„Kath.net“ über Corona und Erscheinungen…

Von Felizitas Küble

Das charismatische und erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ würde seinen selbstgesetzten Auftrag verfehlen, wenn es nicht zur derzeitigen Pandemie auch einige „passende“ Botschaften zu bieten hätte, mögen auch die präsentierten Zusammenhänge reichlich an den Haaren herbeigezogen sein.

Kein Geringerer als der katholische Buchautor und Historiker Michael Hesemann, der für seine „mystischen“ Neigungen bekannt ist, nimmt sich am heutigen 31. März dieses Themas an – und zwar unter dem Titel „Marienerscheinungen und die Corona-Krise“: https://www.kath.net/news/71173

Seine Ausführungen über die kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen von Garabandal können wir momentan vernachlässigen, zumal hier keine Corona-Seuche angekündigt wurde. 

Am Schluß befaßt sich der Autor mit den Visionen von TREVIGNANO ROMANO bei Rom:

Das Ehepaar Gisella und Gianni erlebte nach einer Pilgerfahrt nach Medjugorje viele „Zeichen und Wunder“ – wen wunderts?

Es gab angeblich „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. 

Hesemann schreibt: „Ein Sonnenwunder und diverse Zeichen am Himmel, die u.a. auch fotografiert und gefilmt wurden, scheinen ihren übernatürlichen Ursprung zu bestätigen.“

Wundersame Sonnenphänomene soll es in Medjugorje ebenfalls zuhauf gegeben haben, übrigens auch in Heroldsbach und Montichiari (kirchlich ebenfalls nicht anerkannte Erscheinungsstätten).

Der Verfasser verweist auf eine Trevignano-Botschaft vom 18.6.2016: „Pestilenz, Elend und Seuchen werden Rom befallen, was Tod und Verzweiflung geben wird.“

Warum ist hier nur von der italienischen Hauptstadt die Rede, zumal diese durchaus nicht das Zentrum der Corona-Pandemie ist?

Am 10.10.2016 heißt es in den „Offenbarungen“ an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Bekanntlich werden die meisten Corona-Infizierten sehr wohl geheilt – auch die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Am 17.1.2017 verkündete die angebliche Madonnenerscheinung folgendes: „Bald werdet ihr gezwungen sein, wieder in euren Häusern zu beten. Haltet euch am täglichen Gebet des Heiligen Rosenkranzes fest, der der einzige Schild ist, der euch vor dem Bösen schützen wird.

Warum sollte das Rosenkranzgebet   – das gewiß empfehlenswert ist – das „einzige“ Schild sein, das uns „vor dem Bösen schützt“?

Was ist mit dem Vaterunser? Dem Angelus? Den 150 Psalmen? Der Bibellektüre? Der geistlichen Kommunion?

Wenn der Rosenkranz, den es erst seit dem 15. Jahrhundert gibt, das „einzige Schild“ ist, womit haben sich dann die Christen davor 1500 Jahre lang vor dem Bösen „geschützt“?

Am 20.7.2019 lautet die Botschaft von oben, nun sei die „Zeit der Gerechtigkeit“ gekommen: „Ihr werdet Feuerbälle vom Himmel kommen sehen, die Erde wird nicht aufhören zu zittern, alte und begrabene Krankheiten werden zurückkehren und neue Krankheiten werden sich ausbreiten.“

Hesemann schreibt sodann:

„Die deutlichste Ankündigung aber erfolgte, und das ist dokumentiert, am 28.9.2019, als die Erscheinung verkünden ließ: „Bete für China, denn von dort werden neue Krankheiten kommen. Alles ist bereit, die Luft mit unbekannten Bakterien zu verschmutzen.“

Erstens geht es bei Corona nicht um „unbekannte Bakterien“, zweitens kamen aus China auch schon vorher „neue Krankheiten“ (Näheres dazu etwa in dem 2019 erschienenen Buch von Dr. med. Edith Breburda mit dem Titel „Gentopia“).

Langer Rede kurzer Sinn: Die von Heesemann naiv zitierten Botschaften sind entweder allgemein gehalten oder sie treffen nicht ins Schwarze. Er hätte sich seinen Artikel also sparen können.


Lucia und Jacinta am 13. Oktober 1917 in Fatima: „Der Krieg geht heute zu Ende“

Von Felizitas Küble

In Europa sind zwei kirchlich genehmigte Marienerscheinungsorte besonders bekannt, nämlich Lourdes und Fatima.

Wenn die Kirche eine Privatoffenbarung approbiert (billigt, gestattet, „anerkennt“), dann bedeutet dies keine Glaubensverpflichtung für Katholiken, sondern lediglich eine Erlaubnis zur Zustimmung. Erscheinungen sind also weder heilsnotwendig noch Bestandteil des Glaubensgutes („depositum fidei“) oder der amtlichen kirchlichen Verkündigung.fatima-von-anfang-an Daher ist den Gläubigen eine sachliche Kritik an Privatoffenbarungen seit jeher erlaubt.

Das 360 Seiten starke Buch „Fatima von Anfang an“ gehört zwar durchaus zur Fatima-begeisterten Literatur, ist aber nicht in allem stromlinienförmig; so wird zB. den Aussagen von Sr. Lucia nicht immer voll zugestimmt und die Erzählweise der Publikation ist insgesamt recht nüchtern.

Dieses Buch von Pater Joao de Marchi schildert u. a. die Befragung von Seherkindern durch Prof. Dr. Formigao am Abend des 13. Oktober 1917, also einige Stunden nach dem spektakulären Sonnenwunder in der Nähe von Fatima.

Dabei wird das damalige Protokoll des portugiesischen Geistlichen zitiert  –  auch das Gespräch mit Jacinta (S. 201):

Der Priester fragte das Seherkind: „Was hat die Dame gesagt?“  – „Sie sagte, wir sollen jeden Tag des Rosenkranz beten, und daß der Krieg heute zu Ende geht.“  – „Zu wem sagte sie das?“ – „Zu Lucia und mir, Francisco hörte nichts.“

Was nun das Interview mit Lucia am selben Abend betrifft, so ist die entsprechende Stelle gestrichen worden. Auf die Frage, was Maria ihr kurz vor dem Beginn des Sonnenwunders mitgeteilt habe, antwortete die Seherin demzufolge (S. 199):

„Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“

In Wirklichkeit geht es an dieser Stelle in Dr. Formigaos Protokoll wie folgt weiter: „….daß der Krieg heute aufhören werde und daß wir unsere Soldaten sehr bald erwarten sollen.“

„Ernsthafte Zweifel an der Echtheit“

Nachdem der Krieg an diesem Tag des Sonnentanzes keineswegs zu Ende ging (sondern erst im nächsten Jahr), fragte Dr. Formigao die Seherkinder am 19. Oktober 1917 noch einmal. Dieses Protokoll wird in dem erwähnten Buch ab S. 205 wiedergegeben. 0022

Eingangs heißt es: „Am 13. Oktober sagten beide, Lucia wie auch Jacinta, daß sie aus dem Mund der Seligen Junfrau die Worte „Der Krieg wird heute zu Ende gehen“ gehört hatten.“ 

Der Verfasser dieses Pro-Fatima-Buches räumt ein: „Diese Aussage der Seher konnte ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Erscheinungen hervorrufen“.

Daher habe sich Dr. Formigao am 19. Oktober erneut zu den Kindern aufgemacht, um sie zu befragen.

Jacinta reagierte zunächst eher ausweichend („sie sagte, der Krieg würde zu Ende gehen“) und verwies auf Lucia, weil diese die Erscheinung besser verstanden habe. Lucia blieb ihrer ursprünglichen Aussage treu und beharrte zweimal darauf („Ich weiß nur, daß ich sie sagen hörte, der Krieg gehe an diesem Tag zu Ende“), wobei bereits klar war, daß diese Ankündigung ein Irrtum war.

Wie aus der wissenschaftlichen Studie „Rosenkranz und Kriegsvisionen“ von Monique Scheer hervorgeht, worin jenes Protokoll ausführlicher abgedruckt ist, hat sich Lucia im weiteren Verlauf des Interviews dann doch noch verunsichert geäußert: „Ich erinnere mich schon nicht mehr gut, was sie (Maria) sagte. (…) Vielleicht habe ich Unsere Liebe Frau nicht gut verstanden.“ – Und Jacinta erklärte auf erneute Nachfrage, wann der Krieg zu Ende gehe: „Ich glaube, er geht am Sonntag zu Ende.“ – Dies war dann freilich auch nicht der Fall (vgl. S. 52).

„Widersprüchliche oder unklare Aussagen“

Abschließend schreibt Pater Joao de Marchi, der Buchautor, trotz seiner sonstigen Fatima-Anhänglichkeit folgendes dazu: „Wie man sieht, handelt es sich bei der Frage, das Ende des Krieges betreffend, um widersprüchliche oder unklare Aussagen.“

Auf S. 211 schildert der Verfasser die kirchenamtliche Befragung der Untersuchungskommission vom 8. Juli 1924. Auch dort habe Lucia  – ca sieben Jahre nach dem Ereignis – daran festgehalten, daß die Madonna betreff des Kriegsendes von „heute“ gesprochen habe. 

Zugleich erwähnte sie damals eine ganz neue Variante hinsichtlich ihrer Cousine Jacinta, denn diese habe ihr „später“ gesagt, die Gottesmutter habe am 13. Oktober 1917 folgendes mitgeteilt: „Die Menschen müssen sich bekehren, der Krieg wird innerhalb eines Jahres zu Ende gehen.“ 

Diese Version taucht allerdings in den drei diesbezüglichen Gesprächen von Dr. Formigao mit Jacinta nicht auf. Dort hat sie beim ersten Mal „heute“ gesagt, dann beim zweiten Interview (wie bereits erwähnt) verunsichert auf Lucia verwiesen, beim dritten Mal (am 2. November 1917) plötzlich wieder eindeutig „heute“ gesagt (vgl. S. 213).   Titel

Vom schwierigen Umgang mit einer Schwierigkeit

Im Fatima-Schrifttum wird das offensichtliche Problem größtenteils auf zweifache Weise umgangen:

Teilweise bleibt diese HEUTE-Aussage einfach unerwähnt, so etwa in dem weitverbreiteten Buch „Rom – Moskau – Fatima“ von Pater Dr. Otto Bohr. Dort werden die Ereignisse des 13. Oktober 1917 zwar auf 14 Seiten breit geschildert, dieser Satz aber ausgelassen.

Neben Kürzungen gibt es unrichtige Darstellungen, die da lauten: „Der Krieg geht seinem Ende entgegen“ (das wäre ohnehin eine banale Aussage des Himmels, zumal jeder Krieg mal seinem Ende entgegengeht)  – oder „Der Krieg geht bald seinem Ende entgegen.“

Eine weitere Variante, diese Schwierigkeiten zu umgehen, besteht darin, sie in eine Wenn-Dann-Prophetie umzuwanden.  So heißt es in dem vom Clarentinerpater Abilio Ribeiro verfaßten Buch „Fatima  – Botschaft und Weihe“ auf S. 22: „Wenn die Menschen sich bessern, wird der Krieg heute noch zu Ende gehen.“  –  Es ist zwar hier zutreffend das Wort „heute“ erwähnt, aber eine ursprünglich nicht vorhandene WENN-Einschränkung vorgenommen: „Wenn die Menschen sich bessern…“Buch

Eine gewisse Glättung der Problematik wird auch darin erkennbar, bei diesem Thema nicht mehr wörtlich zu zitieren, sondern auf eine indirekte Schreibweise umzusteigen, so zB. in dem bekannten Buch „Fatima und Pius XII.“, das der katholische Verlagsleiter Johannes M. Höcht verfaßte. Dort kann man lesen: „Der Krieg gehe dem Ende entgegen.“ (S. 75)

Prof. Fonseca verbannt das Problem in Fußnoten

Das bekannteste Fatima-Buch ist wohl der Klassiker „Maria spricht zur Welt“ von Prof. Dr. Gonzaga de Fonseca.

Er schreibt in der 18. Auflage hierzu auf S. 91 hinsichtlich der Äußerungen Lucias betr. dieser Marienbotschaft: „Sie fügte hinzu, der Krieg gehe dem Ende entgegen und die Soldaten würden bald heimkehren.“Fatima

Allerdings wird immerhin in einer Fußnote erwähnt, Lucia und Jacinta hätten bei verschiedenen Befragungen geäußert, die Madonna habe gesagt: „Der Krieg wird heute zu Ende gehen….“ (Es wird danach versucht, diese Aussagen zu relativieren.)

In dem 1975 erschienenen Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ berichtet die Seherin selbst auf S. 158 über die Ereignisse des 13. Oktobers. Dort wird die Marienbotschaft von ihr wie folgt zitiert:

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll; ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz; man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende und die Soldaten werden in Kürze nachhause zurückkehren.“

Auf S. 159 gibt es dazu aber ein „Nachwort“ von ihr, das Sei damals an ihren Bischof sandte. Darin heißt es:

„Ich hatte so viel damit zu tun, mich an die zahllosen Gnaden zu erinnern, um die ich Unsere Liebe Frau bitten sollte, dass mir dadurch möglicherweise ein Irrtum unterlaufen ist, als ich nämlich sagte, der Krieg werde am selben Tag, dem 13., zu Ende gehen.“

Tatsache ist also: Die Hauptseherin Lucia beharrte von 1917 bis 1924 auf dem Wort HEUTE. Wenn dies auch ein objektiver Irrtum war, so wollte sie diesem immerhin persönlich „treu“ bleiben und sich nicht hinterher um ihre Ursprungs-Worte „herummogeln“.

Ende der 30er Jahre, als sie für den damaligen Diözesanbischof eine Niederschrift über die Fatima-Ereignisse anfertigte, kehrte sie diesen Ausdruck zunächst unter den Tisch, um dann in einem Nachwort den damaligen Fehler endgültig einzuräumen.

Abschließend noch eine Bemerkung zur  –  ebenfalls von Lucia erzählten  –  Marienbotschaft vom 13. Oktober 1917, dem Tag des Sonnenwunders: „Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“ 

Schön und gut, aber warum ist hier nicht von der Beichte die Rede? Wäre das nicht sehr passend?  –  Natürlich ist der Rosenkranz ratsam und die Reue bzw. Bitte um Verzeihung unentbehrlich. Das ändert nichts daran, daß das Sakrament der Buße bei schweren Sünden notwendig und bei läßlichen Sünden sehr empfehlenswert ist.

WEITERE ARTIKEL zum Thema Fatima, Sonnenwunder usw. hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/fatima-und-thema-sonnenwunder/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach und das Sonnenwunder vom 8.12.1949

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die katholische Kirche die angeblichen Marienerscheinungen von Heroldsbach, die von 1949 bis 1951 nicht nur im Frankenland, sondern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für großes Aufsehen sorgten, entschieden abgelehnt. Radio Vatikan
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Die Verwerfung einer übernatürlichen „Echtheit“ erfolgte nicht allein durch den zuständigen Diözesanbischof von Bamberg, sondern später auch durch das Hl. Offizium (Glaubenskongregation in Rom) und schließlich sogar durch Papst Pius XII. selber.
Im Römischen Dekret vom 25. Juli 1951 wird erklärt: “Es steht fest, daß die genannten Erscheinungen nicht übernatürlich sind. Daher wird der entsprechende Kult am erwähnten Ort und auch anderwärts verboten.“
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Die sieben „Sehermädchen“ wurden  –  da sie auch nach dem kirchlichem Urteil eisern an dieser „Privatoffenbarung“ festhielten  – exkommuniziert, also vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.
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Die kirchliche „Obrigkeit“ ging damals tatsächlich sehr streng gegen „Wundersucht“ und erscheinungsbewegte Kreise vor, die mit dem Phänomen Heroldsbach verbunden waren: Katholische Geistliche, die an diese „Erscheinungsstätte“ pilgerten oder positiv darüber predigten, wurden vom Bischof  – mit der Zustimmung des Vatikan  –  kurzerhand suspendiert (ihrer priesterlichen Funktionen enthoben); sogar die Zelebration der hl. Messe war ihnen untersagt.
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Zu diesen „ungehorsamen“, weil überaus erscheinungsorientieren Priestern gehörte der Theologe Prof. Dr. Johann Baptist Walz.
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Sein Schicksal ist geradezu tragisch zu nennen, zumal der angesehene Alttestamentler zuvor durch nüchterne Gelehrsamkeit auffiel, keineswegs durch schwärmerische oder naiv-wundersame Anwandlungen.
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Dennoch entwickelte er sich zu einem hartnäckigen Anhänger von Heroldsbach, deren Ereignisse die Kirche hierzulande viele Jahre lang in Atem hielten, zumal hunderttausende von Pilgern in diese fränkische Ortschaft fuhren, ja ganze Sonderzüge unterwegs waren – und all dies auch nach dem strikten kirchlichen Nein.
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Ein wichtiger Grund für die unbeirrbare Haltung von Professor Walz war das Heroldsbacher „Sonnenwunder“ vom 8. Dezember 1949, dem Hochfest der makellos empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
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Nun ist ein derartiges Phänomen sicherlich aufsehenerregend, aber durchaus nicht so einzigartig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

„Sonnenwunder“ gab es häufig bei irrgeistigen Erscheinungen

Solche sensationellen Mirakel werden auch von anderen kirchlich nicht anerkannten   Privatoffenbarungen berichtet, z.B. von Montichiari und San Damiano (beide Italien), von Marpingen (Saarland), Penablanca (Chile) oder Medjugorje (Bosnien-Herzegowina), zudem im neueren Erscheinungsort Bad St. Leonhard (Österreich), wo einem Seher Caputa viele Visionen zuteil werden, wie seine Anhängerschaft glaubt.
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In Agoo (Philippinen) sollen Tausende von Menschen eine „tanzende Sonne“ am Firmament während einer Marienerscheinung gesehen haben (Info: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/).  –  In Marmora (Kanada) bestätigten angeblich 30.000 Wallfahrer die dortigen „Phänomene des Sonnenwunders“, wie die Nachrichtenseite „Kath.net“ im Nov. 2005 berichtete: http://www.kath.net/news/12003
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Im Falle von Montichiari (Erscheinungen der „Rosa Mystica“) gab es einige Pilgergruppen, darunter auch Priester, welche dort mehrfach außergewöhnliche Vorgänge und einen „Sonnensturz“ am Firmament erlebten; dadurch fühlten sie sich  in ihrer Meinung bestätigt, Montichiari sei eine Art Fortsetzung von Fatima. (Näheres dazu in dem Buch „Maria, Rosa Mystica“ von Pfarrer Weigl ab S. 66.)
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Auch im saarländischen Erscheinungsort Marpingen soll sich die Sonne eine halbe Stunde lang gedreht und sogar in eine Herzform verwandelt haben; dies schildert jedenfalls Pater Dr. Jörg Müller in seinem Taschenbuch „Von Maria zu reden ist gefährlich“.
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Von einem Lichtspektakel als Naturereignis wird bisweilen auch ohne religiösen Zusammenhang berichtet; erinnert sei z.B. an das sog. „Elmsfeuer“ in der Schweiz (Buch dazu hier: http://www.ebay.com/itm/ELMSFEUER-Ein-phantastisches-Lichtspektakel-im-Kanton-Glarus-Stephan-Baum-/171643371027)
Buchtitel
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Prof. Walz und die Faszination Heroldsbach

Zurück zu Professor J. B. Walz, der seine Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen in dem zweibändigen Werk „Die „Muttergottes-Erscheinungen“ von Heroldsbach-Thurn“ veröffentlichte (siehe Foto: 1. Band).
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Die Heroldsbacher Ereignisse begannen am Sonntag, den 9. Oktober 1949  – und schon nach zwei Monaten wurden die vermeintlichen Erscheinungen von Maria, Jesus und zahlreichen Heiligen durch ein aufregendes Sonnenwunder von oben her „bestätigt“, wie es scheint.
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Der Verfasser schreibt in seinem Bericht auf S. 26 ff., daß er an jenem Tage gegen Mittag nach Heroldsbach fuhr, wo er bis abends 20,30 Uhr verweilte.
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Prof. Walz begab sich gegen 14 Uhr mit einer Reihe weiterer Priester, darunter Pfarrer Gailer von Heroldsbach, zum Erscheinungshügel, auf dem sich bereits etwa zehntausend Personen befanden, zumal Heroldsbach längst in aller Munde war.
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Bald danach schauten die Sehermädchen –  seinem Bericht zufolge  –  die Gottesmutter erneut mit weißem Kleid, goldener Krone und einem „schwarzen“ (!) Rosenkranz an der rechten Seite. Die „Madonna“ trug ein weißgewandetes Jesuskind mit Heiligenschein. Nun begann eine Prozession zum Birkenwäldchen-Altar, der von Heroldsbach-Pilgern errichtet worden war.
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Der Priester schreibt sodann, er habe plötzlich in der Menschenmenge „ein großes Durcheinander“ gesehen:
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„Ich hörte auch erregte Rufe, die ich aber wegen der zu großen Entfernung nicht verstehen konnte.“  –  Wenig später habe eine „panikartige Unruhe unter der betenden Menschenmenge“ eingesetzt, denn die Prozession „löste sich jetzt gänzlich auf, alles lief durcheinander, ich hörte Rufe von Menschen: „Feuer! Feuer! Das Sonnenwunder! Das Sonnenwunder! Wie in Fatima!“
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Prof. Walz schildert die weiteren Ereignisse folgendermaßen: ???????
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„Auf einmal sah ich rechts von mir durch die Birken die Sonne auf uns zustrahlen in einer ganz außergewöhnlichen Stärke und Lichtfülle, es wurde immer heller und heller, immer greller, die Sonne schien mir immer größer zu werden und näher an den Altar und an uns heran zu kommen, ich war wie geblendet, glaubte bestimmt eine ganz außergewöhnliche Helligkeit und Stärke der Sonne zu verspüren, ich hatte den überwältigenden Eindruck eines außergewöhnlichen Ereignisses und glaubte, es kommt jetzt schlagartig etwas Außergewöhnliches, Furchtbares, ich erschrak“.
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Nun habe der Heroldsbacher Ortspfarrer mit dem Vorbeten des Rosenkranzes aufgehört, weil „die Unruhe unter der Menschenmenge immer größer wurde und das Rufen immer lauter und häufiger“; er  kam zu Prof. Walz herüber und sagte: „Wir wollen hinaus ins Freie gehen, damit wir die Sonne besser sehen, was eigentlich los ist.“
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Der Autor erzählt weiter: „Wir gingen ungefähr 20 bis 25 Meter hinaus ins Freie, wo wir die Sonne ganz frei, ohne Überdeckung durch den Birkenwald sehen konnten. Nun blickten wir hin zur Sonne, da plötzlich fing die Sonne sich zu drehen an, ganz schnell im Kreise herum, und die Drehungen so deutlich erkennbar, so schnell, dass ich die Vorstellung hatte, wie wenn ein Motor die Sonnenscheibe rhythmisch (in gleichmäßiger Geschwindigkeit) sehr rasch drehen würde.
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Dabei erschien die Sonnenscheibe in den herrlichsten Farben, ein wunderschönes Weiß, dann orange, dann rosa mit blau und grünlich wechselnd, in schönster Farbenpracht, die so auffallend wohltuend und mild und lieblich auf uns einwirkte, dass wir während der ganzen Rotationsdauer von fast einer Viertelstunde trotz der außerordentlichen Helligkeit ruhig hineinsehen konnten, ohne geblendet zu werden, wie man auch überall reden hörte. media-372515-2
In der Sonne sah ich mehrere Figuren sich ebenfalls ziemlich rasch bewegen, bald oben, bald unten, bald rechts oder links, die ich nicht näher erkennen konnte.
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Die (Seher-)Kinder gaben an, schon während dieser Himmelserscheinung, wie auch nachher im Pfarrhof beim Einzelverhör, sie hätten die Gottesmutter in der sich drehenden Sonne gesehen, auch noch in der untergehenden Sonne, die wir nicht mehr rotieren sahen.
 
Ich war von der Rotation der Sonne so erschüttert, dass ich glaubte, es würde noch ein großes Naturereignis nachfolgen, dass entweder ein großer Erdriss entstehen würde oder ein sonstiges außergewöhnliches Naturereignis, da kam der ruhig wandelnde Stern.
 
Die Menschen waren alle bestürzt und tief ergriffen, mehrere weinten, auch Kinder, welche die Erscheinung hatten… Man hörte oft aus der Menge die Rufe: „Jetzt ist alles wahr! Die Gottesmutter hat das Zeichen dafür gegeben! Jetzt glauben wir an die Erscheinung.“
 
Wir beobachteten diese Erscheinung der rotierenden Sonne, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte, 15.30 bis 15.45 Uhr, während das erste Sonnenwunder nach Angabe der Leute kurz nach 15 Uhr begann und um 15.15 Uhr endete…

Nach Aufhören der Rotation der Sonne gegen 15.45 Uhr begab ich mich mit Herrn Pfarrer Gailer, den übrigen Priestern und den Kindern wieder hinauf zum Wagen, alle tief ergriffen über die noch nie beobachteten Ereignisse!

Jeder von uns sprach die persönliche Überzeugung aus, dass dies eine Bestätigung der Gottesmuttererscheinungen sei.“

0022Die „Marienerscheinung“ wird befragt

Am späten Nachmittag habe er, schreibt Prof. Walz weiter, die „Seherkinder“ beauftragt, folgende Fragen an die Erscheinung zu richten: „Liebe Gottesmutter, hast Du die sich drehende Sonne und den wandelnden Stern uns als Zeichen Deiner wunderbaren Erscheinung gegeben?“  –  Dies sei durch die Madonna bestätigt worden, so der Autor, denn diese habe geantwortet: „Das habe ich gemacht, weil noch so viele Ungläubige dabei sind, dass sie es auch glauben.“
 
Tatsächlich schreibt der Verfasser, nach diesem Sonnenwunder seien „auch die Ungläubigen gläubig geworden“. (Er meint mit „Ungläubigen“ solche, die nicht an jene Erscheinungen glaubten, ihre Meinung aber nach diesem „himmlischen“ Sonnensturz änderten).
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Übrigens: Die Antwort des Erscheinungsphantoms („Das habe ich gemacht…“) ist auch rein theologisch gesehen schlichtweg falsch, da allein GOTT selbst ein Wunder wirken kann. Heilige können durch ihre Fürbitte nur indirekt dazu beitragen, sind aber selbstverständlich nicht allmächtig, was auch für die Madonna gilt, zumal sie ebenfalls ein GESCHÖPF ist (wenngleich das heiligste von allen).
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Abschließend heißt es in dem Bericht von Professor Walz:
„Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass ich über Fatima noch keine nähere Darstellung gelesen habe außer einem kurzen Bericht im Heinrichsblatt 1949, auch den Bernadette-Film nicht gesehen habe, als Dogmatiker mich mit Privatoffenbarungen nicht näher befasst (war nicht in Konnersreuth) und seit 1938 alttestamentliche Wissenschaften und Orientalia zu vertreten hatte.“
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Sein Protokoll jener wundersamen Ereignisse vom 8. Dezember 1949 wird inhaltlich von mehreren weiteren katholischen Geistlichen ausdrücklich bestätigt, darunter dem bereits erwähnten Pfarrer von Heroldsbach.

Welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus?

Man kann es sich angesichts dieser Sachlage wohl nicht allzu leicht machen, indem man das „Sonnenwunder“ von Heroldsbach von vornherein als erfundene Geschichte, menschliches Betrugsmanöver oder Massenhysterie abwertet.
Gleichwohl kommen rein natürliche Erklärungen grundsätzlich durchaus in Betracht.  So berichtet zB. der spanische Jesuitenpater Carlos M. Staehlin in seinem Buch „Apariciones“ (Erscheinungen) von einem vermeintlichen „Sonnentanz“, der allein durch seelische Suggestion hervorgerufen wurde:
Dabei erlebten „beinahe hundert Jungen und Männer, ohne daß dabei ein Mädchen oder eine Frau als Auslöserin des Phänomens mitgewirkt hätte“ mehr als drei Minuten lang ein „astronomisches Wunder“, denn sie schauten einen „Tanz der Sonne“, den sie danach jeweils „in vollständiger Übereinstimmung auch der Einzelheiten“ beschrieben hätten. „Alle, die diese Halluzination hatten…,gehörten jener Gegend an, in der es damals eine Reihe von Erscheinungen gab“, berichtet der Geistliche weiter. (Quelle: Pater Carlos Maria Staehlin S.J., APARICIONES. Madrid 1954, S. 90)
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Aber selbst dann, wenn sich ein derartiges Sonnenphänomen nicht ohne weiteres natürlich erklären läßt, muß es nicht von „oben“ bewirkt sein. Die kritischen Fragen, die sich dann stellen, sind eher theologischer Natur: DSC06228
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Macht der erhabene Gott wirklich mit derartigen Massenspektakeln auf sich aufmerksam?  Hat ER solche theatralischen Zeichen wirklich „nötig“?
Und worin soll der religiöse Sinn eines „Sonnentanzes“ bestehen? – Außerdem bedeutet z.B. ein Lichtphänomen nicht automatisch etwas Positives, schließlich warnt der Apostel Paulus davor, daß  Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheint (vgl. 2 Kor 11,14)
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Wir kennen den bekannten Spruch: „Wunder sind des Glaubens liebstes Kind.“  –  Man könnte hinzufügen: „Und Schauwunder sind des Aberglaubens liebstes Kind.“ – Demgegenüber sagte unser Erlöser: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ – Und Paulus erklärte: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen!“
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Hat nicht Christus bei der Versuchung in der Wüste ausdrücklich jenes Sensationswunder, das Satan von ihm forderte, strikt zurückgewiesen?(Jesus lehnte den Vorschlag ab, sich aufsehenerregend von der Zinne des Tempels zu stürzen.  –  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/09/mit-der-wahrheit-lugen-die-charismatische-versuchung-christi-in-der-wuste/)
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Sind solche mirakulösen Naturschauspiele wirklich geeignet, den Glauben sinnvoll zu vertiefen? Oder dienen sie nicht vielmehr einer  – wenngleich religiös verbrämten  –   „Sinnlichkeit“, Schaufreude und Sensationsgier?

Sind wir als Christen quasi „Sonnenanbeter“?

Reagierten damals nicht sogar viele Menschen   – wenngleich eher unfreiwillig  –  gleichsam wie heidnische „Sonnenanbeter“, als sie sich in ihrer Mischung aus Faszination und Erschrecken spontan auf die Knie warfen  – und dann dieses aufregende Lichtspektakel verehrten?
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Es liegt jedenfalls auf der Hand, daß ein solches „Schauwunder“ für sich genommen kein Beweis für die himmlische Herkunft eines Ereignisses ist, zumal da es mehrfach auch bei solchen Phänomenen auftritt, die von kirchlicher Seite abgelehnt werden, wie dies in puncto Heroldsbach eindeutig der Fall ist.
Zudem treten „Sonnenwunder“ erst ab dem 20. Jahrhundert auf  –  warum gab es vorher über 1900 Jahre lang keine derartigen Ereignisse in der Kirchengeschichte?!
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In der Heiligen Schrift heißt es zwar bei Lk 21,25 „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen“, doch dies gilt als negative Ankündigung, als drohendes Gerichtszeichen am Ende der Zeiten  –  und nicht etwa als eine glorreiche Bestätigung von Erscheinungen oder dergleichen.
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Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fromme Irrungen und Wirrungen in der Zeitschrift „Medjugorje“

Von Felizitas Küble

Schon seit über 33 Jahren erscheint die himmlische Madonna einer Schar von Sehern in Medjugorje  – glaubt man deren Angaben. 1_0_744292

Die katholische Kirche verweigert bislang eine Anerkennung des Phänomens; der zuständige Bischof Peric von Mostar ist klar dagegen, ebenso sein Vorgänger im Amte, Bischof Zanic.  

Natürlich sind die Befürworter der Medju-Visionen fromme Leute, sonst würden sie nicht an Marienerscheinungen glauben.

Wir wollen auch niemandem die subjektive Aufrichtigkeit und Redlichkeit absprechen. Darum geht es aber auch nicht bei der Frage, ob die dortigen Ereignisse objektiv himmlischen Ursprungs sind. Bekanntlich ist gut gemeint und fromm gedacht noch lange nicht gut gemacht.

Das gilt auch für die Zeitschrift „Medjugorje“ aus der Schweiz. In der Ausgabe vom Juli/August 2014 entfaltet sich wieder einmal die theologische Naivität vieler Botschaftsgläubiger – angefangen vom Vorwort eines „Pater Klemens“, vermutlich der Schriftleiter des Heftes.

Er zitiert eingangs eine typische Medju-Botschaft, diesmal vom Februar 1984:

„Betet! Es mag euch seltsam vorkommen, daß ich immer wieder vom Gebet spreche. Trotzdem sage ich: Betet! (…) Begnügt euch damit zu beten. Ich, eure Mutter, kümmere mich um das Übrige.“

Von der Einhaltung der Gebote Gottes ist in den seit Jahrzehnten anhaltenden „Offenbarungen“ fast nie die Rede, zudem relativ wenig von guten Werken.

Doch es vergeht kaum eine Botschaft ohne Gebets-Aufforderung. Das erscheint schon deshalb merkwürdig, weil diese „Himmelsoffenbarungen“ ohnehin nur von frommen Seelen ernstgenommen werden, die logischerweise auch zur betenden Schar gehören.P1020947

Erinnern wir uns aber an die eindringlichen Worte Christi: „Nicht jeder, der HERR, HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt.“ 

Beten allein macht also keineswegs selig. Aber laut Pater Klemens zumindest glücklich, denn er schreibt weiter in seinem Editorial: „Maria führt uns auf den Weg des Gebets, weil Beten glücklich macht.“  – Als ob irdisches Glück oder Glücksgefühle das entscheidende Ziel des Glaubens sei…

Dr. Raphael Bonelli von Medjugorje beeindruckt

Sodann darf man sich wundern, daß der in konservativ-katholischen Kreisen relativ bekannte Wiener Psychiater Dr. Raphael Bonelli sich als Medjugorje-Fan outet.

In bewegenden Worten schildert er seine Eindrücke von einer etwa zehnminütigen Marienerscheinung Mirjanas, die er in Medjugorje aus der Nähe mitverfolgen konnte. Für ihn steht fest: „Das ist echt!“

Freilich will er als frommer Katholik dem Urteil der Kirche gleichwohl „nicht vorgreifen“, allerdings irrt er sich in zwei Punkten:

1. Er schreibt, die Kirche könne sich noch nicht endgültig zur Frage der Echtheit äußern, „solange die Erscheinungen andauern“. – Diese Fehleinschätzung ist weit verbreitet, wird dadurch aber nicht richtiger. Bischöfe und Vatikan haben mehrfach Erscheinungen bereits abgelehnt, als die angeblichen Phänomene noch stattfanden, zB. in Heroldsbach, Montichiari oder San Damiano.media-390606-2

2. Dr. Bonelli schreibt sodann, daß die Seher unter „aggressiven Haltungen leiden“, die sie angeblich erleben. Er fährt fort: „Die Anfeindungen sind auch ein Zeichen der Glaubwürdigkeit. Letztlich ist es Jesus Christus genauso ergangen.“

Abgesehen davon, daß ein Vergleich zwischen umstrittenen Visionären und dem göttlichen Erlöser schlicht hanebüchen ist, hat der Autor seine „Logik“ nicht zu Ende gedacht, denn dann wären auch Häretiker und Schismatiker gleichsam Nachfolger des Heilands gewesen, denn diese waren auch mit allerlei „Anfeindungen“ seitens der Kirche konfrontiert. 

Nicht jeder bedrängte Mensch ist ein guter Mensch  –  einmal abgesehen davon, daß die Medju-Visionären sich seit 33 Jahren unter der Verehrung von Millionen Fans sonnen können.

Dr. Bonelli erwähnt selber in seinem Beitrag, daß sich zehntausend begeisterte Menschen bei jener Erscheinung Mirjanas einfanden, die er miterlebt hat. Niemand aus der frommen Pilgerschar hat auch nur ein Kieselsteinchen nach der Visionärin geworfen  – so fragt man sich doch, wo denn die beklagten „Anfeindungen“ bleiben.

Wieder mal ein „Sonnenwunder“…

Sodann folgt das Zeugnis eines „C. Schmid“ über seine Wallfahrt nach Medjugorje, wobei er auf der Rückreise ein „Sonnenwunder“ gesehen haben will. Dieses Phänomen wird recht häufig berichtet. 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Bezeichnenderweise werden die mirakelhaften Veränderungen an der Sonne oftmals nur von einem Teil der Pilger wahrgenommen. Auch in diesem Fall räumt der Autor ein, daß nicht alle Anwesenden das „Sonnenwunder“ schauen konnten.

Dies bestätigt die Vermutung, daß es nicht objektiv stattfindet, sondern subjektiv bedingt ist.

Sodann schildert der Verfasser, daß ihm eine bis dahin unbekannte Frau „ein Tüchlein aus San Damiano“ überreichte, was ihn offenbar sehr bewegt hat, denn sein verstorbener Bruder habe ebenfalls ein solches Damiano-Tüchlein von einer Bekannten erhalten, als er schwerkrank war. Er glaubte damals an eine Heilung mittels des Tüchleins.

Dies klappte zwar nicht, weil er verstarb, doch liegt das Problem ohnehin an einem anderen Punkt:

Die „Marienerscheinungen“ von San Damiano, die an „Mamma Rosa“ ergangen sind, wurden seitens des zuständigen Bischofs eindeutig abgelehnt. Doch das Urteil der Kirche scheint ohnehin kaum  jemanden aus der erscheinungsbewegten Szene zu interessieren.

Die Zeitschrift schließt mit einer Medju-Botschaft vom 2. Juli dieses Jahres. Dabei soll die vermeintliche Gottesmutter sich als „Mutter der ganzen Welt“ bezeichnet haben, was aber kein kirchlicher Titel für Maria ist; sie wird vielmehr als „Mutter der Christgläubigen“ (und der Kirche) verehrt, was theologisch einen erheblichen Unterschied darstellt.

Sodann heißt es dort: „Mein Sohn ist allmächtig. Er ist in allem.“  – Christus ist keineswegs „in allem“, er ist zB. nicht in der Hölle gegenwärtig.  – Reichlich verschwommen bis pantheistisch klingen die weiteren „Himmelsbotschaften“:

„Ich habe es erkannt, daß Gott in uns ist und wir in Gott. (…) Ich möchte euch alle mit mir in der Ewigkeit haben, denn ihr seid ein Teil von mir.“

Solche Töne sind im besten Falle überflüssig, wenn nicht sogar irreführend.


Italien: Schwarze Messen, „Sonnenwunder“ und „Marienerscheinungen“ in Montesilvano bei Pescara

20.000 wunderbewegte Gläubige und Neugierige warteten auf ein „Himmelszeichen“

Im Jahre 1987 und danach ging es rund bei Erscheinungsgläubigen in Italien und den damit gerne verbundenen Massensuggestionen, denn Zehntausende von mehr oder weniger frommen Neugierigen pilgerten damals nach Montesilvano an der Adria, einer mittelgroßen Stadt unweit von Pescara, der Provinzhauptstadt in der mittel-italienischen Region der Abruzzen.  

Dort wollte eine 32-jährige Frau von der Madonna selbst „auserwählt“ sein, um mal eben die Menschheit zu retten.

Dergleichen Wahnvorstellungen kommen im wundersüchtigen Lager öfter vor, doch in diesem Fall war es besonders tragisch, daß der damalige junge Kaplan namens Vincenzo Diodati  – ein früherer Fußballspieler  –  voll auf die „Visionen“ der jungen Frau hereingefallen war  – und dies, obwohl der dortige Bischof  Antonio Iannucci ihn und die Gläubigen ausdrücklich davor warnte und zu striktester Zurückhaltung ermahnte. Der ältere Pfarrer von Montesilvano war hingegen bodenständiger als der junge Priester –  er blieb dem irrgeistigen Treiben ferne.

Der kritische Bischof hatte mittlerweile Jesuitenpater Carlo Colonna beauftragt, die mirakulösen Vorgänge gründlich zu untersuchen.

Nach seinen Beobachtungen und Kontrollgängen, darunter einem vierstündigen Gespräch mit der „Seherin“ Maria Antonietta Fioritti, war dem Jesuiten klar, daß alles nur ein (un)fromme Schwindel war:

Die Visionärin sei keine Botin des Himmels, erklärte er  –  eher eine Abgesandte des Gegenteils, denn sie habe bereits an Schwarzen Messen teilgenommen.  

Entweder hat sie also alles erfunden oder der Erzfeind erschien ihr als „Engel des Lichts“  – vor diesen teuflischen Täuschungsmanövern warnt die Heilige Schrift in 2 Kor 11,14 ausdrücklich, außerdem vor falschen Propheten, „die in Schafskleidern zu euch kommen“ (Mt 7,15).

Mitte Februar 1988 verkündete der erscheinungsbewegte Vikar von Montesilvano sogar felsenfest, daß am Sonntag, den 28. Februar in der nahegelegenen Stadt Pescara am Himmel ein leuchtender Schriftzug, eine Art „letzter Bußruf „erscheinen werde, wodurch die Madonna die Menschheit vor dem Verderben und dem kommenden  Strafgericht warnen wolle.

Er berief sich hierbei auf seine Hausvisionärin Fioritti, außerdem will er selber göttliche Einsprechungen erhalten haben.

Wie die italienische Zeitung La Notte am 1. März 1988 berichtete, wurde der schwärmerische Geistliche im Auftrag des Bischofs von Pescara durch Jesuitenpater Colonna ebenfalls näher in Augenschein genommen. Dieser erklärte, der Vikar sei ein „Fanatiker im religiösen Delirium“, er habe also Wahnvorstellungen entwickelt.

Gleichwohl konnten die beiden „Seher“ zehntausende Wundergläubige in ihren Bann ziehen und sogar Medien in Bewegung setzen:

Kein „Lichtzeichen“ am Firmament, aber „Sonnenwunder“ in Hülle und Fülle

Wie zu erwarten war und wie die Giornale d’Italia am 1. März 1988 berichtete, ist das von Kaplan angekündigte Lichtwunder am Firmament keineswegs eingetroffen, obwohl Sensationslustige noch bis Sonntag-Nacht bzw Montag-Früh 2 Uhr gewartet hatten. Der Vikar und die Seherin hatten die Menschenmengen, die sich abends in Decken und Schlafsäcken hüllten, auf einem Hügel versammelt.

Sogar nach Mitternacht hatte der abergläubische Kaplan die mittlerweile erschöpften Leute zum weiteren Ausharren ermutigt und ihnen dies als eine Art „Glaubensprüfung“ erläutert nach der Devise:  Der Himmel habe schließlich das Recht, sich etwas zu verspäten und vielleicht wolle Gott ja damit die vertrauensvolle Ausdauer der Seinen testen…

Sogar Fernsehkameras harrten an Ort und Stelle der Ereignisse, die nicht eintrafen – es wurde live aus der Menschenmenge berichtet, immerhin hatten sich nach Polizeiangaben sage und schreibe 20.000 Leute eingefunden. Solch ein Spektakel lohnt sich durchaus für Funk und Fernsehen sowie die Regenbogenpresse.

Obwohl das Ganze bei Licht betrachtet eine große Pleite fürs abergläubische Völkchen war, behaupteten damals gleichwohl hunderte von Leuten hartnäckig   – auch gegenüber den Medien  –  sie hätten am besagten Sonntag, den 28. Februar, sehr wohl ein großartiges „Sonnenwunder“ zur Mittagszeit erlebt.  Ein junger Mann hatte sie animiert: „Schaut in die Sonne, wie sie sich entwickelt.“ 

Zu ihnen gehörte auch Luigi Serafini, ein Freund des erscheinungsbewegten Vikars. Serafini erklärte einer Zeitung, er habe in Medjugorje ein Sonnenphänomen erlebt, aber nicht nur dort: „Auch heute sah ich die Sonne, wie sie ihre Farben veränderte.“

Andere Pilger erzählten ebenfalls, die Sonne habe ständig rotiert und pulsiert und geradezu getanzt, sie habe grünes Licht abgestrahlt und ein grandiosen Farbenspiel geliefert und dergleichen mehr, wobei es von diesen Phänomenen auch allerlei „Wunderbilder“ geben soll.

Geschicht(ch)en also über „Himmelszeichen“, wie man diese bereits aus Medjugorje und andernorts zuhauf kennt, z.B. auch aus Heroldsbach und Montichiari, typische „Schauwunder“ eben, die nicht den theologischen Glauben, sondern vielmehr die menschlichen Sinnenfreude und die Phantasie ansprechen.

Das einzige Faktum, das bei derlei „Sonnenguckerei“ aber als sicher gelten kann, ist ein deutlicher Anstieg der Patienten bei den Augenärzten, denn das anhaltende Stieren in die Sonne ist durchaus schädlich bis gefährlich für die Augen.

Der Bischof von Pescara warnt vor Wundersucht und Erscheinungslust

Nach dem massenhysterischen Treiben am „schicksalhaften“ 28. Februar 1988 verschärfte der zuständige Bischof von Pescara seine Gangart:

Diese „sensationelle Schlappe“  sei ein erneuter Beweis dafür, so verkündete die Bistumsleitung in einem amtlichen Schreiben, daß die „Marienerscheinungen“ von Montesilvano „keinerlei Kennzeichen eines übernatürlichen Geschehens enthalten und nicht von der Kirche anerkannt sind“.

Der Bischof untersagte sowohl den Priestern wie dem Kirchenvolk jede Versammlung mit den beiden „Sehern“ (der jungen Frau und dem visionsbewegten Kaplan)  – und er ermahnte die Pfarrgemeinde von Montesilvano, den Zustrom von Wundergläubigen nunmehr strikt zu unterbinden.

Der wahre Glaube habe sich stets durch Apostolat, Gottesdienst und Werke der Liebe ausgezeichnet, nicht durch derlei mirakulöse Phänomene, die nichts zum geistlichen Wachstum der Kirche beitragen, sondern vielmehr den Fanatismus nähren und die Einheit der Gläubigen gefährden würden.

Vikar Don Vincenzo wurde nach seiner Bauchlandung als erfolgloser „Prophet“ sodann für einige Zeit zwecks Nachdenkens und zur geistlichen Ernüchterung in eine Klosterzelle geschickt, damit er das Kirchenvolk nicht weiter in Verwirrung stürzt und sich von seinen Schwärmereien erholt und abkehrt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster