Sievernich: Zwischen Zuckerbrot und Peitsche, Kitsch und „Rachemadonna“

Von Felizitas Küble

Die kleine Ortschaft Sievernich sorgte jahrelang für Schlagzeilen im Blätterwald, nicht nur im kirchlichen, auch in der weltlichen Presse, denn dort sei von der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2005 die Himmelsmutter einer jungen Frau erschienen  – und nicht nur dies: auch Engel, Heilige und verstorbene Seelen gaben sich ein Stelldichein in der Pfarrkirche dieses unscheinbaren Dorfes. „Übernatürliche“ Phänomene sollen in der  Sievernicher „Gebetsoase“ freilich noch bis heute vorkommen.

Obwohl schon nach kurzer Zeit klar war, daß die „Botschaften“ der Seherin Manuela Strack aus Düren ebenso überflüssig wie theologisch teils geradezu abenteuerlich waren, sah sich Bischof Heinrich Mussinghoff nicht zum Einschreiten veranlaßt, sondern ließ den Geschehnissen ihren vermeintlich „frommen“ Lauf.  Zwar vermied der Aachener Oberhirte jede amtliche Anerkennung der „Privatoffenbarung“, ließ es aber z.B. zu, daß die „Erscheinungen“ in der Sievernicher Pfarrkirche stattfanden.

Zwischen Glaube und Aberglaube verwischen sich im Bereich der Volksfrömmigkeit ohnehin leicht die Grenzen – und so denken sich wohl manche Kirchenmänner: Hauptsache, die Leute beten und widmen sich religiösen Übungen – ob echt oder unecht, ist egal.

Dabei wird „vergessen“, wie häufig die Heilige Schrift uns zur Nüchternheit und Wachsamkeit aufruft, wie oft auch im Neuen Testament von „falschen Propheten“ sowie „trügerischen Zeichen und Wundern“ die Rede ist. Erinnert sei sodann an die Warnung des hl. Apostels Paulus, wonach der Satan durchaus auch als „Engel des Lichtes“ erscheinen könne, um Gläubige in die Irre zu führen.

Freilich meinen in frommen Kreisen viele Leichtgläubige, der Teufel gäbe gleichsam seine Visitenkarte ab, präsentiere sich als Bösewicht und Schreckfigur. Wenn eine Erscheinung hingegen zu Gebet und Rosenkranz auffordere, könne das nur „von oben“ kommen. Auf die Idee, daß es sich hierbei um einen „Köder“ handeln könnte, kommen die Damen und Herren nicht.

Drohbotschaften durch die „Rachemadonna“?

Zurück zu Sievernich:

Ganz typisch für falschmystische Offenbarungen sind die Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern. So erklärte die Erscheinungs-Maria am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Madonnen-Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Der „Himmel“ weiß auch, welch üble Beweggründe die Kritiker heimsuchen: „Es ist nicht ungewöhnlich“, so erklärt die hl. Theresa von Avila (!) am 11. Februar 2005, „dass selbst fromme Seelen dem Stolz und der Eifersucht erliegen, auf dich Kleine schauen und alles für nichtig erklären.“

Ja, das ist bitter – aber der Himmel spendet Trost.

Kennzeichend für diese Kreise ist es auch, daß nicht in erster Linie der seit Jahrhunderten bewährte Rosenkranz gebetet wird, sondern alle möglichen und unmöglichen Sonder-Varianten, die meist auf irrgeistige Visionen zurückgehen. Im Falle von Sievernich war es der „Tränenrosenkranz“ und der „Liebesflammenrosenkranz“ (vgl. die S. 47 und 57 des Sievernich-Buches „Ich bin Maria, die Makellose“ – siehe Foto).

Tränenreiche Erscheinung ohne Sinn und Verstand

Auf S. 76 des erwähnten Sievernich-Buches heißt es hinsichtlich der Marienerscheinung vom 15.10.2001:

„Ich bin heute zu euch gekommen, um euch meine Tränen zu schenken…Ich bin die Frau aller Völker. Meine Tränen lege ich in eurer Herz, damit ihr gerettet werdet, damit ihr mir wiederum meine Tränen aufopfern könnt. Diese Aufopferung ist eine große Gnade für euch.“

Dazu ist zu sagen:

1. Die Gottesmutter befindet sich im Himmel in vollendeter Glückseligkeit und weint nicht. 
2. Christus allein ist unser Erlöser, Maria kann uns auch mit ihren „Tränen“ nicht retten („…damit ihr gerettet werdet…).
3. Welchen Sinn soll eine „Aufopferung“ von Tränen Mariens haben, die sie den Gläubigen erst schenkt und dann per Aufopferung gleichsam zurückhaben möchte?

Mit anderen Worten: Die Tränen-Erscheinung ist theologisch wirres Zeug. – Doch derlei inhaltlicher Unfug ficht die erscheinungsbewegte Schar nicht an. Gegen Wundersucht scheint kein Kraut gewachsen zu sein, weder ein rationales noch ein dogmatisches.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Weitere ARTIKEL zu Sievernich gibt es hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/


Sievernich: Unsinnige „Kernbotschaft“ an Manuela Strack, die „kleine Blume“

Die Seherin sieht sich als „kleine Gebetsperle“

Der Förderverein der Gebetsstätte Sievernich – es handelt sich wohlgemerkt nicht um eine kirchlich anerkannte Erscheinungsstätte –  wirbt seit langem mit den „Botschaften“, die der Himmel angeblich an Manuela Strack übermittelt hat (siehe hier:  https://maria-die-makellose.de/botschaften_themen.html).

Frau Strack ist die „Seherin“ von Sievernich, einer kleinen Pfarrei im Bistum Aachen unweit der Grenze zum Bistum Köln.

In den letzten Jahren ist es stiller um die selbsternannte Visionärin geworden, die mit 33 Jahren reichlich Staub in frommen Kreisen aufwirbelte, als sie zu Beginn der Jahrtausendwende mit ihren angeblichen Privatoffenbarungen viele Pilger und Neugierige in die kleine Gemeinde zog.

Obwohl selber in Düren lebend, verkündete die Familienmutter seinerzeit jahrelang einer (leicht)gläubigen Schar zu Sievernich ihre jüngsten „Botschaften“ von oben.

Merkwürdigerweise ist die kirchliche Obrigkeit – sprich: die zuständige Bistumsleitung von Aaachen – nicht gegen den offensichtlichen Unfug dieser „Botschaften“ und Phänomene vorgegangen, sondern ließ den falschmystischen Geschehnissen ungehindert ihren Lauf.
Wie dieses Nicht-Eingreifen mit dem kirchlichen Wächteramt, Gläubige vor abergläubischen Gefahren zu schützen, vereinbart werden kann, ist wohl das Geheimnis des bischöflichen Ordinariats.

Wie theologisch unsinnig viele der „übernatürlichen“ Einsprechungen und Visionen von Frau Strack tatsächlich sind, haben wir bereits mehrfach aufgelistet und erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/

Interessanterweise veröffentlichte die erwähnte Sievernich-Werbeseite auch die „Kernbotschaft“, welche der Seherin Strack  – in ihrer Fangemeinde schlicht als „Manuela“ bezeichnt – am 19. Mai 2003 zuteil geworden sein soll.

Während die Erscheinungs-„Madonna“ Manuela bei Überreichung von drei „Schlüsselgeheimnissen“ (!) am 7.10.2002 bereits als „Kleine Gebetsperle“ würdigte, wurde sie von „Jesus“ gar als „meine kleine Blume“ angeschwärmt.

Als ob der wahre Gottessohn und Erlöser  mit solchem Kitsch jemals den Hochmut und Eigendünkel von Personen begünstigen würde, die sich ohnehin mit ihren „Botschaften“ bereits im Lampenlicht von Medien und Öffentlichkeit befinden (Sievernich wurde damals nicht nur zuhauf von neugierigen Pilgerscharen „heimgesucht“, sondern auch von Presseleuten usw.).

Die verfehlte „Kernbotschaft“ von Manuela Strack

Unter dem Titel „Die Kernbotschaft von Sievernich“ wird berichtet, Jesus sei für Manuela am 19. Mai 2003 in der Pfarrkirche von Sievernich direkt sichtbar geworden („Nun sah ich in der heiligen Hostie das Antlitz Jesu“).

Dann habe die Erscheinung („seine Stimme klang männlich, sanft, einfühlsam…“) sie mit den folgenden Worten begrüßt:

„Ich grüße und segne dich, meine kleine Blume. Erkennst du Mich?“

Danach habe jene Stimme sie aufgefordert, auf die Marienbotschaften zu hören, die sie bislang erhalten habe. Weiter heißt es, erneut der Eitelkeit der Visonärin schmeichelnd: „Durch dich dürfen die Menschen erfahren, dass Ich zu jedem von euch komme, wenn Ich nur eingeladen werde. Allen Menschen schenke Ich Heil und Segen.

Nun gibt es zwar den allgemeinen Heilswillen Gottes, aber das tatsächliche Heil wird keineswegs „allen Menschen“ zuteil, sondern hängt von ihrem Glauben und ihrer Nachfolge Christi ab. Gott wirkt grundsätzlich nicht gegen den freien Willen seiner Geschöpfe.

Diffamierung der katholischen Priesterschaft

Nachdem Frau Strack mit Lob und Preis überschüttet und ihr „Erwählungsbewußtsein“ massiv gestärkt wurde, zieht der irrgeistige „Jesus“ über die Priesterschaft her:

„Meine Priester, Meine Nachfolger, wo seid ihr? Seht Mich an, könnt ihr vor Mir bestehen? Liebt ihr Mich oder geht ihr den irdischen Genüssen des weltlichen Lebens nach? Meine Kleine, bevor Ich die Welt mit Meinen Füßen betrat, liebten die Pharisäer Meinen Vater nicht mehr… Meine Kleine, wie ist es heute?

Kurz vor Meiner Wiederkunft in Herrlichkeit schaue Ich auf Meine Nachfolger. Wer liebt Mich heute noch? Wer handelt nach Meinem Wort?“

Das sind freilich skeptische Fragen an die Geistlichkeit „kurz vor meiner Wiederkunft“. Das Jesus-Phantom beklagt sich weiter wortreich über den katholischen Klerus:

„Zu Meinen Lebzeiten auf der Erde wurde Ich geschunden und gemartert…Wie ist es heute? Werde Ich von Meinen Priestern geliebt und verkündet oder werde Ich von ihnen verleugnet um ihrer selbst willen?…. Wegen eurer Vergehen wird die Kirche, Mein Leib, in Deutschland geschunden, weil ihr nicht mehr wahrhaftig seid….“

Abschließend fordert der Erscheinungs-„Jesus“ dazu auf: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich.“

Hier wird Maria als die Mutter des Vaters im Himmel bezeichnet, was eindeutig verfehlt ist, denn die Madonna ist keine Muttergottheit, sondern als Geschöpf die menschliche Mutter des Gottessohnes. Es müßte also heißen: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und meiner Mutter treu und redlich.“

Solange eine Botschaft noch nicht einmal zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn unterscheiden kann – und das gilt erst recht für eine „Kernbotschaft“  –  kann auch der ganze „Rest“ nicht von oben stammen.

Zudem wird hier eine Art „neue Dreieinigkeit“ präsentiert, die aus Gott-Vater, Jesus und Maria besteht – der Heilige Geist wird einfach ignoriert!

Während die Priesterschaft also denkbar schlecht wegkommt, ist es mit dem Mitarbeiterteam von Manuela bestens bestellt:

„Deine Helfer dürfen sich in Mir geborgen fühlen gegen Anfeindungen und Versuchungen des Feindes…Sind sie Mir und Meiner Mutter treu, so bringen sie reiche Frucht.“

Es handelt sich eindeutig um eine pseudo-konservative, in Wirklichkeit häresieverdächtige und pauschale Herabsetzung von katholischen Geistlichen, verbunden mit einer Aufwertung erscheinungstüchtiger Laien, die sich um eine kirchlich nicht anerkannte „Seherin“ gruppieren.

Im Grunde geht es hier um die Aufrichtung einer schwarmgeistigen Laienherrschaft auf spiritueller Ebene.

Noch offensichtlicher kann sich Pseudomystik und Falschprophetie kaum präsentieren!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Sievernicher Wunderkreis: Vom Rosenduft und dem „Jesulein“ in der Hostie

Von Felizitas Küble

Um die Jahrtausendwende und noch ein paar weitere Jahre erregten die Erscheinungen von Sievernich bei Düren in frommen Kreisen viel Aufsehen, es wurden Bücher und Broschüren über die „Botschaften“ der angeblichen Himmelsmutter veröffentlicht. Der kleine Ort im Bistum Aachen wurde zum „magischen“ Anziehungspunkt von Gläubigen, Leichtgläubigen und Abergläubischen.

Die junge Seherin und Ehefrau Manuela Strack erklärte damals, die Madonna habe sich ihr als „Maria, die Makellose“ bezeugt. Pünktlich erschien sie in Sievernich stets am ersten Montag im Monat und gab „große Botschaften“ zum Besten, die allerdings im Jahre 2002 aufhörten.

BILD: Eines der vielen Sievernicher Empfehlungsbücher

Dennoch gingen die Erscheinungen bis Anfang 2005 weiter, wenngleich nur noch mit „kleine Botschaften“ für Manuela Strack und ihren Umkreis. Das genügte freilich, um die „Blaue Gebetsoase“ der Visionärin weiter am Leben zu erhalten.

Interessanterweise wurde die Erscheinungs-Maria mehrfach durch den Erzengel Gabriel vertreten:
Das wurde „notwendig“, weil die Gottesmutter damit beschäftigt war, ihre Seherin auf Reisen zu begleiten, z.B. nach Rom, wo Manuela angeblich Papst Johannes Paul II. in einer Audienz in „versiegelter“ Form ihre „drei Schlüsselgeheimnisse“ überreichte. (Der Nachahmungs-Trick mit den „drei Geheimnissen von Fatima“ ist unverkennbar.) Diese Privatwallfahrt nach Rom wurde als „Auftrag der Himmelskönigin“ (miß)verstanden und die ganze Sache mächtig aufgebauscht.

Zeitweise ist Ortspfarrer Heribert Kleemann der Beichtvater Manuelas gewesen; er war der Seherin anfangs gewogen, später wurde er kritischer und starb tragischerweise durch einen Unfalltod.
Auch Dr. Johannes Bündgens  – der spätere Weihbischof von Aachen  – war als Seelenführer der Seherin eingesetzt.
Dieser hohe Geistliche ist derzeit mit massiven Finanzvorwürfen konfrontiert, die aber nicht Gegenstand dieses Artikels sind (siehe hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aachener-weihbischof-buendgens-muss-vor-gericht/).

Hier geht es vielmehr darum, den speziellen „Wundern“ von Sievernich näher auf den Zahn zu fühlen.

Dabei fällt auf, daß in den Jubelberichten der Fangemeinde über die wundersamen Geschehnisse dort in der Pfarrkirche vor allem zwei Phänomene besonders hervorstechen: Ein besonderer „Rosenduft“ und das kleine „Christkind“ in der hl. Hostie oder direkt davor.

Wir finden die „Zeugnisse“ daüber dutzendfach auf dieser Seite: https://maria-die-makellose.de/zeugnisse.html

ROSENDUFT:

Ein „besonderer Duft“  – meist wird er als Rosenduft beschrieben – spielt häufig im Umfeld von fragwürdigen Vorkommnissen eine große Rolle, z.B. bei den – kirchlich nicht anerkannten – Erscheinungen von Heroldsbach, Schio, von Medjugorje und vor allem von Montichiari (Rosa Mystica).

Auch unter den Sievernich-Anhängern, die hier ihr „Zeugnis“ von Sonderlerebnissen geben, befinden sich Fans von Heroldsbach, Schio und Medjugorje. Damit schließt sich wieder einmal der Wunderkreis.

Anscheinend stellt sich keiner dieser Duftnoten-Verkünder die naheliegende Frage, welchen theologischen SINN denn ein solches Phänomen haben könnte. Oder hat der Allmächtige es etwa nötig, mit einer „Duftnote“ auf sich aufmerksam zu machen? Spielt er auf dem Klavier der „Sinnlichkeit“? Warum gibt es den „Rosenduft“ kein einziges Mal als Wunderzeichen in der Heiligen Schrift?

JESUSKIND in der HOSTIE:

Bei den „Zeugnissen“ der Sievernich-Bewegten geht es allerdings meist um die Wahrnehmung eines Kleinkindes (oft einige Monate bis 1 Jahr alt), das sich in oder vor der Hostie im Tabernakel befindet und von vielen Betenden wahrgenommen wird – interessanterweise aber nicht von allen. Spielt also die Erwartungshaltung der jeweiligen Personen eine Rolle? Die (Sehn-)Sucht nach etwas Außergewöhnlichem? Ein schwacher Glaube, der nach „Zeichen“ sucht?

Wie dem auch sei, eines steht fest:

Christus ist nicht als Säugling im Altarsakrament zugegen, sondern so, wie er im Himmel lebt und wirkt – folglich als der Gekreuzigte und Auferstandene, als Gottmensch in seiner verklärten Leiblichkeit und Herrlichkeit. So lehrt  und verkündet es seit jeher die Kirche.

Weder „Seherin“ Manuela – die ebenfalls von diesen Jesuskind-Visionen in der Hostie berichtet – noch die anderen Schaulustigen machen sich klar, wie theologisch sinnlos, ja sinnwidrig ihre diesbezüglichen Erlebnisse sind, mögen sie davon auch noch so sehr entzückt sein.

Wenn Christus, der Erlöser und HERR aller Zeiten, als Kleinkind buchstäblich verniedlicht wird, ist dies im Zusammenhang mit seiner Realpräsenz im Altarsakrament eine religiöse Irreführung im „Gewand“ eines frommen Kitsches.

HIER unser ausführlicher Artikel über die Vorgänge von Sievernich aus dem Jahr 2013: https://charismatismus.wordpress.com/2013/07/20/gab-es-in-sievernich-botschaften-des-himmels-an-die-seherin-manuela/

 


„Kath.net“ und der jahrelange Botschaftsunfug von der „Warnung“

Der folgende Beitrag stammt von unserem Leserkommentator mit Nicknamen „GsJC“, einem bewährten Experten in puncto „Warnungs“-Botschaften.

Diese weitverbreiteten, aber irrgeistigen Visionen einer anonymen „Seherin“ hat er in den letzten Jahren nach Strich und Faden auseinandergenommen, teils in Artikeln, teils in Leserbriefen hier im CHRISTLICHEN FORUM.

Nun folgt seine gründliche Recherche zu den jüngsten Vorgängen und Hintergründen in dieser aufschlußreichen Causa:

Das katholisch-konservative Internetportal „Kath.net“ hat jetzt mit einem weiteren Artikel erneut kritisch Stellung gegen die „Warnung“ bezogen.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Dies verwundet umso mehr, da „Kath.net“ jahrelang bis März 2013 die Bücher jener selbsternannten Visionärin über den angegliederten „Kath.shop“  –  mit Bibelzitaten garniert  –  beworben und verkauft hat.

Vielleicht ist es auch der Versuch einer Wiedergutmachung, nachdem warnende Kommentare und Schreiben an „Kath.shop“ in der Vergangenheit unbeachtet blieben.

Der kritische Kath.net-Artikel von Michael Hesemann ist vordergründig betrachtet eine ordentliche Zusammenfassung der Ereignisse. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Autor im wesentlichen nur aus vorhandenen Artikeln zusammengetragen hat, was verwundert, aber auch nicht unüblich ist.

Der Verfasser sollte aber zurückhaltend sein und Zusammenhänge nicht als „billig“ bezeichnen, die er selber nicht intensiver recherchiert hat. Das ist dann auch wieder „billig“, zumal die Zusammenfassung spät kommt und sich der Autor auf keine eigenen Artikel und Erkenntnisse aus der Zeit vor der Veröffentlichung der Hintergründe zur „Warnung“ in seinem Beitrag stützen kann.

Die „Seherin“ und der Geldsegen

Ebenso wird übersehen, dass es Mary Carberry selber war, die den finanziellen Aspekt in einem ihrer Interviews mit eingebracht hat. Hier darf an die Aussage erinnert werden, dass ihre Internetseite sehr viel Geld gekostet hat und sie es selber war, die sich früh über die „bösen Seher“ echauffiert hat, denen es nur um das Geld geht.

Man kann Schwerpunkte in der Betrachtung und Entstehung dieses „Warnungs-Unfugs“ durchaus anders setzen, aber „billige“ und abfällige Kommentierung bei Nichtwissen ist unangebracht. Da ist es besser, selber nach den Ursachen zu forschen, als sich auf Internetseiten nur mit kritischen Argumenten zu bedienen und diese neu zu verpacken.

Dass die Verkaufsmaschinerie inzwischen weiter läuft und mit neuen „Botschaften“ gut geschmiert wird, dürfte niemandem entgangen sein. So wird auch Mary Carberry als erfahrene Geschäftsfrau, aus ihrer Zeit mit dem irischen „Seher“ Joe Colemann, sehr schnell erkannt haben, wie sich solche „Erscheinungen“ vermarkten lassen.

Visionärin Carberry und „Little Pepple“

Dass sich Joe Coleman inzwischen von Carberry distanziert und nicht wünscht, dass sein „guter Name“ in Zusammenhang mit Carberry genannt wird, ist ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, wie es in einer Szene drunter und drüber geht, wo jeder meint, etwas von ganz „oben“ hören zu dürfen. 

Dass Mary Carberry Kontakte nach Australien zur Sekte des inhaftierten William Kamm alias „Little Pebble“ und dessen geistigen Sprachrohen, dem falschen Bischof  Broussard und Fr. Marie Paul hat, ist ebenfalls gesichert.

Dass es bei der Sekte des „Little Pebble“ auch und wesentlich um Geld geht, darüber wissen die Sekten-Aussteiger zu berichten, deren Geld nicht für den gespendeten  Zweck Verwendung fand und sich fragen: „Wo ist das Geld hin ….?“

Zitat:
…Where is the money gone, that was given in donations for Our Lady’s Mission??? The community at Nowra looks like a dump, unorderly, and dirty – like their leader!...
http://awolfamongthesheep.com.au/ex-membersspeak.html
Zitat Ende

„Die Gemeinschaft von Nowra sieht aus wie ein Dreckstall, unordentlich und schmutzig  –  wie ihr Leiter“, heißt es im letzen Satz.

Ja – so sieht es in der ganzen Szene aus. Auch geistig ist das ein ungeordneter Dreckstall, sich widersprechend, Denkverbote erteilend und dabei maßlos überheblich. 

„Botschaften“ als Droge für Naive

Aber diese Art von „Botschaften“ sind eine willkommene Droge für die Art von Gläubigen , die sich gerne auf diese einfache Weise das Profil verpassen lassen, zu einer kleinen auserwählten Anhängerschaft zu gehören. 

Dass Mary Carberry (Mary McGovern), die mit Preisen ausgezeichnete IT-Expertin, sich für Ihre zu vermarktende „Seher-Story“ mehr als vierundzwanzig (!) Internetdomains sichern ließ, lässt auch keinen „billigen“ Schluss zu, dass es in der Verbreitung der „Botschaften“ nicht auch darum ging, ordentlich Kasse zu machen.

Eine solche Domainsicherung kostet ebenfalls Geld! Da wurde geklotzt, nicht gekleckert und betriebswirtschaftlich vorrausschauend gedacht, denn die Sache muss sich schließlich auch rechnen.

Dafür spricht, wie seit Februar 2013 (!) bekannt, die Domainsicherung der Hauptseite bis zum Jahr 2022. Wenn Frau Carberry zehntausend Euro als Vorschuss hätte aufbringen müssen, um in die „Seher-Szene einzusteigen, wäre uns der „Warnungs-Unfug“ bestimmt erspart geblieben.

Leider reicht es in der „Privatoffenbarungs-Szene“ mit ein paar Sprüchen und einem „Herz- Schmerz-Bekehrungserlebnis“, bei den besonders „Kleinen im Glauben“ nach Herzenslust und Laune zu punkten und bereitwillig die Geldbörse zu öffnen. 

Dass diese besonders „Kleinen im Glauben“ nach wenigen Zeilen erkannt haben, dass diese „Botschaften“ nur von ganz oben kommen können, ist ein weiteres Phänomen dieser Szene. Aber wer am Anfang zustimmt und sich  mit ein paar „himmlischen Schmuseeinheiten“ für die Sache gewinnen lässt, der wird gewiss auch bis zum bitteren Ende unbelehrbar durchhalten und mit untergehen.

Visionsbewegte Gebetsgruppen als Club der „Eingeweihten“

Schließlich hat man den Himmel selbst gefragt und in den gegründeten Gebetsgruppen, der besonders Eingeweihten, sind nur Gleichgesinnte und Schulterklopfer zugelassen. In diesen Gruppen wird dann das Phantasma gepflegt, die wahren Retter der Kirche zu sein.

Auf Geheiß der „Seherin“ gehört es dann bei der „Warnungs-Anhängern“ auch zum guten Ton und Benehmen, den Papst mit Dreck bewerfen zu dürfen und alle diejenigen Kardinäle, die ihn gewählt haben, als „Mitglieder der bösen und geheimen Freimaurergruppe“ zu bezeichnen, die von “ S A T A N“ angeführt wird („Botschaft“ Nr. 399, April 2012).

Was für geistige Verrenkungen dabei innerhalb der Anhängerschaft in kürzester Zeit vollbracht werden müssen, sei an nachfolgendem Beispiel verdeutlicht.

Martin Roth aus Köln ist der deutsche Übersetzer der „Warnungs-Seite“ und mit engsten Kontakten zu Mary Carberry auch am Buchverkauf beteiligt. Den Buchverkauf hat Roth als Gewerbe angemeldet. sievernich

Martin Roth und die Sievernich-Botschaften

Roth betrieb auch eine Zeit die Seite  – „www.sievernich.eu“  –  mit den „Botschaften“ an Manuela.

(Zu Sievernich: https://charismatismus.wordpress.com/2013/07/20/gab-es-in-sievernich-botschaften-des-himmels-an-die-seherin-manuela/)

Er gehört noch heute zum Förderverein der sog. „Blauen Gebetsoase“. In den Anliegen der Verbreitung von Gebeten rund um diesen nicht kirchlich anerkannten „Erscheinungsort“ führte Roth auch Schriftverkehr mit Kardinal Meisner, dem Erzbischof von Köln. Diesen Schriftverkehr veröffentlichte Roth mit Aktenzeichen auszugsweise im Internet.

Zitat (Klammersetzung von mir):
(Martin Roth schreibt:)
Zum Schluss vielleicht noch ein Auszug aus dem Brief Kardinal Meisners zu Sievernich vom 9. März 2005:
(Kardinal Meisner antwortet:) Aktenzeichen JR.-Nr.: 105 200 ) 87:
„… Dankend bestätige ich den Eingang Ihres Briefes vom 19. Februar 2005 und des beigefügten Informationsmaterials. Wie Sie wissen, hatte ich an keinem der von Ihnen vorgelegten Gebete etwas auszusetzen; entsprechend ging ich ohnehin davon aus, dass Sie einer guten Intention folgen. Ihre Erläuterungen lassen mich nun die Zusammenhänge noch besser verstehen. Mögen die Vorgänge in Sievernich dazu beitragen, dass die Menschen unserer Zeit tiefer aus der endgültigen Offenbarung Christi leben, wie es der Katechismus der Katholischen Kirche (n. 67) als Kriterium für echte Privatoffenbarungen fordert!
Mit meinen bischöflichen Segenswünschen zum bevorstehenden Osterfest“
http://www.marienforum.net/showthread.php?166-Die-heilige-Mutter-Gottes-in-Sievernich&s=907d873734520061b3a9b1b5cfa7d274&p=4768&viewfull=1#post4768
Zitat Ende

Es ist der gleiche Kardinal Meisner, den Roth aktuell auf seinen Internetseiten für seine Segenswünsche, Freundlichkeit und den Zuspruch aus dem Jahr 2005 als Wolf im Schafspelz bezeichnet, der von S A T A N angeführt und den Papst gewählt hat. Heute macht Martin Roth mit dem Verkauf dieser Unverschämtheiten in Buchform Geld.

Es stellt sich die Frage, warum Roth in den Anliegen der „Warnung“ nicht auch Kardinal Meisner kontaktiert und ihm entsprechendes Informationsmaterial zur Begutachtung vorgelegt hat! Welcher Intention folgt Martin Roth heute?

Der Kölner ist noch immer im Impressum der Internetseite „http://www.sievernich.eu/sievernich-f/impressum/impr_1.htm“ zu finden.

Vor diesen Leuten und dieser Szene kann man als Katholik nur eine dringende „Warnung“ aussprechen. Sie sind nichts weiter als Fähnlein und Spielzeuge im Wind der Macht des Bösen  –  und wer sich ihnen nähert, setzt sich der Gefahr der geistigen Verunreinigung aus.

HINWEIS: Unser CHRISTLICHES FORUM hat bereits seit Sommer 2011 vor der WARNUNG gewarnt  – mit 19 insgesamt Artikeln: https://charismatismus.wordpress.com/category/botschaften-warnung-kritik/


Gab es in Sievernich „Botschaften des Himmels“ an die Seherin Manuela?

Tragischer Tod des Ortspfarrers, der seine Meinung änderte

Im vorigen Jahrzehnt  sorgte die kleine Ortschaft Sievernich im nordhrein-westfälischen Landkreis Düren überraschend für Schlagzeilen, denn dort soll einer Anwaltsgehilfin und Familienmutter namens Manuela Strack die Madonna, ja sogar Christus selbst erschienen sein  –  noch dazu über fünf Jahre lang: von Juni 2000 bis Oktober 2005. sievernich

Zudem wurden der  –  in einem Nachbardorf wohnenden  –  Seherin angeblich Visionen etlicher Heiliger zuteil, darunter Pater Pio, Teresa von Avila, Sr. Faustine, außerdem Papst Pius XII.; auch die hl. Erzengel Gabriel und Michael sollen sich mehrfach gezeigt haben.

Zu den teilweise vorher angekündigten „Erscheinungen“ kamen mehrmals tausende von Pilgern und Neugierige aus nah und fern in das unscheinbare Eifeldorf mit seinen ca. 450 Einwohnern.

Die „Botschaften des Himmels“ an die damals 35-jährige Ehefrau gehören freilich nicht zu den kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen wie zB. Lourdes oder Fatima.

Doch nach wie vor pilgern erscheinungsbewegte Kreise in jene Pfarrgemeinde im Bistum Aachen, in der heute noch spezielle Andachten  und Gebetstage stattfinden, die sich mehr oder weniger auf jene Visionen Manuelas beziehen.

Angeblich soll die Gottesmutter, die am 3. Oktober 2005 zum letzten Mal erschienen sei, der Seherin versprochen haben, immer in Sievernich anwesend zu sein“, wie die Fanseite Sievernich.eu versichert. „Auch Prophezeiungen gehören zu den Botschaften“, heißt es dort außerdem.

Wenn sich das „Jesuskind“  in eine Madonna verwandelt…

Zudem wird von einem „eucharistischen Zeichen“ berichtet:

„Während der Anbetung des ausgesetzten Allerheiligsten Altarssakramentes beim Gebetstreffen am 8. November 2004 in Sievernich sahen viele Leute 15 Minuten lang vor der heiligen Hostie das kleine Jesuskind. Mit der Wegnahme der Hostie aus der Monstranz durch den Priester verschwand auch das Jesuskind.“

Rückfrage: In der heiligen Hostie ist Christus laut kirchlicher Lehre so gegenwärtig, „wie er im Himmel ist“, somit ist ER sakramental zugegen als der verherrlichte Gekreuzigte und Auferstandene.

Wie paßt dazu aber sein angebliches Erscheinen als „Jesuskind“ vor  oder in der hl. Hostie? Welchen Sinn soll dies „Zeichen“ wohl ergeben?

Theologisch noch viel merkwürdiger erscheinen einige weitere Mirakel, die Pilger bei Manuelas Gebetstreffen in der Pfarrkirche erlebt haben wollen, indem sich nämlich das Jesuskind gleichsam in die Madonna „verwandelte“. So berichten es z.B. die Zeugnisse Nr. 32, 38 und 45 in der erwähnten Fanseite. 

„E.S. aus Vettweiß“ (Zeugnis Nr. 45) schildert ein derartiges“Hostienwunder“ vom 6.2.2006:

„Einmal sah ich die schemenhafte Gestalt eines Kindes mit einem ausgestellten Kleid. Das Bild änderte sich und es zeigte sich das Profil einer Frauengestalt (bis einschl. Schulter) mit langem Haar über die rechte Schulter fallend, auf welchem leuchtende Sterne sichtbar waren.“

Hierzu erübrigt sich jeder Kommentar.

„Geheimnisse“ von oben…

Typischerweise ist  –  wie auch in Medjugorje  –  viel von himmlischen „Geheimnissen“ die Rede, die in Sievernich als „Schlüssel“ bezeichnet werden.

Hierzu schildert die erwähnte Webseite Folgendes unter dem Stichwort „Die drei Schlüssel“:

Am 7. Oktober 2002 sagte die Gottesmutter zu Manuela: „…Meine kleine Gebetsperle, hier überreiche ich dir die Schlüssel meines geliebten göttlichen Sohnes Jesus Christus. Schweige darüber, schweige! Die Schlüssel dienen dir als Waffe gegen alle Finsternis. Du weißt nun, was geschieht. … Nur deinem Heiligen Vater in Rom, meinem geliebten Hirten, gebe die Schlüssel. Bitte schweige, man wird dir keinen Glauben schenken. Doch so wird sich alles erfüllen.“ 

Doch der Himmel bietet nicht nur „Geheimnisse“, er stellt offenbar auch „Forderungen“; hierzu heißt es:

„Die Gottesmutter wünscht in Sievernich einen Immaculata-Brunnen zur Linderung der Leiden. Dringendster Wunsch des Himmels ist aber, dass in Sievernich ein Geistliches Zentrum entsteht. Jesus selbst sagte am 19.05.2003: „Dieser Ort ist Mir und Meiner Mutter vorbehalten. Ich will, dass Menschen an diesem Ort ein Zentrum errichten, welches der Kirche, Meinem Leib, und somit Mir dient. Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich. Dort soll geschehen, was Ich euch lehrte, was euch die Kirche sagt…Was Ich will, geschieht, Ich siege!“

Eine blasphemische „Dreieinigkeit“

Angesichts der AussageDient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich“ fragt man sich, ob hier eine häretisch-neue „Dreieinigkeit“ suggeriert wird, die aus Gott-Vater, Christus und Maria besteht?  –  Warum ist der Heilige Geist nicht erwähnt? Weshalb nimmt die Madonna  –  selbst lediglich ein  Geschöpf des Ewigen (wenngleich das heiligste von allen)  –  quasi dessen Stelle ein?

Diese Präsentation einer irrgeistigen „Dreieinigkeit“ kommt in den „Botschaften“ recht häufig vor, z.B. am 2.10.2000: „Seid ohne Furcht, seid in Gott! Denn wo imner der Vater ist, der Sohn, die Mutter, da flieht, was nicht zu uns gehört!“  – Oder bei der nächstfolgenden Vision am 6.11.2000: „Wenn ihr betet, so sprecht mit dem Vater, mit dem Sohn, mit der Mutter.“  – Fast wörtlich dasselbe  bei der Erscheinung vom 5.2.2001: „Seht Kinder, ihr sprecht mit demVater, mit dem Sohn, mir mir, der Mutter.“  

Am 4.2.2002 soll die Madonna der Visionärin verkündet haben: „Nur Gott, der Vater und Jesus, Sein Sohn, dürfen angebetet und verehrt werden.“ – Auch hier fehlt erneut der Heilige Geist  –  einmal abgesehen davon, daß die Heiligen und Engel sehr wohl „verehrt“ werden dürfen.

Es entsteht  – zumindest unterschwellig  –  der theologisch haarsträubende Eindruck, als sei der Heilige Geist als Gottheit gar nicht existent bzw. gleichsam durch die Gottesmutter ersetzt worden. Wird also die dritte Person der göttlichen Dreifaltigkeit in seiner Stellung durch ein menschliches Geschöpf verdrängt?

Dazu paßt folgende gotteslästerliche Passage aus dem Bericht Manuelas von ihrer Vision am 15.10.2001: „Die heilige Jungfrau segnete uns und verschwand im Licht. Es blieben die Engel knieend vor ihr bzw. vor dem Licht in der Anbetung.  – Somit wird hier behauptet, daß Engel die Madonna „anbeten“  – eine klar blasphemische Aussage!

Soviel zur Einführung dieser mehr als fünf Jahre dauernden „Offenbarungen“. 

„Alle Nationen rufe ich zu mir“d7896

Weiteres Infos und Zitate bieten zwei Bücher des Fe-Verlags, wobei der zweite, im Mai 2005 erschienene Band unter dem Titel „Alle Nationen rufe ich zu mir“ (siehe Abbildung) sich auf die späteren Botschaften Manuelas bezieht, beginnend ab Februar 2003.

Auf S. 20 berichtet diese Publikation von einer „Erscheinung“ der Gottesmutter am 3.2.2003. Dabei soll die Himmelskönigin mit einem Rosenkranz aus blauen Rosen erschienen sein, legte der Visonärin eine weiße Rose in ihre  –  gleichsam zu einer Schale geformten  –  Hände und sprach mit „sanfter, aber mahnender Stimme“:

„Ich kann es diesmal nicht verhindern, daß der Kelch meines Sohnes sich über die Menschheit neigt. Euch aber werde ich unter meinen schützenden Mantel bergen. Betet, betet, betet!“ (S. 20)

Wie dürfen wir diese merkwürdige „Botschaft“ verstehen? Was heißt „diesmal nicht“?  Und warum wird der Kelch Christi mit einer Drohbotschaft verknüpft? Geht es nicht um den „Kelch des Heiles“?  –  Und werden nur erscheinungsbewegte Sievernich-Gläubige unter dem Schutzmantel der Gottesmutter geborgen sein? Soll das etwa eine spezielle „Auslese“ des Himmels sein?

„Ich durfte ihren linken Fuß berühren“

Zwei Jahre später, am 3.1.2005, spürte Manuela in der Pfarrkirche „eine große Hitze“, worauf ihr die Madonna „links nebem dem Altar“ erschienen sei: „Sie neigte ihren Kopf seitlich herab und weinte leise.“   –  Das Weinen wird nicht begründet, später segnete die angebliche Himmelsmutter einige Kranke. Abschließend schreibt die Seherin über diese Vision: „Ich durfte ihren linken Fuß berühren.“ (S. 66/67)

Am 7. April 2003 spricht Christus laut Sievernich-Buch (S. 23) aus einer blutbefleckten Hostie zu Manuela  –  und würdigt sie als „meine kleine Blume“, wobei „seine Stimme männlich, sanft, einfühlsam, sehr klar, leise und einfach wunderbar“ klang. Na wunderbar!

Bei dieser Einsprechung soll Jesus der Seherin u.a. folgendes gesagt haben:

„Meine Kleine, bevor Ich die Welt mit Meinen Füßen betrat, liebten die Pharisäer Meinen Vater nicht mehr. Sie waren genussüchtig und korrupt… Meine Kleine, wie ist es heute? Kurz vor meiner Wiederkunft in Herrlichkeit schaue Ich auf meine Nachfolger. Wer liebt Mich heute noch?“ (S. 24)

Die Pharisäer waren alles andere als „genußsüchtig und korrupt“  –  eine solche Charakterisierung würde eher auf die Sadduzäer (deren damalige Gegner also!) zutreffen, die sich der römischen Herrschaft weitgehend angepaßt hatten.

Hingegen legten die Pharisäer äußersten Wert auf Gesetzestreue, auf Fasten und Askese  –  das Problem war jedoch, daß sie dabei vielfach hochmütig wurden, daß sie bewundert werden wollten und daß sie das einfache, weniger gesetzeskundige Volk verachteten.

Zudem waren es keineswegs „die“ Pharisäer, die vom rechten Weg abkamen, es gab unter ihnen auch positive Persönlichkeiten (zB. Nikodemus).

Abgesehen davon verwundert der Ausdruck „Kurz vor meiner Wiederkunft in Herrlichkeit“.

Laut Neuem Testament erscheint in der Endzeit zunächst der Antichrist, erst danach ist mit dem zweiten Kommen Christi zu rechnen, wobei der HERR den Antichristen besiegt. Was soll also das Reden von seiner „kurz“ bevorstehenden „Wiederkunft“?

Mysteriöse Mirakel: Rosenblätterregen…

Am 1. März 2004 will Manuela  u.a. erlebt haben, wie ihr die Madonna mit einem „weißen Rosenkranz , der aus weißen Rosen bestand“ erschien:

„Sie beugte sich zu mir und ich durfte ihr Skapulier küssen. Dann schwebte sie über meinen Kopf und von ihr ging ein Blütenblätterregen auf alle herab. Es waren Rosenblätter, die etwas gebogen waren, welche innen weiß und außen blau waren. Bevor sie uns berührten, lösten sie sich auf. “ (S. 38 f.)

Am 6. Januar 2005, dem Hochfest der Erscheinung des HERRN, hörte die Seherin die Stimme der hl. Theresa von Avila. Dabei habe diese Mystikerin ihr ein „Gebet vorgesprochen“, in dem es u.a. heißt:

„Du wirst mir das Gold Deines ewigen Königreiches schenken. Ich bete dich an. Du wirst mich mit kostenbaren Steinen schmücken, den Tugenden des Himmels. Ich bete Dich an, Herr Jesus. Du wirst auf mich schauen und mir Dein göttliches Geschmeide anlege,n die ewige Treue.“ (S. 69)

Es gibt keine absolute Heilsgewißheit

Die katholische Kirche lehrt eindeutig als Dogma (Konzil von Trient), daß es für die Christgläubigen, die sich ernstlich um die göttlichen Gebote bemühen,  zwar eine Heilshoffnung oder Heilszuversicht, aber keine absolute Heilsgewißheit gibt, denn GOTT allein ist allwissend, unser zeitliches und ewiges Leben liegt in Seiner Hand.

Zudem können wir nicht voraussehen, ob wir Christus und unserem Glauben bis zum Tod die Treue halten werden.

Hier wird nun aber ein Gebet präsentiert, in dem Christus nicht etwa  –  wie sich das gehören würde  –  demütig angefleht wird, uns in seiner Gnade einst die ewige Herrlichkeit zu gewähren, sondern dies wird vielmehr dreist „angekündigt“ („Du wirst…“), wobei gar davon die Rede ist: „Du wirst mir Dein göttliches Geschmeide anlegen…“

Eine derart verstiegene, hochmütige Vermessenheit widerspricht der katholischen Lehre und jeder gesunden Frömmigkeit.

Die Krönung des theologisch Verrückten wird aber auf S. 81/82 geboten:

Am 4. April 2005 erlebte die Visionärin wieder eine Erscheinung der Gottesmutter („sie stand barfuß auf einer Wolke“)  –  Manuela befand sich hierbei in der Kirchenbank. Dabei soll die Himmelsmutter ihr wörtlich Folgendes gesagt haben:

„Das Wort ist Fleisch geworden. Dies sei der Festtag dieses Ortes. Meinen lieben Sohn werde ich bald zu mir in den Himmel nehmen. Er wird euer Fürsprecher sein.“

Hier werden die theologischen Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Unser Erlöser war es, der die Madonna zu sich in den Himmel holte; zudem ist ER nicht etwa nur unser „Fürsprecher“, sondern unser Gott, unser Retter und Richter, die selige Jungfrau hingegen ist unsere Fürbitterin am Thron ihres göttlichen Sohnes.

„Unkirchliche Gesinnung“ und „Hochmut“?

Abschließend heißt es im erwähnten Sievernich-Buch allgemein zu kirchlich anerkannten (approbierten) Privatoffenbarungen, daß  sie Katholiken grundsätzlich nicht verpflichten, daß der Glaube daran lediglich „erlaubt“ ist  –  soweit völlig zutreffend. Das Schlußkapitel bzw. „Nachwort“ (ab S. 95) ist aus unserer Sicht ohnehin der mit Abstand beste Teil dieses Taschenbuchs.

Nach jener trefflichen Feststellung folgt allerdings eine seltsam erscheinende Bemerkung:

„Allerdings wäre es ein Zeichen unkirchlicher Gesinnung und geistlichen Hochmuts, wenn jemand eine kirchlich approbierte Erscheinung ablehnt.“ (S. 109)

Diese steile Behauptung entspricht durchaus nicht dem kirchlichen Standpunkt, wonach die Anerkennung einer Erscheinung lediglich eine Erlaubnis darstellt („Du darfst“), keine Verpflichtung („Du mußt“), nicht einmal eine amtliche Aufforderung („Du sollst“).

Die anerkannten Privatoffenbarungen gehören nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche, geschweige sind sie ein  Dogma; sie sind kein Bestandteil des Verkündigungsauftrag der Kirche; sie sind folglich von vornherein kein Gegenstand des sog. „authentischen“ (ordentlichen) Lehramts der Kirche (geschweige des außerordentlich-dogmatischen).

Daher ist es  – objektiv betrachtet  –  unbegründet, Kritikern eine „unkirchliche Gesinnung“ oder gar „geistlichen Hochmut“ vorzuhalten, zumal die Kirche selbst eine solche (Ab-)Wertung nicht vornimmt. Niemand ist unkirchlich oder gar „hochmütig“, weil er die kirchliche Erlaubnis, an eine anerkannte Privatoffenbarung glauben zu  d ü r f e n , für sich nicht in Anspruch nehmen möchte.

Einmal abgesehen davon, daß die Sievernich-Visionen ohnehin nicht zu den kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen gehören.

Der Ortspfarrer änderte seine Einstellung

Auf Seite 10 des Sievernich-Buches heißt es über den Ortspfarrer von Sievernich:

„Inzwischen ist Pfarrer Heribert Kleemann, ohne dessen wohlwollende Begleitung sich die Gebetstreffen n Sievernich kaum hätten so entwickeln können, tot. Er verunglückte am Samstag, denm 19. Juni 2004 (…) tödlich und verbrannte in seinem Fahrzeug. Die Wege Gottes sind unergründlich.“

Unerwähnt bleibt hier, daß dieser Geistliche, der jahrelang auch Seelenführer der Seherin war, mittlerweile eine kritische Distanz zu jenen Geschehnissen entwickelte, nachdem er sich jahrelang sehr positiv über Manuela Strack geäußert hatte, vielfach auch öffentlich (z.B.: „eine absolut glaubwürdige Frau“, „in keinster Weise fragwürdig“).

In den Aachener Nachrichten wurde sein Meinungsumschwung freilich erwähnt; dort hieß es überdies, der Priester sei „mit dem Auto frontal gegen einen Baum gefahren“.  –  Näheres hier.

Die Aachener Zeitung lieferte unter dem Titel „Pastor Kleemann stirbt im Auto“ ergänzend folgende Infos:

„Kleemann war von Gladbach in Richtung Poll unterwegs, als er mit seinem Wagen auf gerader Strecke aus bisher ungeklärter Ursache nach links von der Fahrbahn abkam und frontal gegen einen Baum prallte…Bremsspuren, so ein Polizeisprecher, wurden nicht gefunden.“

Beigesetzt wurde der Geistliche nicht auf dem Friedhof seiner Pfarrei Sievernich, durch die zudem sein Name bekannt geworden war, sondern in seiner Heimatstadt Mönchengladbach.

Schon bevor die „Erscheinungen“ während der Gebetstreffen in der Sievernicher Kirche begonnen hatten, will die Seherin Einsprechungen der Gottesmutter bei ihrer privaten Andacht zuhause in Gürzenich erlebt haben. Dabei soll ihr die selige Jungfrau aufgetragen haben, eine Gebetsgruppe zu gründen, die sich regelmäßig in einer Kirche trifft und von einem Priester geistlich geführt wird.

Am 3.7.2000 hat sich die Madonna laut Manuela angeblich wie folgt geäußert:

„Schau, was ich dir vorbereitet habe. Gehe hin und erfülle meinen innigsten Wunsch, der auch der Wunsch meines göttlichen Sohnes ist. Dies bedetuet Gnade. Gnade für euch, die ihr den Willen Gottes erfüllt. Gnade für die Kirche, das Haus meines göttlichen Sohnes, und Gnade für den Diener meines göttlichen Sohnes, den ich als meinen Sohn in den Priesterstand gerufen habe und weiterhin rufe. Schafft einen göttlichen Tempel in euren Herzen und trefft euch gemeinsam zur Ehre Gottes im Haus meines göttliche Sohnes. Ich werde bei euch sein und ein jeder wird meine Gegenwart spüren, so ist es Gottes Wille.“

Abgesehen davon, daß nicht die Gottesmutter, sondern CHRISTUS selbst es ist, der Männer zum Priestertum beruft, ergibt es schlichtweg keinen Sinn, wenn es heißt, daß sie ihn „weiterhin rufe“ (zum Priestertum)  –  schließlich kann man das Sakrament der Priesterweihe nur einmal empfangen.

Angesichts der Tatsache, daß sich der anfangs so begeisterte Ortspfarrer später von den Erscheinungen der Seherin distanzierte, erhält auch diese Botschaft ihre spezielle „Note“.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster