Feministische Historikerin Dagmar Herzog verteidigt den Zölibat der Priester

Kritik an sexueller Freizügigkeit in der NS-Diktatur und der 68er Kulturrevolution

Der Zölibat  –  also die Ehelosigkeit katholischer Priester  –  gilt in der öffentlichen Debatte größtenteils als fraglich bis verwerflich.

Vor allem auf dem Höhepunkt der Mißbrauchsdebatte vor 5 Jahren brachten nicht nur Medien und Politiker und Journalisten den Zölibat ins Zwielicht, sondern sogar Bischöfe wie Kothgasser (Österreich) oder Weihbischof Hans-Joachim Jaschke (Hamburg). Selbst Kardinäle, darunter Erzbischof Christoph Schönborn aus Wien sowie der Mainzer Erzbischof Karl Lehmann stellen den Zölibat infrage.   media-FZMqzvujo1V-2

Dabei wurde eingeräumt (was wissenschaftlich ohnehin geklärt ist), daß der Zölibat keine „Ursache“ von Mißbrauch darstellt, zumal pädosexuelle Neigungen im Pupertätsalter entstehen (also längst vor dem priesterlichen Zölibatsversprechen).

Gleichwohl wurde der Einwand formuliert, die ehelose Lebensweise katholischer Geistlicher ziehe pädosexuell orientierte Männer besonders stark an.

Diese These erhielt Widerspruch von feministischer Seite. So wendet sich z.B. die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog, Autorin der wissenschaftlichen Studie „Die Politisierung der Lust“, ausdrücklich gegen die Verunglimpfung des Zölibats.index

Das „Deutschlandradio“ führte am 14. März 2010 ein ausführliches Gespräch über „Pädophilie und Pädagogik“ mit der Autorin aus New York, die in ihren Forschungen vor allem den Umgang mit Mißbrauch in USA und Irland untersuchte.

Die Professorin Herzog wurde in dem Interview gefragt, was sie von der These Weihbischofs Jaschkes halte, wonach der Zölibat ein Anziehungspunkt für sexuell Fehlgeleitete sei.

Die Antwort der Historikerin: „Ich finde, daß das falsch ist.“  –  Es gäbe schließlich zahllose Männer, die mit dem Zölibat gut klarkommen.

Zudem gäbe es Mißbrauch auch in Familien und im linken Spektrum, wobei sie an die Odenwaldschuld erinnerte: dort habe man sich sogar bewußt die antiken Zeiten Griechenlands mit ihrem Päderastentum bzw. der sog. „Knabenliebe“ zum Vorbild genommen.

Die Geschichtswissenschaftlerin widersprach zudem jener vulgärpsychologischen „Dampfkessel-Theorie“, die besagt, eine Unterdrückung sexueller Triebe führe zu Fehlformen, krankhafter Sexualität, Machtrausch und Aggressionen  –  eine These immerhin, die letztlich auf Wilhelm Reich zurückgeht, einem Vordenker der „sexuellen Befreiung“.

Dagmar Herzog hält geschichtliche Tatsachen entgegen: Diese Theorie sei falsch und gerade durch die NS-Diktatur widerlegt, denn dort habe große sexuelle Freizügigkeit geherrscht, gleichzeitig aber auch eine Zunahme an Machtgier und Aggression. Die Sexual-„Moral“ der Nazis war insgesamt nicht konservativ, sondern liberal.

Hierüber verfaßte die feministische Autorin 2005 ein faktenreiches Sachbuch mit dem Titel „Die Politisierung der Lust“ (Siedler-Verlag), worin sie analysiert, daß die NS-Zeit zu einer “Fortschreibung, Ausweitung und Intensivierung der bereits vorhandenen liberalisierenden Tendenzen” führte. (So haben die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten zB. die Strafbarkeit des Ehebruchs abgeschafft und vorehelichen Sex propagiert.)

Insoweit wenig erstaunlich, daß der jüdische Schriftsteller Victor Klemperer sich in seinem bekannten Tagebuch damals darüber beschwerte, “daß die Krankenhäuser übervoll sind nicht nur von schwangeren, sondern auch von tripperkranken fünfzehnjährigen Mädchen”.

In ihrer Studie „Die Politisierung der Lust“ befaßt sich die Historikerin nicht allein mit der Verstrickung von „freier“ Sexualität und Politik in der braunen Diktatur, sondern auch mit dem „Aufbruch von 1968“. Obwohl sie der 68er-Bewegung ansonsten eher wohlwollend gegenübersteht, betrachtet sie die Sexwelle durch eine kritische Brille.

Ein fundiertes Sachbuch, das in der Dauerdebatte um diese „heißen Themen“ mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Leider ist es 10 Jahre nach seinem Erscheinen vergriffen bzw. vom Siedler-Verlg nicht neu aufgelegt worden. Man wird es aber in gut sortierten Bibliotheken ausleihen können bzw. per Fernleihe erhalten.


Mißbrauchsskandale: Ursachen der Doppelmoral im Umgang mit der kath. Kirche einerseits und den Grünen andererseits

Mathias von Gersdorff

In den letzten Wochen wurde die Behandlung des Mißbrauchsskandals der Grünen sehr oft mit dem der katholischen Kirche verglichen: Während über die Katholiken im Jahr 2010 ein Sturm der Entrüstung ausbrach, geht man mit den Grünen sehr behutsam um.

Hier lohnt es sich, anzumerken, daß die Berichterstattung über pädophile Priester offensichtlich einer gezielten Kampagne folgte, denn man wußte sehr wohl, daß die Anzahl der Fälle in katholischen Einrichtungen wesentlich geringer war als in anderen Kirchen, Sportvereinen oder innerhalb der Familie.

Foto von Jorge V. Saidl

Mathias von Gersdorff

Hinzu kommt, daß die katholische Kirche Pädophilie stets als schwere Verfehlung verurteilt hat. Sie hat also niemals versucht, pädosexuelle Handlungen als solche zu rechtfertigen, wie das bei den Grünen in den achtziger Jahren mehrere Landesverbände taten. Die Ungleichbehandlung ist also offensichtlich –  man fragt sich bloß, woher das kommt.

Der Historiker Michael Wolffsohn schrieb für Focus den vielbeachteten Artikel mit dem Titel „Wie grün-rote Medien die Debatte um Kindesmißbrauch bei den Grünen weichspülen“.

„Moralische Panik“ gegen die Kirche erzeugt

Sicher spielen die Medien eine große Rolle. Sie sind nämlich entscheidend, um eine „moralische Panikmache“ (moral panic) zu erzeugen.

Der Soziologe Massimo Introvigne, späterer Beauftragter für Menschenrechte in der OSZE, veröffentlichte im Jahre 2010 das Buch „Preti pedofili: La vergogna, il dolore e la verità sull´attacco a Benedetto XVI“ (dt.: „Pädophile Priester: Die Schande, das Leiden und die Wahrheit über einen Angriff auf Benedikt XVI.“), in welchem er die Technik der „moral panic“ beschreibt:

Erstens: Es handelt sich in der Regel um Probleme, die schon lange, manchmal Jahrzehnte existieren, aber von den sozialen Kommunikationsmitteln als etwas „Neues“ präsentiert werden.

Zweitens: Es werden unprofessionell ermittelte Statistiken und sonstige Zahlen als Beweise herangezogen, die ständig wiederholt werden, ohne zu hinterfragen, ob sie stimmen oder nicht.

Drittens: Gewisse „Moralapostel“ (imprenditori morali) gewinnen dank ihrer starken Rolle als Multiplikatoren großen Einfluß in der öffentlichen Diskussion.

Würde man dies wirklich wollen, wäre eine Kampagne gegen die Grünen möglich. Die nötigen Elemente liegen vor. Es ist wichtig, zu beachten, daß bei einer solchen „moralischen Panik“ der Sachverhalt an sich keine reine Erfindung ist, doch die statistische Dimension ins Groteske übertrieben wird.

Doch nicht nur, weil es viele Medien so gewollt haben, gab es eine Empörungskampagne gegen die katholische Kirche, während heute die Grünen geschont werden. Es bestehen auch essentielle strukturelle Unterschiede in der öffentlichen Meinung, welche die „moralische Panik“ gegen die katholische Kirche begünstigen.

Die Sexuelle Revolution und das Lustprinzip

Wie man im 2011 erschienenen Buch von Sybille Steinbacher „Wie der Sex nach Deutschland kam“ gut nachlesen kann, lockerte sich die Sexualmoral in Deutschland (spätestens) nach dem Zweiten Weltkrieg.

Lange vor der sogenannten „Sexuellen Revolution“ gab es eine Sexwelle, die breite Teile der Gesellschaft beeinflußt hat. Zeitschriften, Romane, aber auch Fernsehen lieferten erotische Inhalte, die von vielen angenommen wurden. Diese Sexwelle der 1950er und 1960er Jahre bereitete die Mentalitäten für die eigentliche „Sexuelle Revolution“ der Achtundsechziger vor.

Die Devise war: „Man braucht das nicht so eng zu sehen, man kann ruhig lockerer werden.“  –  Diese Einstellung stand diametral der christlichen, zumal der katholischen Sexualmoral entgegen. Schon damals schwand der Einfluß der katholischen Kirche in dieser Hinsicht; sie wurde zunehmend als Querulant empfunden.

Die im Zuge von 68 eingesetzte „Sexuelle Revolution“ ideologisierte (Stichwort Emanzipation) und radikalisierte eine Tendenz, die also schon existierte. Ihre antikatholische Stoßrichtung war im Grunde genommen dieselbe wie die der Sexwelle davor, nur die Intensität war viel größer  –  und zudem griff sie offen die Prinzipien der katholischen Sexualmoral an. 

Buchtitel der Aktion "Kinder in Gefahr"

M. von Gersdorff warnte schon vor vielen Jahren!

Die „Sexuelle Revolution“ konnte seitdem stets an Boden gewinnen, was große Bevölkerungsschichten befürworteten. Entsprechend befindet sich die katholische Kirche mit ihrer Sexualmoral in einer defensiven Position. So gibt es heute nur noch wenige Tabus im sexuellen Bereich, wie etwa der Kindesmißbrauch. Aber fast alles andere wird akzeptiert.

Die heutige Position der Grünen in dieser Hinsicht spiegelt genau, was wohl viele Deutsche denken: Solange man keine psychische oder physische Gewalt anwendet, ist alles andere in Ordnung.

In einem solchen Umfeld ist es klar, daß im Falle einer „moralischen Panikmache“ viel mehr Menschen die katholische Kirche in die Pfanne hauen wollen als die Grünen.

Symptomatisch für diese Geisteshaltung in Deutschland ist das Lob, das Alice Schwarzer mit ihrer Kritik an den Grünen in der letzten Woche geerntet hat. Sie wirft den Grünen vor –  namentlich Daniel Cohn-Bendit und Volker Beck  – , sich aus der Affäre ziehen zu wollen. „Volker Beck kann sich nicht auf die Gnade der späten Geburt zurückziehen“, so Schwarzer.

Der Subjektivismus schlägt voll durch

Es darf aber nicht übersehen werden, daß Alice Schwarzers Kritik völlig nach dem Muster der 68er Mentalität gestrickt ist: In einer pädophilen Beziehung befindet sich der Minderjährige psychisch (und möglicherweise auch physisch) in einer Situation der totalen Unterdrückung. Der Erwachsene kann fast grenzenlos seine Herrschaft über ihn ausüben.

Im Umkehrschluß bedeutet dies aber: Falls eben keine Herrschaft vorliegt, wenn keiner unterdrückt wird, wenn sich keiner in einer psychischen Zwangslage befindet, dann ist alles gut. Das ist für viele Menschen heutzutage das allein gültige Kriterium.

In der christlichen – zumindest der katholischen – Sexualmoral ist das aber nur ein Teilaspekt. Für diese ist praktizierte Sexualität nur innerhalb einer gültig geschlossenen Ehe sittlich korrekt. Gewalt verschlimmert den Grad der Unsittlichkeit, ist aber nicht die einzige Bedingung dazu.

Selbstwiderspruch in puncto Abtreibung

In der Tat begann Alice Schwarzer damit, pädosexuelles Verhalten anzugreifen, als sie feststellte, daß sich Kinder in einer ähnlichen Lage wie die Frauen befanden. Sie kritisierte Figuren wie Daniel Cohn-Bendit, eben weil deren Vorstellungen einer sexuellen Befreiung letztlich die Frauen zu Objekten machten. Schwarzer erkannte, daß sich Kinder in einer pädophilen Beziehung in einer analogen Herrschaftsstruktur befanden.

Allerdings ist Alice Schwarzers Position in sich selbst widersprüchlich, denn wenn schon Herrschaft über andere das entscheidende Kriterium ist, hätte sie sich niemals für die Abtreibung einsetzten dürfen. In ihrem Herrschaftsverständnis konnte sich aber die Frau nur von der Herrschaft des Mannes „befreien“, wenn sie ihr eigenes Kind töten durfte. Diese „Herrschaft“ über das Leben des ungeborenen Kindes befürwortet sie aber  –  soviel zu Alice Schwarzer.

Die Abneigung gegen die katholische Kirche liegt aber nicht nur in der Strenge der Sexualmoral begründet. Ihr Appell, ein Leben in Keuschheit zu führen, ist ein Aufruf, mit Gott zu leben. Der Mensch soll seine eigene Sündhaftigkeit erkennen und einsehen, daß er ohne Gottes Hilfe unfähig ist, entsprechend den Zehn Geboten zu leben. Für den Menschen gilt: „Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt“ (1. Kor, 10,12). Für den in Sünde Lebenden gilt, nach der Hand des barmherzigen Gottes zu greifen und sich heben zu lassen.

Die Kirche will den Menschen zu Gott erheben

Für den modernen, vermeintlich emanzipierten Menschen sind solche Gedanken schlichtweg unerträglich. Er bastelt sich seine eigene Moral.

Diese Einstellung führt nicht dazu, Verbote gänzlich abzulehnen. Die Grünen wollen viele Verbote einführen bei gleichzeitiger Förderung der Sexuellen Revolution: Ströbele und Grüne Jugend wollen die Entkriminalisierung von Inzest, die Grüne Jugend will die Ehe abschaffen und die Zweigeschlechtlichkeit überwinden, im Wahlprogramm ist die Öffnung des Ehegesetzes für homosexuelle Paare vorgesehen usw.

Bleiben sollen hinsichtlich Sexualität einige wenige Verbote, wie eben die Pädophilie  – gleichsam wie Oasen in einer moralischen Wüste. Damit können viele heute leben. Doch die katholische Kirche will die Wüste mit Gottes Wort bepflanzen, damit sie blüht. Da gibt es keinen Platz für die „Sexuelle Revolution“.

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Foto des Autors von Jorge V. Saidl


Alice Schwarzer über Kindesmißbrauch, Grüne, Medien und die 68er Sexwelle

Unter dem Titel „Pädophilie und die Grünen: Nicht von gestern!“ veröffentlichte die bekannte Feministin Alice Schwarzer am 12. August auf ihrem Internet-Blog eine scharfe Abrechnung mit der sexuellen Revolution der 68er, die von ihrer Zeitschrift „Emma“ schon lange kritisch unter die Lupe genommen wird, zumal von einer wirklichen „Befreiung“ der Frau durch die Sexwelle keine Rede sein kann.

Aber auch der sexuelle Mißbrauch von Kindern wurde durch diese Sexrevolte und ihre Auswirkungen in den 70er und 80er Jahren begünstigt, wie nicht zuletzt die Aufdeckung der grünen Vergangenheit aufzeigt.

Guter Buchtitel zum Thema

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Alice Schwarzer beginnt ihre Analyse mit den Worten:  

„Es waren nicht nur die Grünen. Es waren auch nicht nur die 68er. Es war der Zeitgeist, der allerdings war links bzw. liberal. Es war einfach angesagt bei (fast) allen, die sich als fortschrittlich verstanden: Dass doch nichts dabei sei, wenn Erwachsene mit Kindern… denn die wollten es doch auch.“

Die Feministin stellt zugleich klar:

„Doch es sind die 68er und ihre Erben, die Grünen, die in den ihnen nahestehenden Publikationen nicht nur das Recht der Kinder auf eine eigene Sexualität propagierten, sondern auch das Recht der Erwachsenen (sprich: Männer) auf die Sexualität mit Kindern. Die Grünen waren es, die gleich 1980 auf ihrem zweiten Parteitag die Streichung des § 176 debattierten, der die Sexualität mit Kindern unter 14 Jahren unter Strafe stellt, sowie den § 174 (sexueller Missbrauch von minderjährigen Schultzbefohlenen).“

Doch es blieb nicht bei einer „Debatte“, später folgte in NRW ein skandalöser Beschluß: 

„Fünf Jahre später winkte der Landesparteitag der Grünen in NRW den SchwuP-Antrag durch. Mit 76 zu 53 Stimmen wurde die Legalisierung von Sex Erwachsener mit Kindern unter 14 beschlossen, sofern es sich um „einvernehmlichen Sex“ handele. Die Grünen NRW kamen nicht in den Landtag.“

Die faktenstarke Kritik von Alice Schwarzer beschränkt sich nicht auf frühere Irrungen und Wirrungen der grünen Partei:

„So waren und sind die Grünen weiterhin gegen jegliche Einschränkung von Pornografie. Und sie sind die Vorreiter einer Verharmlosung von Prostitution, für sie „ein Beruf wie jeder andere“. Das passt zur Verharmlosung des Missbrauchs von Kindern: Die herrschenden Alt-Grünen sind gegen Herrschaftsverhältnisse im gesellschaftlichen Bereich, leugnen jedoch die Machtverhältnisse im Privaten. Das gilt für das Machtgefälle zwischen Freiern und Prostituierten ebenso wie für das zwischen Erwachsenen und Kindern. – Dürfen wir also auch bei der Prostitution, diesem „Beruf wie jeder andere“, nun 30 Jahre warten, bis ihre Verharmlosung und Akzeptanz als Skandal empfunden wird?“

Die Herausgeberin von „Emma“ erinnert außerdem daran, daß in den 80er auch die „FDP-nahe „Humanistische Union“ ebenso wie die „Schwulengruppen“ der Jungdemokraten, Jungsozialisten und die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ die ersatzlose Streichung des § 176 gefordert“ hatten.

Abschließend schreibt Alice Schwarzer:

„Doch auch die Medien dürfen sich durchaus nach ihrer Verantwortung fragen. Ich erinnere mich nur zu gut, wie ich 2010 zu Beginn des Ruchbarwerdens des Missbrauchs in katholischen Internaten in einer Live-Talkshow auch auf den Skandal in der Odenwald-Schule, also im progressiven Milieu, hinwies. Die Moderatorin schnitt mir hart das Wort ab. Als ich im Verlauf der Sendung noch einmal darauf aufmerksam machen wollte, fiel meine Anmerkung ins Leere. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits alles über die Odenwald-Schule auf dem Tisch lag.“