Buch-KRITIK: „Mein Weg zu Maria“ (Biographie von Gabriele Kuby)

Von Felizitas Küble

Die katholische Autorin und Vortragsreisende Gabriele Kuby zählt zu den bekannten „Neubekehrten“ von Medjugorje.

Während sie in den 90er Jahren häufig Vorträge über dieses Thema hielt und ein entsprechendes Buch („Mein Weg zu Maria“) veröffentlichte, befaßt sie sich in den letzten 10 Jahren vor allem mit gesellschaftskritischen Themen, stellt sich gegen das Programm von „Gender-Mainstreaming“ und die feministische Ideologie; in diesem Sinne wirkt sie fundiert und verdienstvoll, couragiert und unermüdlich. Dieser Einsatz ist insoweit fraglos zu würdigen. 51DC9XS7PML__

Dennoch läßt sie der angebliche Marienerscheinungsort „Medjugorje“ offenbar nicht ganz los. Beim diesjährigen  Medju-Jugendfestival Anfang August hielt sie erneut eine ausführliche Rede zum Thema „Medjugorje ist für mich ein ganz besonderer Ort der Umkehr“.

Ihre „spirituellen“ Erfahrungen und Bekehrungserlebnisse schilderte Kuby in ihrem 1998 erschienenen Buch „Mein Weg zu Maria“. 

Bevor sie katholisch wurde, war sie esoterisch orientiert (S.15/16), wobei sie sich sogar den Anweisungen des Spiritisten Gurdjieff und dessen Schülers Ouspensky öffnete und diese praktizierte.

Was allerdings doch etwas verwundert: Die Autorin  distanziert sich nicht klar von diesen esoterischen Experimenten; teilweise entsteht der Eindruck, als ob sie diese gar glorifiziert (S. 16): „…anderes Bewußtsein“ –   „Ich habe „Es“ gefunden, ich kann nie wieder unglücklich sein“  –  “Tränen der Dankbarkeit über soviel Schönheit“

Zwischen Esoterik und Feminismus….

Angesichts dieser spiritistischen Ausrichtung erstaunt es wenig, daß sie mit einem bodenständigen, bewährten Wallfahrtsort wie Altötting in Niederbayern  wenig anfangen konnte:

„Die alten Frauen und Nonnen, die hier überwiegend beten  –  gehöre ich zu ihnen?….Mein Beten ist hohl und leer  – und ich höre auf….Ich versuche, den Rosenkranz zu beten. Gebe es auf, was soll ich Worte aufsagen.“ (S. 18/19)

Danach findet sie offenbar einen Bezug zur Mutter unseres HERRN, doch scheint dieser eher feministisch geprägt, wie folgende Seitenhiebe gegen das „Patriarchat“ vermuten lassen: „…vielmehr, daß es meine Arbeit ist, mit Maria bekanntzuwerden, der weiblichen Gestalt, die 2000 Jahre Patriarchat nicht kleinkriegen konnten. Sie ist die einzige Frau in der Welt des Geistes, die in der christlichen, patriarchalen Kultur überlebt hat…“ (S. 37)

Merkwürdige Aussagen über Maria

Kurz darauf folgt eine etwas selbstgefällig anmutende Psycho-Schiene (S. 38):Sie (Maria) wird mich schöner machen. Sie wird mich nach innen führen, zum Kern meiner Weiblichkeit.“

Theologische Vorstellungen sind bei der Autorin mitunter ziemlich unausgereift: „Sie (Maria)…hat ihn bei der Hochzeit zu Kana in seine Mission gestoßen, war seine Jüngerin….“ (S. 40)

Die Madonna ist sicher im geistigen Sinne Christi beste Jüngerin, doch gehörte sie nicht zum Kreis jener „Jüngerinnen“, die Christus bei seinen Wanderpredigten folgten, geschweige mußte der Gottmensch Christus erst in seine Mission „gestoßen“ werden, auch nicht durch das von Maria angeregte Wunder auf der Hochzeit von Kana.

Schon bald erfährt der Leser, durch welches Gebet Gabriele Kuby anfanghaft zum „Glauben“ fand. Es handelt sich um eine, wie Kuby schreibt, „himmelsstürmende“ (!) neuntägige Andacht  zum „Herrn des Himmels und der Erde.“

Drängendes charismatisches Gebet

Diese Anrufung lautet (S.13):
“Barmherziger Jesus, unser Heiland und Erlöser, du hast gesagt:„Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch: Wer an mich glaubt, wird auch selber die Werke tun, die ich tue, und noch größere als diese wird er tun, denn ich gehe zum Vater, und um was immer ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit verherrlicht werde der Vater im Sohn. Wenn ihr mich um etwas bittet in meinem Namen, werde ich es tun.“

Hier wird Christus in fast beschwörender Weise gewissermaßen an seine eigenen Aussagen erinnert. Was aber fehlt, ist sein wesentliches Wort auf dem Ölberg: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“, das wir ähnlich auch im Vaterunser finden.

Zudem würdigt Kuby in ihrem Buch neben Medjugorje weitere kirchlich nicht anerkannte „Erscheinungsstätten“, zB. Montichiari („Rosa Mystica“); deren Statue (Madonna mit drei Rosen) steht eigenen Angaben zufolge in Kubys Wohnzimmer und sie betet davor (S. 342).

Seitenlang schwärmt Kuby vom Erscheinungsort Shio (Mari als „Königin der Liebe“), wobei sie dort einen „himmlischen Duft“ wahrzunehmen glaubt:  für sie eine Art Echtheitsindiz.  – Solche mirakulösen Phänomene hat die Kirche freilich nie als Beweis für eine „Privatoffenbarung“ anerkannt.   

Allein auf S. 140  ist siebenmal  (!) von einem übersinnlichen „Duft“ die Rede  – und die Autorin  glaubt ernsthaft, auf diese Weise wolle die Madonna den Menschen die Botschaft ihres Sohnes „schmackhaft“ (!) machen. Sollen Predigt und Sakramente etwa durch mysteriöse „Duftmarken“ verdrängt werden?

Auch bei der Abgrenzung zu fremden, nichtchristlichen Religionen wünscht man sich nicht nur mehr Klarheit seitens der Medjugorje-Anhängerin Kuby, sondern überhaupt einen eindeutigen christlichen Standpunkt:

So heißt es zB. auf S. 160:

„In allen großen Religionen gibt es wunderbare heilige Texte, wunderbare, in Gott verwirklichte Menschen; in der katholischen Kirche die Heiligen, die Rinpoches bei den Buddhisten, die Rishis bei den Hinduisten, die großen Sufimeister im Islam.

Zwischen Praktizierenden verschiedener Religionen ist Verständigung möglich, weil sie die gleichen Erfahrungen machen, denn ohne Absterben des Ego wird kein Mensch auf dieser Erde zu Gott gelangen.“

Der Tor zum Himmel führt keineswegs  in erster Linie über Tugend und Askese („Absterben des Egos“), denn das wäre letztlich der (Irr-)Weg der Selbsterlösung, sondern erfolgt durch den Glauben an Christus, durch sein Heilswerk und die Einhaltung seiner Gebote.

An Christus führt kein Weg vorbei, auch kein asketischer

Noch merkwürdiger äußert sich die Autorin auf S. 164, wo sie von der „grundlegenden Übereinstimmung aller Religionen“ spricht, einer Erfahrung, „die man nur machen kann, wenn man praktiziert.“

Außerdem gibt Kuby reichlich schräge Thesen gegen vermeintliche „Fundis“ zum Besten bzw. Schlechten, die man auch im linken Lager ähnlich lesen könnte:

„Fanatiker und Fundamentalisten und Missionare, die sich vor dem Heiligen in anderen Religionen und Kulturen nicht verneigen können; sie sind nicht vom Geist Gottes beseelt, sondern sind getrieben von ihrer eigenen  schmerzvollen Getrenntheit von Gott, die sie zu überwinden suchen, indem sie danach trachten, die Welt ihren eigenen Konzepten von Gut und Böse zu unterwerfen.

Gott hat den Menschen mehrere Religionen, mehrere Offenbarungen geschenkt. In jeder Religion gibt es eine Fülle von Zeugnissen dafür, daß Menschen durch die radikaqle Praxis ihrer Religion in diesem Leben erleuchtet wurden und Einheit mit Gott erfahren haben.“

Bei solch offensichtlich irrgeistigen Aussagen stehen konsequenten Christen, die Bibel und Dogma noch ernst nehmen, die am Wahrheitsanspruch des Christentums festhalten, schlicht die Haare zu Berge.

Ist Marthe Robin eine Erlöserin?

Das gilt auch für einige ihrer merkwürdigen „mystische“ Ansichten. So verkündet Kuby auf S. 275, die 1981 verstorbene „stigmatisierte Mystikerin Marthe Robin habe „durch ihr freiwilliges Leiden vielleicht Millionen Seelen erlöst“.

Wie bitte?  – „Erlösen“ kann Christus alleine, unser göttlicher HERR und Heiland  – das gilt erst recht, wenn es um  „Millionen Seelen“ geht.

Auch der Empfang der Sakramente wird von ihr zum Teil lediglich gefühlsbetont geschildert:

„Ich nehme die Hostie in den Mund, knie mich hin und spüre, wie sich unendliche zarte Helligkeit und Wärme ausbreitet. Überschwengliche Freude sprudelt in mir auf  –  ein reines Geschenk“ (S. 176)

Werden mit solchen Schilderungen nicht unangebrachte, geradezu vermessene Erwartungen geweckt?   – Geht es hier um den Glauben oder um schöne Gefühle?   – Wollen wir Gott gehorchen oder Gott „genießen“?  –  Steht unser „frommes Ich“ im Mittelpunkt oder die Ehre Gottes?

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster