Glaubenspräfekt Müller über Migration und Moral, Kinderehen und Sittengesetz

Im September dieses Jahres erschien im Herder-Verlag das programmatische Buch „Die Botschaft der Hoffnung“ mit dem Untertitel: „Gedanken über den Kern der christlichen Botschaft“.

Darin antwortet Kurienkardinal Gerhard Müller (siehe Foto) auf die Fragen des Theologen Prof. Dr. Carlos Granados, einem spanischen Alttestamentler. 

Dabei beklagt der Glaubenspräfekt z.B. den Niedergang der westlichen Kultur und Größe:

„Diese westliche Kultur, die sich auf der Grundlage falscher philosophischer und theologischer Ansätze eingeredet hat, sie bräuchte Gott nicht als Fundament des Seins und des Menschen, hat nicht nur den Glauben, sondern auch die Hoffnung und damit ihre Größe verloren.“

Redakteur Clemens Fütterer von der Medienplattform „O-Netz“ aus der Oberpfalz nahm die Neuerscheinung zum Anlaß, ein Interview mit dem Präfekten der Glaubenskongregation zu führen und ihm einige Fragen hinsichtlich der Buchthemen zu stellen.

Das Bistum Regensburg gehört in die bayerische Region Oberpfalz. Kardinal Müller war Bischof von Regensburg, bevor der von Papst Benedikt nach Rom berufen wurde, um dort sein Amt als „Hüter des Glaubens“ wahrzunehmen.

Das erwähnte Interview erschien am heutigen 2. Dezember 2016 auf O-Netz unter dem Titel: Gerhard Kardinal Müller für den „mühsamen Weg“.

Derzeit sehr aktuell wirkt die Stellungnahme des Glaubenspräfekten zur Asyl- und Einwanderungspolitik. Er erklärt, daß wir heute vor der Herausforderung ständen, zwei jeweils berechtigte Prinzipien miteinander in Einklang zu bringen:

„Einerseits müssen wir aus christlichen und humanitären Gründen offen sein für Menschen, die als Flüchtlinge unsere Hilfe suchen und brauchen. Andrerseits gibt es das Anliegen, die gewachsene kulturelle Identität eines Landes und Volkes zu bewahren. Es können fremde Kulturen auch kreativ integriert werden, ohne dass die eigene Sprache und Lebensweise an den Rand gedrängt werden.“ mueller-cover

Hinsichtlich der osteuropäischen Staaten, die von westlichen Politikern und Medien wegen ihrer restriktiven Asylpolitik vielfach harsch kritisiert werden, erklärt Kardinal Müller:

„Wir müssen bedenken, wie unseren östlichen Nachbarn die schreckliche Erfahrung präsent ist, dass z.B. ein Stalin durch einen radikalen Bevölkerungsaustausch ganze Kulturen und Staaten ausgelöscht hat. Bei der Kritik an unseren osteuropäischen Nachbarn sollten wir in Westeuropa zurückhaltender sein.“

Sodann unterscheidet der Glaubenspräfekt zwischen Hilfeleistung bei akuter Notlage und einer „gezielten Politik der Einwanderung von Menschen in unsere klassischen Nationalstaaten“. Er erwähnt, daß das „enge Zusammenleben von Deutschen, Polen, Italienern, Spaniern, Franzosen in einem einzelnen europäischen Land kaum noch als Problem empfunden“ werde.

Anders sieht es allerdings aus, so Müller weiter, „wenn es sich um Zuwanderer handelt, die sich in Religion, Kultur, Mentalität und dem moralischen Wertekanon erheblich von uns nicht nur unterscheiden, sondern die uns nicht verstehen können.“

Er erwähnt dabei als Beispiel, daß Kinderehen nicht nur „unserer Kultur“ widersprechen, sondern nach christlicher Auffassung „auch dem natürlichen Sittengesetz“ widerstreiten  – und dieses Sittengesetz gehe „der staatlichen Gesetzgebung voraus“, sei also fundamental gültig und bindend.

Zudem warnt der Kardinal davor, die vielzitierte Religionsfreiheit nur interessengeleitet zu vereinnahmen, sie aber nicht wirklich zu respektieren:

„Man soll von der Religionsfreiheit nicht nur dann reden, wenn man sich in einer Minderheit befindet, sondern auch dann, wenn man einmal einer Mehrheit angehören sollte. Die grundlegenden Menschenrechte darf niemand nur funktional anerkennen, wenn sie einem gerade einen Vorteil bringen, sondern man muss sie prinzipiell sich zu eigen machen als moralische Maximen unter allen Bedingungen.“

Quelle für die Interview-Zitate aus O-Netz: https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/vermischtes/interview-mit-dem-praefekten-der-glaubenskongregation-gerhard-kardinal-mueller-fuer-den-muehsamen-weg-d1714224.htm

Erstes Foto: Bistum Regensburg


Kardinal Kasper nutzt irisches Referendum pro Homo-Ehe für weitere Reformforderungen

Von Felizitas Küble

Wie die US-amerikanisch-katholische Nachrichtenseite LifeSiteNews.com berichtet, hat Kardinal Walter Kasper die am 22. Mai erfolgte Volksabstimmung in Irland zugunsten der gleichgeschlechtlichen „Ehe“ verteidigt. Vat_Flagge

Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera zitiert den vatikanischen Würdenträger dahingehend, homosexuelle Partnerschaften seien bei der letzten Familiensynode „nur ein Randthema“ gewesen, aber nun sei es zu einem „zentralen“ Thema geworden.

Kasper verteidigte das Ergebnis des Referendums in Irland: „Ein demokratischer Staat hat die Pflicht, den Willen des Volkes zu respektieren“, erklärte er. Wenn die Mehrheit der Menschen dies wünsche, sei der Staat verpflichtet, „derartige Rechte anzuerkennen“.

Sittengesetz contra Rechtspositivmus

Damit neigt der Kurienkardinal offenbar zu einer rechtspositivistischen Auffassung, wonach nicht das natürliche Sittengesetz bzw. „Naturrecht“ die entscheidende Grundlage des Rechts darstellt, sondern die jeweiligen Mehrheitsmeinungen bzw. die staatliche Gesetze. BILD0289

Seine Position widerspricht allerdings der katholischen Lehre vom Vorrang des Naturrechts gegenüber staatlichen Verfügungen, wie dies zB. hinsichtlich des Abtreibungs(un)rechts deutlich wird: Selbst wenn staatliche Gesetze die vorgeburtliche Kindstötung erlauben, kann die katholische Kirche aufgrund des 5. Gebotes und des natürlichen Sittengesetzes dem niemals zustimmen.

Laut Corriere della Sera hat Kardinal Kasper zwar darauf hingewiesen, daß „postmoderne Konzept“, wonach „alles gleich“ sei, widerspreche kirchlichen Auffassungen. Doch diese pflichtschuldige Bemerkung ändert nichts daran, daß er die irische Volksabstimmung jetzt dazu vereinnahmt, um Anpassungen der kirchlichen Verkündigung in puncto Homosexualität anzustreben:

„Wir müssen eine neue Sprache zu finden“, zitiert ihn die italienische Tageszeitung. Bedeutet aber eine neue „Sprache“ nicht letztlich auch eine neue Lehre?!

Zudem behauptet Kasper, die „Diskriminierung“ von Homosexuellen habe „in unserer Kultur eine lange Tradition“. Gleichgeschlechtliche Beziehungen, die länger anhalten, würden „Elemente des Guten“ enthalten, erneuerte der Kardinal seine spezielle „Stufenlehre“ in der Ethik, welche den Ausdruck der „schweren Sünde“ vermeidet und stattdessen lieber davon redet, eine bestimmte Situation sei zwar nicht optimal, enthalte aber „Elemente des Guten“.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Prostitution als sittenlos ächten und strengeres Gesetz einführen

Mathias von Gersdorff

„Eine Welt ohne Prostitution ist denkbar.“   –  Unter diesem Motto sammeln die feministische Zeitschrift Emma und ihre Herausgeberin Alice Schwarzer Unterschriften für einen Appell gegen Prostitution. Schwerwiegendste Forderung ist die nach einer Bestrafung der Freier. 

M. von Gersdorff

M. von Gersdorff

Bewußt wurde die Aktion nach der Bundestagswahl begonnen: Die EU verlangt seit geraumer Zeit ein härteres Vorgehen gegen Menschenhandel. Eigentlich sollten die Mitgliedsländer Maßnahmen bis zum 6. April 2013 ergreifen, doch Deutschland hat nichts unternommen.

Deutschland gilt als wichtiges Umschlagland für Frauenhandel. Mit dem Appell will Alice Schwarzer die Koalitionsverhandlungen in ihrem Sinn beeinflussen, denn für sie ist Prostitution ohne Menschenhandel und Sklaverei nicht denkbar. Indem sie Prostitution und Menschenhandel verbindet, gewinnt ihr Ansinnen an Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Durchführbarkeit.

In der Tat hat die Union schon Bereitschaft signalisiert, Prostitution einzuschränken. Schwarzer sieht Prostituierte als Opfer von Zwang und Gewalt. Sie stecken in einer kriminellen Struktur, aus der sie nicht entkommen.

Rotgrünes Gesetz schützte kriminelle Strukturen

Das Prostitutionsgesetz der rot-grünen Bundesregierung (ProstG) aus dem Jahr 2002 hätte die kriminellen Strukturen geschützt. Schwarzer behauptete in einem Interview mit der Welt vom 3. November 2013, das Gesetz sei von Anbeginn an für Zuhälter und Menschenhändler gemacht worden. Opfer des ganzen seien die Frauen.

Schwarzers Appell erhielt Unterstützung aus ganz unterschiedlichen Ecken. Neben Wolfgang Niedecken und Reinhard Mey finden sich auch Leute wie Maria Böhmer (Vorsitzende der Frauenunion), Heiner Geißler, Rita Süssmuth, Charlotte Knobloch, Femen Deutschland.

Besonders wichtig ist die Unterstützung durch Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und ehemaliger Justizminister Niedersachsens. 0023

Grüne Kritik an Schwarzers Vorstoß

Kritik erntet Alice Schwarzer vor allem von links. Die Grünen und etliche linksorientierte Organisationen meinen, man dürfe Prostitution und Menschenhandel nicht vermengen.

Unglaublich, aber wahr, als Reaktion auf Schwarzers Aktion gibt es vom „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“ nun auch einen Appell für Prostitution. Allen Ernstes wird da behauptet:

„Prostitution ist eine berufliche Tätigkeit, bei der sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten werden. Ein solches Geschäft beruht auf Freiwilligkeit. Gibt es keine Einwilligung zu sexuellen Handlungen, so handelt es sich nicht um Prostitution. Denn Sex gegen den Willen der Beteiligten ist Vergewaltigung.“   –  Unter den Unterstützern finden sich besonders viele Grüne und Politiker der Linkspartei.

Blanke Verhöhnung der Frauen

Dieser Appell geht von der Überzeugung aus, die Prostitution sei nicht nur normal und ein legitimer Broterwerb, sondern ein Akt der Befreiung und der weiblichen Selbstbestimmung. Heute klingt das zwar grotesk und wie eine blanke Verhöhnung der Frauen, doch in den Talkshows Ende der zweiten Hälfte der 1990er à la Arabella oder Hans Meiser war das eine gern vertretene These.

Hinsichtlich Prostitution argumentiert Schwarzer analog zur Pädophilie. Sie war gegen sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern, weil der Erwachsene die Situation völlig dominiert und seine Macht problemlos über das Kind ausüben kann. Dasselbe gilt für die Beziehung zwischen Freier bzw. Zuhälter und Prostituierter.

An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß sich für Alice Schwarzer die Frau grundsätzlich in einer „Inferiorität“ befindet. In der Beziehung zwischen Mann und Frau, wie auch immer sie geartet ist, wird letztere unterdrückt.

Im 1984 geschriebenen Vorwort zur Taschenbuchausgabe ihres bekanntesten Buches „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ schrieb sie: „Im Namen der Liebe haben sie [Frauen] kein Recht auf eigene Existenz und Unabhängigkeit, sind sie die Freundin/Frau/Mutter von, sind sie Objekt statt Subjekt, bescheiden sie sich mit einem Platz am Rand der (Männer-)Welt.“  –  Die Frau müsse von dem „staatlichen Zwang zur Mutterschaft“ befreit werden. Deshalb sollte die Abtreibung eingeführt werden, so Schwarzer.

Im gegenwärtigen Kampf gegen die Prostitution verwendet Alice Schwarzer eine etwas gemäßigtere Sprache. Vor allem argumentiert sie sehr faktenreich. Aus diesem Grund erntet sie nicht ungerechtfertigte Sympathien auch im christlich-konservativen Lager, während man bei den Verteidigern der Prostitution wieder die altbekannten ideologischen Scheuklappen erkennt, die schon zur Forderung nach einer Entkriminalisierung der Pädophilie geführt haben.

Prostitution ist grundsätzlich unsittlich

Dennoch darf man nicht blind für die Defizite von Schwarzers Argumentation sein. Sie argumentiert auf der Grundlage eines falschen und radikal-egalitären Verständnisses von Macht und Herrschaft. Christliche Moral und Sittlichkeit spielen für sie keine Rolle. Sie schreibt in Emma von November/Dezember 2013: „Prostitution muß endlich geächtet werden! Und zwar nicht aus Gründen der wie auch immer verstandenen „guten Sitten“, sondern aus Gründen der Menschlichkeit“.

Aus christlicher Sicht ist aber Prostitution grundsätzlich falsch und nicht erst dann, wenn die Frau unterdrückt wird. Prostitution ist von Natur aus unsittlich und muß vom Gesetzgeber auch so behandelt werden.

Das Prostitutionsgesetz gehörte zu den gesellschaftspolitischen Vorhaben der rot-grünen Regierung. Sie wollten der Prostitution denselben Rang geben wie anständige bürgerliche Berufe. Das Gesetz ist ein direkter Angriff auf die bürgerlichen Tugenden und auf die christlichen Wurzeln Deutschlands und muß deshalb rückgängig gemacht werden.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“


Joachim Gauck und die Frauen: Wenn das Private politisch wird

Kommentar von Felizitas Küble

Derzeit werde ich oft nach meiner Meinung über den wahrscheinlich künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck gefragt, dessen Wahl am 18. März 2012 ansteht.

Seine inhaltlichen Standpunkte finde ich fast alle gut und vernünftig; eine gewisse geistige Unabhängigkeit und Distanz gegenüber dem Zeitgeist zeigt er jedenfalls auch  – hoffentlich bleibt es auch im hohen Amte dabei.

Obwohl Joachim Gauck kurz nach der „Wende“ eine Zeitlang bei den Grünen war (er gelangte über deren Liste in die Volkskammer),  ist er beileibe kein Linker, sondern ein Liberal-Konservativer, überzeugter Anti-Kommunist und Befürworter der Wiedervereinigung  –  wenngleich die oft verwendete Bezeichnung „DDR“-Bürgerrechtler  überzogen erscheint:

Er war nie im Knast, war auch nicht politisch verfolgt. Der damals als Pastor in Rostock tätige Gauck gehörte nicht zur  Oppositionsbewegung; sein Name findet sich nicht in „DDR“-kritischen Schriften.

Er hat sich im Oktober 1989 dem „Neuen Forum“ angeschlossen und Montagsdemos mitorganisiert  – allerdings war damals schon die Endphase des kommunistischen Systems im Gange. Er war daher allenfalls ein Bürgerrechtler der letzten Stunde, aber immerhin kein Mitläufer des „DDR“-Sozialismus. Das sollte man zu würdigen wissen und soweit ist sein Lebenslauf aber durchaus ok.,  denn nicht jeder muß  ein aktiver Systemkritiker oder gar politischer Gefangener gewesen sein.

Doch nun folgt das große ABER:  Der evangelische Pfarrer Gauck hat sich 1991  –  zwei Jahre nach der „Wende“  – von  seiner Frau Gerhild und den gemeinsamen vier Kindern getrennt  –  und dies 32 Jahre nach der Heirat 1959.

Nun kommt es auch bei besten Absichten mitunter vor, daß Ehen scheitern, so traurig dies ist.  Bei sehr schwierigen Ehen erlaubte bereits der Apostel Paulus die sogenannte „Trennung von Tisch und Bett“  – ebenso die katholische Kirche. Getrennt-lebende und geschiedene Katholiken dürfen deshalb zum „Tisch des HERRN“ gehen (sofern sie enthaltsam leben), nicht jedoch die Wiederverheirateten (nach Scheidung).

Paulus lehrt in 1 Kor 7,10-16:Den Verheirateten aber gebiete ich  –  nicht ich, sondern der HERR   – daß sich die Frau nicht von ihrem Mann scheiden soll; hat sie sich aber doch geschieden, soll sie ledig bleiben oder sich mit dem Mann versöhnen – und daß der Mann seine Frau nicht entlassen soll.“

Die EHE  –  ein genialer PLAN des EWIGEN

Laut göttlicher Schöpfungsordnung ist die Ehe eine lebenslange, von Gott im Paradies gestiftete und gesegnete Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, verbunden mit dem Auftrag: „Wachset und mehret euch!“

Aus katholischer Sicht ist die Ehe zudem ein wirksames Sinnbild (Realsymbol) der Liebe und Treue Gottes zu den Menschen, vor allem ein Abbild der Liebe Christi zur Kirche, zum gläubigen Gottesvolk  –  und deshalb ein Sakrament, ein „heiliges Zeichen“, das zugleich wirkmächtig ist, weil es göttliche Gnaden vermittelt.

Das Neue Testament nennt die Ehe unauflöslich (Mt 5,31 ff). Wenngleich eine Trennung von „Tisch und Bett“ unter Umständen erlaubt ist, so ist jedenfalls eine Wiederverheiratung von Geschiedenen biblisch untersagt; denken wir an das Wort Christi: „Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe!“ (Mk 10,11).  Der christliche Weg nach einer gescheiterten Ehe ist also die Enthaltsamkeit.

Von einem Pastor sollte man erst recht erwarten dürfen, daß er diese Lösung praktiziert und alleine lebt, um so die Unauflöslichkeit der Ehe hochzuhalten und zu bezeugen. Das gilt auch für evangelische Pfarrer, denn das 6. Gebot „Du sollst nicht ehebrechen!“ dürfte ihnen wohlbekannt sein.

Doch weit gefehlt: Joachim Gauck  hat  sich die 20 Jahre jüngere Daniela Schadt als LAPin (Lebens-Abschnitts-Partnerin) an Land gezogen. Frau Schadt arbeitet als leitende Redakteurin in Nürnberg, sie ist unverheiratet und kinderlos.

Von seiner ersten Frau (die vor Gott immer seine Ehefrau bleiben wird)  ist er nach 20 Jahren noch nicht geschieden. Das kann verschiedene Gründe haben: von Steuer-Vorteilen, einer Scheidungskosten-Ersparnis (Vermögensaufteilung) bis hin zur Überlegung, daß er seiner Ex eine Witwenrente im Falle eines Falles ermöglichen will.

Wenn der evang. Theologe die zivile Scheidung deshalb so lange hinauszögert, weil ihm seine Ehe  aus religiösen Gründen oder Pietätsgefühlen doch noch etwas wert ist, dann wäre das durchaus erfreulich.

Allerdings sendet er ein reichlich verfehltes Signal aus, wenn er sich seit vielen Jahren eine Geliebte hält und diese als die „Frau an seiner Seite“ präsentiert. Wie mögen seine Ehefrau und seine Kinder (nicht zu vergessen seine Enkel und Urenkel)  dieses Verhalten empfinden? Hat es sie nicht schmerzlich berührt, zumindest anfangs?

Gauck-Sohn Christian: „Meine Mutter war die Verlassene.“

Sein Sohn Christian wird in einem Porträt des „Hamburger Abendblattes“ vom 28.2.2011 mit den Worten zitiert: „Meine Mutter war die Verlassene. Er ging weg. Er hatte sein neues Leben. Mein Vater hat meine Mutter nicht immer fair behandelt. Er war manchmal ein Verdränger vor dem Herrn.

Zugleich berichtet Christian Gauck, daß sich seine Eltern später versöhnt und verständigt hätten. Gerhild Gauck lebt zurückgezogen in Rostock und engagiert sich ehrenamtlich in der evang. Kirchengemeinde, zB. im  Verein „Marientreff“.

Eines dürfte wohl klar sein: Das Mätressen(un)wesen, das früher an Königshöfen leider nicht selten war, steht einem Pfarrer und Theologen denkbar schlecht an, weil es menschlichen Idealen und christlichen Geboten widerspricht.

Dies kann nicht leichtfertig damit entschuldigt werden, daß viele evangelische Konfessionen mittlerweile eine fast komplette Kapitulation vor dem Zeitgeist zur Schau stellen.  Jeder Pfarrer und jeder Gläubige ist gegenüber GOTT selbst verantwortlich   –  und kann sich von den zeitlos gültigen göttlichen Geboten nicht durch eine lasche Kirchenleitung dispensieren (befreien) lassen.

Typisch jetzt diese haarsträubenden Reaktionen von protestantischer Seite:

Nach evangelischer Auffassung sollen die privaten Verhältnisse in Freiheit und Verbindlichkeit gestaltet werden. Das ist nach meiner Überzeugung bei Herrn Gauck erfüllt“, erklärt  Bertold Höcker, Superintendent im Berliner Kirchenkreis Stadtmitte.  Worin denn die „Verbindlichkeit“ besteht, steht freilich in den Sternen.

Noch größeren Unfug läßt seine hochrangige Amtsschwester verlautbaren:

„Das ist Gaucks Privatangelegenheit. Da haben wir uns nicht einzumischen„, meint die evangelische Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Will man die Zehn Gebote etwa in der Öffentlichkeit und gegenüber den „Mächtigen“ nicht klar verkünden?  – Das wäre Verrat an Christus und seiner Botschaft!

Außerdem ist unsolides Verhalten bei einem ehem. kirchlichen Amtsträger noch verheerender in seiner Wirkung als bei Hinz und Kunz, denn dann kann es im Volk gleich heißen:  „Also was Pastoren sich heute erlauben, das darf ich auch!

Dazu kommt, daß es sich beim Amt des Bundespräsidenten nicht um irgendeine „politische Tätigkeit“ handelt, sondern um das höchste Amt im Staate, wenngleich ein weitgehend repräsentatives.  Eben deshalb ist seine moralische Vorbildfunktion umso wichtiger, denn der Bundespräsident wirkt weniger durch Macht und stärker durch Glaubwürdigkeit.

Die im Internet rundum kursierende Frage „Muß Gauck jetzt heiraten?“ ist schlicht gegenstandslos, denn hierfür müßte er sich erstmal zivil scheiden lassen, was wohl nicht zwischen Tür und Angel möglich sein wird.

Selbst wenn Gauck seine „persönlichen Verhältnisse“ nunmehr „ordnet“, hat das einen unguten Nachgeschmack, weil klar ist, daß er dies offenbar nur des Amtes und des Druckes wegen tut.  Hochnotpeinlich also  –  aber erst recht peinlich, wenn er alles beim alten beläßt  –  oder soll er mit „Freundin“ statt mit Ehefrau unser Land repräsentieren?!

Also peinlich wird es so oder so; es sei denn, Joachim Gauck praktiziert die klare christliche Lösung und kehrt zu seiner Ehefrau zurück (sofern sie dies akzeptiert)  – oder er praktiziert mit seiner LAPi lediglich eine platonische Freundschaft statt Liebschaft, was doch wohl für einen Urgroßvater mit 72 Jahren kein Ding der Unmöglichkeit sein dürfte?!

Was dann folgt, kennen wir ja schon….“

Ein Witzbold schrieb in einem Web-Leserkommentar Folgendes zu der Frage, warum Gauck noch nicht geschieden ist: „Anscheinend hat Herr Gauck Angst um sein Vermögen, denn wenn er jetzt geschieden wird, dann muss er teilen und braucht vielleicht auch einen günstigen Kredit für den Kauf eines Hauses – und was dann folgt, kennen wir ja schon…“

Dieser Gag wurde von keinem Geringeren als dem kath. FDP-Chef selbst gegenüber Gauck angewandt. Die „Berliner Morgenpost“ vom 20.2.2012 schreibt:

„Als Joachim Gauck am Sonntagabend im Kanzleramt ankam, fragte ihn Philipp Rösler zur Begrüßung flapsig: „Na, wie haben Sie denn Ihr Haus finanziert?“  –   Gauck habe peinlich berührt gewirkt, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung.

Immerhin hätte der „abgeschossene“ Bundespräsident Christian Wulff den Hauskredit-Ärger mit Gefolge nicht am Hals gehabt, wenn er bei seiner ersten Frau geblieben wäre  –  das neue Zuhause brauchte er wegen seiner Zweifrau Bettina. Ohne diesen Ehebruch wäre er vermutlich heute noch unser Staatsoberhaupt.

Wenn Joachim Gauck zu einer christlichen Lösung seiner gescheiterten Ehe nicht bereit ist, so müßte er zumindest bürgerlichen Maßstäben gerecht werden. Das bedeutet Scheidung und sodann Heirat seiner jetzigen Geliebten.

Der mitunter vorgebrachte Hinweis, all dies sei Gaucks „Privatsache“, ist schlicht unsinnig bei einem künftigen Staatsoberhaupt von 80 Millionen Einwohnern, der unser Land durchaus nicht mit Mätresse statt Ehefrau vertreten kann  – jedenfalls nicht würdig!

Nicht nur Abbild, sondern Vorbild

Ein Bundespräsident sollte eben nicht nur ein „Abbild“ der Bevölkerung darstellen, sondern ein „Vorbild“ für alle, zumindest in staatsbürgerlicher Hinsicht.

Die Männer-Masche„Verheiratet plus Geliebte“ ist also nicht angesagt  – wir sind hier in Deutschland und nicht in Islamland oder bei den Mormonen mit ihrer Vielweiberei. Es ist zudem durchaus nicht „schnuppe“, wie ein frisch gekürter Bundespräsident mit Frauen umgeht.

In den USA jedenfalls wäre dergleichen undenkbar. Selbst die marxistische Zeitschrift „Konkret“ (Nr. 2/2012) findet es berichtenswert, daß ein potentieller republikanischer Präsidentschafts-Kandidat komplett in Ungnade fiel,weil sich herausstellte, daß er eine Geliebte hat. Das ultralinke Monatsmagazin schreibt hierzu auf S. 34 wörtlich:

„Anfang Dezember mußte der einstige Talkshow-Gastgeber Hermann Cain aus dem Rennen aussteigen, nachdem seinen dreizehn Jahre währende außereheliche Beziehung bekanntgeworden war.“ – Dann heißt es, er habe sich überdies ungeschickt geäußert, aber: „Erst sein Ehebruch (und nicht etwa erwiesene Dummheit) machte Cain für die republikanische Basis, die viel auf ihr christliches Werteverständnis hält, untragbar.“

Es läßt zudem aufhorchen, wenn selbst die feministische Zeitschrift EMMA eine Empfehlung an Gauck abgibt, seine Geliebte zu heiraten. In EMMA-online vom 22.2.2012 finden sich unter der Überschrift „Sollen Gauck und Schadt heiraten?“ folgende Hinweise:

„EMMA meint: Die beiden müssen natürlich nicht heiraten, schließlich geht es seit elf Jahren ja auch ohne Trauschein – aber sie könnten. Denn erstens entrechtet die Eheschließung (…) die Frau nicht mehr (…). Und zweitens würde es den Status der Frau an seiner Seite im Ausland erleichtern.“

Angesichts dessen darf man sich doppelt wundern, daß sich die ansonsten bürgerliche,  klassisch-liberale FAZ am 23.2.2012 in einem ausführlichen Beitrag von Georg Paul Hefty völlig anders positioniert und den CSU-Parlamentarier Norbert Geis kritisierte, weil dieser Gauck nahelegte, seine persönlichen Verhältnisse zu „ordnen“. Wird sachlich vorgetragene Kritik an Joachim Gauck etwa schon im Vorfeld als halbe Majestätsbeleidigung aufgefaßt?

Falls sich der Rostocker Ex-Pfarrer aber auf Luther berufen will, der die Ehe nur als „ein weltlich Ding“ bezeichnete, dann sollte Gauck seine Liebschaft wenigstens „weltlich“ regeln, wie es ihm sogar das bekannteste Feministinnenblatt nahelegt – na bitte!

Wenn er jedoch weder die „christliche“ noch die „bürgerliche“ Lösung auf die Reihe kriegt, dann gehört das Quasi-Ehrenamt einer „First Lady“ für diese Amtsperiode meiner Meinung nach schlicht abgeschafft, denn gar keine First Lady ist besser als ein verheerendes Signal, das sich gegen die Ehe richtet und ausgerechnet beim Staatsoberhaupt  „wilde“ Verhältnisse präsentiert. Wie mag  ein solch würdeloser Zustand zudem im Ausland ankommen?!

Ein Humorist aus dem Volke hat hier freilich folgende sarkastisch gemeinte „Lösung“ zu bieten:

„Gäb’s vielleicht auch noch die Möglichkeit, beide Frauen in den Präsidentenpalast zu nehmen? Dann wäre die „Bunte Republik“ schon mal darauf vorbereitet, wenn künftig ein muslimischer Präsident in das höchste Amt kommt. Der darf dann nämlich bis zu vier Frauen mitbringen.“

Der Bundestag, der über den Staatshaushalt befindet, hat für die „Frau des Bundespräsidenten“ ein Büro mit Sekretärin und Referenten vorgesehen. Die „First Lady“ verfügt über ein Budget, Chauffeur und Leibwächter inbegriffen. Warum soll der Steuerzahler für diese Summen zugunsten einer Geliebten aufkommen?!

Um zukünftiges Durcheinander zu verhindern, wäre grundsätzlich zu überlegen, das Quasi-Amt einer „First Lady“ ganz abzuschaffen, so daß die „Frau an seiner Seite“ keine repräsentativen Aufgaben wahrnimmt bzw bei offiziellen Anlässen fehlt. Der Ehepartner des Bundeskanzlers spielt schließlich auch keine amtliche Rolle.  Damit wäre dem Problem „unordentlicher Verhältnisse“ der Stachel gezogen.

Immerhin wird der Ausdruck „wilde Ehe“ für Gaucks Lebensverhältnisse von der FAZ über den FOCUS bis hin zur  Berliner Morgenpost derzeit vielfach  in Überschriften verwendet  – diese Zeitungen sind beileibe kein verlängerter Arm des Vatikan.

Dabei heißt es im Grundgesetz, daß „Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen“ (Art. 6, Abs. 1). Daran hat sich ein Bundespräsident zu halten, auch damit nicht der verheerende Eindruck entsteht, unsere Verfassung sei nur ein Fetzen Papier oder bestenfalls eine Zitatenlese für wolkige Sonntagsreden.

Der Ehebruch wird seit der Strafrechtsreform 1969 zwar nicht mehr strafrechtlich geahndet; er ist und bleibt aber ein Vertragsbruch (da sich die Eheleute zur Treue verpflichtet haben).

Der Ehebruch beinhaltet laut BGB (Bürgerlichem Gesetzbuch) einen Verstoß gegen die „guten Sitten“  (§ 138 BGB).  Der Ehebruch ist folglich zivilrechtlich gesehen eine „unerlaubte Handlung“, eine Verletzung der aus der Ehe folgenden Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft (§ 1353 Abs. 1 S. 2 BGB).

In der folgenden rechtskundigen Internetpräsenz wird der Ehebruch als „Todsünde“ bezeichnet:
http://www.strafrecht-soforthilfe.de/wikipedia-recht/verstos#more-178

Unter dem Stichwort „Sitte und Moral“ heißt es dort wörtlich:

„Die Moral wendet sich an die Gesinnung des Menschen, während das Recht vom Gesetzgeber gebilligte Regeln für sein äußeres Verhalten anderen Menschen gegenüber enthält. Sitte (die in der Gesellschaft geltenden Anstandsregeln und Gebräuche) und Moral (Ethik) können im Gegensatz zu rechtlichen Bestimmungen eben nicht mit der Macht des Staates durchgesetzt werden. Wer Ehebruch durch einen Seitensprung begeht, wird den Verstoß mit Gewissensbissen wegen einer Todsünde und keinem Strafprozess büßen.“

Das Grundgesetz verkündet ohnehin keine grenzenlose Freiheit im Sinne von Willkür oder Beliebigkeit. Es heißt nämlich eindeutig: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht … gegen … das Sittengesetz verstößt.“ (Art. 2, Abs.1).

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster