Prozesse gegen pseudokatholische Sekte in Sizilien wegen Missbrauchs von Mädchen

Von Felizitas Küble

Wie das kirchenamtliche Portal „Katholisch.de“ am 19. Juni berichtet, beginnt in Italien ein kirchlicher Prozeß gegen einen sektiererischen katholischen Priester, der das Beichtgeheimnis gebrochen haben soll, um Missbrauchstäter zu schützen.
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Der Geistliche ist bereits suspendiert (seiner priesterlichen Funktionen enthoben), er darf also weder zelebrieren noch die Beichte abnehmen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht ihm zudem die Exkommunikation (Ausschluß aus der kirchlichen Gemeinschaft). 
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Der angeklagte Priester steht einer sektenähnlichen, kirchlich nicht anerkannten Vereinigung nahe, die von einem selbsternannten „Erzengel“ geleitet wird, der bereits wegen des Vorwurfs von Missbrauchstaten gegen sechs minderjährigen Mädchen verhaftet wurde. 
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Eine Sonderkommission der Polizei geht von sexuellen Übergriffen aus, die sich über die letzten 25 Jahre erstrecken. Dabei wurde der Missbrauch gegenüber den Opfern von der Sektenführung als „Liebe von oben“ schöngeredet.
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Der erwähnte Leiter, ein ehemaliger Bankdirekt und inzwischen 75-jähriger Laie  – er heißt Pietro Alfi Capuana  –  betrachtet sich als Reinkarnation (Wiedergeburt) des hl. Michael.
„Katholisch.de“ schreibt über ihn: „Der charismatische Laie soll wenigstens zehn Mädchen sexuell missbraucht haben, weshalb im Oktober ein Strafprozess vor einem staatlichen Gericht gegen ihn beginnt.“
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Die Organisation hat ihren Sitz im süditalienischen Bistum Acireale (Sizilien). Die „geistliche“ Gemeinschaft mit dem harmlos wirkenden Titel „Associazione Cattolica Cultura ed ambiente“ (Katholische Vereinigung für Kultur und Umwelt) wird von sogenannten bzw. selbsternannten „12 Aposteln“ geleitet. Laut der italienischen Nachrichtenseite „Crux“ hat die Sekte etwa 5000 Anhänger.
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Sowohl der „Erzengel“ wie sein Apostelteam bzw. Führungskreis wurden einst vom Gründer der Vereinigung, dem Priester und „Heiler“ Stefano Cavalli eingesetzt. Auch dieser im Jahre 2015 verstorbene Geistliche soll in die Missbrauchstaten verwickelt gewesen sein. Er starb mit 97 Jahren und war noch zu Lebzeiten so beliebt, daß sogar der Hauptplatz der Stadt Aci Bonaccorsi nach ihm benannt wurde.
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Wie „Katholisch.de“ berichtet, betätigte sich der Sektengründer auch als Exorzist; zudem habe er sich als „spiritueller Sohn“ des italienischen Volksheiligen Pater Pio präsentiert.
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Wie CRUX bereits am 4. August 2017 unter dem Titel „Self-proclaimed „Archangel“ arrestet for sex abuse“ berichtete, wurden neben dem Anführer Capuana auch drei Frauen der Gruppe von der Polizei wegen „Verschwörung zum Missbrauch“ festgenommen.
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Diese Anhängerinnen waren für die „Rekrutierung“ der Mädchen von 13 bis 15 Jahren verantwortlich; sie setzten sie unter Druck und organisierten „Zeitpläne“, wobei die Opfer dem Sektenführer Capuana sexuelle „Gefälligkeiten“ zu erweisen hatten, was ihnen laut Polizeiermittlungen mit religiöser Inbrunst als himmlische Gnade bzw. „reine Liebe“ präsentiert worden sei.
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Die sexualisierten Übergriffe fanden nicht nur in Capuanas Haus statt, sondern auch am „Cenacolo“-Hauptsitz des Laienverbandes im sizilianischen Aci Bonaccorsi.
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Falls Mädchen die von ihnen verlangten sexuellen „Dienstleistungen“ gegenüber dem „Erzengel“ verweigerten, wurden sie laut CRUX beschimpft, dem Willen Gottes zu widerstehen und sogar mit Geldstrafen belegt.
Somit handelte es sich sowohl um geistlichen wie um sexuellen Missbrauch von Minderjährigen.
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Unklar ist bislang, ob die 60.000 Dollar, welche die Polizei beim Sektenführer vorfand, wirklich allein aus den landwirtschaftlichen Betrieben der Vereinigung stammen – oder auch aus „Bußgeldern“ sich verweigender Mädchen.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Brauchtum am 5. Februar: Das Agatha-Brot

Die heilige Agatha (der Name bedeutet „Die Gute“) ist eine frühchristliche Jungfrau und Märtyrerin aus Catania in Sizilien. Ihr alljährlicher Gedenktag in der katholischen und orthodoxen Liturgie ist der 5. Februar. Zudem wird die bedeutsame Heilige im 1. Hochgebet (dem römischen Kanon) ausdrücklich erwähnt.  agathabroetchen2

Die vielverehrte Agatha, zu deren Gedächtnis schon im 5. Jahrhundert Kirchen errichtet wurden, gilt als Schutzpatronin gegen Feuergefahren, Erdbeben und Vulkanausbrüche, aber auch als Fürsprecherin für Schwangere und Mütter im Kindbett, für Hebammen und Brustkrebskranke.

Um die Heilige aus dem 3. Jahrhundert ranken sich viele Sagen und Volkstraditionen. Besonders bekannt, zumal in ländlichen Gegenden, vor allem im süddeutschen Raum, ist das sog. „Agatha-Brot“ oder die Agatha-Semmeln (siehe Foto), welche in der Form einer weiblichen Brust ähneln. Dies hat damit zu tun, daß dieser Märtyrerin im Verlaufe der Folter ihre Brüste abgeschnitten wurden, wie die Legende erzählt.

Der Agatha-Brotlaib ist rund und „viergeteilt“, wodurch auf der oberen Kruste eine Kreuzform zu sehen ist.

Das Agatha-Brot wurde und wird am 5. Februar in manchen Kirchen geweiht – manchmal auch am Vorabend des Namenstages. Die Agatha-Brötchen sollen vor allem den Kranken dienen, werden aber auch Kindern gereicht, die auf Reise gehen, ebenso Menschen mit Heimweh. 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

In Bauerngegenden wurden früher Stückchen dieses gesegneten Brotes in der Wohnung, in Ställen und auf dem Hof verteilt, um vor Feuersbrunst zu bewahren. In südlichen Gefilden, zumal in der Schweiz, gibt es vereinzelt Bäckereien, welche Agatha-Brote anbieten, die der Ortspfarrer gesegnet hat.

Im Allgäu sind zudem die Agathakerzen bekannt, die an ihrem Gedenktag geweiht wurden. Bei Sturm oder sonstigem Unwetter wurden sie –  ähnlich wie die zu Maria Lichtmeß (Darstellung des HERRN) geweihten Wetterkerzen  –  angezündet, um Schaden von Haus und Hof abzuwenden.  

Bei manchem Brauchtum ist bisweilen  –  sofern man es zu primitiv (miß)versteht  –  der Aberglaube nicht weit entfernt. Die Heiligen sind unsere Fürsprecher, aber wohlgemerkt keine Ersatzgötter oder Amulette. Daher sind magische Vorstellungen von einem „automatischen“ Schutz zu meiden. Stets ist Gott selber es, der uns Schutz und Segen nach seinem Willen gewährt.

Im wohlverstandenen Sinne können Volkstraditionen freilich die Frömmigkeit „farbig“ erhalten, bodenständig „erden“ und ein Anlaß sein, sich mit dem Leben der jeweiligen Heiligen zu befassen und ihnen in der Christusliebe nachzueifern.

Weitere Infos über die heilige Agatha: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Agatha_von_Catania.htm

Foto: http://brautdeslammes.blogspot.de/

 

 

 


Don Guiseppe Puglisi: Seligsprechung eines 1993 von der Mafia ermordeten Geistlichen

Der Priester zum Killer: „Ich habe damit gerechnet“

Rund 100.000 Gläubige haben am heutigen Samstag in Sizilien an der Seligsprechung für Don Giuseppe Puglisi teilgenommen  –  einem Priester, der sich dem tapferen Einsatz gegen die organisierte Kriminalität verschrieben hatte und sich besonders um Straßenkinder kümmerte.

Die Mafia ermordete den mutigen Pfarrer am 15. September 1993 vor seiner Haustür  –  genau am 56. Geburtstag des Priesters, so daß dies zugleich sein „Geburtstag“ für den Himmel wurde.

Fünf Jahre später wurde bereits der Seligsprechungsprozeß eingeleitet; Papst Benedikt XVI. verabschiedete das entsprechende Dekret aufgrund des Martyriums  –  erfolgt aus „Hass gegen den Glauben”  –   am 28. Juni 2012. 1_0_695402

Giuseppe Puglisi wurde 1937 in der Nähe Palermos auf Sizilien als Sohn eines Schumachers und einer Weberin geboren. 1953 trat er ins Priesterseminar von Palermo ein und wurde von Kardinal Ernesto Ruffini 1960 zum Priester geweiht.

Er arbeitete als Pfarrer in seiner Heimatstadt Brancaccio und Umgebung. Ab 1963 war er Kaplan eines Waisenheimes und hegte seitdem eine besondere Liebe zu Kindern und Jugendlichen aus sozialen Problemfeldern und großes Interesse für gestrandete Menschen in Großstädten.

Am ersten Oktober 1970 wurde er Pfarrer von Godrano, einem kleinen Dorf in der Nähe Palermos, das von einer blutigen Fehnde der Mafia gezeichnet war. Dort gelang es ihm, konkurrierende Familien durch die Kraft der Vergebung wieder zu versöhnen. In diesen Jahren widmete er sich auch den sozialen Nöten der Hafenarbeiter, die am Rande der Stadt wohnten.

Sein besonderes Interesse galt den Jugendlichen, die der Mafia nahe standen  –  und ihrer Bildung in einem christlich begründeten Rechtssystem. Diese Arbeit war es, mit der er den Haß der Mafia auf sich zog, was schließlich zu seiner Ermordung führte.  

Als Vertreter des Papstes war Kardinal Salvatore de Giorgi bei der Seligsprechung anwesend.  – „Radio Vatikan“ hat kurz vor seiner Reise nach Sizilien mit ihm gesprochen; er sagte:

„Die Seligsprechung von Don Puglisi bedeutet ein Geschenk Gottes, ist wichtig für ganz Sizilien und darüber hinaus nicht nur für die Insel. Die Anerkennung seines Martyriums durch die Kirche ist auch ein Gütesiegel für die ewige Gültigkeit seiner Botschaft: Mit der Stimme des Blutes ruft er uns alle zu Mut, Klarheit und Kraft auf, zu ‚heiliger Kühnheit’  –  im Priesteramt genauso wie in jedem anderen Dienst an der Kirche. 035_31A

Er betont den Triumph des Guten über das Böse und über alle Aggressionen und Perversionen des Bösen. Das gilt ganz besonders dann, wenn es sich  –  so wie dies bei der Mafia der Fall ist  –  um eine perverse Struktur der Sünde gegen die Menschlichkeit und gegen das Evangelium handelt. Besonders hinterhältig und gefährlich dabei ist, dass die Mafia sich auch noch mit religiösen Zeichen und Bezügen umgibt.“

Don Puglisi war als Priester vor allem für seinen Einsatz mit Straßenkindern bekannt, für die er auch das Zentrum „Vater-Unser“ gründete. Mit seiner stillen, aber sehr wirksamen seelsorglichen Arbeit konnte er viele junge Leute vor den Verführungen des Bösen bewahren. Der organisierten Kriminalität war dieser Einsatz ein Dorn im Auge,  so daß sie ihn schließlich umbringen ließ.

Kardinal de Giorgi ist überzeugt: Don Giuseppe Puglisis Seligsprechung bedeutet eine große Unterstützung im Kampf gegen die Mafia:

„Die Stimme von Don Puglisi richtet sich auch, und ich würde sogar sagen, vor allem, an die Kriminellen  –  der Märtyrer sagt ihnen, dass Jesus sein Blut vergossen hat, um sie von ihren Sünden zu befreien. Das Lächeln, mit dem Don Puglisi zu seinem Killer sagte: ‚Ich habe damit gerechnet’, ist eine Aufforderung, entschieden umzukehren, sich zu Gott zu bekehren.

Quellen: kath. Nachrichtenagentur ZENIT / Radio Vatikan  (Foto: Radio Vatikan / 2. Foto: KOMM-MIT-Verlag)


„Seher“ Caputa aus Sizilien und seine „Marienerscheinungen“ in Bad St. Leonhard

Ein malerischer Schloßberg zieht tausende Pilger an

Der folgende Artikel von Felizitas Küble erschien in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 5 – 6/2013) unter dem Titel: „Ein neuer „Prophet“ aus Sizilien und die Botschaften der „missionarischen Madonna“:

Seit dem Frühjahr 2010 glaubt der italienische Visionär Salvatore Caputa, dass er alle halbe Jahre einer Erscheinung der Himmelskönigin in Bad St. Leonhard gewürdigt wird  –  und zwar stets auf jenem Schloßberg, auf dessen Anhöhe sich malerisch eine Kirche sowie eine alte Burgruine befindet; die kleine Kurstadt mit ihren ca. 4600 Einwohnern liegt im Lavanttal im österreichischen Bundesland Kärnten –  übrigens passenderweise auf halbem Wege von Deutschland nach Medjugorje. IMG_0873

Am 1. Mai 2010 war dieser idyllische Schloßberg bereits Schauplatz eines Erscheinungsevents mit hunderten Pilgern und Schaulustigen, wobei sich die angebliche Gottesmutter ihrem Visionär Caputa etwas weitschweifig als „missionarische Madonna in der Mission für die Jugend“ vorstellte  –  und somit wieder einen neuen Titel für das neugierige Botschaftsvölkchen bereithielt.

Bevor die aufsehenerregenden, meist auch von TV-Kameras gefilmten Phänomene begannen, hatte der heute 67-Jährige bereits einen bewegten „mystischen“ Lebenslauf hinter sich, will er doch bereits mit 6 Jahren seine erste Marienvision erlebt haben, denen danach viele weitere wundersame Phänomene gefolgt seien.

Die meisten Caputa-Erscheinungstermine auf dem Schloßberg gab es bislang im Mai und Oktober; sie sollen offenbar an Fatima erinnern und sich an diese bekannte und anerkannte Wallfahrtsstätte gleichsam „dranhängen“ bzw. als eine Art Weiterführung von Fatima indirekt legitimieren.

Auf die Frage, warum die Madonna denn ausgerechnet in Bad St. Leonhard erscheine, soll der Seher  – laut ORF Kärnten –  die wohl etwas skurrile Erklärung geboten haben, wonach die Gottesmutter (ihren eigenen Angaben zufolge) deshalb auf den Schloßberg im Lavanttal komme, weil die nahegelegene Mariengrotte einer Autobahnumfahrung habe weichen müssen.

Im Jahre 2009 hatte der „Seher“ in Südtirol bereits eine Marienerscheinung angekündigt; das Spektakel wurde aber von bischöflicher Seite (Bistum Bozen) strikt untersagt; das eingeplante Gotteshaus durfte nicht als Schauplatz für seine Vision dienen. Auch in anderen Kirchenbezirken wurde der pensionierte Stadtpolizist mit Auftrittsverboten belegt.

Die „missionarische Madonna“ erscheint punktgenau

Für den 27. April 2013 hatte Caputa wieder eine Erscheinung in der Alpenrepublik vorausgesagt. Punkt 16 Uhr  – also genau wie angekündigt  –  soll sich ihm die Himmelskönigin zum siebten Mal auf dem Leonharder Schloßberg gezeigt haben, als er sich einige Minuten in Trance befand und beständig seinen weißen Rosenkranz hochhielt. Er erklärte danach seinen Anhängern, die Madonna habe ihm während seiner Vision ihre nächste Erscheinung für den 26. Oktober 2013 um 16.30 Uhr angekündigt.

Rund 1000 Teilnehmer waren an diesem Samstag aus dem ganzen Umland angereist, teils in Gruppen mit Bussen, darunter erstaunlich viele Männer und junge Leute. Zahlreiche Pilger kommen seit Jahren eigens aus Italien angefahren, wenn die „Maria vom Schloßberg“ ruft, wenngleich der Stadtpfarrer von St. Leonhard die Gläubigen ausdrücklich vor dem „Spektakel“ warnt. Allerdings stammen die meisten Erscheinungsgläubigen nicht aus seiner Pfarrei, sondern reisen von weither. Auch der ehem. Gemeindepfarrer Thonhauser hält nichts von „dem Gerede rund um die Erscheinungen“.

Stadtpfarrer Walter Oberguggenberg hat sich mehrfach kritisch geäußert und bereits vor drei Jahren von einer Teilnahme am Caputa-Event abgeraten. Gegenüber der österreichischen „Kleinen Zeitung“ erklärte er: 

„Meine Meinung war von Anfang an, dass es hier keine echte Marienerscheinung gibt. Das sind Privatoffenbarungen, die jeder haben kann. Dass Maria hier tatsächlich erscheint, ist auch von kirchlicher Seite nicht anerkannt, sondern sogar durch die Kommission in Norditalien, in Südtirol und durch unseren Bischof aberkannt“.

Die Hinweise der Priester, dass die „Phänomene“ um den „Marienseher“ von den Diözesen Trient, Bozen und Mantova (Mantua) klar abgelehnt werden, vermag die Wunderbewegten freilich nicht zu beeindrucken. Die Bistumsleitungen erinnerten bei ihren Stellungnahmen ausdrücklich an die biblischen Warnungen vor „falschen Propheten“.

Bischöfe mahnen zur „Unterscheidung der Geister“

Skeptisch zeigt sich auch die zuständige österreichische Diözese Gurk-Klagenfurt; deren Sprecher Matthias Kapeller sagte bereits: „Wir distanzieren uns von solchen Veranstaltungen“.bildma1

 Nach einer gründlichen kirchlichen Untersuchung der Caputa-Visionen erklärte das bischöfliche Ordinariat Mantua, dass „nichts erlaubt, objektiv an Erscheinungen zu denken. Einige Ausdruckselemente der angeblichen subjektiven Wahrnehmungen und einige Aspekte der Choreographie, die sie begleitet, stellen eher objektive Gegenbeweise dar“.

Auch der zuständige Bischof Alois Schwarz ermahnt seine Diözesanen zur Nüchternheit im Glauben. Er sprach von einer „Privatveranstaltung“ des Italieners und empfahl den Gläubigen in seiner amtlichen Stellungnahme, „sich nicht voreilig und unbedacht in die Vorgänge auf dem Schlossberg in Bad St. Leonhard hineinziehen zu lassen und diese auch nicht durch eine Beteiligung aufzuwerten“. 

Gleichzeitig bittet der Kärntner Oberhirte sein Kirchenvolk um eine entsprechende „Unterscheidung der Geister“ im Sinne der Heiligen Schrift.

Während sich die kath. Kirche eindeutig ablehnend äußert, betrachtet die politische Kommunalverwaltung das fromme Treiben eher wohlwollend, macht es die Stadtgemeinde St. Leonhard doch weit und breit  –  sogar über Österreich hinaus  – bekannt und sorgt für zahlreiche und zahlende Touristen   –  und dies nicht etwa nur zu den halbjährlichen „Erscheinungsterminen“.

Auch zwischendurch kommen Wallfahrer zur „Maria vom Schloßberg“ bzw. zur dortigen Andachtsstelle oder holen sich z.B. Wasser aus der vermeintlichen „Heilquelle“. Kein Wunder, dass das Tourismusreferat der Stadt bereits über einen Kreuzweg und mehrere Pilgerwege nachdenkt, die man dauerhaft einrichten könnte.

Der sozialistische Bürgermeister Simon Maier (SPÖ) spendete sogar aus eigener Tasche das hoch aufragende, hölzerne „Seherkreuz“ für den Schloßberg. Er ist von der Echtheit dieser Privatoffenbarung fest überzeugt. Wenn wieder eine Erscheinung ansteht, läßt er es sich nicht nehmen, selber mit anzupacken und beim Aufbau von Sitzbänken und Gerätschaften zu helfen.

Gegenüber der „Kleinen Zeitung“ erklärte dieser erscheinungsbewegte Sozialist unumwunden:

„Ich lade alle ein, teilzunehmen. Vielleicht ändern die Skeptiker dann ihre Meinung. Ich war bei allen fünf Erscheinungen dabei und bin von den Menschen, die kommen, immer mehr fasziniert. Auch von Caputa. Erst wird gesungen und gebetet, die Erscheinung ist nur danach ein kleiner Beitrag. Die Gläubigen beten und gehen zufrieden nach Hause“.

Jesus und Maria segnen das „Gnadenwasser“

Wo eine Erscheinung ihres Amtes waltet und die Geister spaltet, ist die passende „Heilquelle“ oft nicht weit, damit Gläubige sich bestärkt fühlen  –  durch „Gnadenwasser“ nämlich, wie es vielfach in kirchlich nicht anerkannten „Gnadenorten“ genannt wird.

Viele Wallfahrer füllen ihre Flaschen an jener höchst profanen Wasserleitung an einer Zementwand, aus der das sog. „Gnadenwasser“  fließen soll. Das 08/15-Wasser versorgte zuvor einen Brunnen und umliegende Gärten; nun soll es plötzlich „geheiligt“ sein  –  und zwar von Jesus und Maria selbst geweiht:

Seher Caputa berichtet von seinem visionären Erleben auf dem Schloßberg am 22. Oktober 2011: Christus sei „mit Fleisch und Blut“ vom Kreuz herabgestiegen, habe seine Hände auf den Wasserhahn gelegt und den Wasserstrahl gesegnet, worauf weiße Lichtstrahlen hervortraten. Danach habe die Madonna den Brunnen ebenfalls gesegnet; auch aus ihren Händen seien leuchtende Strahlen hervorgeströmt.

Inzwischen gibt es seit über einem Jahr einen zweiten Wasserhahn an der Burgruine, der aber ganz irdisch durch die städtische Verwaltung installiert wurde, um den Ansturm zu regulieren bzw. stundenlange Wartezeiten für jene Pilger zu verkürzen, die sich das „Gnadenwasser“ holen möchten. 

Kamen anfangs einige hundert Personen zu den Visions-Terminen des begnadeten Propheten, so waren es vorigen Oktober bereits 1500 Pilger. Die meisten Caputa-Gläubigen lassen sich dabei auch durch starken Dauerregen nicht von ihrer Wallfahrt abhalten, sind sie doch fest von einer übernatürlichen Offenbarung überzeugt, die dem  Seher zuteil wird.  Das Ereignis verläuft stets nach einem ähnlichen Schema:

So verläuft eine Caputa-Vision:

Die „Himmelskönigin“ gibt sich pünktlich wie angekündigt ein Stelldichein und verkündet Caputa jeweils eine „Botschaft“. Diese schreibt er hinterher in einem nahegelegenen Holzstadl auf; danach wird sie den Versammelten in deutsch und italienisch vorgelesen.

Der selbsternannte Visionär kniet während der „Erscheinung“ vor einer riesigen Statue, die eine Madonna mit wehendem weißen Schleier zeigt; sie steht auf einem schmalen Holztisch; daneben sieht man eine Statue der sog. „Rosa Mystica“ mit den „drei Rosen“ aus Montichiari, einem kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsort in Norditalien. Mitunter liegt direkt vor der Marienstatue wahlweise ein großes Jesuskind, wie man es aus Weihnachtskrippen in Kirchen kennt.

Danach küsst Caputa jener weiß-hellblauen Edelkitsch-Madonna gleichsam die Füße. Nun küssen die Schloßberg-Gläubigen der Madonna ebenfalls die Hände, das Gewand oder auch die Füße, ebenso dem Jesuskind oder wahlweise der Rosa-Mystica-Statue.

Auf dem Schloßberg segnet der 67-jährige Sizilianer die Pilger oftmals mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn, wobei er manchmal eine kurze „Handauflegung“ vornimmt. Gegen einen „Laiensegen“ wäre an sich nichts einzuwenden, wobei es aber durchaus befremdlich wirkt, dass viele Anhänger vor dem Seher niederknien.

Eine ehrfürchtige Kniebeuge beim Gesegnetwerden praktizieren Katholiken üblicherweise während eines sakramentalen Segens durch das Allerheiligste oder bei einem bischöflichen oder priesterlichen Segen, wobei das Knien jeweils nicht der Person des Geistlichen gilt, sondern dem Altarsakrament bzw. dem priesterlichen Amt als Statthalter Christi.

Ein solches Amt hat Salvatore Caputa aber nicht aufzuweisen  – und eine Weihe zum „Visionär“ gab und gibt es nun einmal in der katholischen Kirche nicht.

Mirakel aus Rosenduft und Sonnenwundern

Niemand außer Caputa „sieht“ die Gottesmutter; doch wollen viele Pilger zeitgleich einen wohlriechenden Rosenblütenduft wahrgenommen haben; auch von ungewöhnlichen „Sonnenwundern“ wird berichtet.

Nach der Erscheinung am 23. April 2012 erzählten Pilger, sie hätten minutenlang in die pralle Sonne schauen können, ohne geblendet zu werden. Zudem sei das Städtchen St. Leonhard wunderbar in eine Art „Lichtmeer“ getaucht worden. (Ähnliche Mirakel werden seit Jahrzehnten auch aus Medjugorje berichtet.) vision

Noch häufiger wird von „übernatürlichen“ Duftphänomenen erzählt; in diversen Internetblogs wimmelt es von entsprechenden Berichten. Es wird versichert, daß keinerlei Duftsubstanzen verbreitet worden seien, zumal durchaus nicht alle Teilnehmer den himmlischen Rosenduft hätten wahrnehmen können; zudem sei der Duft  – sowohl zeitlich wie räumlich  –  ungleichmäßig verteilt gewesen etc.

Dies wird vielfach als „übernatürlicher“ Vorgang gedeutet. In einer Pro-Caputa-Webseite heißt es: „Viele der anwesenden Pilger erhielten vor oder während oder nach den Erscheinungen als himmlisches Zeichen einen Rosenduft, manche sehr intensiv und lange, manche auch noch bei der Heimfahrt und sogar zu Hause“.

Im Herbst 2010 verkündete die „Madonna“ den Anwesenden einer Caputa-Erscheinung: „Seid auch ihr oft zusammen mit Mir die Zuflucht der Sünder, der Armen, der Kranken, der Verzweifelten, der Kleinen, der Verlassenen!“  –  Hier stellt sich doch wohl die Rückfrage: Sind die Erscheinungsgläubigen etwa nicht selber auch Sünder? Wie können sie dann selber „die Zuflucht der Sünder“ sein?

Die Botschaften auf dem Schloßberg klingen zwar superfromm, bringen aber theologisch einiges durcheinander  –  und können schon deshalb nicht „von oben“ stammen. Hierzu ein Beispiel, das uns bereits die erste „Botschaft“ vom 1. Mai 2010 liefert:

„Himmlische“ Weisheiten auf Abwegen

Bei der „Offenbarung“ auf dem Schloßberg, die am 1. Mai 2010 stattfand, soll die Madonna „ganz in rosa“ erschienen und von 12 Engeln begleitet worden sein. 

Kurioserweise begann sie ihre „Predigt“ mit den Worten: „Ich segne euch, liebe Jugendliche“.  –  Von einem Segen für Kinder oder Erwachsene war von A bis Z nicht die Rede, vielmehr hieß es am Schluss: „Ich segne Euch Jugendliche mit dem Segen der Freude“, was immer das sein mag.

Sodann belehrte die „Himmelskönigin“ das erscheinungsbewegte Jungvolk über Sinn und Bedeutung der hl. Messe, indem sie erklärte:

„Die heilige Messe ist die Erneuerung des Todes Jesu. Jesus litt und starb real, sein Blut vergießend. In der heiligen Messe, liebe Jugendliche, stirbt Jesus mystisch, geistig. In jeder heiligen Messe wiederholt sich der Tod Jesu auf mystische Weise… Jeden Tag, wenn die hl. Messe gefeiert wird, erneuert sich mysteriös das Leiden und der Tod Jesu am Kreuz“. 

Diese Äußerungen sind jedoch theologisch mißverständlich bis irreführend: In Wirklichkeit lehrt die katholische Kirche, daß das einmalige Opfer Christi auf Golgotha, das vor ca. 2000 Jahren stattfand, in der heiligen Messe auf sakramentale und unblutige Weise vergegenwärtigt wird. 5d56a7150a

Also: Es wird nicht „wiederholt“, sondern dieses  e i n e  Opfer Christi wird auf dem Altar auf sakramentale Weise zur Gegenwart; es handelt sich zudem   n i c h t  um ein „mystisches“ Ereignis,  geschweige gar um ein „mysteriöses“ (!), sondern um ein sakramentales Geschehen, ein Darbringungsopfer der Kirche durch Christus zur Ehre des himmlischen Vaters.

Sollte etwa die selige Jungfrau diese zweitausendjährige Lehrverkündigung der Kirche nicht kennen?  – Da dies schlichtweg ausgeschlossen ist, können diese theologisch konfusen „Botschaften“ nicht von der wirklichen Madonna stammen.

Dies bestätigt sich z.B. auch bei der „Botschaft“ vom 27. Oktober 2012. Hierbei soll die Madonna freilich nicht wie beim ersten Mal ganz in rosa, sondern in einem weißen Kleid mit blauem Mantel erschienen sein. Die Ereignisse sind ohnehin steigerungsfähig, denn die vermeintliche Himmelsmutter wurde nicht wie vordem von 12, sondern diesmal von 16 Engeln begleitet.

Da sie sich als „missionarische Madonna mit einer Mission für die Jugend“ präsentiert, galt auch diesmal die Ansprache speziell den „lieben Jugendlichen“, und sie startete wie folgt: 

„Betet mit Glauben. Jesus ist lebendig mitten unter euch, groß sei eure Freude – Jesus Christus, Missionar der Kirche. Jesus liebt euch. Jesus ist euer Friede. Jesus ist nur Friede“.

Jesus als „Missionar der Kirche“ ist ein zumindest gewöhnungsbedürftiger Titel, zumal Christus nicht irgendein „Missionar“, sondern das Haupt seiner Kirche ist.  Zudem ist unser göttlicher Erlöser keineswegs „nur Friede“, sondern auch Wahrheit und Gerechtigkeit. Wer ihn als Erlöser nicht annimmt und ihm nicht nachfolgt, für den wird Christus der Richter sein.

Die weitere „Botschaft“ der angeblichen Erscheinungs-Maria lautet sodann in banaler Fortsetzung:

„Der eucharistische Jesus ist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist: das Brot zu essen, um nicht mehr Hunger zu haben, das Wasser zu trinken, um nicht mehr Durst zu haben.“

Abgesehen davon, dass das Allerheiligste wohl nicht den profanen „Hunger“ und „Durst“ stillen möchte, stellt sich die Frage nach dem „Wasser“-Wort in dieser „Offenbarung“, geht es doch bei der Konsekration um die sakramentale Verwandlung des Weines in das Blut Christi.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Zudem hierzu eine Kurz-Reportage des ORF unter dem Titel „Wunder gibt es immer wieder“: http://www.youtube.com/watch?v=zchMpcG2xsY


Sizilianischer Priester und Opfer der Mafia wird seliggesprochen

Ein von der Mafia in Palermo ermordeter katholischer Priester wird demnächst seliggesprochen. Die vatikanische Heiligsprechungskongregation erkannte bei Pfarrer Giuseppe Puglisi das Martyrium an.

Der Priester starb im September 1993 an seinem Geburtstag vor seiner Wohnung in der sizilianischen Hauptstadt durch einen Genickschuss.

Pfr. Puglisi sei aus Haß gegen den Glauben ermordet worden, bestätigte die Kongregation in einem Dekret, das der Papst am Donnerstag autorisierte.

Der Geistliche engagierte sich an sozialen Brennpunkten und versuchte, Jugendliche aus den Fängen des organisierten Verbrechens zu befreien. 

Quelle: Radio Vatikan