Silvester auf der Agenda stehen und dort auch keine konkreten Strafbarkeitslücken zur Folge haben.
  • Die Tatvariante des „Antanzens“ muss selbständig unter Strafe gestellt werden. Wer so zum Diebstahl ansetzt, darf auch dann nicht davon kommen, wenn der Angriff abgewehrt werden kann! Leider wird das „Antanzen“ in der Praxis teilweise als bloße straflose Vorbereitungshandlung angesehen. Deshalb ist Handlungsbedarf geboten.
  • Wir brauchen eine bessere Rechtsgrundlage zur Beschlagnahme von Handys zum Zweck der Identitätsfeststellung, auch wenn sie nicht als Tatmittel eingesetzt werden. Die Handys können dann anschließend unter Angabe der geprüften Personalien wieder abgeholt werden. In Köln hätte dies bei der Ermittlung der Täter sehr hilfreich sein können.
  • Für Grapschereien und Nötigungen, die aus einer Menschenmenge heraus begangen werden, sollte eine entsprechende Regelung wie bei der Beteiligung an einer Schlägerei geschaffen werden. Dann macht sich derjenige strafbar, der an solchen Übergriffen teilnimmt, auch wenn sein konkreter Tatbeitrag im Übrigen nicht sicher geklärt und bewiesen werden kann.  Dies hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bisher abgelehnt.
  • Die Möglichkeit der Anordnung von Untersuchungshaft muss erleichtert werden: Der Katalog der Straftaten, bei denen Untersuchungshaft auch angeordnet werden kann, wenn kein Haftgrund vorliegt, muss auf weitere schwere Straftaten ausgeweitet werden– wie beispielsweise auf die Vergewaltigung und auf schweren Raub.
  • Es ist richtig, dass vor allem bei einigen typischen Strafratbeständen die Ausweisung und Abschiebung erleichtert werden sollen. Zu diesen Tatbeständen müssen auch Urkundsdelikte gehören: Wer den Staat über seine Nationalität belügt, um bessere Bleibechancen zu erschleichen, wer Meldepflichten umgeht und unseren Staat nicht respektiert, darf kein Bleiberecht bekommen.“

Unionsfraktion setzt besseren Schutz vor Kinderpornographie durch

Am heutigen Vormittag hat der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages den „Gesetzesentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches – Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht“ abschließend beraten.

Der Gesetzentwurf soll am Freitag dieser Woche in 2./3. Lesung beschlossen werden. Wesentlicher Inhalt ist ein besserer Schutz von Kindern vor Kinderpornografie und sexuellen Übergriffen. m

Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Elisabeth Winkelmeier-Becker:

„Der Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas ist im parlamentarischen Verfahren auf Initiative der Union erheblich verändert worden. Das Gesetz dient nun wesentlich besser dem Schutz der Kinder vor Kinderpornografie und sexuellen Übergriffen.

Vor allem dem Handel mit Kinderfotos wird ein Riegel vorgeschoben und die Würde der Kinder geschützt. Gleichzeitig werden Fotos für das private Album nicht mehr – wie ursprünglich vorgesehen – von Paragraph 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) erfasst. Nur Bildaufnahmen von nackten Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen eines Tausches bzw. gegen Entgelt hergestellt, angeboten oder verschafft werden, sollen strafbar sein.

Neu ist, dass das Herstellen und Gebrauchen von Bildern, die die Hilflosigkeit von Personen zur Schau stellen, nunmehr unter Strafe gestellt wird. Die Entwicklung, dass beispielsweise vermehrt unbefugte Bilder von Unfallopfern gemacht werden, kann nicht hingenommen werden.

Dagegen fällt – anders als es der ursprüngliche Entwurf vorsah – die unbefugte Herstellung von Bildern, die lediglich geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, weiterhin nicht unter Paragraph 201a StGB. Etwas anderes gilt nur, wenn diese Bilder einer dritten Person zugänglich gemacht werden. Damit wollen wir einerseits insbesondere dem Cybermobbing begegnen, andererseits aber nicht jedes peinliche Foto kriminalisieren.

Zudem wird klargestellt, dass immer eine Abwägung mit überwiegenden berechtigten Interessen – wie beispielsweise der Kunst, Wissenschaft oder Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte – erfolgen muss.

Eine weitere Änderung betrifft die Definition von Kinderpornografie. Sie wird um den Zusatz „sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder Gesäßes eines Kindes“ erweitert.

Darüber hinaus soll der Gesetzentwurf gewährleisten, dass das deutsche Strafrecht bei Zwangsheirat unabhängig vom Recht des Tatortes vollständig und einfacher angewandt werden kann. Eine weitere Neuerung betrifft den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Die neue Regelung behandelt alle Täter gleich, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht.“

Foto: CDL, Mechthild Löhr


Bundestag debattiert über Verschärfung des Sexualstrafrechts und besseren Opferschutz

Gestern hat der Deutsche Bundestag in erster Lesung über den Gesetzesentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches – Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht debattiert.

Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Elisabeth Winkelmeier-Becker:
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„Mit dem Gesetzesentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches  – Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht werden die Forderungen der CDU/CSU-Bundesfraktion nach einem besseren Opferschutz aufgegriffen. Damit wird – wie zuvor bereits von uns gefordert – der Schutz der Intimsphäre vor Verletzung durch Bildaufnahmen – insbesondere durch Nacktbilder – verbessert.

Im Hinblick auf den Fall Edathy sollen künftig insbesondere die unbefugte Herstellung, Verbreitung und das Gebrauchen von Nacktaufnahmen unter Strafe gestellt werden. Film- oder Fotoaufnahmen von Eltern, die ihre Kinder beispielsweise im Urlaub ablichten, sollen dagegen weiterhin zulässig bleiben. IMG_1061

Auch wurde unsere Forderung, dass Minderjährige vor sexuellen Übergriffen in Obhutsverhältnissen besser geschützt werden müssen, im Gesetzesentwurf aufgenommen. Damit wird insbesondere die Strafbarkeitslücke für die Fälle geschlossen, in denen Vertretungslehrer eine sexuelle Beziehung zu ihren minderjährigen Schülern eingehen.

Ebenfalls wurde in den Entwurf unsere Forderung, minderjährige Kinder vor sexuellen Handlungen der mit ihnen in einem Haushalt lebenden Personen besonders zu schützen, übernommen. Dies betrifft beispielsweise den Schutz vor dem Lebenspartner eines Elternteils oder Großeltern.

Zur Verbesserung des Opferschutzes soll die strafrechtliche Verjährung von verschiedenen Delikten künftig nicht nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, sondern bis zur Vollendung  des 30. Lebensjahrs des Opfers ruhen.  Schwere Sexualdelikte können damit nicht vor Vollendung des 50. Lebensjahres des Opfers verjähren, so dass die häufig stark traumatisierten Opfer Zeit haben, das Geschehene zu verarbeiten.

Viele Opfer sind erst nach Jahren und Jahrzehnten in der Lage, über das Geschehene zu sprechen und gegen die Täter vorzugehen. Zudem wird der Strafrahmen beim Besitz kinderpornographischer Schriften und bei der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen erhöht.

Neben diesen auf den Weg gebrachten repressiven Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen setzt sich die CDU/CSU-Fraktion auch für die finanzielle  Unterstützung von präventiven Projekten und Aufklärungskampagnen zum Schutz von Opfern ein.“


Gesetzeslücken bei Vergewaltigung müssen dringend geschlossen werden

Derzeit werden eine Reform des Sexualstrafrechts und insbesondere Gesetzeslücken im Vergewaltigungsparagraphen (§ 177 StGB) diskutiert.

Hierzu erklären die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Elisabeth Winkelmeier-Becker, sowie der zuständige Berichterstatter, Alexander Hoffmann:  0022

Elisabeth Winkelmeier-Becker: „Die Arbeitsgruppe Recht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat bereits in der letzten Sitzungswoche am 1. Juli 2014 beschlossen, dass die beim Vergewaltigungsparagraphen bestehende Gesetzeslücke dringend geschlossen werden muss.

Wenn der Täter für ihn erkennbar ein Überraschungsmoment oder eine Einschüchterungssituation ausnutzt, darf das nicht weiterhin straflos bleiben, Es muss immer strafbar sein, wenn sich der Täter bewusst über den Willen des Opfers hinwegsetzt. Das muss unabhängig davon gelten, ob sein Verhalten gleichzeitig den Tatbestand der Gewalt oder Nötigung erfüllt.

Es muss dabei  akzeptiert werden, dass nicht alle Opfer gleich reagieren. So gibt es Opfer, die in solchen Fällen erstarren, so dass der Täter keine zusätzliche Gewalt mehr anwenden muss. Es darf dann nicht dem Opfer vorgeworfen werden, dass es sich falsch verhalten hätte.“

Alexander Hoffmann: „Die derzeit bestehende Regelungslücke muss geschlossen werden. Es ist anzustreben, dass eine entsprechende Regelung in den aktuellen Gesetzesentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz eingearbeitet wird. Bundesjustizminister Maas hat insoweit bislang offenbar keinen Änderungsbedarf gesehen.

Artikel 36 der Istanbul-Konvention sieht vor, dass alle nicht einverständlichen sexuellen Handlungen unter Strafe zu stellen sind. Dem wird unser Strafrecht bislang nicht gerecht.“


Unionsfraktion begrüßt Verschärfung des Sexualstrafrechts im Gesetzentwurf

Schutz von Kindern und Jugendlichen weiter verbessern

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat einen Gesetzentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches vorgelegt, der auch die europäischen Vorgaben zum Sexualstrafrecht umsetzt.

Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker:

„Wir begrüßen es, dass das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) einen Gesetzentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches und zur Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht vorgelegt hat. Es wurden damit die Forderungen der CDU/CSU-Bundesfraktion aufgegriffen. reichstag_flaggen_368s

Der Entwurf stellt eine erste Diskussionsgrundlage dar. Bereits jetzt erscheint er aber in einigen Punkten änderungsbedürftig. So wird zwar – wie zuvor bereits von uns gefordert – der Schutz der Intimsphäre vor Verletzung durch Bildaufnahmen verbessert.

Aktuelle Fälle mit lediglich bloßstellenden Bildaufnahmen, die die Schwelle zur Kinderpornographie noch nicht überschreiten, zeigen aber auch, dass ein erhöhtes Strafmaß gelten muss, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt. Für diese Fälle dürfte der vorgeschlagene Strafrahmen nicht ausreichen.

Auch die Regelung zum sogenannten Cybergrooming erscheint nicht ausreichend. Nach unserer Ansicht soll bereits derjenige bestraft werden, der gezielt Kinder und Jugendliche im Internet anspricht mit der Absicht, sexuelle Kontakte zu knüpfen oder Bilder zu erhalten. Nach der im Entwurf vorgesehenen Regelung ist das Ansprechen jedoch nur strafbar, wenn auf ein Kind eingewirkt wird, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einem Dritten vornehmen oder von dem Täter oder einem Dritten an sich vornehmen lassen soll. Das Ziel von Handlungen des Kindes an sich selbst reicht beispielsweise immer noch nicht aus.

Die Forderung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass Minderjährige vor sexuellen Übergriffen in Erziehungsverhältnissen besser geschützt werden müssen, wurde im Entwurf aufgenommen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Damit wird insbesondere die Strafbarkeitslücke für die Fälle geschlossen, in denen Vertretungslehrer eine sexuelle Beziehung zu ihren minderjährigen Schülern eingehen.

Schließlich wurde auch unsere Forderung, minderjährige Kinder vor sexuellen Handlungen der mit ihnen in einem Haushalt lebenden Personen besonders zu schützen, übernommen. Dies betrifft beispielsweise den Schutz vor Stiefeltern oder Großeltern.“


Alarm um die Sexualisierung der Kinder

Mathias von Gersdorff

Seit wenigen Tagen wird in Wikipedia über die Löschung von drei Artikeln heftig debattiert. Sie heißen: „Der grosse Basar“ (mit ss, obwohl falsch), „Pädophilie-Debatte (Bündnis 90/Die Grünen)“ und „Debatte um Abschaffung des Sexualstrafrechts in Deutschland“.

Die Artikel seien irrelevant und dienten bloß der Stimmungsmache im Wahlkampf für die Bundestagswahl am 22. September 2013, behaupten die Befürworter der Löschung. Falls die Löschdiskussionen repräsentativ sind, so scheinen bei manchen die Nerven blank zu liegen. Jedenfalls lohnt es für den interessierten Leser, sie zu lesen, denn manches wird dabei hervorgekramt.

M. von Gersdorff

M. von Gersdorff

Auch über Twitter und auf Facebook ist das Thema ständig präsent. Allerdings wird dort angemerkt, daß ein wirklicher Aufschrei und eine Welle der Empörung nicht aufgekommen ist.

Das ist sicherlich richtig. Die Mehrheit der Medien ist äußerst zurückhaltend. Im wesentlichen wird die Debatte um die pädophilen Strömungen bei den Grünen von der Welt beziehungsweise von der Welt am Sonntag genährt. Auch der Focus berichtet regelmäßig und veröffentlichte eine Analyse von Michael Wolffsohn mit dem Titel „Wie grün-rote Medien die Debatte um Kindesmißbrauch bei den Grünen weichspülen“.

Prof. Wolffsohn: Medien einseitig rot-grün

Der Historiker Wolfssohn sieht in der Struktur der deutschen Medien den Grund für die geringe Empörung über die pädophilen Umtriebe in der Vergangenheit der Grünen. Die Presselandschaft sei grün-rot geprägt, die Medienmacher lenken den Zorn der Leser auf Milieus, die sowieso nicht mit den Grünen sympathisieren.

In diesem Strukturproblem sieht Wolffsohn mit einen Grund für das Zeitungssterben, denn die Leser seien nicht mehr bereit, für eine einseitige Berichterstattung zu zahlen. Somit schlußfolgert er:

„Wer meint, den eigenen Anhängern immer wieder und immer noch dieselben und zudem bezahlten Einseitigkeiten oder parteilichen Sanftheiten eintrichtern zu können, wird bald seinen Laden dichtmachen müssen. Also, Dany & Co.: Nicht von Dauer ist die bisherige Sanftheit und Vergeßlichkeit der Medien gegenüber Euren Irrungen und Wirrungen im Bereich von Kindersex und Kindesmißbrauch.“

Die „rosa Brille“ beim Blick auf die grüne Vergangenheit könnte auch ideologisch motiviert sein. Nach dem heutigen Kenntnisstand war die Diskussion über die Straffreiheit für sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen bei den Grünen nach den Landesparteitagen im Jahr 1985 in NRW und Baden-Württemberg im wesentlichen beendet.

Frauenbewegung kritisiert sexuelle Revolution

Auch die Grünen hatten erkannt, daß sie mit solchen Forderungen zu verwundbar waren und der Einzug in die Parlamente dadurch bedroht war. In der Tat schafften sie es 1985 nicht in den NRW-Landtag.

Aber es gibt einen weiteren Grund, der eigentlich wichtiger ist:  Aus dem linken Lager  –  vor allem aus der Frauenbewegung  –  kam zunehmend Kritik an dem Konzept der sexuellen Revolution, die Ende der 60er Jahre vorherrschend war und eben von Personen wie Daniel Cohn-Bendit maßgeblich definiert wurde.

Für die Studentenbewegung war die sexuelle Revolution vor allem ein Instrument, die bürgerliche Ordnung umzukrempeln. Sie lasen Wilhelm Reichs „Sexuelle Revolution“ und waren der Ansicht, die bürgerliche Sexualmoral sei repressiv, autoritär und lediglich dafür da, die Herrschaftsstrukturen aufrechtzuerhalten. Für manche war die „repressive Sexualmoral“ sogar die Grundlage für den Faschismus und den Nationalsozialismus. Für die Studentenrevolte der 60er galt dann die Devise, sämtliche Beschränkungen und Tabus zu schleifen  –  eben auch Pädosexualität.

Aus der Frauenbewegung – vor allem von Alice Schwarzer – kam die Kritik, diese „sexuelle Befreiung“ sei eigentlich nur eine Befreiung für den Mann, der sich an nichts mehr halten müßte. Opfer davon waren die Frauen und die Kinder. Diese würden unter neuen Herrschaftsstrukturen leiden.

Sittlichkeit fehlt als Leitbild

Hinsichtlich der Kinder wurde argumentiert, diese seien aufgrund ihrer Unreife völlig dem Willen des Erwachsenen unterworfen. Das Kind könne nicht wirklich einschätzen, worum es ginge und sei in hohem Maße manipulierbar.

Diese Argumentation klingt zwar recht plausibel, doch sie ist von den Denkstrukturen der 68 und der sexuellen Revolution gestrickt, denn sie folgt nicht dem Leitbild allgemeiner Sittlichkeit, sondern allein der „sexuellen Selbstbestimmung“.

Die Linken begannen, Pädophilie abzulehnen, weil sie eben neue Herrschaftsverhältnisse hervorbringe und der (sexuellen) Ausbeutung Tür und Tor öffnete. Doch die antichristliche und völlig falsche Strategie der sexuellen Befreiung wurde überhaupt nicht verändert. Für die Linken blieb die Sexualisierung von Mensch und Gesellschaft bis heute ein sozialrevolutionäres Instrument, das unbarmherzig angewendet wird.

Mißachtung des Erziehungsrechts der Eltern

Für die Kinder bedeutet das konkret: Sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern bleiben strafbar, doch ihre Sexualisierung  –  was nichts anderes als Indoktrination und Verführung ist  –  wird weiterhin angestrebt. Dabei wird das Erziehungsrecht der Eltern völlig ignoriert, die Kinder werden de facto enteignet.

Auch hier schreitet das Bundesland Berlin an vorderster Stelle voran. Hohe Wellen schlug im Jahr 2011 die Einführung einer äußerst liberalen Sexualkunde an den Berliner Grundschulen. Vom ersten Schuljahr an sollten Kinder lernen, was Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und „sexuelle Vielfalt“ sind. In Märchen und Geschichten sollten „sexuelle Vielfalt“, „Anderssein“, „Brechen mit Rollen-Klischees“ und unkonventionelles Zusammenleben thematisiert werden. Das Ganze läuft unter einer vom Berliner Senat beschlossenen Initiative „Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“.

Im „Bildungsserver Berlin Brandenburg“ des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, einer Einrichtung der Länder Berlin und Brandenburg für die gemeinsame Bildungsregion, wimmelt es von derartigem Unterrichtsmaterial, manches davon ist sogar für dreijährige Kinder gedacht.

Im Bildungsserver wird empfohlen, daß Kinder so früh wie möglich indoktriniert werden sollen; man solle ihnen sagen, daß Homosexualität, Transsexualität, Bisexualität völlig normal seien. „Starre Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit zu hinterfragen“ ist eines der Ziele an den Schulen. Für Dreijährige gibt es beispielsweise das Buch „Eberhard, die ‘schwule Sau’“ von Gabriele Kreuzsaler.

Ideologischer Mißbrauch der Kinder 

Das ist nur ein Beispiel, doch es zeigt, wie wenig Respekt man vor der Unschuld der Kinder hat. Die Menschen, die solche Programme entwickeln und fördern, werden sicherlich verteidigend behaupten, hier werde keine Pädophilie verbreitet. Wird aber hier nicht das moralische Empfinden nicht nur der Kinder, sondern der Erwachsenen hinsichtlich der kindlichen Unschuld zerstört? Wird damit nicht ein totaler ethischer Relativismus propagiert? Werden hier die Kinder nicht für gesellschaftsrevolutionäre Experimente mißbraucht?

Offensichtlich! Die Kinder sind für viele nichts anderes als das Kanonenfutter ihrer sozialrevolutionären Feldzüge gegen die „bürgerliche Gesellschaftsordnung“. Diese Fragen müssen in die gegenwärtige Debatte über die pädosexuellen Umtriebe der Grünen in den Achtzigern eingebracht werden. Die Beschränkung auf die Pädophilie zeigt nicht annähernd den Schaden, der den Kindern zugefügt wurde und wird.

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist katholischer Schriftsteller und Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“

Erstveröffentlichung des Artikels in der Wochenzeitung JF: http://www.jungefreiheit.de