Was der hl. Paulus dem Prokurator verkündet: Gottes Gebote und das Heil in Christus

Von Prof. Dr. Georg May

„Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“ – Das sind Worte des römi­schen Pro­ku­ra­tors Felix zu dem Apos­tel Pau­lus. Der Pro­ku­ra­tor traf mit Pau­lus in Cäsarea am Meer zusam­men. Wie kam es zu der Begeg­nung?

Im Jahre 57 oder 58 reiste Pau­lus über Troas, Korinth, Milet nach Jeru­sa­lem, um den dor­ti­gen Chris­ten eine rei­che Geld­spende aus mehr als ein­jäh­ri­ger Wer­be­ar­beit per­sön­lich zu über­brin­gen. Dort ent­fes­sel­ten seine Feinde einen Kra­wall gegen ihn; er wurde in römi­sche Schutz­haft genom­men, dann zu grö­ße­rer Sicher­heit nach Cäsarea am Meer, dem Sitz des Pro­ku­ra­tors Felix, über­führt.

Dort wurde er zwei Jahre (57 – 59 oder 58 – 60 n. Chr.) in Haft gehal­ten. Anto­nius Felix war von 52 (oder 53) bis 60 (oder 61) Pro­ku­ra­tor von Judäa. Er war ein Frei­ge­las­se­ner des kai­ser­li­chen Hau­ses.

Felix war drei­mal ver­hei­ra­tet. Alle drei Gemah­lin­nen stamm­ten aus könig­li­chem Geschlecht. Die dritte Frau war die jüdi­sche Prin­zes­sin Dru­silla (geb. 38), die Toch­ter Agrip­pas I. und Schwes­ter Agrip­pas II.

Sie war zuerst mit Azi­zus, dem König von Emesa (heute Homs in Syrien), ver­hei­ra­tet. Bald nach ihrer Ver­hei­ra­tung sah Felix die schöne Köni­gin und wusste sie (mit Hilfe eines Magiers aus Cypern) ihrem Gemahl abspens­tig zu machen und für sich zu gewin­nen.

Der Pro­ku­ra­tor Felix fand Gefal­len an Pau­lus, sei­nem Gefan­ge­nen, und führte gern Gesprä­che mit ihm. Eines Tages lässt er den gefan­ge­nen Apos­tel zu sich kom­men, um sich von ihm eine ein­ge­hende Beleh­rung über den Glau­ben an Jesus als den Mes­sias geben zu las­sen.

Den Anlass dazu wird seine Gemah­lin Dru­silla gege­ben haben. Als Jüdin war sie an die­sen Fra­gen beson­ders inter­es­siert. Sie wird das Ver­lan­gen gehabt haben, die­sen Wort­füh­rer des neuen Glau­bens ein­mal zu sehen und zu hören.

Das religiöse Umfeld in der urchristlichen Zeit

Wie war die reli­giöse und sitt­li­che Lage im Römi­schen Reich, im Mit­tel­meer­raum, als das Chris­ten­tum ent­stand?

Die Ant­wort kann nur lau­ten: sie war nicht güns­tig. Die alten polythe­is­ti­schen Volks­re­li­gio­nen und Staats­kulte waren zer­setzt und in wei­ten Krei­sen um ihren Kre­dit gekom­men. Unter den Gebil­de­ten war völ­li­ger Athe­is­mus nicht sel­ten.

Als eine Art Ersatz für den Göt­ter­glau­ben kam der Kai­ser­kult auf, die gött­li­che Ver­eh­rung des ver­stor­be­nen und bald auch des leben­den Kai­sers bzw. sei­nes Genius.

Die ori­en­ta­li­schen Reli­gio­nen und Mys­te­ri­en­kulte übten eine immer stär­kere Anzie­hungs­kraft auf die Mas­sen aus, so nament­lich der Kult der phry­gi­schen Magna Mater Kybele und des Attis, die ver­schie­de­nen syri­schen Baalim, die ägyp­ti­schen Gott­hei­ten Isis und Osi­ris, der per­si­sche Licht­gott Mithras.

Dane­ben blühte jede Art von reli­giö­sem Aber­glau­ben: Astro­lo­gie, Magie, Theur­gie (Göt­ter­be­ar­bei­tung) und Nekro­man­tie (Totenora­kel). Theur­gie bezeich­net den mani­pu­la­ti­ven Umgang mit Gott­hei­ten und den Ver­such ihrer Beein­flus­sung durch den Men­schen. Im Neu­pla­to­nis­mus meinte man gött­li­che Kräfte in ein (in Trance ver­setz­tes) Medium über­füh­ren zu kön­nen.

Nekro­man­tie bezeich­net das Totenora­kel, das durch direkte Beschwö­rung Ver­stor­be­ner, durch das Gebet an eine dem Toten über­ge­ord­nete Gott­heit oder durch den Tem­pel­schlaf auf Grä­bern gesucht wird.

Hand in Hand mit dem Ver­fall der Reli­gion ging, vor allem in den höhe­ren Schich­ten und in den grö­ße­ren Städ­ten, eine furcht­bare sitt­li­che Ver­wil­de­rung. Der Apos­tel Pau­lus zeich­net ihr düs­te­res Bild mit schar­fen Stri­chen (Röm 1,24-32).

Zu kei­ner Zeit war das Gefühl der Hilf­lo­sig­keit und das Bewusst­sein der all­ge­mei­nen Ver­derbt­heit ver­brei­te­ter und stär­ker als damals, da Chris­tus in die Welt trat. Fromme Hei­den rin­gen in schmerz­li­chem Seh­nen nach Erleuch­tung und Hilfe von oben. Sie erwar­ten eine Wel­ten­wende und Welt­er­neue­rung, einen geschicht­lich auf­tre­ten­den Hei­land und Ret­ter.

Im Mittelpunkt steht das Wort vom Kreuz

In die­ser schlim­men geis­ti­gen und sitt­li­chen Atmo­sphäre tra­fen der Apos­tel Pau­lus und der römi­sche Pro­ku­ra­tor auf­ein­an­der. Pau­lus wird bei die­sem Gespräch mit Felix das Evan­ge­lium von Chris­tus ver­kün­det haben. Im Mit­tel­punkt steht das Wort vom Kreuz, d.h. von dem einen und ein­zi­gen Heils­mitt­ler Jesus Chris­tus, dem sün­den­lo­sen himm­li­schen Got­tes­sohn, der Mensch gewor­den ist.

Des­sen am Fluch­holz ver­gos­se­nes Blut der gesam­ten sün­di­gen Mensch­heit prin­zi­pi­ell und objek­tiv Sühne für ihre Sün­den und damit die Ret­tung im End­ge­richt beschafft hat. Die­ses Heil bie­tet Gott allen, Hei­den und Juden, unter­schieds­los aus rei­ner, unver­dien­ter Gnade an, und jeder, Jude wie Heide, hat es sich ver­mit­tels des Glau­bens an Christi Per­son und Werk sub­jek­tiv anzu­eig­nen.

Dazu trat die Ver­kün­di­gung des christ­li­chen Sit­ten­ge­set­zes. Wir ken­nen die Ver­kün­di­gung des Pau­lus aus sei­nen Brie­fen:

„Was immer wahr, was ehr­wür­dig, was gerecht, was lau­ter, was irgend­eine Tugend und irgend­ein Lob ist, dar­auf seid bedacht“ (Phil 4,8). – „Gestal­tet euch nicht die­ser Welt­zeit gleich, son­dern wan­delt euch um durch Erneue­rung eures Geis­tes, dass ihr prüft, was der Wille Got­tes ist, das Gute, Wohl­ge­fäl­lige und Voll­kom­mene“ (Röm 12,2). „Seid allen Men­schen gegen­über auf Gutes bedacht“ (Röm 12,17). „Lasst uns, da wir Zeit haben, das Gute an allen tun (beson­ders aber an den Glau­bens­ge­nos­sen)“ (Gal 6,10).

Als trei­ben­den Fak­tor des neuen Lebens sieht Pau­lus den (gött­li­chen) Geist an, der, in der Taufe ver­lie­hen, nun selbst dazu drängt, die Werke des Flei­sches zu las­sen, die bösen Lei­den­schaf­ten und Begier­den zu töten und die Früchte des Geis­tes her­vor­zu­brin­gen (Gal 5,16-24; Röm 5,12ff.).

Durch Christus FREIsein für das Gute

Damit wird die Schwä­che des fleisch­li­chen Men­schen über­wun­den (Röm 8,3), die Tyran­nei der Sün­den­macht gebro­chen und die prak­ti­sche Unfrei­heit unter dem alten Gesetz besei­tigt (Röm 7,14-24). So gewinnt der Christ die wahre sitt­li­che Frei­heit (Röm 8,2; Gal 5,1, 13), die ein Frei­sein für das Gute, für den Dienst Got­tes (Röm 6,16ff.) bedeu­tet.

Pau­lus hat wie kein ande­rer den inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen gna­den­haf­ter Erret­tung und sitt­li­cher Ver­pflich­tung gese­hen. Wir sind durch Chris­tus mit Gott ver­söhnt, sol­len uns aber auch mit Gott ver­söh­nen (2 Kor 5,18ff.). Unser alter Sün­den­mensch ist (in der Taufe) ver­nich­tet, mit Chris­tus mit­ge­kreu­zigt (Röm 6,6); wir sol­len ihn aber auch mit sei­nen Taten able­gen und den neuen anzie­hen (Eph 4,22ff.; Kol 3,9f.).

Wir leben im Geist, sol­len nun aber auch im Geist wan­deln (Gal 5,25). Damit ist der sitt­li­che Impe­ra­tiv aufs engste mit dem Indi­ka­tiv des Heils ver­knüpft. Sitt­li­ches Tun ist nicht ohne das gna­den­haft geschenkte Leben Got­tes mög­lich. Aber die­ses ist auch voll und ganz auf die ethi­sche Bewäh­rung hin­ge­ord­net.

So oder ähn­lich dürfte Pau­lus vor dem Pro­ku­ra­tor Felix bei sei­nen wie­der­hol­ten Gesprä­chen das Evan­ge­lium ver­kün­det haben.

Nach dem Zeug­nis der Apos­tel­ge­schichte sprach er von den sitt­li­chen For­de­run­gen des christ­li­chen Glau­bens, ins­be­son­dere von der Pflicht der Gerech­tig­keit und der Ent­halt­sam­keit (Keusch­heit) und betonte die ernste Wahr­heit des zukünf­ti­gen Gerich­tes, bei dem alles Böse seine Strafe und alles Gute sei­nen Lohn emp­fan­gen wird. Gerech­tig­keit bedeu­tet das Ver­hal­ten gemäß Got­tes Wil­len (Gen 15,6; Dt 6,25, 24,13; Is 1,27), da die Taten des Men­schen dem Urteil des gerech­ten Got­tes unter­ste­hen.

Der Gerechte ist der Mensch, der alle sitt­li­chen Pflich­ten erfüllt. Die Gerech­tig­keit for­dert auch die kor­rekte Bezie­hung der Men­schen unter­ein­an­der.

Pau­lus spricht zum Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla auch von der Pflicht zur Ent­halt­sam­keit. Mit der Ent­halt­sam­keit ist an ers­ter Stelle der geord­nete, Got­tes Wil­len ent­spre­chende Gebrauch der Geschlecht­lich­keit gemeint. Es gibt eine vor­ehe­li­che und eine ehe­li­che Ent­halt­sam­keit. Keusch­heit und Ent­halt­sam­keit gehö­ren eng zusam­men. Die eine kann ohne die andere nicht beste­hen.

Keusch­heit ist das sitt­lich geord­nete Ver­hal­ten gegen­über der Geschlecht­lich­keit. „Kein Unzüch­ti­ger oder Unrei­ner… hat Erb­teil am Rei­che Christi und Got­tes“ (Eph 5,5), lehrt Pau­lus.

Das Gericht ist der Erntetag Gottes

Zur christ­li­chen und pau­li­ni­schen Ver­kün­di­gung gehört auch das Gericht Got­tes über die Men­schen. Das Gericht ist der Ern­te­tag Got­tes, an dem er Unkraut und Wei­zen schei­den wird, der Tag, an dem die Men­schen Rechen­schaft able­gen müs­sen von ihrem Tun und Las­sen. Jesus ist der wie­der­kom­mende Men­schen­sohn und Rich­ter.

Der von den Toten erweckte Herr ist von Gott zum Rich­ter des Erd­krei­ses bestimmt. Alle Men­schen müs­sen vor sei­nem Rich­ter­stuhl erschei­nen, um über ihre im Leben voll­brach­ten Taten Rechen­schaft abzu­le­gen und ihren Lohn zu emp­fan­gen (1 Kor 3,8), um zu ern­ten, was sie im Leben gesät haben (2 Kor 9,6; Gal 6,7-10; 1 Kor 10,1-13).

Um dem Gericht zu ent­ge­hen, ist Umkehr ver­langt zu dem allein ret­ten­den Glau­ben an Chris­tus. Die Zeit zwi­schen Ostern und Paru­sie ist die letzte Gna­den­frist zur Abson­de­rung der sich Bekeh­ren­den von der ver­stock­ten Welt. Im Schrei­ben an die Bewoh­ner von Salo­niki sprach Pau­lus von den Feu­er­flam­men des Gerich­tes, wenn der Herr Jesus denen die Strafe bringt, die Gott nicht ken­nen und sei­nem Evan­ge­lium nicht gehor­chen (2 Thess 1,7f.).

All das Erwähnte und vie­les andere wird Pau­lus dem Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla vor­ge­tra­gen haben. Er war dafür bekannt, dass er die Wahr­heit scho­nungs­los vor­trug. Daher beginnt bei Felix das Gewis­sen sich zu regen. Auch der Dru­silla wird es bei die­sen Aus­füh­run­gen nicht ganz wohl gewe­sen sein. Darum bricht Felix die Unter­re­dung ab.

Diese Ver­kün­di­gung ist ihm unan­ge­nehm. Er gedenkt nicht, zu dis­ku­tie­ren, nein, er schnei­det dem Apos­tel das Wort ab. Er gerät in Angst und sagt: „Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“

Warum gerät der Pro­ku­ra­tor in Angst? Ver­mut­lich des­we­gen, weil ihm vor den hohen Wahr­hei­ten, die Pau­lus ver­kün­dete, und vor den erha­be­nen sitt­li­chen For­de­run­gen, die er dar­legte, das Grauen, das Unbe­ha­gen und der Schwin­del über­fällt. Er dachte und lebte anders, als es nach der Lehre des Pau­lus von Gott gebo­ten war.

Vor allem der Gedanke an das Gericht, das Pau­lus ankün­digte, mag Felix in Schre­cken ver­setzt haben. Davon mochte er nichts hören. Er wollte Ruhe haben. Darum brach er das Anhö­ren der christ­li­chen Lehre ab. Felix hatte ein gewis­ses Inter­esse am Chris­ten­tum. Er war viel­leicht von einem unbe­stimm­ten Wohl­wol­len für Pau­lus erfüllt. Aber zu einem wirk­li­chen Ver­ständ­nis für den reli­giös-sitt­li­chen Ernst der christ­li­chen Bot­schaft war er nicht fähig oder nicht gewillt.

„Für jetzt höre auf und gehe.“ – So spre­chen heute viele Men­schen, die ein Gläu­bi­ger an Gott, seine Macht und sein Gesetz erin­nert. Sie wol­len in ihrem Tun und Las­sen nicht gestört sein.

„Ich will Spaß haben“, sagte der Fuß­bal­ler Lothar Matt­häus, als er auf sei­nen Umgang mit der Ehe ange­spro­chen wurde. Dar­auf ist mit dem Buch von der Nach­folge Christi zu ant­wor­ten: „Siehe, zwei­fa­che Freude gibt es nicht für dich. Hier die törich­ten Freu­den der Welt töricht mit­ge­nie­ßen und dort mit Chris­tus herr­schen, siehe, das kannst du nicht.“

Prof. Dr. Georg May ist katholischer Priester, Theologe, Kirchenrechtler und Buchautor; er wurde von Papst Benedikt zum Apostolischen Protonotar ernannt. Seine fundierte, umfangreiche Predigtsammlung ist seit langem in unserer Linkliste auf der Startseite zu finden: https://http://www.glaubenswahrheit.org/


Will Kardinal Marx eine neue Kirche gründen?

Mathias von Gersdorff

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising, Vorsitzender der Dt. Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) war sich wohl im klaren darüber, dass er mit seinem JA zu Segnungen homosexueller Paare eine rote Linie überschreitet.

Im Gegensatz zum Vorschlag von Bischof Franz-Josef Bodes Anfang des Jahres soll es nach Marx´ Auffassung keine generelle Regelung geben. Vielmehr soll in den Pfarreien selbst geprüft werden, ob solche Segnungen „im Einzelfall“ möglich sein können.

Diese Einschränkung ist aber eine bloße taktische Augenwischerei. Den linken Pfarrern ebnet er den Weg, solche Segnungen zu gestalten, ohne dass er sich mit einem Dokument theologisch dafür rechtfertigen muss und sich dabei auch der Kritik aussetzen würde. Ob nun von Pfarrei zu Pfarrei unterschiedliche Regelungen getroffen werden, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Kardinal Marx (praktizierte) Homosexualität für unbedenklich hält, zumindest unter gewissen Voraussetzungen.

Mit diesem Schritt beabsichtigt Kardinal Marx im Grunde die Gründung einer neuen Kirche  – und dies aus folgenden Gründen:

1. Die katholische Sexualmoral stellt eindeutig fest, dass der sexuelle Akt nur innerhalb einer gültig geschlossenen Ehe zwischen Mann und Frau moralisch einwandfrei ist. Ein Katholik ist verpflichtet, diesem Grundsatz zuzustimmen, selbst wenn er sich selber nicht daran hält. Mit der de-facto-Legalisierung von praktizierter Homosexualität durch Kardinal Marx wird dieser Grundsatz aufgehoben, und zwar generell und nicht nur bezüglich der Homosexualität. Die verbindliche katholische Sexualmoral wird durch Kardinal Marx (weitgehend) abgeschafft. Eine Kirche, die den Vorgaben von Kardinal Marx´ folgt, wäre nicht mehr die katholische, sondern eine neue Kirche.

2. Ob Segnungen für homosexuelle Paare stattfinden oder nicht, soll auf lokaler Ebene, also in den Pfarrgemeinden getroffen werden. Weil aber die Zulassung dieser Segnungen eine völlig neue Moraltheologie (implizit) voraussetz, so hätten unterschiedliche Pfarreien unterschiedliche Moraltheologien. Die Sittenlehre leitet sich aber vom Glauben ab. Marx´ Freigabe von Homo-Segnungen führt zu einem Zustand, dass unterschiedliche „katholische“ Pfarreien einen verschiedenen Glauben und eine unterschiedliche Moral vertreten, was aus katholischer Sicht nicht möglich ist. Die Einheit der Kirche wäre auf diese Weise auf Pfarreiebene zerstört. 

3. Wenn man auf die Ebene der Universalkirche geht, wird noch offensichtlicher, dass Marxens Vorschlag antikatholisch ist. Ist er etwa der Meinung, dass andere Bischöfe oder Bischofskonferenzen seinen Vorschlag übernehmen werden? Wohl nicht. Durch die Annahme einer neuen Moral, eines neuen Glaubens und neuer Riten für die Segnungen würde sich (zumindest ein Teil) der katholischen Kirche in Deutschland von der kirchlichen Weltgemeinschaft trennen.

4. Man wartet noch auf ein Wort von Kardinal Marx, wie er sein Projekt den sog. „muttersprachlichen“ Katholiken schmackhaft machen will. Das sind die Katholiken in Deutschand mit Migrationshintergrund, also Polen, Kroaten, Portugiesen etc. Diese sind nicht nur konservativer als der durchschnittliche „biodeutsche“ Katholik, sondern stellen an vielen Orten schon die Mehrheit der Gläubigen. 

Man kann sich kaum vorstellen, dass sich Kardinal Marx über die angeführten Punkte in moraltheologischer und ekklesiologischer Hinsicht keine Gedanken gemacht hat. Am wahrscheinlichsten ist, dass ihm diese Einwände egal sind, weil er tatsächlich die Bildung einer neuartigen Kirche anstrebt.

Dies wurde in einem Interview Anfang des Jahres 2015 mit der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America deutlich: Marx will im Grunde eine Kirche, die den Maximen der 1968er-Revolution entspricht: Linkspopulistisch, ohne feste Glaubenswahrheiten, ohne eine allgemein verbindliche Moraltheologie. 

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht aktuelle Beiträge zu Kirche und Welt u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


Warum die Sexualität des Menschen sittliche Normen und Werte benötigt

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Uns allen wurde erzählt, dass wir aus einer dunklen Zeit kommen, aus einer Zeit der sexuellen Unterdrückung, aus einer Zeit, in der finster drein blickende Hüter der Moral die ihnen hilflos ausgelieferten Menschen mit ihren rückständigen Ideen davon abhielten, sich selbst zu verwirklichen und ihre Sexualität frei auszuleben.
Wir haben eine Gesellschaft überwunden, in der man die Menschen davon abhielt, ihr Glück zu finden. 

Heute leben wir in dieser Welt der „Freiheit“, die man uns versprochen hat. Jeder einzelne von uns kann sich selbst umsehen. Er kann die Gesellschaft betrachten, die ihn umgibt und er kann sich selbst ein Urteil bilden. Und natürlich kann er auch sein eigenes Leben zur Betrachtung heranziehen.

Sind wir glücklich mit der Gesellschaft, in der wir leben? Sind wir glücklich mit dieser Freiheit, die uns versprochen und die geliefert wurde?

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er zu dieser Gesellschaft und ihren Werten steht.

Doch schauen wir uns dieses Narrativ von der „Sexuellen Befreiung“ etwas genauer an. Man sagt uns, eine freie Entfaltung der Sexualität wäre ein wichtiger Faktor dafür, im Leben glücklich zu sein.

Nun haben wir Menschen diese Tendenz, uns selbst und unsere Zeit als die Spitze des Fortschritts anzusehen. Oft betrachten wir die Gesellschaft, in der wir leben, als die bestmögliche und glauben, unsere Art zu leben sei die einzige, die überhaupt Sinn macht. Alles, was vor uns war, betrachten wir als notwendigen Entwicklungsschritt hin zu unserer heutigen und als fast perfekt empfundenen Welt, wenn nicht gar als Fehlentwicklung.

Aber wenn etwas mehr als tausend Jahre funktioniert hat, muss dann nicht irgend etwas daran richtig sein? Insbesondere dann, wenn wir unsere heutige Welt betrachten, die erst seit wenigen Jahrzehnten in dieser Form existiert und die gerade nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als ob das noch lange so weiter gehen würde?

Warum aber lehren die Religionen eine „Sexualmoral“, eine Sache, die uns heute so seltsam aus der Zeit gefallen scheint? Und warum lehrt uns der Linksliberalismus das Gegenteil, welches man zusammenfassen könnte mit: „Alles ist erlaubt, so lange alle (direkt) Beteiligten es gut finden“?

Ich könnte jetzt etwas über stabile Familien und daraus erwachsende stabile Gesellschaften und über Geburtenraten schreiben. Genauso gut könnte ich Kinder und ihr Recht auf stabile Verhältnisse erwähnen. Ich könnte über Verantwortung schreiben, die man als Erwachsener übernehmen sollte und die wichtiger ist als individuelle Selbstverwirklichung um jeden Preis.

Kurz: Ich könnte darüber schreiben, dass Sexualität wichtige soziale Funktionen erfüllt und nicht nur bloße Triebbefriedigung ist. Und genau das ist der Kern der Sache.

„Du sollst Deine Sexualität kontrollieren  – und nicht sie dich“

Religion und Tradition wollen uns nicht „unterdrücken“. Sie sagen uns einfach nur:

Sexualität ist ein Trieb; sie kann gute und schlechte Dinge bewirken. Wir wollen, dass du lernst, sie zu beherrschen. Du sollst deine Sexualität kontrollieren und nicht sie dich.

Wir Menschen sind hin und her gerissen zwischen kurzfristigen und leicht verfügbaren Freuden und langfristigen Zielen. Und genauso sind wir auch hin und her gerissen zwischen unserer triebhaften und unserer höheren geistigen Natur.

Geben wir den kurzfristigen Freuden zu sehr nach, so zerstören wir das, was uns auf lange Sicht glücklich machen würde oder sorgen dafür, dass es gar nicht erst entstehen kann.

Und genau das ist es, was die Zerstörer des Westens mit ihrer Maxime „Alles ist ok, so lange alle Beteiligten einverstanden sind“ bezwecken.

Sie wollen uns auf dieses niedere Level herunterziehen. Sie wollen uns dazu verleiten, unserem ersten Impuls nachzugeben. Und sie haben eine Moral geschaffen, welche dieses Verhalten für richtig erklärt.

Sie soll uns das schlechte Gefühl nehmen, das uns beschleicht, wann immer wir unsere hohen und schwierigen Ziele aus den Augen verlieren und uns stattdessen in unseren niederen Instinkten und damit in der Gegenwart verlieren.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags auf dieser Internetseite: https://neokonservativ.wordpress.com/


Antwort an die CDU-Politikerin Benning zu ihrer Erklärung pro „Ehe für alle“

Sybille Benning (siehe Foto: Wahlplakat) ist CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Münster; sie gehört zur Minderheit jener Unions-Parlamentarier, die zugunsten der Homo-Ehe bzw. sog. „Ehe für alle“ abstimmten, was dem CDU-Parteiprogramm widerspricht.

Freilich gibt es in unserem Land kein „imperatives Mandat“: Das heißt, daß der Abgeordnete laut GG „allein seinem Gewissen verantwortlich“ ist und nicht den Beschlüssen seiner Partei unterworfen  – und das ist sicherlich grundsätzlich auch gut so.

Diese rein formale Ebene beantwortet aber nicht die inhaltliche Frage, wie Vertreter einer Partei mit dem hohen „C“ ihr Einverständnis mit der rotgrünen Forderung nach Einführung der Homo-Ehe begründen. Ganz abgesehen von den verfassungsrechtlichen Bedenken, denn das Grundgesetz (GG) bekennt sich in Art. 6 zum besonderen Schutz von Ehe und Familie –  was sich selbstverständlich auf die klassische Ehe von Mann und Frau bezieht.

Frau Benning hat ihr  –  von der Parteilinie abweichendes  –  Abstimmungsverhalten mit einer öffentlichen „Erklärung“ vom 30. Juni 2017 erläutert: http://sybille-benning.strehse.eu/files/blog/150/attachments/Persoliche_Erklarung__Offnung_der_staatlichen_Ehe_59576aa4e42c1.pdf

Der katholische Religionspädagoge Thomas May (siehe Foto) reagierte auf diese Stellungnahme mit einem kritischen Brief an die CDU-Abgeordnete. Frau Benning hat bislang auf sein Schreiben nicht reagiert. Wir veröffentlichen hier den vollständigen Brief unseres Gastautors aus Münster: 

Sehr geehrte Frau Benning,

leider haben Sie bei der Abstimmung des Deutschen Bundestages über den Gesetzentwurf zur „Ehe für alle“ am 30. Juni mit Ja votiert und damit ein für das Gemeinwohl schädliches Vorhaben mit weitreichenden Folgen befördert, obwohl zahlreiche Bürger – wie auch ich – mit persönlichen Zu­schriften Sie von diesem Schritt abzuhalten versucht haben.

In Ihrer „Persönlichen Erklärung zum Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Ehe­schließung für Personen gleichen Geschlechts“ vom 30. Juni haben Sie Ihre Entscheidung zu recht­fertigen versucht und „Respekt“ für sie eingefordert.

Weder überzeugt Ersteres  –  noch verdient sie Letzteres.

Im Gegenteil: Begründung und Argumentation sind auf ganzer Linie missraten, sodass man gar nicht weiß, wo zuerst zu einer Entgegnung ansetzen. Erschwe­rend treten Mängel grundsätzlicher Art zutage, vor allem wenn Sie Ihre Religionszuge­hörigkeit ins Spiel bringen. Ich be­schränke mich auf die markantesten Punkte.

Erstens: Ihr Unverständnis der zivilen Ehe

Sie unterscheiden – im Ansatz zutreffend – zwischen Ehe (von Mann und Frau) als Sakrament und zivi­ler Ehe (gemäß Grundgesetz). Während jene auch nach der Entscheidung des Bundestages für Sie zweifelsfrei fortbestehe – es ist wirklich rührend, dass Sie ein Sakrament der katholischen Kir­che nicht in Frage stellen, das überhaupt nicht zur Debatte stand und über das zu befinden Ihnen gar nicht zusteht – , halten Sie es für nicht vertretbar, „dieses katholische Verständnis von Ehe gesetzlich für alle vor[zu]schreiben“. Man muss kurz innehalten, um Ihre pseudotolerant verpackte Themaver­fehlung zu begreifen, die Ihnen als Parlamentarierin ein schlechtes Zeugnis aus­stellt.

Offenkundig haben Sie ein Problem mit der Begrifflichkeit. Bei der zivilen Eheschlie­ßung ist es noch nie darum gegangen, den ehewilligen Partnern das katholische Eheverständnis von Mann und Frau vorzuschreiben. Genau deshalb wird ja zwischen ziviler und kirchlicher Eheschlie­ßung unter­schieden.

Auch dem Begriff der zivilen Ehe ist die Ausschließlichkeit der Verbindung von Mann und Frau seit jeher eigen, sie ist vor- und überkonfessionell, wie die vielhundertjährige Ge­schichte aller großen Kulturen der Welt –  auch nichtchristlicher – bezeugt. Der Ehe an sich ist von Natur, vom Wesen her die Zweigeschlechtlichkeit „eingeschrieben“.

Deshalb haben auch der deutsche Gesetzgeber und die deutsche Rechtsprechung die zivile Ehe im­mer als ausschließliche Verbindung von Mann und Frau behandelt  – und für die Väter und Mütter des Grundgesetzes lag das abenteuerliche Konstrukt einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ so außerhalb je­der Vorstellbarkeit, dass sie eine Definition der zivilen Ehe als ausschließliche Verbindung von Mann und Frau nicht für notwendig erachteten.

In diesem Sinn versteht das Bundesverfassungsge­richt die zivile Ehe bis heute; im Urteil des Ersten Senats vom 17. Juli 2002 heißt es: „Allerdings kann die [zivile] Ehe nur mit einem Partner des jeweils an­deren Geschlechts geschlossen werden, da ihr als Wesensmerkmal die Verschiedengeschlechtlichkeit der Partner inne­wohnt“. Ich hoffe, dass hiermit das korrekte Verständ­nis der zivilen Ehe sichergestellt ist.

Zweitens: Ihre irreführende Fokussierung auf „Verantwortung“

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (Art 6 GG), sind also rechtlich privilegiert. Ihre Beschränkung auf einen Mann, eine Frau und nach Möglichkeit leib­liche Kinder ist der Erkenntnis geschuldet, dass in dieser Verbindung (als Familie) gezeugte Kinder am ehesten beschützt aufwachsen und dem Staat an einer Förderung des Nachwuchses zu seinem Selbsterhalt gelegen sein muss.

Sie fokussieren jedoch anhand des Eherechts auf den „Grundgedanke[n] dauerhafter Verantwortung füreinander“, der sich Ihrer Meinung nach „auch auf gleichgeschlechtliche Paare anwenden“ lasse.  Dauerhafte Verantwortung füreinander konstituiert aber noch keine Ehe. 

Vielmehr ist dieses Kriteri­um zu deren Begriffsbestimmung unzureichend, sogar gefährlich, wenn man es konsequent entfal­tet. Sei­ne Untauglichkeit erhellt der daraus folgende Satz: „Ehe ist da, wo dauerhafte Verantwortung für­einander übernommen wird“ (ähnlich dem ebenfalls zu kurz gedachten Satz: „Familie ist da, wo Kinder sind“).

Erst die Zweigeschlechtlichkeit der Partner, welche die Realisierung des Fortpflan-zungsauftrags auf natürlichem Wege ermöglicht, macht die Ehe zur Ehe. Nicht unerheblich kommt es mit dem im Bundestag verabschiedeten Gesetz zu einer schädlichen Erweiterung des bis­her gel­tenden Ehebegriffs, die Sie mit Ihrem Votum mitzuverantworten haben.

Drittens: Ihre widersinnige Schlussfolgerung

Sachlich korrekt verweisen Sie darauf, dass „die rechtlichen Regelungen von Ehe und Lebenspart­nerschaft aneinander bereits angeglichen“ sind. Daraus ziehen Sie den Schluss, dass es „keinen Grund [gibt], diese Beziehung anders zu nennen“, also auch die Lebenspartnerschaft als Ehe zu be­zeichnen. Das ist völlig unlogisch.

Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts war – nicht zuletzt um der gesellschaftlichen Befriedung willen – in der Vergangenheit darum bemüht, einerseits den besonderen Charakter und Schutz der Ehe und Familie zu gewährleisten, anderseits aber gleichgeschlechtliche Partner zu ge­setzlich geregelten Rechten kommen zu lassen.

Dieser Maxime diente die begriffliche Unterschei­dung von verschiedengeschlechtlicher Ehe und dem neu eingeführten Rechtsinstitut der gleichge­schlechtlichen Lebenspartnerschaft. In dem erwähnten Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Juli 2002 heißt es: „Gleichgeschlechtlichen Paaren bleibt auch nach dem LPartDisBG die Ehe ver­schlossen. Ihnen wird für eine dauerhafte Bindung als Rechtsinstitut allein die eingetragene Le­benspartnerschaft eröffnet“.

Nachdem nun, wie Sie sagen, „in der materiellen Ausgestaltung der bisherigen eingetragenen Le­benspartnerschaft keinerlei Unterschied zur zivilen (!) Ehe mehr besteht“, also weitestgehende Rechtsgleichheit hergestellt ist, gibt es überhaupt keine Notwendigkeit (mehr), auch noch den Na­men zu ändern (abgesehen davon, dass dies aufgrund einander ausschließender Wesensmerkmale unmöglich ist, ebenso wenig wie man „Stuhl“ in „Tisch“ umbenennen kann) – es hat sich er­übrigt.

Spätestens an diesem Punkt hätten Sie stutzig werden müssen. Was soll die „Ehe für alle“ denn nun bezwecken? Rechtliche Gleichstellung oder doch mehr?

Hier enthüllt sich der ideologische Kern: Es geht letztlich nicht, zumindest nicht erschöpfend, um rechtliche Angleichung, son­dern darum, den klassischen Ehebegriff zu „kapern“ – mit weitreichenden Ab­sichten und Fol­gen.

Sie schwadronieren vom „konservativen Wert“ dauerhafter Verantwortung und merken gar nicht, wie Sie sich zur „nützlichen Idiotin“, zur Erfüllungsgehilfin der neomarxistischen Gender-Agenda machen lassen, deren erklärtes Ziel es (unter anderem) ist, die traditionelle bürgerliche Ehe und Fa­milie zu untergraben und abzuschaffen.

Zu den Gender-Strategien gehört die „Dekonstruktion“ der „Zwangsheteronor­mativität“, und mit der soeben beschlossenen Erweiterung des Ehebegriffs im Sinne der „sexuellen Vielfalt“ gelingt sie vortrefflich. Ideologisch umdefinierte Begriffe, eine neue, die Wirklichkeit verfälschende Sprache, ein neues, deformiertes Bewusstsein, eine neue, Glo­bal-Governance-gesteuerte totalitäre Gesellschaft, in der alle „binären Relationen“ ausgelöscht sind – die Mitwirkung an dieser Agenda macht Ihr Votum zugunsten der „Ehe für alle“ besonders bit­ter und ver­werflich.

Und natür­lich wird – entgegen Ihrer Behauptung – mit dem neu installierten Ehe­begriff der „besondere Schutz von Ehe und Familie gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes“ relati­viert und die eheliche Insti­tution herabgewürdigt.

Viertens: Ihre Missachtung des Katholischen

„Für mich als Katholikin…“ – an dieser Stelle Ihrer „Persönlichen Erklärung“ muss man tief durch­atmen. Sie haben tatsächlich die Dreistigkeit, sogar Ihre katholische Konfessionszugehörigkeit in die Waagschale zu werfen. Dabei kommt man nicht umhin, Ihnen beträchtliche Unkenntnis der Glau­bensgrundlagen und Prinzipien Ihrer Religion zu bescheinigen.

Es hilft nicht, wenn Sie sich auf die „christliche Ehe“ als „Sakrament“ beschränken wollen und die zivile Ehe für die Homo-Erweiterung preisgeben. Sakramentale Ehe und profane bzw. zivile Ehe sind aufeinander bezogen.

„Es gibt nach katholischem Verständnis neben der sakramentalen Ehe auch die Naturehe. Die christliche Ehe setzt sie voraus und baut auf ihr auf. Auch sie wird zwischen Mann und Frau in der Offenheit auf Nachwuchs geschlossen… Katholiken können deshalb die na­türliche Ehe nicht aufgeben und sich auf das Sakrament zurückziehen, weil sie damit auch letzteres beschädigen würden“ (Oliver Maksan in der „Deutschen Tagespost“ vom 30. Juni). Damit bricht Ihre Argumentation zusammen.

Eine „Homo-Ehe“ liegt außerhalb ka­tholischer Vorstellung. Papst Fran­ziskus betont in seinem Nachapostolischen Schreiben „Amoris laetitia“, dass es „keiner­lei Funda­ment dafür [gibt], zwi­schen den homosexu­ellen Lebensgemein­schaften und dem Plan Got­tes über Ehe und Familie Analo­gien herzustellen“ (Nr. 251).

Nach katholischem Verständnis ist die Ehe heilig, während gleichge­schlechtliche Beziehungen dem natürlichen Sittengesetz widersprechen und sich auf das soziale Ge­füge nachteilig auswirken. Homosexuelle Handlungen „entspringen nicht ei­ner wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu bil­ligen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357).

Daher ist ein wie auch immer bemühtes „katholisches“ Votum zugunsten der „Ehe für alle“ ausgeschlossen. Auch kön­nen Sie sich nicht eben mal von Ih­rer katho­lischen Kon­fession ver­abschieden, im Bundestag für die „Ehe für alle“ stim­men  –  und hinterher sind Sie wieder katholisch.

Sofern Sie nicht nur nominell katholisch sein wollen, ist es Ih­nen prinzi­piell auferlegt, in jeder Si­tuation, bei jeder Entscheidung katholisch zu sein. Ka­tholischsein ist un­teilbar. Dass Sie mit Ihrer Sicht zu allen Verlautbarungen der in der ka­tholischen Kirche maßgeblich Ver­antwortlichen (Papst, Bischöfe, Prä­sident des ZdK…) im Gegensatz ste­hen, unterstreicht die Untrag­barkeit Ihres ka­tholisch nicht zu rechtfertigenden Abstimmungsverhalt­ens.

Fünftens: Die sittliche Verwerflichkeit Ihres Votums

Ihre antikatholische Fehlentscheidung hat sittliche Relevanz. Dies scheint Ihnen nicht bewusst zu sein: Die katholische Kirche legt Politikern für ihre parlamentarische Arbeit verbindliche Maß­stäbe vor. Im Fall der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften bzw. der Homo-Ehe hat sich der Präfekt der Glau­benskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, schon 2003 sehr präzi­se geäußert:

„Die rechtliche Anerken­nung homosexueller Lebensgemeinschaften oder de­ren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu ei­nem Modell in der gegenwärtigen Gesell­schaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft“  (Quelle: „Erwä­gungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Aner­kennung der Lebensgemeinschaften zwischen ho­mosexuellen Personen“, Nr. 11).

Daher verlangt der Glaubenspräfekt vom „ka­tholischen Politiker“ ein hohes Maß an Verant­wortung:

„Wird der gesetzgebenden Versammlung … ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaf­ten vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Wi­derspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Ge­meinwohl der Gesellschaft so schädlichen Geset­zestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsitt­liche Handlung“ (ebenda Nr. 10).

Diese Bewertung gilt umso mehr für die Zu­stimmung zu einem Gesetzentwurf, der die Homo-Ehe mit der Ehe gleichstellt. Ihr Votum zu­gunsten der „Ehe für alle“ am 30. Juni ist daher als schwer­wiegend unsittlich anzusehen.

Dies erklärt auch, warum ich Ihrer Entscheidung keinen Respekt entgegenbringen kann, sondern sie scharf missbillige. Für einen Katholiken gibt es keinen Respekt vor Unsittlichkeit und Sünde. Auf Ihr Gewissen können Sie sich nicht berufen, selbst wenn, wie Sie geltend zu machen versuchen, „die Entscheidung ausdrücklich als Gewissensentscheidung anerkannt ist“.

Wer soll diese Entschei­dung als „Gewissensentscheidung“ anerkannt haben? Ausdrücklich? Mit welcher Befugnis für wen? Abgesehen davon, dass bei dieser Abstimmung vielfach eher eine (auf Leugnung des Essentialis­mus und einer positivistisch verengten Weltanschauung beruhende) intellektuelle Fehl­leistung vor­liegt (die ins Kapitel „Postmoderne Geistesverirrungen“ gehört), ist das Gewissen nach katholi­schem Verständnis keineswegs das Organ der Selbstbestimmung des Einzelnen, die keiner äu­ßeren Norm unterliegt, wie Sie fälschlich anzunehmen scheinen.

Der Gewissensentscheid des katholi­schen Christen ist an das (schon erwähnte) Sittengesetz gebunden; im Sittengesetz findet das Ge­wissen die Norm für sein Handeln, aber es erfindet sie nicht.

Da die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen für die Vernunft erkennbar in der Schöpfungsordnung grundgelegt ist und aus­schließlich Mann und Frau, als Abbild Gottes, bipolar und komplementär als „ein Fleisch“ auf die Ehe hinge­ordnet sind, kann es für Katholi­ken keine legitime konträre „Gewissensentscheidung“ geben, wel­che gleichge­schlechtlichen Bezie­hungen den Status der Ehe zuspricht.

Aufgrund Ihres Votums zugunsten der „Ehe für alle“ sind Sie für mich keine wählbare Wahlkreis­kandidatin bei der Bundestagswahl im September. Dies sehen zahlreiche Gläubige in den katholi­schen Pfarrgemeinden Münsters ebenso. Nach der Devise „Keine katholische Stimme für Sybille Benning!“ werde ich mit ihnen zusammen an der „Basis“ Überzeugungsarbeit leisten.

Bei der Ehe geht es schließ­lich um „Eingemachtes“. Wir wollen geistig wache, charakterfeste Abgeordnete im Deutschen Bun­destag, die in ihrem Reden und Handeln als glaubenskonforme Katholiken wahr­nehmbar sind. Da­bei ist es unerheblich, ob Ihre politischen Hauptkonkurrenten, die wir für noch un­geeigneter halten, einen Vorteil daraus ziehen oder nicht. Eine Alternative gibt es immer.

Wie die Auseinandersetzung um die „Ehe für alle“ künftig vor dem Bundesverfassungsgericht und/oder im Deutschen Bundestag auch weitergehen mag – mit Joseph Kardinal Ratzinger tei­len wir die Zuversicht:

„Keine Ideologie kann dem menschlichen Geist die Gewissheit nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts gibt, die durch die gegen­seitige personale Hingabe, die ihnen eigen und ausschließlich ist, nach der Gemeinschaft ihrer Per­sonen streben“ (ebenda Nr. 2).

Mit freundlichen Grüßen
Thomas May


Schulen in Nord und Süd führen angemessene Kleiderordnungen ein

Von Hamburg bis Horb: Mehr Vernunft mit „Klamotten“

Wie einige Nachrichtenagenturen  – darunter dpa und epd – kürzlich gemeldet haben, gilt in der katholischen Sophie-Barat-Schule in Hamburg-Rotherbaum mit Beginn des neuen Schuljahres eine geänderte Kleiderordnung.  a (7)

Hotpants, bauchfreie Zonen und tiefe Ausschnitte bei den Mädels sind nicht mehr angesagt. Richtig ist, daß auch die  – bisweilen von Jungs getragenen  – „tiefhängenden Jeans“ (bei denen oft die Unterhose zu sehen ist) untersagt wurden.

Natürlich wird bei solchen „Maßnahmen“ gerne ironisch die Prüderie-Keule geschwungen. Dabei wird nicht nur übersehen, daß die Schule kein Badesee ist und daß ordentliche Klamotten durchaus einer besseren Konzentration im Unterricht dienen, sondern daß in diesem Falle Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam die reformierte Kleiderordnung beschlossen haben.

In der neuen Regel heißt es, Kleidung sei nicht nur eine Frage von Stil und Mode, sondern auch ein „Zeichen von Respekt“ – und weiter: „Dabei kann allzu freizügige und nachlässige Garderobe ungute Gefühle auf Lehrer- aber auch auf Schülerseite hervorrufen“.  –  Auch Shirts mit sexistischen oder rassistischen Sprüchen sind nicht mehr erlaubt. Wer keine passenden Klamotten mitbringt, kann auf die Schulkleidung zurückgreifen, die zur Verfügung gestellt wird.

Alles typisch sittenbrav-„katholisch“, gar altfränkisch? – Mitnichten. 

Erst im Juli sorgte die staatliche Werks-Realschule in Horb-Altheim für ähnliche Schlagzeilen. „Schülerinnen werden zwangsbekleidet“, hieß es seitens des „Spiegel“ –  und die linksalternative Berliner Tageszeitung „taz“ äußerte sich in einer alles andere als stubenreinen und daher nicht zitierfähigen Sprachweise. IMG_4228

Anlaß für das Protestgetöse war das Rundschreiben der 37-jährigen Schulleiterin Bianca Brissaud an die Eltern, die sich über „sehr aufreizende“ Kleidung mancher Schülerinnen beschwerte. Daher kündigte sie eine neue Hausordnung an, die gemeinsam mit Schülern und Eltern erstellt werden solle.

Bis dahin gelte die Regel: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zB. bauchfreies Shirt, Hotpants), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“

Auch diese Schule übersieht gewisse Klamottenflegeleien bei den Herren der Schöpfung keineswegs: tiefhängende Schlabberhosen mit „Einblick“ zur Unterwäsche sind dort ebenfalls nicht mehr erlaubt.

Dies sind zweifellos vernünftige Maßnahmen, die Schule machen sollten. Eine optimale Lösung wäre aus meiner Sicht die Einführung von Schul-Uniformen: sie würden nicht nur einer angemessenen Sittlichkeit gerecht, sondern auch dem Geldbeutel der weniger bemittelten Eltern, die von ihren Sprößlingen sonst gedrängt werden, teuere Markenkleidung zu kaufen, weil die Schüler nicht als „Aldi-Kinder“ bespöttelt werden möchten.

Felizitas Küble leitet hauptamtlich den katholischen KOMM-MIT-Verlag und ehrenamtlich das ökumenische Christoferuswerk in Münster


Besorgter Zwischenruf: Schamgefühl und Sittlichkeit bleiben auf der Strecke!

Von Almut Rosebrock

Da es sonst kaum mehr niedrigqualifizierte Berufe gibt, wird die „Sexarbeit“ für immer mehr Menschen zur Quelle des Lebensunterhalts. Nicht wenige Zuwanderer sind dadurch auch schon „homosexuell“ bzw. zum Stricher geworden.

Almut Rosebrock

A. Rosebrock

Logischerweise wird die „Pille danach“ freigegeben, um der „Freiheit“ und „Unbeschwertheit“ Tür und Tor zu öffnen.

Was ist mit Aids? Was ist mit der Sicherheit  –  und damit auch Freiheit  –  unserer Kinder und Jugendlichen?

Ich denke u.a. an Loverboys, die sich in Discos und anderswo auf charmante Art an junge Mädchen heranmachen  –  und diese später dazu bringen, sich zu prostituieren. Andere Länder, andere Sitten. Das können sogar durchaus Muslime sein, die ansonsten eine Frau mit Kopftuch wollen, aber die leicht zu erhaschenden deutschen bzw. europäischen „Schlampen“ (nicht) verachten.

Liebe wird mit Sex, mit dem Sexakt, gleichgesetzt  –  auch schon in der Schule, im Fernsehen sowieso. „Alles – und das sofort“: dies ist die Devise dieser Zeit.

Wie sieht es mit Aids und anderen Geschlechtskrankheiten aus, die in Afrika Millionen Kinder zu Waisen machen? (Die Zurückgelassenen verdienen dann ihren Lebensunterhalt nicht selten durch Prostitution.) Sollte man einseitig nur auf die Medizin setzen? Eine Aids-Therapie kostet über die Jahre Zehntausende.

Und worauf baut eine langjährige Beziehung und Ehe? Die muss langsam wachsen und mit Inhalten gefüllt werden. Mit Gemeinsamkeiten jenseits der Körperlichkeit.

Wenn Sex ins Zentrum rückt, ist der (junge) Mensch nicht mehr offen für anstrengende Bildung. Und in unseren (immer größeren) Schulen sollen alle Kinder möglichst ganztags zusammen sein. Was da wohl so alles geschieht?

Ich mache mir Sorgen um unser Land  und um seine Menschen. Es geht mehr und mehr um Kapital, Formalismen und Technik – Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

Übrigens spielen diese ganzen Entwicklungen muslimischen Missionaren in die Hände. Denn Menschen haben ein intuitives Gefühl für Werte, für gut und nicht gut. Im Islam gibt es klare Aussagen gegen Homosexualität.

Der zunehmend „demontierte“ christliche Glaube kann eine wertvolle, traditionell europäische Alternative bieten. Aber man sollte auch außerhalb der Kirchen überlegen, wie man den Schwächeren, den am Rande Stehenden außer „Hartz 4“ eine echte Chance, Inhalt und Perspektive geben könnte  –  jenseits von Drogen(handel) und Prostitution!

Es gibt unglaubliche Armut, Verzweiflung und Ratlosigkeit in Deutschland – inmitten dieser „Hochglanz- und Schönrede-Gesellschaft“.  Augen auf!

Almut Rosebrock, Apothekerin, Familienmutter und Leiterin des Aktionsbündnisses „Gerne leben mit Kindern“, http://www.glmk.de