Nur Heilung statt Heiligung in Coronazeiten?

Von Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels

Metaphysisch fest steht der Satz: Alle Menschen sind sterblich. Sterben muß jeder, doch nur wann? In dieser Frage haben mutatis mutandis Mediziner, Politiker und Medien einen großen Vorsprung vor den Theologen und den kirchlichen Seelsorgern.

Diese leben in Abhängigkeit von jenen, welche die virulente Macht des Schicksals so wirksam verwalten. daß nicht einmal deren Widersprüche von Kirchenleuten bemerkt werden. Diese sind schließlich keine Gesundheitsexperten und unterwerfen sich allzu schnell den wissenschaftlichen Hypothesen, den politischen Entscheidungen und den medialen Meinungen, die nicht selten dogmatisch angenommen werden wie göttliche Offenbarungen.

„Gesundheit ist das höchste Gut“ – anstelle Gottes, der früher einmal als summum bonum verherrlicht wurde. Heute muß Gott, um anerkannt zu werden, der Gesundheit dienen und die Religion therapeutischen Zwecken. Heilung statt Heiligung steht auf dem modernen theologischen Programm, das sich vom Kreuzes- und Opfertod Christi gelöst hat und sich vor allem der Leidensüberwindung widmet.

Sinnfragen nach dem Woher und Wohin des Lebens oder nach dem Einklang mit Gott und Gewissen gelten als rein privat und indiskret, also als höchst verdächtig.

Die überzogene Sorge um die eigene Gesundheit macht einen ganz krank, so sehr, daß die Ärmsten der Armen ihrem natürlichen Tod durch Selbsttötung zuvorkommen möchten. Oder daß sie den Tod anderer, angeblich „lebensunwerter“ Menschen durch Euthanasie billigend in Kauf nehmen oder beschleunigen wollen. Auch das gehört zu den unbeachteten Folgen der Corona-Pest.

Die Zehn Gebote enthalten die Verheißung: Auf daß es Dir wohlergehe und Du lange lebst auf Erden. Aber wozu ein langes Leben, wenn es keinen transzendenten Sinn mehr hat? Es willkürlich zu beenden, wenn es nicht mehr als „lebens-wert“ gilt, ist die Kehrseite jener fixen Idee, die das ewige Leben schon im Diesseits finden will.

Diesem Geschäftsmodell waren schon im 19. Jahrhundert etli-che Scharlatane und Quacksalber verpflichtet, vor allem der sagenhafte Graf von St. Germain, der mit seinem „aqua benedetta“ eine endlose Lebensverlängerung verhieß.

„Das Leben ist kurz und unwiederbringlich“, meinte dagegen Hans M. Enzensberger. Einer anderen Geistesgröße, nämlich dem Philosophen Ludwig Wittgenstein, kann man das klassische Wort – etwas abgewandelt – unterstellen: „Worüber man nicht schweigen kann, darüber muß man reden.“

Was die Kirchen, speziell die katholische, zu Corona zu reden und zu sagen haben, ist eher dürftig, manchmal auch peinlich und zudem wenig trostreich. Sie werden ohnehin meist als „alte Damen und Herren“ wahrgenommen, also als bevorzugte Opfer der Corona-Seuche markiert, auf die man auf „soziale“ Distanz geht, um sich nicht anzustecken zu lassen oder ansteckend zu wirken.

Sie gehören zu den üblichen Kontaktgesperrten, deren mangelnde „Systemrelevanz“ nicht selten zu einer Überkompensation eben dieses Mangels führt, indem sie sich besonders eifrig den stets neuen und oft paradoxen Regulierungen des „Systems“ gehorsamst unterwerfen. Und zwar ohne diese „kritisch zu hinterfragen“.

Jetzt sind diese vormals „linken“ Protagonisten der Sozialtheologie plötzlich sehr systemfromm geworden, befinden sich aber in einem Dilemma: Sollen sie nun den politisch-autoritären, rechtlich zwingenden Befehlen folgen – oder orientieren sie sich an „alternativen“ Vorschlägen, deren naturwissenschaftlichen Wahrheitsanspruch sie nicht zu erfassen vermögen.

Was haben die Prälaten und ihre Ratgeber eine Ahnung oder gar Kompetenz, über Naturwissenschaften zu urteilen? Gilt hier etwa das Mehrheitsprinzip als Wahrheitskriterium? Mir scheint, sie glauben einfach zuviel und können dies nicht rational rechtfertigen.

Deshalb gehorcht man besser der staatlichen Obrigkeit, wenigstens einstweilen. Abgerechnet wird später, wenn objektiv vergleichbare Daten halbwegs verfügbar sind.

Man habe bitte Verständnis für die momentan desolate Lage der Kirche(n). Sie haben erhebliche finanzielle Einbußen zu erleiden, leiden an Mitglieder- und Glaubensschwund, leisten sich innerkirchliche Reformdebatten über den „synodalen Weg“, der sie „Los von Rom“ bewegt – und wissen sich kaum noch jenseits der medial neu skandalisierten Mißbrauchsdebatten zu artikulieren.

Das alles wird die Kirche, die sowas bisher kaum erlebt hat, auch nach Corona überleben, wenn auch ziemlich geschwächt. Und sogar dann, wenn das Virus permanent mutieren sollte und man mit Impfungen nicht mehr nachkommt.

Die Pandemie und die Maßnahmen gegen sie werden wohl auch in der staatlichen und ökonomischen Ordnung tiefgreifende Änderungen und hohe Defizite hinterlassen. Plötzlich lassen sich nationale Grenzen abriegeln, sogar gegenüber Migranten und Touristen. Die modernen Fortschritts- und Wohlstandserwartungen werden massenhaft enttäuscht.

Und die Staatseingriffe sind mit den bisherigen freiheitlichen Ordnungsvorstellungen von Rechtsstaat, Demokratie und sozialer Marktwirtschaft kaum mehr vereinbar. Wo ist die Susidiarität geblieben?

Alles könnte sich noch autoritärer und zentralistischer aufspielen als bisher. Das würde auch die traditionelle katholische Soziallehre verändern. Natürlich gehört die personale Selbsterhaltung zu den inclinationes naturales, die Thomas von Aquin rechtfertigte. Aber legitimiert sie auch obrigkeitliche Eingriffe der einschneidenden Art, wie wir sie derzeit erleben?

Wer hätte das gedacht, daß solche Einschränkungen der Freiheitsrechte so schnell und lautlos über die Bühne gehen können? Nicht einmal die öffentlich-rechtlichen Repräsentanten christlicher Gemeinschaften haben gegen die problematischen Einschränkungen der Freiheitsrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, hörbar protestiert. Aber wogegen?

Die Natur, oft verklärt als göttliche Schöpfung, die es unbedingt zu „bewahren“ gilt, sorgt zuweilen für Katastrophen, die keiner gewollt hat. Auch nicht die Fortschrittsakteure und Verteidiger einer naturnotwendigen Evolution von Mutation und Selektion, die jetzt das Schicksal für sich reklamieren.

Auf ungeplante Ereignisse und Entwicklungen der göttlichen Art kann man nur noch hoffen. Am Ende sind wir alle am Ende – oder an einem neuen Anfang.

Wir danken dem Autor für seine freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Editorials seiner Zeitschrift „Die neue Ordnung“ (aktuelle April-Ausgabe) siehe hier: http://www.die-neue-ordnung.de/


Merkwürdige Stände auf dem Katholikentag

Von Felizitas Küble

Wer in Münster auf der sog. Kirchenmeile des Katholikentags  – größtenteils auf dem Schloßplatz gelegen – flanierte, stieß dort auf gleich zu Beginn auf einige Infostände, die  – gelinde gesagt – nicht so recht zur Lehre der katholischen Kirche passen wollen. 

Daß es mindestens ein dutzend protestantischer Stände gab, ist kein Problem, schließlich gibt es auch evangelische Besucher auf dem Katholikentag, zudem waren die Hälfte dieser Gruppen evangelikal und von daher erfreulich, zB. IDEA, Bibel-TV, PRO-Medienmagazin, Dt. Evangelische Allianz etc.

Was aber merkwürdig berührt, sind jene Initiativen, die sich als katholisch ausgeben, aber mit dem Standpunkt der Kirche wenig am Hut haben.

Kaum daß man den  „Markt der Möglichkeiten“ betrat, sah man schon den Stand „Priester und ihre Frauen“ von zölibatsmüden Geistlichen. Wie dürfen wir das wohl verstehen?!

In der Nähe dann gleichsam „passend“ das Netzwerk katholischer Lesben.

Auch „Donum vitae“ war mit einem Infostand vertreten, obwohl diese Beratungsstellen jenen „Schein“ ausstellen, welcher der Schwangeren die straffreie Abtreibung formal überhaupt erst ermöglicht, weshalb dieser Verein kirchlich nicht anerkannt ist und vom Vatikan ausdrücklich abgelehnt wird.

Auch die „religiösen Sozialist/innen“ durften in dieser Kirchenmeile nicht fehlen, wenngleich Sozialismus und katholische Soziallehre schlicht unvereinbar sind.

Das „Netzwerk Diakonat der Frau“ war nicht nur mit einem Infostand vertreten, sondern auch sonst vielfach – etwa auf Veranstaltungen – auf dem Kirchentag präsent, zudem setzten sich diverse Frauengruppen zusätzlich für diese Forderung ein, Frauen zum amtlichen Diakonat zuzulassen.

Kurz gesagt: Der Katholikentag hatte sich da  –  höchst „tolerant“ – darum bemüht, möglichst auch randständige Gruppen mit ins Boot zu holen, sofern sie links bzw. reformkatholisch waren.

Bei katholisch Konservativen war man freilich pingelig: Unser gemeinnütziges Christoferuswerk eV., das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, erhielt nämlich keinen Infostand. Angeblich, so wurde uns knapp mitgeteilt, würden wir den „Zulassungsbedingungen“ nicht entsprechen. Auf meine Rückfrage nach einer Begründung kam kein Echo.

Interessanterweise hat unser Verein aber bei früheren Katholikentagen problemlos einen Stand erhalten, zuletzt beim Katholikentag in Regensburg (dort sogar sehr gut platziert), aber auch früher schon, z.B. in Mainz. Doch mein Hinweis darauf war vergeblich, es gab keinen Stand und keine Begründung.

Das bayerische Bistum Regensburg ist eben schon ein ganzes anderes Pflaster als Münster – womit vermutlich alles gesagt ist.

Ergänzender HINWEIS:

Am heutigen 7. Juni 2018 erhielt unser Christoferuswerk eV das nachfolgende freundliche Schreiben von Dr. Thomas Großmann, dem Leiter der Arbeitsgruppe „Katholikentage und Großveranstaltungen“ beim ZdK (Zentralkomitee der Dt. Katholiken), das wir hiermit in Absprache mit dem Verfasser veröffentlichen:

Sehr geehrte Frau Küble,

von Herrn Matthias Uebbing wurden wir auf Ihren Bericht auf der Internetseite „Christliches Forum“ zur Kirchenmeile des diesjährigen Katholikentags aufmerksam gemacht. Ich möchte Ihren kritischen, teilweise recht salopp formulierten Text hier nicht kommentieren, sehe mich aber veranlasst, auf die letzten Absätze zu reagieren, in denen Sie die Nichtzulassung des Christoferuswerkes beklagen.

Ich habe mich in dieser Angelegenheit kundig gemacht und folgendes ermittelt: Sie haben sich am 23.11.2017 erstmals um eine Teilnahme an der Kirchenmeile des 101. Deutschen Katholikentags beworben. Schluss der Bewerbungsfrist war aber bereits der 15.06.2017. Der negative Bescheid aus der Geschäftsstelle des Katholikentags erfolgte am 08.12.2017 – leider allerdings, wie ich feststellen musste, mit der falschen Begründung, Sie würden die Zulassungsbedingungen nicht erfüllen.

Ich kann Ihnen versichern: Es gab keine politisch motivierte Entscheidung gegen Ihre Teilnahme und hinsichtlich der Zulassungskriterien auch keinen Unterschied zu früheren Katholikentagen, an denen Sie ja bereits teilgenommen haben.

Richtig und wohl auch leicht nachvollziehbar wäre die Begründung gewesen: „Mehr als 5 Monate nach Meldeschluss können wir Ihre Anmeldung leider nicht mehr berücksichtigen“. Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen! Ebenso wäre es selbstverständlich unsere Aufgabe gewesen, auf Ihre Nachfrage zu reagieren. Warum dies nicht erfolgt ist, weiß ich nicht. Für beide Fehlleistungen möchte ich mich im Namen des veranstaltenden Zentralkomitees der Deutsche Katholiken hiermit bei Ihnen entschuldigen.

Vielleicht finden Sie eine Gelegenheit, diese Entschuldigung an die Abonnenten Ihres Newsletters weiterzuleiten.

Für die Zukunft erlaube ich mir den Hinweis: Spätestens ein Jahr vor dem Katholikentagstermin sollten Sie sich zur Teilnahme an der Kirchenmeile angemeldet haben.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Großmann

Unser Echo hierzu: Vielen Dank für das faire und freundliche Schreiben. Natürlich nehmen wir die Entschuldigung gerne an und danken für die Auskunft und die Hinweise auf zu beachtende Fristen.

Tatsächlich haben wir uns zu spät gemeldet, was auch daran lag, daß erstmals keine Aufforderung an die bisher vertretenen Vereine ergangen war, sich um einen Infostand zu bewerben. Telefonisch wurde mir mitgeteilt, ich könne trotzdem einen Anmeldeversuch unternehmen, weil bisweilen Stände ausfallen. Auf diese Bewerbung hin kam dann der kurze Bescheid, die Zulassungsbedingungen nicht zu erfüllen. Das „Nein“ war natürlich eine bittere Pille, denn erstmals seit 1930 fand der Katholikentag wieder in Münster und damit quasi „vor unserer Haustür“ statt. Nun hat Dr. Großmann den Hergang erläutert, womit sich diese Causa unsererseits gleichsam in Wohlgefallen auflöst. 

 

 

 


Nachdenkliches zur anhaltenden Völkerwanderung in unseren Tagen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wir erleben derzeit eine Völkerwanderung: Hunderttausende sind auf dem Weg  –  und der Menschenstrom reißt nicht ab. Das Ziel heißt Deutschland.  0000009699_3

Was sind die Ursachen dieser Völkerwanderung? Für die Flüchtlinge in den Bürgerkriegsländern ist es die Gefahr für Leib und Leben. Diese Menschen lassen alles zurück, Hab und Gut und ihre Heimat.

Dann gibt es jene, die auf der Suche nach einem besseren Leben unterwegs sind, weil sie keine ausreichenden Entwicklungschancen in ihrem Land finden.

BILD: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Kongreß „Freude am Glauben“

Auch das ist legitim und erinnert an die europäischen Auswanderer, besonders im 19. und 20. Jahrhundert in die Neue Welt. Man muss sie deswegen nicht als die „Goldgräber des 21. Jahrhunderts“ bezeichnen.

Was haben die genannten Ursachen mit Europa, mit uns zu tun? Kriege werden mit Waffen geführt, die nicht in diesen Ländern produziert werden. Sie kommen von außen, z.B. von Europa. Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Das Geld, das damit verdient wird, wird nicht ausreichen, um die Kosten für die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge zu decken.

Die geringen Entwicklungschancen in den Ländern, aus denen Wirtschaftsflüchtlinge zu uns kommen, sind neben der Misswirtschaft und Korruption in diesen Staaten auch auf die zu geringe Entwicklungshilfe für diese Länder zurückzuführen. image

Die Bundeskanzlerin hat angesichts der Völkerwanderung die Parole ausgegeben „Wir schaffen es!“ –  Stimmt das? Angesichts der Bilder von Menschen, Kindern und Alten, die durchnässt, frierend und hungernd sich den Weg über den Balkan bis zur deutschen Grenze bahnen, sind die meisten bei uns geneigt, sie bei uns aufzunehmen.

Die „Willkommenskultur“ mit den vielen freiwilligen Helfern neben Roten Kreuz und Caritas hat den Deutschen Sympathien im Ausland eingebracht. Aber sie beantwortet noch nicht die Frage „Schaffen wir das?“

Inzwischen sind freistehende Gebäude, ehemalige Kasernen, Turnhalle und andere öffentliche Räume überfüllt und die Enge verschafft sich auch schon handgreiflich Luft.

Niemand kann uns heute sagen, wie viele Menschen und aus welchen Motiven  –  mit Anspruch auf Asyl?  –  in unser Land eingeströmt sind. Das ist auch ein Sicherheitsrisiko für die Menschen, das Angst und auf längere Sicht Ablehnung produziert.

Staatliches Gewaltmonopol zur Sicherheit der Bürger

Ein Hauptzweck des Staates ist es, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Deswegen haben die Menschen an den Staat das Gewaltmonopol abgegeben. Den Schutz der Außengrenzen muss der Staat leisten. fahne1

„Wenn wir ernstgemeinte Grenzkontrollen durchführen wollen, müssen wir einen Zaun entlang der deutschen Grenze bauen“. Er sei „dafür, dass wir das machen“, sagte der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt (vgl. Augsburger Allgemeine Zeitung, 19.10.2015).

Dieser Vorschlag aus den Reihen der Polizei, die die Hauptlast für die Sicherheit der Bürger trägt, ist wohl kaum ein „unverantwortliches Spiel mit dem Feuer“. Er ist schon eher ein Schrei der Hilflosigkeit und ein Aufruf nach einem überfälligen Handeln der Politiker.

Parole „Wir schaffen es“ hilft nicht weiter

Er zeigt, dass wir auf diesen Ansturm nicht vorbereitet waren. Da hilft auch die Parole „Wir schaffen es“ nicht weiter. Die Überforderung macht sich bereits breit bei Bürgermeistern, Landräten und auch bei den Hilfswilligen.

Was meint die Parole „Wir schaffen es“ eigentlich? Ein Großteil der Menschen, die in das Land hereinströmen, wollen, wie Gespräche zeigen, dauerhaft bleiben. Wollen sie sich auch integrieren? Integration ist mehr als ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und anzuziehen. Logo Christustag

Integration heißt Akzeptanz der Rechtsordnung, der verfassungsmäßigen Grundrechte und Grundpflichten, wie sie unser Grundgesetz vorsieht. Integration heißt die Bereitschaft, sich in die Kultur- und Wertegemeinschaft des Gastlandes einzufügen. Kann das gelingen?

Es ist noch keine Form von Ausländerfeindlichkeit, wenn darauf hingewiesen wird, dass die Ankommenden aus ganz verschiedenen Kulturkreisen kommen und als Christen oder Moslems unterschiedliche Auffassungen von Recht und Gesellschaft haben, die einer Integration im Wege stehen können.

Es gibt auch Schwierigkeiten von der anderen Seite. Politiker sprechen auf Festrede gerne von der europäischen Wertegemeinschaft. Sie vermeiden zumeist, diese Wertegemeinschaft als christlich geprägt zu präzisieren.

WOHIN sollen sich die Ankömmlinge integrieren?

Die Realität ist, dass auch die verfassungsmäßig garantierten Rechte, z.B. das auf Leben immer stärker ausgehöhlt werden. Hinzu kommt, dass das Bewusstsein der eigenen Geschichte und Kultur immer mehr verblasst. Die Frage ist also, wohin sollen sich die Neuankömmlinge integrieren?

Die Bundesrepublik wird, so heißt es, nach der Masseneinwanderung nicht mehr die sein, die sie einmal war. Welches Gesicht wird sie aber dann haben?

Das Römische Reich war ein großartiges Imperium. Über Jahrhunderte hat sie die Menschen verschiedenster Herkunft, Religionen und Kulturen zu einer umfassenden Rechts- und zu einer neuen Kulturgemeinschaft geformt. Von Arabien bis Britannien waren die Bewohner stolz auf den Titel „ich bin römischer Bürger“ (civis romanus sum).

Wird eine ähnliche Integration bei uns möglich werden? Als die Invasion der Germanen Ende des vierten Jahrhunderts die römischen Provinzen überflutete, war eine Integration nicht mehr möglich und das Römische Reich ging zugrunde.

Die Masseneinwanderung nach Deutschland hat auch mit der mangelnden Solidarität der Europäischen Union zu tun. Diese fehlende Solidarität zeigt, wie es um die europäische Wertegesellschaft bestellt ist. Die Aussagen führender Politiker, wir nehmen keine oder nur eine begrenzte Zahl oder wir nehmen nur Christen auf, ist dann inakzeptabel, wenn die buchstäbliche Not durch Bedrohung an Leib und Leben vor der Grenze steht.

Der Vorgang erinnert an die bekannte Parabel „Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die Räuber…“. – Der Samariter fragte den Halbtoten nicht, ob er Jude oder Samariter sei. Er half ihm. Nach der katholischen Soziallehre ist dem Notleidenden zuerst zu helfen, dann kommen die anderen Fragen.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift „Der Fels“

Ergänzender Hinweis:Scannen0006

Prof. Wolffsohn: „Wer seine Grenzen nicht schützt, gibt seine Werte auf“

Zum THEMA „Grenzen sichern“ hier eine aktuelle Aussage des deutschjüdischen Historikers Prof. Dr. Michael Wolffsohn (siehe Foto):

Auf die Frage eines Journalisten, ob ein Staat, der seine Grenzen nicht sichern kann oder gar will, aufhöre, ein Staat zu sein, antwortet Prof. Wolffsohn:

„Es stimmt. Wichtiger: Die Grenzen eines Staates sind zugleich die Markierungen eines Werte- und Rechtsraumes. Wer seine Grenzen nicht schützt, gibt seine Werte auf.

Quelle: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neuss/der-rechtsradikalismus-wird-wachsen-aid-1.5491706


Sarrazins neues Buch: ein Plädoyer für Meinungsfreiheit mit handfesten Irrtümern

Von Dr. Rafael Hüntelmann

Thilo Sarrazin neues Buch wurde kürzlich im Haus der Bundespressekonferenz vorgestellt und trägt den Titel „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“. 

Sarrazin ist Politiker, Mitglied der SPD und das merkt man im Buch deutlich. Von Geschichte und Religion hat Herr Sarrazin keine Ahnung. Sein schlichtes Weltbild besteht aus einer sozialdarwinistischen Weltanschauung und einen ausgeprägten Anti-Katholizismus bzw. einer heftigen Ablehnung jeder Religion. Für den „Tugendterror“ ist nach seiner Auffassung nämlich letztlich die katholische Kirche verantwortlich.

Das Buch enthält natürlich eine große Anzahl richtiger Beobachtungen über den linken und „grünen“ Tugendterror in Deutschland, von dem Sarrazin nach der Veröffentlichung seines ersten Buches selbst betroffen war. Ihm hat dies allerdings nicht geschadet, sondern den Verkauf des Buches sehr gefördert.

Katholiken, die diesem „Tugendterror“ der rot-grünen Einheitspartei in Deutschland ausgesetzt sind, können hingegen anderes berichten.

Der Ex-Banker führt den Gleichheitswahn als die Ursache des modernen Tugendterrors an. Da ist zweifellos etwas Richtiges dran. Er meint, dass nach dem Untergang der politischen Ideologien die Gleichheit als einzige Ideologie übriggeblieben ist, die er als eine neue Religion bezeichnet und die, so Sarrazin wörtlich, „wie alle Religionen gefährlich“ sei.

Weiter erläutert er dies durch die Aussage, dass die Gleichheitsideologie die katholische Soziallehre prägt, ebenso wie den Feminismus, die Homobewegung und die rot-grünen Medienvertreter. So gelingt es Sarrazin tatsächlich, die Feinde der katholischen Kirche mit dieser in eine Reihe zu stellen.

Nirgendwo sonst wird vermutlich die Ideologie der Gleichheit deutlicher und theoretisch fundierter zurückgewiesen, wie in der überlieferten katholischen Soziallehre. Weiter behauptet Sarrazin, dass der Ursprung der Gleichheitsideologie und damit des Tugendterrors im Christentum, speziell natürlich in der katholischen Kirche zu finden ist. Und dafür werden nun gerade die üblichen „Argumente“ aus dem Arsenal der klassischen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts ausgegraben.

Schuld am heutigen Tugendwahn ist die Inquisition. Schon die Christianisierung hat nach Sarrazin einen Tiefschlag in der geistigen Freiheit bewirkt, der erst durch die Renaissance und die Aufklärung beendet wurde. 

Frei von jeder Kenntnis der Geschichte und die Ideologien des 19. Jahrhunderts nachplappernd, kommt er so zu den „säkularen Formen des Tugendterrors, vom Wohlfahrtsausschuss der Französischen Revolution über Stalins Kerker bis hin zur Gewaltherrschaft der Roten Khmer“, die es „mit den Terrortaten des christlichen Glaubens allemal aufnehmen“.

Man kann dem Autor nur empfehlen, anstatt jeden Tag Statistiken und Zahlenreihen zu studieren, doch ausnahmsweise ein Buch zur Geschichte der Kirche in die Hand zu nehmen; oder zumindest einige der Veröffentlichungen zur Inquisition, die in den letzten Jahrzehnten ein völlig anderes Bild gezeichnet haben als das durch die Französische Revolution, den Liberalismus und den Sozialismus entwickelte Lügengebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Man kann das Buch getrost in den Regalen der Buchhandlungen liegen lassen. Die berichteten Tatsachen über den rot-grünen Tugendterror kann man täglich im Internet nachlesen und der Rest des Buches ist schlicht: falsch.

Der Autor leitet die Webseite des traditionsorientierten kath. CIVITAS-Instituts: http://www.civitas-institut.de/