Almería: Vatikan hat 115 Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs seliggesprochen

Ein Vatikan-Kardinal hat am Samstag 115 Opfer des Spanischen Bürgerkriegs ins Buch der Seligen eingetragen. Dazu war Angelo Amato, Präfekt der Heiligsprechungs-Kongregation, nach Almería gereist.

Die neuen Seligen sind Priester und Laien, Männer und Frauen – was sie verbindet, ist die Tatsache, dass sie 1936 um ihres Glaubens willen gefoltert und ermordet wurden, wobei sie –  Zeugenaussagen zufolge – ihren Mördern vergeben haben.

„In diesen Jahren hat sich in Spanien der Hass gegen die Kirche, ihre Diener und ihre Gläubigen, entfesselt“, sagt Kardinal Amato in einem Interview:
„Eine große Verfolgung, die Tausende von Menschen das Leben kostete, nur weil sie Katholiken waren. Alle Bistümer Spaniens haben damals ihren Blutzoll entrichtet.
Jetzt hat Papst Franziskus die Seligsprechung von 115 Märtyrern aus dem Bistum Almería verfügt. Wir erinnern an sie, um dieses Erbe des Gehorsams zu Gott nicht unbeachtet links liegen zu lassen. Wir erinnern an sie auch, um zu betonen, dass das Christentum die Religion des Lebens ist und jeder Art von Gewalt eine Absage erteilt.“
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In Spanien heute an den Bürgerkrieg zu erinnern, ist immer noch heikel. Nach dem Tod des Diktators Franco im November 1975 hat es keine wirkliche Aufarbeitung der blutigen dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gegeben. Bis heute ist das Thema nahezu tabu; werden Massengräber von Hingerichteten des Bürgerkriegs freigelegt, kochen die Emotionen hoch.
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Wer sind die neuen Seligen? – Zu ihnen gehört zB. Don José de la Torre, Dekan der Kathedrale von Almería:
„Die Zeugen sagen, dass er eine Ausnahme-Persönlichkeit war. Er wurde 1936 festgenommen und zunächst auf einem Schiff festgehalten, auf dem Eisen transportiert wurde. Seine Kleider und die der anderen Verhafteten waren schwarz wie Kohle, es war Sommer, es war unerträglich heiß auf dem Schiff. Trotzdem hat Don José bei seinen Mitgefangenen für ein Klima der inneren Sammlung und des Gebets gesorgt. Er wurde wiederholt grausam gefoltert und aufgefordert, seinem Glauben abzuschwören, dem hat er sich bis zum Schluß wiedersetzt. Da haben sie ihn erschossen, während er seinen Henkern vergab.“
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Unter den neuen Seligen sind auch viele Laien, fährt Kardinal Amato fort:
„Da kann ich z.B. Luis de Montoya nennen: 34 Jahre alt, Mitglied der Katholischen Aktion, Rechtsanwalt. Ein frommer Mann, der immer versuchte, den Bedürftigen zu helfen, die sich an ihn wandten. Er ging jeden Tag zur heiligen Messe, besuchte Kranke, hielt Vorträge über das Thema Familie und Erziehung, über den Schutz der Ungeborenen. 
Dieser Mann hat sich freiwillig den Milizen gestellt, damit seine Familie ungeschoren davonkommen konnte. Der einzige Grund, warum er in Haft kam, bestand in seinem Katholischsein. Seine letzten Worte waren die, die er vor der Erschießung seiner Frau vom Schiff aus zurief: „Ich vergebe allen, die mich beleidigt haben, und allen, die mir Böses tun.“ –  Man fand seine Leiche im Meer schaukelnd, nahe am Strand.“

BILD: Gedenktafel an lokale Märtyrer, die von Kommunisten ermordet wurden, in der Kathedrale von Granada (Foto: Bernd Ulrich)

Auch Frauen sind unter den Seliggesprochenen  –  etwa die 49-jährige Carmen Godoy Calvache. Eine Frau, die ihr Geld oft daransetzte, dass arme Leute ihre Kinder zum Arzt schicken konnten:

„Als die Verfolgung losging, verlor sie ihr ganzes Geld: Die Milizen räumten sogar ihre Bankkonten leer und besetzten ihr Haus. Sie wurde verhaftet und misshandelt; die Milizen machten sich einen Spaß daraus, sie hungern und dürsten zu lassen. Man hat sie mit Messerstichen verletzt und beinahe im Meer ertränkt. An Silvester 1936 wurde sie an ihrer Brust verstümmelt und dann lebendig begraben. In der Hafenkneipe besoffen sich derweil ihre Peiniger und rühmten sich all der Folterungen, die sie dem armen Opfer zugefügt hatten.“

Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/03/26/spanien_115_opfer_des_b%C3%BCrgerkriegs_selig_gesprochen/1301328

HINWEIS: Im Spanischen Bürgerkrieg gab es Gewalttaten und Terror auf beiden Seiten (Sozialisten/Kommunisten auf der einen, Franco-Putschisten auf der anderen). Was diese seliggesprochenen Märtyrer betrifft, so meldet die österreichische Nachrichtenagentur „Kathpress“, daß die meisten von ihnen 1936 von Anhängern der Linksregierung ermordet wurden: https://www.kathpress.at/goto/meldung/1486231/papst-wuerdigt-115-maertyrer-des-spanischen-buergerkriegs


Der Vatikan hat fast 10.000 Juden Schutz vor NS-Verfolgung gewährt

Der Vatikan hat während des Dritten Reichs systematisch Juden und Flüchtlingen geholfen und ihnen Schutz geboten.

Das belegt der Vortrag des Archivars des vatikanischen Staatssekretariats, Johan Ickx, bei der Tagung „Refugee Policies from 1933 until Today: Challenges and Responsibilities“ am vergangenen Freitag in Rom. ce56f-radiovatikan

Fast 5000 Juden haben in 280 Klöstern Unterkunft gefunden, 3000 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, 1460 in katholischen Privathäusern, 60 in Gebäuden auf extraterritorialem Grund und 40 im Vatikan selbst.

Diese Zahlen gingen aus den Akten des vatikanischen Archivs hervor, so der Referent.

Ein Abkommen von Oktober 1943 mit den Nationalsozialisten sicherte Ickx zufolge den vatikanischen Gebäuden einen neutralen Status zu. Der Archivar wies auch darauf hin, dass der Vatikan bereits im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 drei Millionen Flüchtlingen geholfen habe.

Die zweitägige Veranstaltung wurde von der „International Holocaust Remembrance Alliance“ (IHRA) organisiert, einer Vereinigung, die sich um das Gedenken an die Opfer des Holocaust kümmert.

Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/02/17/vatikan_im_dritten_reich_archivar_legt_zahlen_vor/1293250

 


Fakten zu Kirchenhaß und Christenverfolgung im Spanischen Bürgerkrieg

Der seit Jahrzehnten  – nicht zuletzt wegen seiner Beiträge zu militärgeschichtlichen Fragen  –  bekannte Jesuitenpater Lothar Groppe SJ schrieb am 2.1.2014 einen Leserbrief an die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS).

Darin informierte er über die Opfer der kommunistischen Katholikenverfolgung zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs.marin

Der katholische Geistliche  –  er ist ein Sohn des in der Nazi-Diktatur verfolgten Generalleutnants und Widerständlers Theodor Groppe (siehe Foto)  –  reagierte damit auf einen FAS-Artikel mit dem Titel „Franco ging über ins Bewußtsein der Menschen“ vom 29.12.2013. 

Wir dokumentieren den vollen Wortlaut der Stellungnahme von Pater Groppe (siehe Foto): 

„Bei den Fragen von Yvonne Staat zu Georg Pichlers  Buch „Gegenwart der Vergangenheit“ fällt auf, dass sie doch recht einseitig gestellt sind. Im Deutschen gibt es den schönen Spruch: „Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man muß sie hören alle beede.“ DSC_0517

Als juahrzehntelanger Leser verschiedener Tageszeitungen fiel mir auf, dass es üblich war und ist, von der Franco-Diktatur zu sprechen. Von Stalin- oder Tito-Diktatur ist normalerweise nie die Rede. Als 21-maliger „Gast“ der Gestapo bin ich wohl kaum als Neo-Nazi einzustufen.

Frau Staat ist wahrscheinlich nicht bekannt, dass durch die „demokratischen“ und sicher edlen Rotspanier 12 Bischöfe (das „Lexikon für Theologie und Kirche“ spricht von 11 Bischöfen), 5255 Pfarrer, 2492 Mönche, 283 Nonnen und 294 Novizen erschossen, zu Tode gefoltert oder auf andere Weise ermordet wurden.

Der Erzbischof von Valladolid, Antonio Garcia Y Garcia, urteilte am 3.1.1947: „Die nationale Erhebung war in ihrem Wesen und in ihren grundsätzlichen Linien und in ihrer Gesamtheit eine legitime und völlig gerechte Erhebung zur Verteidigung der Religion und des Vaterlandes.“

Im Juli 1977 hielt ich in Sigüenza Vorträge und zelebrierte auch in der dortigen Kathedrale. Der Bischof von Sigüenza wurde im Bürgerkrieg ermordet und die dortigen Geistlichen sprachen von 12 ermordeten Bischöfen. Bleiben wir bei 11 Bischöfen.

Kein Kenner der damaligen Situation ist sich im unklaren, dass der Sieg der Roten zur Bolschewisierung Spaniens und wohl auch Frankreichs geführt hätte. Das übrige Europa hätte sich kaum der Bolschewisierung von West und Ost erwehren können.

Es ist unbestreitbar, dass es auf beiden Seiten zu Grausamkeiten und fürchterlichen Exzessen gekommen ist, was in Bürgerkriegen nahezu immer geschieht. Ein Vetter meiner Mutter wurde im Ruhrkampf gefesselt in die Ruhr gestürzt, nachdem man ihm vorher noch die Hände abgehackt hatte.

Wer nicht ideologisch verzurrt ist, sucht nicht Fehler und Verbrechen nur auf einer Seite, wie dies bei „Spätgeborenen“ nicht selten geschieht.“

Foto: Dr. Bernd F. Pelz